predigen, die Sakramente spenden und die Bibel auslegen. Die Gemeinde wählte den Pfarrer und verwaltete selbständig alle Finanzen und das Kirchenvermögen. Diese Gemeindeprinzip wies starke demokratische Züge auf: Die komplette Selbstverwaltung der Kirche wurde angestrebt. Ein weiterer Kernpunkt war das Schriftprinzip: Jeder konnte mit Hilfe der Bibel unmittelbar Zugang zu Gott finden und selber predigen. Ein allgemeines Priestertum sollte geschaffen werden.
Dieses Prinzip verwarf Luther 1524 jedoch. An seine Stelle trat das System der Landesherrlichen Kirche. Grundlegend änderte sich hierbei, dass sämtliche Verwaltungsaufgaben auf den Staat und somit auf den „Notbischof“ Kurfürst übergegangen waren. Der Fürst besetzte ein Konsistorium, welches die Ausbildung und Kontrolle der Pfarrer und den Erlass der Kirchenordnung besorgte. Beibehalten wurde zumindest in groben Zügen das allgemeine Priestertum. Es konnte nur noch theoretisch jedes Gemeindemitglied predigen Seelsorge betreiben und die Sakramente spenden. Damit wurde der Einfluss des Fürsten auf die religiösen-kirchlichen Gebaren seiner Untertanen zum Teil wieder hergestellt. Für Luther galt aber, wie für Calvin auch, dass die Bibel die einzige Autorität sei. Die Bibelauslegung wurde auch durch niemanden vorgeschrieben. 2. Kirchliche Machtmittel
Die katholische Kirche hatte einen ganzen Katalog von Strafen entwickelt. Die beliebteste und schwerste Strafe war der Kirchenbann. Diesem Ausschluss aus der Kirche folgte meist umgehend auch die Reichsacht, die den Täter somit zum Vogelfreien machte (vgl. Martin Luther).
Außerdem waren viele kirchliche Würdenträger, wie etwa die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, zugleich in hohen weltlichen Positionen. Deshalb war ihnen einerseits das Gerichtswesen untertan, andererseits waren sie direkt an der Wahl des deutschen Königs beteiligt. Dies machte den König dann mehr oder weniger von ihrer Gunst abhängig. In der Lehre Calvins wurden alle Sittenfragen von einem Rat aus den zwölf Ältesten beraten. Dieser Rat kann recht unterschiedliche Strafen verurteilen: Bei geringen Vergehen werden die Täter mit „freundlichen Worten zurechtgewiesen und entlassen“ 1 Die Strafen staffelten sich aber immer höher bis zum Kirchenbann. Sobald allerdings die Sünde bereut wurde, wurden alle Strafen aufgehoben. Dies ist etwa mit dem Vorgehen der katholischen Kirche vergleichbar (vgl.Gang nach Canossa).
Im Luthertum treten die Machtmittel der Kirche erst mit dem Prinzip der landesherrlichen Kirche in den Vordergrund: Der Fürst hatte als weltlicher Herrscher zahlreiche Mittel, um Strafen durchzuführen. 3. Das Abendmahl
In allen drei religiösen Richtungen spielt das Abendmahl eine wichtige Rolle. Allerdings ist die Durchführung sehr unterschiedlich:
In der katholischen Messe empfangen alle, die dem Abendmahl beiwohnen, die Hostie und somit den Leib Christi. Der Wein, dass Blut Christi, ist jedoch dem Pfarrer vorbehalten. An der Gegenwart Jesu Christi beim Abendmahl wurde nicht gezweifelt. Allerdings soll er nur in geistiger Form anwesend sein.
Zum calvinistischen Abendmahl waren nur die zugelassen, welche ihren Glauben bekannt hatten; andere waren davon ausgeschlossen. Auch wer mit einem Bann belegt war, durfte nicht am Abendmahl teilnehmen. Wie schon in der katholischen Prozedur, so soll auch bei den Calvinisten Jesu geistig beim Abendmahl anwesend sein.
1 Zit. Nach Karl Heinrich Peter (Hrsg.), Briefe zur Weltgeschichte, München 1964, S. 60
Bei den Lutheranern gestaltet sich das Abendmahl anders. Zunächst durften alle Gläubigen das Abendmahl halten. Doch mit der Wende zur landesherrlichen Kirche (1524) änderte sich dies und nur noch der erwählte Pfarrer durfte das Abendmahl abhalten. Bei diesem Abendmahl soll Christus direkt leiblich anwesend sein. Deshalb ist auch allen Gläubigen sowohl der Leib (Hostie) als auch das Blut (Wein) Christi zugänglich. Dies waren nun die praktischen Unterschiede. Es gibt aber noch einen weiteren theoretischen Aspekt, der den Calvinismus von den anderen beiden Konfessionen unterscheidet. Die Calvinisten glauben an die Prädestination. Das heißt, dass bereits vor der Geburt vorher bestimmt ist, wer später in den Himmel kommt. Durch frommes Leben lässt sich an der Prädestination nichts ändern. Diese Vorherbestimmung ist allerdings den Gläubigen nicht bekannt und so konzentrieren sich alle mehr auf das weltliche Leben und den normalen Lebenswandel.
Sowohl im Luthertum als auch im Katholizismus ist der Zugang zum Paradies nicht von vorneherein gewährleistet. Zunächst muss ein frommes und sündenloses Leben gelebt werden. Dies ist bei Luther nur durch Gebete und keinerlei Verschuldungen möglich. In der katholischen Kirche ist es trotz zum Teil erheblicher Verstoße möglich, dass man in den Himmel kommt. Um zu büßen ist eine besondere Tat notwendig. Dies konnte sowohl ein Ablass als auch eine fromme Tat wie eine Pilgerreise oder die teilnahem am Kreuzzug sein.
Arbeit zitieren:
David Seiffge, 2001, Unterschiede zwischen Luthertum, Katholizismus und Calvinismus, München, GRIN Verlag GmbH
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Tobias Gozdek
Nich schlecht!.
Also nicht schlecht!
Mein Referat hat sich dank diesem
Text etwas etwas erweitert... ich danke
für ein paar Anregungen... schön
formulierter Text. mfg Tobias
am Wednesday, September 26, 2001-
silvio reichelt
zur Hausarbeit "Unterschiede Luthertum, Katholizismus, Calvinismus".
Die Hausarbeit vereinfacht grob und unzulässig den Sachverhalt. Beim Thema Abendmahl, z.B., dem zentralen Sakrament in allen christlichen Glaubensrichtungen, kommen wesentliche theologische Unterschiede nicht zur Sprache: "in pane" (Katholiken und Lutheraner) versus "cum pane" (Calvinisten) Die katholoische Transsubstantiationslehre unterscheidet sich also expliziert von calvinistischen Überzeugungen. Luther findet hier einen Mittelweg, seine Consubstantiationslehre ("Der Leib Jesu Christi ist im Brot wie das Feuer im glühenden Eisen")steht allerdings der altgläubischen Interpretation wesentlich näher. Dies soll nur ein Beispiel für die inhaltlice Unzulänglichkeit der Arbeit seien.
am Saturday, November 23, 2002-
Gabi
DANKESCHÖN!.
Hat mir sehr geholfen bei meinem Religions Referat! Nirgendwo sonst findet man den Unterschied zwischen der katholischen Kirche, dem Luthertum und dem Calvinismus so gut erklärt wie hier.
Ich hab zumindest sonst nichts gefunden, und ich denke, das hier ist in manchen Punkten eine zuverlässigere Quelle als Wikipedia.
Wirklich gut erklärt!
Nochmals vielen Dank!
am Wednesday, May 30, 2007-