Charakterisierungen
Dr. B
Während seiner Gefangenschaft bedeutet das Schachspiel für ihn die einzige Beschäftigungsmöglichkeit. Es ist für ihn der einzige Weg, aus der geistigen Leere seiner Isolationshaft zu fliehen. Als er alle Partien auswendig gelernt hat, steht er wieder vor dem Nichts. Er fängt an mit sich selbst Schach zu spielen. Ein gefährliches Experiment, das ihm zwar bewusst ist, aber durch das Nichts, in dem er sich befindet, für ihn irrelevant wird. Seine beiden inneren Schachpartner fangen an sich zu bekämpfen und langsam aber sicher wird er wahnsinnig. Durch diesen Nervenzusammenbruch, kann Dr. B mit Hilfe eines Arztes aus seiner Gefangenschaft fliehen. Um diese Krankheit nicht mehr ausbrechen zu lassen, darf er nicht mehr Schach spielen.
Dr. B wird als gutmütiger und freundlicher Mensch beschrieben, der stark unter der Isolationshaft gelitten hat. Auf dem Schiff überredet ihn der Ich-Erzähler zu der Schachpartie gegen Czentovic. Dieses Spiel bedeutet einen Schlussstrich für ihn. Er will seine Vergangenheit bewältigen. Das scheint ihm zunächst auch zu gelingen, doch im Verlauf der zweiten Partie wird er immer nervöser und gereizter. Er fällt nach und nach in seinen Zustand des Wahnsinn zurück. Doch der Ich-Erzähler, dem Dr. B seine Geschichte der Gefangenschaft erzählt hat, kann ihn davon bewahren die Partie zu Ende zu spielen. Der Leser erfährt über Dr. B's innere Einstellung und über seine Gefühle nichts. Nur seine Emotionen während der Isolationshaft sind bekannt. Mirko Czentovic
Mirko ist der Sohn eines armen Donauschiffers, der stirbt als Mirko zwölf Jahre alt ist. Der Ortspfarrer nimmt Mirko auf und versucht ihm einiges beizubringen. Doch Mirko ist nicht fähig den Sinn von Buchstaben und Sätzen zu erkennen. Er wird im Buch als «maulfaules, stumpfes, breitstirniges Kind » beschrieben. Zwar hilft er dem Pfarrer willig häusliche Arbeiten zu erledigen, ist aber total teilnahmslos.
Abends, wenn der Pfarrer mit dem Dorfpolizisten Schach spielt, sitzt Mirko scheinbar schläfrig daneben und sieht zu. Seine einzige Fähigkeit wird entdeckt, als der Pfarrer eines Abends von einer Schachpartie zu einer Kranken gerufen wird. Mirko spielt mit dem Polizisten das Spiel zu Ende und gewinnt mühelos. Der Pfarrer will Mirkos einziges Talent unter Beweis stellen und bringt ihn zum Schachclub der Nachbarstadt. Mirko schlägt ein Mitglied nach dem anderen.
Die Mitglieder des Clubs fördern ohne zu zögern seine Karriere. So wird aus dem geistig zurückgebliebenen Schifferssohn der Schachweltmeister. Doch Czentovic ist immer noch der beschränkte, maulfaule Bauernjunge von damals. Er spielt nicht um des Spieles Willen, sondern ist immer auf einen Profit aus. Er spielt nur gegen Geld und erregt so den Ärger seiner Kollegen, die ihm geistig zwar überlegen sind, aber doch an seiner kalten Logik gescheitert sind. Czentovic ist absolut von sich selbst überzogen. Der Ruhm ist ihm zu Kopfe gestiegen, und der Gedanke, jemand könnte ihn schlagen, ist ihm nie gekommen. Trotz seiner Erfolge auf dem Schachbrett wird er im Buch als eine « groteske, beinahe komische Figur » beschrieben. Ich-Erzähler
Das ganze Buch wird aus seiner Sicht erzählt. Er ist ein Passagier, der gerne die Psyche von Mirko Czentovic analysieren möchte. Er kommt aber nicht an ihn heran und versucht es mit dem einfachsten Mittel, nämlich Czentovic mit dem zu locken, das er kann: dem Schachspiel. Er ist also praktisch der Auslöser der Geschichte. Indem er sich mit einem Schachbrett in den Salon setzt, lockt er verschiedene Personen an. Doch erst durch den Reichtum von McConnor gelingt es, auch Czentovic heranzulocken. Dessem Psyche kann der Ich-Erzähler trotzdem nicht näher untersuchen, da Czentovic verschlossen bleibt. McConnor
Er ist ein ehrgeiziger Millionär, der sich selbst als guter Schachspieler betrachtet, jedoch kein grosses Können besitzt. Für ihn ist das Schachspielen bitterer Ernst und wohl auch eine Art Selbstbestätigung. Als er hört, dass der amtierende Schachweltmeister auf dem Dampfer ist, muss er natürlich gegen ihn spielen. Er bezahlt ohne zu zögern die Summe von zweihundertfünfzig Dollar. Figurenkonstellation
Der Ich-Erzähler hat grosse Sympathien für Dr. B, die sich im Laufe der Geschichte aufbauen und vertiefen. Ich denke, wenn man die Geschichte weiter spinnen würde, würden sich die beiden wiedertreffen, da der Erzähler Dr. B am Ende buchstäblich vor dem Wahnsinn rettet. Das ist in der Geschichte der Höhepunkt ihrer, noch am Anfang stehender Freundschaft. Für den Ich-Erzähler haben alle gewisse freundschaftliche Gefühle, mit Ausnahme von Czentovic, der für niemanden irgendwelche Sympathien hegt. Doch der Ich-Erzähler ist meiner Meinung nach ein Durchschnittsmensch, der zwar nirgends aneckt, aber auch nicht
gross beachtet wird. McConnor und Czentovic sind nicht beliebt. Czentovic noch weniger als der Millionär, da er niemanden an sich heranlässt und alle anderen von oben herab behandelt. McConnor ist nicht beliebt, weil er absolut von sich selbst überzogen ist. Er ist seiner Meinung nach in allem der Beste. Erzählsituation und Darbietungsform
Die Novelle wird in der personalen Ich-Erzählsituation erzählt. Der Erzähler gehört zur Welt des Geschehens ; er ist ein Teil davon. Das Erlebte und das Erzählte Ich sind ein Einziges. Das heisst, der Ich-Erzähler beschreibt das Erlebte in dem Moment, in dem es passiert. In der Novelle kommen sowohl direkte Rede wie auch indirekte Rede vor. Das heisst, der Autor(Erzähler) schreibt die Geschichte im Erzählerbericht und im Personenbericht. Raum
Der Handlungsort der Novelle ist ein Passagierdampfer, also ein relativ kleiner, enger Raum, der von der Aussenwelt abgeschnitten ist. Die symbolische Bedeutung des Raumes wird erkennbar durch 1. Das Schachspiel
Dieses Spiel ist ein Denksportspiel das von zwei Personen gespielt wird. Es braucht eine grosse Konzentration in einem einseitigen gedanklichen Raum, um dieses Spiel spielen zu können. Wenn man Schach spielt, vergisst man alles um sich herum, man ist wie von der Welt abgeschnitten.
2. Die geistige Beschränktheit von Mirko Czentovic
Czentovic hat ein Talent. Dieses einseitige Können zeigt wieder die Symbolik des engen Raumes. Er kann nur ein kleiner Teil seines Hirns benutzen. Er ist isoliert von der Aussenwelt. 3. Die Gefangenschaft von Dr. B
Dr. B ist über einen sehr langen Zeitraum in einem kleinen Raum, mit immer dem gleichen Aussehen gefangen gehalten worden. Auch seine Geschichte enthält das Symbol der Isolation, der Enge.
Kompositionsstruktur
Die Novelle wird in einer Rahmenhandlung und einer Binnenhandlung erhält. Die Rahmenhandlung ist die Reise auf dem Schiff und das Schachspiel mit Czentovic. Die Binnenhandlung ist die Erzählung von Dr. B über seine Gefangenschaft. Der Spannungshöhepunkt der Rahmenhandlung ist ganz klar das Schachspiel mit Czentovic und Dr. B's Einmischung. In der Binnenhandlung ist der Spannungshöhepunkt das Finden und Stehlen des Buches, das für Dr. B's weitere Leben von entscheidender Bedeutung ist. Interpretation
Ich denke, Stefan Zweig wollte mit diesem Buch das Zerstörerische desNationalsozialismus zeigen. Er schildert Methoden der Gestapo und ihre Verstösse gegen die Menschenrechte. Über die Hälfte des Buches widmet er Dr. B und seiner Zeit in der Isolierhaft. Als ich das Buch zu lesen begann, hatte ich oft das Gefühl, der Ich-Erzähler sei Stefan Zweig selbst. Doch später fand ich, dass der Charakter Zweigs eher mit dem, des Dr. B übereinstimmt. Und tatsächlich ist das Buch ist autobiographisch gefärbt. Stefan Zweig litt ebenso wie Dr. B unter dem Nationalsozialismus. Beide litten unter dem Gedanken, ihr Heimatland Österreich verlassen zu müssen und nie mehr wiederzusehen. Ich fand das Buch spannend und interessant, und werde es sicher wieder lesen. Autor
Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 als zweiter Sohn des böhmischen Textilfabrikanten Moritz und seiner Frau Ida Zweig in Wien geboren. Er ist in einem wohlhabenden, jüdischen Bürgertum aufgewachsen und studierte Philosophie. Er litt an der sogenannten « schwarzen Leber », eine Art immer wiederkehrende Depression, die ihn selbst bei bester Stimmung für die « Schattenseiten des Lebens » anfällig machte. Stefan Zweig war ein für alles offener und in einer selbstaufopfernden Weise Hilfe leistender Mitmensch. Er schien immer an das Gute im Menschen zu glauben. Durch eine « böse Vorahnung », die er für Österreich hegte, entschloss er sich 1933 nach London zu reisen. 1934 setzte er sich dort fest und 1940 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an. Seine Ehefrau blieb in Österreich zurück. Stefan Zweig fand in Lotte Altmann, seiner Sekretärin, eine neue Lebensgefährtin. Doch auch in England fühlte er sich nicht wohl. 1940 reiste er nach Brasilien und liess sich dort mit Lotte Altmann nieder. Er wollte nicht mehr in eine völlig zerstörte Welt zurückkehren. Mit dem Eintritt Japans in den 2. Weltkrieg und der
Niederlage Singapurs, den schlimmen Nachrichten aus Europa und der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage, wählten Stefan Zweig und Lotte Altmann am 23. Februar 1942 den Freitod.
Arbeit zitieren:
Ladina Blum, 2000, Zweig, Stefan - Die Schachnovelle, München, GRIN Verlag GmbH
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Patrick
Bewertung.
Inhaltlich ist das Referat sehr wertvoll, wohingegen der sprachliche Stil zu viele parataktische Elemente aufweist.
am Monday, May 21, 2001-
willy
schachnovelle.
sehr guter beitrag die Personenbeschreibung ist besonders gut TOP!!!!!
am Tuesday, March 20, 2007-