Soziale Einflüsse und Prozesse Rollen und soziale Regeln Rollen Eine soziale Rolle ist ein sozial definiertes Verhaltensmuster. Das von einer Person, die ein bestimmte Funktion in einer Gruppe hat, erwartet wird. Verschiedene soziale Situationen ermöglichen die Übernahme von verschiedenen sozialen Rollen. Soziale Regeln Soziale Situationen sind durch Richtlinien/ Regeln für das Verhalten in bestimmten Settings gekennzeichnet. · explizite Regeln ( z.B. Verbotsschilder) · implizite Regeln (in spezifischen, alltäglichen Situationen gelernt; z.B. ,,Siezen" einer älteren Person) Beispiel: Stanford- Prison- Experiment Konformität: Die Wirkung sozialer Normen und Informationen Konformität: Tendenz, eigene Verhaltensweisen und Überzeugungen an anderen Gruppenmitgliedern auszurichten Soziale Normen: Spezifische Erwartungen über sozial angemessene Einstellungen und Verhaltensweisen, die explizit oder implizit niedergelegt sind. Soziale Normen können breit angelegte Richtlinien darstellen und können von Generation von Gruppenmitgliedern auf die nächste übertragen werden, auch wenn die ursprüngliche Gruppe nicht mehr existiert. (
Die Anpassung an soziale Normen geschieht auf zwei Wegen: 1. Man nimmt die Einheitlichkeit bestimmter Verhaltensweisen aller/ der meisten Mitglieder wahr. 2. Man beobachtet die negativen Konsequenzen, die sich für denjenigen ergeben, der eine soziale Norm verletzt. Beispiele: Autokinetischer Effekt (M. Sherif) und Bennington College (Th. Newcomb)
Informationen: Personen richten ihr Handeln an den Informationen aus, die sie von ihrer Bezugsgruppe erhalten. Die Neigung zur Konformität kann soweit führen, dass Personen selbst dann ein konformes Urteil fällen, wenn deutlich sein müßte, dass es ein falsches Urteil ist.
Beispiel: Standart- und Vergleichslinien (S. Asch) Nonkonformität und der Einfluß von Minoritäten Majorität: Verteidigt auf der Ebene der Gesellschaft den Status quo Minorität: Der Anstoß zu Veränderungen und Innovationen kommt von Minoritäten oder gar von einzelnen Personen, die mit dem bestehenden System unzufrieden sind und/ oder sich neue Alternativen vorstellen können und umsetzen wollen. Dieser Konflikt zwischen der verfestigten Sichtweise der Mehrheit und der abweichenden Perspektive der Minderheit ist eine wichtige Vorbereitung für Innovationen, die zu sozialen Veränderungen führen. Autorität und Gehorsam Führer Personen - Anführer und Autoritäten - die in besonderer Weise Einfluß auf Gruppen und andere Personen ausüben Gruppen-dynamik: Forschungsgebiet, das sich mit der Frage befaßt, wie Gruppenprozesse das Verhalten einzelner Gruppenmitglieder beeinflussen.
Autokratischer Stil: Führer herrscht uneingeschränkt und hält Führungsstile:
deutliche Distanz zu den Gruppenmitgliedern. Er trifft Entscheidungen allein und weist mit strengem Regiment Aufgaben zu. Er beteiligt sich nicht an Gruppenaktivitäten. Demokratischer Stil: Führer bezieht die Gruppenmitglieder in die Planung und Festlegung von Gruppenaktivitäten ein. Einbeziehung der Mitglieder steht im Vordergrund. Laissez- faire- Stil: Führer gibt den Mitgliedern alle Freiheiten und greift kaum durch Entscheidungen und Festlegungen in die Gruppenaktivität ein. (Keine Führung im engeren Sinn) Beispiel: Wirkung verschiedener Führungsstile (K. Lewin) Unbedingter Gehorsam: Folgende Faktoren tragen zum unbedingten Gehorsam bei: · Eine große räumliche (d.h. körperliche) Distanz zwischen Täter und Opfer
· Die direkte Beaufsichtigung des Täters durch Autoritäten · Die Rolle des Täters als ,,Mitläufer" (d.h. er hilft nur der Person die dem Opfer den Schock gibt). 5 Bedingungen zu 1. Anwesenheit einer legitimen Autorität. Gehorsam: 2. Aufbau eines Rollenverhältnisses, in dem wir und einer Person unterordnen.
3. Soziale Normen, die genaue Angaben über sozial akzeptables Verhalten machen. 4. Umdefinition des Bösen zum Guten.
5. Mehrdeutige Situationen, in denen es nicht schwierig ist, die ersten kleinen Schritte zu tun. Beispiel: Milgram- Experimente
Verantwortungsdiffusion:
Einer der Gründe, die Zuschauer veranlassen, nicht zu helfen
oder einzugreifen. Folgende Situationsmerkmale kommen noch dazu:
· Zuschauer müssen Notfall bemerken
· Zuschauer müssen beobachtetes Ereignis als Notfall einstufen · Zuschauer müssen sich verantwortlich fühlen · ,,Kosten" des Helfens dürfen nicht zu hoch sein. Beispiel: Anfall im Labor (Latané u. Darley) Die Konstruktion der sozialen Realität Soziale Situation: Hat einen gewichtigen Einfluß auf das Verhalten von Menschen. Sie gewinnen für den einzelnen dadurch an Bedeutung, dass sie auf der Grundlage von Erwartungen und von Bedürfnissen interpretiert und encodiert werden.
Soziale Wahrnehmung: Psychologische Prozesse, die es Menschen ermöglichen, Eigenschaften anderer Menschen oder auch ihre persönlichen Eigenheiten wahrzunehmen. Prozesse der Beurteilung und Bewertung sind hierbei eingeschlossen. Kausal-attribution Ansatz, der beschreibt, welche Informationen eine Person zu Ursachenzuschreibungen (Kausalattributionen) nutzt. Fragen kreisen darum, ob die Ursache des Verhaltens in der Person (internale oder dispositionale Verursachung)oder in der Situation (externale oder situationale Verursachung) liegen und wer für das Verhalten Verantwortlich ist. Beispiel: Geometrische Figuren (F. Heider) Kovariations-prinzip Regel, nach der Menschen bestimmen, ob ein bestimmtes Ereignis (,,Ursachefaktor") ein bestimmtes Verhalten verursacht haben könnte.
Regel: Faktor B ist dann eine Ursache für das Verhalten A, wenn dieser Faktor vorgelegen hat, wann immer das Verhalten auftrat und dann nicht vorlag, wann immer es nicht auftrat. Drei Dimensionen tragen zur Kovariation bei: 1. Distinktheit bezieht sich darauf, ob das Verhalten für eine bestimmte Situation spezifisch ist.
2. Konsistenz bezieht sich darauf, ob das Verhalten in dieser Situation zum wiederholten Male auftaucht. 3. Konsens bezieht sich darauf, ob andere Menschen in dieser Situation dasselbe Verhalten zeigen. Fundamentaler Menschen haben Tendenzen, dispositionale Faktoren zu Attributions-fehler überschätzen und die Neigung, situative Faktoren zu unterschätzen, wen sie nach einer Ursache für ein bestimmtes Verhalten oder ein bestimmtes Handlungsereignis suchen. Beispiel: Allgemeinwissen bei Quizmaster und Kandidaten (Ross) Sich selbst erfüllende Vorhersagen über zukünftiges Verhalten oder bestimmte Prophezeiungen Ereignisse, die die Interaktionen so beeinflussen, dass dadurch genau das produziert wird, was erwartet wurde. Erwartungen Üben stärksten Einfluß aus, wenn eine Person nicht die Gelegenheit hat, sich ein realistisches Bild zu machen, bevor das Urteil abgegeben wird. Der Einfluß sozialer Erwartungen wird auch Pygmalioneffekt genannt. Beispiel: Pygmalion im Unterricht (Rosenthal/Jacobson) Bestätigung durch Prozeß bei dem die Erwartungen gegenüber einer anderen Person Verhalten das Verhalten dieser anderen Person so beeinflussen, dass die ursprüngliche Annahme sich bestätigt. Soziale Realität und Einstellungen Einstellungen Psychologische Tendenz, die sich durch die Bewertung eines bestimmten Gegenstandes oder Sachverhaltes mit einem gewissen Grad an Zustimmung oder Abneigung ausdrückt.
Kognitive Dissonanz Konflikthafter Zustand, den jemand erlebt, nachdem er eine Entscheidung getroffen hat, eine Handlung ausgeführt hat oder einer Information ausgesetzt worden ist, die zu vorherigen Meinungen, Gefühlen oder Werten im Widerspruch steht. Es wird angenommen, dass ein aversiver Zustand entsteht, den die Person gerne reduzieren oder beseitigen möchte. Je stärker die Dissonanz dabei ist, desto größer ist die Motivation, sie zu reduzieren. Selbst-wahrnehmung Wir nehmen uns und unser aktuelles Verhalten wahr, erinnern uns daran, wie wir in der Vergangenheit in einer bestimmten Situation reagiert haben und schließen dann auf unseren inneren Zustand oder darauf, wie unser innerer Zustand aussehen sollte. Dieses Selbstbezogene Wissen wird auch dann eingesetzt, wenn wir uns über die wahrscheinlichen Ursachen oder Determinanten unseres Verhaltens Gedanken machen. Soziale Beziehungen Vorurteile Gelernte Einstellung gegenüber einem Zielobjekt, bei der negative Gefühle oder negative Annahmen beteiligt sind, die als Rechtfertigung für die Einstellung dienen. Dazu kommt auf der Verhaltensebene die Neigung, die Mitglieder der Zielgruppe zu kontrollieren, zu dominieren, zu meiden oder zu eliminieren.
Soziale Kategorisierung Prozeß, bei dem wir unsere soziale Umwelt organisieren, indem wir uns und andere Gruppen einordnen. Die einfachste und tiefgreifendste Form der Kategorisierung ist das Urteil darüber, ob andere Menschen so sind wie wir selbst. Beispiel: Die ,,Blauen", die ,,Grünen" (Tajfel) Abbau von Vorurteilen Für einen Vorurteilsabbau ist mehr nötig als lediglich der Kontakt zwischen Gruppen. Persönliche Zusammenarbeit bei der Erreichung gemeinsamer Ziele sollten im Vordergrund stehen. Beispiel: Adler gegen Klapperschlangen (M. Sherif) Interpersonale Anziehung (Attraktion) Zuneigung Menschen neigen dazu, Personen und Objekte allein deshalb zu mögen, weil sie mit ihnen zu tun haben. Heutzutage gibt es physische (körperliche) und psychologische Nähe (e- Malis). Physische Attraktivität Für die Entstehung von Sympathie und Zuneigung hat Attraktivität einen hohen Stellenwert. Ähnlichkeit Fördert Freundschaften, denn Personen die uns ähnlich sind, liefern uns eine persönliche Bestätigung. Die Regel der Reziprozität - das man zurückgeben soll, was man bekommt - gilt auch für die Freundschaft. Liebe Paarbeziehungen dauern der Wahrscheinlichkeit nach dann am längsten an, wenn die Partner einen möglichst hohen Übereinstimmungsgrad zwischen dem Selbst und dem anderen sehen.
Anfangs: leidenschaftliche Liebe (,,passionate love") Später: freundschaftliche Liebe ( ,,companionate love")
Dependenz-modell Sagt vorher, das es wahrscheinlicher ist, dass Menschen an einer Beziehung festhalten, wenn diese wichtige Bedürfnisse erfüllt, die nicht durch jemand anderen erfüllt werden können. Beurteilt werden dabei
· Das Ausmaß in dem verschiedene Bedürfnisse in der Beziehung einer Person wichtig sind.
· Das Ausmaß, in dem jedes der Bedürfnisse in der Beziehung befriedigt wird.
· Die Frage, ob außer dem/ der jetzigen Partner/in noch jemand anderes, zu dem die Person eine wichtige Beziehung hat und der/ die die Bedürfnisse ebenfalls befriedigen kann. · Das Ausmaß, in dem jedes der Bedürfnisse in der Beziehung zu einer anderen Person befriedigt wird. Bindungstypen Sichere Bindung; vermeidende Bindung und ängstlich- ambivalente Bindung
Sicher gebundene Personen hatten als Erwachsene die dauerhaftesten Liebesbeziehungen.
Arbeit zitieren:
Carina Goffart, 2001, Soziale Einflüsse und Prozesse, München, GRIN Verlag GmbH
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