Neue Sachlichkeit in der Kunst
• Stilrichtung Neue Sachlichkeit zuerst in der Kunst
• exakte, objektive und präzise Wiedergabe von Alltagsgegenständen z.B. Wasserhähne, Schlüssel, Geschirr(hpts. Photographie), sowie Leben der Arbeiter im Fabrikbetrieb, surreale Landschaften, Darstellungen von Fabrikanlagen
• Überschärfe und starke Betonung des Gegenstandes, häufig Ausschaltung von Licht und Schatten
• Vertreter: Otto Dix (übt Gesellschaftskritik), Christian Schad, Franz Radziwill,
• Dichter orientierten sich an Tatsachen
• klassisch-elitärer Dichtungsbegriff in Frage gestellt, Darstellung der banalen Alltagswelt rückt in Vordergrund „
• Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit, nichts ist exotischer als unsere Umwelt, nichts ist fantasievoller als die Sachlichkeit. Und nichts Sensationelleres in der Welt gibt es, als die Zeit, in der man lebt." (Vorwort aus ,,Der rasende Reporter" (1925) von Egon Erwin Kisch)
• einfache Alltagssprache, für jeden verständlich und zugänglich; Sprache, die dem verstehen die dem Verstehen der dargestellten Wirklichkeit nicht im Wege steht <= Werke zielen auf Massenwirksamkeit, bieten Menschen der Weim. Rep. Leitbilder für Leben in moderner Massen- und Mediengesellschaft,
• nüchterner Reportagestil, Hinwendung zu aktuellen historischen Themen , journalistisches Schreiben,
Montagetechnik (angeregt durch Film und englische und am. Vorbilder) in Döblins ,,Berlin Alexanderplatz"(1929)
• suchen nach einer künstlerischen Perspektive in der Auseinandersetzung mit der alltägl. Wirklichkeit der Weimarer Republik
• Autoren verwenden ,sachliche' Typen, zwar mit Gefühlen, dürfen diese aber nicht artikulieren
• Hauptpersonen sind z.B.: Ingenieure, Sekretärinnen, kaufmänn. Angestellte, Arbeitslose, Schauspieler u.A.
• Literaten fühlen sich an ihre Zeit gebunden und beschreiben sie
• wirtschaftl. und soziale Probleme werden dargestellt, Befindlichkeit einer ganzen Generation
• beschreiben Nachwirkungen des 1.WK. (Zweig), schreiben über Industrie (Jung, Reger), über den Stand der ,Angestellten' (Fallada, Kästner, Fleißer) und ihre Lebensweise
• bejahen das mechanische Zeitalter, technischen Fortschritt, zeigen Menschen, die mit fortschreitender Industrialisierung in Einklang leben oder zerbrechen
• Kritik an der dt. Autoritätshörigkeit und Spießermoral in ,,Der Untertan" von H. Mann
• pflegen konservativ-christlichen Ideen z.B. Hermann Hesses ,,Steppenwolf"(1927)
• historische Begebenheiten: z.B. österr. Autor Joseph Roth schildert in ,,Hiob" (1930) untergehende Welt der osteurop. Juden, berichtet in ,,Radetzkymarsch"(1932) über die untergegangene k.u.k. Monarchie
• Reportage (journalist. Form, Absicht: unmittelbar aus Situation zu berichten, Leser große Nähe zum Geschehen suggerieren, einprögsame Formulierungen und einfache Sprache)
Drama:
• Volkstück (im 18.Jhd. in Wien entstanden, Elemente des barocken Th., musikal. Einlagen und Lieder, sehr volkstümlich, bedient sich meist d. Dialekts, im 20.Jhd. neue Blüte, z.B. C. Zuckmayer)
• Episches Theater (von Brecht entwickelte Form d. modernen Dramas, soll Welt als veränderlich darstellen, epische Bauform: locker aneinander gereihte Szenen,
exemplarische Situationen, kritisch kommentierende Einschübe verfremdet, Zuschauer soll Strukturen und Ursachen erkennen, nicht Ausgang d. Stückes sondern Gang d. Handlung interessant)
Lyrik:
• Gebrauchslyrik (Lyrik, die für Leser Nutzen/Gebrauchswert hat, 1927 von Brecht geprägt, Abwehr gängiger, traditioneller Vorstellungen von Lyrik)
• von lat. expressio = Ausdruck, urspr. Stilbegriff aus der Malerei, lit. Strömung ca. 1910 bis 1925
• entstand Krisenbewusstsein vor 1914 u. d. 1.WK
• Gegenbewegung zu Impressionismus und Symbolismus: Ekel gegenüber materieller Wirklichkeitsnachbildung u. symbol. Wirklichkeitsüberhöhung Dichter und Werke:
• Georg Heym: ,,Der ewige Tag" (1911), ,,Umbra Vitae" (1912)
• Georg Trakl: ,,Gedichte"(1912), ,,Sebastian im Turm" (1915)
• Else Lasker-Schüler: ,,Hebräische Balladen" (1913)
=>sehr gravierende Unterschiede
• Neue Sachlichkeit häufig Gegenteil von Expressionismus, v.a. bez. Sprache, Motiven und Intention
• vollkommene Abkehr vom Expressionismus
Grund:
• politische Naivität der Generation während des Expressionismus, ästhetisches Programm der Expressionisten, Menschheitserneuerung und Verbesserung durch die Dichtung zerbrach an der polit. Realität (viele Expressionisten links engagiert, erhofften sich sozialistische Räterepublik u.A.)
• Expressionisten konnten ihre Intentionen nicht verwirklichen, Hoffnung auf bessere Zukunft blieb unerfüllt
• viele Autoren, wie B. Brecht oder P. Hatvani wandten sich von Idealen ihrer Frühzeit ab
• Sinnlosigkeit und Inhaltsleere ihrer Literaturproduktionen wurde Autoren bewusst
• wichtiger Vertreter der Neuen Sachlichkeit
• 1899 in Dresden geboren, 1917 Soldat, Studium d. Germanistik, 1925 Dr. phil.
• seit 1927 freier Schriftsteller
• 1933 Verbot und Verbrennung seiner Bücher, veröffentlichte im Ausland
• nach dem Krieg Redakteur, Mitwirkender am Münchner Kabarett und Präsident d. dt. PEN-Zentrums
• bekannte Werke: ,,Fabian" (1931), ,,Emil u. d. Detektive" (1929), ,,Das doppelte Lottchen" (1949)
Zum Gedicht:
• Thema: zwei Liebende, die nach langer Zeit entdecken, dass zwischen ihnen keine Liebe mehr existiert
• Aufbau: 4 Strophen, Strophen 1-3 je 4 Verse, letzte Strophe 5 Verse
• Kreuzreim
• Strophe 1: -die beiden lieben sich seit acht Jahren, Liebe ist nun zu Ende
• ,, 2: -Trauer, versuchen trotzdem weiter zu machen, sie weint schließlich
• ,, 3: -Beschreibung des Umfeldes und Nennung der Uhrzeit
• ,, 4: -die beiden gehen in ein Café, sitzen dort sehr lange schweigend und fassungslos
• -Sprache: sehr einfache, leicht verständliche, sachliche Sprache, kaum rhetorische Mittel (höchstens: Vergleich V.4) , keinerlei Bilder, Metaphern, Symbole, sehr emotionslos, Beschreibung eines Ablaufes ohne Kommentierung, sehr genaue Beschreibung der Kulisse in Strophe 3
=> Merkmale der Neuen Sachlichkeit kommen hier sehr stark zum tragen
• geb. 1887 in Schlesien
• schon früh Hass gegen Tradition, Konventionen und Autorität
• studierte Jura in Würzburg, Jena und Berlin, wurde Gerichtsreferendar
• fühlte sich zum Dichter berufen, Vorbilder: Kleist, Hölderlin, Büchner, Rimbaud, Baudelaire
• Themen seiner Gedichte: Selbstmord, Krankheit, Unachtung
• gest. 1912
Zum Gedicht:
• Thema: Eindrücke einer Großstadt bei Sonnenaufgang
• Aufbau: 4 Strophen, Sonnet
• Reim: Quartette: umarmender Reim, Terzette: Par(/Dreifach)reim
• Strophe 1:-Nacht, Wolken am Himmel, Mond geht unter =>Morgen, viele kleine rotleuchtende Fenster
• viele Straßen d. Stadt, viele Menschen laufen herum, eintönige Geräusche
• Wechsel von Geburt, Tod, Leiden; Vergänglichkeit
• von weitem drohendes und von den Wolken scheinendes Feuer
• Sprache: schwer zu verstehen, sehr emotionsgeladen, sehr viele rhetorische Mittel: Personalisierung, V.3.4 ,,Fenster[...]blinzeln mit den Lidern", Vergleich V.5 ,,Wie Aderwerk", Akkumulation ges. V.9.10, Bilder und Symbole: ,,Feuer, Fackeln, Brand" -> Krieg, Bedrohung, Katastrophe zeigt eindeutige Merkmale eines expressionistischen Gedichtes
Arbeit zitieren:
Nico Piehler, 2001, Neue Sachlichkeit - Antwort auf den Expressionismus, München, GRIN Verlag GmbH
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