C. O. / 15.04.01
Der Begriff der MEINUNG beschränkt sich hier auf Überzeugungen, auf Informationen, Wissen usw. bzgl. des Einstellungsobjektes. Der Begriff der VERHALTENSINTENTION beschreibt schließlich die Neigung zu einer bestimmten einstellungsrelevanten Verhaltensweise.
2 Stroebe S. 223
3 Stroebe S. 224
4 Stroebe S. 225
C. O. / 15.04.01 (3) Funktionen von Einstellungen
(3.1) Motivationale Funktionen
(3.1.1) ICH - Verteidigungsfunktion
Die ICH - Verteidigungsfunktion hilft dem Menschen sein Selbstwertgefühl zu verbessern und zu erhalten. In vielen Fällen dienen Einstellungen dazu, die persönlichen Probleme zu bewältigen. Katz greift hier auf Abwehrmechanismen der Psychoanalyse (Rationalisierung, Projektion) zurück. Einstellungen können demnach eine Rechtfertigung für negative Gefühle (z.B. Hass...) sein und zu Vorurteilen führen. Vorurteile gegenüber einer sozialen Gruppe werden somit als begründet angesehen. Der Sündenbock hilft, das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit zu überspielen (ICH - Verteidigung). Damit stellt das VORURTEIL eine Einstellung zur ICH -Verteidigung dar. Einstellungen bzw. Vorurteile entstehen damit als Folge eines innerpsychischen Konfliktes und dem Versuch, diesen abzuwehren.
(3.1.2) Wertausdrucksfunktion und Selbstverwirklichung (auch: Selbstdarstellungsfunktion) Nach Katz besitzen Individuen ein Bedürfnis eigene zentrale Wertvorstellungen und wichtige Komponenten des Selbstkonzeptes zu vermitteln. Eine bestimmte Einstellung wird zur positiven Darstellung der eigenen Person eingesetzt. Sie dient der Stärkung des Selbstbildes und der Selbstbestätigung. Solche Einstellungen werden in der Kindheit erlernt. Sie entstehen aus der Identifizierung mit den Eltern und anderen wichtigen Personen. Auch religiöse und ideologische Wertvorstellungen beruhen gewöhnlich auf dieser Funktion. Ein ganz wesentlicher Punkt ist die „Entwicklung des eigenen Standpunktes“. Geäußerte Einstellungen zielen in erster Linie auf die Bestätigung des eigenen Selbstbildes.
(3.1.3) Anpassungs- oder Nützlichkeitsfunktion -“Wes‘ Brot ich ess‘, des‘ Lied ich sing!“ Menschen streben nach positiven Erlebnissen und vermeiden negative Erfahrungen. Dies führt zu Lernprozessen, durch die Einstellungen entstehen. Man nimmt an, dass z.B. positive Einstellungen gegenüber Objekten erworben werden, wenn diese mit einer „Belohnung“ eng verknüpft sind. Eine Einstellung wird gelernt, aufrechterhalten und geäußert, weil das Individuum persönlichen Nutzen daraus ziehen kann oder unangenehme Folgen vermeiden kann. Beispiel: Die Äußerung einer bestimmten Einstellung im Beisein des Vorgesetzten ist darauf gerichtet, ihm gegenüber einen möglichst günstigen Eindruck zu machen. Einstellungen besitzen somit einen sozialen Anpassungswert.
(3.1.4) Wissens- oder Ökonomiefunktion
Diese Funktion entspringt dem Bedürfnis nach Sinngebung und Vereinfachung der nicht überschaubaren Lebensrealitäten. Einstellungen organisieren und strukturieren die Welt. Der Mensch strebt nach widerspruchsfreien Informationen (vgl. Kelly). Diese Konsistenz erzeugt im Individuum einen angenehmen, spannungsfreien Zustand. Einstellungen geben uns somit einen Orientierungsrahmen, Sicherheit und sichern die Handlungsfähigkeit. Wenn Einstellungen zu Widersprüchen führen, dann werden sie abgelegt. Was dem Menschen an Tatsachen unangenehm ist, das versucht er zu ignorieren (selektive Wahrnehmung). Einstellungen spielen auch eine wichtige Rolle bei der Bewertung und Einordnung von Informationen. Sie erleichtern die Aufnahme von Informationen, die zur jeweiligen Einstellung passen.
(3.2) Die Steuerung von Informationsverarbeitungsprozessen durch Einstellungen
Es gibt drei theoretische Ansätze:
C. O. / 15.04.01 (4) Dissonanztheorie n. Festinger
Personen sind im allgemeinen motiviert, einstellungskongruente und einstellungskonsonante Informationen aktiv aufzusuchen. Einstellungskonträre und dissonante Informationen werden aktiv vermieden. Dadurch wird eine getroffene Entscheidung oder eine Einstellung stabilisiert. Um kognitive Dissonanz zu vermeiden, wird eine Person in der Regel dissonante Informationen vermeiden.
(4.1) Grundannahmen und Begriffe der Dissonanztheorie
• Personen sind um Gleichgewicht in ihrem kognitiven System bemüht, d.h. sie streben konsistente
Beziehungen an zwischen den einzelnen Kognitionen sowie zwischen Kognition und Verhalten.
• Unter Kognitionen versteht Festinger Einstellungen, Vorstellungen, Wissen...
• Kognitive Elemente können relevant oder irrelevant sein. Irrelevante Kognitionen sind
voneinander unabhängig und treten zusammenhangslos auf. Zwei Kognitionen stehen in relevanter Beziehung, wenn sie inhaltlich etwas miteinander zu tun haben.
• Dissonanz besteht zwischen zwei Kognitionen in relevanter Beziehung, wenn zwei Elemente
wiedersprechen („Ich rauche!“ - „Rauchen erzeugt Krebs!“). Man sagt, der Widerspruch erzeugt einen kognitiven Spannungszustand, die „kognitive Dissonanz“. Dieser Zustand erzeugt einen Druck in Richtung Verminderung der Dissonanz.
• Bei einer konsonanten Beziehung passen die beiden Elemente widerspruchslos zusammen.
(4.2) Annahmen über Konsonanz und Dissonanz
• Der Mensch strebt nach Konsonanz
• Kognitive Dissonanz motiviert den Menschen die Dissonanz zu verringern und Konsonanz
herzustellen
• Wenn Dissonanz besteht, dann wird die Person aktiv Situationen vermeiden, die die Dissonanz
vergrößern könnten.
• Je stärker die kognitive Dissonanz, desto größer ist die erlebte Spannung und desto stärker ist der
Druck zur Reduktion der Dissonanz.
•
Konsonanz wird in drei Fällen angestrebt:
ÆÆ
Zwischen verschiedenen Einstellungen
•
Das Ausmaß der Dissonanz ist abhängig von:
ÆÆ
Dem Verhältnis dissonanter zu konsonanten Elementen
• Um dissonante in konsonante Informationen umzuwandeln, sind drei Strategien möglich:
• Personen neigen dazu, sich auch dissonanten Informationen auszusetzen, wenn
C. O. / 15.04.01
(5) Verhaltenssteuerung durch Einstellungen
Die Studie von LaPiere (1934) wird häufig als Beleg für die fehlende Konsistenz zwischen Einstellungen und Verhalten zitiert (Versuch mit Chinesen in Hotels 5 ). Seine Ergebnisse führten zu einer pessimistischen Sicht der Möglichkeit, dass man Einstellungen durch Verhalten voraussagen könnte. Daher stellte man in den 60er Jahren die Frage anders: „Unter welchen Umständen besteht ein Zusammenhang zwischen Einstellungen und Verhalten?“.
(5.1) Übereinstimmung von Einstellungs- und Verhaltensmessungen
In vielen Studien wurden Einstellungen in sehr allgemeiner Form erfasst, das Verhalten hingegen in sehr spezifischer. Eine enge Beziehung zwischen Verhalten und Einstellungen kann deshalb nicht erwartet werden. Daher muss man spezifische Einstellungen mit spezifischem Verhalten in Beziehung setzen und vergleichen. Sowohl Einstellungen als auch Verhaltensweisen können in Bezug auf vier Aspekte untersucht werden:
Eine enge Beziehung zwischen Einstellungen und Verhalten kann nach Ajzen und Fishbein nur dann erwartet werden, wenn beide Maße in ihrem Spezifikationsgrad übereinstimmen. Als Beleg dafür fanden die beiden in Versuchen heraus, dass signifikante Korrelationen zwischen Einstellungen und Verhalten sich nur dann fanden, wenn beide Konzepte vergleichbar spezifisch erfasst worden waren.
(6) Zusammenhang von Einstellung und Verhalten: PSK - Faktoren
(7) Andere Modelle der Beziehung zwischen Einstellung und Verhalten 6
(7.1) Die Theorie des geplanten Verhaltens von Ajzen (1991)
Hier geht man davon aus, dass die Verhaltensintention drei unmittelbare Ursachen hat:
• Einstellung zum Verhalten
• Subjektive Normen
• Subjektive Kontrolle über das Verhalten (bewusste Verhaltenskontrolle)
5 vgl. Stroebe S. 238
6 Hier wird nur die Theorie des geplanten Verhaltens dargestellt. Im Stroebe auf S. 247 -249 finden sich weitere Theorien.
C. O. / 15.04.01
Der unmittelbare Bestimmungsfaktor für das Verhalten ist die Intention.
Die drei Faktoren der Intention können sich wechselseitig beeinflussen und nehmen Einfluss auf die Verhaltensintention und letztlich auf das konkrete Verhalten.
Die erste Variable ist die EINSTELLUNG ZUM VERHALTEN und betrifft die positive oder negative Bewertung der eigenen Ausführung des Verhaltens. Diese Einstellung ist auch eine Erwartung, dass das Verhalten mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit zu einer bestimmten Konsequenz führt. Die Einstellung zum Verhalten lässt sich vorhersagen, indem man WERT- UND
ERWARTUNGSKOMPONENTEN multipliziert und die erhaltenen Produkte zusammenzählt. Man spricht daher auch von einem Erwartungswert-Modell.
Das zweite Bestimmungsmerkmal ist die SUBJEKTIVE NORM. Dies betrifft den wahrgenommenen Druck das Verhalten ausführen zu müssen oder nicht. Die subjektive Norm wird bestimmt durch NORMATIVE MEINUNGEN und die MOTIVATION DER PERSON, SICH ENTSPRECHEND ZU VERHALTEN.
Die DRITTE VARIABLE besagt, inwieweit man sein VERHALTEN UNTER KONTROLLE hat und davon überzeugt ist, es auch ausführen zu können. Hierunter fallen Faktoren wie: Fähigkeiten, Ressourcen, Willensstärke...
Selbstdisziplin und Willensstärke sind wichtig um die Verhaltensziele zu erreichen. Menschen mit hoher Willenskraft und Selbstdisziplin besitzen eine hohe Kontrolle über ihr Verhalten. Sie werden daher auch bei positiven Einstellungen und subjektiven Normen eher entsprechende Verhaltensintentionen entwickeln. Sie sind dann auch in der Lage gefasste Verhaltensintentionen in tatsächliches Verhalten umzusetzen.
Neuere Modelle fügen dem Konzept von Ajzen weitere Komponenten wie Gewohnheit, wahrgenommene moralische Verpflichtung usw. hinzu. Diese Komponenten haben in der Tat starken Einfluss auf das Verhalten. Sie können die Beziehung zwischen Einstellung und Verhalten stärken oder schwächen. Verhaltensentscheidungen sind jedoch nicht immer Folge rationaler Informationsverarbeitung.
Arbeit zitieren:
Christoph Obermeier, 2001, Einstellungen Teil I - Struktur, Messung, Funktion, München, GRIN Verlag GmbH
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