2.3 Kulturen in Afrika Zu jener Zeit existierten in Afrika verschiedenartige Kulturstufen; sie reichten von der primitiven Form der Buschmänner bis zur hochentwickelten der Kongoneger.
Durch den Raub der Sklaven verpflanzte man auch ihr ganzes Kulturspektrum, Religion, Magie und Mythologie in den neuen Lebensraum. Dort fand eine gegenseitige Beeinflussung, ja sogar Verschmelzung der Kulturen aller Bevölkerungsteile, bestehend aus Indios, Schwarzen und Weissen, statt. Ein Prozess, der bis auf den heutigen Tag fortdauert.
2.4
Anfänge der LA-Tänze In der fremden Welt huldigten die Schwarzen, im Rahmen ihres Spielraumes, weiterhin ihren überlieferten Bräuchen und Tänzen. Als Begleitung bedienten sie sich verschiedenartiger Trommeln; die typischen Rhythmusinstrumente der Primitiven.
Diese religiösen Tänze wurden und werden heute noch in Gruppen oder Solo getanzt. Anlässlich der profanen Feste, im Beisammensein aller Bevölkerungs-kreise, fand ein gegenseitiger Austausch der Bräuche statt. Im Motivfeld Frau-Mann gewann der Paartanz an Bedeutung. Bereits in Afrika waren die sogenannten Nabeltänze zwischen Mann-Frau bekannt; sie werden in Brasilien Umbigada und in Kuba Vacunao genannt.
Auch in der Musik führte die Synthese von Melodiestrukturen der Weissen mit polyrhythmischen Perkussionsmustern der Schwarzen zu einem Reichtum an Musikpotenz mit weltweit ausstrahlender Faszination. Durch die Schöpfung des Habanera-Musikstiles auf Kuba wurde eine kreative Entwicklung eingeleitet. Sie bildet die Wurzel, aus der unter anderem die uns mehr bekannten Arten wie Tango, Rumba, Son-Bolero, Merengue, Mambo, Cha-cha-cha und Salsa, entstanden sind.
Höchst interessant sind historische Berichte von Augenzeugen, die Rumbatänze beschreiben: "Ein obszöner Paartanz, der offen oder eng umschlungen ausgeführt wird, wobei der ganze Körper in Bewegung bleibt. Der Schwerpunkt des Ausdruckes bilden wellenartige Verdrehungen des Beckens in Verbindung mit wolllüstigen, harmonischen Hüftbewegungen. Die Rumba ist die Geschichte der Eroberung des Weibes ohne höfliche Verbeugung und müssige Umschweife."
Auf Haiti münden die Voudou-Zeremonien in Solotänze voller Sex-Besessenheit.
In Brasilien ist aus dem Tanz "batuque" der Bantuneger, nach anderer Version aus dem Tanz "Semba" der Sambesi aus dem Kongo, die Samba entstanden. Nach weiterer Quelle wird die Samba auch aus einem afrikanischen Tanz der Kriegerweihe, zwischen Glasscherben und Fackeln mit platzsuchenden Fussbewegungen, abgeleitet.
2.5
Siegeszug der LA-Tänze Durch Verfeinerung ihrer primitiven Eigenarten stiegen die LA-Tänze, auch für die Begriffe der Weissen, zu einer gesellschaftlichen Attraktion empor und hielten Einzug in ihre eleganten Salons. Im Zeitalter des Rundfunkes, Tonfilms und Fernsehens verbreiteten sich die LA-Musik und Tänze über die ganze Welt. Berühmte Orchester, Theatergruppen und Revuen, zum Beispiel das Rumbaorchester Don Azpiazu (1930), Lecuona-Cuban-Boys oder Josephine Baker (Charlestone 1925) bereisen Europa und bringen uns die neuartigen, faszinierenden Elemente der LA-Kultur näher.
Die Alte Welt beginnt sich mit der Kultur der Neuen Welt auseinanderzusetzen. In breiten Kreisen wächst der Wunsch nach Teilnahme an dieser exotischen Kulturform.
Vor allem Filme wie "Dirty Dancing", "Salsa" und "Lambada" haben eine nachhaltige Begeisterung ausgelöst und das Phänomen "Salsa", als Sammelbegriff einer Subkultur der Latinos, ins Rampenlicht der breiten Öffentlichkeit gerückt.
Ursprünglich wurde der Begriff "Salsa picante" für heisse LA-Musik benutzt. Er umfasst einen breitgefächerten Sektor afrokubanisch-karibischer Musikrhythmen. Infolge intensiver Kontakte zwischen Kuba-Karibik-Amerika wurden Jazz-elemente und Tanzformen der amerikanischen Kulturszene im kubanisch-karibischen Kulturkreis und umgekehrt aufgenommen. Die kubanische Salsa-Tanzvariante heisst Casino.
2.6
Turniertänze Tanzschulen unternahmen von Anfang an den Versuch, die LA-Tänze für unsere Bedürfnisse und Möglichkeiten zu adaptieren.
Vor allem Pierre aus London gilt als Pionier der modernen LA-Tanztechnik. Zusammen mit seiner Partnerin
Doris Lavelle bereiste er ab 1950 Kuba, Brasilien und Amerika. Sie filmten von einheimischen Experten ausgeführte Tanzfiguren und schrieben sie anschliessend in einem Technikbuch nieder. Bekannte Tänzer und Lehrer, z.B. Walter Laird, haben substantielle Beiträge zur Entwicklung beigesteuert. Entsprechend unserer Lebensart wurde das LA-Tanzprodukt analysiert. Unter Einbezug neuer Impulse aus dem Jazz-Ballett, Flamencotanz und anderer Sparten wurde freudig experimentiert. Das Resultat ist augenfällig: interessante Choreographien, kühne Körperlinien, raffinierte Tricks, exakte Paarkoordination u.a.m. treten markant in Erscheinung.
Dieses technische Instrumentarium wird nun mit Effizienz im Bereich Turnier-Tanzsport-Show eingesetzt.
Interessant ist, wie der amerikanische Psychologe Dr. Rubin diese Entwicklung kommentiert: "Der Erfolgszwang in unserer Kultur, die immer höher geschraubten Forderungen unserer Leistungsgesellschaft führen in einen Teufelskreis von Frustrationen.
Ich für meinen Teil sehe in Wettkampfsportarten in erster Linie Überreste symbolischer Rituale, deren Wurzeln bis in frühe, noch unter dem Diktat des Überlebensinstinktes stehende Zeiten zurückreichen."
2.7
Schlussbetrachtungen Aus dem Völkergemisch von Schwarzen, Indios und Weissen hat sich in der Neuen Welt ein Schmelztiegel von Kulturformen gebildet, die sich in der transformierten Form auch in der Alten Welt ausbreiten. Dies betrifft ganz besonders die Musik- und Tanzformen.
Die populären Tänze werden nun standardisiert und durch die Tanzschulen einem breiten Publikumskreis unterrichtet.
Die Hochzüchtung des Turnierstils und des Showtanzes führt bei den hervorragenden Spitzenpaaren zu einer beeindruckenden Ausstrahlung.
Aufgrund unserer andersgearteten Lebenseinstellung sind die Urelemente der LA-Tänze in den Hintergrund verdrängt worden.
Die elementaren Trieb- und Seelenkräfte, die den Schwarzen zur Besessenheit treiben, beherrschen nicht minder auch den Weissen hinter der Fassade der Zivilisation.
Dies ist wohl die Hauptursache, dass die LA-Musik und Tänze die ganze Welt erobert haben.
Das Motiv, das den genuinen LA-Tänzer beherrscht, ist der urelementare Drang des Menschen nach Bewegung, Spiel und Freude; denn das sind seine Lebensenergien.
Ein kubanisches Sprichwort fasst dies kurz und bündig folgendermassen zusammen: "Musik und Tanz sind Lebensmittel."
QUELLE:
Titel / Autoren
Verlag / Bezugsquelle Buch zum Thema Gesellschaftstanz Wie die Wilden
Astrid Eichstedt und Bernd Polster
Buch zum Thema alte
Gesellschaftstänze Jahrhundertwende und Inflationszeit 1925
Carl Ernst Riebeling
Buch
Die Tänze und Riten der Afro-Amerikaner
H. Günther
Verlag Dance Motion Buch Vom Schamanentanz zur Rumba
H.Günther + H.Schäfer
Arbeit zitieren:
seda markhoff, 2001, Standardtänze, München, GRIN Verlag GmbH
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Hans Pöppel hat den Text Standardtänze kommentiert
Hans Pöppel
Oberflächlich.
Sehr oberflächlich. Viele Mythen werden ungeprüft wiederholt.
Zum Beispiel die soziokulturellen Grundlagen zur Entstehung der lateinamerikanischen Tänze. Die Sklavenkulturen waren nie abgeschlossene "schwarze" Enlaven, zumal auch die Schwarzen - unterschiedlichen Stammestraditionen entstammend (Afrika ist groß!) - sich nicht immer untereinander grün waren.
Aus tanzhistorischer Sicht liegt die Bedeutung der Skalverei in Amerika in der gegenseitigen tänzerischen und musikalischen Befruchtung typisch afrikanischer und typisch europäischer (überwiegend Unterschichts-)Ausdrucksformen.
am Sunday, August 20, 2006-