Inhaltsverzeichnis..............................................................................................2
1.0 Definition sozialer Bewegung. 3
2.0 Geschichte der Neuen Sozialen Bewegungen
am Beispiel der Friedensbewegung. 3
3.0 Unterschiede zwischen Parteien und Bewegungen. 6
4.1 Die geistigen Strömungen der Friedensbewegung / Aufbau einer Bewegung. 8
4.2 Der Movement Action Plan. 12
4.2.1 Die 8 Phasen sozialer Bewegungen. 13
4.2.2 Die 4 Rollen in der Bewegung. 13
5.0 Der Krieg in Kroatien und Bosnien. 14
6.0 Literaturverzeichnis. 16
7.0 Anhang
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1.0 Definition Sozialer Bewegungen
„Soziale Bewegung ist ein mobilisierender kollektiver Akteur, der mit einer gewissen Kontinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifikation mittels variabler Organisations- und Aktionsformen das Ziel verfolgt, grundlegenderen sozialen Wandel herbeizuführen, zu verhindern oder rückgängig zu machen.“ 1
Erläuterungen zur Definition:
- Mobilisierung: Die Machtgrundlage jeder sozialen Bewegung ist unsicher, da sie nicht durch eine Institutionalisierung aufgefangen wird. Die aktive, permanente Suche nach Unterstützung, das In-Bewegung-Bleiben ist Merkmal der sozialen Bewegung.
- Kollektiver Akteur: Bewegungen sind ein die Individuen einbindender gemeinschaftlicher Handlungszusammenhang, d. h., jedes Individuum ist ein Teil des Ganzen, das aktiv in den Lauf der Dinge eingreifen kann. - Gewisse Kontinuität: Ein gewisser Grad an Kontinuität über einen längeren Zeitraum ist nötig, um Bewegungen von kollektiven Episoden zu unterscheiden. Nur kontinuierliche Aktivitäten belegen das In-Bewegung-Bleiben der Bewegung. - Hohe symbolische Integration: Die Mitglieder einer sozialen Bewegung zeigen ein ausgeprägtes In-Group-Verhalten (‚Wir-Gefühl’), wodurch sie sich von der Out-Group (‚die anderen, die dagegen sind’) abgrenzen.
- Geringe Rollenspezifikation: Geringe Ausdifferenzierung und Festschreibung von Rollen.
- Ziele: Veränderung von Staat und/ oder Gesellschaft, wobei allerdings nicht das ganze System, aber zumindest wichtige einzelne Teile betroffen sind.
2.0 Geschichte der Neuen Sozialen Bewegungen am Beispiel der Friedensbewegung
„Nicht sowjetische Agenten oder antiamerikanische Agenten haben die Friedensbewegung erfunden. Die Motive sind ganz einfach: Es ist die Angst ums Überleben. Und ich sage: Die begründete Angst.“
Nach der unausweichlichen bedingungslosen Kapitulation des Dritten Reiches im April 1945 entwickelte sich eine durch die Kriegserfahrungen geprägte Bewegung mit der Losung „Nie wieder Krieg“. Unter diesem Motto wurde am 1. September 1947 der bis heute für die Friedensbewegung wichtige Anti-Kriegstag von Teilen der Arbeiterjugend aus der Taufe gehoben. Ihren Höhepunkt erreichte die „Nie wieder Krieg“ -Bewegung 1948 während der Debatten über eine Wiederaufrüstung Deutschlands.
Mit dem NATO-Beitritt der BRD 1954 und der damit einhergehenden Wiederbewaffnung endete die von einer relativ breiten Bevölkerungsschicht getragene „Nie wieder Krieg“ -Bewegung, zumal diese wohl kaum von pazifistischen Werten getragen worden war. Der in der zweiten Hälfte der 50er Jahre gegen Atomwaffen geführte Protest wurde von SPD, Gewerkschaften, evangelischer Kirche und einzelnen Persönlichkeiten organisiert. Die großen Organisationen hatten dabei das Sagen. Auf dem Bad Godesberger Parteitag 1959 machte die SPD einen Schritt in Richtung große Koalition. Deshalb wurde dieses friedenspolitische Engagement von ihr nicht mehr weiter verfolgt.
Der 1960 erstmals veranstalteten Oster-Sternmarsch von Hamburg, Bremen, Hannover und Braunschweig zum Raketenübungsplatz Bergen-Hohne hatte zur Folge, dass sich die erste bundesweite, unabhängige, außerparlamentarische Opposition entwickelte. Zuerst „Ostermarsch der Atomwaffengegner“, nannte sie sich dann am Ende der 60er „Kampagne für Demokratie und Abrüstung“. Diese Kampagne entwickelte sich zu einem breiten Bündnis aus den verschiedensten sozialen Milieus und politischen Lagern, finanzierte sich selber und war völlig unabhängig von Parteien und anderen Großorganisationen.
Unter dem Vorzeichen der Entspannungspolitik von Bundeskanzler Willi Brandt interessierte sich die Bevölkerung, wegen der anhaltenden Politisierung der Kampagne durch die StudentInnenbewegung, weitaus mehr für soziale, frauenpolitische, entwicklungspolitische und ökologische Probleme. Dadurch versank Ende der 60er Jahre die Friedensbewegung in einen „Dornröschen-Schlaf“ zugunsten anderer Aktivitäten.
Die Situation änderte sich jedoch schlagartig, als die NATO 1979 ihren Doppelbeschluss fasste, Mittelstreckenraketen mit minimaler Vorwarnzeit zu stationieren. Die größte Friedensmobilisierung, die es jemals in Deutschlang gegeben hatte entstand aus Menschen der vielfältigsten sozialen Bewegungen aus dem ganzen
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Land. Ziviler Ungehorsam und gewaltfreie Aktionsformen gewannen große Verbreitung. Die Entspannungs- und Abrüstungspolitik Gorbatschows hatte eine neue Flaute der Friedensbewegung zur Folge. An dieser Stelle ist auch der Fall der Mauer im Oktober 1989 zu erwähnen, was ebenfalls die Friedensbewegung abflauen lies, da die Blockkonfrontation und die drohenden kriegerischen Auseinandersetzungen anscheinend entschärft waren.
Erst der Krieg am Golf weckte wieder Bewegungen auf und verursachte Proteste auf den Strassen, bei denen viele junge Leute beteiligt waren. Während Deutschland nicht unmittelbar betroffen war, also nicht aktiv an den kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt war, verlagerte sich die Bewegung auf die Wiederherstellung des Friedens im ehemaligen Jugoslawien. Statt in der Bundesrepublik Proteste zu organisieren, verlagerte sie ihre Aktivitäten hin zum Platz des Geschehens. Mittels Reisen in verschiedene Gebiete unterstützte sie die Friedensbewegung vor Ort. So wurden technische Hilfsmittel wie Fax und Computer verschickt. Die meisten Aktivitäten gingen allerdings in Richtung humanitärer Hilfe für die Zivilbevölkerung. In dieser Zeit lösten verschiedene militärische Interventionen der USA und anderer Staaten, wie die Bombardierung Serbiens keine massiven Proteste aus.
Im Gegensatz dazu trat die Friedensbewegung während des Angriffskrieges der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien 1999 („Kosovokrieg“) wieder durch massive Proteste in das Blickfeld Öffentlichkeit.
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Inhaltliche Konstituens
Programm zur Durchsetzung von Viele unterschiedliche, sogar
Machtanspr üchen von Teilen des Volkes, widersprüchliche Konzepte werden
deren Interessen von der Partei vertreten diskutiert, propagiert oder in den
werden , gegen andere Parteien. Programm politischen Prozess implementiert.
dient zur Erzeugung von Einheitlichkeit
nach innen und Geschlossenheit nach Das Unfertige, der Suchcharakter ist
au ßen. Kennzeichen der meisten Bewegungen.
Werte
Werte als Bestandteile Allgemeine Werte zur Sicherung der
gesellschaftsgestaltender Konzeptionen, Identität. Kollektive Definition von
die sich zu Programmen verdichten Situationen und Deutung subjektiver
lassen , und mit spezifischem sozialen Erfahrungen zur Erklärung von
Lagern korrespondieren. Haben Schuldkonstruktionen und Markierung
identitätsstiftende Funktion im des Gegners. Lassen sich nicht zu einem
Parteiensystem. Programm verdichten.
Repr äsentanz
Parteien repräsentieren jeweilige soziale Bewegungen rekrutieren sich aus allen
Basis (Mitglieder, Wähler) sozialen Gruppen und Lagern der
Zusammenhang zwischen Programm und Parteien.
sozialer Basis.
Realisierung der Ziele
Besetzung möglichst vieler öffentlicher Kritische Distanz zum bestehenden
Ämter und Positionen mittel Konkurrenz politischen System. Sensibilisierung und
um die Unterstützung eines Mobilisierung der Öffentlichkeit und
gr ößtmöglichen Bevölkerungsanteils für Druck auf die Entscheidungsträger für
ihr Programm (Wahlkampf) ihre Ziele mittels unkonventioneller
Methoden.
Parlamentarischer Weg Vorwiegend außerparlamentarischer Weg
Realisierung der Ziele nach Eigene Ansprüche und Zukunftsvisionen
entsprechender Entscheidung durch die werden in der Gegenwart praktiziert und
Mehrheit. ausprobiert.
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4.1 Die geistigen Strömungen der Friedensbewegungen / Aufbau einer Bewegung
Die Strömungen der Friedensbewegungen müssen in Kategorien gefasst werden, da sie sehr komplex sind. Im wesentlichen können vier Ebenen unterschieden werden:
- die Organisationsebene - die Einstellungsebene - die Inhaltsebene - die Aktionsebene
Die Organisationsebene:
Hier müssen wiederum drei Hauptströmungen unterschieden werden: 1. Institutionell eingebundene Strömung: Hierbei handelt es sich um die Übernahme von Inhalten und Einstellungen der Friedensbewegung von Teilen sozialer Institutionen, wie Parteien, Gewerkschaften oder Kirchen. Dabei kann jedoch von diesen Einrichtungen nicht als Ganzes ausgegangen werden. Es kristallisiert sich nur heraus, dass in einer solchen Einrichtung die Tendenz einzelner besteht, Einstellungen, Aktionen von Gruppierungen und Einzelpersonen zu unterstützen. 2. Basisorientierte Strömungen und Organisationen: Darunter fallen zum Beispiel Gruppierungen oder das Engagement von Frauen in der Friedensbewegung. Sie wollen sich unabhängig von Institutionen, wie Parteien, Gewerkschaften und Kirchen halten, damit sie sich nicht mit deren Zielen identifizieren müssen und auch an keine Disziplin bei den Aktionen gebunden sind. 3. Das Kommunistische Spektrum: Gesondert betrachtet werden muss das Engagement der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und der damit verbundenen Initiativen. Es ist weder in staatstragende Institutionen eingebunden noch auf der „Graswurzelebene“ entstanden. Diese festen Organisationen wie zum Beispiel die DKP legen ihre Ziele und Aktionen ihrer Initiativen (die durchaus basisorientiert arbeiten) fest.
Die Einstellungsebene: Hier gibt es wiederum zwei Hauptströmungen:
1. Status-quo-teilkritische Einstellung: Sie akzeptiert die soziale und politische Gesellschaftsform in ihren Grundzügen, was bedeutet, dass der Gesamt-status-quo
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unterstützt wird und nur Teile davon wie zum Beispiel die offizielle Sicherheitspolitik kritisiert werden.
2. Status-quo-gesamtkritische Einstellungen: Sie lehnt das gesamte bestehende Gesellschaftssystem ab. Beispiele dafür sind bei kommunistischen Gruppierungen zu finden.
Die Inhaltsebene:
Die gegenwärtige Friedensbewegung zeichnet sich vor allem dadurch aus, im Gegensatz zu den Friedensbewegungen der fünfziger, der sechziger und der siebziger Jahre, dass sie nicht nur den Status quo kritisiert (offizielle Sicherheitspolitik), es werden auch Positivformulierungen diskutiert, zum Beispiel Forderungen nach alternativen sicherheitspolitischen Konzepten - Modelle. Hierzu zählen unter anderem die soziale Verteidigung, Defensivverteidigungskonzepte oder atomwaffenfreie Zonen. Mit diesen Überlegungen hat die neue Friedensbewegung eine neue Qualität erreicht: die „Protestphase“ der Artikulation von Perspektiven und Zielsetzungen. An dieser Stelle kann allerdings nur eine Auswahl von Alternativkonzepten kurz skizziert werden: zum Beispiel das Modell der Sozialen Verteidigung, das Modell der defensiven Verteidigung und Disengagementkonzepte:
Soziale Verteidigung: „Unter „sozialer Verteidigung“ wird die Verteidigung von sozialen Institutionen durch Aktionen ohne Einsatz von Waffen verstanden. Dem Aggressor wird kein militärischer Widerstand entgegengesetzt, sondern eine gewaltfreie waffenlose Verteidigung auf dem Territorium des Verteidigers. Das dabei gesetzte Ziel ist es, erstens das verteidigte Gesellschaftssystem lebensfähig zu erhalten, zweitens dem Angreifer die Zusammenarbeit zu verweigern und drittens dessen bisherige Anhänger zu Neutralität oder Parteinahme für die Verteidiger zu veranlassen.“ 3
Defensivverteidigung: Darunter ist die Verteidigung eines Territoriums mit militärischen Mitteln gemeint. Hier werden verschiedene Ansätze diskutiert, welche zum Beispiel von einer Beibehaltung einer nuklearen ‚Minimalabschreckung’ bis zum einzig und alleinigen Einsatz von Abwehrwaffen reichen. Disengagementkonzepte: Diese sind am wenigsten klar formuliert. Dabei kann unter Disengagement, was im wörtlichen Sinn eigentlich ‚Auseinanderrücken’ bedeutet, „vieles verstanden werden: so zum Beispiel eine neutrale Zone, ein atomwaffenfreie
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Zone, eine Entspannung des Ost-West-Konflikts durch Rüstungskontrollverhandlungen, eine Lockerung der Blockstrukturen oder unterschiedliche uni- oder multilaterale Abrüstungsschritte. (...) In der Friedensbewegung (wird) (...) vor allem das Konzept der atomwaffenfreien Zone diskutiert, das nicht nur auf der Inhalts-, sondern auch auf der Aktionsebene eine große Rolle spielt.“ 4
Die Aktionsebene
Hier müssen drei unterschiedliche Formen unterschieden werden: 1. status-quo-orientierte Aktionen: Dieses sind Aktionen, welche im Grundgesetz verankert sind, wie zum Beispiel angemeldete Demonstrationen, Appelle oder Unterschriftensammlungen für Petitionen.
2. status-quo-teilkritische Aktionen: Diese Aktionen sind weder explizit erlaubt noch erlaubt, wie zum Beispiel Fastenaktionen, Mahnwachen, Kettenbriefe, usw. Eine Grenze zu illegalen Aktionen lässt sich allerdings schwer ziehen, wie zum Beispiel bei der Weigerung der Post, Briefe mit bestimmten Aufklebern zu befördern.
3. status-quo-gesamtkritische Aktionen: Diese Aktionen sind gesetzlich verboten, wie zum Beispiel Ziviler Ungehorsam. Es ist fraglich, ob die Vertreter des zivilen Ungehorsams rechtens handeln, wenn sie von im Rahmen des Gesetzes zwar legalen, aber illegitimen Verhältnissen ausgehen. (Ein Beispiel hierfür wäre die Drohung der Massenvernichtung im Falle des Versagens der Abschreckung.) Im Rahmen des geltenden Gesetzes sind solche Protest- und Wiederstandformen zwar illegal, jedoch moralisch können sie als legitim kritisiert werden.
Resümee
„Mit Hilfe dieser vier Ebenen kann die Komplexität der unterschiedlichen Strömungen der Friedensbewegung so reduziert werden, dass dieses soziale Phänomen überschaubarer wird, womit man jedoch seiner Vielfalt nicht vollends gerecht wird.“ 5
Anhand der nachfolgenden Abbildung auf Seite 11 können allein anhand der Aktions-und Einstellungsebene nach sieben Strömungen unterschieden werden:
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„Abbildung 1: Unterschiedliche Spektren der Friedensbewegung“ 6 Einstellungsebene
Aktionsebene
Status-quo-Parteigebundenes Spektrum: Frauenfriedensbewegung orientiert SPD, DIE GRÜNEN, CDU
Status-quo-Parteigebundenes Spektrum: Frauenfriedensbewegung teilkritisch DIE GRÜNEN „Autonomes“ Spektrum
Status-quo-Parteigebundenes Spektrum: Frauenfriedensbewegung gesamtkritisch DIE GRÜNEN „Autonomes“ Spektrum
4.2 Movement Action Plan
4.2.1 Die 8 Phasen sozialer Bewegungen:
„Eine Bewegung beginnt, ohne es zu merken. In Phase 1, Normale Zeiten, ist das Hauptziel der Bewegung, Leute zum Nachdenken zu bringen, zu zeigen, dass es ein Problem gibt.
Der nächste Schritt ist es, das Versagen der Institutionen nachzuweisen (Phase 2). Indem Anhörungen, Gerichtsverfahren und Behördenwege usw. genutzt werden, muss die Bewegung nachweisen, dass die Institutionen nichts tun wollen, um das Problem zu lösen.
Das führt zu Reifenden Bedingungen (Phase 3) für die Entwicklung einer sozialen Bewegung. Die Menschen beginnen zuzuhören und bilden neue Gruppen, kleinere Aktionen zivilen Ungehorsams dramatisieren das Problem. Die Machthaber sind ein wenig irritiert, machen aber hauptsächlich weiter wie bisher. Wenn die Bewegung ihre Hausaufgaben gut macht (Organisieren von neuen Gruppen, Netzwerken und Koalitionen mit Verbündeten), kann Der Start der Bewegung (Phase 4) nach einem Auslöser erfolgen. Er mag von der Bewegung selber herbeigeführt worden sein - die Besetzung des Bauplatzes in Whyl löste 1974 in Deutschland eine bundesweite Anti-Atom-Bewegung aus - oder etwas, das durch die Machthaber ausgelöst wird. Der Auslöser führt zu massiven Demonstrationen, breiten Kampagnen zivilen Ungehorsams und massivem Medienecho. Obwohl die Bewegung eine Menge öffentlicher Sympathie gewann, geben die Machthaber in dieser Phase gewöhnlich noch nicht auf.
Dies führt zu Identitätskrise und Machtlosigkeit (Phase 5) bei vielen AktivistInnen. Dies wird gesteigert durch die abnehmende Zahl von TeilnehmerInnen bei Bewegungsereignissen und negative Berichterstattung in den Medien. Aber zur selben Zeit gewinnt die Bewegung Massive öffentliche Unterstützung (Phase 6). Bis jetzt hat sich die Bewegung auf den Protest konzentriert; jetzt wird es wichtig Lösungen anzubieten. Beinahe ¾ der Bevölkerung sind der Meinung, dass eine Veränderung notwendig ist. Jetzt wird es wichtig, den Kampf über die Art und Weise der Veränderung zu gewinnen. Die Machthaber werden versuchen, die Bewegung zu betrügen, versuchen Tricks (die deutsche Regierung versucht nun Atommüll nach Ahaus statt Gorleben zu verschicken). Die Bewegung muss darauf abzielen, die Tricks zu stoppen und alternative Lösungen zu vertreten.
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Wirklicher Erfolg (Phase 7) ist ein langer Prozess und oft schwierig zu erkennen. Die Aufgabe der Bewegung ist es, dass nicht nur auf die Forderungen eingegangen wird, sondern einen Paradigmen- (Beispielhaften-) Wandel zu erreichen, eine neue Art zu denken. Alle Atomkraftwerke abzuschalten, ohne unsere Einstellung zur Energie zu verändern, verlagert das Problem nur von Radioaktivität auf Kohlendioxid. Ein paar Frauen in Ämter zu bringen verändert noch nicht die patriarchalen Strukturen in der Gesellschaft.
Nachdem die Bewegung gewinnt- entweder durch einen dramatischen Entscheidungskampf oder den langsamen Zermürbungskampf - muss die Bewegung auf die Umsetzung ihrer Erfolge achten. Bewahrung des Erfolges und Fortsetzung des Kampfes (Phase 8) ist jetzt das Ziel der Bewegung.“ 7
4.2.2 Die 4 Rollen in der Bewegung:
„AktivistInnen haben viele verschiedene Aufgaben in den 8 Phasen. Sie können nicht alle durch einen Personentypen erfüllt werden, und man kann 4 verschiedene Typen von AktivistInnen identifizieren. Alle müssen vorhanden sein und wirksam ihre Aufgabe erledigen, damit die Bewegung Erfolg hat.
Der Rebell ist der Typ von Aktivist, den viele Menschen mit sozialen Bewegungen identifizieren. Durch gewaltfreie Aktionen und öffentliches „Nein“ Sagen, bringt der Rebell das Problem auf die politische Tagesordnung. (...) Rebellen sind in den Phasen 3 und 4 und nach einem auslösenden Ereignis wichtig, sie wechseln gewöhnlich aber zu anderen reifenden Bewegungen in der Phase 6 oder später über. Reformer werden in Bewegungen oft schlecht bewertet, aber sie sind es, die das Versagen der Institutionen nachweisen und auf alternative Lösungen drängen. Jedenfalls tendieren sie oft dazu, an die Institutionen zu glauben oder für Reformen einzutreten, die zu gering sind, um den Erfolg der Bewegung zu festigen. BürgerInnen garantieren, dass die Bewegung nicht den Kontakt zu ihrer Hauptzielgruppe verlieren. Sie zeigen, dass die Bewegung mitten aus der Gesellschaft kommt, (...) und schützen sie vor Repression. (...)
Der Organisator ist die vierte und Schlüsselrolle in jeder Bewegung. Sie vertreten Meinungsbildung und überzeugen die Mehrheit der Gesellschaft, sie organisieren Graswurzel-Netzwerke und vertreten Langzeit-Strategien (...)“. 8
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5.0 Der Krieg in Kroatien und Bosnien
Mehr als alle anderen kriegerischen Auseinandersetzungen je zuvor bewegte die Menschen der Friedensbewegung der Krieg in Kroatien und Bosnien. Eine der großen Gemeinsamkeiten bildete sich aus dem Wunsch zu helfen, mitzuleiden. Die Grausamkeiten, die in diesem Krieg geschahen, sind natürlich keine neue Rechtfertigung für das Entstehen von Antimilitarismus. Trotzdem hat der Wunsch nach einem schnellen Ende des fast hautnah erlebten Infernos die Menschen innerlich gespalten. Es kämpften nicht Fraktionen angeblicher BefürworterInnen des Krieges und pazifistischer FundamentalistInnen kompromisslos miteinander, vielmehr flüsterten Allmachtsphantasien und Technologiegläubigkeit den Menschen zu, dass ein entschiedenes militärisches Eingreifen ein schnelles Ende bereiten könne. Hier sei humanitäres, militärisches Verhandeln doch möglich und gerechtfertigt. Auch wenn mittlerweile der offene Krieg beendet ist, ging es doch im Kern um nichts weniger, als um die Frage, ob es nicht doch „Gerechten Krieg“ geben könne. Die Diskussion über die militärische Intervention mit humanitärer Absicht war dennoch von grundsätzlicher Bedeutung für die Friedensbewegung. Diese Grundsatzfrage erweckte bei vielen die schleichende Hoffnung, es könne humanitäre Nationalstaaten geben, die Militär nur im Sinne von Humanität und Gerechtigkeit einsetzen würden. Wäre es nicht möglich, mit einem solchem „gutem Staat“ seinen Frieden zu machen mit dem man sich auch leichter identifizieren könnte? Hierbei kommt jedoch die Frage auf, ob bei solchen „Gerechten Kriegen“ nicht auch immer das Militär im Hintergrund drohen und sich genauso immer auf dem neuesten militärischen Standart befinden müsste? Würde der realistische Scharfblick durch lauter Harmoniebedürfnis verloren gehen, sich an die herrschenden Tendenzen der Gewalt anpassen und nur noch den Reichtum unserer Welt gegenüber der Armut der anderen legitimieren? Diese Diskussion warf Fragen über Fragen auf - vielleicht mehr an die Pazifisten selbst als an ihre Kontrahenten. „Hier bleibt festzuhalten:
- Die Diskussion von Bellizisten und Pazifisten hat zu einer Entmischung der Friedensbewegung geführt und damit ihren pazifistischen Gehalt gestärkt. Der nicht-pazifistische Anti-Militarismus findet sich auf einmal auf einer schiefen Rutschbahn hin zur klammheimlichen Militärakzeptanz.
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- Während die Linke bisher zu einem erheblichen Teil anti-militaristisch ausgerichtet war, haben viele sich der Sichtweise von Pazifisten angeschlossen, die für eine Kompatibilität von Mitteln und Zielen eintreten.
- Die Möglichkeiten nicht-militärischer, ziviler Konfliktbearbeitung zu erkunden und zu praktizieren, wird nun mit starker Motivation besetzt und voran getrieben.“ 9
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6.0 Literaturverzeichnis
Roth, Roland / Rucht, Dieter (Hrsg.): Neue Soziale Bewegungen in der Bundesrepublik Deutschland; 1987, Bundeszentrale für politische Bildung 1 Ratschke, Joachim: Zum Begriff der Sozialen Bewegung; S. 21-22 2 Wasmuth, Ulrike C.: Geschichte der Neuen Sozialen Bewegung am Beispiel der Friedensbewegung; S. 109
3 Wasmuth, Ulrike C.: Die Entstehung und Entwicklung der Friedensbewegungen der achtziger Jahre - Ihre geistigen Strömungen und ihre Beziehung zu den Ergebnissen der Friedensbewegung; S. 126-132 4 Wasmuth, Ulrike C.: Die Entstehung und Entwicklung der Friedensbewegungen der achtziger Jahre - Ihre geistigen Strömungen und ihre Beziehung zu den Ergebnissen der Friedensbewegung; S. 126-132 5 Wasmuth, Ulrike C.: Die Entstehung und Entwicklung der Friedensbewegungen der achtziger Jahre - Ihre geistigen Strömungen und ihre Beziehung zu den Ergebnissen der Friedensbewegung; S. 126-132 6 Wasmuth, Ulrike C.: Die Entstehung und Entwicklung der Friedensbewegungen der achtziger Jahre - Ihre geistigen Strömungen und ihre Beziehung zu den Ergebnissen der Friedensbewegung; S. 132
http://www.comlink.apc.org/patchwork/pub/map2.html 7 Kreusel, Silke und Speck, Andreas: http://www.comlink.apc.org/patchwork/pub/map2.html 8 Kreusel, Silke und Speck, Andreas: http://www.comlink.apc.org/patchwork/pub/map2.html
Klein, Ansgar; Legrand, Hans-Josef; Leif, Thomas (Hrsg.): Neue Soziale Bewegungen - Impulse, Bilanzen und Perspektiven; 1999, Westdeutscher Verlag 9 Buro, Andreas: Transformationen, Bilanzen und Perspektiven der bundesrepublikanischen Friedensbewegung; S. 229-230
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Andreas Selz, 2001, Neue Soziale Bewegungen am Beispiel der Friedensbewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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Die Friedensbewegung in Deutschland in den 80er Jahren
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