völkerung - auch mit Hilfe von Pendelverflechtungen (Ein- Auspendler) vollzogen werden. 1. Pendelwanderungen 1.1 Amtliche Erfassung
Die Daten aus der Volks- und Berufszählung dienen als Grundlage für die Ermittlung von Pendlerregionen und Arbeitsmarktzentren. Im folgenden werden verschiede Abgrenzungskriterien und deren Inhalte kurz aufgezeigt. 1.1.1 räumlich
Der Begriff des Pendlers erwähnte zum ersten Mal Losch im Jahre 1903 in einer Publikation über die vorhergegangene Volks- und Berufszählung (1900). Dabei muß folgendes gewährleistet sein: Das Auseinanderfallen von Wohn- und Arbeitsort, die durch eine Verwaltungsgrenze getrennten Gemeinden zugehören, d. h. Pendelbewegungen innerhalb von Ortschaften, insbesondere Eingemeindungen, zählen nicht als solche. Diese Definition wird heute immer noch verwendet und gilt als üblich. Im Jahre 1970 kam es jedoch in der amtlichen Statistik zu einer Erweiterung des Pendlerbegriffs, das den Umstand der großen Anzahl der innergemeindlichen Pendler mit berücksichtigte. Die neue Definition beschrieb den Pendler somit sehr allgemein als „Person, deren Arbeits- bzw. Ausbildungsstätte nicht auf ihrem Wohngründstück liegt.“ Diese Definition impliziert, daß nahezu alle Erwerbstätigen als Pendler eingestuft werden, da nur bei einem relativ geringen Personenanteil Wohn- und Arbeitsstätte identisch sind.
Pendelverflechtungen resultieren somit durch Trennung von Wohn- und Arbeitsraum bzw. deren ungleiche Verteilung; das Pendeln wird damit zu einer Notwendigkeit. Die obige neue Anschauungsweise ließ folglich die Differenzierung des Pendlers in innergemeindliche Pendler und Pendler über eine Gemeindegrenze (dabei zusätzliche Unterscheidung: Pendler über eine Kreisgrenze, Pendler über eine Grenze des Bundes-landes oder ins Ausland) zu.
Wehrpflichtige, Urlauber, Lieferverkehr, Einkaufsverkehr und alle unregelmäßig auftretenden Pendelwanderungen werden laut dieser Definition nicht als Pendler betrachtet. Neben den Räumen an sich, spielen selbstredend die Entfernungen der jeweils zurückgelegten Wegstrecke eine wichtige Rolle bei der Erfassung.
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1.1.2 tätigkeitsbezogen
Allgemein erfolgt hierbei eine Differenzierung zwischen Berufs- und Ausbildungspendlern. Dabei ist feststellbar, daß bei höherem Spezialisierungs-/Ausbildungsgrad, man eher dazu geneigt ist, größere Entfernungen zur Arbeitsstätte zurückzulegen. Ein Grund dafür ist der Umstand, daß die gutbezahlten Tätigkeiten/Jobs bevorzugt in Arbeitsmarktzentren (Städten) angeboten werden. Der Arbeitnehmer kann aufgrund seines Einkommens größere Entfernungen in Kauf nehmen, die finanzielle Mehrbelastung fällt nicht ins Gewicht. 1.1.3 nach Richtungsbewegung
Die Abgrenzung erfolgt hierbei aus verschiedenen Sichtweisen:
- aus Sicht der Pendlerregion bezeichnet man den Pendler als Auspendler,
- aus der Sicht der Arbeitsmarktregion wird dieser als Einpendler betitelt. 1.1.4 nach der Häufigkeit
Man differenziert hierbei die Pendler hinsichtlich dreier Perioden:
- Tagespendler (häufigster Fall)
- Wochenpendler
- Pendler nach größeren Zeitabschnitten.
Dabei ist das Ein- und Auspendeln weitgehend mit festen Zeiten, gleichem Verkehrsmittel und gleicher Strecke in Verbindung zu sehen. 1.1.5 nach der Verkehrsmittelbenutzung (überwiegend benutztes lt. Statistikstelle Bonn)
- Individualverkehr (z.B. eigener Pkw): Bequemlichkeit, Unabhängigkeit, aber auch Prestigegründe führen zu einem wachsenden Verkehrsaufkommen. Raumplaner werden somit zunehmend bzgl. der dadurch entstehenden Probleme gefordert. Die erhöhten Kosten des Individualverkehrs (im Vergleich zu öffentl. Verkehrsmitteln) werden durch o.a. Gründe eliminiert oder nehmen keine schwerwiegende Rolle ein. In ländlichen Gebieten kann man wegen der oftmals schlechten Infra- und Verkehrsstruktur auf den Individualverkehr kaum verzichten.
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- ÖPNV: Er ist dadurch gekennzeichnet, daß die Kosten eher niedrig ausfallen, andererseits aber nicht die Vorteile des Individualverkehr bietet. Feste Fahrzeiten, Wartezeiten, Umsteigen weisen eine deutlich geringere Flexibilität wie beim Individualverkehr auf. Durch Ausbau und Verbesserung des Verkehrssystems, v.a. in Ballungszentren und Städten, nicht zu vergessen der steigende Wohlstand, förderten den Anstieg des öffentlichen und individuellen Verkehrs in den letzten Jahrzehnten signifikant. Damit ver-bunden war ein wachsen der Pendlerregionen (Einzugsgebiete) und damit auch die Intensität, d.h. die Anzahl der Einpendler. 1.1.6 nach dem Zeitaufwand
Die Pendlererfassung nach dem benötigten Zeitaufwand zur Arbeitsstätte (in 15 Minuten-Intervallen gemessen) stellt ein weiteres Erfassungskriterium in der Amtlichen Statistik dar.
Die in Anspruch genommene Zeit ist von verschieden Faktoren abhängig, wie von der zurückgelegten Entfernung, Beschaffenheit des Verkehrsnetzes, Art des benutzten Verkehrsmittels, der Verfügbarkeit des Verkehrsmittels(öffentl. oder privat) oder der Verkehrsdichte
V.a. nach dem Zeitaufwand (dabei spielt die Qualität der Infrastruktur maßgeblich mit ein) richtet sich die Größe der Pendlerregion bzgl. eines Arbeitsmarktzentrums; so können z.B. Autobahnen einen Sogeffekt ins Zentrum bewirken, der weit bis in das Hinter-land hineinreicht 1.1.7 nach dem Kostenaufwand
Aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens (rush-hours) entstehen erhöhte Kosten, die in Verbindung mit dem Zeitaufwand zu sehen sind. 1.2 Nichtamtliche Erfassung
Um sonstige Daten zur Ergänzung zu erlangen, die nicht in der Berufs- und Volkszählung enthalten sind, kann man z.B. auf andere Organisationen, Institutionen zurückgreifen und Sekundärdaten zur Auswertung zu Rate ziehen, z.B. Verkehrsträger (Monatskarten als Pendlerindikator), Unternehmen (Personalkarteien), Gemeindeämter etc. Direkte Befragungen von Personen werden ebenfalls durchgeführt Eine weitere Differenzierungsart der Pendler sind:
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- autochthone Pendler: oftmals ehemalige Bauern, die jetzt neuen Job in der Stadt wahrnehmen,
- allochthone (zugezogene) Pendler: i. d. R. verschiedene Sozialgruppen, die die Vorteile des Umlandes nutzen möchten.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß aufgrund der o.a. Kriterien Pendlerströme somit Auskunft über die Struktur der Wohn-, d.h. Pendlerregion und über die Abhängigkeiten zu einem Arbeitsmarktgebiet geben (sie zeigen auch Richtung und Stärke der Pendelbewegung an).
2. Pendlerregion
In diesem und folgenden Kapitel folgen jeweils diverse Charakteristika und damit Erfassungsmerkmale, die stichwortartig dargestellt wurden.
- überwiegende Mehrheit der Pendler i. d. R. aus näherem Umland des Arbeitsmarktgebietes (Stadt)
- wichtig hierbei ist der Anteil der Auspendler à Abgrenzung der Pendlerregion
- Stadt-Umland-Wanderungen, allg. verursacht durch schlechtere Lebensbedingungen in der Stadt, hohe Mieten à Verstärkung der Pendelwanderung
- je weiter Region von bestimmtem Arbeitsmarktgebiet entfernt, desto geringer fallen die Pendelwanderungen aus
- in Pendlerregion Arbeitsplatzdefizit, dies führt zur Pendlelwanderung, d. h. Ausgleichsprozeß; in Stadt Arbeitsplatzüberschuß à positiver Pendlersaldo
- Pendlerregionen konnten sich aufgrund einer bestimmten Entfernung zu einer Stadt, in der Arbeit angeboten wurde, mit einer steigenden Mobilität mittels Bahn, Auto etc. (steigender Wohlstand) und der damit verbundenen Infrastruktur entwickeln, die Pendlerregion konnte damit wachsen/sich ausdehnen
- Region wird mit steigender Entfernung zum Arbeitsmarktgebiet ländlicher, d.h. strukturschwächer à Pendeln wird notwendig
- der Pendelverkehr impliziert neue infrastrukturelle Maßnahmen (Zerstörung von Teilen der Natur), steigendes Verkehrsaufkommen (Zeitverluste, Lärmbelastung, finanzieller Aufwand)
- durch neuere Kommunikationsmedien, Arbeitsmethoden (z. B. Telearbeit) könnten Pendlerströme in den nächsten Jahren abnehmen
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3. Arbeitsmarktregion
(= zentrale Orte, Wohnen vielfach außerhalb oder außenorientiert hinsichtlich des Stadtzentrums)
- gute Verkehrsanbindung und Infrastruktur
- -Erwerbsstruktur geprägt von sekundärem und tertiärem Sektor, primärer Sektor fällt nahezu weg
- Arbeitsstättenkonzentration v.a. in Städten
- wichtiger Gradmesser ist hierbei die Anzahl der Einpendler (Anziehungskraft des Arbeitsmarktzentrums)
- Aufgrund der Ansiedlung/Ausbreitung von immer mehr Arbeitsstätten/Fa., Industrien, aber v.a. Dienstleistungen in Zentren(v.a. in Städten) werden entsprechend Arbeiter benötigt, die aus dem Ergänzungsgebiet, verstädterte Zone und Randzone stammen, d.h. die im Zentrum Ansässigen können den Bedarf an Arbeitskräften nicht in vollem Umfang decken; Pendlerregion nimmt mit Spezialisierung der Arbeitsplätze im Zentrum, aber auch mit dem Mangel an Arbeitsplätzen im Umland zu
- Arbeitsplatzangebot konzentriert sich auf gewisse Produktionsorte/Zentren, d.h. keine gleichmäßige Streuung von Arbeitsplätzen
- Kapital als Erfassungsindikator, geht aus Ansiedlung von Unternehmen in dem Zentrum hervor, auch erhöhte Steuereinnahmen
- Erfassung nach Einkommen(i.d.R.höhere Verdienste, je nach Region unterschiedlich)
- Methodenbsp. Kennziffernmethode(im Ggs. zu anderen Verfahren zeit- und kostensparend): Bestimmung der Arbeitsmarktzentren mit Hilfe von Kennziffern der Wohnbevölkerung oder Arbeitsplatzdichte, anschließend Zuordnung von umliegenden Gemeinden (Pendlereinzugsgebiete)zu einem Zentrum:
-Außenorientierung (allgemein): (bei >25 % àAußenorientierung, Stand: 1976)
-Auspendlerstruktur (spezifisch zu einem Zentrum): Wenn Auspendlerquote >50% oder eindeutige Dominanz, so Zuordnung zu einem Zentrum:
4. Schlußbemerkung
Es stellt sich nun natürlich die Frage, warum eine Abgrenzung oder Erfassung von Pendlerregionen, Arbeitsmarktgebieten und Pendelwanderungen überhaupt vorgenommen wird, welcher Zweck im Hintergrund steht?
Allgemein bemüht man sich den Gesamtmarkt in Teilbereiche aufzugliedern, um dadurch zielgerechtere Diagnosen und Analysen, die für Wirtschaft und Raumplanung von großer Bedeutung sind, zu liefern. Die Daten der Berufs- und Volkszählungen stellen somit die Grundlage für Planungsprozesse dar. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen liefern der Stadt-, Verkehrs-, Arbeitsmarkt-, Siedlungsstruktur- und Regionalplanung wichtiges Material für die zukünftige Raumgestaltung und -entwicklung. Zudem lassen sich Veränderungen und Zusammenhänge bzgl. der Entwicklung der Pendlerbeziehungen im Laufe der Zeit ausmachen.
Zwei wesentliche Probleme sind jedoch unübersehbar. Einerseits findet die Volks- und Berufszählung in der Bundesrepublik Deutschland in relativ großen Zeitabständen (10 Jahre und mehr; im Gegensatz dazu z.B. USA) statt. Andererseits erfolgt die Erfassung länderspezifisch (nicht einheitlich), d.h. internationale Vergleiche werden hierdurch erschwert.
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Literatur/Quellen:
Bundesstadt Bonn (1999): Bonner Monatszahlen. Abrufbar unter: http://www.bonn.de/statistikstelle/StaBer/ (Datum: 02.12.1999). Fassmann, H. und P. Meusburger (1997): Arbeitsmarktgeographie: Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit im räumlichen Konflikt, (Teubner) Stuttgart. Klemmer, P. (1976): Probleme einer arbeitskräfterelevanten Typisierung von Regionen. In: Engelen-Kefer, U. und Klemmer, P.: Abgrenzung regionaler Aktionsräume der Arbeitskräftepolitik. Göttingen, S. 177 - 269.
Leser, H. (Hrsg.) (1997): Wörterbuch Allgemeine Geographie, (Westermann) Braunschweig.
Otto, H.-J. (1979): Die Trennung von Wohn- und Arbeitsstätte als empirisches Problem und ihre Auswirkungen im raumordnungspolitischen Bereich. In: Rhein-Mainische Forschungen. Frankfurt a. M.
Troxler, J. M. (1986): Wohnstandort- und Pendelmobilität im suburbanen Raum: Theoretische Grundlagen und empirische Untersuchung in der südwestlichen Agglomeration Zürich, (Lang) Zürich u.a.
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Arbeit zitieren:
Ch. Naumann, 2000, Die Erfassung von Pendelwanderung, Pendlerregionen und Arbeitsmarktgebieten, München, GRIN Verlag GmbH
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