Inhalt:
1. Einleitung
1.1. Zentrale These
2. Einige kritische Anmerkungen zum Begriff Kriminalität
3. Unterschiede in der Medienberichterstattungen über Straftaten, die von
Deutschen bzw. Ausländern verübt wurden
3.1. Wie werden Inländische Straftäter charakterisiert ?
3.2. Wie werden ausländische Straftäter charakterisiert ?
4. Einordnung der Ergebnisse
5. Schlußbetrachtung
1. Einleitung:
Es ist festzustellen, das die Furcht Opfer einer kriminellen Tat zu werden unter der deutschen
Bevölkerung zugenommen hat. Bei genauerer Betrachtung besteht jedoch eine deutliche Diskrepanz
zwischen tatsächlicher Kriminalitätsentwicklung und Kriminalitätsfurcht. Die Kriminalität hat zwar in
den letzten Jahrzehnten durchaus zugenommen, jedoch ist die Tendenz keineswegs steigend, 1 wie
dies oftmals in Berichten des SPIEGEL 2 oder in den Parteidebatten polemisiert und dramatisiert wird.
Das Tagesblatt DIE WELT drückt dies so aus: „ Dabei läßt sich der Hauptstreitpunkt, nämlich ob es
"besser oder schlechter" geworden ist, auf einen ganz einfachen Nenner bringen: Wählt man als Bezugsgröße
das Jahr 1963 (den eigentlichen Beginn der heutigen Kriminalstatistik), dann ist das Ergebnis bedrückend,
nimmt man indes das Jahr 1980, dann sieht der Vergleich doch relativ "sonnig" aus.“ (DIE WELT,
22.07. 1995, 22.07.1995, siehe unter: http://www.welt.de/daten/1995/07/22/0722fo111834.htx)
Die Kriminalitätsstatistiken der vergangenen vier Jahre belegen eine kontinuierlich rückläufige
Straftatenentwicklung Im Erfassungsraum 1996 wurden beispielsweise (-) 0,3 weniger Straftaten
registriert, ein Jahr danach (-)0,9 Im Jahr 1998 waren es (-)2,0 und die aktuellste Zahl für 1999
beläuft sich sogar auf einen Wert von (-)2,4 weniger Delikte 3 Solche Zahlen wirken relativierend.
1 Vgl. Jäger Margret “Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden 1998 Duisburg 11
2 Ebd. Vgl. 211
3 Kriminalstatistiken von 1996-1999 unter -http://www.bka.de/-
2
Da diese jedoch nicht immer in mediale Berichterstattungen einfließen, birgt dies die Gefahr in sich, daß es zu einer einseitigen Meinungsbildung kommen kann. - Es entstehen Ängste, aus denen das Vorurteil erwächst, in Deutschland nicht mehr sicher zu sein.
Ferner ist festzustellen, daß sich in Verbindung mit Kriminalität im deutschen Sprachgebrauch der diskriminierende Begriff der sogenannten “Ausländerkriminalität” sozial und politisch etabliert hat. Dieser Begriff spiegelt eine weitere Furcht der deutschen Bevölkerung wieder, namentlich die gegenüber Menschen nichtdeutscher Abstammung.
Der Begriff “Ausländerkriminalität” verdeutlicht zudem, daß es in den letzten Jahren zu einer engen Verknüpfung zwischen dem “Ausländerdiskurs” und dem “Kriminalitätsdiskurs” gekommen ist. 4 Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie es zu einer Verstärkung dieser Ängste kommen konnte. In diesem Zusammenhang werde ich die Rolle der deutschen Printmedien, bezüglich ihrer meinungsbildenden Funktion diskutieren und einige Pressetexte auf rassistische Inhalte analysieren. Als Grundlage beziehe ich mich hauptsächlich auf eine 1998 veröffentlichte Studie von M.Jäger “Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden”, die vom Ministerium für Arbeit, Soziales (in NRW) in Auftrag gegeben wurde.
Allen Ausführungen voran möchte ich zunächst eine These formulieren: 1.1 Zentrale These:
In vielerlei Hinsicht besteht eine Ambivalenz zwischen der printmedialen Berichterstattung über Straftaten, die von Deutschen bzw. Ausländern begangen wurden. Dies führt zu einer Verzerrung realer Sachverhalte und trägt zur Bildung von Vorurteilen bei.
2. Einige kritische Anmerkungen zum Begriff Kriminalität:
Jede Gesellschaft formt im Verlauf ihrer Entwicklung ein breites Normen- und Wertegefüge. Kriminalität steht immer im Kontext mit Abweichungen von Normen. Wichtig ist zu sehen, daß Kriminalität keine feste Konstante darstellt, sondern ständigen Modifikationen unterworfen ist. Dies ergibt sich daraus, daß sich in jeder Gesellschaft die politische Machtstruktur verändert. Somit werden auch die Rechtsmaßstäbe immer wieder neu geordnet. 5
Was demnach als Kriminalität bezeichnet wird, ist also reine Definitionssache. Ein Individuum, daß sich für einen Normenverstoß zu verantworten hat, riskiert mehr oder weniger seinen Ausschluß aus der Gesellschaft. Die Medien, insbesondere die Printmedien tragen eine erhebliche Mitverantwortung darüber, ob und inwieweit dieser Ausschluß endgültig oder vorübergehend geschieht. Aus einigen ausgewählten Tageszeitungen geht hervor, daß hauptsächlich über Raub, Überfälle, Körperverletzung, Mord und Totschlag berichtet wurde. 6
4 Vgl. Jäger Margret; “Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden”; 1998; Duisburg; S.13
5 Vgl. Jäger Margret; “Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden”; 1998; Duisburg; S.11
6 Ebd. vgl. S.158 /-ZUSATZINFO ebenfalls von S.158 “[...] aus den von uns archivierten 2400 Artikeln der Tageszeitungen WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ), RHEINISCHE POST (RP), FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ), FRANKFURTER RUNDSCHAU (FR), Bild-Zeitung sowie aus der Wochenzeitschrift DER SPIEGEL[...]”
3
Ein kleines fiktives Beispiel soll vorab kurz verdeutlichen, weshalb diese Themenschwerpunktsetzung problematisch sein kann:
Stellen Sie sich bitte vor, ein Nachrichtenmoderator im TV oder der Autor eines Zeitungsartikel macht die Aussage, die „Ausländerkriminalität“ hätte in erschreckendem Maße zugenommen. Vielleicht haben Sie noch den ein oder anderen Bericht vor Augen, in dem die Beteiligung von Menschen nichtdeutscher Herkunft an bestimmten Delikten der eben genannten Straftatkategorien in aller Ausführlichkeit geschildert wurde. Wie wirkt diese Medieninformation jetzt auf Sie, bzw. welche Wirkung könnte bei einem Rezipienten entstehen, der diese Information keiner weiteren kritischen Betrachtung unterzieht ?
Diese Person könnte Kriminalität überwiegend im Zusammenhang mit Raub, Mord, Körperverletzung etc. sehen. Die Aussage die “Ausländerkriminalität” hätte wieder zugenommen impliziert dann ferner, daß der Anstieg solcher Delikte hauptsächlich auf nichtdeutsche Menschen zurückzuführen ist. Es wird vielleicht die Tatsache übersehen, daß in Deutschland auch Menschen anderer Herkunftsländer ohne Papiere leben. Diese sind im Sinne des Gesetzes „illegal“ und tauchen in den Kriminalstatistiken mit auf.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird deutlich werden, welche auffälligen Ambivalenzen in der Berichterstattung über deutsche und ausländische Straftäter existieren.
3. Unterschiede in der Medienberichterstattungen über Straftaten, die von Deutschen bzw. Ausländern verübt wurden:
Bevor ich exemplarisch einiger Textbeispiele auf problematische Inhalte untersuchen werde, möchte ich zunächst einen allgemeinen Überblick hinsichtlich der Unterschiede in der Berichterstattung über kriminelle Deutsche und Ausländer geben.
3.1 Wie we rden Inländische Straftäter charakterisiert ?
In den 2400 ausgesuchten Artikeln ist festzustellen, daß deutsche Täter nur in den wenigsten Fällen explizite als “Deutsche” markiert wurden. Die Kennzeichnung der Nationalität erfolgt eher implizite durch die Nennung des Namens oder durch Berufsbezeichnungen. (1. Implizite Nationalitätenkennzeichnung).
Ferner ist festzustellen, daß deutsche Täter eher in Verbindung mit einem einzelnen konkreten Delikt markiert werden. Im Falle eines größeren Vorstrafenregisters wird dies nur durch die Zusatz ‚einschlägig Vorbestrafte‘ gekennzeichnet. (2. Schilderung einzelner Straftaten/ Einschlägige Vorbestrafung)
Bei der Schilderung von Straftaten, die von Deutschen begangen wurden, ist bemerkenswert, daß diese nicht besonders brutal dargestellt werden.(3. Skandalisierende Elemente fehlen) Desweiteren ist auffällig, daß inländische Täter in der Regel als ‚einsichtig‘ bezeichnet werden. Es wird oft betont, daß der Angeklagte ein ‚umfassendes Geständnis‘ vorgelegt hat. In vielen Fällen werden die sozialen Umstände und die genauen Motive geschildert.
4
( 4.Motive/soziale Umstände )
Deutsche Straftäter werden vornehmlich (besonders bei Drogendelikten) zu Opfern stilisiert oder gar als Kranke, Verführte oder Infizierte dargestellt. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß ein bestimmter Personenkreis wegen seiner Drogenabhängigkeit Beschaffungskriminalität begehen muß.(5. Stilisierung zu Opfern)
Aus 4. Und 5. ergibt sich, daß diese Menschen weiterhin als Mitglieder der Gesellschaft anerkannt bleiben.
Besonders im Bereich der Amts- und Wirtschafts-kriminalität bezieht sich die Berichterstattung auf exponierte Persönlichkeiten (Chefs von Banken und Ämtern) die im Unterschied zu anderen deutschen Straftätern als ansonsten integre und kompetente Personen beschrieben werden.(6. Kein Gesellschaftsausschluß)
Insgesamt bleibt festzustellen, daß der Personenschutz deutscher Straftäter gewahrt bleibt. Die Täter werden als handelnde Subjekte angesehen, die für ihre Vergehen zur Verantwortung gezogen werden können.(7. Handelnde Subjekte). 7
3.2 Wie werden ausländische Straftäter charakterisiert ?
Ausländische Straftäter werden meist explizite durch die Nennung ihrer Nationalität markiert. Implizite erfolgt dies durch die Beschreibung ihres äußeren Erscheinungsbildes, der Nennung ihres ausländisch klingenden Namens oder die Bemängelung ihrer deutschen Sprachkenntnisse. In manchen Zeitungen fungiert die Illustration der Straftäter zusätzlich als implizites Medium die Herkunftsbestimmung.( 1. Explizite + Implizite Markierung)
Im Gegensatz zu deutschen Straftaten werden die von Ausländern oft sehr viel brutaler imaginiert. Zudem wird deutlich gemacht, daß Ausländer das Sozialsystem mißbrauchen.(2. Skandalisierung bestimmter Sachverhalte)
Auffällig ist zudem, daß den Angeklagten in den seltensten Fällen eine Stimme verliehen wird, indem sie beispielsweise wörtlich zitiert werden. Es werden keine Beweggründe, die zu der Tat geführt haben, dokumentiert. In der Regel erfolgt die Darstellung aus der Perspektive der Polizei und der Staatsanwaltschaft. (3. Motive fehlen/Schilderung aus der “Obrigkeitsperspektive”) Auffällig ist, daß im Gegensatz zu Straftaten die von Deutschen verübt wurden, eine lange Aneinanderreihung der Delikte erfolgt. Der Zusatz ‚einschlägig Vorbestraft‘ fehlt gänzlich.(4. Aneinanderreihung von Straftaten)
Es ist noch erwähnenswert, das Ausländer im Besonderen mit der sogenannten ‚organisierten Kriminalität‘ in Verbindung gebracht werden. Während Deutsche Angeklagte bezüglich der Drogenkriminalität als Opfer stilisiert werden, besteht die Tendenz, ausländische Straftäter eng an die Drogen- Schmuggelkriminalität zu koppeln. Besonders der Hang zur ‚Bandenbildung‘ findet in diesem Artikeln besonderes Gewicht. .(5. Organisierte
7 Ebd. vgl. S.160 ff. S.162
5
Kriminalität/Bandenbildung)
Die Straftäter werden vereinzelt gesellschaftlich ausgegrenzt. Und in manchen Fällen wird sogar eine Verknüpfung zwischen Kriminalität und binationalen Partnerschaften hergestellt. (6. Ausgrenzung der Täter) 8
4. Einordnung der Ergebnisse:
In diesem Abschnitt werde ich einige der genannten Merkmale der Kriminalitäts-berichterstattung herausgreifen und sie hinsichtlich der Bildung von Vorurteilen gegenüber Ausländern problematisieren Zunächst möchte ich auf ein Dilemma hinweisen, in dem sich die Journalisten befinden. Ein Artikel der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 16.06.1995 macht dieses in besonderer Weise deutlich: ‚Wenn ein Türke eine Bank überfällt, muß das in der Zeitung stehen können. Nicht weil alle Türken Bankräuber wären, sondern weil dieser Bankräuber Türke war. Denn Journalismus ist der Wirklichkeit verpflichtet, sei sie auch noch so unbequem.’ 9 Meiner Auffassung nach ist dieses Argument zunächst verständlich. Zieht man jedoch eine Aussage von K.H. Reuband (Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung) hinzu - er macht sinngemäß darauf aufmerksam, daß die Wahrnehmung gesellschaftlicher Bedrohung in erster Linie bei Politikern und in den Medien zu suchen sei, welche die Innere Sicherheit zum Thema erhoben - so wird deutlich, daß die Aussage des Journalisten nicht ohne Kritik bleiben darf. Ein weiteres Argument für diese Kritik liefert die sozialwissenschaftliche Einschätzung zu der Frage, wann eine Rassenkonstruktion vorliegt. Diese sieht so aus, daß a. körperliche Eigenarten und soziale Eigenschaften zum Kennzeichen einer Menschengruppe gemacht und mit bestimmten Verhaltensweisen verknüpft werden / b. eine Bewertung der “Rasse” -in der Regel negativer Art- stattfindet und c. wenn diese negative Bewertung vom herrschenden hegemonialen Diskurs in seiner Tendenz geteilt wird und eine gewisse Machtwirkung entfalten kann. 10 Zeitungsartikel 1:
Interview zwischen Berliner Polizeichef Hagen Saberschinsky und Georg Gafron (Geschäftsführer des Radiosenders Hundert,6 und des Fernsehsenders TVB)
"Die Brutalität der Täter ist unvorstellbar" (DIE WELT -08.05.99) 11 “Internationale Banden zwingen die Berliner Polizei, sich auf eine neue Sicherheitslage einzustellen. Berlin ist zum Brennpunkt der organisierten Kriminalität geworden. Die Polizei wird mit einer ungewohnten Brutalität der Täter konfrontiert.[...]
8 Ebd. Vgl. S162 ff. 164
9 DIE ZEIT;16.06.1995, S.16 in (Jäger Margret; “Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden”; 1998; Duisburg; S.169
10 Ebd. Vgl. S.171 f. S.172
11 -http://www.welt.de/daten/1999/05/08/0508hb65995.htx-
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Gafron: Das "neue Berlin", Herr Polizeipräsident, könnte das nicht auch die Kriminalitätsmetropole Europas werden?
Saberschinsky: Diese Gefahr besteht natürlich. Allein die kriminal-geographische Lage Berlins führt dazu, daß die Stadt für Tätergruppen aus dem osteuropäischen Raum hoch- interessant ist. Hinzu kommt die boomende Situation, die der organisierten Kriminalität einen Anreiz zum Einstieg bietet.
Gafron: Konkret - woher kommen die Täter? Was sind die jeweiligen Schwerpunkte? Saberschinsky: Wir haben es überwiegend mit Tätergruppierungen aus dem Bereich der ehemaligen Sowjetunion zu tun. Besonders auffällig sind dabei Tschetschenen und Ukrainer. Große Probleme haben wir aber auch zunehmend mit Vietnamesen. 8000 von ihnen sind legal gemeldet. Nach unseren Schätzungen halten sich aber 30 000 in der Hauptstadt auf. Hier hat sich ein völlig neuer Markt entwickelt: der sogenannte illegale Zigarettenhandel - ein sehr lukratives Geschäft. Wir erleben dabei die unterste Vertriebsebene eines international organisierten Schmuggels. Vor allem auf den Straßen im Ostteil Berlins betreiben Vietnamesen einen regen Handel. Dabei sind die Reviere genau aufgeteilt. Mit einer unendlichen Brutalität, wie sie für Mitteleuropa bisher unvorstellbar schien, gehen die Konkurrenten gegeneinander vor. Innerhalb von nur zwei Jahren mußten wir 45 Morde an Zigarettenhändlern registrieren.[...]
Neben den etwa 150 000 offiziell gemeldeten Personen aus der ehemaligen GUS lebt eine große Zahl Illegaler in der Stadt. Gafron: Rauschgifthandel?
Saberschinsky: Ein unverändert großes Sorgenkind. Der Rauschgifthandel in Berlin liegt im Bereich der harten Drogen fast vollständig in den Händen türkischer Staatsangehörigerüberwiegend Kurden. Wie Sie wissen, kommt der größte Teil des Heroins aus oder über die Türkei auf der sogenannten Balkanroute zu uns.
Gafron: Haben Sie eine Ahnung, wieviel Geld allein in Berlin im Bereich der organisierten internationalen Kriminalität umgeschlagen wird?
Saberschinsky: Das ist nicht mal annähernd zu schätzen. Klar aber ist, daß wir es hier mit Dimensionen im Milliardenbereich zu tun haben.[...]” In diesem Artikel werden folgende Punkte thematisiert:
• Organisierte Kriminalität (es ist die Rede von sogen. ‚Banden’ .Berlin wird als die ‚unterste
Vertriebsebene eines international Organisierten Schmuggels‘ bezeichnet. Es wird deutlich gemacht, daß es sich nicht um Einzeltäter handelt, sondern um ein Netz krimineller Machenschaften. Ausländer sind demnach quasi nur in Deutschland, um kriminelle Geschäfte abzuwickeln.
• Drogen- u. Zigarettenschmuggel durch Migranten (hier Vietnamesen, Tschechen, Türken, Kurden, Tschetschen und Ukrainer.) Ein Zitat verdeutlicht die Verbindung zwischen
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Drogengeschäften und Türken bzw..Kurden: ‚Der Rauschgifthandel in Berlin liegt im Bereich der harten Drogen fast vollständig in den Händen türkischer Staatsangehörigerüberwiegend Kurden.‘ In Deutschland wohnt eine große Anzahl türkischer Familien. Ich denke es ist offenkundig, das Türken von bestimmten Teilen unserer Gesellschaft kein besonders hohes Ansehen beigemessen wird. Der ohnedies schon angeschlagene Ruf der Türken wird somit weiter geschädigt.
Bemerkenswert ist, dies nur am Rande erwähnt, daß selten etwas über Straftäter aus Staaten wie England, Dänemark, Frankreich oder Amerika (nur um einige zu nennen) zu lesen ist. Demzufolge erhärtet sich für mich der Eindruck, das Ausländer nicht gleich Ausländer sind.
• Brutalität/Gefährlichkeit (als Indiz hierfür wird die Anzahl der Morde im illegalen
Zigarettenhandel angeführt: ‚Innerhalb von nur zwei Jahren mußten wir 45 Morde an Zigarettenhändlern registrieren‘. Zudem wird darauf hingewiesen: ‚Die Polizei wird mit einer ungewohnten Brutalität der Täter konfrontiert.‘ Bereits die Überschrift des Pressetextes macht auf die besondere Gefährlichkeit der Täter aufmerksam : ‚Die Brutalität der Täter ist unvorstellbar‘)
• Bezifferung der Migranten Zunächst heißt es: ‚Große Probleme haben wir aber auch
zunehmend mit Vietnamesen. 8000 von ihnen sind legal gemeldet. Nach unseren Schätzungen halten sich aber 30 000 in der Hauptstadt auf.‘ Die meisten vietnamesischen Migranten besitzen nach dieser Aussage keine Papiere, sie sind nicht gemeldet und deshalb nicht kontrollierbar und somit unberechenbar.
Besonders interessant ist weiter, daß direkt nach der Bezifferung der Morde, die sich der Schätzung anschloß, wie folgt fortgefahren wird: ‚Neben den etwa 150 000 offiziell gemeldeten Personen aus der ehemaligen GUS lebt eine große Zahl Illegaler in der Stadt.‘ Beide Zahlenexempel sind also direkt an das Thema Brutalität/Gefährlichkeit gekoppelt. Es entsteht der Eindruck das diese Gefährlichkeit einer Vielzahl von Migranten zu eigen ist.
Insgesamt wirkt dieser Bericht sehr einseitig. Dadurch, daß nur Staatsangehörige anderer Länder als potentielle und reale Gefahr dargestellt werden, gewinnt man den Eindruck, Deutsche hätten keinen Anteil an kriminellen Machenschaften.
Zeitungsartikel 2:
“Terror-Bande plante Anschlag mit Giftgas” (BILD 19.02.2001) “[...] Ein Sondereinsatzkommando stürmte zwei Wohnungen in Frankfurt, faßte hochgefährliche Terroristen. ‚Sie hatten Attentate von Tausenden von Toten geplant‘ glauben die Fahnder. [...] Die englischen Zeitungen ‚Sunday Telegraph‘ und ‚Sunday Times‘ enthüllten jetzt 6 Wochen später, die Festnahme von acht Algeriern in der Main-Metropole, vermutlich Mitglieder der islamischen Terrororganisation GIA. [...] In den Frankfurter Wohnungen wurden Anleitungen zum Bau von Bomben, Waffen und Granaten gefunden. [...] Die Ermittler glauben, das auch die Frankfurter U-Bahn ein Giftgasziel der Terroristen gewesen sein könnte.[...] Doch trotz der Festnahmen bleibt die Terrorgefahr. Die GIA hat
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den ‚Heiligen Krieg‘ ausgerufen, will eine ‚Flut von Schrecken‘ in Europa verbreiten. Terrorexperten befürchten: Die verhafteten Kommandos werden durch neue ersetzt.” Auch in diesem Artikel wird die Gefährlichkeit von Ausländern in besonderer Weise akzentuiert. Es ist die Rede von “hochgefährlichen Terroristen”. Ferner wird darauf verwiesen, daß in den Wohnungen Waffen und Anleitungen zum Bau von Bomben gefunden wurden. Diese Aussage wird durch das vorherige Zitat unterstrichen. Zudem wird mit einer emotionalen Kollektivsymbolik gearbeitet. Berichtet wird von einer “Flut von Schrecken” die über Europa ausgebreitet werden soll. Diese Metapher wirkt besonders bedrohlich. Die ‚Flut‘ ist wie die “Naturgewalt des Wassers” unberechenbar und daher schwer zu kontrollieren. Diese Symbolik beinhaltet jedoch noch einen weiteren wichtigen Aspekt: (Kollektivsymbole enthalten durch ihren bildhaften Charakter indirekte Handlungs-anweisungen, auch wenn dies vom Verfasser nicht beabsichtigt wird.) 12 Durch die hier klischeehaft erfolgte Verknüpfung von Terrorismus und Islam sind meiner Auffassung nach folgende Aufforderungen herauszulesen: 1. Keinem Ausländer (insbesondere Menschen aus der arabischen Welt) die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen/ 2.Bereits in Deutschland lebende Migranten in ihre Herkunftsländer abzuschieben / 3. Härteres Durchgreifen durch Gesetz und Polizei. “ Die GIA hat den ‚Heiligen Krieg‘ ausgerufen”. Hierdurch wird das Feindbild gegenüber der Arabischen Welt verstärkt und somit ein Bedrohungszenarium initiiert.
Auch in diesem Textexempel handelt es sich nicht um Einzeltäter, sondern um organisierte Gruppen. Dies geht sowohl aus der Überschrift “Terror-Bande plante Anschlag mit Giftgas” hervor, als auch daraus, daß die Täter als Mitglieder der islamischen Terrororganisation GIA deklariert werden .
Im Bericht werden die Täter durch die Nennung ihrer Staatszugehörigkeit explizite markiert (“die Festnahme von acht Algeriern in der Main-Metropole”)
Bemerkenswert ist in diesem Artikel ferner, das fast ausschließlich Vermutungen geäußert werden: “‚Sie hatten Attentate von Tausenden von Toten geplant‘ glauben die Fahnder.” oder “Die Ermittler glauben, das auch die Frankfurter U-Bahn ein Giftgasziel der Terroristen gewesen sein könnte.” Auch im letzten Satz des Berichtes wird lediglich eine Befürchtung offeriert: “Terrorexperten befürchten: Die verhafteten Kommandos werden durch neue ersetzt.” Diese Aussagen werden von Experten und Vertretern der Exekutive gemacht. Dies führt dazu, daß die Informationen seriöser wirken und dessen Glaubwürdigkeit gesteigert wird.
Zeitungsartikel 3:
“Unbekannte rauben Taxifahrer aus” (FRANKFURTER RUNDSCHAU 12.02.2001) “Fulda. Drei unbekannte haben am Samstagabend einen 29-Jährigen Taxifahrer überfallen und ausgeraubt. Laut Polizeiangaben ließen sich die Fahrgäste im Alter zwischen 22 und 24 Jahren in den Stadtteil Aschenberg fahren. In der Adenauerstraße bedrohten zwei junge Männer den Taxifahrer und erzwangen die Herausgabe von 170 DM.[...] Nach Angaben des Taxifahrers hätten sich die Täter während der Fahrt in russischer Sprache unterhalten. gw“ In diesem Bericht werden die Täter implizite als Russen markiert: “Nach Angaben des Taxifahrers hätten sich die Täter während der Fahrt in russischer Sprache unterhalten.”
12 Vgl. Jäger Margret; “Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden”; 1998; Duisburg; S.23 f. 24
9
Der Hinweis, die Jugendlichen hätten sich in den Fuldarer Stadtteil Aschenberg fahren lassen, hat sicherlich nicht zufällig Erwähnung gefunden. Wie in einem Radiobericht des HR zu erfahren war, stellt dieser Stadtteil ein Problembezirk dar. “Rund um das sogenannte ‚Aschenberg-Plateau‘, von weither schon sichbar, stehen Hochhäuser. Hier oben ist auch der soziale Brennpunkt ‚Aschenberg‘ - viele verschiedene Gruppen von Menschen leben dort: Deutschstämmige Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, Mieter aus vielen, verschiedenen Nationen, Deutsche.” 13 Darüber hinaus werden in diesem Radiobericht die unterschiedlichen Delikte aufgezählt, die insbesondere von Spätaussiedlern begangen wurden. Somit kann der Leser den Artikel der FR als ein weiteres Indiz dafür betrachten, daß von dem genannte Stadtteil eine gewisse Gefahr ausgeht. Es findet eine Kriminalisierung statt. Zeitungsartikel 4:
In einem Bericht über den Sicherheitsdienst des Frankfurter Ordnungsamtes (“Task Force”) heißt es u.a:
“[...] Auch im Bahnhofsviertel kennen die zwei [persönliche Anmerkung: hier sind zwei Beamte gemeint] ihre Pappenheimer genau. Eine Bettlerin, die an der Ecke Moselstraße scheinbar kranke Gliedmaße verdreht, um Mitleid zu erwecken, bekommt Platzverweis. Die Frau aus dem Ostblock wird am Abend von ihrem Mann abgeholt - im dicken Mercedes. Rund 200 DM bringt ihm täglich die Bettelei, erzählt freimütig ein Blinder.[...]” 14 In diesem Text wird das Klischee aufgegriffen, daß Ausländer „Schmarotzer“ des Sozialsystems sind. Die Bettlerin wird durch die Information, sie stamme aus dem Ostblock, als Migrantin explizite markiert. Es ist hier der Sachverhalt geschildert, die Dame würde ihr körperliches Gebrechen lediglich mimen. Weiter heißt es dann:“Die Frau [...] wird am Abend von ihrem Mann abgeholtim dicken Mercedes.” .
Diese Darstellung bestätigt das genannte Klischee. Auch die Aussage des blinden Bettlers unterstreicht, daß die Bettelei wohl ein einträgliches Geschäft zu sein scheint. Der Mercedes fungiert als Statussymbol und zeigt, daß die Frau eigentlich ein reiches Leben führt und es eigentlich nicht nötig hat betteln zu gehen. Sie nutzt die Gutmütigkeit der Bürger hingegen schamlos aus. Der Tagesverdienst des Bettlers dient hier als Parallele zum (hier unbekannten) Verdienst der Frau. Der Leser soll den Eindruck gewinnen, die Frau hätte einen ähnlichen Verdienst. In jedem Fall ist auch dieser Bericht prädestiniert Vorurteile gegenüber Ausländern zu schaffen. Kürzlich war in diesem Zusammenhang ein weiteres Zitat in der BILD-Zeitung zu lesen, daß sich auf gleicher Ebene befindet. Hier heißt es : ‚Illegale Ausländer, ein Trend der letzten Jahre. Ihr Ziel: In Berlin leben, Leistungen abzocken.’ 15 Ich denke dieses Zitat bedarf keiner weiteren Erläuterung. Es wird Ihnen sicher aufgefallen sein, das ich in meiner Beispielkette vorzugsweise die BILD-Zeitung zitiert habe. Dies möchte ich kurz begründen. Die Bildzeitung ist eine der größten “Diskursmaschinen”. Sie erreicht etwa 15-20 Millionen Leser Täglich. Altbundeskanzler Helmut
13 -http://members.aol.com/CKaeppeler/1999mai18.html-
14 Bericht
15 BILD-Zitat in DIE TAGESZEITUNG 17/18.02.2001; S.7
10
Schmidt hat einmal gesagt, wer das Volk erreichen wolle, müsse in der Bildzeitung schreiben. 16 Ich persönlich stehe diesem Blatt mit einem gewissen Argwohn gegenüber, da sich mit Sicherheit ein großer Teil der Leserschaft Meinungen zu eigen macht, die dort abgedruckt sind. Durch den Sensationscharakter dieser Zeitung wird in meinen Augen hinreichend deutlich, auf welche weise Texte Vorurteile suggerieren können.
5. Schlußbetrachtung:
Zum Schluß möchte ich auf die Wechselwirkung zwischen Politik, Medien und Rezipienten eingehen. Ich sehe diese drei Begriffe als geschlossenes Dreiecks-Modell :
Es bestehen zwischen allen Instanzen ein wechselseitiges Verhältnis in beide Richtungen. Für das Thema dieser Arbeit werde ich eine der möglichen Wechselbeziehungen herausgreifen, die mir für die Einordnung der Ergebnisse als besonders relevant erscheint.
Konkret kann man sagen: Die POLITIK beeinflußt die Themenschwerpunkte der MEDIEN. Die Medien tragen dann zur Meinungsbildung der REZIPIENTEN bei. An dieser Stelle möchte ich nochmals an das Zitat von K.H. Reuband (S.6 dieser Arbeit) erinnern, was diese Aussage unterstreicht .Durch die Meinungsbildung der Leserschaft wird dann aber auch wieder auf die POLITIK Einfluß genommen, weil die Regierung durch Wahlen legitimiert wird. Im Besonderen wird demnach das Handeln der Individuen mit beeinflußt. - Hierzu einige Erläuterungen: Wie bereits erwähnt, findet in Deutschland seit 1997 eine Kopplung des Ausländerdiskurses mit dem Kriminalitätsdiskurs statt. Der SPIEGEL betitelte seine Aprilausgabe ’97 mit dem Slogan „Gefährlich fremd“. Inhaltlich ruft die Wochenzeitung in einem mehrseitigen Artikel zu mehr Obrigkeit auf. 17 Im Juli desselben Jahres steigt die Politik in die Debatte ein. Der heutige Bundeskanzler Gerhard Schröder gab zu seinen Ministerpräsidentenzeiten der BILD AM SONNTAG am 20.07.1997 ein Interview, in welchem er die Aussage macht „Kriminelle Ausländer raus“. Es kündigte sich eine härtere Gangart in der ohnehin schon repressiven Ausländerpolitik an. 18 An dieser Stelle ein Beispiel: Zur Zeit leben noch etwa 37000 Flüchtlinge der Bevölkerung Bosnien-Herzegowinas in der BRD. Diese Menschen sind nach Auffassung des hohen Flüchtlingskommissars und des UNHCRs weiterhin auf internationalen Schutz angewiesen. Seit dem Frühjahr 2000 werden diese Flüchtlinge unterschiedslos aufgefordert, Deutschland kurzfristig zu verlassen. 19 Auch dies ist ein Beleg dafür, daß sich die Akzeptanz gegenüber Ausländern verringert hat. Es ist offensichtlich, das die Regierung das Ziel verfolgt, den Migrantenanteil zu reduzieren. Eine Möglichkeit dieses Ziel durchzusetzen besteht sicherlich darin, Migranten die sich nach deutschem Recht strafbar gemacht haben einfach abzuschieben. Demzufolge erwächst aus der Tatsache, daß es in Deutschland auch
16 Vgl. Jäger Margret; “Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden”; 1998; Duisburg; S.121
17 Vgl. DER SPIEGEL (Ausgabe Nr.16/14.04.1997)
18 Vgl. Jäger Margret; „Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden“; 1998; Duisburg; S.206
19 Vgl. „zoon Politikum“; Redaktionskollektiv der Asten der Darmstädter Hochschulen; Ausgabe Wintersemester 2000; S.18 f.19
11
ausländische Straftäter gibt, ein besonderer Nutzen. Mit dramatisierenden Berichten läßt sich dieser potenzieren.
Auch heute haben es sich einige Regierungsparteien in Deutschland zur Aufgabe gemacht, daß Thema “Innere Sicherheit” zum Wahlkampfthema zu erheben. Wichtig in diesem Zusammenhang ist zweifelsohne, daß sich die Kriminalitätsfurcht der Bürger in besonderer Weise eignet, sie im Wahlkampf für parteipolitische Interessen einzusetzen. Die Politik steckt somit einen Diskursrahmen ab. Von den Zeitungen wird dieser in unterschiedlicher Aufbereitung an die Bevölkerung weitergegeben.
Obwohl sich viele deutschen Printmedien um eine objektive Berichterstattung bemühen, ist es aus meiner Sicht verständlich, daß jede Zeitung ihre Inhalte und deren sprachliche Gestaltung auf ihre Leserschaft abstimmt. Daraus ergibt sich ein großes Spektrum politischer Meinungen, die sich in den Wochen- u. Tagesblättern spiegeln. Beispielsweise ist die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG nach Aufmachung, Stil u. Inhalt eher eine Zeitung, die sich an ein konservatives Publikum richtet. Auch der SPIEGEL, ehemals als linksliberales Journal geltend, hat (seit 1989) eher konservative Adressaten. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU [wie auch DIE ZEIT persönliche Anmerkung-] ist eher links-liberal orientiert, die BILD-Zeitung hingegen konservativ mit stark völkisch-nationalem Einsprengsel. 20
Bestimmte Themen aus der Politik werden also unterschiedlich gewichtet und sprachlich aufbereitet. Durch einen bestimmten Berichtsstil können, wie zu sehen war, Vorurteile oder gar Feindbilder gegenüber Minderheiten entstehen. Durch die Medien werden die Wert- u. Weltvorstellungen eines Individuums mit geformt. Diese Einstellungen bestimmen dann das Handeln. Dieses Handeln zeigt sich darin, wie jemand über Minderheiten denkt, spricht oder schreibt, welche politische Wahl er beim Urnengang treffen wird, und wie er sich im direkten persönlichen Kontakt gegenüber Minoritäten verhält.
Kürzlich war in der FRANKFURTER RUNDSCHAU folgender Bericht zu lesen: „HAMBURG, 7. Februar (dpa/ap). Die Zahl der fremdenfeindlichen Gewalttaten
Um nicht falsch verstanden zu werden sei an dieser Stelle gesagt, daß ich keine der genannten Zeitungen für diese fremdenfeindliche Übergriffe direkt verantwortlich machen möchte. Vorurteile entstehen schließlich in Wechselwirkung mit vielen andere Sozialisationsfaktoren. Die Presse sollte sich jedoch ihrer möglichen Wirkung nach außen hin bewußt sein und nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmte Themen unnötig skandalisieren und „aufblähen“. Denn über eines sollte man sich im Klaren sein und dies gilt für Medien und Politik gleichermaßen: Jede politische Aktion seitens der vom Volk gewählten Parteien und jeder diskriminierende Bericht gegenüber Minoritäten, legitimiert extremistische Parteien und deren Maximen. Denn
20 Vgl. Jäger Margret; “Von deutschen Einzeltätern und ausländischen Banden”; 1998; Duisburg; S.28 f. 29
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neofaschistische Vereinigungen und Parteien existieren nicht zuletzt dadurch, weil es Menschen mit Vorurteilen gibt.
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Arbeit zitieren:
Michael Zach, 2001, Medienberichterstattung und Vorurteile, München, GRIN Verlag GmbH
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Mink hat den Text Medienberichterstattung und Vorurteile kommentiert
Schuld & Sühne - Stolz & Vorurteil
Polen und Deutsche
Gunter Hofmann, Adam Krzeminski, Dirk Reinartz, Lukasz Trzcinski
ich sag nicht
alle Ausländer sind gut.
in Stuttgart werden ca. 80% aller Raubüberfälle insbes.unter Jugendlichen von ausländischen Mitbürgern begannen.
Es wurden in Leonberg (2mal ), Leinfelden, Luswigsburg Deutsche brutalst von Ausländern ermordet, wovon man kurz im Lokalteil lesen konnte. Nur so als Highlights im letzten Jahr.
Was bitte schön soll durch diese "Hausarbeit" ausgedrückt werden?
am Thursday, May 03, 2001-
Mink
Kritisches Betrachten ist gefordert - Antwort auf Kommentar.
... und zwar sowohl der von meinem Vorredner angeführten Berichterstattungen in den Medien und der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) der vergangenen Jahre als auch der wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema.
Die Autor dieser Hausarbeit hat sich ausschließlich mit Zeitungsartikeln und der dort vorhandenen Charakterisierung von Tatverdächtigen beschäftigt. In der von ihm hauptsächlich benutzten Literatur ist festgehalten, dass 50% (also die Hälfte) der Artikel keinerlei Herkunft oder Staatsangehörigkeit benennt, dort, wo dies aber der Fall ist, allochthone (Mitbürger ohne deutschen Pass, in 1. aber auch in 2. Generation) Verdächtige und Täter deutlich anders, nämlich negativer charakterisiert werden.
Wie viele Straftaten von wem begangen werden, entnimmt man den Kriminalstatistiken sowie deren bereinigten Deutungen (denn die PKS u.ä. können sehr leicht missgedeutet werden).
Ich würde diese Arbeit als Aufforderung zum kritischen Konsum von Medien verstehen. Ich bin nicht der Meinung, dass alle "Ausländer" (welche Gruppierung hier genau gemeint ist, ob hier lebende Nichtdeutsche, Asylbewerber, Touristen...) "gut sind". Genau so wenig ist dies die Fachliteratur.
Es geht darum, Taten, Personen und Umstände in einen Lebenskontext zu setzen. Weniger Staatsangehörigkeiten als soziale Umstände, vor allem Armut, Arbeitslosigkeit und ein desolates Umfeld führen zur Kriminalität. Vergleicht man "deutsche" und "nichtdeutsche" der unteren sozialen Schichten sind in der Kriminalität keine so deutlichen Unterschiede auszumachen.
Durch das Hervorheben aber gerade der Ethnie in den Berichten der Öffentlichkeit wird genau das gefördert, was mein Vorredner äußert: Gewalt und Kriminalität sind herkunftsabhängig. Dies kann so nicht bestehen.
Diese Hausarbeit - wenn auch durch ihre Rahmenvorgaben recht knapp gehalten und mit nicht viel Literatur unterfüttert, deswegen etwas allgemein - leistet einen Teil genau zu dieser Diskussion. Als interessierter Bürger solltest Du das schätzen.
am Monday, November 17, 2008-