455 erschien der Wandalenkönig Geiserich mit seiner Flotte vor Rom und plünderte die Stadt. 406 überschritten weitere Germanenstämme (Vandalen, Quaden, Alanen, Burgunder, Alamannen) vermutlich aus Furcht vor den Hunnen den Rhein und drangen ins Reich ein, errichteten dort teilweise eigene Reiche oder ließen sich einfach nur nieder.
375 zerstörten die Hunnen das Gotenreich und lösten damit die Völkerwanderung aus. Sie forderten von Westrom Tribute und Gebietsabtretungen, konnten 451 aber von einem Bündnis verschiedener germanischer Stämme und Rom unter Aetius auf den katalaunischen Feldern zurückgeschlagen werden, begannen nun aber auf Ostrom Druck auszuüben.
476 wurde der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus von Odoaker abgesetzt. Dieser wurde von dem (germanischen Söldner-) Heer zum König gewählt.
Das römische Reich litt bereits seit Jahrhunderten unter akuten Bevölkerungsschwund, und damit wurde es auch immer problematischer, Soldaten zu finden. Deshalb wurden häufig "Barbaren" in die römische Armee aufgenommen und dort ausgebildet, was sich allerdings schnell als negativ erweisen konnte (Arminius), wenn sich die in römischer Kriegskunst und Taktik ausgebildeten Soldaten gegen Rom wandten.
Der Bevölkerungsschwund wurde zum einem von der überall herrschenden Armut verursacht, die Eltern besaßen nicht genug Geld, um viele Kinder aufzuziehen. Außerdem verkauften sie ihre Kinder in die Sklaverei. Zum anderen wurden viele Gebiete entvölkert, da irgendwelche Barbaren in das Land einfielen und die Bevölkerung abschlachteten, im Osten schleppten die Armeen neue Seuchen ins Land ein.
Der römische Kaiser wurde als Beherrscher der Welt und teilweise (Caligula) auch als Gottesgleich angesehen und präsentierte sich auch entsprechend auf Festen u.ä.. Diese und die gewaltigen Bauvorhaben jedes Kaisers verbrauchten enorme Gelder, die sich die Kaiser aus den Provinzen holten indem sie diese ausbeuteten, weshalb nun auch häufiger Aufstände ausbrachen.
Die wichtigsten Ursachen für den Niedergang des römischen Reiches liegen wohl in unfähigen Kaisern, korrupten Statthaltern und dem zu großen Reich bei zu kleinem Heer.
das Adoptivkaisertum stellte den Höhepunkt in der Entwicklung des römischen Kaiserreichs dar. Hier wurden immer die fähigsten Menschen ausgewählt und zu den Nachfolgern des regierenden Kaisers ernannt. Daß Marc Aurel seinen Sohn Commodus zu seinem Thronfolger machte, war wohl sein einziger großer Fehler, da er damit das Adoptivkaisertum 180 beendete.
Für ein Reich dieser Größe, war das Heer nicht ausreichend. Als Trajan 114 das Partherreich angriff, um die Gefahr, die von dieser Großmacht ausging für immer zu bannen, brach erneut ein großer Judenaufstand aus, der das ganze Gebiet zwischen Zypern und Ägypten ergriff und nur unter Aufbietung aller Reserven niedergeschlagen werden konnte.
Trajans Nachfolger Hadrian gab alle eroberten Gebiete im Partherreich auf, da die Kräfte längst nicht mehr ausreichten, auch noch diese Gebiete zu sichern.
Viele römische Statthalter beuteten das Land skrupellos aus und bereicherten sich kräftig auf Staatskosten, errichteten Willkürherrschaften und provozierten damit Aufstände. Die Reformen Diocletians dämmten derartige Praktiken weitgehend ein, da sie auf ständige gegenseitige Kontrolle und Bespitzelung ausgerichtet waren.
Die Barbaren an den Grenzen entwickelten sich von ursprünglich kleinen Dorfgemeinschaften zu großen, mächtigen Stammesverbänden, die nicht nur eine Horde Primitiver waren, sondern von durchaus klugen und fähigen Herrschern regiert wurden. Die Römer unterschätzten die Gefahr, die von ihnen ausging lange Zeit.
Die Kommandeure der Grenzlegionen erhielten weitreichende Kompetenzen, um schnell auf Krisensituationen reagieren zu können. Gleichzeitig erhielten sie auch genug Macht, um sich selbst zum Kaiser ausrufen zu können, wodurch leicht Bürgerkriege entstehen konnten.
Man muß auch die finanziellen Schwierigkeiten beachten, mit denen das Reich zu Kämpfen hatte. Während der großen Reichskrise im dritten Jahrhundert wurde die Steuerschraube unter jedem neuen Kaiser immer weiter gedreht, bis sie fast unerträglich wurden. Einige Kaiser (wie Valentinian) hatten zwar Mitleid mit den Reichsbürgern, mußten die Steuern aber trotzdem erhöhen. Der Höhepunkt wurde schließlich unter Theodosius erreicht, der 383 verkündete: "Niemand soll irgendwelches Vermögen besitzen, ohne es zu versteuern!". Dieses Ziel wurde mit beispiellos strengen Kontrollmaßnahmen verfolgt, er erließ eine Flut von Edikten und Gesetzen.
Selbst die Reichen besaßen inzwischen Steuerschulden beim Staat, die ihnen jedoch teilweise von Valentinian III. erlassen wurden - nur den Reichen wohlgemerkt: die Unzufriedenheit wuchs.
Die meisten Bürger sahen den im vierten Jahrhundert eingeführten (unter Theodosius) solidus (mit einem Drittel Gewicht des ursprünglichen solidus) nie, sie konnten sich nur die Bronzemünzen leisten, es mußten mehr von dieses hergestellt werden und es kam zu einer galoppierenden Inflation.
Im Jahr 350 beispielsweise, stieg die Grundsteuer um das Dreifache in einer Generation, der normalen Bevölkerung war es kaum noch möglich, die Steuern aufzubringen, zumal ein Teil in Gold entrichtet werden mußte.
Ganze Landstriche wurden ruiniert, da bei der Eintreibung der Steuern von den korrupten Beamten häufig Gewalt angewandt wurde . Die Wirtschaftskrise war nicht mehr aufzuhalten und die Steuerausfälle stiegen von Jahr zu Jahr. Ein weiterer wichtiger Fakt für den Niedergang des römischen Reiches war die Dekadenz, der viele Römer verfielen. Zum Beispiel fanden Anfang des fünften Jahrhunderts an 175 Tagen des Jahres Feste statt, 200 Jahre vorher "nur" an 135.
Auch die römische Oberschicht begann sich zu regen. Seitdem barbarische Völker in die römische Armee eintreten konnten, stiegen sie auch in höhere Positionen auf, zunächst nur im militärischen Bereich, später auch im zivilen. Obwohl diese Menschen niederer Abstammung waren, schnappten sie aristokratischen Familien häufig einflußreiche Posten weg, worüber diese nicht sehr begeistert waren.
395 wurde Westrom gar von einem Germanen regiert, Stilicho, der die Vormundschaft über den minderjährigen Kaiser Honorius besaß. Als der Westgote Alarich in Westrom einfiel, wurde er zwar zweimal von Stilicho geschlagen, aber weder vernichtet noch getötet, obwohl Stilicho die Chancen dazu hatte. Stilicho war ebenso wie Alarich Germane und war von einer tiefen Feindschaft gegenüber Ostrom beseelt.
Als 405 wieder einmal germanische Völkermassen den Rhein überquerten, schickte Stilicho ihnen keine Truppen entgegen, da er mit der Vorbereitung einer Invasion in Ostrom beschäftigt war.
Er schürte die Feindschaft zwischen den beiden Reichsteilen, so daß sie sich gegenseitig nicht mehr unterstützten, womit der Niedergang Westroms beschleunigt wurde.
Die römische Regierung (Diocletian) versuchte seit Ende des dritten Jahrhunderts der nächsten Krise durch mehr Provinzen vorzubeugen. Es gab nun rund 100 Provinzen, doppelt so viele wie früher. Damit wollte man erreichen, daß die Gouverneure kein Verwaltungsproblem mehr übersahen und sich keiner der Gouverneure stark genug fühlte, selbst die Regierungsgewalt übernehmen zu wollen. Gleichzeitig wurde allerdings auch die Bürokratie erhöht, was mit steigenden Kosten und langsamerer Reaktionszeit in Krisen verbunden war.
Zu Zeiten des Polytheismus konnte man den Kaiser noch als Gottesgleich darstellen, als ein Wesen, dem man gehorchen mußte und für den man sterben mußte. Mit aufkommen des Christentums war dies nicht mehr möglich (Monotheismus, es gab nur einen waren Gott), der Glaube an den Kaiser bröckelte.
Nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, wurde nun gegen heidnische Religionen ebenso hart vorgegangen wie zuvor gegen das Christentum. An die Glaubensfreiheit des alten Rom war nicht mehr zu denken, Minderheiten wurden verfolgt, Altäre abgerissen. Dadurch entstanden neue Unruhen.
Das Chistentum war bzw. ist eine jenseitige Religion, d. h., das Wirken der Menschen war auf das Leben nach dem Tode ausgerichtet und nicht wie bisher, auf ihr jetziges Leben in der römischen diesseitigen Reliogion. Nun darf man diesen Fakt für den Niedergang des Weströmischen Reiches aber nicht überbewerten, da auch im Osten das Christentum eine überragende Rolle einnahm aber das Reich der Rhomäer (Byzantinisches Reich) noch 1000 Jahre überlebte, bevor es 1453 unterging.
Andrej Tippner
Quellen
Bildatlas der Weltkulturen: Rom (Bechtermünz Verlag) Encarta 2001 Plus Das alte Rom (C. Bertelsmann) Weltgeschichte (Band 3, Bertelsmann Lexikon Verlag) Lexikon der Antike
Arbeit zitieren:
Andrej Tippner, 2001, Der Untergang des Weströmischen Reiches, München, GRIN Verlag GmbH
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