_ Zusammenwirken von T.- u. B - Zellen führt zu der entz. Markscheidenschädigung, die neben der gliösen Vernarbung ( ,, Sklerose ,, ) das Charakteristikum der MS ist.
¬ MS bezieht sich auf die weisse Substanz des gesamten ZNS
¬ Lipoide Substanzen der Markscheiden werden aufgelöst, wobei Achsenzylinder und Axon zunächst erhalten bleiben. ¬ Grosse Herde · Funktionsstörung ¬ Kleine Herde · in stummen Regionen, klinisch unerkannt
¬ Herde / Plaques: unterschiedlich gross ( Stecknadel - Markstück ), unterschiedlich verteilt ¬ Frühes Stadium: rötlich geschwollene u. aufgelockerte Markscheiden; Rückbildung mögliche
¬ Spätes Stadium: Zerfall der Markscheiden u. Ersatz durch Glia · Verhärtung u. Narbenbildung = Sklerose
Bevorzugte Stellen:
- Sehnerven
- Balken
- Hirnstamm
- Insbes. Brücke mit Augenmuskelkernen
- Kleinhirn u. Kleinhirnstiele
- Pyramidenbahn auf jedem Niveau
- Der Boden des IV. Ventrikels
- Hinterstränge des Rückenmarks
Seltener:
- Hirnrinde
- Basaiganglien
- Rückenmarksgrau
Verlaufsformen:
1. Schubweise; mit wachsender Symptomatik
Schubdauer: wenige Tage bis 1 - 2 Wochen
Darauffolgende, meist unvollständige Rückbildung ( Remission )
Intervall bis zum nächsten Schub normalerweise: 1 - 2 Jahre Möglich auch: wenige Monate - 10-15 J.
2. Chronisch progredient: anfangs Schübe, dann ständig anhaltend o. Rückbildung mit schubartiger Verschlimmerung, häufig bei Patienten mittleren Alters
3. Foudroyante ( plötzlich einsetzende ) Schübe mit schnellem Tod wenige Wochen nach der
1. Manifestation ( SEHR SELTEN!!! )
Äthiologie: vier mögliche Thesen:
1. Virusinfektion im Kindesalter ( Masern - Antikörper / Titer erhöht )
2. Neuroallergische Hypothese ( Plasmazellen im Liquor )
3. Genetische Faktoren ( erhöhte Wahrscheinlichkeit zu erkranken )
4. Myelinvulnerabilität ( Enzymhaushalt gestört )
Symptome:
- Retrobulbäre Neuritis ( Entzündung des hinter dem Augapfel liegenden Teil des N. opticus · Visusabfall ( Sehschärfenabfall ) bis zur völligen Erblindung ( Amaurose ) innerhalb einer Stunden oder Tage, wobei der Fundus ( Augenhintergrund bzw. Augenoberfläche ) unauffällig bleibt
- Restsymptome: totales / relatives Zentralskotom ( Gesichtsfeldausfall )
- Atrophie ( Gewebsrückbildung ) der temporalen Papillenhälfte ( Papille = Diskus n. optici = blinder Fleck = Austrittsstelle der Sehnervenfasern aus der Netzhaut )
- Drehschwindelattacken ohne akustische Begleiterscheinung
- Flüchtige Doppelbilder ( Diplopie = Doppeltsehen )
- Trigeminusneuralgie ( sekundenlange, spontan auftretende Schmerzattacken im Versorgungsgebiet des N. trigeminus )
- Motorische Symptomatik: Zentrale Paresen, Steifigkeit des Ganges, Spastik mit Reflexkloni
- Sensibilitätsstörungen: Taubheit, Pelzigkeit oder Kribbeln vorallem an Händen und Füssen, Nackenbeugezeichen häufig nach Lehrmitte positiv.
- Blasenstörungen: Retention oder Dranginkontinenz.
- Kleinhirnfunktionsstörungen: Charcot - Trias: Nystagmus, Intensionstremor, skandierendes Sprechen
- Psychisches Veränderungen: Euphorie
Typische Symptomkombinationen
- Gefühlsstörungen an den Händen und spastische Paraparese der Beine,
- Spastisch - ataktischer Gang mit Missempfindungen und Blasenstörungen,
- Inkomplettes Querschnittssyndrom mit Nystagmus und skandierendem Sprechen
- Rezidivierende, flüchtige Lähmungen wechselnder Augenmuskelnerven.
Diagnostik:
· Liquoruntersuchung· Lumbalpunktion
- Erhöhtes Gesamteiweiss
- Erhöhtes IgG
- Plasmazellen im Liquor
- Gesamtzellzahl im Liquor etwas erhöht
· Fehlender Bauchhautreflex
· Positives Lhermittesches Zeichen ( auf kräftiges Kopfbeugen nach vorne, Missempfindungen von Schulter bis zu den Armen ziehend oder über gesammte Wirbelsäule abwärts bis zu den Beinen
· Evozierte ( hervorgerufene ) Potentiale · visuelle E.P.: über der Sehrinde abgeleitete Reizantwort auf optischen Reiz zeigt verlängerte Latenz · auditive E.P- mit Herd im Hirnstamm
· Computeromographie
Röntgenstrahl wird in Abhängigkeit der vorhandenen Struktur innerhalb der Körperschicht, die durchstrahlt wird, verschieden stark abgeschwächt · Sichtbarmachen von Entmarkungsherde
· Magnet - Resonanz - Imaging ( MRI ) Kernspintresonanz
Protonen, im Magnetfeld ausgerichtet, absorbieren elektromagnetische Wellen von bestimmter Frequenz, wodurch ihre Ausrichtung zum äusseren Feld gestört wird; bei Rückkehr in ihren ursprünglichen Zustand senden sie messbare elektromagnetische Strahlung aus
· Auffinden von Plaques von 4*3mm Grösse
· Auffinden von verminderten Hirnvolumen - schmälere Rindenwindungen, verbreiterte Furchen
Differentialdiagnose und Kombination verschiedener Untersuchungen sind nötig, da einzelne Symptome auch auf andere Entmarkungskrankheiten hinweisen könnten. Erst die Kombination verschiedener Symptome sichert die Diagnose MS.
Therapie:
Eine ursächliche Therpie ist bisher nicht möglich. Da die Entzündung wahrscheinlich ( auto- ) immunogen mitbedingt ist, werden Medikamente eingesetzt, die entzündungshemmend wirken und / oder das Immunsystem unterdrücken.
¬ Hochdosiertes Cortison oder ACTH ( Adreno - corticotropes Hormon )· ( 500 mg i. v. (oder oral ) über 5 Tage dann Ausschleichung ); hierdurch wird die Rückbildung der Symptome beschleunigt, der Krankheitsverlauf insgesamt aber nicht beeinflusst. Daher ist eine Glukokortikoiddauerbehandlung nicht angezeigt · KEINE Dauersteroide ¬ Beta 1 a Interferon ( Immunmodelatoren ) 1 mal wöchentlich ( regulierend auf Immunsystem)
¬ Immunsuppression mit Azathioprin ( z. B. Imurek ) oder
¬ Zytostatische Therapie mit Cyclophosphamid ( z. B. Endoxan )· Da sich hierdurch, wenn auch erst nach Jahren, die Krebsgefahr erhöht, ist die Indikation um so strenger zu stellen, je jünger der Patient ist.
Symptomatische Behandlung:
¬ Gabe von Baclofen ( z. B. Lioresal ) gegen die Spastik
¬ Antidepressiva bei reaktiver Depression ¬ Carbachol ( z. B. Doryl ) bei Blasenentleerungsstörungen ¬ Carbamazepin ( z. B. Tegretal ) bei Trigeminusneuralgie
Lektüre:
· Poeck - Neurologie
· Pschyrembel
· Pflege heute
· Mitschrieb Dr. Ehrle Anhalt
Arbeit zitieren:
Stephanie Weigel, 2001, Multiple Sklerose, München, GRIN Verlag GmbH
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