Schon im Jahr 1870 begann die Geschichte des Romans "Reise um die Erde in 80 Tagen", als Jules Verne in seiner Tageszeitung einen Reiseplan für eine Weltreise entdeckte und ausschnitt. Im Sommer 1871 erinnerte sich Verne wieder an diesen Artikel, als er während seiner Arbeit an der Börse auf eine Anzeige einer Reiseagentur stieß, die eine komfortable Weltreise anbot. Er spielte die Reiseroute mit Pappfiguren auf einer Landkarte nach. Dabei hatte er jedoch mehr seine Fantasie spielen lassen, als die Realität betrachtet. Jules Verne hat für seine Romane Informationen aus Lexika benutzt, weil er die beschriebenen Länder nie selbst bereiste. Das Buch, welches den französischen Originaltitel "Le tour du monde en quatre-vingt jours" trägt, erschien erstmals 1872 als Fortsetzungsreihe in der französischen Zeitung "Le Temps". 1873 wurde die Geschichte als vollständiges Buch herausgegeben, das noch zu Lebzeiten Vernes eine Auflage von 108000 Exemplaren erreichte. Demnach war dieser "Bestseller" sein wohl beliebtestes Buch.
2. Inhaltsangabe
Anfang der 70 er Jahre des 19. Jahrhunderts machen sich ein reicher Engländer und sein Diener auf eine Weltreise, die Bestandteil einer Wette ist. Auf dieser Reise erleben sie eine Menge von verschiedenen Abenteuern. Der wohlhabende Engländer Phileas Fogg geht jeden Tag nach dem Frühstück in den Londoner Reformclub, um dort mit seinen Freunden bis Mitternacht Karten zu spielen, Zeitung zu lesen oder um zu diskutieren. Dieser Tagesablauf wird sich jedoch bald deutlich ändern, da Fogg mit einem Bekannten darum wettet, dass er die Erde in 80 Tagen umrunden könne. Der Anlass für diese Wette war ein Raubüberfall in der Bank von England und die Frage, ob der Räuber in der großen Welt untertauchen kann. Also macht Fogg sich mit seinem neuen französischen Diener Passepartout auf die Reise. Seit der Abfahrt der beiden wird eine Aktie gehandelt, mit der man um Foggs rechtzeitige Rückkehr wetten kann. Von London fahren sie mit der Bahn zum Hafen mit einem Postschiff und der Eisenbahn nach Suez. Dort treffen die Reisenden auf den Detektiven Fix, der die beiden in Annahme, dass Fogg der Bankräuber sei, verfolgen soll. Da aber noch kein Haftbefehl erlassen wurde, kann er Fogg nicht festhalten. Er freundet sich mit dem Diener Passepartout an, ohne seine Identität preiszugeben. Phileas Fogg verspricht den Maschinisten auf dem Schiff nach Bombay ein zusätzliches Gehalt, so kommen sie zwei Tage früher dort an. Nach einem Stadtaufenthalt muss Passepartout vor aufgebrachten Indern fliehen, da er eine Pagode mit Schuhen betrat. Er kann aber den Zug nach Kalkutta gerade noch rechtzeitig erreichen.
Entgegen den Meldungen, dass die Zugstrecke nach Kalkutta fertig ausgebaut worden sei, müssen sie inmitten des Urwalds den Zug verlassen, weil die Strecke plötzlich endete. Fogg muss nun einen Elefanten kaufen, um den Urwald zu durchqueren. Dabei stoßen sie auf einen Leichenzug und retten Miss Aouda, die mit ihrem toten Mann verbrannt werden sollte. Fogg, Passepartout und Miss Aouda fahren nun mit einem Postschiff nach Hongkong. Dort macht sich Mister Fogg auf die Suche nach einem Verwandten von Aouda, aber er findet diesen nicht und beschließt sie mit nach England zu nehmen. Hingegen versucht Detektiv Fix, die Reisenden auf englischem Boden festzuhalten, weil der Haftbefehl immer noch nicht angekommen ist: Er lockt Passepartout in eine Opiumhöhle. Fogg und Aouda verpassen das Schiff Richtung Osten, Passepartout erreicht es jedoch nachdem er aus dem Rausch aufwachte. Er ist nun völlig auf sich allein gestellt und schließt sich einer Akrobatikgruppe an. Bei einer Vorstellung trifft er Phileas Fogg aber wieder. Nun kann die 3-wöchige Schifffahrt über den Pazifik endlich beginnen. In San Francisco angekommen,
geraten die Reisenden in eine Straßenschlacht, bei der ihre Kleidung schwer in Mitleidenschaft gezogen wird. Nachdem die drei sich neu eingekleidet haben, kann die Weiterreise mit der Eisenbahn nach New York angetreten werden. Dieser Abschnitt stellt sich, als der wohl Aufregendste heraus. Zum Beispiel überquert eine riesige Büffelherde die Schienen, so dass der Zug sehr lang warten muss. Nach der wagemutigen Fahrt über eine baufällige Brücke stürzt diese auch prompt ein. Zu allem Überfluss wird der Zug von Indianern überfallen. Einige Zuginsassen sterben und vier, darunter auch Passepartout werden von den Ureinwohnern als Geiseln genommen. Weil Fogg das Leben seines Dieners wichtiger als die Einhaltung der Wette ist, bezahlt er die Soldaten, die Passepartout und die anderen Gefangenen retten sollen und wartet bis sie befreit worden sind. Den Zug nach New York haben sie nun aber verpasst und deswegen müssen sie auf einen Segelschlitten umsteigen, der bei guten Schneeverhältnissen sogar schneller als der Zug ist. Die Reise geht dann von Omaha über Chicago bis zum Ziel New York ohne weitere Probleme mit der Eisenbahn weiter. Leider sind Fogg, Passepartout und Aouda 45 Minuten nach Abfahrt des Schiffes nach Liverpool am Hafen angekommen. Daraufhin sucht Fogg ein Schiff, das nach Europa fährt und er zahlt dem Kapitän eines Frachters 8000 Pfund für die Überfahrt. Nach der Übernachtung in New York geht die Reise weiter. Es gibt hierbei nur ein Problem: Der Zielhafen soll nicht etwa Liverpool, sondern Bordeaux sein. Da dieser Umweg nicht in den Reiseplan von Phileas Fogg passt, sperrt er den Kapitän ein und verspricht den Matrosen eine Belohnung, wenn sie den Kurs ändern und unter Volldampf nach Liverpool fahren. Aus diesem Grund geht der Kohlenvorrat jedoch zur Neige. Daher beschließt Fogg dem Kapitän, das Schiff für 60000 Pfund abzukaufen, um die Holzeinrichtung als Kohlenersatz zu verbrennen. Die Reisenden kommen so auch, rechtzeitig vor Abfahrt des letzten Zuges nach London, in Liverpool an. Aber sie können den Zug nach London nicht nehmen, da sie nun von Detektiv Fix verhaftet werden. Also müssen Miss Aouda, Mister Fogg und Passepartout solange im Gefängnis bleiben bis sich herausstellt, dass der richtige Bankräuber schon vor drei Tagen gefasst worden ist. Fogg verpasst dem Detektiven Fix einen heftigen Fausthieb, weil er
durch ihn die Wette verloren zu haben scheint. Mit dem nächsten Zug kommen die Reisenden einige Stunden zu spät in London an. Phileas Fogg will sich umbringen, aber Miss Aouda kann ihn davon gerade noch abhalten. Die beiden beschließen zu heiraten und schicken Passepartout zum Pastor. Dort erfährt er, dass nicht schon Montag, sondern erst Sonntag ist. Nachdem er sich dessen noch einmal vergewissert, eilt er schleunigst zu Mister Fogg zurück und teilt es ihm mit. Ohne zu zögern fahren Fogg, Aouda und Passepartout zum Reformclubhaus, in das sie eine Sekunde vor Ablauf der Wettfrist eintreten. Die Wette wurde also doch noch gewonnen, weil sie in Richtung Osten gefahren sind. Wären sie in die entgegengesetzte Richtung gereist, wären sie einen Tag zu spät angekommen. Das lässt sich daran erklären, dass bei der Überschreitung eines jeden Längengrades nach Osten der Tag vier Minuten länger wird. Bei der Überschreitung aller 360 Grade macht man also genau 24 Stunden gut.
3. Kritik
Der Roman ist sehr spannend, da immer wieder etwas Unerwartetes passiert, was die Wette gefährden kann. Weiter werden Witz und Gesellschaftskritik gekonnt in die Geschichte eingebracht. Der Leser reist in Gedanken mit den vier so unterschiedlichen Charakteren. Bei den Leser des 19. Jahrhunderts muss der Roman wohl eine sehr große Euphorie hervorgerufen haben, weil eine Weltreise etwas völlig Ungewöhnliches gewesen ist.
Arbeit zitieren:
Florian Spethmann, 2000, Verne, Jules - Reise in 80 Tagen um die Erde, München, GRIN Verlag GmbH
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