„Der Nusser“ - nach Ernst Tollers „Hinkemann“ (1986)
3.
- entstanden ca. 1970, Drama in 27 Szenen
- Theater Uraufführung: Städtische Bühnen, Dortmund, 3.6.1971
- Verfilmung: Intertel / Sender Freies Berlin. Erstsendung 9.1.1973 (ARD), Regie: R.W. Fassbinder
• Personen: Erwin (Kraftfahrer), Hilda (seine Frau), Hanni (ihre 13jährige Tochter), Franz (Hannis Freund; Hilfsarbeiter), Dieter (Franz’ Freund), eine Ärztin, ein Polizist, ein Kriminalbeamter, ein anderer Kriminalbeamter, Chef (von Franz)
• Handlungsort: keine genaue Angabe, vermutlich ländliche Gegend in Bayern • Handlungszeit: ableitbar aus dem Handlungsverlauf, ca. 16/17 Monate
- Kroetz’ typ. „Wohnküchen - Harmonie“ in 1. Szene, Samstagmorgen, arbeitsfreier Tag, Auftreten Hannis als wortgewandtes, „freches“ Mädchen; weiß Willen durchzusetzen → Harmonie bald gestört - Hanni hat sich - ohne Wissen der Eltern - auf 19 jährigen Hilfsarbeiter Franz eingelassen; zwischen beiden kommt es zum Geschlechtsverkehr; in Szene 3 zeigt vorangegangenes Ereignis - wird „abgehakt“, weder besondere Gefühle, noch Skrupel: „Einmal hätt’s ja doch passieren müssen“ - Franz von Polizei wegen Verführung einer Minderjährigen festgenommen - 7.Szene: Unannehmlichkeiten, Unruhe treten in E. + H. ‘s Leben; ihr gewohnter Lebensrhytmus gestört; im Gespräch m. seiner Frau entlarvt sich Erwin als unselbstständig, charakterschwach, feige u. verantwortungsscheu → würde sich am liebsten von jeder Mitverantwortung drücken; Gedanken kreisen um das, was ihn betrifft → zu sachlich - logischem Denken nicht mehr fähig; „Da kann sie nix dafür...“ → zeigt Hilflosigkeit, Wunschbild d. Tochter zerstört, → Drohung „..sonst ist sie nicht mehr meine Tochter“; konstruiert sich eine Lösung, will es nicht wahrhaben „Der hat seine Tricks...“, würde sogar Todesstrafe als Bestrafung wieder einführen
- Familie verdrängt Geschehen in Szene 8+9, indem sie nüchtern beim Abendessen über einen in der Stadt geschehenen Unfall reden → auf Dauer lässt sich Thema aber nicht vertuschen - Franz frühzeitig, wegen guter Führung, entlassen (keine 9 Monate); verbotenes Treffen mit Hanni - erneut Streit zwischen Hanni und ihrem Vater; Szene 14: Gespräch Hilda - Erwin, er kann wiederum nicht sachlich bleiben, hilflos, feige und dumm; Rückblicke auf NS - Zeit, Ungeheuerlichkeiten, die er sagt und behauptet sind ihm nicht bewusst
- 15.Szene: Hanni gesteht Franz, dass sie schwanger ist
„Es hat mich erwischt.“;
Abtreibung zu teuer; außerdem zu jung; Ausweglose ihrer Lage wird ihnen bewusst, keine Wohnung, keine Arbeit, kein Geld
„Wenn ich einen Revolver hätt oder ein Gewehr, tät ich hingehn und sagen: entweder sie legen unserer Liebe nix mehr in Weg oder es passiert was.“;
Hanni will Gewehr besorgen
→
gelingt -
22. Szene:
Vater steht im Weg, Hanni setzt Franz unter Druck
„Er oder ich.“,
Franz’ Reaktion „Er
muss weg.“ „Er muss weichen, weil mir den Platz brauchn.“
→
Mord beschlossene Sache - 23. Szene: Hanni überredet Erwin zu einem Treffen mit Franz; E. willigt ein - in d. 24. Szene kommt es zum Mord an Erwin, Franz schießt mehrere Male auf ihn ein, da Erwin noch lebt, schlägt er mit dem Gewehrkolben auf ihn ein, Hanni nimmt ebenfalls das Gewehr u. schlägt auf ihren Vater ein
„ Der möchtert einfach nicht sterben. Sterbn sollst, kannst nich hörn!“
→
keinerlei Skrupel, keine moralischen Bedenken, kaum Emotionen; Kroetz steigert Szene zu unglaublicher Brutalität; Hanni kommentiert am Ende kühl - lakonisch
„Sind eh fertig.“
- Kroetz lässt Volksstück
Besonderheiten und Kritik
• Mundartdichtung, bairische Umgangssprache, Dialekt, gröbster Ausdruck d. Personen → Verständnisprobleme
• enorme inhaltl. Wende - Szene 1/ Rest des Stückes; „Wohnküchen - Harmonie“ • offenes Ende; keine Aufteilung in Akte → nicht d. typ. Dramenaufbau ⇔ Inhalt • krasse Darstellung d. Charaktere; Oberflächlichkeit, Abgründe, Unvermögen • Schuldige - Unschuldige / Opfer - Täter schwer zu unterscheiden → komplexe Ursachenzusammenhänge → keine Analyse, sondern Darstellung erschreckender Ereignisse aus
Alltag einfacher Leute; Scheitern des Individuums an der Gesellschaft → Mitleid, Provokation, Kritikausübung an dieser Gesellschaft
• extreme Gefühllosigkeit Hanni + Franz, v.a. beim Mord an Erwin als Rkt. ihrer Ausweglosigkeit - Kroetz’ typ. „Wohnküchen - Harmonie“ in 1. Szene, Samstagmorgen, arbeitsfreier Tag, Auftreten Hannis als wortgewandtes, „freches“ Mädchen; weiß Willen durchzusetzen → Harmonie bald gestört - Hanni hat sich - ohne Wissen der Eltern - auf 19 jährigen Hilfsarbeiter Franz eingelassen; zwischen beiden kommt es zum Geschlechtsverkehr; in Szene 3 zeigt vorangegangenes Ereignis - wird „abgehakt“, weder besondere Gefühle, noch Skrupel: „Einmal hätt’s ja doch passieren müssen“ - Franz von Polizei wegen Verführung einer Minderjährigen festgenommen - 7.Szene: Unannehmlichkeiten, Unruhe treten in E. + H. ‘s Leben; ihr gewohnter Lebensrhytmus
gestört; im Gespräch m. seiner Frau entlarvt sich Erwin als unselbstständig, charakterschwach, feige u. verantwortungsscheu → würde sich am liebsten von jeder Mitverantwortung drücken; Gedanken kreisen um das, was ihn betrifft → zu sachlich - logischem Denken nicht mehr fähig; „Da kann sie nix dafür...“ → zeigt Hilflosigkeit, Wunschbild d. Tochter zerstört, → Drohung „..sonst ist sie nicht mehr meine Tochter“; konstruiert sich eine Lösung, will es nicht wahrhaben „Der hat seine Tricks...“, würde sogar Todesstrafe als Bestrafung wieder einführen
- Familie verdrängt Geschehen in Szene 8+9, indem sie nüchtern beim Abendessen über einen in der Stadt geschehenen Unfall reden → auf Dauer lässt sich Thema aber nicht vertuschen - Franz frühzeitig, wegen guter Führung, entlassen (keine 9 Monate); verbotenes Treffen mit Hanni - erneut Streit zwischen Hanni und ihrem Vater; Szene 14: Gespräch Hilda - Erwin, er kann wiederum nicht sachlich bleiben, hilflos, feige und dumm; Rückblicke auf NS - Zeit, Ungeheuerlichkeiten, die er sagt und behauptet sind ihm nicht bewusst
- 15.Szene: Hanni gesteht Franz, dass sie schwanger ist „Es hat mich erwischt.“; Abtreibung zu teuer; außerdem zu jung; Ausweglose ihrer Lage wird ihnen bewusst, keine Wohnung, keine Arbeit, kein Geld „Wenn ich einen Revolver hätt oder ein Gewehr, tät ich hingehn und sagen: entweder sie legen unserer Liebe nix mehr in Weg oder es passiert was.“; Hanni will Gewehr besorgen → gelingt - 22. Szene: Vater steht im Weg, Hanni setzt Franz unter Druck „Er oder ich.“, Franz’ Reaktion
„Er
muss weg.“ „Er muss weichen, weil mir den Platz brauchn.“
→
Mord beschlossene Sache - 23. Szene: Hanni überredet Erwin zu einem Treffen mit Franz; E. willigt ein - in d. 24. Szene kommt es zum Mord an Erwin, Franz schießt mehrere Male auf ihn ein, da Erwin noch lebt, schlägt er mit dem Gewehrkolben auf ihn ein, Hanni nimmt ebenfalls das Gewehr u. schlägt auf ihren Vater ein
„ Der möchtert einfach nicht sterben. Sterbn sollst, kannst nich hörn!“
→
keinerlei Skrupel, keine moralischen Bedenken, kaum Emotionen; Kroetz steigert Szene zu unglaublicher Brutalität; Hanni kommentiert am Ende kühl - lakonisch
„Sind eh fertig.“
- Kroetz lässt Volksstück
Arbeit zitieren:
Stephanie Richter, 2001, Kroetz, Franz Xaver - Wildwechsel - Buchvorstellung, München, GRIN Verlag GmbH
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