jedoch an das Medium des 21. Jahrhunderts, das Internet, stellt sich die Frage, inwiefern Ästhetik heute noch in Verbindung mit Realitätsnähe zu sehen ist. Gelten doch z. B. viele abstrakte Websites oder Animationen als besonders künstlerisch wertvoll. Auch wenn es Versuche gibt, sich bei bestimmten Projekten, wie z. B. bei vollständig computeranimierten Filmen, möglichst dicht an das zu halten, was der Mensch als authentisch auffaßt, so überwiegt doch die Zahl der Animationen, Spiele und Filme, die in keinem Zusammenhang mit der wirklichen Welt stehen und stehen sollen, sondern es wird versucht, den Betrachter, den „User“, in eine künstliche Welt zu entführen. Was mich an Brunelleschis Experimenten fasziniert ist, daß er die architektonische Welt authentisch darstellte und es gleichzeitig verstand, die Welt darum „lebhaft“ zu machen, den Menschen mit einzubeziehen. Er schlüpfte dafür selbst in die Rolle des Betrachters, wurde mit ihm zusammen ein Teil der Konstruktion. Die Menschen waren in seinem Experiment als Akteure zu verstehen; jeder einzelne von ihnen prägte das Straßenbild und war als Individuum wichtig, was, wie ich finde, ein großer Schritt in Richtung eines menschlichen Weltbildes war.
Auch diesen Aspekt sehe ich heute teilweise im Internet fortgeführt. Die Menschen haben mit diesem Medium die Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung der „virtuellen Welt“ mitzuwirken. Jeder kann einen Teil dazu beitragen, eine Website erstellen, in Foren diskutieren und seine Meinung öffentlich verbreiten, was früher im Bezug auf die Kunst und den Journalismus nur denjenigen Personen möglich war, denen man die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte, und die überhaupt erst einen bestimmten Bekanntheitsgrad erlangt hatten, der es ihnen erlaubte, z. B. für eine Zeitung schreiben zu dürfen, bzw. seine Werke in irgendeiner Form veröffentlichen oder ausstellen zu dürfen. Das Medium Internet hat sich aufgrund der Interaktion von Produzenten und „Usern“ sowie von exakter Technik und freier Phantasie zu einem großen Theater entwickelt; ähnlich wie einem Straßentheater, in das sich der Passant, wenn er möchte, einbringen kann, in dem der Einzelne eine Rolle spielen kann.
Was der Betrachter jedoch sieht heutzutage, hat nichts mehr mit dem absoluten Streben nach Realität zu tun, wie es zu Brunelleschis Zeit der Fall war. Es erlaubt einen Blick auf die Welt, der aus verschiedenen Perspektiven möglich ist; man kann seinen eigenen Blickpunkt wählen, unabhängig und frei von Vorgaben. Man muß nicht mehr mit „erstarrtem Blick“ in die Welt gucken, um sie ohne Verzerrungen zu erkennen. Man kann sich vielmehr direkt in die Mitte begeben, agieren, bestimmen, was man sehen will - unabhängig davon, ob es existent ist oder lediglich die Flucht in eine Welt, die man sich nur erträumt.
Arbeit zitieren:
Britta Lüdemann, 2001, Zentralperspektive - Die Erstarrung des Blicks zu Beginn der Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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anna
2 Extreme.
1. Mir haben die freien Gedankengänge gut gefallen.
2. Auffällig war, daß die Autorin gerne den Ich-Standpunkt miteinbeziehen möchte. DAs fand ich allgemein ok., an manchen Stellen jedoch etwas zu eng.
3. Sehr kurz... was war der verlangte Umfang?
4. Den Spagat zwischen REnaissance und Internet finde ich sehr gewagt. Um es für den Leser wirklich nachvollziehbar zu machen, fand ich den Text zu kurz...
5. Insgesamt habe ich den Eindruck: interesanter Leseansatz, jedoch nicht genug ausgearbeitet.
Ich schreibe glaube ich ähnlich, habe aber das GEfühl, daß das auf die Dauer nicht reicht!
am Wednesday, April 30, 2003-