Einleitung
Die Widerstandsforschung begründete sich im Nachweis des eigenen Beitrags Österreichs zu seiner Befreiung, der in den Staatsvertragsverhandlungen von den Alliierten eingefordert wurde. Das „Rotweißrot-Buch“ wurde 1946 von der Bundesregierung herausgegeben und berichtete über einschlägige Dokumente, Unterlagen und Informationen über den Österreichischen Widerstand zwischen 1934 und 1945. Dass diesem ersten Band keine weiteren folgten, ist darauf zurückzuführen, dass das politisch-gesellschaftliche Leben im Nachkriegsösterreich nicht von den ehemaligen Widerstandskämpfern und NS-Opfern bestimmt wurde, sondern von der Generation der Kriegsteilnehmer und ehemaligen Nationalsozialisten, die für den Widerstand nie Verständnis aufbringen konnten. Auch der kalte Krieg verhinderte eine objektive Aufarbeitung der Geschehnisse während des Krieges.
Erst Mitte der 60er-Jahre wurde die Widerstandsforschung breiter und systematischer betrieben. Die Gründung des DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes) und die Schaffung zeitgeschichtlicher Institute machten dies möglich. Oft wurden diese Institutionen auf Initiative von ehemaligen Widerstandskämpfern ins Leben gerufen, wodurch staats- und parteiabhängige Einengungen vermieden werden konnten und das gesamte Spektrum des österreichischen Widerstands erfasst werden konnte. Die systematische Aufarbeitung insbesondere der Gestapo- und Gerichtsakte ermöglichte es eine umfassende und übersichtliche Gesamtdarstellung zu verfassen.
Geschichte des Widerstands in Österreich
Anfänge und Probleme:
Obwohl schon seit mehr als vier Jahren vor der Besetzung Österreichs eine austrofaschistische Diktatur bestand, die besonders die politische Linke zu einem Untergrundkampf zwang, bedeutete der März 1938 mehr als nur den Übergang von einem faschistischen System zum anderen. Wesentliche Unterschiede bestanden vor allem hinsichtlich der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, welche sich durch die ideologisch-propagandistische Durchdringung der Gesellschaft, die Umfänge der politischen, ökonomischen und mitlitärischen Potenz sowie der unbeschreiblichen Intensität der Repression des Nazifaschismus äußern. Gerade in der Anfangszeit stieß der Widerstand durch die oben genannten Faktoren auf große Probleme. Der kampflose Untergang und die Passivität der Westmächte waren genauso Gründe dafür wie die totale Machtergreifung und sofortige
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Verfolgung politischer Gegner durch die Nationalsozialisten. Die beispiellose Propagandakampagne, die breite Sympathie für die neuen Herrscher und nicht zuletzt die erzwungene Flucht tausender potenzieller NS-Gegner ins Ausland nahm der Bewegung von vornherein die Möglichkeit zu einer breiten Basis. Dazu trugen zweifellos auch die anschlussfreundlichen Erklärungen verschiedener
österreischischer Institutionen und Persönlichkeiten (z.B. der Bischofskonferenz oder des Republikgründers Dr. Karl Renner) bei. Alle diese Faktoren machten eine breite Formierung und Organisation erster Widerstandsträger erst im anschließenden Sommer möglich.
Anzumerken ist einerseits der Charakter des österreichischen Widerstands hinsichtlich der Motive. Während in anderen besetzen Ländern ein einendes Feindbild herrschte, sah sich der Widerstand in Österreich einer Großteils feindlichen Umwelt entgegengesetzt.
Außerdem prägte die für Österreich so typische tiefe parteipolitische Fragmentierung die Bewegung. Grob kann man zwei annähernd gleich starke Hauptgruppen von potenziellen Gegnern unterschieden: die organisierte Arbeiterbewegung und das katholisch-bürgerliche-konservative Lager. Die Grenzen innerhalb dieser Lager verflossen zwischen den ihnen angehörigen Organisationen, zwischen den Lagern bestand aber nie mehr als ein sympathisierender und respektierender Kontakt. Eine Gemeinsame Wurzel entwickelte sich aufgrund der nationalen Situation erst gegen Kriegsende, vorher war der Wiederstand von politischen, ideologischen, sozialen, religiösen und sittlichen Motiven geprägt. Die verschiedenen Strömungen: Sozialistischer Widerstand:
Auch für die schon illegale Arbeiterbewegung bedeutete der März 1938 einen tiefen Einschnitt. Aufgrund der ungleich schärferen und gefährlicheren Lage wurde die Weisung erlassen alle Aktivitäten für drei Monate einzustellen. Durch die Verhaftung, Flucht oder Auswanderung vieler Funktionäre vollzog sich ein organisatorischer Niedergang.
Die verbliebenen Aktiven konzentrierten ihre Tätigkeit in Folge hauptsächlich auf die Unterstützung von Betroffenen. Die schon seit 1934 bestehende Aktion „sozialistische Arbeiterhilfe“ (Gegenstück zur kommunistischen „roten Hilfe“) ersetzte die Parteiorganisation. Im Juni 1939 wurde die Spitze der SAH zerschlagen. Eine zweite Führungsgarnitur die den Neuaufbau übernehmen sollte und Kontakte zur Auslandsvertretung in Paris unterhielt wurde kurz darauf von der Gestapo zerschlagen.
In weiterer Folge führte die Verfolgung und das Abreißen der Kontakte ins Exil zum Zerfall der Organisation und zur Bildung einzelner voneinander isolierter Gruppen. Einzelne Versuche zum Neuaufbau der Organisation scheiterten und wichtige Funktionäre wurden verhaftet und oft hingerichtet. Auch für die sozialistischen Gruppen war von der Exilführung propagierte
gesamtdeutsche Linie zur „Umwandlung des bestehenden nationalsozialistischen Deutschlands in eine sozalistisches Deutschland“ im wesentlichen das Ziel. Deswegen fehlten wohl in den meisten Anklagen gegen Sozialisten die gegen Kommunisten und Monarchisten erhobenen Vorwürfe der „Losreißung vom Reich“. Erst gegen Ende des Krieges zeichnete sich in der Bewegung ein Umdenken Richtung Unabhängigkeit Österreichs ab.
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Kommunistischer Widerstand:
Ausgehend von den vorliegenden Materialien, war der Widerstand der Kommunisten von allen politischen Organisationen zahlenmäßig der weitaus stärkste. Schätzungsweise 80% der Volksgerichtshof-Akten richteten sich gegen KommunistInnen. Ähnlich verhält es sich mit den illegalen Druckwerken dieser Zeit, welche fast zu 90% kommunistischer Herkunft sind. Die KPÖ spielte eine der wichtigsten Rollen in der Arbeiterbewegung. Untersuchungen zeigen, dass vor 1934 etwa 85% der kommunistischen Widerstandskämpfer Mitglieder von sozialdemokratischen Organisationen waren. Das ist darauf zurückzuführen, dass die KPÖ von Anfang an ohne Rücksicht auf Verluste die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Österreichs forderte und bewusst den aktiven Widerstand propagierte. Schon am 12. März 1938 gab das ZK in Prag eine Erklärung aus, die die österreichisch-patriotische Orientierung betonte. Unter dem Einfluss der Auslandsleitung und ihrer Emissäre setze sich diese Linie auch unter den kommunistischen Widerstandsgruppierungen durch, welche von der Forderung nach einer Diktatur des Proletariats abwichen und den Kampf um die Wiederherstellung eines freien und demokratischen Österreichs aufnahmen. Analog zu anderen von Hitler besetzen Ländern forderten die österreichischen Kommunisten eine überparteiliche „Österreichische Freiheitsfront“. Leider blieb der Kontakt und der Einfluss der KPÖ aber meist auf die Arbeiterschaft beschränkt, wo sie auch ihre größte Wirkung erzielte. Viele zum Widerstand bereite, ehemalige Sozialdemokraten oder Gewerkschafter formierten sich aufgrund des Fehlens eigener Organisationen mit den Kommunisten, zahlreiche lokale und betriebliche Zellen entstanden ab Sommer 1938, gerade diese fielen oft der Gestapo zum Opfer und ihre Führer wurden verhaftet oder umgebracht. Die KPÖ brachte immer wieder Spitzenfunktionäre aus dem Ausland nach Österreich, die den Widerstand zentral organisieren sollten, doch nahezu alle diese Emissäre wurden durch die zunehmende Unterwanderung durch Gestapo Spitzel ausgemacht und mit ganzen Gruppen von hunderten AktivistInnen festgenommen. Gerade junge Intellektuelle, Wissenschaftler und Künstler schlossen sich dem kommunistischen Widerstand an und kämpften so gegen den Faschismus und für die Wiederherstellung von Demokratie und Freiheit. Juden waren in diesen Kreisen überproportional vertreten und engagierten sich stark bei vielen Aktionen. Doch nach der zunehmenden Zerschlagung kamen gerade sie in KZ um da sie ab der von Hitler angeordneten Politik der „Endlösung“ nicht mehr der Justiz übergeben wurden.
Im Mittelpunkt des auf Massenwiderstand zielenden kommunistischen Widerstands stand die Verbreitung illegaler Druckwerke, welche das nationalsozialistische Meinungsmonopol brechen sollten. Das wurde vor allem durch den Kommunistischen Jugendverband (KJV) getragen, der durch Streu- und Schmieraktionen einen großen Anteil am Widerstand hatte. Auch die Unterwanderung der HJ war eines ihrer Ziele, das durchaus Aufmerksamkeit der Gestapo auf sich zog.
Bis Ende 1943 konnte durch die brutalen Methoden der Nazis die meisten Organisationen aufgedeckt und zerschlagen werden. Insgesamt 6300 wegen Hochverrats Festgenommene KommunistInnen nannte die Gestapo in Wien 1944, was die beachtliche Stärke des kommunistischen Widerstands beweist. Kaum einer wurde wieder frei gelassen, viele wurden hingerichtet oder kamen in Folge ihrer
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Gefangenschaft um. Für die KPÖ bedeutete diese Einbuße von tausenden AktivistInnen einen unersetzlichen Verlust.
Widerstand im bürgerlichen und katholischen Lager:
Zum Gegensatz zu der generaliter in die Illegalität abgedrängte politischen Linken, ginge konservative und bürgerlich/katholische Kräfte nur selten von vornherein in den Widerstand. Durch die Anschlusserklärung Innitzers wurde eine Phase der Verhandlungen zwischen dem NS-Regime und der katholischen Kirche eingeleitet, dadurch nahmen viele dem Nationalsozialismus feindlich gesinnte Katholiken erst eine abwartende Haltung ein. Erst ab Herbst 1938 ging die Kirche mitunter in offene Konfrontation über, stellte sich aber nie in den aktiven Widerstand, da sie ihre Legitimität nicht verlieren wollte. Viele Priester, Nonnen und gläubige Katholiken wurden trotz der vorsichtigen Haltung der Kirche zu entschiedenen Regimegegnern. So wurde zum Beispiel die Nonne St. Maria Restituta wegen Verbreitung kriegsgegnerischer Gedichte hingerichtet, Franz Jägerstädter, ein einfacher Bauer aus Oberösterreich, verweigerte als Christ und Pazifist den Kriegsdienst bis zur letzten Konsequenz, seine Seligsprechung wird bis heute vom Kameradschaftsbund hintertrieben.
Die einzige öffentliche Demonstration fand am 7. Oktober 1938 nach einer Ansprache von Kardinal Innitzer im Stephansdom statt. Das Regime antwortete dementsprechend brutal und verhaftete Teilnehmer der Kundgebung welche dann später in KZ umgebracht wurden. Den stärksten Widerstand leistete die Kirche wohl im Kampf gegen die NS-Euthanasie-Programme. Sie trug zum von Hitler schließlich dekretierteb Stopp dieser Programme wesentlich bei. Durch die zunehmende Diskriminierung, Verfolgung von Funktionären und viele andere antikatholische Maßnahmen bildeten sich große Widerstandsgruppen, die meisten von ihnen wurden aber bis Sommer 1940 zerschlagen und aufgedeckt. Übrig blieben Gruppen wie die „Antifaschistische Freiheitsbewegung“ oder kleinere illegale Jugendgruppen. Diejenigen, die noch österreichweit agieren konnten, unterhielten teilweise Kontakte zu alliierten Kriegsgeheimdiensten und lieferten wichtige Informationen über die Rüstungsindustrie in Österreich. Dieser Einsatz kann heute als integrierender Bestandteil des Untergrundkampfes gegen Hitler gesehen werden.
Die politischen Kräfte, die vor 1938 die Macht inne hatten mussten erst den tiefen Sturz den sie erlitten hatten überwinden und sich auf dem Weg in die Illegalität neu formieren. Erst gegen Kriegsende bildeten sich wieder vermehrt bürgerliche Widerstandsgruppen die aber nicht aktionistisch organisiert waren sondern eher lose Verbände darstellten. Sie kamen meistens privat zusammen und erörterten eher die Pläne für die Nach-NS-Zeit. Da in diesen Gruppen sehr oft auch christliche Arbeiterfunktionäre sowie Bauern und Gewerbetreibende vertreten waren, wird heute noch auf die Entstehung der ÖVP im Widerstand hingewiesen. Von Anfang an kämpften die Monarchisten entschlossen gegen die Aufgabe der österreichischen Nationalität. Auch hier gingen die Verhaftungen in den ersten Monaten des Anschlusses in die Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden. Das war einer der Gründe, warum sich keine bekannteren Persönlichkeiten mehr in den Widerstandsgruppen befanden, welche meist von der jüngeren Generation getragen wurden, selten aber eine stramme Organisation aufwiesen und weiter als über den engsten Freundeskreis hinausgingen. Mit oft großzügiger ausländischer finanzieller
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Unterstützung konnten aber auch sie ihren Teil zum Kampf gegen die Nazis beitragen.
Eine in der Geschichtssschreibung der Zweiten Republik nur selten gewürdigte Rolle spielt dabei der exilierte Sohn des letzten Kaisers Otto von Habsburg, der unter anderem in den USA viele Gelegenheiten nutzte, auf die notwendige Wiederherstellung der Eigenständigkeit Österreichs hinzuweisen. Andere religiöse Gruppen:
Die meisten religiösen Gruppen setzten auch nach dem März 1938 ihre Tätigkeit fort.
Die widerstand der glaubensstarken Zeugen Jehovas, welche von den Nazis als „Bibelforscher“ bezeichnet wurde, verweigerten als grundsätzliche Pazifisten den Wehrdienst und die Rüstungsarbeit. In ihren Publikationen verkündeten sie neben religiösen Inhalten auch ihre strikte Ablehnung zum nationalsozialistischen Regime und jeglichen totalitären und diktatorischen Systemen. Sie verurteilten die Verfolgung ihrer Glaubensbrüder im Deutschen Reich, beklagten aber auch die Verfolgung von Juden, Roma und anderer unschuldiger Menschen, die im Gegensatz zu den Zeugen Jehovas nicht die Möglichkeit hatten, von ihrer Lehre „abzuschwören“ und so der Verfolgung zu entgehen. Nach eigenen Angaben sind in Österreich 145 der 550 Mitglieder der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas durch Naziterrror umgekommen. Der Widerstand der evangelischen Kirche war relativ gesehen gering, obwohl auch sie unter den Folgen der antikirchlichen Verfolgung litten. Zu bemerken ist jedoch, dass die evangelischen Mission in Wien und anderswo über 3000 Juden die Flucht ins Ausland ermöglichte.
Die Tätigkeiten von Gruppen wie den Baptisten oder der Sekte der Adventisten beschränkte sich auf gelegentliche regimekritische Predigten und Äußerungen.
Bewaffneter Widerstand, Partisanenkampf:
Nachdem sich der traditionelle, auf Propaganda und der Bildung von Organisationen basierende Kampf der österreichischen WiderstandskämpferInnen als besonders verlustreich und ineffiezient erwies, bildeten sich ab etwa 1942 - meist auf Initivative von Kommunisten - bewaffnete Widerstandsgruppen. Zentrum dieser Aktivitäten war Kärnten und im besonderen der slowenisch geprägte Süden. Infolge der Germanisierungs- und Aussiedelungspolitik der Nazis konnten die Partisanen auf breite Unterstützung vor allem der slowenischen Bevölkerung bauen. Ihre Bataillone waren Teil der Volksbefreiungsarmee Titos und konnten sich so militärisch wie auch politisch festsetzen, ungeachtet ihrer politischen Orientierung auf ein vereintes und kommunistisches Slowenien kann ihr Beitrag zur eigenständigen Befreiung Österreichs als der effizienteste gewertet werden. Weit über tausend, meist slowenische Kämpfer, fielen in den schweren Gefechten die sie den zur so genannten Bandenbekämpfung eingesetzten SS- und Wehmachtseinheiten lieferten, zum Opfer. Die Abkommen zwischen den
kommunistischen schlussendlich die Aufstellung der einzigen unter österreichischer Führung stehenden militärischen Einheiten die im Kampf gegen Hitler zum Einsatz kamen. Wegen der stark wirksamen antibolschewistischen Propaganda innerhalb der Bevölkerung, konnten abgesetzte Fallschirmtruppen, wie zum Beispiel die
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„Koralmpartisanen“, nur schwer Fuß fassen. Besonders in der Endphase des Krieges setzten die Alliierten vermehrt Kommandounternehmen mit verschiedenen Aufgaben in Österreich ein, diese wurden aber großteils durch Verrat in die Hände der GESTAPO fielen. Einige sowjetische Fallschirmtrupps konnten sich allerdings bis zum Ende des Kriegs behaupten.
Eine längere Dauer des Krieges hätte diesen Gruppen sicher mehr politisches Gewicht im Widerstand gegeben.
Überparteiliche und militärische Widerstandsgruppen:
Erst gegen Ende des Krieges formierten sich überparteiliche Organisationen die Mitglieder aus verschiedenen politischen und sozialen Lagern hatten. Die bekannteste und wichtigste von ihnen ist die Gruppe O5. Von bürgerlichen und konservativen Kräften initiiert und getragen, knüpfte sie Kontakte zu Sozialdemokraten und auch Kommunisten. Auch gelang es ihnen, besonders durch den späteren Verleger und Puplizisten Fritz Molden, Verbindungen zu den Alliierten herzustellen und dadurch ihren politischen Stellenwert zu steigern. Vielerorts konnten durch O5 und mit ihr kooperierende Kräfte gegen Kriegsende Befreiungsaktionen geleistet werden und sinnlose und verlustreiche Kämpfe verhindert werden. So wurde beispielsweise Innsbruck schon am 3. Mai 1945 noch vor dem Eintreffen der amerikanischen Truppen befreit. Oft konnten die angeordneten Zerstörungsaktionen von Betrieben, Gebäuden etc. verhindert werden, obwohl bis in den Mai hinein noch versucht wurde die Widerstandsaktionen durch Standgerichte zu unterdrücken. Unzählige Menschen wurden so in Schnellverfahren noch kurz vor Ende des Krieges umgebracht. Unabhängig von diesen Gruppen konnten sich lokale militärische Gruppen bilden. So war die um Major Carl Szokoll konzentrierte Gruppe in Wien auch schon beim Anti-Hitler Putsch 1944 in Aktion getreten. Durch die Kooperation mit der O5 konnte im April 1945 sogar Kontakt zur Roten Armee aufgenommen werde, der Aufstandsplan scheiterte aber durch Verrat und somit wurde eine kampflose Übergabe der Stadt Wien verhindert.
Widerstand in Gefängnissen und Lagern:
Trotz dem höheren Risiko gab es auch in den Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern in Österreich Widerstand. Dieser war aber in erster Linie nicht politischer Natur, sondern stand eher im Zeichen von organisierter Solidarität, Hilfe für andere Kameraden und kreiste um die Sorge um das nackte Überleben. Die Zustände zu verbessern war oft das Ziel. Allerdings wurden sehr wohl politische Diskussionen geführt und manchmal sogar Schulungen abgehalten. Auch auf die Unterstützung von Ausbruchsversuchen und andere illegale Aktivitäten zielte man ab.
Das gemeinsam erfahrene Leid setzte auch den Impuls zur Zusammenarbeit sozialdemokratischer und konservativer Kräfte, eine für das Nachkriegsösterreich grundlegende Entwicklung. Der sogenannte „Geist der Lagerstraße“, die uneingeschränkte Solidarität und nicht zu vergessen das alle einende Ziel, ein freies Österreich wieder herzustellen, führten zur Überwindung der Großdeutschen Idee und schufen ein neues österreichisches Nationalbewußtsein. So geht aus den
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meisten Zeitzeugenberichten hervor, dass sich Österreicher meist als solche verstanden haben und an ein eigenständiges Österreich dachten. Allerdings wurde dieses Bild oft getrübt, da es mitunter eine starke Gruppenegoistik gab. Schon allein die räumliche Separierung verhinderte eine Einbeziehung von Juden, Homosexuellen etc. in die politischen Prozesse. Auch innerhalb der politischen Gruppen kam Ausgrenzung und Konflikt vor, besonders innerhalb des linken Lagers zwischen Kommunisten und anderen linken Gruppen. Widerstand von Einzelnen, individuelle Resistenz: Relativ spät wurde mit der Erforschung des passiven, nicht organisierten Widerstands begonnen. Die individuelle Resistenz gegen das System äußerte sich auf verschiedenste Weise, durch einfach antinazistische Haltung, kritischen Äußerungen oder Hören von ausländischen Radiosendern. Auch Sabotage und Hilfeleistung für Verfolgte sind Formen des passiven Widerstands, welcher genauso wie der organisierte polizeilich verfolgt und bestraft wurde. Ein Großteil der rund 10.000 Verfahren vor dem Sondergericht in Wien bezieht sich auf Brüche des so genannten Heimtückegesetzes.
Diese Ausdrucksform des Widerstands kann als Spiegel der Stimmung im Volk verstanden werden, da sie ja nicht bewußt von statten ging sondern viel mehr spontaner Ausdruck von Enttäuschung und Hass auf das NS-Regime war. Unpolitische Widerstandformen wie das „Arbeitsbummeln“, „Krankfeiern“ etc. fanden bald in solchen Ausmaßen statt, dass Reppressionsmaßnahmen wie zum Beispiel Arbeitserziehungslager eingeführt wurden. Bei der Ablehnung der Normen spielte besonders die Arbeiterjugend eine große Rolle. Der von der HJ auferlegte Zwang stieß durch bewußt anderes Verhalten bei Kleidung, Haarschnitt u.a. auf Widerstand, was sich auch in zahlreichen Überfällen auf HJ Lokale und deren Führer äußerte.
Massenhafte Pseudokriminalität (Verstöße gegen die Kriegswirtschaftsordnung, Schwarzschlachtungen, Schleichhandel, ...) wurde von den Nazis oft als terroristisch abgeurteilt, konnte aber nie ganz unterbunden werden. Besonders im bäuerlich konservativen Bereich konnte man eine gewisse Resistenz feststellen und beobachten, wie sich die traditionelle bäuerliche Elite um die Kirche scharte und sie auch aktiv gegen krichenfeindliche Maßnahmen verteidigte. Das stetige Festhalten an von den Nazis verbotenen Dingen ist kennzeichnend für diesen Widerstand im kleinen.
Davon zu unterscheiden ist die Hilfe, die Einzelpersonen aus zutiefst humanen Gründen ihren Nächsten leisten. Durch den verbotenen Kontakt zu Juden und anderen Verfolgten nehmen sie eine bewußt regimekritische Haltung ein und gehen hohe persönliche Risiken ein, viele bezahlten ihre Hilfe mit KZ-Haft oder dem Tod. Insgesamt deckt die Summe der individuellen Systemresistenz ein äußerst großes Spektrum ab, das auf keinen Fall eingeebnet werden sollte.
Bedeutung und Ergebnisse des Widerstands:
Eine Größenordnung in Zahlen anzugeben ist äußerst problematisch, höchstens grobe Schätzungen können aufgrund der vorliegenden Gestapo Akten und Urteilen angefertigt werden. Wieviele der 32.000 in KZ umgekommenen Österreicher WiderstandskämpferInnen waren, ist schwer zu sagen, mindestens 2700 wurden jedenfalls als aktiv Widerstand leistende zum Tode verurteilt.
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Heute geht man aber - aufgrund der vorliegenden Fakten - von ungefähr 100.000 aus politischen Gründen inhaftierten ÖsterreicherInnen aus. Ausmaß und Bedeutung sind sicher nicht nur am Gesamtverhalten der Bevölkerung zu messen, sondern auch in detaillierten Analysen überschaubarer gesellschaftliche Bereiche. Es gilt dabei aber auch das Mitläufertum zu bewerten und die partielle und zeitweise Zustimmung zu verschiedenen Faktoren des Systems zu beurteilen. Auch die Veränderungen von 1938 bis 1945 sind zu berücksichtigen. Dass der Schaden, den die Widerstandsbewegung dem Naziregime zugefügt hat, gemessen an der Zahl der Opfer verschwindend gering war, ist nicht zu leugnen. Die Befreiung Österreichs war ausschließlich das Werk der alliierten Streitkräfte, von denen über 30.000 Mann in der Endphase des Krieges auf österreichischem Boden fielen.
Es gelang nie, die Mehrheit der Bevölkerung in eine oppositionelle Haltung zum Regime zu bringen, so wie in der Nachkriegszeit standen die WiderstandskämpferInnen gegenüber den „Pflicherfüllern“ politisch und gesellschaftlich im Hintergrund. Dennoch hat der Widerstand einen wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung der Unabhängigkeit Österreichs geleistet, weil er zeigt, dass eben nicht- wie von den Nazis immer behauptet - alle Österreicher firm im nationalsozialistischen Lager stehen. Ob allerdings die heutige Identität Österreichs sich auf die Grundsätze der Widerstandsbewegung begründen darf, wäre eine ausführliche Diskussion wert.
Jedenfalls gab es den sogenannten „Geist von 1945“, der vor allem in den überparteilichen Organisationen die Hoffnung auf eine Überwindung des traditionellen Parteiensystems begründete. Durch die sofortige Rekonstituierung der drei großen Parteien (SPÖ, ÖVP und KPÖ), welche sich alle auf ihre Herkunft im Widerstand beriefen, wurden diese Träume aber zunichte gemacht. So stand die weitere gesellschaftliche und politische Entwicklung Österreichs zwar anfangs unter der Führung von Politikern, die durch die erlebte Solidarität in der gemeinsamen KZ-Haft geprägt waren. Diese gesellschaftlichen Kreise wurden jedoch durch die allsbaldige Integration von Kriegsteilnehmern und sogar ehemaligen Nationalsozialisten aufgeweicht und gaben einem
Geschichtsbewußtsein Raum, das mehr auf Verdrängung als auf Bewältigung der Vergangenheit aus war.
Quellen:
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands. - http://www.doew.at
Hermann Hagspiel: Die Ostmark, Österreich im Großdeutschen Reich - Widerstandund Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945 -
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Arbeit zitieren:
David Uitz, 2001, Antifaschistischer Widerstand in Österreich 1938-1945, München, GRIN Verlag GmbH
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