- zweimal verboten, jedoch Sympathie von Katharina d. Großen und vom Zensurbehördechef von Mme Pompadour
- fiktionale, unreglementierte Gattungen: Romane und Erzählungen, die in der doctrine classique nicht enthalten waren Ziel der Aufklärer:
Alles, auch Hochwissenschaftliches mußte amüsant sein und plaisir verbreiten.
- Der Realismus - Dierealistische Literatur ist eine direkte Reaktion auf die Romantik und die "mensonge romanesque".
Realistische Darstellungen hat es immer schon gegeben, sie sind nichts neues, waren aber bisher immer an eine bestimmte Stilhöhe gebunden (meist komisch, nicht gerade erhabene Themen, untere Schichten angesprochen, Satire, groteske Darstellung)
Der Realismus ist nicht die einzige neu entstehende Literaturrichtung der Zeit, spielt aber die größte Rolle (andere: Symbolismus)
Der Roman gilt als die große Gattung, Novelle und Erzählung sind jedoch auch wichtig. Die Themen des Realismus
Balzac, Stendhal und Flaubert, die großen Schriftsteller des Realismus beginnen die romantische Literatur abzulehnen, jetzt will man die Wahrheit darstellen: * die zeitgenössische Gesellschaft
- Mechanismen, nach denen die Gesellschaft funktioniert
- Gesellschaftsschichten untereinander
- Geld regiert die Welt
* die Stellung des Individuums in der Gesellschaft
- kann es sich durchsetzen oder geht es unter
- Balzac ist begeisterter Leser zoologischer Abwandlungen: Idee, daß die menschliche Gesellschaft nach ähnlichen Mustern ablaufen könnte wie die tierische
- Balzac- Milieutheorie (entgegen Darwin, Mensch durch Erbanlagen bestimmt! ?)
- alle Literaten sind fasziniert von naturwissenschaftlichen Theorien, ordnen sie den Geisteswissenschaften über
- vorherrschende philosophische Richtung: der Positivismus (= das was vorhanden ist, keine philosophische Spekulation, sondern Befassung mit den Tatsachen)
- der freie Wille scheint sehr stark eingeschränkt (Determinierung)
- Begeisterung für das Experiment
- Zola: "le roman experimental" = exakte Ergebnisse auch in der Literatur (Exaktheit der Darstellung, Drang nach Exaktheit, Suche nach dem richtigen Wort)
- Exaktheit der Sprache, Objektivität * impassibilité = Unberührtheit * impartialité = Unparteilichkeit * impersonalité = Unversöhnlichkeit
* der Haß auf die spießbürgerliche Gesellschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Literatur
- Abscheu, Ekel vor Bürgerlichkeit (= Kleinbürgertum)
- gilt als raffgierig und brutal, muffig
- Gewinner der Revolution, trotzdem Nostalgie nach dem 18.Jh, nach der guten alten, goldenen Zeit
* die Liebe läßt sich nicht mit der Ehe vereinbaren
- zwangsweise Zusammenkunft
- Literaten finden Ehe spießig
Zum Inhalt von Mme. Bovary
- Affäre mit Léon erst rein platonisch, Emma betont ständig, ihr Mann sei so gut etc.
- Léon geht nach Paris, sie beneidet ihn sehr
- Rodolphe Boulanger zweiter Liebhaber = eher handfesterer Typ, Liebhaber und Frauenheld genußsüchtig, materialistisch, redet von Emma mit "ca"
- schickt dauernd Geschenke etc., benutzt den romantischen Diskurs als Strategie ( Szene: Landwirtschaftsausstellung, Fortschrittsklischees unten, oben romantische Klischees, sitzen Rodolphe und Emma, werden Platitüden ausgesprochen)
- Léon hatte wirklich verkitschte Seele, Rodolphe setzt den Kitsch nur ein
- das Dorf weiß im Grunde von der Beziehung der beide zueinander
- Emma ist stolz auf ihren Liebhaber Klumpfußgeschichte:
- wenn Charles wenigstens beruflich ein Ass wäre, könnte Emma (denkt sie) ihn lieben
- Operation findet statt, mißlingt, Emma ist frustriert, Bein muß amputiert werden, Charles völlig traurig
- Emmas Hoffnung auf Wertschätzung Charles gegenüber völlig weg! Beziehung wieder da! Steigert sich bishin zu Fluchtgedanken
- ihr Wunsch nach Glück ist authentisch
- Emma verschuldet sich total (Geschenke für Rodolphe etc) = Luxus- Pendant zu Sex (?)
- Suche nach Befriedigung
- Rodolphe denkt natürlich nicht daran, mit Emma zu fliehen große Krise: Rodolphe schickt Briefe, verschwindet erst einmal
- Emma faßt Selbstmord ins Auge, wird dann aber krank
- Fahrt nach Rouen- Oper
- Tenor plötzlich Held, romantische Vorstellung wieder da!
In diesem Moment taucht Léon wieder auf!
- Oper sofort wieder abgehackt
- Emma bleibt noch eine Nacht mehr (um zweiten teil der Oper zu sehen) Treffen in Kathedrale
- Kutschenszene
- Emma absolut dominant, benutzt Léon als Lustobjekt
- die Verschuldung eskaliert = Pfändungsbescheid, alles verpfändet, Charles merkt nix!
- Emma benötigt Geld, Gang zu Rodolphe- doch der lehnt ab!
Emma schluckt Arsen, stellt sich ihren Tod als hochromantisch vor (schöne Leiche etc)
- Tod letztendlich sehr grausam
- Charles versteht nichts, übernimmt die kitschigen Klischees von Emma = Emma wird im Hochzeitskleid beerdigt! Epilog:
- Charles findet noch gesammelte Briefe von Rodolphe und Léon
- "C'est la faute de la fatalité" = Charles einziges großes Wort
- kurze Zeit später ebenfalls tot!
- Kind arbeitet in Spinnerei
- Hommais (Apotheker) kriegt Kreuz der Ehrenlegion primitiver, fortschrittsgläubiger Kerl überlebt (Spießer, Pseudo- Voltaire...)
Erzählhaltung - Emma:
- in manchen Szenen wird Emma ironisiert, da wo sie jedoch wirklich fühlt, bleibt die Erzählhaltung ernst (gescheitert an der Banalität der Umwelt, zum Beispiel die Liebhaber)
- "Tausende von Mme. Bovarys weinen in der französischen Provinz" Flaubert!
- neue Technik der Erzählung: personale Erzählhaltung
Erzähler zieht sich zurück in die Haltung einer Person, der Leser ist dadurch sehr viel stärker miteinbezogen!
- eher Darstellung als Erzählung
- Urteil muß der Leser selber fassen!
- Mme. de la Fayette (17.Jh) eigentliche Erfinderin der Erzähltechnik Objektivität = großer Ehrgeiz der Realisten,
- Erzähler an bestimmten Stellen spürbar, immer z.B. wenn "comme " auftritt.
Reaktion auf Roman:
- Skandalerfolg, Flaubert sofort angeklagt (zusammen mit Baudelaire, Fleurs du mal)
- F. wird freigesprochen, hat guten Anwalt, "als Warnung für Mädchen gedacht" Ironie!
* Balzac: allwissender Autor (auktoriale Erzählweise)
Flaubert, Mme. Bovary:
- Textstellen teilweise sehr raffiniert = Autor/ Erzähler
- " un livre sur rien ": Flaubert studierte die letzte Panoramaseite der Tageszeitung, und entdeckt eines Tages Geschichte über Ehebruchgeschichte einer Arztgattin- daraus entsteht Roman.
* Flaubert: personaler Erzähler (Sichtweise des Erzählers verbirgt sich hinter einer Romanfigur)
- style indirect libre = erlebte Rede (Kette von Assoziationen)
- Eindruck, einem Bühnengeschehen beizuwohnen
- direkter Kontakt zwischen Leser und Figur
- Abgrenzung der Epoche = Regierungszeit Ludwig des 14. (1661-1715) Literatur und Politik sind in dieser Zeit kaum voneinander zu trennen.
- in den letzten Jahren des 17.Jahrhunderts sind schon klar aufklärerische Literatureinflüsse zu erkennen (Frühaufklärung)
- um 1680 Ende der Hochklassik- die großen Werke geschrieben, die großen Autoren tot oder nah dran! Politische Lage im 17.JH. in Frankreich:
- Louis 13. Stirbt sehr früh, Louis 14. Noch sehr jung.
-Kardinal Richelieu, ist damit die wichtigste Gestalt im 16./17. Jh., und bestimmte somit die Politik von Louis 14. Richelieus politische Ideen für Frankreich:
- Absolutismus, Zentralismus (ein Herrscher, ein Zentrum= Paris)
- dem König war eine relativ schwache Rolle zugeteilt
- das eigentliche Volk interessierte nicht, es stellte keinen politischen Gegner dar
- Transparenz aller politischen Vorgänge
- totale Entmachtung des Feudaladels (unter Louis 14. Adel nur noch als Stafette gedacht)
- das große Vorbild Richelieus war Kaiser Augustus (um Christi Geb.)= Glanzzeit der römischen Kultur (Cicero, Horaz, Seneka) Die Zeit Augustus hatte Vorbildcharakter für Richelieu
So entsteht die Klassik (le classicisme) in Frankreich (im übrigen Europa Barock!!) = Initiative Richelieus! , der auch
-Gründer der "académie francaise" war, und sich gegen alles Moderne stemmte. -1635- eminent politischer Akt, die Akademie bestimmt das literarische Leben, -Richelieu bestimmte die Mitglieder der Akademie: *Kontrolle der Literatur
*die Bedeutung der Literatur, Sprache und Kunst für die Politik erkannt *Vormachtstellung Frankreichs in Europa (das gebildete Europa sprach und schrieb Französisch: Friedrich der Große, Katharina die Große..) Richelieu bewegt die Klassik wieder! Ziel der Akademie:
"doctrine classique", Umsetzung der "d.c."= Aufgabe der académie! So entsteht Klassik in einer Zeit, in der nirgendwo mehr Klassik anzutreffen ist. (Im 16.JH: auch schon Wiederentdeckung der Antike- Renaissance= erste Art der Klassik!)
- Transparenz durch Regeln und Vorschriften, im Gegensatz zum gefühlsbetonten, chaotischen Barock.
BÉRÉNICE
Tragödie in fünf Akten von Jean Racine (1639- 1699), Uraufführung: Paris, 21.11.1670
Die Konkurrenz mit dem acht Tage später von Molières Truppe uraufgeführtem Schauspiel Tite et Bérénice von Pierre Corneille und die dadurch neu entfachte Rivalität zwischen den beiden Autoren trugen zum Erfolg des Stückes wesentlich bei. Racine soll den Stoff auf Wunsch der Herzogin von Orleans behandelt haben. Er beruft dabei sich auf historische Wahrhaftigkeit.
Der traditionell klassische Konflikt zwischen Liebe und Pflicht wird dadurch hinaufbeschworen, daß Titus soeben zum römischen Kaiser ernannt, vom Senat genötigt wird, Berenice, die ihm angelobte orientalische Fürstin, die das römische Volk an seiner Seite nicht dulden will, aus Rom zu verbannen. Eine Schlüsselposition dieser "dramatischen Elegie" nimmt Antiochus, König von Comagenä, ein, dersowohl Freund des Titus, als auch heimlicher Verehrer der Berenice- Vertrauter beider Hauptgestalten ist. Ihm überträgt Titus, der nicht wagt, seiner Geliebten mitzuteilen, daß er zur Trennung entschlossen ist, die Rolle des Vermittlers. Da aber Antiochus seine eigenen Gefühle Berenice gegenüber nicht verheimlichen kann, hält sie seine Worte für eifersüchtige Intrige. Titus muß also selber seiner Geliebten gestehen, daß er sich zu dem Amt berufen fühlt, das von ihm fordert, sich von ihr zu trennen. Berenice erwägt darauf in ihrer Verzweiflung die Flucht in den Tod. Als Titus davon erfährt, droht er sich seinerseits zu töten. Die letzte Intervention des ebenfalls von Todessehnsucht erfüllten Antiochus bewirkt eine zwar tragische aber unblutige Lösung in der nun auch von Berenice gewollten Resignation. Die Liebe gibt ihr die Kraft zur Entsagung; sie verläßt Rom ohne Antiochus und überläßt den jungen Kaiser seinem einsamen Ruhm.
Berenice gilt heute als Racines künstlerisch vollkommenstes Stück, da es seine dramatische Doktrin- Einfachheit der Handlung- am ausgeprägtesten verwirklicht. Alles Geschehen ist psychologisches Geschehen, ohne Aufwand an Ereignissen. Dadurch gewinnen die Personen an menschlicher Wahrscheinlichkeit- allerdings auf Kosten der dramatischen Spannung.
Berenice ist eine Tragödie der Liebe; und die Entsagung geschieht weniger zugunsten des Kaiserthrons, als zugunsten der Reinheit dieser Liebe, die in der Erinnerung erhalten bleibt. Racines reiche poetische Sprache, die Melodik seiner Alexandriner kommt in diesem Stück dank des Verzichts auf alles äußere Geschehen besonders ausdrücklich zur Geltung.
Hintergrund der BERENICE
- die Autoren waren oft politisch sehr interessiert (aber eher im Untergrund tätig!)
- die absolute Transparenz war auch in Sprache und Literatur wichtig
- im Sinne der französischen Klassik ist ein Klassiker ein Autor, der sich bewußt an den römischen Vorbildern orientiert.
- der Begriff der Nachahmung hatte deswegen keine negative Konnotation (=imitation)
BÉRÉNICE- Notizen aus dem Seminar
Racine:
- in einem Yannsenistischen (?) Ambiente aufgewachsen
- in einem Internat aufgewachsen
- griechisch gelernt (!)
- Erziehungsmonopol lag bei den Jesuiten
- Bérénice gehorcht den Merkmalen der doctrine classique
- Racine nimmt die Vorlage sehr ernst Plot:
- im Grunde passiert NICHTS
- Psychodrama
- kaum äußere Handlung
- beinahe das Ideal erreicht: Aufführungszeit = aufgeführte Zeit
- in der Exposition kommt die Vorgeschichte der Fürstin Bérénice zum Ausdruck (seit 5 jahren in Rom, will langsam mal geheiratet werden)
- B. Königin von Palästina, liebt Titus, er sie genauso heftig
- Frauengestalten bei Racine oftmals stärker als Männer
- schmerzerfüllte Dialoge
- bienséance oft nur haarscharf eingehalten (Bérénice Haare wirr, Augen verheult etc.)
- Bérénice will am Ende sogar als Geliebte am Hof bleiben (bienséance gefährlich verfehlt!) Noeud:
Volk will keine Königin als Ehefrau Titus
Péripétie:
- letztendlich sagt er ihr es selber Die zwei Aspekte des Begriffs >Klassik:
* die Wiederentdeckung der klassische Antike (Ovid, Seneka..) , die durch das ganze MA als Schul-/ Lateinlektüre bekennt war, jetzt jedoch mit völlig neuen Augen neu gelesen werden (natürlich waren diese Lektüren auch im MA nur der gebildeten Schicht, dem Klerus zugängig!)
* die antiken Schriften werden als Modell für das eigene Leben gesehen, ein neues Menschenbild entsteht
Wie gelangen die antiken Schriften nach Europa: * ~1470 die Türken erobern Konstantinopel (Instanbul/ Byzanz = Zentrum des oströmischen Reiches)
* Griechische Gelehrte konservieren die griechische Kultur, die bis dato nahezu unbekannt war
- die Gelehrten fliehen nach Italien, so gelangen die griechischen Werke nach Europa
- es bilden sich Zirkel, Schulen und Clubs, die Werke werden wie eine neue Religion behandelt
- Übersetzungsbegeisterung
* als die Poetik des Aristoteles bekannt wird , folgt eine Welle von Kommentaren und Übersetzungen bishin in die klassische Zeit)
Wieso entsteht in der Renaissance ein völlig neues Lebensgefühl? - für alle Lebensreiche werden neue Ideen gesucht, ein neuer Mensch soll entstehen.
Die vorausgehenden Ereignisse/ Erfahrungen:
1) Das physikalische Weltbild ändert sich = die Erde ist RUND 2) Entdeckung Amerikas 3) Buchdruck 4) Reformation all das trägt zum neuen Weltbild bei
zu 1) Die Erde dreht sich um die Sonne, sie ist nur ein Partikelchen im Universum = Weltbild völlig verändert!
Wieso ist die Erde nicht das Zentrum des Universums, wenn sie doch angeblich Schauplatz des göttlichen Heilplans sein soll (= "Gott schickt uns auf einen unwichtigen Planeten")
Zu 2) *Kulturen, die so hochstehend sind, sowohl technisch als auch kulturell. * Pracht, Reichtum, hochstehende Religionen ( = außer dem Christentum auch noch andere Religionen!; obwohl Islam bekannt, aber andere Relativität der Religion). * das mittelalterliche Weltbild war fast ganz auf Gott gepolt, Jenseitsbezogenheit! * auf einmal gerät alles ins Wanken, der Mensch rückt langsam in den Mittelpunkt Entdeckung des Körpers (Portraitmalerei, Leichensezierung) Der Mensch wird ernst genommen Sexualität wird ernster gewertet
Trotzdem: keine atheistische Zeit, die Kirche spielt weiterhin die große Rolle. Zu 4.) Die Reformation Luthers als Mündigkeitsbekundung des Menschen! = der Mensch/ Christ kann seine Bibel selber lesen, selber beten, er braucht den Priester nicht.
Deswegen übersetzt Luther die Bibel ins Deutsche! Jeder kann sie kaufen (?)
(unser Hochdeutsch basiert größtenteils auf Luthers Bibel) zu 5.) Durch die Drucktechnik wird die Bibel verbreitet
~ alle diese genannten, miteinander verzahnten Ereignisse bedingen die neue Suche nach Vorbildern!! (die Kirchenhohen zu dieser Zeit konnten als Vorbilder kaum noch dienen "Sex, Drugs 'n' rock'n'Roll!) Kirche und Klerus haben sich überlebt Entdeckung der griechischen Philosophie "Edle Einfalt, Stille Größe"
Zurück im 17.Jahrhundert: Wie finden die neuen Ideen Anwendung ?
Die Klassik funktioniert besonders im Theater (Racine, Corneille, Moliere). Lyrik fehlt beinahe gänzlich! Theater: * die große Gattung
* hat nach den Regeln der doctrine classique geschrieben zu werden * art poétique = handwerkliche Auffassung der Kunst (art kommt von artisan!) * Vorstellung vom Erlernenkönnen der Kunst
Grundbegriffe der doctrine classique:
1) vraisemblance = Wahrscheinlichkeit/ Glaubwürdigkeit 2) bienséances = Schicklichkeit 3) unités (lieu/temps/action) 4) action
zu 1) Die Glaubwürdigkeit ist wichtiger als die Wahrheit des Dargestellten. Das Publikum muß das Dargestellte glauben und dann zur Katharsis geleitet werden, Theater spielte damit eine große Rolle in der Gesellschaft, war dort fest verwurzelt.
Zu 2) Alles Kreatürliche ist ausgeschlossen, alles Menschliche, das an Sterbliches erinnert, ist tabu!
Keine körperliche, sondern psychische Schönheit ist Geschmack. Zuschauer will nicht im Theater sitzen, sondern die Handlung miterleben
La nature
Neue Definition des Naturbegriffs:
- damit ist nicht die vegetative Natur gemeint, sondern die menschliche Natur (nature humaine)
= nicht die Natur in den verschiedene Phasen des Lebens, sondern in seiner idealen Ausführung, die psychische, geistige Natur des Menschen im idealen Körper.
- nature & raison = eine Einheit La cour et la ville
- Publikum eines sehr elitären Theaters
- König, Adel, Großbourgeoisie
- alle Stände weit entfernt von praktischer Erwerbstätigkeit, deswegen gemeinsame Geschmacksideale. Honnet homme
- kein gewissenhafter, moralischer Mensch (=kein moralischee Prinzip)
- ästhetisches Prinzip
- gutes, aber kein anständiges Benehmen
- Gegenteil dieses honnet homme = lächerlicher Mensch (le ridicul)
- sich lächerlich machen = das Schlimmste
(jede Bewegung wurde beobachtet, Suche nach Klatschgeschichten, nicht auffallen, paraitre wichtiger als etre).
Tragédie & Comédie
* für beide gilt ein ganz bestimmter Aufbau (immer 5 Akte, jedes Stück so strukturiert) 1.) EXPOSITION 2.) NOEUDS
-Auflösung
-Katastrophe oder Happy End (= Tragödie oder Komödie)
- Handlung befindet sich auf dem Höhepunkt,
- dann schlägt die Handlung in eine Katastrophe um (in der Regel im 3. Oder 4. Akt)
EXPOSITION
- Personen und Problemhandlungen werden vorgestellt
- das was vor dem Einsetzen der Handlung lag wird erläutert (soweit es zum Verständnis nötig).
Die Definition der verschiedenen Gattungen: *TRAGÈDIE:
- Stoff = antiker Stoff aus dem alten Rom oder Griechenland (Grenze dabei Christi Geburt, alles danach "modern")
- Christliche Sujets meist nicht verwendet, außer Märtyrerdramen zwischen Römern und Christen
- Griechische Mythologie gefragt
- Tragik = Scheitern, keine Lösung
- Christliche Themata viel zu erhaben für die Bühne Personal der Tragödie:
- Angehörige des Adels & Bedienstete, allerhöchster gesellschaftlicher Rang (andere hatten keine "edle Seele"
- Korrespondenz von Innenleben & sujets
- nur eine öffentliche Person kann schließlich öffentliche Bereiche darstellen
- Prinzip der Fallhöhe (Bäckermeister nicht spektakulär genug!) Form der Tragödie:
- Obligatorische Vers-Alexandriner (sechshebiger Jambus) Sprachebene der Tragödie:
- erhabene Sprachebene (bis auf Spannungsmomente- Stilmittel variieren)
- viele Umschreibungen, Preziösitäten (Sprache des Hochadels).
- höchste Sprache in höchster Gattung Schluß der Tragödie:
- endet tragisch in einer Katastrophe
- nicht immer mit Toten
*COMÉDIE
- läßt viel mehr offen
- spielt in der zeitgenössischen Gesellschaft
- Stoffwahl hierbei frei! (Probleme von grundsätzlicher, menschlicher Bedeutung, immer im öffentlichen Bereich)
- Probleme im privaten Bereich
- keine staatstragende Handlung
- fast immer "Lovestory"
- Molière sprengt die Gattungsgrenzen oft Personal der Komödie:
- der bürgerliche Stand
- niederer Adel tritt auch auf Form der Komödie:
- die Komödie darf auch in Prosa geschrieben werden (sonst Verse) Sprachebene der Komödie:
- gepflegte Umgangssprache
- keine Obszönitäten/ Vulgaritäten
- auf der Bühne darf auch nicht gegessen werden! Es darf höchstens davon gesprochen werden. Schluß der Komödie:
- Happy End
- bei Moliere oft aufgesetzt gutes Ende (meist künstlich, Problem nicht gelöst)
- Die Romantik - *Franz.: le romantisme (= nach der Art des Romans), in der Bedeutung romantisch, geheimnisvoll etc. von England nach Deutschland gelangt, von dort nach Frankreich.
* Wichtige Verbreiterin des Wortes Mme de Stael, die als Gegnerin Napoleons ihre Exiljahre in Deutschland verbrachte. Entstehung der Bewegung der Romantik:
-Reaktion auf die Französische Revolution als tiefer Einschnitt in die Kulturgeschichte ( Religion, Normen, Ancien Régime gehen unter)
-anzusetzen grob um 1800 (obwohl Jugendwerke von Goethe und Schiller früher), obwohl schon 1830 der erste realistische Roman von Stendhal erscheint ("Le rouge et le noir")
-aber auch hochromanische Romane wie z.B. "Notre dame de Paris" von V. Hugo ( schreibt bis zu seinem Tod 1880 romantisch) erscheinen 1830 -allgemein europäische Bewegung, die als Reaktion auf den Rationalismus des 18 Jh. entsteht, Restauration
-sehr politische Bewegung: Reaktion auf die französische Vorherrschaft (sowohl kulturell als auch politisch) in Europa . Charakteristika der Romantik: -starke Betonung des Gefühls
-Aufschwung der Lyrik, die im 18. Jh. so gut wie gar keine Rolle spielte -der Roman jedoch spielt die größte Rolle und wird als höchste Gattung der Romantik angesehen
-die bienséance auf der Theaterbühne fällt vollkommen weg, alles kann gezeigt werden und auch der Trennung der Gattungen wird ebenfalls keine Beachtung mehr gezollt:
*Mischung von Tragischem und Komischem *Keine Einheit von Zeit und Ort
-für den Romantiker ist der Mensch zusammengesetzt aus Niedrigem und Erhabenen.
-neue Theatertheorien entstehen (z.B. von Victor Hugo im Stück "Cromwell", in der er in der Préface seine Theorie des romantischen Dramas darstellt: das Drame ist eine christliche Gattung, da in ihm sowohl das Erhabene (le sublime) als auch das Niedrige (le grotesque) dargestellt werden = Jesus ! Erlöser obwohl in Stall geboren ) -Die Romantik entdeckt das Häßliche als ästhetisches Prinzip: häßliche Hülle, schöne Seele (=Quasimodo, der Glöckner von Notre Dame)
-im Laufe des Jahrhunderts wird das Häßliche zur Banalität und alltäglich (Mme. Bovary)
Die Romantik versteht sich als eminent christliche Bewegung ( wobei die Gläubigkeit eher schick als authentisch ist). -das Mittelalter gewinnt an Bedeutung, schicker Katholizismus -Burgen, Burgruinen und der Rhein, Klöster, Gotik etc. beliebt -mittelalterliche Schriften und die Sprache werden aufgearbeitet (dabei steht weiterhin die Nationalsprache im Mittelpunkt des Interesses, gegen das Französische!)
-man beginnt, sich auf die eigene Nation zu besinnen (gegen Frankreich!) -damit ist der Nationalismus durchaus als Produkt der Romantik zu sehen ( das 18.Jh eher kosmopolitisch)
-die Romantiker entdecken Spanien, das bisher als Inbegriff für Inquisition und Völkermord stand (Amerika), völlig unbekanntes Land aber so schön katholisch -auch die Natur erfährt einen neuen Stellenwert -Landschaft, Wetter, alle Äußerungen der Natur (Casper David Friedrich) -Beziehungen zwischen Natur und Mensch werden erforscht, Wechselwirkung Psyche des Menschen & Natur.
-Das niedere Volk erfährt Beachtung, bisher war immer das Bürgertum und der Adel angesprochen gewesen, Bauern etc. bis dato uninteressant -jetzt idealisiertes Bauerntum
-Volksliteratur, -lieder, -traditionen begründen eigenen Forschungszweig (=Volkskunde)
(Oralität= mündliche Überlieferung anstatt Literatur- Gebrüder Grimm die ersten, die Volksmärchen schriftlich festhalten) -Exotismus ebenfalls gefragt
-romantische Literatur bewältigt die Wirklichkeit nicht, sie hilft nur, sich in Ideale zu flüchten,
bald schon entsteht der Realismus, der sich gegen diesen Realitätsverlust stellt, und die Wirklichkeitsferne der Romantik kritisiert, die keine Lebenshilfe in einer schweren Zeit liefert.
-Balzac, Stendhal werden sehr stark von der Romantik beeinflußt, lösen sich dann später aber davon.
-positive Bedeutung der Liebe ebenfalls neu für Romantik -bisher negative Konnotation -Liebe erhöht !
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Karl Hausler, 2001, Französische Literaturwissenschaft - Übersicht, München, GRIN Verlag GmbH
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sehr nützlich und gut, vielen Dank!
am Thursday, March 21, 2002-