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1. Vorgeschichte:
Unmittelbar nach dem Abschluss des ersten Weltkrieges gab es in den Vereinigten Staaten starke innere Spannungen.
Allgemein glaubte man, dass die Stilllegung der Kriegsproduktion und die gleichzeitig erfolgende Demobilisierung der Armee zu einer großen und weit verbreiteten Arbeitslosigkeit führen würden.
Doch die befürchteten Rückschläge für die Wirtschaft traten nicht ein, denn eine starke Zunahme öffentlicher und privater Investitionen, sowie das weiterhin sehr gut verlaufende Exportgeschäft hielten die Beschäftigung aufrecht. Allerdings stieg die Inflation, die während des Krieges eingesetzt hat, weiterhin an.
Weil die Löhne den Preisen nicht folgen konnten, kam es in der Folge zu größeren Streikbewegungen. Allgemeine Unzufriedenheit und damit verbundene Existenzangst förderten Fremdenhass und Intoleranz gegenüber den Minderheiten. Man suchte Sündenböcke, die man für die Widerwärtigkeiten verantwortlich machen konnte. 1
Ausländern und Einwanderern warf man kommunistische Umtriebe und Subversionsabsichten vor. Verhaftungen, Untersuchungen und Deportationen waren die Folge.
Das Schlagwort“ Back to Normalcy“ stand im Zentrum der republikanischen Wahlkampagne des Jahres 1920. Warren G. Harding siegte über die zerstrittenen Demokraten. Seine Amtszeit war kurz und von Korruptionsfällen begleitet. Er starb 1923. Im Präsidentenamt folgte ihm der bisherige Vizepräsident Calvin Coolidge. Er galt als Vertreter der traditionellen amerikanischen Tugenden und würde nach der Vorstellung der Bevölkerung mit der Korruption aufräumen. Doch er ging den „big problems“ meist aus dem Weg.
Das „Laissez faire“ -Prinzip“ entsprach ganz seiner Einstellung. 2
Die Interessen der Geschäftswelt dominierten das wirtschaftliche und soziale Gefüge der Vereinigten Staaten immer mehr.
1 Landauer, Carl: Sozial-und Wirtschaftsgeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Stuttgart 1981. S.165.
2 Guggisberg, Hans R.: Geschichte der USA. 4. Aufl. Stuttgart 2002, S.178.
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Die wirtschaftliche Entwicklung der USA ist nach einer kurzen Rezession 1920/21 durch eine anhaltende Prosperität gekennzeichnet. Diese beruhte im Wesentlichen auf einer gewaltigen Produktionssteigerung, die bis 1929 zur Verdoppelung der Industrieproduktion führte. Zwischen 1923 und 1929 nahmen die Kapitalerträge um 60 - 65% zu. Die Einkommen der Arbeiter und Angestellten allerdings nur um durchschnittlich 11%. Das Einkommen der Farmer dagegen stagnierte völlig. 3 Von 1923 bis 1929 war die Zahl der Autos von 15 auf 26 Millionen gestiegen. Auf 5 Einwohner kam ein Auto.
Die Umgestaltung des Alltags wurde durch eine ganze Reihe von Massenkonsumgütern bestimmt, wie z.B.: Elektrische Haushaltsgeräte, elektrisches Licht, Telefone, Radio u.a. „ The business of America is business“ sagte Präsident Coolidge. 4 Henry Ford wurde zum Apostel der Massenproduktion. Die Institutionalisierung der Prohibition schuf innenpolitischen Zündstoff. Das Gesetz wurde jedoch hemmungslos missachtet. Das in der Folge zunehmende Gangster-Unwesen korrumpierte gleichermaßen die Verwaltung und die Polizei.
1928 wurde Herbert Hoover gegen den katholischen Demokraten Al Smith zum Präsidenten gewählt. Er wurde als großer Organisator gerühmt, war aber der Gefangene veralteter Wirtschaftstheorien, um im Moment der Gefahr kühne Entschlüsse fassen und sie dann auch verwirklichen zu können. Mit unklugen Aktionen (Erhöhung der Zollsätze) versetzte Hoover dem internationalen Handel einen schweren Schlag.
Im Herbst 1929 brach die Hochkonjunktur in sich zusammen. Man hatte es verabsäumt leidende Wirtschaftszweige zu fördern (z.B.: Textil, Kohle, Landwirtschaft). Die anhaltende Überproduktion von Konsumgütern mit einer ungünstigen Entwicklung der Einkommensstruktur, Abzahlungsgeschäfte, Hemmung der Außenwirtschaft durch die begrenzte Aufnahmefähigkeit der auswärtigen Märkte, die rigorosen Schutzzollbestimmungen und das Hinauftreiben der Aktienkurse führten in die Katastrophe.
3 Guggisberg, Geschichte der USA, S.179.
4 Ebd., S.182.
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Neue Firmen wurden gegründet, Investment Trusts schossen aus dem Boden, der Kreditmarkt war dadurch gewaltig aufgebläht und am 24. Oktober 1929 kam es zum Zusammenbruch der Börsenkurse.
Der Index der Industriewerte sank innerhalb von zwei Monaten von 452 auf 224 und bis zum 8. Juli 1932, dem absoluten Tiefpunkt der Krise auf 58 !
Diesem Rückgang entsprach eine Verminderung des Gesamtwertes von 90 Milliarden Dollar auf 15 Milliarden. Die Arbeitslosenrate stieg 1932 auf ein Drittel aller Berufstätigen an, also rund 15 Millionen.
Die Maßnahmen der Regierung Hoover kamen zu spät und blieben weitgehend wirkungslos. Die Ausweitung der Krise auf die übrige Welt führte zum Zusammenbruch des internationalen Zahlungsverkehrs. Die Großbanken verweigerten der Regierung gemeinsame Sanierungsaktionen. 5
Die Lage verschlechterte sich weiter. Die materielle Not erfasste nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch Bauern, Kleingewerbe, den wohlhabenden Mittelstand. Es kam vereinzelt zu Ausbrüchen der Verzweiflung in Form von Demonstrationen. Im Sommer 1932 demonstrierten in Washington Tausende arbeitslose Kriegsveteranen, die von einem Truppeneinsatz unter General Mac Arthur auseinandergejagt wurden.
Diese brutale Aktion bewirkte einen großen Schlag für die amtierende Regierung. Die gerade anstehende Präsidentenwahl ergab einen überwältigenden Sieg des Demokraten Franklin D. Roosevelt.
Der Sieg Roosevelts bedeutete auch das Vertrauensvotum einer Nation für einen Mann, der zu wissen schien, was zur Überwindung der Krise zu tun sei.
Er hatte nämlich im Wahlkampf die Durchführung energischer Reformmaßnahmen versprochen und für sein Reformprogramm das aus dem Kartenspiel übernommene Schlagwort „ New Deal „ gewählt. 6 In seiner Inaugurationsrede sprach er auch den berühmt gewordenen Satz:
“...the only thing we have to fear is fear itselfs“.
5 Guggisberg, Geschichte der USA, S.199.
6 Ebd., S.200.
Quote paper:
Martin Gschwandtner, 2003, Die Ära des New Deal, Munich, GRIN Publishing GmbH
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