Kurzcharakteristik, Interpretation und Kommentar:
,,De Re Rustica" von Columella, ist ein Werk von 13 Büchern, in denen ausführlichst Ratschläge für die Organisation eines landwirtschaftlichen Betriebs und des Gartenbaus. Columella lebte wahrscheinlich in der ersen Hälfte des 1. Jahrhundert n.Chr. Er stammte aus Gades in Spanien, verbrachte jedoch die meiste Zeit seines Lebens als Großbauer in Italien. Zielpublikum seines Werkes sind auch vor allem italienische Großbauern, daher ist das Werk an die herrschenden Verhältnisse in Italien angepaßt.
Einen wesentlichen Bestandteil der Landwirtschaft bildet natürlich auch die Verwendung von Sklaven. In den letzten Kapiteln des ersten Buches beschäftigt sich Columella mit der Behandlung und Verwendung von Sklaven. In dem von mir ausgewählten Ausschnitt geht es um die beste Wahl bei der Bestellung des Verwalterpostens.
Die Gegenüberstellung des idealen Verwalters mit den Stadtsklaven ist äußerst aufschlußreich und anschaulich. Man kann eine lebhafte Vorstellung vom Leben der Stadtsklaven entwickeln, wie sie in ihrer ,,Freizeit" den Zirkus besuchen, beim Würfelspiel zusammensitzen oder der Befriedigung ihrer Lüste nachgehen.
Es mögen Stereotype sein, aber die Tatsache, daß sich den Sklaven in der Stadt (besonders denjenigen die über ein peculium verfügten) mehr Möglichkeiten boten, am sozialen Leben teilzunehmen und ihre Zeit zu gestalten, kann nicht bestritten werden. Der Sklave am Land hingegen ist nicht nur eine unbezahlte Arbeitskraft, er ist, ohne Beschönigungen, Nutzvieh. Ob im Ergasterium oder im Landhaus, der Sklave muß an harte, manuelle Arbeit gewöhnt sein und nicht in ,,urbanas ac delicatas artes" 1 . Wenn ein Sklave nun aus der Stadt diese Laster mitbringt, gerät durch dessen unzuverlässige Arbeit der Besitz in Gefahr, vor allem wenn er eine so wichtige Position wie die eines Verwalters einnimmt. Columellas Langzeitstrategie besteht ohnehin darin, daß sich die Sklavenpopulation durch natürliche Vermehrung erhält (Col. De Re Rustica I,8,19), also kein Grund mehr dazu besteht, Sklaven zuzukaufen. Das erklärt auch, warum Columella die Gleichsetzung von Stadtsklaven mit mancipiorum macht.
Columellas Text kann nicht nur als Zeugnis für die Beurteilung der Stadtsklaven gesehen werden, sondern dokumentiert wohl auch die Ablehnung der gesamten ,,lasterhaften" Stadtkultur julisch-claudischer Zeit durch die bäuerliche Mentalität, die auch Columella beherrscht.
1 Die Übersetzung "feine Tätigkeiten, wie sie für die Stadt passen" von Ahrens ist wohl etwas euphemistisch. Besser erscheint mir ,,städtische und obendrein wollüstige Tätigkeiten".
Arbeit zitieren:
Werner Stangl, 2000, Quelleninterpretation zu Columella: Über die Landwirtschaft I, 8, 1-2, München, GRIN Verlag GmbH
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