Sanktionen u. Ausbürgerung, heißen. Becher, der führende Literaturpolitiker u. bis zu seinem Tod 1958 Kulturminister der DDR, zielte mit seinem idealisierenden Begriff auf das Leitbild einer umfassenden Demokratisierung u. Vergesellschaftung der Literatur auf allen Ebenen - der Autorschaft, der materiellen Herstellung, Verbreitung u. Aufnahme der Literatur beim Publikum, womit die »Poesiefeindlichkeit des Kapitalismus« (Marx) u. die traditionelle Ghettoisierung der Literatur in der bürgerl. Gesellschaft aufgehoben werden sollten. Tatsächlich war die DDR in den 40 Jahren ihrer Existenz ein neben Japan u. der Sowjetunion führendes ›Leseland‹, freilich um den Preis umfassender Lenkung u. Kontrolle aller Instanzen des literar. Lebens, die einen freien Buchmarkt u. die Regulation der Bedürfnisse von Lesern u. Autoren an ihm ausschlossen. Alle größeren Verlage (von den 78 Buchverlagen mehr als 60) waren ›volkseigen‹ oder ›organisationseigen‹ (d. h. im Besitz von Staat, SED, anderen Parteien u. Massenorganisationen). Der Literaturvertrieb war strikt hierarchisch gelenkt, u. am Ende der Kette stand, neben wenigen privaten Buchhändlern, ein staatseigener Volksbuchhandel, der etwa 85 Prozent aller Bücher verkaufte. Vor allem aber wurde kontrolliert, zensiert u. kontingentiert, was als Buch erschien. Seit 1954 gab es im Ministerium für Kultur die sog. »Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel«, die u. a. die Aufgabe hatte, die Verlage zu überwachen, zu lizenzieren, Gutachten zu veranlassen u. Buchgenehmigungen zu erteilen - oder zu verwehren (was der Verfassung der DDR, Art. 27, Abs. 1, die das Recht auf freie u. öffentl. Meinungsäußerung garantierte, widersprach). Außerdem wachte seit 1965 das »Büro für Urheberrechte« über die Vergabe von Auslandsrechten (was auch die BR Deutschland einschloß).
Einige der wichtigsten Bücher der DDR-Literatur sind so aus Zensurgründen nie oder um Jahre oder Jahrzehnte verspätet in der DDR selbst erschienen, u. a. Hanns Eislers Johann Faustus, Bertolt Brechts Das Verhör des Lukullus, Stefan Heyms 5 Tage im Juni u. Collin, Uwe Johnsons Ingrid Babendererde u. Mutmaßungen über Jakob, Fritz Rudolf Fries' Der Weg nach Oobliadooh, viele Theaterstücke von Heiner Müller u. Volker Braun, Gedichte Günter Kunerts, Reiner Kunzes, Wolf Biermanns u. anderer. Einige Bücher wie Ulrich Plenzdorfs Die neuen Leiden des jungen W. lagen jahrelang in der Schublade, andere erfuhren eine publizistische Nachzensur, so Christa Wolfs Nachdenken über Chris ta T. Freilich reichten die Internalisierung des gesellschaftl. Auftrags der Literatur durch die Autoren, das Akzeptieren des ihr angetragenen Nimbus, schließlich auch die Selbstzensur (Stefan Heym sprach schon 1955 vom »Zensor im Herzen«) so weit, daß die Mehrzahl auch der krit. Autoren sich mit der autoritären Kontroll- u. Verbotspolitik zähneknirschend arrangierte (das zeigt schon die obige Liste) u. sich in der Doppelrolle einrichtete, Repräsentant u. Märtyrer zgl. zu sein. Noch Monate nach der Wende konnte der letzte Vorsitzende des Schriftstellerverbands der DDR, Rainer Kirsch
- selbst mehrfach ein Opfer der Zensur - die »gelegentlichen« Verbote der Staatsführung auf ihren »merkwürdigen Respekt vor den Schriftstellern und Künstlern« zurückführen. Zur E hrenrettung der DDR- Autoren läßt sich allerdings auch Christoph Heins mutige Rede auf dem X. Schriftstellerkongreß (1987) heranziehen, wo er die Zensur »überlebt, nutzlos, paradox, menschenfeindlich, ungesetzlich und strafbar« nannte. Gewiß spielte die breitgefächerte materielle Privilegierung der Autoren (in der Regel gute Honorierung, Stipendien, einträgl. Nebentätigkeiten, Deviseneinnahmen aus Westveröffentlichungen, Reisemöglichkeiten, ggf. Ausbildung am Leipziger Literaturinstitut »Johannes R. Becher«) eine Rolle für die nie ganz aufgekündigte Loyalität der meisten Autoren gegenüber ihrem Staat; entscheidend ist aber wahrscheinlich das DDR- spezifische, jetzt gefallene Autorenprivileg, ernstgenommen u. gebraucht zu werden - sei es anfangs als ›Rädchen und Schräubchen‹ in einer durchgeplanten realsozialistischen Gesellschaft, sei es später, u. immer mehr, als Ersatzöffentlichkeit (mangels einer politisch-publizistischen Öffentlichkeit), als Tabubrecher in einem autoritären System. Unberührt bleibt die Definition der Autorrolle als die eines operativen Aufklärers u. Sozialpädagogen. Die Bestimmung von DDR-Literatur im Hinblick auf das staatl. System ist zu ergänzen durch eine historisch-differenzierende Verlaufsskizze, die gegenüber der vermeintl. Einheit lichkeit des DDR- Literaturbetriebs das Widersprüchliche u. Disparate betont, das sich unter dem Sammelbegriff verbirgt. Dabei sind die innerliterar. Umschwünge u. Zäsuren nicht nur aus den wechselnden kulturpolit. u. ideolog. Vorgaben dieser 40 Jahre zu erklären, sondern auch aus den Erfahrungsunterschieden von vier Autorengenerationen. Diese Unterschiede u. das wachsende Bewußtsein der Autoren, daß Anspruch u. Wirklichkeit des DDR-Sozialismus auseinanderklaffen, setzten die entstehende Literatur zunehmend in Widerspruch zum polit. Leitdiskurs u. begünstigten gleichzeitig eine ›nachholende‹ ästhetische Modernisierung der anfangs überwiegend traditionalistischen DDR-Literatur.
Die Gründungsurkunde der DDR-Literatur ist, noch vor der Existenz der DDR als Staat, ihr antifaschistischer Grundkonsens. Er vereinigte die Autoren der ersten, älteren Generation, die, wie Becher, Brecht, Seghers oder Arnold Zweig, im Exil gewesen waren (auch die Jüngeren, Stefan Heym u. Stephan Hermlin, gehören hierher), mit denen der zweiten, damals jungen Generation, die das NS-Regime u. den Krieg als Hitlerjungen u. BdM- Mädel, SA-Leute u. Soldaten selbst erlebt hatten, in der Regel als naiv Begeisterte oder als Mitläufer. Die Autoren dieser in den 20er Jahren geborenen Generation ersetzten nun einen Glauben, ein ›totales‹ Weltbild, durch einen neuen Glauben, eine neue totalisierende Weltanschauung, die des Marxismus. Der aus dem schlechten polit. Gewissen geborene Antifaschismus wurde zur ideolog. Klammer, die Autoren wie Erwin Strittmatter, Franz Fühmann, Hermann Kant, Erich Loest, Christa Wolf, Heiner Müller, Günter de Bruyn u. Erik Neutsch untereinander u. mit den Älteren, die eine durch Exil oder Widerstand beglaubigte linke Identität hatten, verband. Diese Selbstbindung an das realsozialistische System, die zunehmend zur Fessel wurde, hat teilweise
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über 40 Jahre gehalten. Nur wenige Autoren, wie Peter Huchel oder Günter Kunert, haben sich der quasi familiären Loyalität gegenüber dem SED-Staat, der als ›Sieger der Geschichte‹ u. Anwalt des Antifaschismus auftrat, entziehen können. Diese doppelte Verstrickung einer ganzen Generation erscheint aus dem histor. Abstand gravierender als die immer wieder zitierten Diktate des »sozialistischen Realismus« als Schreibmethode, - Diktate, die in der Version von Georg Lukács tatsächlich seit 1948, verstärkt seit 1951 verhängt wurden, verbunden mit der sog. Formalismus-Kampagne, die sich gegen alle avantgardistischen, ›modernistisch-westlichen‹ Strömungen richtete. Es ist eine Tatsache, daß die Mehrzahl der Schriftsteller in den 50er u. noch in den frühen 60er Jahren die Außenlenkung der Ästhetik durch die Partei, die Dominanz des Themas ›neue, sozialistische Produktion‹ u. den Einsatz ihrer literar. Werke zu polit. Zwecken (v. a. zur Produktivitätssteigerung) nicht nur duldete, sondern bejahte. Die so entstandenen Betriebsromane u. Brigadestücke, Bücher gegen den Krieg oder Aufbaugedichte affirmieren in der Regel freiwillig den polit. Leitdiskurs, haben teil an der herrschenden Monosemie. Ausnahmen - Brechts Buckower Elegien (Bln./DDR 1953), Gedichte Erich Arendts, Peter Huchels, Johannes Bobrowskis, oder Günter Kunerts; Peter Hacks' u. Heiner Müllers frühe Stücke; dazu die Proteste einiger Intellektueller auf dem IV. Schriftstellerkongreß 1956 - bestätigen die Regel. Auch die Proklamation des sog. »Bitterfelder Weges« auf einer Kulturkonferenz im Chemiekombinat Bitterfeld wurde von Autoren wie Franz Fühmann oder Christa Wolf zunächst mitgetragen. Nach diesem Programm sollten zum einen die Schriftsteller in die Betriebe gehen u. aus dem Leben der Brigaden berichten (Christa Wolf tat es z. B. in Der geteilte Himmel. Halle 1963), zum anderen »die Kumpel zur Feder greifen«. So sollten Kunst u. Leben, Hand- u. Kopfarbeit versöhnt u. ihre Differenz schließlich aufgehoben werden. Die ›Zweite Bitterfelder Konferenz‹ on 1964 war dann ein schlecht verhülltes Begräbnis dieses idealistischen, aber zum Scheitern verurteilten Konzepts. Dennoch sind die frühen 60er Jahre, ironischerweise begünstigt durch den Bau der Mauer geprägt von der optimistischen sog. ›Ankunftsliteratur‹, in der Züge des bürgerl. Bildungs- u. Entwicklungsromans sozialistisch gewandelt wieder auferstehen. Ihre Helden (in Büchern u. a. von Christa Wolf, Brigitte Reimann, Werner Bräunig, Karl-Heinz Jakobs) ›kommen‹ am Ende einigermaßen stereotyper polit. Lernprozesse geläutert ›im Sozialismus an‹. Den Umbruch in der DDR- Literatur verbindet man heute nicht mit den polit. Zäsuren 1961 (Mauerbau) u. 1971 (VIII. Parteitag der SED, der im Übergang Ulbricht zu Honecker zu einer gewissen Liberalisierung der Kulturpolitik führte), sondern mit der zweiten Hälfte der 60er Jahre. Das berüchtigte 11. Plenum des Zentralkomitees der SED im Dez. 1965 hatte mit seiner scharfen Kritik u. a. an Manfred Bieler, Wolf Biermann, Stefan Heym, Günter Kunert u. Heiner Müller einen Schutzwall gegen alle »modernistischen« u. »nihilistischen« Tendenzen in den Künsten zu errichten versucht - auf lange Sicht erfolglos. Nach dem Ausschluß Uwe Johnsons aus der DDR-Literatur durch die zweimalige Verhinderung seines Debüts (1956 u. 1959) sind es v. a. Heiner Müller (Philoktet u. Der Bau. Beide verfaßt 1964), Fritz Rudolf Fries (Der Weg nach Oobliadooh. Ffm. 1966), Christa Wolf (Nachdenken über Christa T. Halle 1968, Neuwied 1969) sowie, neben den Älteren (Arendt, dem kaltgestellten Huchel u. Kunert), einige jüngere Lyriker (Volker Braun, Wolf Biermann, Karl Mickel, Sarah u. Rainer Kirsch, Reiner Kunze, Heinz Czechowski, Bernd Jentzsch), die sich in ihren Texten mit zunehmender Radikalität vom polit. Offizialdiskurs lösen u. Literatur als ›Gegentext‹ entwerfen. Das bislang sakrosankte ›klassische Kulturerbe‹ (die Literatur Goethes u. Schillers sowie des bürgerl. Realismus von Gottfried Keller bis Thomas Mann) samt den damit verknüpften traditionell-realistischen Schreibhaltungen verliert seinen Vorbildcharakter. An seine Stelle treten die Romantik, Heinrich von Kleist, Friedrich Hölderlin, Jean Paul, Georg Büchner sowie große Teile der Avantgardeliteratur seit Charles Baudelaire u. Arthur Rimbaud als Projektionsräume u. -figuren, die eine Artikulation der eigenen Sehnsüchte u. Träume, Zerrissenheit u. Melancholie möglich machen, nun auch in einer korrespondierenden modernen Formensprache. In der Prosa können sich von der Norm abweichende, ›verrückte‹ Erzählhaltungen durchsetzen, bereits Jahrzehnte vorher erreichte Standards der Moderne (z. B. Autoreflexivität, Diskontinuität oder Fabellosigkeit) werden nun wieder eingeholt. Erzähler wählen Genres wie z. B. die phantastische Erzählung, die Groteske oder die Warnutopie, die noch bis Mitte der 60er Jahre zum formalistisch- dekadenten Un-Erbe gezählt wurden (z. B. bei Ulrich Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W. 1972.. Irmtraud Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz. 1974. Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends. 1979. Kassandra. 1983. Fritz Rudolf Fries: Verlegung eines mittleren Reiches. 1984).
Gleichzeitig entsteht ein neuer Alltagsrealismus, der Ersatzöffentlichkeit herstellt u. gesellschaftl. bzw. polit. Tabus bricht - so z. B. das des verdrängten NS-Erbes (Christa Wolf, Erich Loest, Jurek Becker), des Stalinismus in der DDR (Christoph Hein) u. andauernder autoritärer, feudalsozialistischer Strukturen (Günter de Bruyn, Volker Braun, Thomas Brasch, Reiner Kunze, Hans Joachim Schädlich, Uwe Saeger). Einige Autoren schreiben über das entfremdete Leben in einer innovationslosen Industriezivilisation ohne Perspektiven (Franz Fühmann, Klaus Schlesinger, Christoph Hein u. andere). Der gemeinsame Nenner der unangepaßten neuen DDR-Literatur heißt Zivilisationskritik, wobei der zivilisatorische Entwurf des »realen Sozialismus« immer weniger im Zeichen von Ernst Blochs »Prinzip Hoffnung« u. immer häufiger im Gegenzeichen der Apokalypse oder wenigstens einer »Dialektik der Aufklärung« gesehen wird. In diesem Kontext findet auch eine erstaunlich breite Rezeption alter Mythen, insbes. der griechischen, statt. So unterschiedl. Autoren wie Erich Arendt (Ägäis. Lpz. 1967), Franz Fühmann (Das Ohr des Dionysios. Rostock 1985), Irmtraud Morgner (Amanda. Bln./Weimar 1983), Christa Wolf (Kassandra) sowie Peter Hacks u. Heiner Müller in mehreren Theaterstücken lesen, mehr oder minder radikal, die Mythen als Urbilder einer widersprüchlichen abendländ. Zivilisationsgeschichte. So offenbarten sich
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für Christa Wolf in den Vorgängen um Kassandra die Anfänge des bis heute dominanten männlich- kriegerischen, zweckrationalen Zivilisationstypus, die Ursprünge unserer Welt von heute als einer »Megamaschine« von zerstörerischer Irrationalität. - Auch die neuen Theatertexte verwerfen das klassizistische Erbe einer auf Totalität zielenden Fabel mit ›rationaler Idee‹ zugunsten einer Fragmentarisierung von Vorgängen, die über Brechts Konzept des epischen Theaters weit hinausgeht - so v. a. Heiner Müller (am krassesten in Hamletmaschine. 1977. Urauff. 1979), Volker Braun (u. a. Die Übergangsgesellschaft. Urauff. Bremen 1987), Thomas Brasch u. Stefan Schütz. - Vielleicht realisiert die jüngere Lyrik, zumal die der Volker- Braun-Generation, am stärksten Literatur als subversiven Gegendiskurs, indem sie neue Sprechweisen, Redevielfalt, Dialogizität u. Intertextualität (Text) praktiziert u. damit das monosem.-affirmative Sprachmilieu unterläuft. In ihren Anfängen war die DDR-Literatur freiwillig Gesinnungsliteratur (gewiß mit Ausnahmen), später dann, als den Autoren ihre Gesinnung als geschlossene Weltanschauung zerfiel, Sinngebungsliteratur. Seit Ende der 70er Jahre wollte auch das nicht mehr recht gelingen, zumal nach der Ausbürgerung des populären Liedermachers Wolf Biermann, dem Ausschluß mehrerer wichtiger Autoren aus dem Schriftstellerverband 1979 u. dem Exodus einer ganzen Hundertschaft von Schriftstellern. In den 80er Jahren begann zudem eine neue Autorengeneration - die in den 50er u. 60er Jahren Geborenen - zu schreiben, die den Sozialismus nur noch als »deformierte Realität« u. nicht mehr als »Hoffnung auf das Andere« (Heiner Müller) kennengelernt hat. Die experimentellen Texte dieser ›jungen Wilden‹ (u. a. Uwe Kolbe, Bert Papenfuß-Gorek, Rainer Schedlinski), bis 1989 nur in minimaler Auflage in Samisdat-Zeitschriften vervielfältigt, haben einen entscheidenden Beitrag zum Abbau von Gesinnung u. vermeintl. Sinn im ›realen Sozialismus‹ geleistet u. das ideolog. Sprachmaterial poetisch zersetzt u. verballhornt. N achdem Wolf Biermann u. Jürgen Fuchs die Spitzeltätigkeit von Sascha Anderson - einem der Wortführer der sog. Prenzlauer-Berg -Szene - zurecht angeprangert haben, wird vermehrt die Auffassung vertreten, daß damit die junge alternative Literatur (als vom In ihren Anfängen war die DDR- Literatur freiwillig Gesinnungsliteratur (gewiß mit Ausnahmen), später dann, als den Autoren ihre Gesinnung als geschlossene Weltanschauung zerfiel, Sinngebungsliteratur. Seit Ende der 70er Jahre wollte auch das nicht mehr recht gelingen, zumal nach der Ausbürgerung des populären Liedermachers Wolf Biermann, dem Ausschluß mehrerer wichtiger Autoren aus dem Schriftstellerverband 1979 u. dem Exodus einer ganzen Hundertschaft von Schriftstellern. In den 80er Jahren begann zudem eine neue Autorengeneration - die in den 50er u. 60er Jahren Geborenen - zu schreiben, die den Sozialismus nur noch als »deformierte Realität« u. nicht mehr als »Hoffnung auf das Andere« (Heiner Müller) kennengelernt hat. Die experimentellen Texte dieser ›jungen Wilden‹ (u. a. Uwe Kolbe, Bert Papenfuß-Gorek, Rainer Schedlinski), bis 1989 nur in minimaler Auflage in Samisdat- Zeitschriften vervielfältigt, haben einen entscheidenden Beitrag zum Abbau von Gesinnung u. vermeintl. Sinn im ›realen Sozialismus‹ geleistet u. das ideolog. Sprachmaterial poetisch zersetzt u. verballhornt. Nachdem Wolf Biermann u. Jürgen Fuchs die Spitzeltätigkeit von Sascha Anderson - einem der Wortführer der sog. Prenzlauer- Berg-Szene - zurecht angeprangert haben, wird vermehrt die Auffassung vertreten, daß damit die junge alternative Literatur (als vom Staatssicherheitsdienst gesteuerte) insg. desavouiert sei. Doch das bleibende Verdienst dieser Autoren - der Ausbruch aus der Selbstfesselung an das DDR-System, der vielen der älteren Generation nie ganz gelungen war - kann dadurch nicht in Frage gestellt werden.
Mit den Wendejahren 1989/90 ist die DDR-Literatur zumindest äußerlich an ihr Ende gekommen. Das Modell ›Literaturgesellschaft‹ ist binnen kürzester Zeit vollständig zerfallen. Die westl. Institutionen u. Strukturen mit dem literar. Markt als Zentrum haben sich durchgesetzt. Mit dem Untergang des Staates DDR, aber auch dem der Utopie vom anderen, besseren Sozialismus ist den Autoren ihre bisherige Grundlage entzogen worden. Gewiß wird es über das Jahr 1990 hinaus DDR-Literatur in dem Sinne geben, daß Texte entstehen, die von der jahrzehntelangen Lebens-u. Schreiberfahrung in der DDR geprägt sind u. Stoffe aus ihrer Geschichte, die Wendezeit inbegriffen, verarbeiten. Doch müssen s ie nicht mehr in einem autoritären System als Ersatzöffentlichkeit fungieren. Gerade die krit. DDR-Literatur, u. insbes. die Prosa als explizit ›informative‹ Gattung, wird hiervon betroffen sein. Inwieweit es eine Fortsetzung der realsozialistischen Trivia lliteratur vom Schlage Erik Neutsch, Dieter Noll oder Gisela Steineckert geben wird, muß offenbleiben.
Künftig wird die DDR-Literatur weniger als bisher rein zeitbezogen u. mit der ideolog. Elle gemessen werden. Man wird sie vermehrt in europ. u. westl. Kontexte stellen u. ihre ästhetischen Standards mit denen der internationalen Moderne u. Postmoderne vergleichen. Dabei werden Schwächen der DDR-Literatur deutlicher hervortreten (z. B. der Hang einiger Autoren zu einer spekulativen, moralisierenden Ideenliteratur in Fortsetzung einer spezifisch dt. Tradition), u. es werden Gemeinsamkeiten innerhalb der gesamten deutschsprachigen Literatur seit 1945 sichtbar werden (z. B. zwischen den um 1920/30 geborenen west- u. ostdt. Autoren wie Böll u. Grass einerseits sowie Fühmann u. Christa Wolf andererseits). Für eine Bilanz der DDR-Literatur im Sinne eines Werkkanons ist es gewiß zu früh. Immerhin hat die DDR-Literatur einen Dramatiker von Weltrang (Heiner Müller) u. eine bemerkenswert reiche, vitale Lyrik hervorgebracht, so viele Abstriche auch bei der bislang am meisten rezipierten, aber stärker zeit- u. systemgebundenen Prosa zu machen sein werden.
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2000, DDR-Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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Die Kulturpolitik in der DDR am Beispiel der Literatur
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Rolf Grimminger
Schwendilator
Absätze!.
Kleine Kritik an deinem Werk - es fehlen die ABSÄTZE !!!
am Thursday, February 21, 2002-
Conny
Sehr gut!.
Diese Arbeit gibt einen sehr fundierten Überblick und ist für ein Schulreferat sehr gut, mit einer Arbeit eines Studenten vergleichbar!
am Saturday, January 18, 2003-
ich
Naya.
passt eigentlich sind aber einige fehler drin...
am Monday, November 24, 2008-