Schließlich kam er mit 12 Jahren wieder zurück nach Hause. Er bedrohte in der Schule einen Klassenkameraden mit einem Bowiemesser, worauf er in eine Jugendstrafanstalt kam, die später wegen katastrophaler Haftbedingungen geschlossen wurde. Im Jugendknast begannt Dwayne zu halluzinieren. Wegen Depressionen, Psychosen und akuter Selbstmordgefährdung wurde er in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Mit 14 wurde Dwayne in die Jugendstrafanstalt Oak Hill eingewiesen, die einige Jahre später ebenfalls schließen musste. Zwei Jahre nach seiner Einweisung wurde er entlassen und ein halbes Jahr später begann er zu töten. Am 13.Oktober 1989 bemerkt Dwayne Allen Wright in Lincolnia südlich von Washington die 34jährige Äthiopierin Saba Tekle, die gerade nach Hause fährt. Er beschließt, ihr zu folgen. Er will ihre Auto. Zu diesem Zeitpunkt ist Dwayne bereits ein Doppelmörder: In den Tagen zuvor brachte er zwei Männer um. Als Saba Tekle im Parkhaus aus dem Wagen steigt, nähert sich Dwayne mit einem Gewehr und verlangt ihre Autoschlüssel. Er bedrängt Saba Tekle und befiehlt ihr, sich auszuziehen. Zögerlich wirft sie ihre Schuhe weg, doch plötzlich rennt sie und schreit. Dwayne schießt der dreifachen Mutter zweimal in den Rücken und flieht mit ihrem Auto. Wenige Meter vor ihrer Haustür verblutet Saba Tekle. Die Polizei wurde schnell auf ihn aufmerksam, da er ein gestohlenes Auto fuhr. Dwayne gab sofort die Morde zu. Sein erster Anwalt Mark J. Yeager hatte noch keinen Todesstrafenprozess geführt und glaube aufgrund Dwaynes Alter und Krankheiten auch nicht daran, dass der Staatsanwalt die Todesstrafe fordern würde. Während des Prozesses war Yeager nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Zeugen ausfindig zu machen, der Dwayne und seinen Geisteszustand kannte. Dafür benannte er den Psychologen Dr. Stanton Samenow, der Dwayne nie zuvor gesehen hatte. Er gab zu, dass er kein Experte auf dem Gebiet von Hirnschädigungen sei, aber er hielt Dwayne weder für psychogisch, neurotisch oder gar hirngeschädigt. Nach dieser Aussage stand sein Todesurteil so gut wie fest. Sein Anwalt hatte versäumt, sich über Dr. Samenow zu erkundigen, sonst hätte er herausgefunden, dass der Psychologe bereits seit Jahren die Theorie vertrat, dass zwischen einer Geisteskrankheit und einem Verbrechen kein Zusammenhang besteht.
Dwayne Allen Wright wurde 1991 zum Tode verurteilt und sollte bereits am 23. August 1996 hingerichtet werden, doch er bekam einen Aufschub, der 1997 aufgehoben wurde. Im Juni wurden für ihn neue Pflichtverteidiger bestellt: Douglas Fredericks, der bereits ab September einen Mörder zu verteidigen hatte, und Robert E. Lee, der bereits 4 andere Todeskandidaten vertreten musste. Dwaynes Hinrichtungsdatum wurde auf den 14. Oktober 1998 gelegt.
Anfang Oktober konnte Lee die ehemalige Pflichtverteidigerin Lisa Greenman, die Dwayne 10 Jahre zuvor in Washington kennen gelernt hatte, und Charles Ogletree für den Fall gewinnen. Binnen 10 Tagen versuchten sie Leute zu erreichen, die mithelfen konnten, sein Leben zu retten. Sie wollten den Stab des Gouverneurs beweisen, dass die Jury über Dwaynes Krankheit nicht genau informiert gewesen war. Ihnen blieb nicht mehr viel Zeit, doch der Fall begann für Aufsehen zu sorgen. Es wurden Psychologen und Psychiater ausfindig gemacht und eidesstattliche Erklärungen abgegeben, nach denen zwei von den Jurymitgliedern ihr Urteil am liebsten zurückgenommen hätten. Sie wollten sich persönlich an den Gouverneur wenden, bevor er über das Gnadengesuch entschied, neue Hoffnung keimte auf. Am 9.Oktober baten sie den Gouverneur um 60 Tage Aufschub und Umwandlung der Todesstrafe in lebenslängliche Haft ohne Bewährung. Obwohl der Antrag gleichzeitig an den Obersten Gerichtshof ging, waren die Chancen gering. Am Vormittag des 14.Oktober lehnte der Gerichtshof den Antrag mit 7:2 Stimmen ab.
,,Schmeißen sie mich auf die Liege? Tun sie mir weh?" Dwayne presst die beiden Fragen heraus, ganz plötzlich und unerwartet hat er es doch geschafft, etwas von sich preiszugeben, zu zeigen, dass er Angst hat. Die Stunden, die ihm noch bleiben, werden immer weniger. Er bekommt seine letzte Mahlzeit Und eine letzte Dosis Valium. Er muss duschen, um Punkt 21 Uhr öffnen sie die Zelle. Dwayne wird aufgefordert aufzustehen und aus der Zelle zu kommen., die Tür zur Todeskammer öffnet sich. Er führt zu der Liege geführt, in der Ecke links hinten ist die mit verdunkelten Glasscheiben abgeteilte Zeugenkammer, von der die Familie Tekle zusehen will, wie der Mörder ihrer Mutter stirbt. Schmeißen sie mich auf die Liege? Fünfundzwanzig, dreißig Menschen sind da, einige weichen zurück, alle schauen auf ihn. Noch nie zuvor sind wegen ihm so viele Menschen zusammengekommen. Außer, um ihn sterben zu sehen. Tun sie mir weh? Dwayne darf sich auf die Liege legen und ist ganz ruhig, als sie ihn festschnallen.
Der Direktor des Deparment of Corrections steht neben Tür mit dem roten Telefon in der Hand. Am anderen Ende der Leitung ist jemand vom Büro des Gouverneurs, falls er sich doch noch in letzter Minute anders entscheiden sollte. Dann ziehen sie den Vorhang vor den Zeugenraum. Niemand soll sehen, wie sie ihm die Kanüle setzen. Falls etwas schief geht. Vor allem soll niemand sehen, wer ihm die Kanüle setzt. Nach einigen Minuten wird der Vorhang zurückgezogen. Aus Dwaynes rechtem Unterarm führt ein dünner Schlauch hinter einen weiteren Vorhang. Plötzlich bewegt sich unmerklich der dünne Schlauch. Die erste von drei Injektionen beginnt. Dwayne wird bewusstlos. Mit der zweiten Injektion setzt die
Atmung aus. Nach der dritten Injektion hört das Herz zu schlagen auf. Um 21.15 Uhr erklärt David Garaghty den Tod von Dwayne Allen Wright.
Seit 1976 gibt es in den USA wieder die Todesstrafe. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofes wurde sie in 38 von 50 Bundesstaaten wieder eingeführt. Die Todesstrafe teilt die USA in zwei Lager: Der weitaus größere Teil befürwortet sie. Zu den etwa 70%, die in Umfragen regelmäßig für die Todesstrafe sind, zählt auch David Garaghty, der Gefängnisdirektor des Greensville Correctional Center. Er hält die Hinrichtungen für einen ,,notwendigen Bestandteil unseres Rechtssystems". Sein Hauptargument ist eher praktischer Natur: Wenn man bereit sei viele, viele Dollars auszugeben, könnte man einen Mörder auch lebenslänglich hinter Gittern stecken. Er persönlich ist nicht dafür. Die beiden ursprünglich stärksten Rechtfertigungen für die Todesstrafe, der Abschreckungsgedanke und die Vergeltung, sind inzwischen durch die Statistik und persönliche Erfahrungen widerlegt worden. Während viele auch für die Todesstrafe aus Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer plädieren, hält amnesty international dagegen: Die langwierigen Todesstrafenprozesse können für die Familien von Mordopfern die Phase des Leidens noch verlängern. Es passiert immer seltener, dass man das Verfahren fair leitet und es von den Rachegefühlen der Opferfamilie trennt, denn die Angehörigen von Mordopfern dürfen im Gerichtssaal auftreten und oft geben ihre emotionalen Aussagen den letzen Ausschlag über ein Todesurteil. In den Staatsgefängnissen werden die Todeskandidaten gefragt, wie sie sterben wollen, wobei sich 99% für die Giftspritze und gegen den elektrischen Tod entscheiden. Zu den prominentesten Kritikern der Todesstrafe gehört Harry Blackmun, Richter am Obersten Gerichtshof der USA. Ihre Argumente: Die Todesstrafe sei willkürlich, unfair, rassistisch, emotional belastet und politisch motiviert. Ganz zu schweigen von moralischen und religiösen Gesichtspunkten oder den Verstößen gegen internationale Rechtsnormen- wie die Todesstrafe gegen jugendliche Straftäter und geistig Behinderte. Der Rechtsprofessor Charles Ogletree spricht davon, dass sie immer noch eine rachsüchtige Gesellschaft seien. Dazu kommt die Illusion, dass man sich sicherer fühlt, wenn man einen Mörder umgebracht hat. Vor allem Wahlen lassen sich gewinnen, wenn man für die Todesstrafe eintritt und hart gegen das Verbrechen ist. Beispiele für die Verquickung von emotionaler, öffentlicher Meinung und politischer Motivation gibt es jede Menge: So bewarb sich 1994 der Bezirksstaatsanwalt von Oklahoma- City um seine Wiederwahl mit dem Argument, ,,44 Mörder in die Todeszelle geschickt zu haben".
Gegner der Todesstrafe können den Eindruck erwecken, dass sie die Verbrechen von Mördern entschuldigen, dennoch aber gilt, dass die Menschenrechte als fundamentale Rechte einem jeden Menschen gleichermaßen zustehen und nicht an seine Person oder sein Handeln geknüpft sind.
Vor allem die Rasse sowohl des Täters als auch des Opfers spielen eine wesentliche Rolle dabei, ob jemand zum Tode verurteilt wird. 82% aller seit 1977 hingerichteten Gefangenen wurden des Mordes an einer oder einem Weißen für schuldig befunden. Es gibt jedoch in etwa gleich viele weiße und schwarze Mordopfer. In einigen Studien wurde ermittelt, dass es bei der Kombination weißes Opfer und schwarzer Täter in den weitaus häufigsten Fällen zur Todesstrafe kommt.
Seit 1990 haben die USA acht Menschen hingerichtet, die unter 18 waren. Für die Befürworter der Todesstrafe ist eine Altersgrenze- sei sie 18 Jahre (in 14 Bundesstaaten), 17 Jahre (in 4 Bundesstaaten) oder gar 16 Jahre (in 20 Bundesstaaten)- zumeist kein so großes Problem, als dass man sie nicht auch noch unterbieten könne. Laut Garaghty liegt der Unterschied nicht darin, ob ein Mörder 17 Jahre und 200 Tage alt ist oder 18 Jahre und einen Tag, sondern, dass er die Türen weit öffnet für die Argumentation einiger Kongressabgeordneter, die die Todesstrafe bereits ab 14 fordern. Ogletree meint, dass es für eine Gesellschaft ungesund sei, Kinder so zu behandeln, als seien sie Erwachsene. Sie verwehren ihnen das Autofahren oder den Kauf von Alkohol, andererseits töten sie sie auchtrotz ihres Alters. Gegen die Empfehlungen internationaler Menschenrechtsstandards ist die Todesstrafe für geistig zurückgebliebene Menschen seit 1989 in den USA erlaubt und seitdem wurden 30 psychisch kranke Menschen hingerichtet.
,,Wenn eine Gesellschaft damit anfängt ihre Kinder zu töten, dann ist etwas falsch. Dann ist etwas verdammt falsch."
Josepf Green Brown, überlebender Todeskandidat, Mai 1998.
Arbeit zitieren:
Astrid Högemann, 2001, Todesstrafe, München, GRIN Verlag GmbH
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