1. Allgemeines
Alles was Platon am Einzelmenschen darlegt, wie z.B. gerechtes Handeln, Tugend, Sittlichkeit und Gerechtigkeit kehrt im Staat in vergrößertem Ausmaß wieder. So ist die höchste Form des sittlichen Lebens, das sittliche Leben in Gemeinschaft in einem Guten Staat. In Platons Staatslehre kann man einen negativ-kritischen und einen positiv-aufbauenden Teil unterscheiden.
2. Kritik an den bestehenden Verfassungen
Da Platon hat sich in seinem Leben sehr viel mit Politik beschäftigt hat, setzt er sich mit den bestehenden Herrschaftsformen und deren Verfassungen auseinander. Da er meint, das sich eine Verfassung nach dem Charakter der herrschenden Menschen formt, vergleicht er auch den dazugehörenden Menschentyp.
2.1. Oligarchie
(sprachliche Herkunft: Griechisch) Deutsch: ,,Herrschaft der wenigen) Nach Aristoteles eine Regierung des Staates durch eine (eigensüchtige) herrschende Elite, z.B. den Adel; die negative Variante der Aristokratie.
2.1.1. Platons Kritik an der Oligarchie
In dieser Verfassung haben die Reichen die Regierungsmacht und die Armen sind von der Regierung ausgeschlossen. Dieses System besitzt drei bedeutende Fehler: 1) Nicht die besten und die Fähigsten, sondern die Reichen regieren 2) Zwischen den beiden Parteien, die der Reichen und der Armen, herrschen Rivalitäten. 3) Jeder hat die Möglichkeit seinen ganzen Besitz zu verschwenden und kann dann trotzdem (als Bettler) im Staat weiterleben. Wo man aber Bettler findet, findet man auch Verbrecher. Der zur Oligarchie dazupassende Menschentyp besitzt kein Streben nach Weisheit und Gerechtigkeit, sondern das Streben nach Profit und Kapital. Durch seine drohnenhafte und bettlerhaften Begierden ist dieser Mensch vom Ideal der ausgeglichenen Persönlichkeit weit entfernt.
2.2. Demokratie
(sprachliche Herkunft: Griechisch) Deutsch: ,,Herrschaft des Volkes" Staatsform die das Umsetzen des Mehrheitswillens der Bevölkerung im Regierungshandeln gewährleistet; Regierungsform, die sich durch freie, regelmäßig stattfindende Wahlen von Volksvertretern auszeichnet.
2.2.1. Platons Kritik an der Demokratie
Die Demokratie entsteht aus dem in der Oligarchie herrschenden Klassenkampf, wenn die Armeen den Sieg davontragen und die Gegenpartei verbannen. Freiheit und unbeschränkte Meinungsäußerung sind die Grundregeln der Demokratie. Sie ist nach Platon eine vergnügliche Verfassung, die eine angebliche Gleichheit gleichermaßen an Gleiche und Ungleiche verteilt.
2.3. Tyrannis (Gewaltherrschaft)
(sprachliche Herkunft: Griechisch) Deutsch: Alleinherrschaft
Regierungsform, die auf der Macht eines einzelnen Herrschers, der meist gewaltsam an die Macht gekommen ist(dem ,,Tyrannen")basiert.
2.3.1. Platons Kritik an der Tyrannis (Gewaltherrschaft)
Sie entsteht durch die in der Demokratie auf die Spitze getriebene Freiheit für den Bürger und den Staat, die in die entsprechenden Knechtschaft umschlägt. Der, durch das Volk an die Spitze gestellte Führer, wird von der ihm zu Verfügung gestellten Macht berauscht, und wendet sie rücksichtslos an (Nationalsozialismus, Faschismus).
n Gliederung in 3 Gruppen und 3 Staatsgrundaufgaben;
n Herrschaft der Besten (strenge Auslese);
n vollkommene Demokratie(gleiche Chancen für alle um in höchste Stellen aufzusteigen); n Privatfamilie und -besitz wird den Auserlesenen, den Herrschenden, nicht gewährt; n die Masse der Erwerbstätigen kann obriges behalten, ist aber von jedem politischen Einfluß ausgeschlossen;
3.2. Staatliche Aufgaben
n Ernährung und Erwerb als Grundlage n Verteidigung nach außen n Leitung der Vernunft entsprechen folgenden Gruppen: n Die Gewerbetreibenden n Die Krieger oder ,,Wächter" n Die Herrschenden
Gerechtigkeit besteht darin, daß die jeweiligen 3 Bereiche, unter Leitung der Vernunft, in Einklang gebracht werden.
3.3. Die Auswahl der Herrschenden
n Alle Kinder bekommen die gleiche Ausbildung (Musik, Gymnastik). n Bis zum 20. Lebensjahr Unterricht in Mathematik, Dialektik; Auferlegung von Schmerzen, Anstrengungen und Entbehrungen von Versuchungen.
Danach werden alle einer Prüfung unterzogen, und jene, die dieser nicht gewachsen sind werden ausgeschieden. n 10 Jahre weitere Erziehung für alle Übrigen Dann erfolgt eine weitere Prüfung. n 5 Jahre Schulung in der Philosophie
n Die nun 35jährigen müssen sich nun 15 Jahre in Erfahrung und Gewandtheit im praktischen Leben erproben.
Wenn diese 50 Jahre alt sind, werden sie automatisch(ohne Wahl) in führende Stellungen eingerückt.
3.4. Unterdrückung menschlicher Verlockungen in Platons Verfassung
Platon will in seiner Verfassung den Verlockungen des Menschen (Geld und Besitz, Frau und Familie) einen Riegel vorschieben, jedoch nur den Wächtern (hier gemeint als Krieger und Herrschende). Er stellte für diese Personen folgende Regeln auf:
3.4.1. Betreffend Geld und Besitz n kein unnötiger Besitz
n Einkommen durch das Volk (nur zur Deckung der Jahresausgaben) n Kein Gold- oder Silberbesitz Folgen durch Nichteinhaltung dieser Regeln wären:
Entstehung von Haß unter den Gruppen; Aufsteigen der zu Grundherren und rauhen Gebietern; Zusammenbruch des Staates;
3.4.2. Betreffend Frau und Familie n Keine eigene Ehefrau;
n Alle Frauen sollen diesen Männern gemeinsam sein, die Kinder sollen ihren Vater nicht kennen und umgekehrt ebenso;
n Die trefflichsten Frauen sollen den trefflichsten Männern so oft als möglich, die minderwertigsten Frauen den minderwertigsten Männern so selten als möglich beiwohnen.(Nur die Kinder der trefflichsten sollen aufgezogen werden, wenn die Rasse auf der Höhe bleiben soll);
4. Kritik und Würdigung der platonischen Staatslehre
Ein Argument wird der platonischen Staatslehre entgegengeschleudert: Utopie. Man sagt, sie möge manches richtige enthalten, sei aber schlechthin unausführbar. Schon sei Schüler Aristoteles spottete über diese Staatslehre und hielt sie schlechthin für unmöglich. Vor allem unterschätzt Platon den Besitztrieb des Mannes, sowohl in Hinblick auf materielle Sachen, sowie im Hinblick auf die Frau und Kinder. Entgegengehalten wird doch, daß Platon diese Forderungen nur für eine auserlesene Minderheit stellt und selbst in höherem Alter seine etwas überspannten Forderungen zurückgenommen hat. Aber wohl sind in der Geschichte einige Teile platonischer Staatslehre in Verfassungen übernommen worden. Vieles erinnert bei Platon an die modernen Staaten, wie z.B. an den Nationalsozialismus, an den Kommunismus und an die katholische Kirche, welche den Führer auch durch Auslese aller Schichten gewonnen hat.
Platon war sich darüber klar, daß er eine Staatsutopie erschaffen hat, doch war sie für ihn wichtig und notwendig.
Ein zweiter wichtiger Kritikpunkt an Platon besagt, daß die Regierenden im Staat eine
politische Machtstellung ohne wirtschaftliches Fundament in Händen haben. Ein dritter Einwand ist der , daß Platon aus der in seinen Lebenserfahrungen begründete Angst vor Mißbrauch demokratischer Rechte und geistiger Freiheiten wohl nach der anderen Seite zu weit gegangen ist. Er verlangt die Verfolgung religiöser ,,Ketzer" und will Dichtung, Musik und andere Künste einer strengen Zensur unterziehen. Das führt bei ihm dazu, daß z.B. die Dichtungen Homers aussortiert würden.
5. Quellenverzeichnis Platon- Der Staat
Hans Joachim Störig- kleine Weltgeschichte der Philosophie
Arbeit zitieren:
Daniel Esser, 2001, Platon - Der Staat, München, GRIN Verlag GmbH
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