Kurz nach seinem Amtsantritt charakterisierte er seine Ziele und Methoden: ,,Nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland an, sondern auf seine Macht... Preußen muss seine Kraft zusammenfassen und zusammenhalten auf den günstigen Augenblick, der schon einige Male verpasst ist; Preußens Grenzen nach den Wiener Verträgen sind zu einem gesunden Staatsleben nicht günstig; nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüssen werden die großen Fragen der Zeit entschieden - das ist der Fehler von 1848/49 gewesen - sondern durch Eisen und Blut"
1) Die Heeres- und Verfassungskrise
¬ Debatten zwischen Regierung und Parlament über die Heeresreform (Aufrüstung des Heeres) - Parlament war nicht bereit finanzielle Unterstützung zu geben ¬ Debatten führten zur Verfassungskrise - Parlament pochte auf Kontrolle des Heeres u. Wilhelm I. sah dies als Entmachtung der Krone ¬ Auf Anraten Roons 3 wurde Bismarck zum Ministerpräsidenten ernannt um Regierung gegen Parlament zu führen und Verfassungskrise zu lösen ¬ Bismarck entdeckte in der Verfassung die Lückentheorie - König bekam das Recht zur letztlichen Entscheidung und Heeresreform wurde ohne Unterstützung des Parlaments durchgeführt
¬ Erst 1866 wurde Verfassungskonflikt aufgrund der Indemnitätsvorlage 4 beendet -Bismarck erkannte Budgetrecht des Parlaments an 2) Isolationspolitik gegen Österreich
¬ Am 16.08.1863 - Frankfurter Fürstentag (ausgehend von Österreich - um gegen Machtanspruch Preußens und Bundesreform für Deutschen Bund zu beraten) ¬ Bismarck überredete Wilhelm I. vom Fürstentag fernzubleiben, denn er sah Gefahr für Hegemonie 5 Preußens
¬ Fürstentag scheiterte - schwere pol. Niederlage für Österreich ¬ Österreich wollte Beitritt Wiens in Zollverein - Bismarck drohte darauf mit Aufkündigung der Zollunion und Wien blieb fern
¬ 1866 wurde der Zollverein ohne Österreich erneuert - wirtschaftliche Isolierung Österreichs
¬ politische Isolierung Österreichs kam mit Krieg 1866 der beiden Großmächte um die Herzogtümer Schleswig und Holstein - Preußen siegte und konnte beide Herzogtümer für sich gewinnen
3) Einigungskriege
¬ Krieg gegen Dänemark 1864 - Österreich und Preußen kämpften in gemeinsamer Sache um die Herzogtümer Schleswig und Holstein (Dänemark brach Regelung des Londoner Protokolls und nach Ablehnung des Ultimatums von Österreich und Preußen besetzten diese Schleswig und Holstein) - Sieg über die Dänen und die beiden Herzogtümer wurden zur gemeinsamen Verwaltung Österreichs und Preußens abgetreten
¬ Konvention 6 von Gastein (1865) - Preußen erhielt Schleswig, Österreich erhielt Holstein - da Holstein inmitten preußischen Gebietes lag wurde es zum Krisenherd und löste 1866 Krieg zwischen Preußen und Österreich aus
¬ Durch überlegende militärische Organisation und qualifizierten Führer (General von Moltke 7 ) konnte Preußen den Krieg gewinnen - Sieg bei Königrätz ¬ Im Frieden von Prag (23.08.1866) musste Österreich die Auflösung des Deutschen Bundes akzeptieren - Preußen erhielt Recht Deutschland neu zu orientieren u. Schleswig, Holstein, Hannover, Hessen-Kassel, Nassau u. Stadt Frankfurt zu annektieren 4) Gründung des Norddeutschen Bundes
¬ Preußen umfasste nun das Gebiet von Aachen bis Königsberg - mehr als die Hälfte Deutschlands
¬ Auf Initiative Bismarcks schlossen sich alle 22 nördlich der Mainlinie selbstständig verbliebenen Staaten am 11. Juli 1867 zum Norddeutschen Bund zusammenwichtiger Schritt zur Deutschen Einigung
¬ Preußen erhielt Vormachtstellung im Norddeutschen Bund, Oberbefehl über Heer und Flotte, Leitung d. Außenpolitik, Entscheidung über Krieg und Frieden u. preußische Regierung bekam beherrschende Stellung über das Parlament - Verfassung am 16. April 1867 verabschiedet ¬ König wurde Bundespräsident und Bismarck Bundeskanzler ¬ Deutscher Bund zerfiel in drei Teile: Norddeutscher Bund, Süddeutsche Partikularstaaten 8 u. Österreich
5) Krieg gegen Frankreich- Gründung des Deutschen Reiches ¬ Kaiser Napoleon III. wollte Macht Preußens eindämmen - seine Idee war ein Süddeutscher Bund als Gegengewicht zum Norddeutschen Bund - scheiterte aber am Partikularismus der süddeutschen Staaten - Außenpolitik war vom gespannten Verhältnis zwischen Preußen und Frankreich dominiert ¬ Durch Emser Depesche kam es am 30. Juli zum Ausbruch des Deutschfranzösischen Krieges - süddeutschen Staaten stellten sich auf die Seite Preußens und traten 1870 dem Norddeutschen Bund bei
¬ Krieg wurde von Deutschland gewonnen und Frankreich musste Elsass und Lothringen abtreten
¬ Somit war Vorrausetzung für Gründung des Deutschen Reiches geschaffen, denn der Norddeutsche Bund umfasste nun das ganze Gebiet Deutschlands - am 10. Dezember 1870 beschloss der Reichstag des Norddeutschen Bundes die Umbenennung zu ,,Deutsches Reich", welches bis zum I. WK bestehen blieb ¬ Bismarcks Ziel - kleindeutsche Lösung mit preußischer Hegemonie - war somit vollendet! 6) Bismarcks erreichte Ziele
_ Stärkung des Königs und Regierung gegen das Parlament: durch Erkennung der Lückentheorie erlangte König mehr Macht als Parlament - Monarchie blieb in Deutschland bis zum I. WK
_ Schlagkräftige Armee: durch Heeresreform konnte Armee aufgerüstete werden und Einigungskriege konnten gewonnen werden; Heer galt fortan als ,,Schule der Nation", hatte bevorzugte Stellung in der Politik (bis 1944 bleibendes Charakteristikum) _ Isolierung Österreichs: durch Erneuerung des Zollvereins ohne Österreich wirtschaftliche Isolierung - gewonnener Krieg gegen Österreich und Auflösung des deutschen Bundes politische Isolierung
_ Auflösung des Deutschen Bundes: durch Isolierung Österreichs, dass für Deutschen Bund gekämpft hatte konnte Deutscher Bund aufgelöst werden - Gründung des Norddeutschen Bundes war möglich
_ Vormachtstellung Preußens in Deutschland: durch gewonnenen Einigungskriege konnte Preußen sein Gebiet erweitern und nahm größten Teil Deutschlands ein; durch Heeresreform stärkste militärische Organisation, durch Gründung des Norddeutschen
Bundes und seiner Verfassung erlangte Preußen und König beherrschende Stellung; durch Krieg mit Frankreich Gewinn der süddeutschen Staaten (Gebiet umfasste ganz Deutschland) - Deutsche Einigung ,,Deutsches Reich" mit preußischer Hegemonie!
Quellennachweis: ,,Das Kaiserreich, 1871-1918" (Buchners Kolleg Geschichte); ,,Illustrierte Geschichte Deutschland" (Weltbild); ,,Preußen ohne Legende" (von Sebastian Haffner, Goldmann - STERN-Bücher), Internet (z.B. www.hausarbeiten.de,)
1 König v. Preußen seit 1861; dt. Kaiser seit 1871 2 dt. Kaiser u. König von 1888 bis 1918 (Sohn Friedrichs III)
3 preuß. Gen-Feldmarschall; 1859-73 Kriegs-, 1861-71 auch Marinemin.; setzte mit Bismarck Heeresreform durch; 1873 preuß. Min.-Präsident 4 vom Parlament nachträglich der Regierung zugebilligte Straflosigkeit 5 gr. ; ,,Oberbefehl"; Vorherrschaft, Vormachtstellung 6 lat.-fr.: Übereinkunft, Abkommen 7 preuß. Gen.-Feldmarschall
8 von Partikularismus; (meist abwertend) das Streben staatl. Teilgebiete, ihre besondere Interesse gegen die allg. Interessen übergeordneten staatl. Gemeinschaften durchzusetzen
Arbeit zitieren:
Katharina Kusch, 2001, Der Kampf Preußens um die Vorherrschaft in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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