zu den ältesten Kunstdenkmälern in Irland gehören die Megalithgräber, die in der - Steinzeiterrichtet wurden
aus der Bronzezeit sind die Steinkreise und einzeln stehende Steine erhalten - ausder Eisenzeit sind, die von einem Wall umgebenen Schutzbauten, erhalten - ausdieser Periode stammt auch die Ogham- Schrift - unbeeinflusstvon römischer Kunst konnten sich in Irland eigenständige Kunststile, z.B. - beider Metallbearbeitung, entwickeln
seit dem 6. Jh. Traten zu den keltischen Elementen germanische und bis zum Ende des 7. - Jhds.Auch christliche
in der Buchmalerei entstanden in dieser zeit die beiden Hauptwerke: Das Book of Durrow - (Mitte7. Jhd.) und das Book of Kells ( Anfang des 9. Jhds.)
unter der englischen Herrschaft wurde das künstlerische Schaffen weitgehend unterdrückt - Literatur - inder Entwicklung der irischen Literatur lassen sich 3 Epochen unterscheiden - inder frühen Epoche zwischen 600 und 1200 n. Chr. Entstanden die Heldensagen wie - z.B.:„Red Branch Cycle“ und „Mythological Cycle“
die Literatur der mittleren Epoche ( 1200- 1650) umfasst neben der Bardendichtung zum - Ruhmdes Königs auch eine Prosadichtung, die dem vierten irischen Sagenzyklus zuzurechnen ist
in der späten Epoche (1650- 1850) wurde einen eigenständige irische Dichtung durch die - englischenEroberer unterdrückt
zu den bekannten Autoren, die seit dem 17. Jhd. Über Irland hinaus bekannt wurden, - gehörenu. a. Jonathan Swift, Oliver Goldsmith, George Bernhard Shaw, James Joyce und Brendan Behan, William Butler Yeats
Irische Musik und ihre Entwicklung
die Geschichte Irlands ist zum größten teil die Geschichte eines ländlichen Staatswesens - nochbis vor kurzem verstand man unter irischer Musik fast ausschließlich Volksmusik - sowieKomposition für bestimmte traditionelle Instrumente
die Musiktradition Irlands ist somit bis ins 19. Jh. Vorwiegend als Pflege der Volksmusik - zuverstehen
seit dem Mittelalter erfuhr sie eine Blütezeit, als an den Höfen und bei den Reichen Lieder - vorgetragenwurden 1.„Suil a ruin“ Lord of the dance - 2.„Rising of the moon“ Whiskey in the Jar Ireland - dieVolksmusik in Irland hat eine lange Tradition, die ältesten Hinweise stammen aus dem - 12.Jh.
man teilt die Musik in 2 Kategorien: reine vokalmusik und Tanzmusik - diemeisten einstimmigen Lieder werden von Sängern oft auch mit Instrumentalbegleitung - vorgetragen
es existiert ein umfangreiches Repertoire berühmt humorvoller Lieder - 3.„Mc Alphines Fusiliers“ Dubliners - 4.„Arthur Mc Bride“ Corrib Folk - derGroßteil des irischen Liedgutes behandelt freilich die meist vergebliche Liebe - diemeisten alten Lieder werden auch heute noch in gälischer Sprache gesungen - derirische Volksgesang benutzt zwar neben der irischen auch die englische Sprache, doch - istdas Irische das ältere Sprachelement und noch heute an der irischen Westküste, in Donegal (Ulster), in Galway mit den angrenzenden Inseln (Connacht) und in Kerry und Cork (Munster) lebendig
zum Verständnis der rhythmischen Strukturen irischer Musik ist die Kenntnis der Gesänge - inirischer Sprache wichtig, da diese auch für diejenigen echten Volkslieder , die sich des Englischen bedienen, in rhythmischer Beziehung als grundlegend zu gelten haben diese wurden wesentlich von der Entwicklung der gleichsam nationalen Instrumente - Dudelsackund irische Harfe bestimmt
die Kenntnis dieser zunächst nicht in Notation überlieferten Musik verdanken wir einer - reichenSammlung von Melodien, die erst seit 1780 ( vor allem von Edward Bunting und George Petrie) zusammengetragen wurden; die einzelnen Weisen stammen aus verschiedensten Epochen und sind zeitlich nur schwer einzuordnen es handelt sich im wesentlichen um einstimmige Gesänge, denn von der Entwicklung der - abendländischenMehrstimmigkeit blieb Irland vorerst unberührt das gälische, mündlich tradierte Volksliedgut blieb trotz tiefgreifender Umformungen im - wesentlichenbis heute erhalten
in späterer Zeit wurde das Liedgut von Minnesängern wie dem Dichter und Harfenisten - TorloghO`Carolan (1670-1738) gepflegt, von dem etwa 200 Stücke überliefert sind
irische Dichtung - allenoch erhaltenen Weisen gehen auf die irische Dichtkunst zurück, die in 4 Haupttypen - nämlich Rosg, Laoi, Caoine und Amhran - aufgetreten ist
Rosg ist eine Art Rezitativ, dessen kurze Verszeilen zu Strophen von unbestimmter Länge - zusammengefasstsind
Tritt Musik zur Dichtung hinzu, so entstehen Formen, die den russischen „gedehnten - Gesängen“oder der spanischen Alata nicht unähnlich sind
Laoi bedeutet in der Dichtung eine vierzeilige Strophe, die bei der Darstellung des Heroic - FenianCycle Verwendung gefunden hat Die dazugehörigen Weisen glichen denen des Chorals - UnterCaoine wird innerhalb der Dichtkunst jede Art von Klagegedicht verstanden - Imwahren Sinne jedoch bezeichnete Caoine einen ganz bestimmten Gesangtyp, der als - Totenklagebei Begräbnissen von berufsmäßigen Klagesängern angestimmt worden ist Diese Sitte ist jedoch heute kaum mehr anzutreffen - Eingewöhnlicher Klagegesang wäre dem gegenüber unter dem Begriff des Amhran - einzureihen,der als Kompositionsform am weitesten verbreitet und hinsichtlich der metrischen Struktur am vielfältigsten ist
Tadhg O Donnchadha hat in seinem Hauptwerk Prosoid Gaedhilge (Gälische Prosodie) - alleindreizehn verschiedene Arten des Amhran, die sich durch die Anzahl der Zeilen innerhalb einer Strophe unterscheiden, verzeichnet
Die Strophenformen gehen von einfachen Vierzeilern bis zu sechzehn- und mehrzeiligen - Strophen
Immer bewirkt eine Abwandlung der metrischen Betonung innerhalb einer Zeile beim - Hinzutretender Musik eine Variante des Rhythmus
Petrie 1850: Die irische Dichtung bedient sich eines dem natürlichen Sprachrhythmus - folgendenakzentuierenden Verses
Die betonten Worte jeder Zeile reimen entweder untereinander oder mit einer ähnlichen - Folgebetonter Worte der nächsten Zeile durch Gleichklang (Assonanz), was sich dann in der einmal gewählten Form in allen Strophen wiederholt Auch Endreime erfordern lediglich Assonanzen - Zwischenbetonten Silben braucht nicht immer innerhalb eines jeden Taktes (Ceim, step) - dieselbeAnzahl unbetonter zu liegen
Jedoch gibt es daneben viele Gesänge, vorwiegend Tanz- und Marschlieder, mit fast - gleichmäßigenTakten
Das Beispiel illustriert die irische akzentuierende Assonanzendichtung -
Es stammt aus dem Lied Roisin Dubh (Dunkles Röselein)
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DieReimsilben sind unterstrichen
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Isfada´n réim do leg me léi óndé go dti ´ ndiú
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Trasnasléibhte go ndeachas léi faoi sheolta´r muir
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AnÈirne´s chaith mé léim i, cidh mór an sruth
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´Sbéidh ceol téud ar gach taebh dhiom as mo Róisin Dúbh
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Reimschema:---é---é--é--ú
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-
Einso kompliziertes Reimschema ist nur unter Schwierigkeiten auf die deutsche Sprache
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übertragbar,da nach Möller „diese Assonanzen, die das keltische Ohr als Reime empfindet,... im Deutschen immer durch Vollreime wiedergegeben werden“ sollen Immerhin vermittelt die folgende Möllers Lied der Völker entnommene Bearbeitung der
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irischenStrophe einen ungefähren Eindruck von der Versklangwirkung des Originals: Weiten Weg ohne Steg kam mit dir ich daher
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ÜberBerge, durch Schluchten und übers wilde, wilde Meer
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Mitdir durch den Einre (sprich Erne) und über Stock und Stein
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Undich sang, und die Harfe klang für mein Dunkles Röselein
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Wäreder Text nicht erhalten, so könnte man doch unschwer aus der Melodie das Metrum
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desOriginalgedichtes ableiten So darf man z.B. für die berühmte, mißverständlich The Londonderry Air genannte - untextierteLiedweise mit ziemlicher Sicherheit dasselbe metrische Schema annehmen, das dem bekannten Jacobiterlied „ An Buachall Bán“ (veröffentlicht 1860) zugrunde liegt
- Instrumente - Imselben Maße, wie die Rhythmik der irischen Musik von der akzentuierenden - AssonanzendichtungIrlands her bestimmt wird, sind die verwendeten Leitergebilde abhängig von dem Tonsystem, das auf der Harfe als Instrument des Adels und auf dem Dudelsack als dem Volksinstrument Irlands dargestellt werden konnte Von allen irischen Nationalinstrumenten stand die Harfe auf der höchsten Stufe, - unmittelbargefolgt vom Dudelsack Harfe - Istein zur Klasse der Chordophone gehörendes gezupftes Musikinstrument - Esgibt drei Arten von Harfen - Beider Bogenharfe beschreiben Hals und Schallkörper einen Bogen - Beider Winkelharfe stehen Hals und Schallkörper mindestens im rechten Winkel zu - einander
Bei der Rahmenharfe verbindet die Vorder- und Baronstange den Hals und Schallkörper - Dasentstandene Dreieck kann die Saitenspannung besser auffangen - Dieheutige Doppelpedalharfe wurde 1811 von Sebastien Erard entwickelt und besitzt mit - 46oder 48 Saiten einen Tonumfang von fast 7 Oktaven
Bassaiten bestehen aus ummanteltem Draht und die hohen Saiten aus Darm, Nylon oder - Perlon
Um Noten spielen zu können, die nicht im Bereich des 7- tönigen Grundtonumfangs der - Harfeliegen, verfügt diese über ein System von 7 Doppelpedalen, wobei jedes Pedal eine Saite pro Oktave beeinflusst Die Harfe ist Ces- Dur gestimmt -
Wenn ein Pedal in die 2. Stellung einrastet, erhöht sich die Saitenstimmung um einen - Ganzton,von Ces- Dur auf Cis- Dur
Die Harfe, Clarsach oder gälisch Cleiseach genannt, ist seit dem Mittelalter in Irland - bekannt
Anstatt mit den Fingerkuppen werden die Saiten der Clarsach mit den Fingernägeln - angerissen
Dieses Instrument ist da Wahrzeichen der Republik Irland - DieVerwendungsarten der Harfe reichen von Ensemblespiel und Gesangsbegleitung über - dasGeneralbass- und Soloinstrument bis zum heutigen Orchester- und Konzertinstrument Bedeutende Harfenwerke schrieben u.a. Händel, Mozart, Hindemith, Henze und Berio - Harfeund Harfenspieler genossen im Mittelalter hohes soziales Prestige und das - Instrumenthatte entsprechende symbolische Bedeutung Beispielsweise wurde die Harfe in das irische Wappen aufgenommen - 5.„Ride a Mile/ Drop of Brandy“ Joe & Antoinette Mc Kenna
6. „Fanny Power“ Joe & Antoinette Mc Kenna
7.„The rights of men- The pride of Petravore“ De Dannan 8.„Never an absolution“ Titanic Soundtrack (James Horner)
- Zwarwurden daneben nachweislich auch andere Instrumente benutzt, doch haben diese in - deririschen Musik keinen nennenswerten Spuren hinterlassen und sind lediglich von archäologischem Interesse
Hierher gehören die mit dem Bogen gespielten Streichinstrumente Timpan und Fidil, das - demMilitärherr verwandte Corn, die beiden Typen Stoc und Sturgan sowie zwei verschiedene Typen einer früheren Entwicklungsform der Harfe, nämlich die 5- oder 6saitige quadratische Harfe, wie sie auf dem Steinkreuz in Castledermod dargestellt ist, und eine dreieckige Harfe, die offenbar nordischen Ursprungs ist und vom 11. Jhd. An in Darstellungen begegnet
Letztere wurde „Ocht-tédach“ genannt, mit Eisen-, Silber- oder Bronzesaiten bespannt, - amGürtel getragen und zur Gesangsbegleitung benutzt „The Humours of whisky/ The Kid on the mountain“ Joe & Antoinette Mc Kenna - DerDudelsack war in 2 Arten vertreten, von denen die im allgemeinen als „Warpipe“ - bezeichnetePiob Mór (Big Pipe) mit der schottischen Highland Pipe völlig übereinstimmte, während die Benennung der Piob Uilleann (Elbow Pipe) darauf zurückzuführen ist, dass die jüngere englische Bezeichnung für dieses Instrument "Union Pipe", einem Mißverständnis zufolge mit dem gälischen Wort Uille (Elbow = Ellenbogen) verquickt wurde
Diese Piob Uilleann wurde mit Hilfe eines Blasebalges gespielt - Bevorman sie im Laufe einer „fortschrittlichen“ Entwicklung durch Hinzufügung von - Tastenund Klangregulatoren „verbesserte“ und die Stimmung um einen Ton nach oben verschob , hatte sie den Tonumfang c-c´´
Deshalb war es nur bis zu einem gewissen Grade möglich, auf dem Dudelsack sämtliche - Leiterndarzustellen, die für das Spiel auf der erstmals in der Form der sogenannten Brian Boru Harfe vertretenen Cláirseach zur Verfügung standen
Dieses Instrument, das sich heute in der Bibliothek des Trinity College Dublin befindet, - stammtaus dem 15. Jhd. Und hat dreißig Saiten
Ihm gegenüber war die Irish Harp ein einfaches diatonisches Instrument, dessen Tonhöhe - festgelegtund während des Spiels nicht mehr beeinflußbar war
Der Spieler konnte also lediglich ein modales Leitersystem benutzen, dessen erste sechs - Leiternmit dem Dorischen, Ionischen, Phrygischen, Lydischen, Mixolydischen und Aeolischen übereinstimmen
Daneben gab es jedoch drei weitere Leitern, nämlich eine dorische Leiter ohne Quarte auf - derQuarte der ersten Leiter als Grundton, eine weitere dorische Leiter ohne Septime auf der Quinte der ersten Leiter als Grundton und eine Tonleiter ohne Quarte und Septime, die entsprechend dem Umfang des Instruments oder auch eine Quarte oder Quinte höher gespielt wurde
Dem Spieler der Irish Harp standen also im Rahmen der darstellbaren Tonleitern drei - Leiternzur Verfügung, die der modernen Dur- Tonleiter entsprechen E. Bunting hat im Vorwort zu seiner 1840 erschienenen Ancient Music of Ireland - hingewiesen,dass es so schiene, als hätten die damaligen Zeitgenossen die Anwendung dieser Instrumente nicht gekannt Die Gründe für Buntings Feststellung liegen auf der Hand - Alssich die europäische Musik Anfang des 17.Jhd. von den Kirchentönen löste, wurde die - irischeMusik wegen der Teilnahme irischer Harfenisten, Flötisten und Dichter am letzten gemeinsamen Aufstand der gaelischen Iren gegen England geächtet Die Niederlage in der Schlacht von Kinsale (1601) bedeutete für die national- irische - Gesellschaftsordnungund damit gleichzeitig für die von einem verwickelten Patronatssystem geförderten Künste der Musik und der Dichtung einen entscheidenden Schlag
Hatte es vorher jahrhundertelang in hoher Blüte stehende Schulen für Musik und - Dichtkunstgegeben, so bestand jetzt nur noch die Möglichkeit der mündlichen Überlieferung
An den Höfen der Prinzen und Stammesführer wurden früher die von einem „File“, dem - Dichtermit dem höchsten Rang, verfasste Gedichte von einem „Reacaire“ genannten Rezitator zur Begleitung eines „Oirfeadach“ (Harfenist) gesprochen oder gesungen Der erkennbare Primat der Dichtung vor der Musik spiegelt sich noch heute darin wider, - dassein aus Irland stammender Volkssänger (selbst dann, wenn er sich der englischen Sprache bedient) immer dem Text wie dem Inhalt des Liedes größere Beachtung schenkt als der Melodie
Das englische „Sing a Song“ ist eine für Irland nicht zutreffende Vorstellung - Vielmehrheisst es im Irischen „Abair Amhrán“, was englisch „Say a Song“ heissen - würde
Ein guter Sänger wird sein Lied immer derart beenden, dass er die letzten Zeilen spricht - stattsingt
Im alten Irland standen die berufsmäßigen Harfenisten nach den Brehon Laws im Range - eines„bó-áire“, also eines nichtadligen, sich durch eigenen Besitz oder eigenes Vermögen auszeichnenden und zur Steuerzahlung verpflichteten Vollbürgers, während die Dichter als die Verfasser der zum Lobe der fürstlichen Herren hochgeschätzten genealogischen Gedichte Stellungen innehatten, die ihnen größere Vorrechte einräumten Als dieses System im Laufe der Jh.- langen Vergeltungskriege, vor allem aber nach der - Niederlagevon Kinsale und nach den von Cromwell und König Wilhelm III. geführten Kriegen allmählich zerbröckelte, gingen die Stände der Harfen- und Flöten- Spieler wie die der Hof- und Volkspoeten im Zuge der der allgemeinen Unterdrückung folgenden Demokratisierung ineinander auf
Die Dichter vernachlässigten die hochentwickelte skandierende Dichtkunst, die sie unter - ihrenfrüheren Herren ausschließlich gepflegt hatten, und wandten sich der in niederen Volkskreisen der seit dem 13. Jh. Geübten akzentuierenden Praxis zu, wozu die Harfenisten dann die Musik lieferten
Diesen Dichtern und ihren Nachfolgern ist die charakteristische literarische Hochblüte - einergroßen Anzahl von Liedern zu verdanken, die auf dem Wege mündlicher Überlieferung noch der heutigen Generation bekannt sind
Da Dichter und Harfenisten aber nicht mehr im Dienste fürstlicher Herren standen, - sondernihr Leben von der Wohltätigkeit ihrer heruntergekommenen Standesgenossen oder von der Gnade und Gunst der neuen Herrscher fristen mussten, sah man sie als interessante Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit und als Zeugen einstiger Größe an
Die Musiker betrieben die Musik ach weiterhin in der ihnen gewohnten Art und Weise - undbenutzten ihre alten , antiquiert, barbarisch und für die „kultivierten“ Ohren der englischen Oberschicht des 18. Jhs. „sehr altertümlich“ klingende Modi Gesetzlockerungen gestatten den Harfenisten an vielen Orten , Versammlungen - abzuhalten,sodass gerade zu einem Zeitpunkt, als das Dur- Moll- System in Mozart und Beethoven den Gipfelpunkt seiner Entwicklung erreicht hatte, der im modernen Sinne musisch erzogene Edward Bunting 1792 von den Organisatoren einer solchen „Harpers ´ Assembly“ des „Belfast Harp Festival“ um die Aufzeichnung der von den letzten irischen Harfenisten gespielten Weisen gebeten wurde
Dem Bunting geläufigen Dur- Moll- System trat hier das alte Modalsystem gegenüber, das - eineman die modernen Tonarten gewöhnten Ohr als Relikt aus einer vergangenen Epoche erscheinen musste
So war es unvermeidlich, dass Bunting bei seiner Übertragung die modalen Gesänge in - dasDur- Moll- System und bei einigen der schönsten irischen Lieder deren Rhythmik in die Zwangsjacke moderner Takte presste
Die Harfenisten, die am 11.,12. Und 13. Juli 1792 Bunting vorgespielt haben, waren Denis - Hempson( *1695) -Bild rumgeben- , Charles Byrne (1712), Daniel Black (1715), Arthur O´Neill (1734), Hugh Higgins (1737), Rose Mooney (1742), James Duncan (1747) und ein der 15- jährige Knabe William Carr (1777)
Von den genannten war Hempson das Bindeglied zum 17. Jh., das mit der Niederlage von - Kinsalebegonnen hatte und deshalb ein Jh. Ständiger mündlicher Überlieferung darstellt Die von den Harfenisten benutzten Instrumente waren meist 30- saitig und stimmten also - hierinmit der im Trinity College, Dublin, befindlichen Harfe aus dem 15. Jh. Überein Ihr Umfang war C- d´´ - DieInstrumente standen nur in der Tonart G und waren auf der Grundlage reiner Quinten - undOktaven gestimmt
Man konnte jedoch mittels eines Stimmhammers eine Saite um einen Halbton verändern - unddadurch die Tonleiter auf C spielen Nur sehr selten wurde die c´´- Saite in fis´´ umgestimmt - esfinden sich aber darüber hinaus keinerlei Belege, dass man auch noch den schritt zur D- - Stimmunggetan hat
von den Teilnehmern des genannten Vorspiels für Bunting spielt Hempson die Harfe nach - alterWeise mit langen, krummen Nägeln, indem er die Saiten mit den Fingernägeln und nicht wie die anderen Spieler mit der Fingerkuppe anzupfte
alle Harfenisten spielten den D. mit der linken, den B. mit der rechten Hand, wobei man - offenbarnicht selten die Melodie in Oktaven begleitet hat beim Akkordspiel wurde der oberste Ton zuerst gespielt - wegender starken Saitenschwingungen musste jede Saite vor dem Anreißen der nächsten - erstabgedämpft werden, was bei schnellen Tonfolgen eine ziemliche technische Fertigkeit voraussetzte
alle beteiligten Harfenisten bedienten sich zur Kennzeichnung der einzelnen Töne und - ihrerKombinationen, der Triller, Verzierungen und Tonarten der irischen Sprache eine vollständige Übersicht über diese nicht ersetzbare Terminologie hat Bunting von dem - berühmtestender beteiligten Spieler erhalten und im Vorwort seiner Ancient Music of Ireland veröffentlicht
sein Interesse an der gaelischen Terminologie ist auch der Grund dafür gewesen, dass er - späterdie irischen Texte separat erschienen ließ
auf späteren musikalischen Forschungsreisen durch Irland ließ Bunting die irischen Texte - zuvielen bereits gesammelten Liedweisen schriftlich niederlegen, doch sind in keinem seiner Werke jemals Texte und Musik zusammen erschienen
andere Sammler sind seinem Beispiel gefolgt, sodass es im ganzen 19. Jh. Keine Ausgabe - gegebenhat, die Texte und Melodien enthielt
einzig Hudson ( 1841- 1843) und Petrie (1855) haben einige Gedichte zu ihren Melodien - undO´Daly (1840-1860) einige Melodien zu seinen Gedichten ergänzend veröffentlicht in der Regel erschienen untextierte Melodie- Überträge - siegeben den Anstoß zur Entstehung einer künstlichen, auf ungenauen Überträgen - basierendenForm des irischen Volksliedes, dem man englisch-sprachige Texte von verschiedenartiger Gefühlbetonung unterlegte
hier muss in erster Linie Thomas Moore genannt werden, der in seinen Irish Melodies - (1808-1834)gelegentlich die bereits fehlerhaften Original- Überträgen noch geändert hat, um sie seinen eigenen Gedichten anzupassen
Moores Melodien sind von der ursprünglichen Schönheit der traditionellen irischen - Gesänge,die ja zu seiner zeit in Westirland noch allgemein bekannt gewesen sind, weit entfernt
Es sind heimwehselige, pseudohistische, grillenhafte oder sentimentale Lieder, die in die - Salonsdes 19.Jh. gehören und zu den noch lebendigen gaelischen Liebes- und Wiegenliedern, „Aislingi“, Klage- Gesängen, Trink- und Arbeitsliedern und Hymnen im schärfsten Gegensatz stehen
Bei Moore gibt es kein Lied, das den gaelischen Gesang am Pflug, am Spinnrocken, beim - Melkenoder beim Netzflicken vergleichbar wäre
es sind ebensowenig original- irische Gesänge wie die Lieder, die das Volk damals in - englischerSprache gesungen hat
innerhalb des im größten Teil Irlands um sich greifenden historischen - Eliminierungsprozessesder irischen Sprache kam es zu vielgestaltigen zweisprachigen Liedbildungen
einige „Macaronic songs“ enthalten abwechseln irische und englische Strophen, von - denendie englischen Verse nicht selten eine bloße Übersetzung oder Bearbeitung der vorangegangenen irischen Verse sind
andere Lieder enthalten Strophen, die unter zeilenweisem Sprachwechsel - zusammenhängendeErzählungen bringen
auch gibt es vollständige Übersetzungen irischer Original- Gesänge - danebenwurden Lieder in englisch gedichtet, in denen die Gesetze der irischen Metrik - angewandtund möglichst weitgehend auf den englischen Text übertragen wurden als das Irische allmählich immer mehr verschwand, tauchten auch englische Lieder auf, - diezwar keine Spuren der irischen Assonanzen- und Metriklehre mehr aufweisen, die aber trotzdem noch in derart hohem Maße Ausdruck irischen Gefühls und Charakters sind, dass man sie aus dem Bestand des irischen Volksliedes wegen ihrer Verbindung mit original- irischen Melodien nicht ausschließen kann
Gesänge dieser Art sind bei den wandernden Balladensängern sehr beliebt gewesen, die - Endedes 19. Jh. An die Stelle der wandernden Harfenisten getreten waren und die Hauptquelle für den noch erhalten gebliebenen alten Kulturbestand in den irischen Städten bildeten
Diese Balladensänger traten auf Jahrmärkten und Marktveranstaltungen, auf Fussball- und - Rennplätzenund bei politischen Veranstaltungen auf und verbreiteten Gesänge mit verschiedenartigsten Inhalten
Sie besangen Liebe und Liebeswerben ebenso wie die Auswanderung, Militäraushebung - undZwangseinziehung, Mordfälle, Schiffsuntergänge und die neuesten politischen Tagesereignisse
Nicht alle derartigen irischen englisch- sprachigen Volkslieder sind irischen Ursprungs - DieZwangsansiedlungen von Engländern und Schotten in Munster und vorwiegend in - Ulsterdurch Königin Maria und König Jakob I., die Errichtung von Garnisonen in ganz Irland mit den sich unvermeidlich daraus ergebenden Mischehen und die häufigen Übersiedlungen der Bewohner Irlands, Englands und Schottlands haben vielmehr eine große Anzahl englischer und schottischer Lieder und Balladen nach Irland gebracht, die dort dann gewöhnlich zu irischen Melodien gesungen und textlich derart verändert wurden, dass sie von echten irischen Gesängen fast nicht mehr unterschieden werden können
Zu Beginn des 20. Jh. War die irisch sprechende Bevölkerung fast gänzlich auf das Gebiet - derWestküste Irlands zusammengedrängt worden, und nur durchgreifende Maßnahmen konnten es bewerkstelligen, die Lieder dieser Iren vor dem Untergang zu bewahren Notwendig war ein sorgfältiges Bemühen um das Verhältnis von Sprache und Musik, da - nurauf diese Weise ein weiterleben dieser Kulturgüter in gedrängter Form sichergestellt werden konnte
Vorbildlich für die anfänglich mit der Gründung der Gaelischen Liga in Zusammenhang - stehendenArbeiten wurde das Wirken Carl Hardebecks, der in seinen Seóda Ceóil erstmals Beispiele irischer Volksmusik in der Form veröffentlicht hat, dass die gaelischen Textworte die Grundlage für den musikalischen Rhythmus ergeben
Statt jedoch die Melodien in langen, mit den jeweiligen Gedichtzeilen korrespondierenden - Phrasendurchlaufend zu notieren, hat Hardebeck vor jeder betonten Assonanz einen Taktstrich angebracht, um damit einer vom Publikum und vor allem von den Sängern erhobenen Forderung nachzukommen
Infolgedessen ergeben sich innerhalb der einzelnen Melodiephrasen häufige Taktwechsel - EinBeispiel für die genaue Arbeit Hardebecks ist das Lied „Ùna Bhán“ - Dieirische Sprache kennt kein Synonym für das englische Wort „dance“ - „damhsa“und „rinnce“ sind beides lediglich aus dem Französischen („danse“) bzw. aus - demEnglischen („rink“) abgeleitete Lehnworte
in der irischen Literatur wird Tanz nicht erwähnt, und die gaelische Sprache kennt keine - Bezeichnungenfür die im heutigen Land gebräuchlichen Tänze jig, reel, hornpipe und setdance
die älteste Erwähnung irischen Tanzes findet sich in dem Itinerary von Fynes Moryson - Morysonlebt von 1600 -1603 in Irland und berichtet von einem von irischen - Fusssoldatenausgeführten „sword dance“ und von einem gewöhnlich in der Mitte eines Raumes getanzten „fire dance“
Ein gaelischer Dichter des 17. Jh. Erwähnt ohne Nennung weiterer Einzelheiten einen - „withydance“ , einen „sword dance“, einen dreiteiligen Tanz mit wechselnder Musik und einen von Frauengesang begleiteten Tanz
Eine Form des dreiteiligen Tanzes wird noch heute in Armagh geübt und heisst dort - wegender mit den einzelnen Teilen wechselnder Musik „The three tunes“ Pantomimische oder Repräsentationstänze sind, soweit bekannt, nicht überliefert - Dagegenwerden noch heute z.Z. der Sommersonnenwende in einigen Teilen des Landes - aufden Hügeln Freudenfeuer entzündet, um die sich das Volk zum Tanzen und Singen versammelt, ohne noch die heidnische Bedeutung des Anlasses zu kennen Im 19. Jh. war es Sitte, dass Braut und Bräutigam von einem Fidelspieler zur Kirche - begleitetund auf dem Rückweg zusammen mit den Schaulustigen zur Weise des Liedes „Tá do mhargadh deanta“ tanzten
Die Braut kehrte in ihr Elternhaus zurück und wurde dann mit einer „Hauling Home“ - - Zeremoniezum Hause ihres Gatten gebracht und dort mit dem Lied „Óró, Sé do bheatha ´na´ bhaile“ begrüßt
Auch bei Gedenkfeiern für einen Lokalheiligen oder - patron und nach Pilgergebeten war - esüblich, dass das Volk tanzte, was man dann „Patrún“ nannte
Diese Volkstänze sind heute sämtlich ausgestorben, und nur noch jig, reel, hornpipe und - setdance sind bekannt
Die Tänze bedeuten gleichzeitig Liedformen, denn obgleich ein jig normalerweise im - 6/8-Takt und ein reel im 4/4- Takt notiert wird, liegt jeder melodischen Phrase eine Gedichtzeile zugrunde- 3 reel, 1 jig Jig kommt aus dem frz. Von Gigue und ital. Giga - Istein seit dem 16. Jh. auf den britischen Inseln verbreiteter Volkstanz, der heute noch in - Schottlandund Irland lebendig ist
Beim englischen Tanz mit dem Namen Bacca Pipes Jig werden zwei Pfeifen auf den
-
Bodengelegt, die von den Tänzern, ohne sie zu berühren, umtanzt werden müssen Dieser Tanz ähnelt dem schottische
In Frankreich wurde die Jig vom Hofe Ludwigs XIV. übernommen, wo sie sich als Gigue - zueinem lebhaften vorwiegend instrumentalen Tanz weiterentwickelte „Yellow tinker- Lady Montgomery“ Altan
„ The Curlew- Mc Dermott´s- The Scones of Boxty- unnamed Reel“ Altan „ Paddy´s trip to Scotland- Dinky´s - The Shetland Fiddler“ Altan „ I buried my wife and danced on her grave“ Frankie Gravin, Liam O´Flynn, Dessie Wilkinson
- der irische Tanz findet normalerweise bei 2 Ereignissen statt: dem Ceilidh (traeffen mit Mzusik, Tanz, Gedichten, Liedern) und Wettbewerben des Feis( irischer Sängerwettsctreit)
- DerHarfenist und Dichter Carolan (um 1721) hat viele Tanzweisen komponiert, darunter - eineenglische „Planxties“ und neu- irisch „Pléaracha“ genannte Melodie, die besonders charakteristisch ist
Die umfangreichste Sammlung irischer Tänze wurde von F. O´Neill zusammengestellt, - dersich als Hauptquelle einer Gruppe im letzten Jh. nach Amerika ausgewanderten Fiedel-, Pfeifen- und Flötenspielern bedient hat
Im allgemeinen wurden die Tanzweisen von „Union pipes“, Fiedeln und Flöten gespielt, - zudenen in neuerer Zeit Concertina, Melodeon und Akkordeon hinzugetreten sind Volkstanz in Irland zu Musik von Geige, Harfe und Dudelsack, der älteste ist Steptanz - Danebengibt es Figurentanz und weniger häufig den Dreiertanz - Steptanz
Michael Flatley ist laut dem Guinessbuch der Rekorde der weltbeste und schnellste Irish- - Step-Dancer 28 Schritte schafft er pro Sekunde - ausserdemwird ihm ein Intelligenzquotient von 170 nachgesagt - 14.„The Lord of The Dance“ Lord Of The Dance -
Arbeit zitieren:
Anne Kokoschko, 2000, Irische Musik, München, GRIN Verlag GmbH
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