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• Beim Antihumanismus wird der Mensch als Marionette und als strukturiert gesehen und nicht mehr als Zentrum des Geschehens. Das individuelle wird negiert und passiv integriert. Der Strukturalismus setzt keine vorherige Strategie des Individuums voraus. Eine Reflexion wird nur in einem Zusammenhang der Einordnung genutzt. Das bedeutet, dass dem Individuum eine objektive Struktur gegenübersteht. Der Mensch kann nur bestehende Strukturen nutzen und das kreative Denken wird daher nicht als grundlegend verstanden. Der Mensch wird vielmehr in dieser Hinsicht als Objekt gesehen. Somit wird verständlich, dass der historische Gesamtzusammenhang ausgeklammert wird. Das Synchrone steht im Mittelpunkt und das invariante wird betont bzw. die historische Situation gilt nur als Ausschmückung. Während die diachrone Sprachwissenschaft sich mit der zeitlichen Veränderung, bzw. der historischen Entwicklung, der Sprache beschäftigt, wird bei der synchronen Sprachwissenschaft die Sprache als System betrachtet.
• Beim Antiempirismus wird davon ausgegangen, dass latente Strukturen die empirische Ebene steuert. Daraus ergibt sich, dass der Empirismus als Induktion genauso wie der Formalismus, bei dem alle abstrakten Kategorien auf empirische Elemente bezogen werden müssen, abgelehnt wird. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass die Verbindung zwischen der Tiefenstruktur und Empirie nur über eine Transformationsregel besteht. Das bedeutet aber, dass die Variablen - Empirie auf eine feste Struktur zurückgeführt werden soll und dementsprechend geht es darum, eine wahre Struktur zu erkennen. Daraus ergibt sich, dass es sich um ein objektives Theorieprogramm handelt, bei dem nicht interpretiert, sondern rekonstruiert werden soll. Als praktische Konsequenz muss die Realität somit moralisch bewertet werden.
Hinsichtlich der Methode kann festgehalten werden, dass die Versuchseinheit in kleine Einheiten zerlegt und neu arrangiert werden, um so die Regelstrukturen zu erkennen. Soziale Tatsachen werden als Dinge betrachtet und die Kultur sowie das Soziale, werden von den Individuen abgetrennt und als unabhängige Variable definiert und von außen betrachtet.
Die positiven Aspekte des Strukturalismus bestehen zum einen darin, Sprache als Zeichensystem zu begreifen und zum anderen in der Suche nach exakten Methoden und theoretischen Grundlagen. Beim Strukturalismus treten jedoch zwei Kritikpunkte
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in den Vordergrund. Zum einen ist es der Positivismus als Ausgangspunkt und zum anderen die negativen Folgen des Strukturalismus.
Aus dieser Sicht des Strukturalismus, kann der Neokantilismus kritisiert werden. Die undialektische Einengung auf ein metaphysisches Sprachsystem führt dazu, dass die positivistische Sichtweise den Erkenntnisfortschritt in der Grundlagenforschung behindert. Zum anderen neigt der Strukturalismus dazu, Entwicklung zu konservieren: 1
• Aus der soziologischen Sicht, ist es der Positivismus, der weiterschwingt. Im Sinne der Überhöhung der Gesellschaft und der Anpassung der Individuen an eine vorgängige Gesellschaft zum Zwecke der Stabilisierung eines konservativen Zu-standes. Er wird nicht benutzt, um einen umfassenderen Zusammenhang zu erschließen. Die Ungleichzeitigkeit geht in einem Querschnitt verloren. Eine geschichtliche Situation wird ohne die eigene Vorgängigkeit, als Basis der Ungleichheit, betrachtet.
• Es wird die Dialektik von Invarianz und Varianz durch die Überbetonung des Strukturalistisch - objektiven Elements verdeckt und der Akteur, mit seiner existentiellen Initiative, aus der Situation Ausgeschlossen und die Vermittlung der beiden Seiten verdeckt. Diese Trennung und die einseitig metaphysische Betonung verhindert die Sicht auf den Prozess der Veränderung, der zum einen die Beschreibung des Systemzustandes zu einem Zeitpunkt und zum anderen darausfolgend, die Veränderung dieses Zustandes. Der Blick sollte in beide Richtungen gerichtet sein.
Insgesamt bleibt die Frage offen, wie sinnvoll die Annahme von Strukturen hinter dem Rücken der Individuen ist. Beziehungsweise wie dies sinnvoll gedacht werden kann. 2
1.2 DER POSTSTRUKTURALISMUS
Der Ausgangspunkt des Poststrukturalismus besteht in der Kritik des Existenzialismus 3 und des Strukturalismus und es handelt sich um einen Diskurs, dessen Beginn
1 Helbig (1986) S. 60 ff.
2 Französische Philosophie
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in den sechziger Jahren liegt und 20 Jahre andauern sollte. Dieser Diskurs wird von einem Diskurs über die Ethik abgelöst.
Die Relation zwischen dem Poststrukturalismus und dem Strukturalismus kann als Differenz und Verbindung verstanden werden. Damit ist der Poststrukturalismus kein Antistrukturalismus.
Der Poststrukturalismus stimmt mit dem Strukturalismus in einigen Punkten überein. Die Struktur der Sprache liegt allem Denken und Handeln zugrunde. Damit ist der Sinn ein Produkt der Sprachstruktur und diese nicht hintergehbar. Der Sinn ist ein Effekt der strukturellen Relation. Damit ist keine Überbetonung des Beziehungsaspektes gemeint, sondern vielmehr der Gedanke, dass die Elemente nur in ihren Relationen und nicht in ihre Absolutheit zu denken sind. Der Poststrukturalismus richtet sich gegen einen Totalitarismus und gegen eine Metaphysik.
• Die Kritik am Totalitarismus entzündet sich an dem abgeschlossenen Modell von Hegel und dessen spekulativen Dialektik von seiner Hoffnung alles rationalisieren zu können. Damit ist eine Totalität und ein Wahrheitsanspruch verbunden.
• Sowohl der Poststrukturalismus als auch der Strukturalismus setzt sich von der Bewusstseinsphilosophie und deren Metaphysik ab. Mit der Metaphysik ist der Gedanke verbunden, dass eine absolute Ordnung existiert und die Entwicklung in deren Entfaltung besteht. Dies würde einen absoluten Ausgangspunkt voraussetzen.
Die Unterschiede zwischen den beiden Richtungen bestehen darin, dass der Poststrukturalismus von einem offenen System ausgeht, bei dem es weder Grenzen noch Zentren gibt. Es wird vielmehr von einem dezentralen Einflussnetz ausgegangen. Die Sprache ist weder ein endlich kombinierbares, noch ein abschließbares System. Das Ziel des Strukturalismus besteht in der Suche nach einer wahren Erkenntnis. Die Existenz einer solchen Wahrheit wird vom Poststrukturalismus kategorisch abgelehnt. Dies ergibt sich aus dem Konzept des offenen Systems.
Die zentralen Themen des Poststrukturalismus sind das Subjekt, die Historie, das Phänomen der Macht und das des Begehrens. Der zentrale Gedanke des Poststrukturalismus besteht darin, dass der Sinn nicht hintergehbar ist. Der Sinn ist immer
3 Im Grunde basiert die Kritik des psychologischen Reduktionismus darauf.
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Vorgängig und nie voll erfassbar. Dies ergibt sich aus der Dezentralität der Struktur. Im Mittelpunkt steht die selbstreflexive Modernität. Damit ist eine Kulturkritik ver-bunden, sowie eine Konzeption von Subjekt und Macht. Es stellt sich die Frage nach der Herkunft der Macht und nach der Konstitution von Sinn. Der Poststrukturalismus will die Erfassung des anderem realisieren und damit den anderen Teil eines Phänomens beleuchten. Der Sinn als eine eingefrorene Momentaufnahme, ist nur ein Moment ohne Realität. Der Sinn kann nur Prozesshaft und Anschlussfähig gedacht werden. Bedeutungszuschreibungen geschehen immer ohne eine Relation zu einem zentralen Punkt. Es besteht somit ein unkontrollierbares Moment endloser Wiederholungen. Dies richtet sich gegen die Idee einer restlosen Berechenbarkeit des Geschehens. 4
1.3 DER POSTMODERNISMUS
Der Postmodernismus 5 wird in der Philosophie in zweifacher Weise verstanden. Zum einen stellt der Postmodernismus die Frage nach den eigenen Voraussetzungen in den Mittelpunkt. Das heißt es kommt zur Reflexion über die Voraussetzungen der eigenen Existenz und Disposition. Dies bezieht sich zum einen sowohl auf den fragmentarischen Charakter der menschlichen Existenz als auch auf die Gesellschaft. Zum anderem bezieht sie sich auf die Kritik des Versuchs, Phänomene zu scheinbaren Einheiten zusammen zu binden. Insgesamt steht damit die Differenz zwischen System und Umwelt im Mittelpunkt, so dass auch hier, wie im Poststrukturalismus das vergessene beleuchtet wird. Es bedeutet aber auch die Grenzen der Philosophie aufzuzeigen. Der Postmodernismus kann auch als eine Kompositionsform verstanden werden. In diesem Zusammenhang geht er glaube an Sinnstiftung und Originalität der Dinge Verloren und der fröhliche Subjektivismus tritt hervor. Insofern stellt der Postmodernismus das Gegenteil des Dekonstruktionismus dar, der seine Aufgaben in der Freilegung der Logik eines historischen Prozesses sah. Im Mittelpunkt des Post-modernismus steht vielmehr die Frage nach der Selbstgestaltung und Selbstorganisation. Damit werden die Prinzipien der Stilvermischung und die Willkür des Indivi-
4 FranzösischePhilosophie
5 Der Postmodernismus entstand am Ende des Strukturalismus, zum einem, weil die Theoretiker des
Strukturalismus starben und zum anderen aus der Kritik am Strukturalismus selbst. Der Postmodernis-
mus entstand Anfang der achtziger Jahre, als Baudrillard einer kritischen Strömung dem Namen Postmo-
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duums in ihrer Bedeutung aufgewertet. Beim Poststrukturalismus geht es also um Ausschluss und im Postmodernismus um die Mittäterschaft bei der Reproduktion des systems.
Der Vergleich zwischen dem Modernismus und dem Postmodernismus kann auch als ein Vergleich zwischen zwei Zeitaltern verstanden werden. Im Mittelpunkt des Modernismus steht der Formalismus, die Analytik und die Funktionalität. Man könnte es in dem Satz zusammenfassen, dass die Form der Funktionalität folgt. Es besteht ein Glaube an die Rationalität und an die Möglichkeit zur durchsichtigen Einrichtbarkeit von Dingen, woraus sich ein Fortschrittsglaube sowie ein Glaube an Objektivität und eine Emanzipationsbewegung ergibt. Die Philosophie des Modernismus stellt für sich Gesamtkonzeptionen für alle Bereiche in den Mittelpunkt. Der Gedanke, dass die Form der Funktion folgt, kann als utopische Philosophie der idealen und transparenten Einrichtungen und Nutzung kritisiert werden. Dem Glaube an die Rationalität zusammen mit dem Anspruch Gesamtkonzeptionen zu konzipieren wird die legitimierende Wirkung dieser Philosophie kritisch entgegen gehalten.
Dieser Position des Modernismus kann der Postmodernismus gegenübergestellt werden. Der Postmodernismus verzichtet auf das Ideal der Kontrollierbarkeit und damit beginnt der Postmodernismus mit dem Zerfall der Utopie des Modernismus. Daraus folgt die Entlarvung der Rationalität als Ideologie und eine Kritik einer klassischen Philosophie, die am Ideal der objektiven Rationalität festhält. Aus der Kritik an der Rationalität ergibt sich eine Ablehnung gegenüber dem Fortschrittsglauben. Den Gesamtkonzeptionen wird die Vielfältigkeit der Entwicklungen in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht gegenübergestellt. Somit steht die Vielfalt der Konstruierten Identitäten in Abgrenzung zu anderem als aktive Verwirklichung der Selbstbindung im Mittelpunkt der Analysen.
Bezogen auf das Thema des Wandels kann festgehalten werden, dass die objektive Struktur der Moderne und der Prozess der Autopoiesis, als autonomer Prozess der Reproduktion der objektiven Struktur, durch die Betonung des Individuums die Ob- dernismusgab. Die Kritik und der Abbau der Ideologie des Modernismus und der Emanzipationsbewe-
gung war lange Zeit das Thema von Loytard.
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jektivit ät verliert und vom Entscheidungsprozess abhängig wird. Der Bestand der
Struktur wird durch Entscheidungen und Legitimationen gestützt oder verändert. 6
6 Konopka (1998): S 75
Arbeit zitieren:
Axel Viertmann, 2000, Der Diskurs um den Strukturalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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