1. - Jugend 2000 - (13. Shell Studie)
Die Gesellschaft leidet an den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, weil die natürlich schuld sind am „Moral- Desaster“: Sie schaden der Gesellschaft als „Konsumkids“, „Spassversessene“, „bindungslose Hedonisten“, ,,Cyber- Junkies“ mit Hang zu „Egoismus“ und „virtuellem Umherschweifen“, „Gewaltbereitschaft“, „politischem Desinteresse“, „Institutionenflucht“, und was es sonst an Schlagwörtern für die vermeintlichen Begleiterscheinungen von Individualisierung und Mediatisierung zu verwursten gibt.
Oder die Gesellschaft leidet mit den „gehetzten“ „heimatlosen“ „Einzelkämpfern“, weil sie arm dran sind, ausgesetzt den sozialen Auswirkungen unserer modernen Daseinsweise am „Ende der Moral“: schulischer Leistungsdruck und dennoch vielleicht später Chancenlosigkeit; Nebenjobs, um dem alltäglichen Konsumdruck standzuhalten, um in Outfit und medialer Ausstattung dazuzugehören, Fettleibigkeit, motorische Verkümmerung und seelische Vereinsamung in obligaten Fernseh- und Computerstunden, verworrene Familienverhältnisse, mehrfache Wohnortwechsel, Versorgungslücke und was es sonst an psychosozialen und ökonomischen Verunsicherungen zu meistern gilt.
(Shell Jugendstudie: Jugend 2000 - Moderne Orientierungsmuster: Inflation am „Wertehimmel“, Seite 95, hrsg. v. Jugendwerk der Deutschen Shell. Opladen 2000)
„Die empirischen Versuche der letzten Dekade, eingeschlossen die der Shell Jungendstudien, Wertestrukturen zu erfassen und abzubilden, sind folgerichtig gescheitert.“
Die Gründe dafür sind immer schneller wachsende soziale Kontexte, in denen Zugehörigkeiten und Konturen verschwimmen und die Unsinnigkeit überdauernder Zuordnungen, welche stetig wachsen.
Wie aber sieht der neue Kompass für den persönlichen Wertekosmos aus ?
Werte sind Vorräte an gesellschaftlich und persönlich Wünschbarem, potenzielle Orientierungsmuster. Sie sind keine konkreten Handlungsvorgaben, keine Normen,
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sie sind nicht einklagbar. Werte sind individuelle Vorstellungen davon, was erstrebenswert sei und damit allgemeine Anhaltspunkte, an denen sich menschliches Verhalten orientieren kann, an denen es sich, um verständlich zu bleiben, aber nicht notwendig orientieren muss.
Die acht Wertedimensionen, die in der Studie aufgestellt wurden:
Wertedimension 1 -> Autonomie - Kreativität und Konfliktfähigkeit Wertedimension 2 -> Menschlichkeit - Toleranz und Hilfsbereitschaft Wertedimension 3 -> Selbstmanagement - Disziplin und Einordnungsvermögen Wertedimension 4 -> Attraktivität - gutes Aussehen und materieller Erfolg Wertedimension 5 -> Modernität - Teilhabe an Politik und technischem Fortschritt Wertedimension 6 -> Authentizität - persönliche Denk- und Handlungsfreiheit Wertedimension 7 -> Familienorientierung - Partner, Heim und Kinder Wertedimension 8 -> Berufsorientierung - gute Ausbildung und interessanter Job
Im Ergebnis zur Untersuchung dieser aufgestellten Dimensionen ist zu sagen, dass das Mass der Bildung der Jugendlichen eine entscheidende Rolle in der Zustimmung zu diesen Wertedimensionen darstellt. So stimmen Jugendliche mit mittlerem und hohem Bildungsniveau meistens stärker zu.
Lediglich in der Dimension SELBSTMANAGEMENT zeigt sich ein deutlich entgegengesetzter Bildungseffekt, d.h. den Gebildeten ist diese Wertedimension unwichtiger.
2. Individuen in Beziehungen: kulturelle Werte, soziale Interaktionen von Kindern, und die Entwicklung eines amerikanisch - individualistischen Selbst (Catherine Raeff)
Individualismus und Kollektivismus sind als multidimensional- kulturelles Wertesystem zu betrachten, welches Unabhängigkeit und gegenseitige Abhängigkeit einschließt. In westlichen Kulturen, fokussieren sich die Untersuchungen von Werten typischerweise auf Unabhängigkeit und individuelle Rechte. Es gibt zwei Wertesysteme über die Natur der menschlichen Existenz. Kurze historische Überblicke und der Rückblick auf einige Untersuchungen zur Kindes- Entwicklung weisen darauf hin, dass gegenseitige Abhängigkeit in der amerikanischen Gesellschaft schon immer eine Art Tradition war. Unabhängigkeit ist das primäre Ziel in der Amerikanischen Selbst- Entwicklung.
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Durch interpersonelle Interaktionen haben Kinder die Möglichkeiten, an kulturellen Verhaltensweisen teilzunehmen und aktiv daran mitzugestalten. Kinder konstruieren ein Selbst durch die Teilnahme an Interaktionen, welches dem der Eltern bezüglich der Wertekultur über die Natur der menschlichen Existenz entspricht. Um sozial und kulturell gebildet zu sein, bedarf es der Selbst-Entwicklung. Soziale Interaktionen und kulturelle Praktiken geben den menschlichen Fähigkeiten eine Struktur. Die Selbst- Entwicklung findet sich im gesamten Lauf der Ontogenese wieder, wobei Unabhängigkeit und gegenseitige Abhängigkeit als eine Art menschliche Gabe betrachtet werden (e.g., Blatt & Blass, 1996; Ende & Buchsbaum, 1990).
Mittlerweile ist weithin bekannt, dass bereits Säuglinge, die gerade zur Welt gekommen sind, bereit sind, aktive Partner in sozialen Interaktionen und interpersonellen Beziehungen zu sein. Säuglinge, als ein vereinheitlichtes biologisches System, sind zu physiologischer Selbst- Regulation fähig. Durch wahrnehmende und propriozeptive Aktivitäten sind Säuglinge in der Lage, Informationen über sich selbst zu organisieren (e.g., Stern, 1985). Neugeborene können unterscheiden zwischen ihren eigenen Schreien und denen anderer Säuglinge (Butterworth, 1990). Die Lebhaftigkeit von Säuglingen kann als eine frühe Form von Individualität betrachtet werden, welche die distinktive Organisation und Konstruktion von Erfahrungen erleichtert.
(Raeff, Catherine (1997). Individuals in Relationships: Cultural Values, Children’s Social Interactions, and the Development of an American Individualistic Self. Developmental Review,17, 205 - 238.)
2.1 Kurzer geschichtlicher Rückblick
Schon während der revolutionären und frühen republikanischen Periode wurden Kinder als einzigartige Wesen mit individuellen Bedürfnissen und Zielen betrachtet (Demos, 1986; Mintz & Kellogg, 1988). Das Füttern von Säuglingen richtete sich nach deren Vorlieben und im Alter von ca. 10 und 15 Monaten saßen sie mit am Essenstisch (Sunley, 1955).
Rousseaus Ansichten über die essentielle Unschuld von Kindern fanden sich in den Praktiken der Kindeserziehung wieder (eigene Entscheidungsfreiheit ...). Gegen Ende des 19. Jh. taucht Adoleszenz als distinkte Lebensphase, die Kindern mehr Freiheit zugesteht, um ihre individuellen Ziele zu verfolgen, auf.
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In jüngeren Analysen zur Kindesentwicklung liegt der Brennpunkt auf dem öffentlichen Leben in den USA und in der Einigkeit, dass die Entwicklung eher unanhängigkeitsorientiert ist.
3. Age and Gender Differences in Value Orientation Among American Adolescents
(Kimberly Badger, Rebecca Simpson Craft, and Larry Jensen)
Diese Studie untersucht die Entwicklung der Werteorientierung in vier Altersgruppen mit insgesamt 1247 Schülern im Alter von 6, 8, 10, 12 Jahren. Sie erhielten einen Fragebogen mit 14 Wortpaaren bzw. Wortverbindungen. Das Ziel der Untersuchung war die Messung von bevorzugten, persönlichen Werten in Anbetracht der Geschlechterunterschiede, der Altersstufen und vier geographischen Regionen (Louisiana, New York, Idaho, California).
Dieser Übersicht kann man entnehmen, dass sich bei 12 der 14 Wortpaare ein signifikanter Geschlechterunterschied herausstellt. Mädchen bevorzugen demzufolge
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eher „Caring Items“. Eine signifikante Interaktion bezüglich Geschlecht und Alter besteht für „logic versus intuition“ in anbetracht der Altersgruppen acht und zehn Jahre. Gleiches gilt für das Wortpaar „consistency versus forgiveness“, jedoch für die Altersgruppen zehn und zwölf Jahre der Mädchen.
Eine signifikante Interaktion bezüglich Geschlecht und Region besteht für „justice versus mercy“. In Region 4 (Kalifornien) entschieden sich im Gegensatz zu den anderen drei Regionen mehr Jungs für das „caring item“. Eine zweite signifikante Interaktion bezüglich Geschlecht und Region besteht für „success versus friends“, betrachtet man Jungs im Alter zwischen Zehn und Zwölf.
(Kimberly Badger, Rebecca Simpson Craft, and Larry Jensen (1998). Age and Gender Differences in Value Orientation Among American Adolescents. Adolescence, 33, 131, 591 -596.)
4. Value socialization in families of Israel-born and Soviet-born adolescents in Israel (Ariel Knofu und Shalom H. Schwartz)
4.1 Abstrakt
Untersucht wurden 34 ehemalige sowjetische Immigrantenfamilien und 68 einheimische israelische Familien. Die Adoleszenten ähneln untereinander mehr, als ihren eigenen Eltern. Immigration führt zu einem weiter ansteigendem Unterschied in der Auffassung von Werten zwischen Jugendlichen und deren Eltern. Zusammenhänge zwischen Eltern und Jugendlichen, in Anbetracht von 11 Wertekategorien, deuten darauf hin, dass Immigration die Werteähnlichkeiten zwischen Eltern und Jugendlichen bezüglich der Priorität der Werte reduziert. Die Werteaussagen immigrierter Eltern nehmen in ihrer Beständigkeit über die Zeit hin ab und zeigen Diskrepanzen zwischen Worten und Taten. Diese Inkonsistenz schwächt natürlich die Wertevermittlung sowohl in immigrierten als auch einheimischen Familien.
4.2 Wertevermittlung in Familien von in Israel- und in der Sowjetunion geborener Jugendlicher
Die Anpassung an eine neue Werteumgebung ist eine große Herausforderung für Immigranten (LaFromboise, Coleman & Gerton, 1993). Viele ändern ihre
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Wertevorstellungen, um sich den neuen heimatlichen Gegebenheiten anzupassen. Kinder passen sich daher eher an, als deren Eltern (Feather,1975; Georgas, Berry, Shaw, Christakopoulou & Milonas, 1996) und erhalten widersprüchliche Informationen aus ihrer Umwelt (Szapocznik & Kurtines, 1993). Durch Schule fühlen sich immigrierte Jugendliche eher unter Druck gesetzt, wenn sie die Kultur ihrer neuen Heimat übernehmen sollen.
Zu Hause stoßen sie wieder auf die heimatlichen Werte und Erwartungen ihrer Eltern, die vor der Frage nach der richtigen Wertevermittlung stehen. Das natürliche Resultat daraus sind Konflikte. Ein empirischer Beweis für diese Konflikte sind Selbst- Berichte der Jugendlichen.
4.3 Wertevermittlung und -wahrnehmung
Immigrierte Eltern möchten ihren Kindern Werte vermitteln, die denen der neuen Kultur ähneln, wodurch wiederum Konflikte durch eigene und neue Werte entstehen. Trotzdem ist eine Integration in das neue israelische Sozial- und Ökonomiesystem durch die Eltern erwüscht (Ben-Rafael, Olshtain & Geijst, 1996). Viele Eltern befürchten, dass ihre Kinder nur Kontakte zu ihrer eigenen Gruppe pflegen (Ben-Rafael, et al., 1996). Ein weiteres Problem sind die fehlenden Kenntnisse über die neuen Werte mit der Folge von Widersprüchen in den Werten, die Immigranten ihren Kindern vermitteln wollen. Dabei unterscheidet man zwei Arten von Widersprüchen: a) Die Vermittlung unterschiedlicher Werte zu unterschiedlichen Zeiten und b) Widersprüche zwischen Wort und Tat.
4.4 Erreichen einer Werteähnlichkeit
Grusec & Goodnow (1994) deuten an, dass die Ähnlichkeit in den Werten zwischen Eltern und Kindern aus zwei Schritten resultiert:
Eine Studie von Cashmore & Goodnow (1985) dazu berichtet, dass immigrierte Kinder die Werte ihrer Eltern genauer wahrnehmen, als Kinder einheimischer Familien. Knofu & Schwartz formulieren hierzu eine Gegenhypothese: „Immigrierte Jugendliche nehmen die Werte ihrer Eltern weniger genau wahr, als einheimische Jugendliche.“
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Wenig Genauigkeit in der Wahrnehmung und Akzeptanz der elterlichen Werte beeinflussen den Grad der Werteähnlichkeit zwischen Eltern und deren Kindern. Die elterliche Wertekonsistenz verbessert somit: a) die Genauigkeit der Wahrnehmung b) die Akzeptanz wahrgenommener elterlicher Werte und c) die Ähnlichkeit in den Werten von Eltern und ihren Kindern.
4.5 Die Natur der Werte (Definition)
Werte werden definiert als etwas Wünschenswertes, als abstrakte Ziele, die für sämtliche Situationen gelten. Sie dienen den Menschen als Kriterien zur Auswahl und Rechtfertigung ihres Handelns und zur Beurteilung von Menschen sowie Geschehnissen (Rokeach, 1973; Schwartz, 1992).
Der entscheidende inhaltliche Aspekt, der die Werte untereinander unterscheidet, ist das motivationale Ziel, welches sie ausdrücken (Schwartz, 1992). Beweise dafür liefern kulturelle, linguistische, religiöse und rassische Gruppen aus mehr als 60 untersuchten Ländern anhand von 10 unterschiedlichen Wertetypen (Schwartz, 1992; Schwartz & Bardi, in press).
Das Beziehungsmuster von Widerspruch und Kompatibilität unter den Werten ergibt eine Struktur von 4 übergeordneten Werten.
4.6 Methode
Die Familien der Jugendlichen wurden telefonisch benachrichtigt. Nach Erhalt der Zustimmung zur Teilnahme an der Studie besuchte ein Student die Familien zu Hause und übergab ihnen eine Reihe an Fragebögen. Die Daten wurden von 1999 bis 2000 von 580 Familien gesammelt. Dabei belief sich die Rücklaufquote auf 47 %. Von Familien, welche in den letzten drei bis elf Jahren nach Israel immigrierten, hatten 34 ein jugendliches Kind, welches in der früheren UdSSR geboren wurde. Insgesamt erhielt man daher 34 immigrierte Familien und 68 einheimische israelische Familien. Das Durchschnittsalter der Jugendlichen betrug 16.8 Jahre, wovon 54 % männlich waren. In 51 % der Familien beteiligte sich nur ein Elternteil (45% Mütter, 6% Väter).
4.7 Unterschiede in den Gruppen bezüglich ihrer
Wertevorstellungen
Immigrierte Jugendliche ähneln sich in ihren Wertvorstellungen eher denen der einheimischen Jugendlichen, als denen der eigenen Eltern. Gleiches gilt erstaunlicherweise auch für die einheimischen Jugendlichen. Bezüglich der Sozialisationswerte trifft dies für zwei der untersuchten Wertetypen zu. Dies sind zum einen Konservativismus (Conservation) und zum anderen Offenheit gegenüber Veränderungen (Openness to Change). Nicht zutreffend bezüglich dieser Aussage ist dies für die Selbst- Aufwertung (Self- Enhancement) und Selbst- Transzendenz (Self- Transcendence). Die Ordnung dieser vier Werte war sowohl in der Gruppe der Immigranten als auch in der der Einheimischen gleich. Auch beide Eltern- Gruppen ähneln sich untereinander, aber Eltern und deren jugendliche Kinder waren sehr verschieden. Dieses Bild reflektiert die unterschiedlichen Bedürfnisse, Rollen und Möglichkeiten, die Erwachsene und Jugendliche im Lebenszyklus charakterisieren.
(Knofu, Ariel & Schwartz, Shalom H. (2001). Value socialization in families of Israel-born and Soviet-born adolescents in Israel. Journal of Cross - Cultural Psychology)
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Literaturangaben
Badger, Kimberly & Simpson Craft, Rebecca and Jensen Larry (1998). Age and Gender Differences in Value Orientation Among American Adolescents. Adolescence, 33, 131, 591 -596.
Knofu, Ariel & Schwartz, Shalom H. (2001). Value socialization in families of Israel-born and Soviet-born adolescents in Israel. Journal of Cross - Cultural Psychology
Raeff, Catherine (1997). Individuals in Relationships: Cultural Values, Children’s Social Interactions, and the Development of an American Individualistic Self. Developmental Review,17, 205 - 238.
Shell Jugendstudie: Jugend 2000 - Moderne Orientierungsmuster: Inflation am „Wertehimmel“, Seite 95, hrsg. v. Jugendwerk der Deutschen Shell. Opladen 2000
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5. Unterschiede in den Gruppen bezüglich ihrer Wertevorstellungen (Ernest S. Wolf )
In dieser Studie wird gesagt, dass Kleinkinder ihre Werte durch Identifikation mit den Eltern erlangen und die Werte des Kindes durch die der Eltern beeinflusst werden. Die Eltern haben ihre Werte von ihren Eltern übernommen und leiten diese an ihre Nachkommen nur teilweise weiter. Wertequellen sind Eltern / Peers und die Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Werteansichten. Dahinein wächst die individuelle Wertehaltung des Kindes. Die Kinder imitieren die Eltern. Viele Familien kennen die 2-jährigen „bockigen“ Kinder, die ihren Willen durchsetzen wollen . Sie ertragen kein „Nein“ und entdecken, dass sie ein Eigenständiges „Selbst“ besitzen. Sie fangen an, ihre eigenen Wertvorstellungen zu entwickeln und entwickeln ihr eigenes Selbstbewusstsein. In der Adoleszenzphase entwickelt man neue Werte. Viele Jugendliche identifizieren sich mit Musikstars, und somit werden neue Werte und Ideale Teil des „Selbst“. Sie bauen ein grösseres soziales Umfeld auf. Jetzt haben sie die Möglichkeit, ihre eigenen Werte zu entwickeln, unabhängig von denen der Eltern. Die „Umwandlung“ des alten „Selbst“ zu einem neuen „Selbst“ ist charakteristisch für diese Phase der Adoleszenz. Auch werden neue kulturelle Werte erlangt. Man wird unabhängig von anderen Leuten, braucht aber trotzdem ein soziales, gut funktionierendes Umfeld und deshalb sucht man sich Gruppen und ein Umfeld mit gleichen Wertvorstellungen.
(Wolf, E. S. (1993). Self, idealization, and the development of values. In Noam, G. & Wren, T. et al. (eds.). The moral self. Studies in contemporary German social thought (pp.56-77). Cambridge, MA: MIT Press.)
6. Wertprioritäten in Deutschland, Vergleich von Lehrern und Schülern aus Ost und West
(Shalom H. Schwartz, H. Dettenborn, K. Horstmann, K. Boehnke)
Die Studie baut wie folgt auf 10 Wertetypen auf
1. Universalismus (universalism) 6. Macht (power) 2. Wohlwollen, Güte (benevolence) 7. Leistung (achievement) 3. Tradition, Bräuche (tradition) 8. Hedonismus (hedonism) 4. Konformität (conformity) 9. Stimulation (stimulation)
Es wurden Werte aus sozialpsychologischer Sicht von 188 Ost- und 204 Westlehrern, sowie 377 West- und 274 Ostschülern untersucht.
6.1 Werte in der Erziehung
In der Schule gibt es Lehrpläne, an die sich der Lehrer halten muss, aber jeder Lehrer hat seine eigene Wertvorstellung sowie Persönlichkeit und deshalb unterrichtet jeder Lehrer anders. Hier wird eine weitere Wertedefinition benutzt und zwar diese: Werte sind Ziele, leitende Prinzipien in jedem individuellen Leben, welche es ihnen ermöglichen, Handlungen und Menschen in jedem Umfeld zu bewerten. Empirische Untersuchungen haben die Richtung für soziale Wissenschaft und
Geisteswissenschaften angegeben (Allport, Maslow). Hier wird nun das Kreismodell der Wertestrukturen von Schwartz einbezogen, welches aus 2 grossen Dimensionen besteht. Dies sind zum einen Selbstaufwertung (self-enhancement) vs. Selbsttranszendenz (self-transcendence) und zum anderen Offenheit für Veränderungen vs. Erhaltung des Status quo (gegenwärtiger Zustand).
Openness to Change
6.2 Methode der Untersuchung
Es wurde ein Fragebogen mit 56 Items und einer Ratingskala von -1 (total entgegengesetzt meinem Wertesystem) bis 7 (wichtigster Wert in meinem Leben) in Schulen in Trier und Berlin verteilt.
6.3 Resultat
In Ostedeutschland steht „Freiheit“ an erster Stelle in Westdeutschland hingegen an Siebenter. Die Familiensicherheit in den alten Bundesländern steht an dritter Stelle und in den neuen Bundesländern ist sie nichteinmal unter den ersten 10 Werten. Die univariate Analyse zeigt, dass den Westdeutschen Universalismus,
Selbstbestimmung und Traditionen am Wichtigsten sind. Bei Ostdeutschen stehen Leistung, Sicherheit und Konformität an erster Stelle. Lehrern ist Konformität, Tradition und Sicherheit wichtiger als ihren Schülern. Aus dieser Studie wurden drei Resultate erzielt:
1. Es gibt einen großen Werteunterschied in Ost und West bei den Lehrern. Werte in Ost und West sind genau entgegengesetzt, ganz speziell bei self-direction vs. Sicherheit.
2. Generelle Unterschiede zwischen Lehrern und Schülern sind größer als dieselben zwischen Ost und West, ganz besonders bei Macht, Leistung und Konformitätswerten. Diese sind für Lehrer wichtiger. Für Schüler ist Hedonismus wichtiger, egal in welcher Region sie leben.
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3. Es existiert ein großer Unterschied zwischen Lehrern und Schülern, egal ob Ost oder West; im Osten legen Lehrer mehr Augenmerk auf das Wohl der Menschen, mit denen sie täglich in Kontakt sind, im Westen dagegen überwiegt Zurückhaltung.
6.3 Diskussion
Im Osten Deutschlands präferiert man Werte, denen der Status quo und Konservatismus zugrunde liegt. Lehrer sollen sich in ihrer Unterrichtsführung freier entfalten können ohne Angst vor einer Kündigung. Generell sind Westeuropäer wie z.B. Belgier, Dänen, Finnen, Spanier und Deutsche darauf bedacht, offen für Veränderungen und Selbsterhabenheit zu sein, was für Lehrer als auch für Schüler gilt. Osteuropäer wie Polen, Ungarn und Slowaken wollen konservative Werte beibehalten. Bezüglich Selbstaufwertung und Selbsttranszendenz ähneln sie den Westeuropäern.
(Boehnke, K. & Dettenborn, H. et al. (1994). Value priorities in the United Germany. Teachers and students from East and West compared. European Journal of Psychology of Education, 9, 191-202.)
7. Übermittlungen der Werte in den Generationen Die Rolle von Übertragungsriemen (Ute Schönpflug )
Eltern übertragen ihre Werte auf die Kinder. Dabei ist die Übertragung ein selektiver Prozess, wobei nicht alle kulturellen Inhalte übertragen werden. Der Übertragungswille der Eltern ist davon abhängig, ob sie sämtliche Werte oder nur einige übertragen wollen. Diese Studie erklärt die Auswirkungen von Übertragungsriemen bezüglich der Werte zwischen türkischen Vätern und ihren Söhnen. Dazu wurden 200 türkische Familien in Deutschland und 100 Familien in Istanbul untersucht. Neun Wertekategorien (Schwartz) werden zusammengefasst zu zwei Dimensionen 1. kollektivistische (dienen der Gruppenerhaltung) und
7.1 Einleitung
Im Gegensatz zu genetischer Übertragung von Werten ist die kulturelle Übertragung und kulturelles Verhalten eine Form des sozialen Lernens. Die Übertragung kultureller Werte vollzieht sich sobald neue Mitglieder einen Kulturkreis betreten oder verlassen. Die Kulturübermittlung erfolgt nicht vollständig zwischen Eltern und Kindern. Eine exakte Übertragung erlaubt keine Wandlung der alten Werte in Neue, sondern würde zu einem Stillstand führen. Die Übertragung der Werte ist abhängig von der Bildung der Eltern, der Phase der Entwicklung der Adoleszenz (frühe, mittlere und späte) und der Geschwisterposition. Werte liefern Standards für Handlungen und regulieren das tägliche Verhalten und kritische Lebensentscheidungen. Globale Prozesse, welche in die Übertragung von Werten eingebunden sind, sind Sozialisation und kulturelle Eingliederung. Aus einer Hypothese ging hervor, dass kollektivistische Werte besser als individualistische Werte übertragen werden. Die Übertragung erfolgt von der älteren auf die jüngere Generation, wobei die Eltern die Vorbildrolle einnehmen. In deutschen Familien hat die Mutter mehr Einfluss auf das Kind im sozialen Umfeld, wenn das Kind in der früheren und mittleren Adoleszenz ist; in späterer Adoleszenz überwiegt wiederum der Einfluss des Vaters. In dieser Längsschnittstudie mit türkischen Jugendlichen und ihren Eltern (lebend als Einwanderer) in Berlin und Friedrichshafen und türkischen Jugendlichen in Istanbul wurde die Werteübertragung von Vater zum Sohn untersucht. Der Hauptgedanke dieser Studie war die Frage, ob einige Wertorientierungen leichter als andere übertragen werden. Laut Schwartz ist die Türkei eine der kollektivistischsten Kulturen, wohingegen Deutschland als individualistische Gesellschaft angesehen wird. Türkische Einwanderer passen sich in Deutschland an und ändern ihre Werte entsprechend. Eltern übermitteln ihre Werte intensiver, wenn sie in ihrer Heimat leben.
7.2 Elternstile und eheliche Beziehung als Übertragungsriemen
Einige Übertragungsriemen fördern, andere behindern die Übertragung von Werten. Eine gute Eltern- Kind- Beziehung fördert die Wertübertragung (wichtig ist Einfühlungsvermögen), aber ein starrer autoritärer Erziehungsstil distanziert die
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Beziehung zwischen Kind und Eltern, was zugleich die Wertübertragung erschwert. Eine positive eheliche Beziehung ruft eine positive emotionale Qualität und Homogenität von Einstellungen und Orientierungen zwischen ehelichen Partnern hervor und dadurch ist eine intensivere Übertragung möglich.
7.3 Entwicklungsperspektive
Die wachsende Autonomie des Kindes verhindert eine effektive Übertragung von Werten in Familien. Es gibt drei wichtige Stufen der Entwicklung in der Adoleszenz (frühe, mittlere, späte). Je gebildeter die Väter sind, um so mehr positiven Einfluss haben sie auf ihre Kinder und werden von ihnen mehr akzeptiert. Eine andere Eigenschaft ist die Geschwisterposition des Kindes. Spätergeborene Kinder sind empfänglicher für ebenbürtige oder geschwisterliche Einflüsse, als Erstgeborene. Dieser Effekt ist unabhängig von der Adoleszenzphase. Sechs Hypothesen wurden getestet:
1. Der Generationsunterschied ist größer für diejenigen Beziehungen, welche neuen kulturellen Einflüssen ausgesetzt wurden, d.h. für die in Deutschland lebenden Türken.
2. Kollektivistische Werte werden zwischen den Familienmitgliedern vertikal übertragen, im Gegensatz zu individualistischen Werten. 3. Ungeachtet des sozialen Kontextes ist die Übertragungsintensität mäßig durch elterliche fürsorgliche Stile und ebenfalls auch für starre autoritäre Stile. Die positive Beziehung der Eltern zueinender erhöht die Übertragung von Werten. 4. Je höher die persönlichen Ressourcen der Eltern sind, um so effektiver werden ihre Werte auf die Nachkommen übertragen.
5. Je älter und unabhängiger der Jugendliche wird, um so weniger aufnahmefähig ist er für die Wertübertragung.
6. Je höher die Geschwisterposition des Kindes ist, um so weniger Eltern - Kind Übertragung wird beobachtet. Gleichaltrige Geschwister haben mehr Einfluss als deren Eltern.
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7.4 Methode
Stichprobe: In einer Längsschnittstudie wurden 200 türkische männliche Jugendliche im Alter von 14-19 Jahren aus Berlin und Konstanz sowie 100 männliche Jugendliche aus Istanbul untersucht. Bei denen in Deutschland lebenden Türken waren alle Schultypen vertreten und bei denen in Istanbul Mittel- und Hochschule. 67% der in dieser Studie untersuchten „deutschen Türken“ sind auch in Deutschland geboren alle anderen sind in früher Kindheit eingewandert. Der Bildungsgrad des Vaters ging von geringer Bildung bis Universitätsabschluss. Die durchschnittliche Familiengrösse war zwei Eltern und drei bis vier Kinder.
7.5 Messungen
In dieser Studie wurden 9 Wertekategorien herangezogen und in 2 Wertedimensionen unterteilt, welche denen von Schwartz zugrunde liegen. Kollektivistische Werte wie Humanismus, Universalismus, Traditionalismus, Sicherheit und Konformität und individualistische Werte wie Kraft, Selbstbestimmung und Hedonismus. Die Skalen waren theoretisch und empirisch definiert von „unwichtig“ bis „sehr wichtig“.
7.6 Resultate
In der Gruppe der in Deutschland lebenden Türken scheinen den Vätern kollektivistische Werte wichtiger zu sein, als deren Söhnen, nicht jedoch bei Vater-Sohn Beziehung in der Türkei. Hypothese 1 wurde nicht bestätigt. Hypothese 2 und 3 wurden bestätigt. Es gibt mehr Übertragung von kollektivistischen Werten als von individualistischen Werten. Die Werteübertragung durch gebildete Eltern war höher, womit die 4. Hypothese auch bestätigt wurde. Die Übertragung der Werte in der frühen und mittleren Adoleszenzphase ist größten, womit sich Hypothese 5 auch bestätigt. Die 6. Hypothese fand hingegen nur wenig Bestätigung.
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7.7 Diskussion
In Deutschland lebende türkische Väter haben weniger Motivation ihre Werte zu übertragen. Die Wertübermittlung kollektivistischer Werte vom Vater auf den Sohn scheint beschränkt zu sein. Türkische Vater- Sohn Beziehungen in der Türkei und in Deutschland unterscheiden sich kaum in ihrer Art der Werteübertragung. Der Bildungsgrad der Väter ist sehr wichtig, je gebildeter sie sind, um so optimaler ist die Wertübertragung. Ganz wichtig ist auch das Stadium der Adoleszenz. In der frühen und mittleren Phase findet die beste Übertragung statt. Die Phase der Adoleszenz umfasst das elfte bis einundzwanzigste Lebensjahr.
(Schönpflug, U. ( im Druck ). The transmission of values: The role of transmission belts. Journal of Cross- Cultural Psychology)
8. Biologie und Ursprung der Werte (Richard E. Michod)
In der Wissenschaft sucht man nach allgemeinen Regeln und ihren grundliegenden Beziehungen zueinander. Was können Prinzipien der evolutionären Biologie über menschliche Werte im allgemeinen sagen ? Wo liegt der Ursprung der Werte ? Was ist nun Gegenstand der natürlichen Auslese ? Darwin (1859) hatte zwei zentrale Faktoren herausgefunden - Variation in Vererbung und selektive Anpassung. Selektive Anpassung bedeutet dabei, dass der Organismus überlebt und sich erfolgreich reproduziert. Vererbung entspringt aus positiver Korrelation zwischen Eltern- und Nachkommenseigenschaften. Es setzte sich die Auffassung durch, dass alle Lebensformen durch zufällige Veränderungen in der Erbsubstanz (Mutationen) und die natürliche Selektion durch die Umwelt entstanden sind. Nur die Arten überlebten, welche sich am besten an die Bedingungen der Umwelt anpassen konnten. Heute wissen wir, dass Vererbung durch die akkurate Replikation der DNA entsteht. Nachkommen lernen von den Eltern (deren Verhalten und psychologische Merkmale) z.B. religiöse Präferenzen. Kinder tendieren dazu, der selben Religion wie der der Eltern anzugehören. Dabei gibt es eine Vererbungsquote in Bezug auf religiöse Präferenzen. Diese Art von Vererbung basiert auf kultureller Vermittlung, was vertikaler Übermittlung entspricht. Es ist schwierig zwischen vertikaler und genetischer Vermittlung zu unterscheiden (Cavalli-Sforza). Religion,
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Essgewohnheiten, Werte und fast jedes Verhaltensmerkmal könnte von dieser Art des Lernens abhängig sein ohne genetischen Ursprungs zu sein. Es ist unwahrscheinlich, dass spezifische Werte wie religiöse Präferenz, genetischer Vererbung zugrunde liegt, obwohl sie kulturell vererbt sein könnte (Cavalli-Sforza). Boyd und Richardson (1985) werfen folgende Frage auf: Wann ist es für einen Organismus nützlich, nicht durch Erfahrungen aus seiner Umwelt zu lernen (sozusagen durch sich selbst), sondern durch Lernen durch das Kopieren von Verhaltensweisen von Familienmitgliedern ? Es gibt keine einfache Beziehung zwischen Kultur und Werten. Kulturelle Merkmale müssen erlernt werden, wohingegen Werte nicht notwendigerweise nur durch Lernen übermittelt werden. Werte und Kultur passen sich in verschiedenen Situationen an. Die bedeutendste biologische Evolution fand vor zwei bis vier Millionen Jahren statt, während die kulturelle Entwicklung erst in den letzten zehn Generationen erfolgte. Was sind Werte ? Sind sie etwa nur vorläufige Annahmen der sozialen Gesellschaft, welche gebraucht werden, um Regelmäßigkeiten im Verhalten zu erklären? Biologische Werte sind z.B. Hunger, Schmerz oder Freude. Letztlich ist festzuhalten, dass sich der Begriff der Werte in Abhängigkeit von der ihnen zugrundeliegenden Gesellschaft in einem ständigen Wandel oder in einer ständigen Entwicklung befindet, was wiederum deren Flexibilität beweist.
9. Wie werden Werte übertragen? (L.Luca Cavalli-Sforza)
„Werte“ werden unterschiedlich definiert. Zum einen sind sie Motivationen für menschliches Verhalten und Entscheidungen (Glauben, Phantasie, Wünsche...) und zum anderen bestimmen sie unseren Standard des Verhaltens. Werte sind von starker biologischer Komponente z.B. Hunger, Ermüdung, Sexualität und psychologischen Faktoren abhängig z.B. Persönlichkeit, Einstellungen, Bräuchen, aber auch von religiösen Einstellungen. Außerdem haben die individuelle Vergangenheit, soziale Kultur, Bildung und eine Vielzahl von anderen Faktoren Einfluss auf die Werteentwicklung des Einzelnen. Es gibt biologische und kulturelle Werte, von denen die meisten schwer zu klassifizieren sind, da sie eine Wechselwirkung aus beiden sind. Kultur wird vererbt und diese Übertragung ist die Basis für anpassungsfähige Werte, die sich dem Wissensstandard über Generationen anpasst. Im Kontrast dazu lässt sich sagen, dass einige kulturelle Faktoren über die Zeit
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hinweg stabil geblieben sind, so z.B. existieren große Religionen schon über 2000 Jahre. Nach L. Luca Cavalli-Sforza gibt es 4 Übertragungswege für Werte. Die Eltern-Kind Übertragung dient der kompletten und unbegrenzten Erhaltung und Stabilisierung von Werten über die Generationen hinweg. Sie ist gleich der genetischen Übermittlung und ist am gebräuchlichsten. Von einer Übertragung von „Merkmalsträger“ zu „ Nichtmerkmalsträger“ spricht man, wenn Sender und Empfänger zu verschiedenen Generationen gehören. Diese Art der Übertragung wird als „oblique“ bezeichnet. Gehören sie derselben Generation an, nennt man dies „horizontal“.
Findet die Übertragung von einem „Merkmalsträger“ (Lehrer, soziale oder politische Führer) zu vielen Individuen statt, so spricht man von einem
Übertragungsmechanismus, ähnlich wie bei „Jägern und Sammlern“. Diese treten mehr und mehr in sozialen Hierarchien und Schulen auf.
Durch sozialen Gruppendruck wird ein Individuum durch viele andere Individuen in eine klare Richtung gelenkt.
Es gibt Konflikte zwischen biologischer und kultureller Adaptation, es muss aber auch positive Interaktionen zwischen genetischer und kultureller Adaptation geben. Große Fähigkeiten entwickeln sich aus der Kombination von biologischen Trieben und kultureller Übertragung z.B. hätten wir unsere Muttersprache nicht erlernt, wenn wir in jungen Jahren keinen Lerntrieb dazu gehabt hätten.
(Hechter, M. , Nadel, L. & Michod, R.E. ( 1993 ). (eds. ). The origin of Values. Kap.12, 15. New York, NY: Aldine deGruyter.)
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Literaturangaben
Boehnke, K. & Dettenborn, H. et al. (1994). Value priorities in the United
Hechter, M. , Nadel, L. & Michod, R.E. ( 1993 ). (eds. ). The origin of Values. Kap.12, 15. New York, NY: Aldine deGruyter.
Schönpflug, U. ( im Druck ). The transmission of values: The role of transmission belts. Journal of Cross- Cultural Psychology
Wolf, E. S. (1993). Self, idealization, and the development of values. In
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Paul Sebastian Hesse, 2001, Werteentwicklung in der Adoleszenz, München, GRIN Verlag GmbH
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