2
che nach neuem Besiedlungsgebiet im Osten. 1115 wurden die Lutizen bei Köthen von dem Askanier Otto dem Reichen geschlagen. Danach versuchten die besiegten Lutizen durch politische Schachzüge ihre Macht zu erhalten. Einige traten zum Christentum über, andere förderten den alten Glauben. 1129 beschenkte dann der Hevellerfürst Pribislaw-Heinrich Albrecht den Bären mit dem Land um die Feste Brandenburg.
2.2. Die Mark Brandenburg unter den Askaniern 4
1134 übergab Kaiser Lothar III. die Nordmark an Albrecht, der seine Macht nun kontinuierlich ausbaute. Nach dem Tod Pribislaw-Heinrichs erhielt Albrecht 1150 das Land des Hevellerfürsten. 1157 nannte er sich zum ersten Mal marchio brandenburgensis, Markgraf von Brandenburg 5 . 1172 wurde dann auch Albrechts Sohn Otto I. als marchio de Brandenburch, Markgraf von Brandenburg, anerkannt 6 . Im gelang es einen Wendeneinfall 1179 zurückzuschlagen und die Mark territorial weiter zu festigen. Auch die deutsche Besiedlung schritt langsam voran. Da das slawische Land sehr dünn besiedelt war, erfolgte die Landnahme größtenteils kampflos. In der Regierungszeit Ottos I. erhielten die Markgrafen wohl auch die Erzkämmererwürde. 7 Die Söhne Ottos, Otto II. und Albrecht II. behaupteten sich sowohl gegen Dänemark, den Beherrscher Mecklenburgs und Pommerns, als auch gegen das Bistum Magdeburg und die Wettiner und bauten die Herrschaft aus. Auch den Söhnen Albrechts II., Johann I. und Otto III. gelangen neue Landgewinne, vor allem an der pommerschen Grenze. 1220/30 wurde die Kurwürde der Markgrafen im Sachsenspiegel erwähnt, die Johann I. 1252 zum ersten Mal ausübte 8 . Johann I. und Otto III. teilten 1266 die Herrschaft unter ihren Söhnen. Unter der Regierung Waldemars von 1308-19 wurde die Mark jedoch wieder vereint. Die Askanier waren auf dem Höhepunkt ihrer Herrschaft. Sie beherrschten den gesamten mittleren Osten des Reiches.
2.3. Die Mark Brandenburg unter den Wittelsbachern bis 1348 9
4 Sante, S. 519-22. Materna u. Ribbe, S. 86-102 u. 132-36.
5 Sante, S. 519. Materna u. Ribbe, S. 87.
6 Materna u. Ribbe, S. 87-88.
7 Sante, S. 520 erwähnt die Erhebung für das Jahr 1177, doch wird dies bei Materna u. Ribbe, S. 126 angezweifelt.
8 Sante, S. 520. Materna u. Ribbe, S. 127.
9 Sante, S. 522-23. Materna u. Ribbe, S. 134-41.
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1314 war es bei der Königswahl zu keiner Einigung zwischen den Kurfürsten gekommen, so daß sich in Deutschen Reich Ludwig von Wittelsbach und Friedrich von Habsburg gegenüberstanden 10 . 1319 verstarb Waldemar kinderlos 11 . Da es keine allgemein anerkannte Königsmacht gab, konnte auch niemand mit der Mark belehnt werden. Der einzige männliche Nachkomme der Askanier war ein 10-jähriger Vetter Waldemars namens Heinrich. In dieser Phase der Unsicherheit konkurrierten nun die Nachbarfürsten der Mark um die Herrschaft. Sie hofften, erst einmal die Herrschaft übernommen habend, auch mit der Mark belehnt zu werden. Zuerst versuchten sie die Vo r-mundschaft über Heinrich auszunützen, doch dieser verstarb schon 1320 12 . Nachdem der letzte Askanier verstorben war, bemächtigten sich die Nachbarfürsten großer Gebiete der Mark. Diese sicherten sie entweder mit der angeblichen Zustimmung der Stände oder durch Heirat ab.
1322 übernahm Ludwig, nach seinem Sieg über Friedrich, die Königsmacht. Er hatte jetzt die Autorität, die brandenburgische Frage zu klären. Ludwig überging jedoch alle Konkurrenten um die Kurfürstenwürde und belehnte seinen Sohn Ludwig mit der Mark. 1324 wurde die Belehnung dann urkundlich gemacht. Durch geschicktes Verhandeln und Zahlen von Geld gelang es den Wittelsbachern weite Teile ihres Lehen unter ihre Herrschaft zu bringen. Auch der Bannspruch des Papstes über Ludwig konnte dies nicht verhindern. Doch die Geldsummen zur Auslösung brandenburgischer Gebiete belasteten die Kasse Ludwigs so stark, daß dieser immer wieder auf neue Steuereinnahmen aus der Mark angewiesen war. Die neuen Steuern brachten die Städte und den Adel gegen Ludwig auf. Die Situation spitzte sich zu, als 1345 die Ständeversammlung Geldeinkünfte verweigerte und außerdem dem König nahelegte, auf seine Berater aus Süddeutschland zu verzichten. In der Mark bahnte sich ein Machtkampf zwischen König und Ständen an.
3. Karl und die Mark
3.1. Karls erstes Eingreifen in der Mark 13
1346 wurde Karl zum Gegenkönig Ludwigs gewählt. Schon ein Jahr später verstarb Ludwig, sein Sohn Ludwig der „Ältere“ übernahm die Herrschaft der Mark. Zu diesem Zeitpunkt erschien ein Mann beim Erzbischof von Magdeburg und behauptete der, als verstorben gegoltene, Markgraf Walde-
10 Maternau. Ribbe, S. 134.
11 Sante S. 522.
12 Materna u. Ribbe, S. 134.
13 Sante, S. 522-23. Materna u. Ribbe, S. 142-43.
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mar zu sein. E r forderte die Herrschaft über die Mark von Ludwig zurück. Die Echtheit dieses, später als „Falscher Waldemar“ deklarierten, Mannes läßt sich nicht aufklären. Für seine Echtheit spricht die Tatsache, daß keine Quelle Ort und Tag des Todes des Markgrafen Waldemars vermerkt hatte. Da er bei seinem „Tod“ etwa 40 Jahre alt war 14 , hätte er auch noch 30 Jahre später leben können. Vermutlich war Waldemar aber ein Betrüger der askanischen Nebenlinie in Sachsen und Anhalt. Möglicherweise wurde er sogar von Karl selbst unterstützt, denn dem König war daran gelegen, den Einfluß und das Ansehen der Wittelsbacher zu schädigen 15 .
Waldemar zog, von den Askaniern als Gegenmarkgraf aufgestellt und vom Erzbischof von Magdeburg unterstützt, im August/September 1348 in die Mark ein. Die meisten Städte der Mark traten auf seine Seite, da sie im Streit mit den Wittelsbachern lagen. Ludwig fand nur Unterstützung in der Neumark und der Stadt Frankfurt/Oder. Auch Karl reiste in die Mark, um sich des Problems anzunehmen. Er entschied sich für die Echtheit Waldemars und belehnte diesen mit der Mark 16 . Danach belagerten Karl und Waldemar die Stadt Frankfurt/Oder 17 . Nachdem die Eroberung der Stadt scheiterte, zog sich Karl aus den Kämpfen zurück, reiste nach Böhmen und überließ die weitere Kriegführung Waldemar. Im April 1349 erklärte auch die brandenburgische Ritterschaft ihre Treue zu Waldemar.
Zu diesem Zeitpunkt entspannte sich das Verhältnis zwischen Karl und den Wittelsbachern. Über die Gründe ist viel spekuliert worden. Karl hatte wahrscheinlich schon zu dieser Zeit Pläne, die Mark in seinen Besitz zu bringen. Wäre Waldemar verstorben, wegen seines hohen Alters sicher kinderlos, hätte die askanische Linie die Erbschaft angetreten, was nicht im Sinne Karls Politik gewesen wäre. Dagegen waren die Wittelsbacher militärisch und wirtschaftlich angeschlagen und besaßen keinen großen Rückhalt in der Mark. Sie konnten von Karl viel leichter bezwungen werden. Karl söhnte sich im Mai 1349 mit den Wittelsbachern aus 18 , nachdem ihn diese als König anerkannten. Gleichzeitig griffen der dänische König und die Herzöge von Pommern auf Seiten Ludwigs in den Konflikt ein. Ausgelöst durch diese Entwicklung vielen auch Teile der Mark und der Ritterschaft von Waldemar ab und schlossen sich der Gegenseite an. Die Lage hatte sich zugunsten
14 Materna u. Ribbe, S. 134.
15 Jiri Spevacek, Karl IV. Sein Leben und seine staatsmännische Leistung, Wien/ Köln/Graz 1978, S. 87-88. Materna u. Ribbe, S. 142.
16 Böhmer, S. 90 Nr. 1122. In den Regesten als Nr. 1222 angegeben, wahrscheinlich aber ein Druckfehler, da eine weitere Eintragung mit der Nr. 1222 angegeben is t.
17 Fischer, S. 32.
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Ludwigs verändert. Deshalb sollte der König von Schweden einen Schiedsspruch über die Herrschaft in der Mark fällen 19 . Es gelang Karl jedoch diese Aufgabe für sich zu beanspruchen. Karl erklärte im Februar 1350 Waldemar zu einem Betrüger 20 und sprach die Mark, sowie das Gebiet der Lausitz wieder Ludwig zu 21 . Diese Entscheidung bestand jedoch nur auf dem Papier. Die Wittelsbacher mußten ihre Herrschaft in den folgenden Jahren durch Krieg, Verhandlungen und Geldzuwendungen erneut aufbauen.
3.2. Erwerb der Mark durch Karl 22
Diese Aufgabe ließ die Kräfte der Wittelsbacher endgültig erschlaffen. In den folgenden Jahren bestimmte vor allem die märkische Ritterschaft die Politik der Mark. 1351 trat Ludwig der „Ältere“ die Herrschaft über die Mark zugunsten seiner Brüder ab, erhielt aber im Gegenzug die alleinige Herrschaft in Oberbayern. Ludwig der „Römer“ übernahm die Regierungsgewalt in der Mark, ab 1360 zusammen mit seinem mündig gewordenen Bruder Otto. 1355 wurde der Kirchenbann von den Wittelsbachern genommen, nachdem Karl versprochen hatte, sich beim Papst für die Wittelsbacher einzusetzen 23 . 1356 erfolgte die endgültige Anerkennung der Mark Brandenburg als Kurfürstentum in der „Goldenen Bulle“. Trotz dieser positiven Entwicklung gelang es den Wittelsbachern nicht, die Herrschaft über die Mark zu festigen. Der Einfluß der Ritterschaft wurde erst durch einen klugen Schachzug Karls beseitigt. Ein Vertrauter Karls, Dietrich von Minden, war 1361 Erzbischof von Magdeburg geworden 24 . Dieser gewann die Wittelsbacher für sich, so daß ihm 1362 von diesen für 3 Jahre die oberste Regierungsgewalt in der Mark übergeben wurde, was ganz im Sinne Karls war 25 .
1363 verstarb der Sohn Ludwigs des „Älteren“ kinderlos. Die Herrschaft über Oberbayern wurde von der niederbayerischen Linie übernommen. Die brandenburgischen Wittelsbacher wandten sich darauf an Karl. Karl schloß mit ihnen einen Vertrag. Den bayrischen Wittelsbachern wurden die Erbrechte an der Mark abgesprochen. Im Falle des kinderlosen Todes Ludwigs und Ottos sollte die Mark an die Söhne, den Bruder oder die Neffen Karls fal-
18 Böhmer,S. 97 Nr. 1210a 1214.
19 Spevacek, S. 93.
20 Böhmer, S. 100-01 Nr. 1249 u. 1252.
21 Böhmer, S. 98 Nr. 1223-1225.
22 Materna u. Ribbe, S. 142-45
23 Böhmer, S. 97 Nr. 1216.
24 Heinz Stoob, Kaiser Karl IV. und seine Zeit, Graz/Wien/Köln 1990, S. 119. Böhmer, S. 305 Nr. 3762.
25 Böhmer, S: 570 Nr. 382.
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len 26 . 1365 verstarb auch Ludwig der „Römer“ kinderlos. Otto stand dadurch alleine gegen Karl. Er übertrug daher diesem für 6 Jahre die Regierungsgewalt in der Mark 27 . Ein weiterer Schritt zur endgültigen Erwerbung der Mark gelang Karl 1367. Die Mark Lausitz wurde an seinen Sohn Wenzel verkauft 28 .
In der folgenden Zeit zeichnete sich jedoch ab, daß Karl den Tod des noch immer kinderlosen Ottos nicht abwarten wollte. Nach Ablauf seiner Regierungszeit 1371 drängte er Otto, ihm die Mark zu übertragen. Otto wehrte sich gegen dieses Ansinnen. Er übertrug die Erbrechte an der Mark wieder den bayrischen Wittelsbachern. Daraufhin erklärte Karl Otto für vertragsbrüchig 29 , sammelte sein Heer und fiel in die Mark ein 30 . Der Krieg dauerte, mit Unterbrechung durch einen Waffenstillstand 31 , bis Juni/August 1973 und verursachte hohe Schäden in der Mark 32 . Otto wurde durch die Macht Karls eingeschüchtert. Am 15. August 1373 verzichtete er auf die Herrschaft in der Mark 33 . Er erhielt eine hohe Entschädigung 34 und die Anerkennung seines Kurrechts und der Erzkämmererwürde auf Lebenszeit 35 . Damit endete die Herrschaft der Wittelsbacher über die Mark.
3.3. Versuch der Sicherung und des Ausbaus der Herrschaft über die Mark 36
26 Böhmer, S. 319 Nr. 3938a u. 3939.
27 Böhmer, S. 343 Nr. 4219.
28 Die Frage über den Erwerb der Lausitz konnte von mir nicht eindeutig geklärt werden. Materna u. Ribbe, S. 142 behaupten, daß Karl die Lausitz, Spevcek, S. 87-88 spricht von der Niederlausitz, von Waldemar als Dank für die Belehnung mit der Mark Brandenburg erhielt. Dies ist jedoch weder bei Böhmer, noch bei den anderen Autoren belegt. Fischer, S. 33 behauptet, daß Ludwig die Oberlausitz bei der Belehnung durch Karl an diesen abtrat. Doch bei Böhmer, S. 98 Nr. 1223 u. Materna u. Ribbe, S. 143 wird die Lausitz wieder an Ludwig gegeben und ein Abtreten der Oberlausitz nicht erwähnt. Auch das genaue Jahr der endgültigen Erwerbung ist nicht genau definiert. Materna u. Ribbe, S. 144 u. Böhmer, S. 376 Nr. 4610a, behaupten, daß die Mark Lausitz 1367 von Karl gekauft wurde. Dagegen wurde bei Fischer, S. 45 nur die Niederlausitz und zwar 1368 gekauft. Bei Stoob, S. 117 wurde die Niederlausitz erst 1370 von Karl erworben.
29 Böhmer, S. 412 Nr. 4973.
30 Böhmer, S. 413 Nr. 4979a. Das Gleiche bei Materna u. Ribbe, S. 145. Für Fischer, S. 45 beginnen die Kämpfe schon 1370, ich habe dafür jedoch keine weiteren Beweise gefunden.
31 Böhmer, S. 414 Nr. 4993a.
32 Böhmer, S. 413 Nr. 4979 u. S. 432 Nr. 5209.
33 Böhmer, S. 430 Nr. 5219a.
34 Laut Böhmer, S. 430 Nr. 5219 u. Fischer, S. 46 500000 Gulden, von denen Karl 200000 bar, 100000 durch Landbesitz in der Oberpfalz, 100000 durch Ve rpfändungen und 100000 durch eine zehnjährige Rate bezahlte.
35 Böhmer, S. 433-34 Nr. 5220.
36 Materna u. Ribbe, S. 145-48
7
1373 hatte Karl die Mark für die Luxemburger erworben. Als nächstes mu ßten die Herrschaftsverhältnisse in der Mark geklärt werden. Karl belehnte seine minderjährigen Söhne mit dem Kurfürstentum 37 . Die endgültigen Absichten Karls zeigten sich jedoch erst im folgenden Jahr. Er wollte durch eine Erbvereinigung Böhmen und die Mark zu einem Herrschaftsbereich zusammenfassen. Somit hätte die Mark ihre Eigenständigkeit verloren. Dies verstieß jedoch gegen die Bestimmungen der, von Karl geschaffenen, „Goldenen Bulle“, denn sowohl die Mark, als auch Böhmen waren Kurfürstentümer, die nicht in eine Personalunion gebracht werden durften. Ein Zusammenschluß bedeutete entweder den Verlust der Kurstimme der Mark, oder die Erhöhung der Kurwürde des Königs von Böhmen auf 2 Stimmen. Bei beiden Entscheidungen hätte Karl Widerstand unter den anderen Kurfürsten zu befürchten gehabt. Karl hatte, zusätzlich zum Vertrag mit Otto, eine hohe Entschädigung für den Erwerb der Mark gezahlt, um sich mit den Wittelsbachern auszusöhnen 38 . Ein Vertragsbruch würde die Wittelsbacher erneut gegen ihn mobilisieren. Außerdem wäre die hohe Stellung von Böhmen von einige der Kurfürsten nicht akzeptiert worden. Sie hätten sich wahrscheinlich gegen Karl gestellt. Die innenpolitische Stellung Karls war jedoch noch nicht gefestigt 39 . Er wollte keinen Konflikt riskieren. Darum berief er eine Fürstenversammlung ein, um sich die Meinungen der anderen Fürsten zu seiner Politik einzuholen 40 .
Trotz dieser Schwierigkeiten machte Karl ein entscheidender Schritt in Richtung Erbvereinigung. Es gelang ihm die märkischen Städte für seinen Plan zu gewinnen, die in der Vereinigung mit Böhmen ihren wirtschaftlichen Vorteil sahen. Am 28. Mai 1374 erklärten die Stände Böhmens und der Mark auf einem gemeinsamen Landtag die Erbvereinigung 41 . Diese Entscheidung wurde dann von Karl auf einer Versammlung am 29. Juni in Tangermünde bestätigt. Die Urkunde Karls bezeugten 2 Kurfürsten, 2 Erzbischöfe, 7 Bischöfe und zahlreiche Fürsten Nord- und Ostdeutschlands 42 . Somit schaffte Karl einen, der „Goldenen Bulle“ widersprüchlichen, Status, den er bei veränderten Kräfteverhältnissen auszunutzen hoffte. Karl mußte jedoch auch einen Rückschlag einstecken. Als er die Erbvereinigung durch Papst Urban V. kirchlich absegnen lassen wollte, weigerte sich dieser. Möglicherweise hatte Urban schon die Ziele Karls durchschaut 43 . Nach der Wahl seines Sohnes Wenzel zum deutschen König 1376 änderte Karl scheinbar seine branden-
37 Böhmer,S. 436 Nr. 5263 u. Fischer, S. 46.
38 Spevacek, S. 164-65
39 Fischer, S. 48.
40 Spevacek, S. 165 u. Böhmer S. 439 Nr. 5295.
41 Böhmer, S. 444 Nr. 5357a.
42 Böhmer, S. 444-45 Nr. 5361.
43 Materna u. Ribbe, S. 146.
8
burgische Politik 44 . Wenzel entband als böhmischer König jedenfalls noch zu Lebzeiten Karls am 11. Juni 1378 die märkischen Stände von der Huldigung. Sein Bruder Sigismund versah dann die Aufgaben eines Markgrafen 45 .
4. Ziele und Auswirkungen der brandenburgischen Politik
Karls
4.1. Ziele der brandenburgischen Politik
Karls politisches Hauptziel war die Stärkung der Hausmacht 46 . Dazu mußten die luxemburgischen Besitzungen ausgebaut werden, um ein starkes Gegengewicht gegen die anderen Herrscherdynastien zu bilden. Bei diesem Ausbau richtete Karl seinen Augenmerk auf die östlichen Gebiete Deutschlands und verzichtete auf einen Machtausbau in Italien oder an der Grenze zum französischen Königreich 47 . Karls Vorhaben war es, eine Landverbindung von Böhmen bis zur Ostsee herzustellen 48 , wahrscheinlich um an dem lukrativen Seehandelsgeschäft teilzuhaben, wofür auch seine Einigungsversuche mit der Hanse sprechen 49 . Außerdem versuchte er vermutlich die Nord-Süd-Handelsstraßen, die vorher das Königreich Böhmen umgangen hatten, jetzt über sein Hausmachtsgebiet umzuleiten. Eine Zwischenstation stellte dabei die Mark Brandenburg dar. Ein weiteres wichtiges Ziel seiner Politik war die Errichtung einer Erbmonarchie. Um seinen Sohn Wenzel und dessen Nachkommen als deutsche Könige zu festigen, brauchte er die Zustimmung der Kurfürsten. Durch den Erwerb der Mark konnte er zwei Kurstimmen, nämlich die der Mark und die von Böhmen, bei zukünftigen Wahlen in luxe mburgischer Hand vereinen. Dazu kamen die Stimme des Kurfürsten von Sachsen, der traditionell auf luxemburgischer Seite stand und die Stimme des Mainzer Erzbischofs 50 . Mit diesem Übergewicht konnte er die anderen Kurfürsten leichter beeinflussen.
4.2. Auswirkungen der brandenburgischen Politik
44 Materna u. Ribbe, S. 147.
45 Materna u. Ribbe, S. 147.
46 Fischer, S. 41-42.
47 Fischer, S. 48.
48 Fischer, S. 44. Materna u. Ribbe, S. 145.
49 Spevacek, S. 109-10.
50 Spevacek, S. 164.
9
Für die Mark Brandenburg bedeutete die Herrschaft Karls eine Verbesserung der Lage. Seit der Herrschaft der Wittelsbacher verwüsteten innere Streitigkeiten zwischen den Adligen das Land. Auch die Konflikte mit dem „Falschen“ Waldemar und später zwischen Karl und den Wittelsbachern hatten dazu beigetragen. Die Regentschaft Karls bedeutete sichere Grenzen nach außen 51 . Im Innern der Mark wurde durch die Verkündigung eines Landfriedens 52 das Fehdewesen und die Räuberei zurückgedrängt, wovon vor allem die Bauern und Städtebürger profitierten 53 . Auch die innere Verwaltung wurde unter Karl verbessert. Kümmerten sich die Wittelsbacher noch wenig um innere Angelegenheiten, was z. B. Otto den Beinamen der „Faule“ eingetragen hatte 54 , entwickelte sich unter Karl langsam ein Beamtentum 55 . Eine weitere Errungenschaft Karls war das Landbuch, 1375 fertiggestellt 56 , welches einen guten Überblick über die Landbesitzverhältnisse im 14. Jh. gab. Des weiteren unterstützte das Landbuch auch die Verwaltung. Auch der weitere Ausbau des Verkehrswesens 57 , sowie der Städte, z. B. Tangermünde, war Karl zu zuschreiben 58 . Doch der Erwerb der Mark hatte auch eine negative Seite. Da Karl oftmals die Gebiete der Mark gegen hohe Entschädigungen auslösen, oder sie militärisch bezwingen mußte, belasteten diese Ausgaben seine Staatskasse 59 . Daher war er gezwungen immer mehr Steuereinnahmen, zumeist aus den brandenburgischen Städten, zu erhalten 60 .
Beenden möchte ich meine Hausarbeit mit einem Zitat, daß eine Aussage über die Wichtigkeit der Mark Brandenburg für Karl macht. „Die Bedeutung, die Karl der IV. seiner neuen Erwerbung beimaß, wird auch aus seiner Anwesenheit in der Mark ersichtlich. Schon von Februar bis Juli 1374 war er wieder hier, dann im Herbst 1375 und schließlich noch einmal von März bis November 1377“ 61 .
51 Stoob, S. 126-27.
52 Stoob, S. 383.
53 Materna u. Ribbe, S. 148.
54 Materna u. Ribbe, S. 144.
55 Stoob, S. 126-27.
56 Stoob, S. 120.
57 Stoob, S. 126-27.
58 Materna u. Ribbe, S. 148.
59 Materna u. Ribbe, S. 147.
60 Materna u. Ribbe, S. 148.
61 Materna u. Ribbe, S. 148.
Arbeit zitieren:
Steffan Schmidt, 1999, Erwerbung und Landausbau in der Mark Brandenburg, München, GRIN Verlag GmbH
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