2
und Schnelligkeit die Möglichkeiten, zu mehr Genauigkeit zu kommen durch bessere Ausbildung der Durchführenden, bessere Kontrollmöglichkeiten in der
Untersuchungsdurchführung und effektivere Mittel zum sorgfältigen Umgang mit den Daten, Vermeidung und Korrekturmöglichkeit von Datenfehlern (Fehlerkorrektur ist durch die kleinere Anzahl von Einheiten leichter möglich) sowie Durchführung von destruktiven Tests (das Untersuchungsobjekt wird verändert, so daß die Untersuchung der gesamten Grundgesamtheit unsinnig würde). 1 Auch kann bei Teilerhebungen mehr Sorgfalt auf die Merkmalseinheiten einer Stichprobe verwendet werden. Allerdings sind Teilerhebungen nicht sinnvoll bei kleinen und heterogen Populationen, da die Genauigkeit leidet und die Kosten einer Vollerhebung nur wenig über denen der Teilerhebung liegen. 2
Auswahlverfahren als Fehlerquelle im empirischen Forschungsablauf Die Art des Auswahlverfahrens für die Stichprobenkonstruktion ist für das spätere Ergebnis der ganzen Erhebung von ausschlaggebender Bedeutung. Es können nicht nur einzelne Fehler in das Ergebnis eingebaut werden wie dies zum Beispiel bei der späteren Datenerfassung durch Flüchtigkeitsfehler der Fall sein kann, sondern die ganze Stichprobe kann systematische Fehler enthalten, indem Verfahren angewandt werden, die (mit einer hohen Wahrscheinlichkeit) die Grundgesamtheit nicht adäquat abbilden. So kann die Stichprobe unbemerkt ein Resultat liefern, das nicht der Grundgesamtheit entspricht, ohne daß eine spätere Korrektur ohne vollständig neue Erhebung möglich ist. Hieraus läßt sich die Bedeutung und Tragweite des an dieser Stelle zu behandelnden Themas erkennen.
In dieser Arbeit wird im zweiten Abschnitt die Repräsentativität von Stichproben erörtert. In den folgenden Abschnitten werden dann die Sonderformen der Zufallsauswahl und Quotaverfahren vorgestellt und diskutiert.
2. Repräsentativität von Stichproben
In der empirischen Sozialforschung soll die Stichprobe die Erhebungsergebnisse abbilden, die den Ergebnissen einer Vollerhebung so nah wie möglich kommen. Erfüllt sie dieses Gütekriterium, versteht man hierunter eine repräsentative Stichprobe. Repräsentativität stellt somit das Gütekriterium für eine Teilerhebung dar.
Bei der Zufallsauswahl kann jedes Glied der Grundgesamtheit (n) mit der gleichen mathematischen Wahrscheinlichkeit (p = probability) in die Stichprobe fallen (x = Stichprobe):
1 Ebd. S. 254-255.
2 Vgl. Jürgen Bortz: Lehrbuch der empirischen Forschung, Berlin 1984, S. 240 f.
3 Siehe Karl-Heinz Hillmann: Wörterbuch der Soziologie, Stuttgart 1994, S. 734.
3
Dies ist die theoretische Grundlage für die Repräsentativität von Stichproben. (Auf das Prinzip der Zufallsauswahl muß zurückgegriffen werden, wenn die verschiedenen Auswahlverfahren der Wahrscheinlichkeitsauswahl betrachtet werden.) Neben der einfachen Zufallsauswahl gibt es aber noch andere Verfahren, die eine adäquate Auswahl einer Stichprobe gewährleisten sollen. Friedrichs stellt für eine Stichprobe vier Kriterien auf, die erfüllt werden müssen.
Die Forderung (1) wird auch erfüllt, wenn die Stichprobe nicht über Zufallsverfahren bestimmt wird, sondern die Repräsentativität der Erhebung anders erreicht wird: Hängt das zu untersuchende Merkmal mit einem anderen, bekannten Merkmal zusammen, so muß das bekannte (homogene) Merkmal in der Stichprobe die gleiche Zusammensetzung aufweisen wie in der Population. Entspricht die Stichprobe der Population in den kovariierenden Merkmalen, so ist die Stichprobe merkmalsspezifisch repräsentativ. 5 Da andere Merkmale nicht mit dem bekannten Vergleichsmerkmal korrelieren müssen (sie sind heterogen), ist die Stichprobe nicht universal repräsentativ. Dennoch kann Forderung (4) erfüllt werden, ohne daß jedes Element der Grundgesamtheit einzeln identifizierbar sein muß.
Zur hier benutzten Bedeutung des Begriffs Repräsentativität
Schnell, Hill und Esser formulieren Repräsentativität allerdings in einem engeren Rahmen:
4 Siehe Jürgen Friedrichs: Methoden empirischer Sozialforschung, Hamburg 1973, S. 125.
5 Vgl. Jürgen Bortz: Lehrbuch der empirischen Forschung, Berlin 1984, S. 242 f.
6 Repräsetationsschluß: es können Verallgemeinerungen von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit vorgenommen werden.
7 Vgl. Rainer Schnell, Paul B. Hill und Elke Esser: Methoden der empirischen Sozialforschung, München 1995, S. 286.
4
Gegenüber der reinen Zufallsstichprobe sind also alle anderen Stichproben verzerrt und daher nicht repräsentativ. 8 Der Begriff der Repräsentativität soll nun im folgenden für Zufallsstichproben gelten, während gesteuerte Auswahlverfahren bei gegebenen Voraussetzungen als merkmalsspezifisch repräsentativ angeprochen werden. Damit können auch bewußte Auswahlen die Kriterien an eine Stichprobe von Friedrichs erfüllen.
3. Stichprobenkonstruktion
Veranschaulicht wird das Prinzip der einfachen Zufallsauswahl durch das Ziehen der Lottozahlen. Auch hier hat jede Kugel die gleiche Chance, gezogen zu werden. Und erst wenn jedes Element der Grundgesamtheit bekannt ist, kann ein chancengleiches Verfahren angewendet werden. Für so ein Verfahren müßte die zu erfassende Population immer vollständig bekannt sein (was in der empirischen Sozialforschung rein technisch kaum durchgehend eingehalten werden kann). Dies ist in der Praxis oft nicht ohne großen Aufwand oder Umformung der Erhebungs-Gesamheit (z. B. statt aller tatsächlichen Bewohner einer Stadt alle im Melderegister einer Stadt vermerkten Bewohner 9 ) der Fall.
Der bewußten Auswahl liegen im Gegensatz zu Zufallsstichprobe lediglich Überlegungen zur Steigerung der Genauigkeit der Stichprobe für die Stichprobenziehung zugrunde. Mit der Abwendung von bestimmbaren
Wahrscheinlichkeiten für die Aufnahme in eine Stichprobe werden auch die für die Zufallsstichprobe formulierten mathematischen Modelle hinfällig. Wie genau die Stichprobenergebnisse für die Grundgesamtheit (Übertragbarkeit auf die Population) dann letztendlich werden, hängt neben der Variabilität der untersuchten Merkmale und der Größe die Stichprobe 10 auch vom Auswahlverfahren ab.
In dieser Arbeit soll bzw. kann kein vollständiger Überblick über alle Auswahlverfahren gegeben werden. Neben der Stichprobenkonstruktion mit Hilfe des Zufallsprinzips (Wahrscheinlichkeitsauswahl) sollen auch zwei nicht zufallsgesteuerte, sondern bewußt gesteuerte Auwahlverfahren, Quota- und Schneeballverfahren, betrachtet werden.
3.1 Zufallsauswahl
In der Zufallsauswahl (Wahrscheinlichkeitsauswahl) wird das Prinzip der Chancengleichheit aller Elemente der Grundgesamtheit wirksam, alle Elemente können mit der gleichen Wahrscheinlichkeit in die Stichprobe aufgenommen werden. Im einfachsten Modell ist dieses Auswahlverfahren die reine Zufallsauswahl (simple random sample).
Böltken 11 unterscheidet innerhalb dieser die Arten, in welcher Form die Elemente der Grundgesamtheit definiert sind; in Form einer Liste oder in Form ihrer geographischen
8 Ebd. S. 287f.
9 Dies würde z. B. in einer Universitätsstadt zur Unterrepräsentation der Studenten führen, da ein größerer Teil dieser ihren ersten Wohnsitz für die Zeit des Studiums im Heimatort belassen.
10 Vgl. Stefan Althoff: Auswahlverfahren in der Markt-, Merinungs- und empirischen Sozialforschung, Pfaffenweiler 1993, S. 25.
5
Lage. Nun ist es möglich, alle Stichprobeneinheiten per Los oder Zufallszahlen zu bestimmen oder nur die erste auf diese Weise zu ermitteln, um dann aus den durchnumerierten Elementen der Grundgesamtheit in regelmäßigen Abständen systematisch die Stichprobenelemente zu entnehmen. Mit Hilfe von Begehungsplänen 12 , die Anweisungen geben, welcher Weg durch z. B. ein Stadtviertel gegangen werden soll 13 , ist beim Zufallsweg eine gleichzeitige Erfassung der Grundgesamtheit (in diesem Fall Wohneinheiten), Durchnumerierung und Stichprobenentnahme möglich, ohne daß die Wahrscheinlichkeitsauswahl verlassen wird.
Wie die Zufallsauswahl variiert werden kann, sieht man, wenn der Auswahlvorgang nun nicht mehr nur aus einem Schritt besteht, sondern komplexer wird.
3.1.1 Geschichtete Zufallsstichprobe
Das Grundprinzip der geschichteten Zufallsstichprobe beruht auf der Einteilung der Grundgesamtheit in verschiedene Schichten, so daß aus allen Teilmengen der Population dann die Zufallsstichproben entnommen werden können. Dabei wird jedes Element der Population genau einer Teilmenge zugeordnet.
Durch die Schichtung soll eine größere Genauigkeit der Stichprobe erreicht werden. Grundlage hierfür ist die Annahme, daß das Schichtungsmerkmal, nach dem die Teilmengen unterschieden werden, mehr oder weniger mit dem Untersuchungmerkmal zusammenhängt. Daraus ergibt sich, daß die Teilmengen in bezug auf das Untersuchungmerkmal mehr oder weniger homogen sind. Da gleichmäßig aus allen Teilmengen Stichproben gezogen werden, muß folglich die Variabilität des Untersuchungmerkmals sinken. Die Stichprobe wird genauer. 14
Wird auf sozialwissenschaftlichem Gebiet geforscht, bieten sich biographische und soziodemographische Merkmale als Schichtungskriterien an. 16 Bei der geschichteten Zufallsstichprobe fallen nun zusätzlich für die verschiedenen Schichten Zufallsstichproben der Teilpopulationen als ‚Nebenprodukt‘ an, was (bei gleicher Stichprobengröße wie in der reinen oder einfachen Zufallsauswahl) einen zusätzlichen Vorteil für die geschichtete Stichprobe bilden kann. Allerdings müssen auch möglichst Kenntnisse über die Schichtungsmerkmale vorliegen
11 Siehe Ferdinand Böltken: Auswahlverfahren, Stuttgart 1976, S. 158.
12 Ebd., S. 188 - 192.
13 Beispiel für einen Begehungsplan: Jede elfte Wohnung auswählen. Vom Startpunkt aus auf der rechten Straßenseite alle Wohnungen berücksichtigen. Die zweite Kreuzung links abbiegen, auf der linken Seite gehen, die nächste Kreuzung rechts, rechte Straßenseite u.s.w.
14 Vgl. Stefan Althoff (1993), S. 52.
15 Bortz (1984), S. 298.
16 Vgl. ebd. S. 284.
6
Proportionale Schichtung
Bei der proportional geschichteten Stichprobe wird aus jeder Teilpopulation entsprechend ihrem Anteil an der Grundgesamtheit eine Stichprobe gezogen. Jedes Element der Grundgesamtheit hat also immer noch die gleiche Wahrscheinlichkeit, in die Stichprobe aufgenommen zu werden (x = Gesamtstichprobe, xi = Stichprobe in der Teilpopulation, n = Umfang der Grundgesamtheit, ni = Umfang der Teilpopulation):
xi = x • ni / n
Disproportionale Schichtung
In einer disproportional geschichteten Zufallsstichprobe sind einzelne Schichten zu einem größeren oder kleineren Teil, als es ihrem Anteil an der Gesamtpopulation entspricht, in der Stichprobe vertreten. Die Auswahlwahrscheinlichkeit für alle Elemente der Population ist nun nicht mehr gleich. Um dies auszugleichen, müssen die unterrepräsentierten Schichten der Stichprobe dementsprechend höher, die überrepräsentierten Schichten schwächer gewichtet werden (reziproke Gewichtung). Dieses Verfahren erlaubt Spielräume bei der Stichprobengröße in verschiedenen Bereichen der Grundgesamtheit und damit mehr Flexibilität; innerhalb der regulären Stichprobe kann zum Beispiel mehr über eine bestimmte Teilmenge der Population erfahren werden. Auch bietet sich die disproportionale Schichtung an, wenn bereits bekannt ist, daß eine Schicht besonders heterogen (in Bezug zum Untersuchungsmerkmal) in sich ist. Der Unsicherheitsfaktor der Ergebnisse der Teilerhebung wird so herabgesetzt.
Optimale Schichtung
Um steuernd auf die Genauigkeit der Ergebnisse von Zufallsstichproben einzuwirken, wird in der geschichteten Stichprobe angestrebt, die Grundgesamtheit in Teilpopulationen aufzuteilen, die homogener sind als die Grundgesamtheit selbst. Wenn nun also Stichproben aus homogeneren Populationen genauer werden, erscheint es sinnvoll, die Stichprobengröße der Teilpopulationen von deren Homogenität abhängig zu machen, um dann entsprechend der Größe der Teilpopulationen in Bezug zur Grundgesamtheit zu gewichten . Da der Grad der Homogenität nur zu schätzen ist (wäre er bekannt, so würde eine Erhebung kaum mehr not tun), ist auch dieses Verfahren (trotz der Bezeichnung „optimal“) nicht als perfekt zu bezeichnen.
3.1.2 Klumpenstichprobe
Die Klumpenstichprobe oder cluster sample ist wiederum eine zweistufige Auswahl, allerdings werden im ersten Schritt nun keine möglichst in sich homogenen Schichten bestimmt, sondern Gruppen in der Population (bzw. Klumpen), die im Vergleich zur Schicht in der Regel kleiner sind. Aus allen Klumpen (Teilpopulationen) werden dann einige Klumpen durch Zufallsauswahl bestimmt (und nicht wie in der geschichteten Stichprobe alle Teilmengen (Schichten) berücksichtigt). Innerhalb dieser Klumpen wird auf der zweiten Stufe eine Vollerhebung 17 durchgeführt. Die Untersuchungseinheiten dieser untersten Ebene sind die Gruppenmitglieder bzw. Elemente, aus denen die
17 Innerhalb des Klumpens ist aber auch eine Zufallsauswahl als Variation der Klumpenstichprobe denkbar.
7
ausgewählten Klumpen zusammengesetzt sind.
Population in etwa repräsentiert. Ist dies der Fall, brauchen nur wenige Klumpen vollständig erhoben zu werden, um eine repräsentative Stichprobe zu erhalten (da ja ein Klumpen im Prinzip ein verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit ist).
Um die Chancengleichheit für jedes Element der Population aufrechtzuerhalten, braucht bei der Klumpenstichprobe nicht jedes Element genau definiert zu sein. Dafür müssen alle Klumpen der Population in einer Liste enthalten sein, damit die Zufallsauswahl aus ihnen durchgeführt werden kann. Die einzelnen Einheiten aus den ausgewählten Klumpen werden dann bei der Vollerhebung automatisch erfaßt, so daß diese dann auch definiert sind.
Die Ermittlung der Stichprobe wird zwar erleichtert (oder erst möglich, wenn die Elemente der Grundgesamtheit nicht bekannt sind), da nur die Klumpen in der Grundgesamtheit bekannt sein müssen (hinzu kommt die vereinfachte Durchführung, da beispielsweise weniger oft der Ort der Merkmalserhebung gewechselt werden muß, wenn sich ein Klumpen an einem Ort befindet), die Voraussetzung der Heterogenität in bezug aufs Untersuchungsmerkmal der Klumpen darf aber nicht verletzt werden. Denn wenn die Klumpen in bezug auf das Untersuchungsmerkmal homogen sind, erhält man ein völlig falsches Untersuchungsergebnis. Die Stichprobe ist nicht mehr repräsentativ.
3.1.3 Mehrstufige Zufallsauswahl
Die beschriebenen Auswahlverfahren können auch kombiniert werden, indem verschiedene Auswahlen hintereinander geschaltet werden. In mehreren Schritten (Stufen) wird eine Stichprobe gezogen, die dann wiederum als Grundlage für eine Stichprobe dient. Auch wenn das Verfahren mit den verschiedenen oben vorgestellten Zufallsstichproben einige Male, über mehrere Stufen, wiederholt wird, handelt es bei der am Ende erzielten Stichprobe immer noch um eine Zufallsstichprobe. 19 Mehrstufige Auswahlen sind natürlich auch mit Nicht-Zufallsauswahlen möglich.
18 Nach Bortz (1984), S. 300.
19 Vgl. Helmut Kromrey: Empirische Sozialforschung, Opladen 1986, S. 159.
8
3.2 Bewußte Auswahl
Im Folgenden sollen zwei bewußte Auswahlen vorgestellt werden. Wenn der Anspruch auf Repräsentativität beinhalten und dennoch auf das Prinzip der gleichen mathematischen Wahrscheinlichkeit (der Populationseinheiten für die Aufnahme in die Stichprobe) verzichtet wird, so müssen in der bewußten Auswahl Systematiken gebraucht werden, die in die Stichprobe einzubauen sind. Der Effekt, der hiermit beabsichtigt wird, ist der gleiche wie der in der geschichteten Stichprobe (analog siehe Kapitel 3.1.1) mit der Einteilung der Population in zum Untersuchungsmerkmal homogene Teilpopulationen (Schichten) mit dem Unterschied, daß aus den Schichten keine Zufallsstichproben entnommen werden, sondern willkürlich herausgegriffene Elemente der Schichten bzw. Systematiken die Stichprobe zusammensetzen. Natürlich muß auch hier die relative Größe der verschiedenen Schichten bekannt sein 20 , um die Schichten entsprechend zu gewichten.
Bereits vor der Teilerhebung muß möglichst genaues Wissen über den Zusammenhang von Schichtungsmerkmal und Untersuchungsmerkmal vorhanden sein, damit ein Schichtungsmerkmal mit möglichst hoher Korrelation ausgesucht wird und merkmalsspezifische Repräsentativität herrscht (siehe Kapitel 2. Repräsentativität von Stichproben).
3.2.1 Quotaverfahren
Die Schichtung der Grundgesamtheit, die den hier bespochenen bewußten Auswahlverfahren zugrundeliegt, ergibt sich aus den zu Beginn festzulegenden Schichtungsmerkmalen (eines oder mehrere). Abhängig vom Anteil der einzelnen Schichten an der Grundgesamtheit werden nun für die Schichtungsmerkmale Quoten vergeben (wiederum analog zu Kapitel 3.1.1). Die Personen, die die Erhebung durchführen (zweite Stufe der Stichprobenauswahl), können sich nun die Elemente der Population, die in die Stichprobe aufgenommen werden, frei aussuchen, abgesehen davon daß die Quote erfüllt werden muß.
Nach Böltken (1976), Seite 27, „nimmt die Quotenauswahl besonders in der kommerziellen Meinungsforschung eine Vormachtsstellung ein“. Der große Vorteil der Quotaverfahren ist deren Wirtschaftlichkeit; die einfache Durchführbarkeit und Schnelligkeit. Die Definition der einzelnen Elemente der Grundgesamtheit ist nicht nötig, Quotenpläne können recht schnell erstellt werden und die Durchführung ist vereinfacht, deshalb ist das Verfahren billiger als Zufallsstichproben und auch für die kurzfristigen aktuellen Fragestellungen besonders in Betracht zu ziehen. Allerdings sind keinerlei Berechnungen über den Grad der Repräsentativität der Stichprobe möglich, Kontrolle des Verfahrens ist nicht möglich (wie z. B. über den eventuell verzerrenden Einfluß der durchführenden Personen auf die Stichprobe). 21
3.2.2. Schneeballverfahren
20 Zum Beispiel aus Daten der statistischen Jahrbücher (Atteslander (1995), S. 319).
21 Vgl. Böltken (1976), S. 388 f.
9
Schnell, Hill und Esser (1995), Seite 282, formulieren das Schneeballverfahren allgemein als Verfahren, bei dem „ausgehend von einer Person die von dieser benannten Personen befragt werden“, d.h. eine befragte Person nennt weitere Personen, die nun wiederum befragt werden können. Das System kann sich wie ein Schneeball immer weiter vergrößern.
Beispiel für das Schneeballverfahren: Beim Schneeballverfahren können Quoten für Merkmale genauso wie im Quotenverfahren eingesetzt werden. Dann gelten auch im Schneeballverfahren die Prinzipien der Quotaverfahren. Bei der Erhebung werden die vorgegebenen Quoten dagegen nicht mehr erfüllt, indem die Elemente der Stichproben wahllos bestimmt werden (wie in einfachen Quotenverfahren), sondern (per Zufall oder willkürlich) zuerst nur eine Person (Untersuchungseinheit) für eine zu erfüllende Quote ermittelt wird. Diese Person erteilt dann Auskunft über weitere geeignete Untersuchungseinheiten (Freunde, Bekannte, Verwandte etc.), die in die Stichprobe aufgenommen werden können. Diese erteilen anschließend wiederum Auskunft usw., bis die Quoten erfüllt sind. Das Schneeballverfahren ist nicht auf Quotaverfahren beschränkt.
Schneeballverfahren sind besonders zweckmäßig für die Ermittlung von Mitgliedern seltener Populationen (nachdem man ein Mitglied ermittelt hat, kann eventuell dieses die Suche nach weiteren Mitgliedern erleichtern). Die Untersuchung von sozialen Netzwerken wie Freundschaften bietet sich entsprechend an (denn nur die Betroffenen selbst haben Kenntnis über die sozialen Netzwerke).
4. Vergleich der Auswahlverfahren
Hier sollen die Auswahlverfahren nach zwei Kriterien verglichen werden: • inwieweit können die Ergebnisse der Stichprobe auf die Population
übertragen werden und
• wie verhält es sich mit der praktischen Anwendbarkeit der Verfahren?
Die verschiedenen Auswahlverfahren (das Schneeballverfahren als Spezialfall, siehe Kapitel 3.2.2, wird nicht in den Vergleich aufgenommen) streben Repräsentativität mit unterschiedlichen Strategien an. Wenn man von der einfachen Zufallsstichprobe ausgeht, versuchen die geschichtete Stichprobe und das Quotaverfahren, durch die Unterscheidung homogener Teilpopulationen und Berücksichtigung aller dieser Teilpopulationen in der Stichprobe, zu einer genaueren Abbildung der Grundgesamtheit durch die Stichprobe zu kommen. Die Klumpenstichprobe versucht dies mit der Unterscheidung heterogener Teilpopulationen, wobei einige wenige Teilpopulationen, allerdings diese vollständig, eine große Genauigkeit erreichen sollen. Die Überlegenheit über die einfache Zufallsstichprobe wird allerdings nur wirksam, wenn die Ausgangsbedingung existiert, daß besonders homogene oder heterogene Teilpopulationen zu unterscheiden sind. Allerdings bildet die Tatsache einen erheblichen Unsicherheitsfaktor, daß der Grad der jeweiligen Homogenität oder Heterogenität ohne Vollerhebung eigentlich nicht bestimmbar ist. Das Fehlen des Wahrscheinlichkeitsprinzips der Elemente der Population für die Aufnahme in die Stichprobe ist ein deutlicher Schwachpunkt des Quotenverfahrens.
Auch die Anwendbarkeit ist von den Begleitumständen der Erhebung abhängig. Die Zufallsstichprobe wird sehr erleichtert, wenn die Elemente der Grundgesamtheit schon definiert und in Form einer Liste vorhanden sind. Ist dies nicht der Fall, hat die
10
Klumpenstichprobe bereits einen wirtschaftlichen Vorteil, da nur die Klumpen, nicht aber die Elemente der Grundgesamtheit definiert sein müssen. Die aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten effektivste Stichprobe ist aber das relativ unkompliziert durchzuführende Quotenverfahren.
Je nachdem welche Grundvoraussetzungen für eine Stichprobe gegeben sind, was für welche Merkmale überhaupt erfaßt werden sollen und ob mehr Wert auf die mathematisch erfaßbare Genauigkeit oder die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens gelegt wird, kann die Wahl des Auswahlverfahrens anders aussehen.
6. Literaturverzeichnis
Althoff; Stefan: Auswahlverfahren in der Markt-, Meinungs- und empirischen Sozialforschung, Pfaffenweiler 1993
Atteslander, Peter: Methoden der empirischen Sozialforschung, Berlin; New York 1995 Böltken, Ferdinand: Auswahlverfahren, eine Einführung für Sozialwissenschaftler, Stuttgart 1976
Bortz, Jürgen: Lehrbuch der empirischen Forschung, Berlin 1984 Friedrichs, Jürgen: Methoden empirischer Sozialforschung, Opladen 1973 Hartmann, Helmut: Stichproben, in: Roth, Erwin (Hrg.): Sozialwissenschaftliche Methoden, München 1995, Seite 204 - 225 Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie, Stuttgart 1994 Kromrey, Helmut: Empirische Sozialforschung, Opladen 1986
Schnell, Rainer, Hill, Paul B., Esser, Elke: Methoden der Empirischen Sozialforschung, München 1995
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al schnell hill esser et
Auswahlverfahren Quotaverfahren Stichprobenkonstruktion.
wenn schon auf den ersten Seiten der Begriff der Repräsentativität erklärt wird, sollte doch wenigstens ueber das durchschnittliche Denken der Standardumfrage hinausgegangen werden, die auf wissenschaftlicher Grundlage meist sowieso nicht entsprechend ausgeführt werden.
Somit ist die Erläuterung der Repräsentativität falsch, bzw. irrelevant auf die Daten.
Entweder es handelt sich um eine Stichprobe nach wissenschaftlichen Maßstäben oder nicht.
Der Begriff der REpräsentativität ist somit irrelevant und dient nur politischen bzw. normativen Kriterien.
Soviel zur Grundlage.
am Friday, September 21, 2001-