diesem Buch, einfühlsam, einer Bühnenpraxis nahe geschrieben, versucht die Gegensätze auszugleichen.
Chechovs Buch beginnt bei der Frage nach der Imagination. Seine Überlegungen knüpfen an den öFilm der Visionen" an, wie Stanislawskis es nannte. Im Zentrum der Imagination entsteht für Chechov aber die Rolle als ein eigenes Wesen, das zum Darsteller spricht. Sie nimmt Besitz von ihm und entwirft sich in ihm als geistig konturierte Gestalt. Dieser mystischen Einstellung, geboren aus zur schöpferischen Potenz des Darstellers mißtraute (nicht nur) Stanislawski. Stanislawski geht primär von dem persönlich-subjektiven Erleben des Darstellers aus, das sich mit der Rollenexistenz verbindet: Ein umgekehrter Weg. Eine genaue Ausarbeitung der Parallelen und Differenzen zwischen dem Lehrer Stanislawski und seinem eigenständigen Schüler Michail Chechov dürfte einer künftigen Forschungsarbeit vorbehalten bleiben, zumal das Stanislawski - Bild momentan einer gründlichen Korrektur unterzogen wird.
Erste Ansätze dazu zeigten sich in der zweibändigen Ausgabe der Ausgewählten Schriften Stanislawskis, (Henschelverlag Berlin 1988) und während des Pariser Stanislawski -Symposions im Herbst 1988 (siehe Deutsche Bühne 89/2). Die Fortsetzung dieser Auseinandersetzungen ist im Sommer dieses Jahres in Essen zu erwarten: Prof. Ahrends von der Bochumer Ruhruniversität bereitet im Zusammenhang mit den Veranstaltungen Theater der Welt in Essen ein weiteres Symposion über Stanislawski in internationaler Besetzung vor. %XFKEHVSUHFKXQJJ-HQLVFKK0LFKDLOO&KHFKRYY.XQVWWGHVV6FKDXVSLHOHUV
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Methode und Mystik
Erschienen in Deutsche Bühne Köln 6/91
Lee Strasberg ist bei uns der eigentliche Fortführer des Stanislawski - Systems. Seine Methode beruht auf der Psychotechnik des emotionalen, affektiven Gedächtnisses: Aus der gelebten Biographie des Darstellers werden sensorisch und emotional spezifische Situationen für die Rollenfigur assoziiert.
Ein zweiter, bei uns nicht so bekannt gewordener Nachfolger ist der Charakterdarsteller , Regisseur, Theaterpädagoge Michail A. Chechov(1891 - 1955) Schüler, später auch pädagogischer Mitarbeiter Stanislawskis.
Wie sein Meister hat Michael Chechow (1891 - 1955) die Gesetzmäßigkeit seines Tuns als Schauspieler, Regisseure durch beharrliche Selbstanalysen ergründet. 1986 erschien eine zweibändige Werkausgabe aus seinem literarischen Nachlaß in Moskau. Zentrum dieser ersten Werkausgabe ist die methodische Schrift "Über die Technik des Schauspielers". Da im Russischen dieser Begriff der Technik Handwerk und schöpferische Kunst beinhaltet, Die deutsche Ausgabe trägt den Titel Die Kunst des Schauspielers. Der Zusatz im Titel Moskauer Ausgabe weist darauf hin, daß es von diesem Buch eine gekürzte Fassung als Amerikanische Ausgabe gab, die 1979 in Deutschland unter dem Titel Die Werkgeheimnisse der Schauspielkunst von Michael Tschechow / Michail A. Chechov in Deutschland erschienen war.
Diese amerikanische/deutsche Ausgabe, 1953 in New York erstmalig veröffentlicht, eliminierte aus dem Originalmanuskript alle Hinweise, Bezüge und Zitate Rudolf Steiners . Die hier besprochene vorbildlich editierte, mit genauen Anmerkungen und einem ausführlichen Register versehene deutsch/russischen Ausgabe bezieht sich bewußt auf die geistigen Grundlagen der Anthroposophie,die die deutsch/amerikanische Ausgabe alle eliminiert hatte. Die russisch/deutsche Ausgabe verliert dadurch aber nicht ihren Nutzwert für grundsätzliche Fragen des kreativen Schaffens der Darsteller zu verlieren. Auch wenn die äVWKHWLNNXQGG.XQVWNRQ]HSWLRQQ5XGROII6WHLQHUVVLQQQDPHQWOLFKKEHQDQQWHQQ=LWDWHQ und vielen
Anmerkungen immer wieder auftaucht. (Chechov begegnete Rudolf Steiner 1922 in Berlin, und hatte 1924 in Arnheim ein ausführliches Gespräch mit ihm.) (Vergleiche dazu B. Fedjudschin S. 269: Die organisch in die grundsätzlichen Betrachtungen über die Arbeit des Schauspielers an der Rolle eingeflochtenen 31 Übungsanweisungen lassen sich größtenteils auch ohne diesen anthroposophischen Hintergrund nutzen, um Lehrende und Lernende dem Endziel der dargestellten Methode näherzubringen: Wie das schöpferische Moment im Darsteller aufgerufen, diese Fähigkeit bewußt genutzt werden kann. , der Darsteller also zu einer Selbstvervollkommung gelangen kann.
Geht der Leser darüber hinaus kritisch an den Text, wird er Unterschiede zu Stanislawski feststellen. Der Beitrag der Stanislawski- und Chechov-Schülerin (!) Marija O. Knebel in diesem Buch, einfühlsam, einer Bühnenpraxis nahe geschrieben, versucht die Gegensätze auszugleichen.
Chechovs Buch beginnt bei der Frage nach der Imagination. Seine Überlegungen knüpfen an den "Film der Visionen" an, wie Stanislawski es nannte. Im Zentrum der Imagination entsteht für Chechov aber die Rolle als ein eigenes Wesen, das zum Darsteller spricht. Sie nimmt Besitz von ihm und entwirft sich in ihm als geistig konturierte Gestalt. Dieser mystischen Einstellung, geboren aus der schöpferischen Potenz des Darstellers mißtraute nicht nur Stanislawski. Er ging primär von dem persönlich-subjektiven Erleben des Darstellers aus, das sich mit der Rollenexistenz verbindet: Ein umgekehrter Weg.
Eine genaue Ausarbeitung der Parallelen und Differenzen zwischen dem Lehrer Stanislawski und seinem eigenständigen Schüler Michail Chechov dürfte einer künftigen Forschungsarbeit vorbehalten bleiben, zumal das Stanislawski - Bild momentan einer gründlichen Korrektur unterzogen wird.
Erste Ansätze dazu zeigten sich in der zweibändigen Ausgabe der Ausgewählten Schriften Stanislawskis, (Henschelverlag Berlin 1988) (siehe Deutsche Bühne xyz), und während des Pariser Stanislawski - Symposions im Herbst 1988 (siehe Deutsche Bühne xyz). Die Fortsetzung dieser Auseinandersetzungen ist im Sommer dieses Jahres in Essen zu erwarten: Prof. Ahrends von der Bochumer Ruhruniversität bereitet im Zusammenhang mit den Veranstaltungen Theater der Welt in Essen ein weiteres Symposion über Stanislawski in internationaler Besetzung vor.
Arbeit zitieren:
2001, Jenisch Michail Chechov - Kunst des Schauspielers, München, GRIN Verlag GmbH
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