Hausarbeiten.de - Kaspar Hauser (1812 - 17. Dez. 1833)
seine Lebensgeschichte aufzuschreiben.
Offensichtlich aber gab es Menschen, denen es nicht gefiel, daß sich für Kaspar Hauser mit seiner Gutmütigkeit und Intelligenz viele wichtige Menschen interessierten, und vor allem, daß er begann, sich zu erinnern: Am 17. Oktober 1829 wurde, als er im Hause Daumers gerade die Toilette besuchte, ein Mordanschlag auf ihn verübt. Dieses Attentat löste so große Empörung aus, da ß König Ludwig I. von Bayern 500 Gulden Belohnung für die Aufdeckung des Verbrechens aussetzte und dafür sorgte, daß Hauser von nun an von zwei Polizisten bewacht wurde. Nachdem Kaspar Hauser eineinhalb Jahre lang bei seinem Lehrer Daumer gelebt hatte, konnte dieser ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht länger in seinem Haus behalten. Seit Januar 1830 wurde nun der Junge hin- und hergeschoben, was seiner Entwicklung nicht gut tat. Im Mai 1831 erschien ein englischer Lord, Philip Henry Stanhope, der in den europäischen Adelshäusern aus- und einging, in Nürnberg und wollte Kaspar Hauser kennenlernen. Er stiftete 500 Gulden für Kaspar Hauser. Schlie ßlich wurde Stanhope im November 1831 sogar die Erziehung Kaspar Hausers übertragen, und dieser übersiedelte zwei Wochen später ins nahegelegene Ansbach, wo er bis zu seinem Tod im Hause des Lehrers Meyer lebte und unterrichtet wurde.
Schon früh hatte man geglaubt, Kaspar Hauser sei ein Fürstensohn. Der Ansbacher Appellationsgerichtsrat Anselm von Feuerbach, der im Januar 1832 ein Buch über Hauser unter dem Titel "Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen" veröffentlichte, vermutete, er sei "das eheliche Kind fürstlicher Eltern, welches hinweggeschafft worden ist, um Andern, denen er im Wege stand, die Sukzession (das heißt: die Thronfolge) zu eröffnen". Dabei dachte er an das Großherzogtum Baden. Er meinte, Kaspar Hauser sei der am 29. Sept. 1812 geborene und im Alter von 16 Tagen angeblich gestorbene Sohn des Großherzogs Karl von Baden, der in Wirklichkeit aber mit dem sterbenden Säugling eines Hofbediensteten vertauscht und beiseite geschafft worden sei, um den Kindern der Gräfin Hochberg die Thronfolge zu ermöglichen.
Am Morgen des 14. Dezember 1833 wurde Kaspar Hauser, der inzwischen als Schreiber am Appellationsgericht in Ansbach arbeitete, auf dem Weg zur Arbeit von einem Unbekannten angesprochen und für den Nachmittag in den Hofgarten bestellt, wo er ihm etwas zeigen wolle. Der Fremde übergab ihm einen Beutel mit einem Zettel in Geheimschrift und stach ihn dann nieder. Drei Tage später, am Abend des 17. Dezember 1833, starb Kaspar Hauser im Alter von 21 Jahren. Der Mörder wurde nie gefunden.
Bis heute haben sich Forscher bemüht, das Geheimnis um Kaspar Hauser zu klären. Dabei kam folgendes heraus: Im allgemeinen wird Kaspar Hauser tatsächlich für den am 29. September 1812 geborenen Sohn und Thronfolger des Großherzogs Karl von Baden gehalten. Man nimmt an, daß er mit dem todkranken Sohn Ernst des Hofbediensteten Christoph Blochmann vertauscht wurde und in den ersten zweieinhalb Jahren, bis dessen Frau starb, in der Familie Blochmann aufwuchs. Nach dem Tod der Pflegemutter soll er mit einer Kinderfrau in das einsam gelegene, leerstehende Schloß Beuggen am Rhein gebracht worden sein, wo er weitere zwei Jahre verbrachte.
1817 oder 1818 soll er dann unter Mithilfe eines Majors Hennenhofer, der am badischen Hof diente, in das völlig abgeschieden liegende Schloß Pilsach bei Neumarkt in der Oberpfalz gebracht worden sein. Hier verbrachte er die nächsten zehn bis zwölf Jahre in einem Kerker. Als er knapp 16 Jahre alt war, wurde er von dem Schloßverwalter auf die "Freiheit" vorbereitet, d. h. dieser brachte ihm bei, seinen Namen zu schreiben, steckte ihm die beiden Briefe zu und schleppte ihn bis kurz vor Nürnberg.
1996 kam der "Spiegel" auf die Idee, durch eine Genanalyse endgültig feststellen zu lassen, ob Kaspar Hauser nun ein Betrüger oder ein Prinz gewesen sei, und berichtete im November 1996 über das Ergebnis der Untersuchungen: Man hatte von einer im Markgrafenmuseum in Ansbach aufbewahrten Unterhose Kaspar Hausers Blutreste entnommen und sie mit Blutproben zweier weiblicher Nachfahren der Großherzogin von Baden verglichen. Diese Untersuchungen haben nun ergeben, da ß derjenige, von dem das Blut an Kaspar Hausers Unterhose stammte, mit Sicherheit nicht ein Sohn der Großherzogin Stephanie gewesen sein kann - wobei es aber möglich ist, daß es sich bei dem Blut gar nicht um das von Kaspar Hauser handelt.
Auch wenn Kaspar Hauser nicht der badische Prinz gewesen sein sollte, für den man ihn jahrzehntelang gehalten hat, weiß man noch immer nicht, wer er denn nun tatsächlich war.
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Quellen:
Film von Werner Herzog: "Jeder für sich und Gott gegen Alle", BRD 1974
"Der Spiegel" 10/1996, S. 100-101: Betrüger oder Prinz "Der Spiegel" 48/1996, S. 254-273: Der entzauberte Prinz. Kaspar Hauser Marcus Conradt: Fünfeinhalb Jahre unter Menschen. Armer Kaspar Hauser, Stuttgart 1983 Johannes Mayer/Peter Tradowsky: Kaspar Hauser. Das Kind von Europa, Stuttgart 1984 (mit über 500 Abbildungen) Ulrike Leonhardt: Prinz von Baden, genannt Kaspar Hauser, Reinbek 1987
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Anna Peters, 2001, Kaspar Hauser - Referatzusammenfassung, München, GRIN Verlag GmbH
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