Obwohl der Mann diese Geschichte eigentlich seinen Sitznachbarn erzählt, redet er doch bloß mit seiner Uhr, denn „dann sagt er der Uhr leise ins weißblaue runde Gesicht“. Der Leser bekommt das Gefühl, dass der Mann zunächst eigentlich mehr Selbstgespräche mit führt als eine Unterhaltung mit den Menschen in seiner Umgebung. Während er seine Küchenuhr beschreibt, sehen ihn die anderen nicht an (Zeile 18). Nur ein paar Mal wird seine Erzählung unterbrochen von Zwischenfragen, Menschen von denen man aber das Gefühl hat, sie fragen mehr aus Höflichkeit als aus Interesse und Neugier. Erst am Schluss der Kurzgeschichte erkennt der Leser, dass die Menschen dem jungen Mann doch zugehört haben mussten, zumindest einer, denn jener „Mann, der neben ihm saß, sah auf seine Schuhe. Aber er sah seine Schuhe nicht. Er dachte immerzu an das Wort Paradies.“ Ab diesem Zeitpunkt kann der Leser annehmen, dass die Zuhörer auf der Parkbank kein Desinteresse an der Geschichte hatten, sondern nur selbst ins Nachdenken kamen, durch die erneute Konfrontation mit dem Krieg.
Über die Zuhörer auf der Parkbank erfährt der Leser sehr wenig. Diese Anonymität der Personen ist vielleicht ein Hinweis darauf, dass diese Kurzgeschichte jedem passieren könnte beziehungsweise, dass jeder Zuhörer dieser Geschichte werden kann, wie es der Leser in diesem Fall auch wird. Die Personen auf der Bank stehen also in keiner bestimmten Beziehung zum Erzähler, woraus man schließen kann, dass dieser sehr verzweifelt sein muss, wenn er einfach so mit fremden Leuten über seine eigentlich intime Geschichte zu sprechen beginnt. Vielleicht hat er aber auch nur den Drang verspürt, nach den langen Jahren des Schweigens während des Krieges endlich wieder zu sprechen.
Genauso wie die Personen bleiben auch Ort und Zeit des Geschehens ungenannt, wieder ein Hinweis darauf, dass die Kurzgeschichte zu jeder Zeit und an einem beliebigen Ort spielen kann. Der Autor Wolfgang Borchert beschränkt sich also auf den Inhalt der Erzählung und spart jegliche Bildhaftigkeit, Darstellung der Umgebung und der Personen aus, mit Ausnahme der Hauptperson, deren Gesicht und Gang gleich zu Beginn kurz beschrieben werden (Zeilen 1 und 2). Auffallend ist auch, dass der Text ohne Einleitung steht. Borchert geht also gleich „zur Sache“ und erspart sich lange Beschreibungen. Die Wortwahl und der Satzbau sind einfach, ohne verschachtelte lange Sätze und Fremdwörter. Borchert praktiziert meist zeitdeckendes Erzählen, er ist also recht ausführlich in seinen Schilderungen, denn die Szene (wie auch das Lesen) dauert nur wenige Minuten. Er verwendet oft direkte Reden, die er jedoch nie unter Anführungszeichen setzt und die somit nahtlos in die Erzählung einfließen.
Der Autor verwendet das auktoriale Erzählverhalten, begrenzt seine Informationen über das Geschehen und die Mitwirkenden jedoch stark, genaugenommen gibt es eigentlich keine Handlung.
Das Wichtigste wiederholt Borchert immer wieder, zum Beispiel die Aussage, dass die Uhr um halb drei stehengeblieben ist (Zeilen 27-29, 35-37, 42, 54/55, 69). Weiters wird der Satz „Sie ist übrig geblieben“ wiederholt, manchmal auch ein wenig abgewandelt (Zeile 6/7, 16, 20/21, 68). Auch der Erzähler, der junge
Mann wiederholt sich in seinen Erzählungen ständig, als würde er sich selbst immer wieder bestätigen wolle, wie schön es früher war. Mit der beschriebenen Küchenuhr wird in dieser Kurzgeschichte nicht nur die starke Verbindung zwischen Personen und Gegenstand und den daraus resultierenden Erinnerungen dargestellt, sondern es verdeutlicht auch, dass ein jeder Tag und seine Gewohnheiten immer wieder etwas Besonderes sind, welches man allerdings erst erkennt, wenn sie einem fehlen. Die Küchenuhr bedeutet für den Mann die Erinnerung an sein früheres Leben im Kreis der Familie, er hält sich krampfhaft an ihr fest. Sie ist ein Symbol einer Vergangenheit, die ihm angesichts der trostlosen Gegenwart wie das „Paradies“ vorkommt.
Die Ironie in Wolfgang Borchert’s Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ findet sich in der ungewöhnlichen Freude des jungen Mannes, denn mehrmals heißt es, er „lächelte“ und er „lachte“ (Zeile 67, 68) und erzählte freudig (Zeile 20). Dies ist ungewöhnlich für einen Menschen, der sein Heim und seine ganze Familie verloren hat. Wahrscheinlich ist die Erinnerung, die die Küchenuhr in ihm auslöst, das einzig Freudige in seinem Leben, weshalb er auch so krampfhaft daran festhält. Er will sich auch nicht an den Krieg und die Bomben erinnern („Sie müssen nicht immer von den Bomben reden.“ Zeile 34/35), sondern verdrängt seine grässlichen Kriegserlebnisse, aber wer würde das nicht tun?
Arbeit zitieren:
Brigitta Loidl, 2001, Borchert, Wolfgang - Die Küchenuhr #, München, GRIN Verlag GmbH
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lisa mayer hat den Text Borchert, Wolfgang - Die Küchenuhr # kommentiert
Mary Terhosst hat den Text Borchert, Wolfgang - Die Küchenuhr # kommentiert
Brigitta Loidl hat den Text Borchert, Wolfgang - Die Küchenuhr # veröffentlicht
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josephine
nicht schlecht! :).
also von den hier aufgeführten interpretationen der küchenuhr, ist diese hier echt am besten!
ich muß meine interpretation morgen abgeben und kann mir hier sicher spitze tipps raussuchen!!!
danke!!! :)
am Tuesday, September 25, 2001-
doro
kommentar.
Super! Kompliment! mfg doro
am Monday, October 01, 2001-
Entchev
?.
Ziemlich kurz für Hausaufgabe
am Wednesday, October 24, 2001-
Tupac
alles andere als schlecht.
diese arbeit ist dir sehr gut gelungen!!!!!!!!!!
am Monday, March 18, 2002-
Eliza
Fehler?.
Ich weiß es ja nicht genau, aber ist die Geschichte nicht aus der Sicht des Personalen Erzählers und nicht des Auktorialen erzählt?
Ansonsten find ich die Interpretation gut und werd sicher einiges für meine eigene gebrauchen können.
am Thursday, March 21, 2002-
Marius
Super!!!.
Wirklich eine sehr gelungene Interpretation!!!
am Thursday, March 21, 2002-
Sophie.
Naja... keine rechte Aussage..
Es fehlt die Aussage. Du analysierst viel, kommst aber zu keiner rechten Schlußfolgerung. Das Fazit sollte zum Schluß angefügt werden, die Interpretation ist im Allgemeinen nicht tief genug, also zu oberflächlich.
am Thursday, April 11, 2002-
ich
?.
Danke, müssen morgen einen Aufsatz darüber schreiben!
am Wednesday, October 16, 2002-
eierskater
nicht schlecht her specht.
Das super mega mesig gut
am Tuesday, February 25, 2003-
Anonym
ganz gute Interpretation.
Ich finde die Interpretation an sich recht gut, allerdings fehlt z.B. in wie viele Abschnitte die Geschichte eingeteilt ist und das Erzählverhalten
aber sonst ist die Interpretation gut
am Tuesday, January 20, 2004-
kp
!.
ist etwas zu umfassend aber sonst ganz gut
am Sunday, April 18, 2004-
ich
danke.
danke konnte einige informationen für meine hausaufgabe verwenden
am Sunday, April 18, 2004-
Federleicht
Die Küchenuhr.
Ich finde die gesamt Arbeit nicht schlecht. ich habe diese kurzgeschichte selbst gelesen und musste diese situation selbst "als mann mit der küchenuhr" nachspielen. das war gar nicht so einfach.
allerdings finde ich das alles ein bisschen zu unprziese. das wichtigste [für micht] ist die Freude des Mannes, was die geschichte zu so einer tragischen Begebenheit macht. ich finde das kommt in dem text nich sooooo raus.
aber sonst nicht schlecht.
kp, ob ich das so machen könnte :)
feda
am Saturday, March 04, 2006-
Hallo
Die Küchenuhr.
Ich habe deine Interpretation überflogen und dabei einen Fehler entdeckt. Du schreibst der unvermittelte Einstieg in die Geschichte sei auffallend, was aber nicht stimmt. Bei ^"Die Küchenuhr" handelt es sich um eine Kurzgeschichte, es ist charakteristisch für eine Kurzgeschichte, dass sie ohne eine Einleitung beginnt.
am Thursday, August 23, 2007-
e plus
der schluss ist dir nicht so gelungen es fehlt noch deine eigene Meinung und ich finde du hast den kern der geschichte zu kurz angesprochen, z.B könntest du noch reinbringen, dass jeder es selbstverständlich sieht wenn die eltern sich um ihre kinder sorgen, (bei manchen ist es der Fall) jeden morgen aufstehen nur ihr kind das Pausenbrot zu machen, die selbstverständlichkeit des Alltags könntest du etwas besser interpretieren das hat mir ein bisschen gefehlt ansonsten hast du viel herausgefunden, nicht schlecht ;)
am Tuesday, January 12, 2010-
Mary Terhosst
gut ich kann mir ein paar tipps für meine hausaufgabe daraus nehmen
aber dein schluss fehlt
am Friday, October 15, 2010-
lisa mayer
also ich find sie spitze ich weiss nur nicht so recht ob die nicht etwas zu lang ist weil wir im unterricht gelernt haben ,dass die analysen nicht so super lang sein dürfen aber egal sehr schön wie lange hast du daran gesessen? also ich hab meine mit deiner verglichen und fand beide gleichguthab mir ein bisschen was aus deiner abgegugt ich hoffe das ist ok?
am Thursday, March 24, 2011-