sind in diesem Stück zu finden und wie stellt Schiller sie dar?
Franz, der jüngere Bruder im Hause Moor, ist derjenige der aufklärerisch handelt. Für ihn tritt die Religion in den Hintergrund und sein Streben nach individuellem persönlichen Glück in den Vordergrund. Franz versucht sich von Vormündern zu lösen, indem er seinen Verstand benutzt und handelt so aufklärerisch im Sinne Kants. Nach der Definition Kants ist Aufklärung der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit, indem er sich seines Verstandes bedient (sapere aude!habe Mut dich deines Verstandes zu bedienen!). Franz ist ein genialer und überaus intelligenter Mensch. Als radikaler Aufklärer versucht er sich aus der unglücklichen Lage des zweitgborenen und benachteiligten Sohnes zu befreien und das alleinige Erbe anzutreten. Dies gelingt ihm indem er durch die sorgfältig geplante Intrige den Vater dazu bringt, den Erstgeborenen, der vom Vater immer geliebt und bevorzugt wird und den Franz deshalb hasst, zu verstoßen.Er ist sich seiner Sache durchaus sicher: ,,Da müßt ich ein erbärmlicher Stümper sein, wenn ichs nicht einmal so weit gebracht hätte, einen Sohn vom Herzen des Vaters zu lösen[...]."(S.16,16-18) Franz empfindet große Wut gegen den Vater und gegen die Natur, die ihn mit einem hässlichen Gesicht versehen hat und wird zum skrupellosen Machtmenschen, der alles um sich herum ausrotten will, was ihn einschränkt, Herr zu sein (vgl.S.18,37-38). So versucht der skrupellose und gottlose Materialist seinen Vater, der nun noch das einzige Hindernis für seine Machtausübung darstellt, aus dem Weg zu räumen. Er will den alten, schwachen Mann, der für ihn nur einen ,,ärgerlichen zähen Klumpen Fleisch"(vgl.S.40,6-7) darstellt jedoch nicht durch Anwendung körperlicher Gewalt töten, sondern vom Geist aus vernichten. Franz lässt dem alten Moor die Nachricht überbringen, Karl sei gestorben. Der Alte macht sich daraufhin so schwere Vorwürfe, dass er in Ohnmacht fällt worauf Franz glaubt er sei tot und sich an seinem Ziel angekommen sieht. Er triumphiert über seinen Sieg. Es gibt aber noch etwas, was ihm zu seinem vollkommenen Glück fehlt, nämlich Amalia, die Geliebte Karls. Er versucht während der Abwesenheit Karls sich an Amalia heranzumachen, doch selbst als diese ihm glaubt dass Karl gestorben sei, gelingt es ihm nicht, die Liebe Amalias zu erzwingen. Als Karl später sein Schloß aufsucht, wenn auch verkleidet und unter falschem Namen, erkennt ihn Franz und beauftragt seinen Diener, ihn umzubringen. Hier wird wieder seine materialistische, meschenverachtende Sichtweise deutlich, weil für ihn der Mord an seinem Bruder nichts besonders Tragisches ist, denn ,,der Mensch entstehet aus Morast, und watet eine Weile in Morast, und gärt wieder zusammen in Morast"(S.97,31-33). Karl verlässt jedoch rechtzeitig das Schloß und überlebt.
Karl, der Ältere der beiden Brüder handelt im Sinne des Sturm und Drang, denn er übt Kritik an den politischen und sozialen Zuständen seiner Zeit. Er ist unzufrieden mit der Welt und möchte sie gerne ändern, spricht sich gegen das ,,schlappe
Kastratenjahrhundert"(vgl.S.19,35), das ,,intenklecksende Säkulum"(vgl.S.19,6), in dem er lebt, aus und wirft den Menschen Untätigkeit, Schwäche und Schlaffheit vor. In seiner Sehnsucht nach Selbstbestimmung und Freiheit schimpft er gegen die einengenden Gesetze: ,,Ich soll meinen Leib pressen in eine Schnürbrust und meinen Willen schnüren in Gesetze. Das Gesetz hat zum Schneckengang verdorben, was Adlerflug geworden wäre.Das Gesetz hat noch keinen großen Mann gebildet, aber die Freiheit bildet Kolosse und Extremitäten aus."(S.20,24-29)
Doch erst als er von der Verstoßung durch den Vater erfährt, schreitet er als idealistischer Kämpfer zur Tat. Er rebelliert in seiner Gefühlsaufwallung, es gilt als Kennzeichen der Stürmer und Dränger, dass sie nach der Herrschaft des Gefühls handeln, gegen die Ungerechtigkeit in der Welt und beschimpft die Menschen als ,,falsche, heuchlerische Krokodilbrut" (S.31,18). Er entschließt sich, auf Anregung Spiegelbergs, Anführer einer Räuberbande zu werden, mit der er, das Ziel vor Augen, für eine gerechtere Welt zu kämpfen, durch die Lande zieht. Sein Geist dürstet nach Taten, sein Atem nach Freiheit (vgl.S.33,3-4). Als Karl mit seinen Räubern in den böhmischen Wäldern von Husaren umzingelt in Bedrängnis gerät und vom Pater zum Aufgeben aufgefordert wird, schreit er seine Wut über die Korruption und den Machtmissbrauch der Mächtigen, wie Minister, Finanzräte und seine Wut über das heuchlerische Christentum hinaus und schlägt sich mit seinen Männern wacker im Kampf.
Der böhmische Edelmann Kosinski, der in Karls Räuberbande aufgenommen wird, ist ebenfalls ein Stürmer und Dränger. Er liebte ein bürgerliches Mädchen, welches auch wie Karls Geliebte Amalia heißt, und wurde durch eine Intrige des Adels daran gehindert , dieses Mädchen aus niederem Stand zu heiraten. Die Geschichte Kosinskys ähnelt stark dem Schicksal des jungen Major Ferdinand aus Schillers ,,Kabale und Liebe", der, entgegen den Erwartungen seines Vaters und seines Standes, ein bürgerliches Mädchen liebt und deren Liebe ebenfalls durch eine Intrige zerstört wird.
Als Karl schließlich seinen Vater findet und ihn aus dem Verließ befreit hat erfährt er von dem gemeinen Verbrechen seines Bruders und schwört Rache. Er ist ungehalten über diese Gewissenslosigkeit: ,,Die Gesetze der Welt sind Würfelspiel worden, das Band der Natur ist entzwei, der Sohn hat seinen Vater erschlagen."(S.116,14-16)
Franz, der währenddessen von einem Traum vom jüngsten Gericht heimgesucht wurde, lässt Pastor Moser holen. Der eben noch gottlose Franz bekommt nun doch noch Angst als ihm der Pastor sagt, Gott werde es nicht zulassen, dass ein einziger Mensch in seiner Welt wie ein Wütrich hause (vgl.S.126,21-22) und dass die größten Sünden auf Erden Vatermord und Brudermord seien. Als er dann die Räuber herbeistürzen sieht, erdrosselt er sich feige mit seiner Hutschnur.
Karl gibt sich seinem Vater als der ,,Räuber Moor" zu erkennen, worauf jener vor Schreck stirbt. So wird der Vater, dessen Söhne anfangs dessen Opfer waren, Franz vernachlässigt und Karl verstoßen, schließlich Opfer seiner Söhne, von Franz grausam behandelt und am Schreck über Karls Räuberdasein gestorben. Karl sieht sich mit Amalia wieder glücklich vereint doch wird er von den Räubern an seinen Treueschwur erinnert. Amalia will jedoch lieber sterben als auf Karl zu verzichten und wird von Karl umgebracht. Dieser sieht nun keinen Ausweg mehr, kein Zurück und er entschließt sich seinem Räuberleben ein Ende zu setzen und sich der Justiz auszuliefern. Er erkennt dass sein Weg, die Welt durch seine Taten zu verbessern nicht der richtige war und unterwirft sich der Ordnung.
Karl erkannte schon früh, dass sein Plan nicht aufgeht. Er wollte als ,,edler Räuber" für die Unterdrückten und für Freiheit kämpfen, doch seine Räuber verübten grausame Verbrechen wie Kinder- und Greisenmord, was Karl verabscheute. Er schwankte oft zwischen Melancholie, Reue mit der Sehnsucht nach Rückkehr und seiner Rebellion und merkte anfangs nicht, dass er in seinem Kampf gegen das Unrecht selbst vielen Menschen Unrecht zufügte, wie zum Beispiel bei der Verwüstung der Stadt bei Rollers Befreiungsaktion. Er hat in seiner Rebellion gegen die Verhältnisse seines Jahrhunderts keine angemessene Handlungsmöglichkeit gefunden und bereut: ,,O über mich Narren, der ich wähnete die Welt durch Greuel zu verschönern, und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrecht zu erhalten.[...] da steh ich am Rand eines entseztlichen Lebens, und erfahre nun mit Zähneklappern und Heulen, dass zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der sittlichen Welt zugrunde richten würden."(S.138,31-40)
Man kann das Schicksal Karls mit dem des verlorenen Sohnes (Lk 15, 11-32) vergleichen. Er führte ein wildes Leben und wollte zum Vater zurückkehren und um Verzeihung bitten. Anders als im Bibeltext, wo der Sohn vom Vater, der in großer Freude über seine Rückkehr war, Verzeihung erhielt, wurde Karl von seinem leichtgläubigen Vater verstoßen. Eine weitere Parallele zwischen einem Bibeltext und Schillers Räuber ist die Vortäuschung des Todes Karls durch Franz. Ihm entspricht die Todesnachricht der Brüder Josephs an deren Vater Jokob, der wie der alte Moor daraufhin in tiefe Trauer sinkt. Die Sturm und Drang Epoche war immer nur ein rein literarischer Protest, der sich in den Köpfen Schillers und anderer Stürmer und Dränger abspielte und in ihren Werken Ausdruck fand, aber nicht zu einer politischen Revolution im Bürgertum führte. Schillers Drama ,,Die Räuber" zeigt nicht nur das Scheitern der beiden Brüder Moor im wirklichen Leben. Es zeigt auch dass man die Welt nicht durch Gewalt verbessern kann. Aber vielleicht finden solche Werke auch heutzutage deshalb noch reges Interesse weil sie den Kampf gegen Autoritäten beinhalten, der auch in unserer Zeit ein Thema ist, angefangen von Jugendlichen die Streitigkeiten mit ihren Eltern haben bis hin zu Leuten die auf politischer Ebene für Veränderung kämpfen.
Quellenangaben
Primärliteratur: Friedrich Schiller, Die Räuber (Reclam Ausgabe) Sekundärliteratur: Das moderne Lexikon in 20 Bänden, Bertelsmannverlag 1974 Kennwort 11 Literaturgesch. Arbeitsbuch, Schroedel Verlag Literaturwissen Friedrich Schiller, Walter Schafarschik Lektüre Durchblick Schiller Die Räuber, Detlev Mahnert
Arbeit zitieren:
Sebastian Hofmann, 2000, Schiller, Friedrich - Die Räuber, München, GRIN Verlag GmbH
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michael huber
was für ein titel.
finde deine ausarbeitung sehr gut(habe für mein referat eine interpretation gesucht und sie bei dir gefunden-danke
huber michael
am Thursday, June 14, 2001-
Katze
Super.
gut formuliert und sehr ausfürlich
am Monday, October 22, 2001-
Rosi
DANKE!!!!supigeil!peace bis denne.
DANKE!!!!!
echt supi ...peace bis denne...
am Monday, November 26, 2001-
Friedrich
Krass.
Danke Mann!
Du hast meinen Arsch gerettet!!!!!!!!!!!
Hau rein....
am Wednesday, June 19, 2002-