In der Erzählung „Das Urteil“ geht es um einen jungen Kaufmann – Georg Bendemann – der seinem Freund in Petersburg einen Brief schreibt, um ihm seine Verlobung mitzuteilen. Nach langen Überlegungen hatte er sich zum Schreiben dieses Briefes durchgerungen, denn aus Rücksicht auf seinen – nicht so glücklichen – Freund, hatte er Angst, ihn mit der freudi- gen Botschaft eifersüchtig und traurig zu machen.
Als er seinem Vater von dem Vorhaben erzählt, kommt es zum Eklat. Der Vater behauptet, in komplottartiger Verbindung mit dem Freund Georgs zu stehen. Georg, der in liebevoller, für- sorglicher Haltung zu seinem Vater gekommen war, ist nun völlig irritiert. Der Leser versteht ebenso wie Georg die Reaktion des Vaters nicht. Ist der Vater senil, boshaft, hasserfüllt oder überhaupt unzurechnungsfähig?
Eine andere Erklärung für die Reaktion des Vaters wäre, dass er sich von seinem Sohn „abge- löst“ fühlt. Schließlich übernimmt Georg mehr und mehr das Geschäft und somit die Arbeit seines Vaters. Um sich vom Vater loszulösen, müsste Georg aber selber Familienoberhaupt werden. Dies kann er nur durch die Heirat mit Frieda Brandenfeld erreichen, die von seinem Vater abgelehnt wird. Ja, dieser bezeichnet sogar Georgs Verhältnis zu Frieda als Verrat am Freund, an seiner toten Mutter und an ihm, dem Vater. Er verurteilt seinen Sohn zum Tode durch ertränken.
Georg stürzt aus dem Zimmer, jagt aus dem Haus zum Fluss hinab und ertränkt sich. (Lese- probe: Seite 50 – 52)
In diesem Stück kann man natürlich Kafkas Beziehung zu seinem Vater herauslesen. Es scheint als könnte sich Kafka selbst mit Georg Bendemann identifizieren. Interessant ist auch, dass die Initialen der Verlobten Kafkas (Felice Bauer) mit denen von Georg Bendemanns Verlobten übereinstimmen (Frieda Brandenfeld). Übrigens widmete Kafka Felice Bauer diese Erzählung.
Neben dem Urteil hat Franz Kafka aber auch noch viele andere bekannte Stücke verfaßt, die Bekanntesten sind:
• 1913 Betrachtung
• 1915 Blumfeld, ein älterer Junggeselle
• 1916 Die Verwandlung
• 1916 Das Urteil
• 1919 In der Strafkolonie
• 1919 Ein Landarzt
• 1919 Brief an den Vater
• 1924 Ein Hungerkünstler
• 1925 Der Prozess
• 1926 Das Schloss
• 1927 Amerika (Romanfragment)
Weiters hat Kafka noch viele Aphorismen (zum Beispiel „Die Betrachtungen über Sünde Leid, Hoffnung und den wahren Weg“) und Fabeln (zum Beispiel die „Kleine Fabel“) ge- schrieben.
Abschließend kann man sagen, dass Kafka trotz seines frühen Todes zu Recht zu einem der bedeutendsten Schriftsteller der Deutschen Literatur gehört. © Martin Allmayer IV c 2000-02-16
Kleine Fabel
„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich
Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne
Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letz-
ten Zimmer bin und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die
Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.
Aphorismen von Franz Kafka
aus
Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und
den wahren Weg
• Vom wahren Gegner fährt grenzenloser Mut in dich.
• Das Wort „sein“ bedeutet im Deutschen beides: Dasein und Ihmgehören.
• Theoretisch gibt es eine vollkommene Glücksmöglichkeit: An das Unzerstörbare in sich
glauben und nicht zu ihm streben.
• Verkehr mit Menschen verführt zur Selbstbeobachtung.
• Prüfe dich and der Menschheit. Den Zweifelnden macht sie zweifeln, den Glaubenden
glauben.
© Martin Allmayer IV c 2000-02-16
Arbeit zitieren:
Martin Allmayer, 2001, Kafka, Franz, München, GRIN Verlag GmbH
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Der Einfluss der Medizin auf Darwins Selektionstheorie
Theologie - Praktische Theologie
Hauptseminararbeit, 18 Seiten
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