1. EINFÜHRUNG
Mit der Thematik Kriminalpsychologie kam ich zum ersten Mal im Zuge meiner Maturavorbereitungen für das Fach Psychologie in Berührung. Der Grund für die Wahl dieses Themas als Spezialfrage für meine mündliche Reifeprüfung und jetzt auch als Projektarbeit im Zuge des Grundausbildungslehrganges war und ist damals wie auch heute der gleiche. Mich interessierte einfach der Grund warum Menschen in der Lage sind bestimmte Dinge zu tun, welche von der Gesellschaft als verwerflich und als moralisch nicht duldbar angesehen werden. Dies reicht vom kleinen Ladendiebstahl, über die Körperverletzung, bis hin zum Serienmord. Die Tatsache, dass der einfachste und geringfügigste Ladendiebstahl und der grausamste und verabscheuungswürdigste Mord ihre Wurzeln bereits in der frühen Kindheit haben können und wie wenig es eigentlich dazu bedarf, dass aus einem „normalen“ Kleinkind in späterer Folge einmal ein Verbrecher wird, erschütterte mich ein wenig und gleichzeitig weckte es mein Interesse.
Wenn man Kriminalität bekämpft, die Täter durch Behandlung resozialisierungsfähig machen und gleichzeitig verhindern will, dass zahlreiche neue heranwachsen, so muss man vorher wissen, wodurch kriminelles Verhalten verursacht wird.
Neuere Forschungsergebnisse der anthropologischen 1 Wissenschaften, der Entwicklungs- und Sozialpsychologie, der Humanbiologie, der Hirnforschung, besonders der letzten Jahre, der Sexualforschung und Neurosenlehre, wiesen uns die im Einzelfall zur Kriminalität geführt haben. Dazu muss man zunächst den normalen Verlauf der Entwicklung ohne störende Einflussfaktoren der Umwelt vergleichend heranziehen. Deshalb wurden einige wichtig erscheinende Ausführungen über die Entwicklung der Sexualität, der Aggressivität, des Ichbewusstseins und der Denkfunktionen vorangestellt. Symptomen abnormalen Verhaltens, wie sie in späteren Handlungen und in Vorstufen derselben in Erscheinung traten, wurde in Untersuchungen soweit wie möglich, oft bis in die früheste Kindheit, nachgegangen.
Bei bereits begangenen Verbrechen, bei denen der Täter nicht bekannt ist, vor allem bei Serientätern, ist es oft nur möglich mittels eines psychologischen Täterprofils, auch „profiling“ genannt, den Kreis der Verdächtigen einzuengen. Diese Experten, wie zum Beispiel Mag. Thomas MÜLLER, erlangten bereits sehr viel Anerkennung für ihre Arbeit, weil sie bereits einige Fälle durch ihre Täterprofile aufklären konnten.
Durch Filme wie „Das Schweigen der Lämmer“, „Sieben“, „Copykill“ und die TV-Serie „Profiler“ wurde profiling und das Berufsbild des Profilers weltweit bekannt. Zahlreiche TV-Berichte von Fernsehanstalten in Österreich und Deutschland über die Arbeit des Thomas MÜLLER haben profiling auch in
1 Anthropologie = die Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung
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Europa salonfähig gemacht. Mag. Thomas MÜLLER vom österreichischen Innenministerium ist einer der wenigen Experten in Europa, der am National Center of Violent Crime an der FBI-Akademie in Virginia ausgebildet wurde und nach FBI-Richtlinien arbeitet. Er erstellte u.a. das Täterprofil des Briefbombenbauers, das zur Ausforschung und Verhaftung von Franz FUCHS führte.
Nach Auffassung des Internationalen Institutes für Strategische Studien (IISS) sind Franz FUCHS sowie einige andere Beispiele aus den USA Zeichen für eine neue Art von Terrorismus, hinter der Einzelkämpfer stecken. Diese Art von Terror ist nur schwer zu bekämpfen, weil die Täter aus persönlichen Motiven (persönlichen Hass) handeln.
Als erstes möchte ich in dieser Arbeit die geschichtliche Entwicklung der Kriminal- und Forensischen Psychologie aufzeigen. Danach werde ich ein wenig über Entwicklungskriminalität und über Vorsignale späterer Kriminalität schreiben und dann von der Jugendkriminalität zur Erwachsenenkriminalität übergehen. Als nächsten Punkt werde ich noch über einige Methoden der Kriminalpsychologie berichten und abschließend dann noch einen kleinen Ausflug in das Innenleben von Serienmördern wagen.
WER MIT UNGEHEUERN KÄMPFT, MAG ZUSEHEN, DASS ER NICHT DABEI
2. GESCHICHTE DER KRIMINALPSYCHOLOGIE
2.1. Der Anfang
Als Anfang der Kriminalpsychologie werden die Schriften des Franzosen Pitaval angesehen. Sie waren eine Sammlung „Berühmten und interessanten Rechtsfällen“ und wurden ab 1934 herausgegeben. Hierbei wurden interessant erscheinende Täterpersönlichkeiten in einer Art Raritätenkabinett vorgeführt. Eine Art gedrucktes Reality-TV des 18. Jahrhunderts. Ernsthafte Ansätze einer Kriminalpsychologie entstanden erst Ende des 19. - Anfang des 20. Jahrhunderts. Pionier dieser Richtung waren der Italiener Lombroso und Hans Groß, sowie Erich Wulffen und Gustav Aschaffenburg. Aschaffenburg gründete 1904 die Zeitschrift für Kriminalpsychologie und Strafrechtsreform. Aber alle diese Pioniere waren keine Psychologen sondern Juristen und Mediziner.
Die in den Jahren 1900 bis 1920 erstellten Arbeiten der Kriminalpsychologie beschäftigten sich hauptsächlich mit den Aussagen von Beschuldigten und Zeugen einer kriminellen Handlung. Die Straftat oder die Persönlichkeit eines Täters wurde aus kriminalpsychologischer Sicht Stiefmütterlich behandelt. Es gab zwar ausführliche Falldarstellungen, z.B. von Wulffen 1910 mit dem Titel der Sexualverbrecher, aber dabei handelte es sich nur um beschreibende, stark subjektiv gefärbte Abhandlungen. Sie waren dazu da, einzelne Tätertypen oder die Tatmotive zu charakterisieren. Das der wissenschaftliche Wert dieser Ausführungen gering war, lag am noch gering entwickelten Wissenstand der allgemeinen Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie.
In den 20er Jahren kam eine neue Arbeits- und Forschungsrichtung der Kriminalpsychologie auf: die Kriminalprognose. Mit ihr wollte man die Wahrscheinlichkeit des Erfolges von kriminalrechtlichen Sanktionen, z.B. Strafaussetzung oder Unterbringung in Erziehungsanstalten, voraussagen.
2.2. Kriminalpsychologie zwischen 1933 - 1945 (in Europa) War die Forschung auf dem Gebiet der Kriminalpsychologie und der
Forensischen Psychologie bis zu diesem Zeitpunkt international führend, doch in der Zeit des Nationalsozialismus kam es zu keiner nennenswerten Entwicklung. Es waren mehr Themen wie Erbanlagen und Verbrechen von Friedrich Stumpfl gefragt. Viele der Wissenschaftler der Forensischen Psychologie mussten aus Deutschland fliehen. Aber 1935 wurden durch die „Richtlinien für das Strafverfahren“ eine Grundlage für die Einbeziehung psychologischer Sachverständiger in die Vernehmung jugendlicher Zeugen geschaffen.
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2.3. Kriminalpsychologie von 1945 bis heute (in Europa)
An mehreren Gerichten wurden jetzt Psychologen für die Begutachtung der Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen herangezogen. Die Sachverständigen konnten jetzt auch eigene Datenerhebungen (Tests, Explorationen) erheben. Man beschränkte sich jetzt nicht mehr auf die Beurteilung der „allgemeinen Glaubwürdigkeit“, im Sinne eines Persönlichkeitsmerkmals, sondern rückte die „spezielle Glaubwürdigkeit“ der Aussage in den Mittelpunkt. Das hatte zum Effekt, dass entgegen früherer Annahmen, die Angaben der Zeuginnen bei sexuellen Missbrauchs in der überwiegenden Mehrzahl der Wahrheit entsprachen. Es wurde ein Glaubwürdigkeitskriterienkatalog entwickelt der sich auf Details, wie z.B.: Besonderheit der Aussage, Aussageentwicklung und Aussageweise bezieht. Dadurch kam es zu einer größeren Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Aussagen.
Im Jahre 1957 kam die Begutachtung zu Fragen der Schuldfähigkeit von Straftätern als neues Arbeitsgebiet für Psychologen auf. Vorher wurden ausschließlich Mediziner als Sachverständige zur Beurteilung der Zurechnungsfähigkeit beauftragt.
Im Laufe der 60er Jahre entwickelte sich die Strafvollzugspsychologie auf dem Gebiet der Prognoseforschung und der Handlungs- und Resozialisierungsorientierten Umgestaltung des Jugend-und
Erwachsenenstrafvollzuges weiter.
1969 wurden sog. sozialtherapeutische Anstalten des Justizvollzuges eingeführt. Diese sind Einrichtungen die sich, damals eine neue Form, mit der Behandlung und Betreuung rückfälliger Straftäter beschäftigt. Ab den 70er Jahren stieg die Zahl der drogenbezogenen Straftaten an. Die Behandlung drogenabhängiger Straftäter, auch bekannt durch das Motto „Therapie statt Strafe“ ermöglicht es inhaftierten Drogenabhängigen, durch eine seit 1982 bestehende Regelung in Deutschland, von der Haftanstalt in eine therapeutische Einrichtung verlegt zu werden.
In den letzten 10 Jahren wurden die klassischen Themenstellungen der Kriminalpsychologie vertieft und erweitert, es wurden neue Inhaltsbereiche und Perspektiven wie Opferforschung, Erfassung von „Täterwissen“ und Analyse richterlichen Urteilsverhalten erforscht. Es werden immer mehr psychologische Sachverständige mit den Fragen der Schuldfähigkeit beauftragt und die Methoden durch experimentell angelegte Studien (z.B. in der Behandlungsforschung) wurden verbessert.
3. ENTWICKLUNGSKRIMINALITÄT
3.1. Entwicklung der Sexualität
Die Entwicklungsstufen die der Mensch durchlaufen sollte - wie sich etwa eine Pflanze oder ein Tier nach dem ihm eingegebenen Naturgesetz entwickelt, sind beim Menschen noch weit komplizierter. Gewiss, er entwickelt
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sich, und wie Pflanzen und Tiere durch Nahrungsmangel verkümmern, oder durch Krankheiten früher sterben können, bevor sie ihre biologische Aufgabe erfüllt haben, so gibt es auch beim Menschen Kranke und Gebrechliche, die dank der heutigen Medizin weit weniger geworden sind. Körperliche Anomalien erkennt man relativ leicht. Die geistig-seelischen Abweichungen vom Normalen sind aber weniger erkennbar, und sie werden häufig erst dann bemerkt, wenn sie nur noch schwer korrigierbar sind, oder wenn Korrekturen überhaupt nicht mehr möglich sind.
Das erste Zärtlichkeitserlebnis wird durch den Hautkontakt vermittelt. Es ist das Grunderlebnis des späteren sexuellen Antriebserlebens. Es macht sich im ersten Lebensjahr als Streben nach Hautberührung, nach Erfüllen von Zärtlichkeitsverlangen bemerkbar. Wenn dies in der ersten Phase nicht erfüllt wird, zeigen sich später Störungen im Sexualverhalten, es sei denn, es wird in einer späteren Phase, in der Vorpubertät, wenn es sich mit Vehemenz anmeldet und nach Wunscherfüllung strebt, nachgeholt. In der ersten Phase spielt die Genitalzone noch keine Rolle. Bevorzugte Reizzonen sind der Mund, deshalb orale Phase, und die Schleimhaut des Darmes, weshalb diese zweite Teilphase auch die anale genannt wird. Am Ende des dritten Lebensjahres kommen andere Zonen hinzu, bestimmte sensible Hautoberflächen, auch tieferliegende Stellen, die durch rhythmische Bewegungen und Erschütterungen des Körpers erregt werden. Was jetzt Lust bereitet, wird es später beim Erwachsenen nicht mehr, es sei denn, es kehre in neurotischer Form als Perversion wieder, als ein Zeichen dafür, dass diese Stufe der Lust nicht durchlaufen wurde, sondern eine Fixierung derselben erfolgte. Nach der analen Phase folgt die phallische und frühödipale Phase, zusammengefasst als erste genitale Phase. Sie ist charakterisiert durch sexuelle Neugier, dem Drang, Geschlechtliches sehen zu wollen. Sie klingt von selbst wieder ab. Drohungen dagegen können später leicht Kastrationsangst auslösen. Das Kleinkind erhält zum ersten mal im Dritten bis vierten Lebensjahr Kenntnis von der Verschiedenartigkeit der Geschlechter. Das Kind wächst nun in seine Geschlechterrolle hinein, indem es sich mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil identifiziert. Die Nichtbefriedigung der sexuellen Neugier kann später als Voyeurtum in Erscheinung treten. Die folgenden drei bis vier Lebensjahre vom Beginn des Schulalters bis ins zehnte Lebensjahr sind in geschlechtlicher Hinsicht fast unauffällig, eine Latenzzeit. Sie ist jedoch für die Entwicklung der Sexualität nicht ganz ohne Bedeutung, denn im Siebenten bis achten Lebensjahr entwickelt sich eine wichtige Komponente, das Schamverhalten. Dadurch hat die Geschlechtlichkeit eine starke Stütze erhalten. Im 14. Lebensjahr kommt es zur sogenannten zweiten Trotzphase. In dieser Zeit macht sich ein gesteigertes Selbstbewusstsein in Form von Kraftprozentum bemerkbar. Nach dem Trotz kommt das Verzagen, nach der Wildheit die Schlaffheit. Hinzu treten die ersten Regungen der Detumeszenz, das Erfahren der Lusterregung, die man verheimlicht, weil man sich von den Eltern allmählich innerlich entfernt. Eine Fülle von biologisch bedingten Kräften
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regt sich nun, die der Jugendliche gar nicht mit einem Male bewältigen und steuern kann.
Zur Sicherung der Partnerwahl gehört der Kampftrieb. Er macht sich zu Beginn der Reifung als Oppositionslust und Protesthaltung gegenüber den Erwachsenen bemerkbar und wird von diesen oft nicht als entwicklungsbedingt erkannt und empfunden.
Wie es eine Aufwärtsentwicklung von der Geburt, Reifung, bis zum Erwachsensein gibt, so kennen wir auch einen allmählichen Abbau der Körperfunktionen in der Abwärtsentwicklung. Diese beginnt etwa mit dem 50. Lebensjahr, mitunter bereits etwas früher. Man kann mit diesem Abbau auch eine Änderung des sexuellen Verhaltens erkennen. Es zeigen sich nun öfter Komplikationen im Sexualverhalten des älteren Mannes.
3.2. Entwicklung der Aggressivität
Die Formen der Aggression lassen in den verschiedenen Altersstufen die deutlich abhebbare Entwicklungsphase des aggressiven Verhaltens erkennen. Beim Kleinkind beobachtet man vor Eintreten der ersten Trotzphase Äußerungen des Aggressionsverhaltens, die mit anderen gekoppelt sind. Es macht Abwehrbewegungen, wenn es eine Speise ablehnt, und schlägt ungezielt darauf. Das Kleinkind schlägt sogar nach der geliebten Person, seinen Eltern und Geschwistern. Die Zärtlichkeit springt in Aggression über. Am Ende der ersten Trotzphase verstärkt sich das Aggressionsverhalten, das Kind hat dann bereits seinen Willen geübt und setzt seine Willensenergie in Aggressionen um. Man beobachtet im fünften Lebensjahr häufig, dass ein Kind ein anderes grundlos schlägt. Das Quälen und Aufeinander-Losschlagen ohne eine Ahnung von den Folgen und der Gefährlichkeit ist typisch für die Übung des Aggressionsverhaltens in dieser Phase. Das siebente bis neunte Lebensjahr scheint für das Aggressionsverhalten eine Latenzzeit zu sein, weil in dieser Zeit aggressives Verhalten eher selten beobachtet wird. Erst wieder im zehnten Lebensjahr häufen sich wieder die Meldungen über aggressives Verhalten der Kinder. Man verletzt sich allerdings nicht ernsthaft, jedenfalls nicht absichtlich, wenn auch manchmal ein Unglücksfall bei diesem aggressiven Spiel vorkommen kann. Zur gleichen Zeit erfährt der Trieb des Besitzenwollens einen Entwicklungsschub, das Kind will seinen Besitz vergrößern. Dieser Trieb kann so stark sein, dass er sich im bedenkenlosen Aneignen fremder Gegenstände äußert. Dieses Verhalten dieser Aggression kann schon das Zeichen der Kriminalität tragen, ist natürlich als Übung des Aggressionsverhalten zu verstehen, ist aber in den Augen der Erwachsenen häufig eine sehr unerwünschte Unternehmung.
Auch die Phase zwischen dem 12. und dem 18. Lebensjahr hebt sich deutlich ab. Es ist eine Phase, in der die sexuelle Entwicklung sprunghaft fortschreitet. Bei einfacheren Naturen lebt sich der Aggressionsdrang dieser Phase bis zum Erwachsensein oft als Schlägertum aus, besonders dann, wenn schon das väterliche Leitbild aggressives Verhalten in der Familie zeigte und
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dieses von den Familienmitgliedern als selbstverständlich angesehen wurde. Sie dauert bis zum 21. Lebensjahr und nicht selten darüber hinaus. Geht sie zu Ende, dann normalisiert sich das Aggressionsverhalten. Weitere wichtige Entwicklungen zur Erklärungen einiger Ursachen sind:
4. VORSIGNALE SPÄTERER KRIMINALITÄT
4.1. Frühe Kindheit
4.1.1. Frustration
Es ist eine vielfach bekannte Tatsache, dass fehlende Nestwärme mitunter zu schweren Schädigungen führen kann, die später in kriminellen Verhalten ihren Ausdruck finden. Wer psychologisch tiefer und bis in die früheste Kindheit vordringt, wird bald entdecken, dass an irgendeiner Stelle der Entwicklung des Kindes durch Versagung seiner normalen Ansprüche negativ beeinflusst wurde. Meistens kommt man zu dem Schluss, dass die orale Phase nicht bewältigt wurde. Das kann schon in den ersten sechs Monaten der Fall gewesen sein.
Welche Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung für die Entwicklung im ersten Lebensjahr zukommt, hat R. A. Spitz in einer Untersuchung ermittelt; er stellte fest, dass Kinder, die im ersten Lebensjahr länger als acht Monate in einer Anstalt waren, schwere seelische Schäden erlitten haben. Die Schädigung der im ersten Lebensjahr in einer Anstalt untergebrachten Kinder lässt sich anscheinend nicht wieder gutmachen; jedoch seien die Schäden, welche im zweiten oder dritten Lebensjahr erlitten werden, heilbar. Entwicklungsverzögerungen, Veränderungen in den Verhaltensweisen gegenüber Fremden wurden im letzten Drittel des ersten Lebensjahres von Spitz beobachtet. Er folgert aus diesen Untersuchungen: Es gibt ein Maß, unter das man die Mutter-Kind-Beziehung des Kindes im ersten Lebensjahr nicht herabsetzen kann, ohne einen Schaden anzurichten, der nicht wiedergutzumachen ist. Wenn man bedenkt mit welcher Sorglosigkeit Kinder schon bald nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden, dann darf man sich über die Folgen aber auch nicht wundern. Wo die erste Mutter-Kind-Beziehung gestört ist, dass heißt das Liebesobjekt fehlt, - und wenn es auch nur für längere Zeit des ersten Lebensjahres entzogen wird - dort ist das Versäumte nicht mehr nachzuholen. Dies ist eine grausame Determinante späteren kriminellen Verhaltens! Dies spiegelt sich vor allem bei kleinen Dieben wieder, insbesonders bei Rückfalldieben, die hoffnungslos zu
Eigentumsdelinquenz tendieren, stets gefunden, dass sie sich für bedenkenlos schadlos hielten. Kein Wunder, dass sie sich später das nahmen, was ihrem ursprünglichen Triebverhalten vorenthalten geblieben war.
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3.1.2. Milieuschäden
• Individuelle Umweltstörungen
Als individuelle Umweltstörungen bezeichnet man solche, die dem Individuum von der Umwelt direkt zugefügt werden. Es handelt sich hierbei um die unmittelbar auf das Individuum gerichteten Störungen, nämlich durch Krankheit oder Unfall, sei es vor, während, nach der Geburt oder später, zum anderen um die Störungen des „Gehäuses“, in das der junge Mensch eingebettet ist, bis der Prozess der Lösung mit dem Übergang der Instinktbindung an die Eltern zum Aufbau der neuen Triebgruppen einsetzt. Die Sicherung der Entwicklung des Individuums vom Säugling bis zum Erwachsenen geschieht durch die Familie. Bei einer normalen, gesunden Familie ist das Verhalten ihrer Mitglieder zueinander durch Instinkte geregelt. Die Familie stellt eine Lebensgemeinschaft dar, die nicht nur biologischer Art ist, sondern auch seelisch-geistig.
Die meisten Störungen beruhen darauf, dass die Beziehungen, die normalerweise in der Familie bestehen, abnorm verändert sind. Diese Beziehungen können
1. die ehelichen Verhältnisse,
2. das Verhältnis Eltern-Kind,
3. die Verhältnisse der Geschwisterschaft betreffen. Es ist genug darüber geschrieben worden, welche Folgen es für das Kind haben kann, das unehelich, außerehelich oder vorehelich geboren wurde. Dass uneheliche Kinder relativ oft erblich belastet sein sollen, ist durch die Forschung widerlegt, jedoch ist die häufigere Verwahrlosung erwiesen. Dasselbe gilt für die höhere Kriminalitätsziffer der unehelichen Jugendlichen. Ermittlungen der Polizei und des Sozialamtes an Kriminellen haben gezeigt, dass sich eine Verwaisung um so verhängnisvoller auswirkt, je früher sie eintritt. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, welche Bedeutung die ersten Lebensjahre für die Gemüts- und Gewissensbildung haben.
• Außerhäusliche Umweltstörungen
Es handelt sich hierbei teilweise um solche Störungen, die sich zwar in der häuslichen Atmosphäre auswirken, deren Bedingungen aber nicht im Gehäuse an sich liegen, sondern sie damit zusammenhängen, dass dieses Gehäuse in eine weitere Umwelt eingebettet ist; gemeint sind die Unterschiede von Stadt und Land und die Übergangsformen dieser beiden Siedlungsarten. Ferner muss man an individuelle Störungen denken, die in den Beziehungen zwischen dem Individuum und seiner weiteren Umwelt eintreten können und die sich meist in und aus der Gruppenbetätigung ergeben: Schulklasse, Spielgruppe, Arbeitsgruppe, Beruf usw.
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Urprägung
Eine besondere Form der Vorsignale einer späteren Kriminalität, bei der in früher Kindheit eine Prägung durch ungünstige Einflüsse im Nahraum erfolgte, bezeichnet man als Urprägung. Man kann sie nicht direkt zu den
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familiären und auch nicht zu den außerhäuslichen Milieueinflüssen rechnen, weil die Prägung nicht durch die engere Familie erfolgt, eher durch die konkurrierenden Erziehungseinflüsse, die stärker sind als die der Eltern. Dass außerhäusliche Umweltstörungen das charakterliche Gleichgewicht ins Wanken bringen und als Folge davon kriminelles Verhalten auslösen können, ist eine vielfach belegte Erfahrungstatsache.
4.2. Vorpubertät
In der Vorpubertät sind vor allem folgende Punkte als Vorsignale späterer Kriminalität von großer Bedeutung:
5. JUGENDKRIMINALITÄT
Die Zentralstelle zum Studium der Jugendkriminalität in Belgien hat eine treffende Definition gegeben. Der Begriff Jugendkriminalität im weitesten Sinne umfasst nach ihr alle „Formen der Kriminalität und Vorkriminalität, alle ihr vorher - oder mit ihr einhergehenden Möglichkeiten der Nichtanpassung, alle sozialen und individuellen kriminologischen Faktoren, die Aufklärung und Prävention, die Behandlungsform“ 2 . Außerhalb der Kriminalität, z. B. in der Erziehung, spricht man von Pubertätskrisen und meint damit Reifungsschwierigkeiten. Diese kommen also auch bei nichtkriminellen Jugendlichen vor, ein Zeichen dafür, dass Reifungsschwierigkeiten nicht gleichbedeutend sind mit Kriminalität. Die Pubertätskrise ist keine Krankheit, keine Neurose, sondern es handelt sich um konstitutionelle Phasenabläufe, die eng an die Pubertät gebunden sind. Aus den Triebhintergründen der phasenspezifischen Reifungserscheinungen wachsen Verhaltensweisen heraus, die einen großen Teil von Vorstößen gegen die guten Sitten ausmachen und zu einem kleinen Teil der Kriminalität zugerechnet werden müssen; jenem Bereich der Kriminalität, der mit dem Erwachsensein bzw. dann aufhört, wenn die pubertäre Disharmonie abgeklungen ist, und den man als eigentliche Entwicklungskriminalität bezeichnet. Der Abbau und Umbau der Instinkte und Triebe, der schon normalerweise einen stürmischen Verlauf nimmt, wird gestört, wenn konstitutionsbiologisch bedingte oder andere Kräfteveränderungen im somatischen Bereich wirken. Die Ursachen konstitutioneller Reifungsstörungen können Hirnschädigungen oder Anlagefaktoren sein. Die Störungen zeigen sich deutlich in Abweichungen vom normalen Verlauf der Reifungsvorgänge, und zwar etwa a) als Retardierung, das bedeutet, dass die Reifungserscheinungen nicht rechtzeitig eintreten, b) als Akzeleration, d. h. das Reifungstempo ist bei einzelnen Erscheinungen derart beschleunigt, dass die Harmonie der seelischen
2 Internationale kriminalpolizeiliche Revue, 1987
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Kräfte erheblich gestört erscheint, c) als asynchroner Verlauf der einzelnen Entwicklungslinien, nämlich als nicht genügende zeitliche Koordination der Reifungsmerkmale.
Wenn die turbulente Phase der Entwicklungskriminalität abgeklungen ist und auch der Beginn der Adoleszenz weit überschritten ist, das frühe Erwachsenenalter beginnt, dann gewinnt ein ehemaliger Delinquent, in seiner Jugendzeit, Abstand von seinen früheren Erlebnissen, und er sieht die Entwicklungszeit rückblickend in einem anderen Licht. Manche ehemaligen Delinquenten erkennen auch zum Teil die Ursachen, die zu ihrem kriminellen Verhalten geführt haben. Die tieferen Ursachen bleiben ihnen jedoch verborgen. Äußerst selten lasten sie ihren Eltern etwas an. Warum sie aus dem Elternhaus fortliefen, die Schule schwänzten, die Arbeitsstellen wechselten, ist ihnen nicht erklärbar; nur der schlechte Einfluss, der in der Gruppe von Müßiggängern und aus der Langeweile entsteht, weil sie mit sich nichts anzufangen wissen, wird rückblickend erkannt. Es ist aber schon von erheblicher Bedeutung, dass das nicht legale Verhalten in der Jugend in ursächlichem Zusammenhang mit Einflussfaktoren richtig gesehen wird.
6. ERWACHSENENKRIMINALITÄT
Unter Erwachsenenkriminalität verstehen wir die Erscheinungsformen der Kriminalität, die sich häufig erst nach erfolgter Reifung einstellen können. Damit ist nicht gesagt, dass sie nicht schon früher eintreten könnten. Es gibt aber einige bestimmte Arten, die erst nach der sozialen Anpassung eintreten. Dazu gehört die Wirtschaftskriminalität, die eine besondere Form der Betrugskriminalität ist. Wir wissen, dass Betrugskriminalität auch schon in der Adoleszenz auftreten kann; ihren Höhepunkt erreicht sie im vierten bis fünften Lebensjahrzehnt, also zwischen dem dreißigsten und vierzigsten Lebensjahr. Das ist die Phase, in welcher der längst sozial Angepasste und meist Selbständige gegen die Normen des Handelsrechts, des Gewerberechts, der Steuergesetzgebung usw. verstößt; das betrifft bestimmte Gruppen, nämliche vorwiegend selbständige Unternehmer und Gewerbetreibende.
6.1. Persönlichkeitskrisen
Man sollte meinen, dem erwachsenen, wirtschaftlich stabilisierten und sozial angepassten Menschen, dessen Entwicklung ungestört verlief, der seit Jahren ein geordnetes Familienleben führt, machten die Umweltstörungen nichts aus. Aber das ist weit gefehlt. Untersuchungsergebnisse zeigen, dass kriminelles Verhalten in der Latenz häufiger sein muss als angenommen wird. Das bestätigen bereits frühere Untersuchungen über Fahrerflucht, bei denen nicht vorbestrafte Erwachsene sich kriminell verhielten 3 . Wenn man auf den ersten Eindruck hin annimmt, die Tat sei persönlichkeitsfremd, so muss man nach eingehender Untersuchung dann doch korrigierend feststellen, dass die
3 Nass, Fahrerflucht, in: Die Kriminellen, München 1966
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Persönlichkeitsstruktur des Täters so beschaffen ist, dass sie der Belastung mit heftiger Einwirkung auf die Struktur nicht gewachsen war. Die Struktur, die unter normalen Bedingungen noch gehalten hat, wird unter der Einwirkung neuer Umweltfaktoren bedroht, wenn an einer schwachen Stelle des strukturellen Gebäudes gerüttelt wird; es kann dann der ganze charakterliche Bau zum Einsturz gebracht werden. Manchmal entsteht, bis es dazu kommt, eine kritische Situation, die sich für das Individuum als Ausweglosigkeit darstellt.
6.2. Alterskriminalität
Wir verstehen unter Alterskriminalität diejenigen Kriminalfälle, deren Ursache auf gewisse Veränderungen im psychophysischen System während der Rückbildungsjahre zurückgeführt wird. Während dieser Zeit erfolgt eine Abschwächung der für das Geschlechtsleben spezifischen Hormone. Man kann die psychischen Wirkungen der Rückbildung mit dem Reifungsprozess vergleichen. Nur ist es umgekehrt. Wie beim Jugendlichen die Kriminalität oft nicht in das Bild des jungen Täters passt, so lässt sich auch nicht die Alterskriminalität nicht in das Bild der Persönlichkeit des alternden Menschen einordnen; und wie in der Pubertät die Reifungslinien nicht synchron verlaufen, so erfolgt bei der Rückbildung der körperliche Abbau nicht parallel zum geistigen. Individuell gesehen ist der Beginn dieses Abbaus nicht an eine bestimmte Altersgrenze gebunden. Die durch den Rückbildungsprozess verursachte Änderung des Trieblebens zeigt die gleichen Erscheinungen auf kriminellen Gebiet, wenn das Triebleben noch vor Eintritt dieser Alterung durch tiefgreifende Änderungen des hormonalen Systems gestört wird.
6.3. Situative Faktoren als Auslöser
Bei den situativen Faktoren handelt es sich um gewöhnliche Reizauslöser, wie man sie häufig in der Jugenddelinquenz vorfinden und die man von den Gelegenheitstätern her kennt. Eine Situation ist nicht ein kurzer Augenblick, sondern eine sich erstreckende Zeitlage besonderer Art. Eine solche Situation kann zu einem emotionalen Ereignis führen, z. B. zu einem Zustand der Bedrängnis; er kann eine innerseelische oder äußere Notlage herbeiführen. Aus dieser Notlage heraus begeht dann ein Mensch Handlungen zur Überwindung derselben. Ist es z. B. eine seelische Not, eine Kränkung, ein Trauma, so kann zur Abwendung dieser Not ein Verhalten ausgelöst werden, welches bei starker Emotion nicht immer Vernunftgesteuert ist.
7. WEITERE URSACHEN DER KRIMINALITÄT
8. METHODEN DER KRIMINALPSYCHOLOGIE
8.1. Tatbestandsdiagnostik
Die Tatbestandsdiagnostik ist eine veraltete, einfache Form der Diagnostik. Sie besteht aus einer Reihe methodisch mehr oder weniger festgelegter diagnostischer Versuche, die auf die Objektivierung beobachtbarer Ausdruckserscheinung im Aussageverhalten richten. Praktisch heißt das: Es werden einer Versuchsperson verschiedene Reizwörter vorgegeben, auf die sie mit spontan dazu einfallenden Assoziationswörtern reagieren muss. Diese Wörter und die benötigte Reaktionszeit werden dabei erfasst und vergleichend betrachtet. Diese Methode wurde weiter verfeinert indem man die psychogalvanischen Reaktionen misst. Das sind Atembewegung, Puls, Blutdruck und die unwillkürliche Feinmotorik. Dies wird mit dem Polygraphen, oder auch Lügendetektor genannt, aufgenommen. Diese psychophysiologische Aussagebeurteilung unterscheidet 2 verschiedene Erhebungsmethoden: 1. Direkte tatbezogene Befragung: z.B. Haben Sie die Tat begangen? 2. Indirekte Befragung oder Tatwissenstest: z.B. Fragen nach Details, die nur ein Tatbeteiligter wissen kann.
8.2. Methode der Aussagepsychologie Zur Beurteilung der individuellen Aussagen wurden
Glaubwürdigkeitskriterien formuliert. Diese Kriterien beziehen sich auf Details und Besonderheiten der Aussage, auf die Aussageentwicklung und die Aussageweise. Dadurch kommt es zu einer größeren Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Aussagen.
8.3. Die Kriminalprognose
Hierbei soll die Wahrscheinlichkeit des Erfolges kriminalrechtlicher Sanktionen z.B. Bewährung oder Unterbringung in einer Erziehungsanstalt abgeschätzt werden. Hierbei gibt es 3 Methoden.
8.3.1. Die Klinische Methode oder empirische Individualprognose Diese Prognose wird aufgrund des bisherigen Lebenslaufes gestellt. Dabei werden Delikte und Sanktionen, das familiäre Umfeld sowie Arbeits- und Freizeitsituationen bewertet.
8.3.2. Die Statistische Methode
Mit Hilfe empirisch-statistischer Vergleiche ausgewählter Lebenslauf-und Persönlichkeitsmerkmale wird versucht, Faktoren zu identifizieren, die eine Unterscheidung zwischen Rückfallgefährdeter und Nicht-Gefährdeter gewährleisten. Dies wird in Form einer Gut- und Schlecht-Punkte-Systems bewertet.
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8.3.3. Die Strukturprognose
Die Strukturprognose versucht die beiden anderen Methoden zu kombinieren. Hierbei werden die einzelnen Faktoren der statistischen Methode unterschiedlich bewertet. Damit soll sich ein differenziertes Bild des Täters ergeben.
9. SERIENMÖRDER
9.1. Definition
Sie töten aus Perversion, Hass, Wahnsinn. Ihre Verbrechen sind unvorstellbar grausam. Trotzdem üben Serienmörder einen bizarren Reiz auf das Publikum aus.
Filme wie: Das Schweigen der Lämmer, Sieben oder Copykill locken Millionen in die Kinos. Was reizt den Besucher an solchen Menschen ? Bis Anfang der achtziger Jahre wurde ein "Mehrfachmörder" noch unter der Einheitsbezeichnung Massenmörder eingeordnet, ohne den geringsten Unterschied zwischen einem Joachim Kroll, welcher innerhalb von 21 Jahren 15 Menschen ermordete, und einem Charles Whitman, welcher am 31 Juli 1966 sechzehn Personen erschoss, zu machen. Das FBI hat seither mit Hilfe seines Analysezentrums für Gewaltverbrechen National Center for the Analysis of Violent Crime (kurz NCAVC) Unterschiede zwischen diesen Mehrfachmördern festgestellt:
Der Massenmörder tötet 4 oder mehr Opfer am selben Ort und im Laufe ein und desselben Geschehens.
Der Spree-Killer bringt in einem kurzen Zeitraum mehrere Opfer an verschiedenen Orten um. Diese Verbrechen ergeben sich aus einem einzigen Geschehen, und ihre Abfolge kann sich eine gewisse Zeit hinziehen. Der Serienmörder mordet dreimal oder öfter an unterschiedlichen Orten und mit zeitlichen Abständen, die jeden der Morde zu einem Einzelfall werden lassen. Der Serienmörder kann aber auch durchaus mehrere Opfer auf einmal umbringen. Er wählt seine Opfer gezielt aus - im Gegensatz zum Massenmörder und Spree Killer, welche sich nicht für die Identität des Opfers interessieren. Sie bringen vielmehr jeden um, der ihnen über den Weg läuft. Serienmorde besitzen im Gegensatz zu einfachen Morden kein direkt erkennbares Motiv. Zudem sind sie oft geprägt von einer extremen Gewalttätigkeit und Perversion. Es wird versucht, die Motivation der Täter als eine extrem aggressive zu kennzeichnen, deren Ursachen in der jeweiligen Kindheit zu suchen sind, insbesondere in der mangelnden, nicht erfahrenen Bindung an die Eltern und damit verbundenen sehr frühen, selbstwertverletzenden Frustrationen. Die von vielen Serienmördern übereinstimmend geschilderten Erlebnisse werden aus der Sicht der Aggressionsmotivations-Theorie zu erklären versucht.
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9.2. Täterprofile
Um einen Serienmörder seiner Strafe zuzuführen, muss man ihn jedoch zuerst einmal aufspüren. Das FBI verwendet dazu sogenannte psychologische Täterprofile. Um ein Täterprofil zu erstellen, müssen zuerst überhaupt Taten miteinander in Beziehung gesetzt werden, um eventuelle Gemeinsamkeiten zu erkennen. Aus den Erfahrungen des FBI lassen sich zwei große Gruppen von Serienmördern differenzieren, die planvoll ("organized") und die planlos ("disorganized") vorgehenden Täter. Diese Klassifikation beschreibt Prototypen; in den meisten Fällen tauchen sowohl am Tatort wie auch in der Täterpersönlichkeit Anzeichen aus beiden Kategorien vermischt auf. Anhand von Tatorthinweisen lassen sich nun planvolle von planlosen Tätern unterscheiden. In der FBI-Abteilung Behavioral Science Unit (BSU) arbeiten zwölf Spezialisten an der Erstellung sogenannter psychologischer Täterprofile. Für ein Täterprofil werden sämtliche Informationen genutzt, die vorhanden sind: Angaben über die Opfer, Spuren, Autopsie-Ergebnisse, Tat- oder Fundorte. Am Ende können die FBI-Beamten meist genau sagen, nach welchem Tätertyp zu suchen ist. "Wer sich mit Profilen befasst, muss die Vorgehensmuster und die charakteristischen Eigenschaften des wahrscheinlichen Täters feststellen. Er geht von Fakten aus und setzt diese in seiner Analyse durch logische Überlegungen zueinander in Beziehung. Die Formel lautet: Was + Warum =Wer", sagt der pensionierte FBI-Agent und Serienkiller-Experte Robert K. Ressler. Diese Psychologischen Täterprofile a la FBI werden inzwischen weltweit eingesetzt.
gebildet, hoher IQ
feste Beschäftigung
verheiratet, feste Beziehung
geradlinig, kontrolliert
sozial angepasst
normale Kindheit
mittlere bis gute Beziehung zu den Eltern
unternimmt gerne Reisen
freundlich, extrovertiert, liebenswürdig
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fährt ein neuwertiges, sauberes Auto
geht gerne nachts vor
allgemein häufiger Wohnortwechsel, nach der Tat ist ein Jobwechsel oder Umzug wahrscheinlich
Tatort nicht gleich Fundort
Leiche versteckt
Tatort zeigt ein kontrolliertes Bild
Täter benutzt Zwangsmittel wie z.B. Fesseln, Handschellen
aggressives, gewalttätiges Verhalten vor der Tötung
Täter verfolgt Medienberichte
ist ein „Polizeifan“
nimmt Kontakt zu den Polizeibehörden auf
9.3. Extrem aggressive Motivation
Morde, die aus Eifersucht, im Affekt oder zur Verschleierung anderer Verbrechen geschehen, besitzen ein eindeutig identifizierbares Motiv. Die Täter sind in vielen Fällen im personalen privaten Nahbereich des Opfers zu suchen und relativ schnell überführt. Erfahrungen des amerikanischen FBI mit der Erstellung von Täterprofilen haben gezeigt, dass es zur Klärung von extremen Gewaltverbrechen wichtig sei, keine festgelegten Kategorien (bsplw. "Psychopathen") zu verwenden, sondern zu versuchen, die den Taten zugrundeliegende Motivation des Täters zu erkennen. Dies bezieht sich insbesondere auf "Serienmörder", d.h. Mörder, die nacheinander an verschiedenen Orten Morde begehen im Gegensatz zu "Massenmördern", bei denen es sich um Täter handelt, die am gleichen Ort zur gleichen Zeit mehrere Menschen töten, bsplw. während der NS-Zeit in den Gaskammern der Konzentrationslager. Häufige Motivationen bei Morden können
Machtmotivation, "Thrill-Erhöhung" oder der Wunsch, das eigene Schicksal und die Umwelt unter Kontrolle zu haben, sein. Dagegen steht aber die Annahme, dass insbesondere im Fall von Sexualmorden, eine extrem aggressive Motivation zugrunde liegt.
Dies wird insbesondere bei sogenannten sadistischen Tätern deutlich. Diese Täter beschreiben ihre Motivation z.B. so: "Ich vergewaltigte das Mädchen nicht, ich wollte es [nicht ’sie’!] nur zerstören". Letztlich leben die Täter langgehegte und bis dato (in ihrer Ausführung) gehemmte Phantasien aus. Wenn die ebenfalls im Aggressionsmotiv verankerte Aggressionshemmung in ihrer Wirkung nicht mehr ausreicht, kommt es zum Ausbruch der Tat, der dann oft weitere folgen. Täter, deren frühkindliche Erfahrungen aus Gewalt, Ablehnung, Vernachlässigung und negativen Bindungen zu Bezugspersonen bestehen, kompensieren dies durch Tagträume, in denen sie sich stark, mächtig und Überlegenfühlen. Dabei spielen Themen wie Gewalt, Vergeltung und Verstümmelung eine dominante Rolle. Der Wunsch zu dominieren und stets Kontrolle über seine Umwelt zu haben, lässt sich am besten durch Aggressivität verwirklichen, so die Lernerfahrung der Mörder in ihrer Kindheit. Dabei drückt sich dieser Wunsch zunächst in der Phantasie aus. Vor den eigentlichen Morden kommt es ab und zu zu aggressiven Handlungen gegen schwächere Lebewesen (meist Tiere, seltener gegen Kinder), die gequält und verletzt oder getötet werden. Auch erste kriminelle Delikte wie Diebstahl, Brandstiftung oder Körperverletzung werden praktiziert. Wenn dieser ganzen Entwicklungskette eine tatsächliche aggressive Motivation zugrundeliegen sollte, so müsste dies durch Konzepte des Aggressionsmotivs erklärbar sein. Um dieser Frage nachzugehen, ist es nötig, etwas weiter auszuholen und zunächst einige besondere Aspekte zu besprechen, um daraus die aggressionsrelevanten Teilkomponenten abzuleiten.
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9.4. Ist das Aggressionsopfer auch das Aggressionsziel
Jede motivierte Handlung ist auf ein Handlungsziel ausgerichtet. Beim Aggressionsmotiv besteht das primäre Ziel darin, einen Frustrator zu schädigen. Dabei stellt sich die Frage, wieso die Opfer, die ja in den meisten Fällen dem Täter unbekannt sind, ausgewählt wurden. Es stellt sich die Frage, wer soll eigentlich geschädigt werden? Wer ist also das primäre Ziel der Aggression? Die eigentlichen Opfer können es nicht sein, da sie in der Regel zufällig den Täter in die Hände fallen bzw. von ihm nach bestimmten Kriterien ausgesucht werden (John Joubert, der zwei Jungen ermordet hatte, bestritt sogar energisch, dass er sie gekannt habe). Opfer sind meistens Frauen, seltener Kinder, haben in der Regel dieselbe Hautfarbe und oft ähnliches Alter wie der Täter, die Täter sind zu 80 % bei "einfachen Morden", zu 95% bei Serienmorden, Männer.
Systematische planende ("organized") Täter überfallen meist Fremde, die sie sich vorher aber nach bestimmten Kriterien wie Alter, Aussehen, Frisur oder Beruf ausgesucht haben. Der planlos ("disorganized") vorgehende Mörder trifft keine Auswahl, seine Überfälle sind häufig willkürlich, konkrete Vorstellungen von seinen Opfern hat ein solcher Täter nicht. „Er will gar nicht wissen, wen er vor sich hat und versucht oft, die Persönlichkeit des Opfers vorzeitig auszuschalten, indem er es bewusstlos schlägt, das Gesicht zudeckt oder entstellt“. Worin besteht nun das eigentliche Motivziel? Alle Aussagen beinhalten eine extreme Feindseligkeit gegenüber einer nicht direkt angreifbaren Gruppe (Gesellschaft, Frauen, ...) in Verbindung mit einem Streben nach Macht, Macht über andere, nicht in erster Linie über das Opfer, sondern Macht als Gefühl der Stärke, des Selbstbewusstseins, der Unangreifbarkeit, der Unverletzlichkeit. Trotzdem bleibt die Feindseligkeit als Hauptursache im Vordergrund.
9.5. Kindheitserlebnisse
Wenn man diejenigen Täter außer acht lässt, die offensichtlich geisteskrank sind und ihre Taten als Folge von Wahnvorstellungen o.ä. begehen, bleibt bei allen anderen die Frage nach den Ursachen solch extremer Taten, wie bsplw. der oben beschriebenen oder genauer: nach den Ursachen extrem aggressiver Motivation.
Einen allgemeinen Eindruck liefert die intensive Untersuchung des FBI an 36 Serienmördern. Alle Täter stammten aus zerrütteten Familienverhältnissen und empfanden ihre Erziehung als kalt, feindselig und ungerecht; 13 Täter berichteten von körperlichen, 23 von psychischen und 12 von sexuellem Missbrauch in ihrer Kindheit. Eine FBI-Studie hat unter anderem ergeben:
• Die Mörder fühlen keine Bindung an andere Menschen Sie nehmen keine Rücksicht auf die Bedürfnisse Anderer oder sind nicht sensitiv für die Bedürfnisse anderer Menschen
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• Die Erziehung, das Schulversagen und andere Leistungsmängel werden als Teil einer ungerechten und unfreundlichen Welt wahrgenommen; die Erziehung wurde als unfair, feindselig, unbeständig und missbrauchend beschrieben
• Die meisten der interviewten Straftäter hatten schlechte Beziehungen zu ihren Vätern, 16 der 36 Untersuchten berichteten von kalten und wenig fürsorglichen Beziehungen zu ihrer Mutter. In 47% der Fälle verließ der Vater die Familie, bevor das Kind 12 Jahre alt war, viele der späteren Serienmörder mussten sich einem neuen Familienoberhaupt anpassen.
• Zu Geschwistern hatten sie wenig Bindungen, sofern Geschwister überhaupt vorhanden waren.
• Zur Instabilität der Familie kam in 68% der Fälle noch eine Instabilität des Wohnortes.
• 66% der Täter lebten, bevor sie 18 Jahre alt wurden, außerhalb der Familie in Erziehungs- oder Adoptivheimen.
• In den Familien der späteren Mörder gab es zumeist erhebliche Probleme: Kriminalität (in 50% der Fälle), psychiatrische Probleme (53.3%), Alkoholmissbrauch (69%), Drogenmissbrauch (33.3%) oder/und sexuelle Probleme (46.2%).
• Die Kinder selbst nannten u.a. häufig folgende Probleme: Tagträume (82%), zwanghafte Masturbation (82%), Isolation (71%). Ebenfalls wurde von abweichenden Handlungen der Kinder berichtet: chronisches Lügen (71%), Zerstörung von Eigentum (58%), Feuer legen (56%), Stehlen (56%) oder Grausamkeit gegenüber anderen Kindern (54%).
9.5. Perversion und sadistische Phantasien
Serienmordtaten enthalten in fast allen bekannten Fällen extreme sadistisch sexuelle Komponenten. Die lange gültige Theorie von übersteigerten Sexualtrieb ist heute kaum noch haltbar, statt dessen wird eine extrem aggressive Motivation angenommen. Es gibt also, wie SCHMIDT (1983) aufzeigt, nichtsexuelle Motive im Sexualverhalten. Er schreibt: "Sexualität erhält über den autochthonen Charakter hinaus Qualitäten von Intensität und Dynamik aus anderen als sexuellen Quellen, sie erlangt ihre Intensität und die Indienstnahme nichtsexueller Motive und Affekte". Insbesondere in der Perversion, speziell im Sadismus, kommt dies zum Tragen: MARQUIS DE SADE beschrieb bereits sehr ausführlich, wie das perfekt geplante, ungeheuerliche, sich über alle Grenzen hinwegsetzende Verbrechen Grundlage größtmöglichen Genusses werden kann. Die Überwindung von Tabus und Normen machen für ihn sexuellen Genuss aus. Bevor diese extrem aggressive Motivation in letzter Konsequenz zu Morden, also der tatsächlichen motivierten Handlung, führt, haben die Täter meistens stark gewalthaltige Phantasien. Das FBI schreibt dazu: "Diese Phantasien sind extrem gewalttätig und reichen von Vergewaltigung bis hin zu
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Verstümmelungen oder Quälen und Mord. Diese Phantasien bewegen sich jenseits normaler sexueller, vergnügungsorientierter Tagträume". Deshalb stellt FÜLLGRABE (1992) auch die Frage nach der Entstehung sadistischer Phantasien. Er bezieht sich dabei auf die schon mehrfach zitierte FBI-Studie an Serienmördern. 56% der Täter hatten Vergewaltigungsphantasien, bevor sie 18 Jahre alt waren. Knapp 40% der Kinder wurden in ihrer Jugend selbst sexuell missbraucht.
9.6. Warum werden nicht alle zu Mördern?
Eine denkbare Antwort auf diese Frage könnte man zu dem Zeitpunkt vor der ersten Tat suchen. Die Täter müssen in eine auslösende Situation kommen und auf sie ansprechen. Manche potentielle Täter gelangen nie in eine solche Situation. In diesem Zusammenhang führt von HENTIG (1961) besonders die Rolle des Zufalls aus. Beispielhaft beschreibt er Zwillinge, von denen einer kriminell wurde, der andere nicht. Der Nichtkriminelle gestand in einer Untersuchung, dass er im Alter von 12 Jahren kurz davor gestanden habe, zusammen mit zwei anderen in einen Laden einzubrechen. Nur weil eine Person die Straße entlang kam, missglückte der Versuch. FÜLLGRABE (1983) und auch LEMPP (1977) halten die Rolle des Zufalls für sehr wichtig. Sie gelangen zu der Erkenntnis, "dass durch den Zufall bei gleicher Persönlichkeitsstruktur unterschiedliche Entwicklungen möglich werden: Von zwei Straftätern wird nur einer erwischt; von zwei Strafentlassenen lernt einer eine Frau kennen, die er heiratet und mit der er ein bürgerliches Leben führt; jeweils einer wird eine kriminelle Entwicklung nehmen, der andere nicht!". LEMPP (1977) fand heraus, dass die von ihm untersuchten jugendlichen Mörder (allesamt Einzeltäter, keine Serientäter) sich von anderen Jugendlichen mit ähnlichen Defiziten in der Persönlichkeitsstruktur und mangelnder Selbstkontrolle nur dadurch unterschieden, dass sie in eine Situation kamen, der sie nicht gewachsen waren. RESSLER et al. (1993) schildern solche auslösende Begebenheiten an mehreren Fällen: "Der Anlass für Richard Marquettes ersten Mord war seine Impotenz bei einer Frau (...) Ted Bundy gab vermutlich der Entzug der finanziellen Unterstützung den Rest (...) David Berkowitz' Probleme wurden übermächtig, als seine leibliche Mutter sich weigerte, ihn bei sich aufzunehmen (...) Nach einem besonders hässlichen Streit mit seiner Mutter knallte Ed Kemper die Tür hinter sich zu nahm sich vor: ' Die erste Frau, die mir über den Weg läuft, muss dran glauben.'" ROBERT RESSLER, der Gründer der Abteilung für Verhaltensforschung beim amerikanischen FBI, fand bei den von ihm untersuchten Serienmördern den Grund für ihre abweichende Reaktion in der Tatsache, dass bei ihnen kein genügend stabiles psychisches Gerüst vorhanden sei. "Angesichts widriger Umstände wie z.B. plötzlicher Arbeitslosigkeit igeln sie sich ein, konzentrieren sich nur noch auf dieses eine Problem und schließen alles andere aus mit Ausnahme ihrer Phantasien, von denen sie sich eine Lösung versprechen" (ebd.). Dieses Vorgehen beschreibt anschaulich die Folgen nicht vorhandener oder unsicher-meidender Bindungsgefühle. Bindung
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verspricht Schutz in kritischen Lebenslagen. Diese Gewissheit fehlt jenen Menschen, so dass sie kein Repertoire an adäquaten Verhaltensmöglichkeiten gelernt haben.
Handlungen werden nicht allein aufgrund einer auslösenden Situation und einer daraufhin ansprechenden Motivation ausgelöst, sondern es muss auch der Wille zur Ausführung vorhanden sein. Es könnte also auch möglich sein, dass sich Menschen, die an der Schwelle zum Kriminellen stehen, sie letztlich aber nicht überschreiten, von anderen durch ihren starken Willen unterscheiden. Dieser Wille ist aber nicht immer selbstbestimmt, er kann auch durch Gegebenheiten der Umwelt eingeschränkt sein. Wahrscheinlich kennt jeder die Situation, dass er beim gemütlichen Bier mit Freunden sich dazu überreden lässt, noch ein Glas zu trinken, obwohl der Verstand sagt: Nein, Du hast genug getrunken!
Die mit dem freien Willen verbundene Selbstkontrolle und Selbstverantwortung kann insbesondere durch aggressive Erziehungsmethoden unterwandert werden. Bei Kindern, die häufig gestraft werden, steht der strafende Erzieher im Vordergrund, "der ihr Verhalten lenkt und kontrolliert. Sie haben nie gelernt, ihr Verhalten selbst zu lenken und zu kontrollieren". Als Gegenpol dazu fand BECKER(1964) heraus, dass Kinder, die in einer freundlichen Atmosphäre aufwachsen, weniger Verbote übertreten und wenn sie dies doch tun, dass sie dann vermehrt Schuldgefühle entwickeln. Aber nicht allein der Zeitpunkt vor der ersten Tat kann entscheidende Weichen stellen, sondern auch die weitere Entwicklung. STEPHAN QUENSEL (1980) zeigt anschaulich, dass es mit zunehmender krimineller Karriere immer schwieriger wird, aufzuhören. Er beschreibt Stationen der "Karriere nach unten" folgendermaßen:
• Je besser die ursprüngliche Ausgangsbasis (späterer Beginn, intakte Sozialisation, zureichende Ressourcen) desto mehr positive Alternativen stehen zur Verfügung und desto geringer ist die Gefahr, nach unten abzugleiten.
• Das Ausgangsproblem ist meist sehr klein und viele Anfangsdelikte geschehen aus Jux
• Abweichende Problemlösungen werden erlernt und beibehalten als die gekonnte und deshalb naheliegende Art und Weise.
• Je weiter man in der Karriere nach unten gelangt, desto weniger positive Alternativen bleiben offen, desto häufiger werden andere belastende Alternativen (Trinken, Sucht, Selbstaufgabe) werden, desto länger ist der Weg zur Normalität, die nicht in Höhe der ursprünglichen Ausgangsbasis, sondern scherenförmig in gleicher Entfernung nach oben zu suchen wäre.
• Je weiter man in der Karriere nach unten gelangt, desto größer wird das ursprünglich kleine Problem durch sanktionsbedingte Zusatzprobleme, desto wahrscheinlicher wird die "Fortsetzung der Karriere", desto formeller und härter wird die Reaktion [der Gesellschaft] und desto größer wird das Problem
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Trotz der oben beschriebenen Entwicklung kann es dazu kommen, dass zwar aggressive kriminelle Taten verübt werden (Vergewaltigung, Entführung), die Täter vor Mord als Konsequenz jedoch zurückschrecken. Dies erklärt sich in vielen Fällen mit einer noch vorhandenen Aggressionshemmung, die jedoch erst nach der Tat in vollem Umfang auftritt. "Zugleich ist zu beobachten dass er [ein mehrfacher Vergewaltiger] danach mit starken Schamreaktionen und Schuldgefühlen reagierte (...) er habe den starken Drang gehabt, sich bei den Geschädigten zu entschuldigen".
Neben der mehr situativ-zufälligen Erklärung, die erst in relativ späten Lebensjahren einsetzen kann, kann bereits bei der Entwicklung des Aggressionsmotivs bzw. der Eltern-Kind-Bindung angesetzt werden. RESSLER et al. (1992) sehen die Beantwortung dieser Frage in der vorpubertären Entwicklung. Während dieser Zeit "bewahren starke Hände sie davor, später Morde oder Gewalttaten zu begehen".
9.7. Aufbau und Ablauf extrem aggressiver Motivation
Fasst man alle bisher genannten Gesichtspunkte wie Mosaiksteine zusammen, so ergibt sich letztlich ein Gesamtbild einer extrem aggressiven Motivation. Aus aggressionsmotivischer Sicht könnte also folgender Motivationsablauf vorliegen: 1. Ausgangszustand ist ein feindseliges Weltbild, möglicherweise erzeugt durch negative frustrierende Erfahrungen in der Kindheit im Umgang mit Eltern oder Freunden, starke, selbstwertverletzende negative Erfahrungen auch im späteren Alltag 2. Auslöser kann ein frustrierendes Erlebnis sein, auf dass man mit Ärger reagiert. 3. Die erlebte Situation wird als ungerechtfertigt und willkürlich interpretiert, aus Ärger wird Wut. 4. Das Aggressionsmotiv wird aktiviert, generalisierte Zielsysteme (Rache an Einzelpersonen oder der Gesellschaft, Erlangung von Kontrolle über die Umwelt) aktualisieren sich zusammen mit positiven Erwartungsemotionen.
Erfolgswahrscheinlichkeit abgeschätzt wird. 6. Wenn die situativen Gegebenheiten günstig sind, kommt es zur Handlungsausführung. 7. Funktioniert die Handlung so, wie der Täter es sich vorgestellt hat, so erlebt er starke positive Emotionen (Glücks oder Hochgefühl, Zufriedenheit, Macht, sexuelle Befriedigung, Selbstwerterhöhung). 8. Die Motivation verschwindet (Katharsis), Motivkomponenten werden durch die Handlungsergebnisse positiv verstärkt, aggressive Handlungsschemata werden wahrscheinlicher (im Gegensatz zu nichtaggressiven).
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9. Im Fall, dass der Täter nach der ersten Tat nicht gefasst wird, bauen sich evtl. vorhandene Hemmungsmechanismen (besonders Strafangst) ab, werden durch Gefühle der Nichtangreifbarkeit ersetzt (es erfolgt ein Überspringen von ehemaligen Hemmungsmechanismen hin zu Aktivierungsmechanismen). Andere Hemmungsarten wie z.B. Mitgefühl fehlen völlig.
Aus aggressionsmotivischer Sicht lässt sich das Fortführen einer erstmals begangene Tat und deren Perfektionierung (und damit der eigentliche Schritt vom Mörder zum Serienmörder) auch über die Abnahme der Aggressionshemmung und gleichzeitige Stärkung einiger Aggressionsmotiv-Komponenten erklären. Ersteres basiert auf der Erkenntnis der Täter, dass sie nicht relativ schnell gefasst wurden und somit die Hemmungskomponente "Strafangst" zunehmend vermindert wird. Der 22jährige Serienmörder Oleg Kusnezow vergewaltigte anfangs "nur" seine Opfer, hatte aber mit der Androhung von Gewalt Erfolg, so dass keine der Frauen ihn anzeigte. "Das machte ihn selbstsicher, nahm ihm die Angst vor der Strafe“. Auch bei Andreji Tschikatilo (52 Morde) verändert sich das Gefühl der Strafangst allmählich: Nach dem ersten Mord verhält er sich auffallend lange ruhig. Danach wird zunächst ein Anderer als mutmaßlicher Täter verhaftet und später sogar zum Tode verurteilt. Im Falle von Andrej Tschikatilo spitzt sich das Gefühl, unangreifbar zu sein und damit jenseits jeder möglichen Strafe zu stehen noch durch die Tatsache zu, dass er zweimal bereits in Untersuchungshaft saß, jedes Mal aber wieder freigelassen wurde ("Danach war er zu dem Schluss gekommen, dass er der Verfolgung entkommen war und ihm keine Strafe drohte", ebd). Andere Hemmungskomponenten wie Empathie oder Schuldgefühle werden oder sind bereits von Anfang an nur schwach ausgebildet. Major Jewsejew berichtet über Andrej Tschikatilo: "Nach seinem Verhalten [bei den Tatortbesichtigungen, nachdem er bereits endgültig verhaftet war] zu urteilen, hatte er keine Gewissensbisse und verspürte keine Reue und Mitleid mit den Opfern"; auf die Frage des Richters, ob ihm niemals der Gedanke gekommen sei, daß er den Opfern weh tue oder ob er, wenn er einen Jungen getötet habe, niemals an seinen eigenen Sohn gedacht habe, antwortete er: "Das kam mir nicht in den Sinn". Ted Bundy, von dem das FBI annimmt, dass er zwischen 35 und 60 junge Frauen ermordet habe, wurde zweimal gefasst und jedes Mal gelang ihm die Flucht.
Durch die häufiger werdenden Morde gewinnt der Mörder aber auch Erfahrung, er vervollkommnet seine Fähigkeiten und erlangt damit eine immer größere und bessere aggressive Handlungskompetenz (A.Tschikatilo: "Ich lernte, mich nicht zu beschmutzen. Das Messer hielt ich in der linken Hand. Ich schreibe mit der Rechten, aber wenn ich Lebensmittel zerteile, halte ich das Messer in der Linken". Damit rücken nichtaggressive Handlungsschemata immer mehr in den Hintergrund und bei geeigneten Auslösesituationen läuft die motivierte Handlung fast von selbst ab. Zusammen mit der Gewissheit, unantastbar zu sein, werden Serienmörder oft noch egoistischer und planen die
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nächsten Verbrechen (im Gegensatz zum ersten, oft affektgeladenen, zufälligen Mord) und tun danach den Opfern immer mehr Gewalt an. "Jeffrey Dahmer folgte dem Muster des Serienmörders. Sie fangen vorsichtig an. Zuerst erschrecken sie über sich selbst, doch dann töten sie weiter. Die Zeitabstände werden immer kürzer, und ihr Geschick nimmt von Mal zu Mal zu. Nun werden sie verwegen und leichtsinnig, denn sie glauben, kein Sterblicher könne ihnen noch etwas anhaben, Macht über Leben und Tod hätten sie alleine".
9.8. Typen von Serienmördern
9.9. Beispiele für Serienmörder
9.9.1. Charles MANSON
Charles Milles Manson wurde 1934 in Cincinatti als unehelicher Sohn einer 16jährigen Prostituierten geboren. Seit er 10 war, lebte er auf der Straße, sieht man von den Zeiten in Jugendheimen und Besserungsanstalten ab. Sein Erwachsenenleben war schon früh geprägt durch Raubüberfälle, Fälschungen, Zuhälterei und Körperverletzungen. 1967 war er auf Bewährung aus der Haft entlassen worden. Er machte sich auf den Weg nach San Francisco der damaligen Hippie Hochburg.
Manson entwickelte sich dort zu einem charismatischen Guru. Er spielte Gitarre und predigte seine Vision von der bevorstehenden Apokalypse, dem "Helter Skelter", einem Text vom White Album der Beatles. Als die Reinigungsfrau Chapman am 9 August 1969 die Tür im Cielo Drive Nr. 10050 öffnete, bot sich ihr ein Bild des Grauens. In den Zimmern, im Flur und auf dem Gartenvorplatz lagen insgesamt 5 furchtbar zugerichtete Leichen. Als Opfer identifizierte man die 26jährige Schauspielerin Sharon Tate - Ehefrau des Regisseurs Roman Pollanski und Schauspielerin in z.B. Tanz der Vampire , die 25jährige Abigal Folger - Erbin des millionenschweren Kaffeehändlers Folger,
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den 36jährigen High Society Friseur Jay Sebring, den 32jährigen Voytek Frykowski, der Freund von Folger, und den 17jährigen Steven Earl Parent. An die Haustür hatten die Mörder mit Blut das Wort "pig" geschmiert. Das Industriellenehepaar La Bianca wurde am 10 August 1969 ermordet aufgefunden. Der Besitzer einer Supermarktkette Leno La Bianca war 44 Jahre alt, seine Frau Rosemary 38. Als die Leichen aufgefunden wurden, hatten die Mörder das Wort "War" in Leno La Biancas Bauchdecke geschnitten. Auf dem Kühlschrank war mit dem Blut der Opfer "Helter Skelter" geschrieben. Die Anweisungen für dieses Blutbäder waren zuvor auf einer Farm, im Wüstengebiet außerhalb von Los Angeles, erteilt worden. Dort lebten etwa 20 Frauen im Alter von 17 bis 24 Jahren und einige gleichaltrige Männer mit dem 32jährigen Charles Manson zusammen. Sie nannten sich "Die Familie". Manson wählte die Familienmitglieder Tex Watson, Susan Atkins, Leslie Van Houten und Patricia Krenwinkel aus und sagte zu ihnen: "Die Zeit für Helter Skelter ist gekommen".
Manson war davon überzeugt, dass seine Familie einen blutigen Rassenkonflikt auslösen könne, indem sie "reiche weiße Schweine" töteten. Diese Morde sollten dann den Schwarzen in die Schuhe geschoben werden, wodurch sich Weiße zur Lynchjustiz gegen Schwarze hinreißen ließen, was diese wieder gegen die Weißen aufwiegelte. Am Ende stünden schließlich ausgedehnte Rassenunruhen, die in immer gewalttätigere, blutige Auseinandersetzungen übergingen. Daraus würde sich nach der Vorstellung Mansons ein regelrechter Rassenkrieg entwickeln - der Helter Skelter. In einem solchen Rassenkrieg, so hoffte Manson, würden die Schwarzen schließlich obsiegen. Doch weil die Schwarzen sich selber nicht führen könnten, würden sie ihn, Charles Manson zu ihrem Herrscher und Führer machen. Manson und die drei Mitangeklagten Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie van Houten wurden am 29 März 1971 wegen Mordes in 7 Fällen für schuldig befunden und zum Tod in der Gaskammer verurteilt. Als ein Jahr nach dem Urteil die Todesstrafe in Kalifornien wieder abgeschafft wurde, wurden alle Todesurteile in lebenslange Haftstrafen umgewandelt. Manson und seine Komplizen, Charles "Tex" Watson, Susan Atkins, Patricia Krenwinkel, Linda Kasabian, Leslie van Houten, Robert Beasusoleil, Bruce Davies und Steve Grogan haben noch weitere Morde begangen - oder werden solcher dringend verdächtigt. Ein ehemaliges Mitglied der Familie, Lynette Fromme, versuchte 1975 ein Attentat auf Präsident Gerald Ford.
9.9.2. Jack UNTERWEGER
Der Österreicher Jack Unterweger, unehelicher Sohn eines US-Soldaten und einer Wiener Prostituierten, machte eine geradezu erstaunliche Karriere. Als 24jähriger wurde er 1974 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, weil er die 18jährige Deutsche Margaret Schäfer mit ihrem BH erdrosselt hatte. Das Opfer hatte ihn an seine Mutter erinnert. Im Gefängnis verfasste Unterweger seine Autobiographie "Fegefeuer eine Reise ins Zuchthaus", in
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welcher er sich mit seiner Kindheit und seiner Verbrechenskarriere auseinander setzte. Kritiker feierten das Buch, und Unterweger avancierte zum Liebling der Wiener Schickeria. Die österreichische Justiz entließ daraufhin den prominenten Häftling bereits nach 16 Jahren vorzeitig. Im Oktober 1990, knapp sechs Monate nach seiner Entlassung, wurde die Wiener Prostituierte Brunhilde Massener als vermisst gemeldet. 3 Monate später wurde sie von Spaziergängern im Wald tot aufgefunden. Sie war mit ihrem BH erdrosselt worden. Im Januar 1991 fand man die Prostituierte Heide Hammer ermordet auf. Auch sie war mit ihrem BH erdrosselt worden. Im Verlauf des Jahres 1991 wurden noch 5 weitere tote Frauen - allesamt Prostituierte - in Waldgebieten entdeckt. Alle Opfer waren mit Teilen der eigenen Unterwäsche erdrosselt worden. Der nun rehabilitierte Reporter Jack Unterweger berichtete persönlich über die Fälle und ging schließlich sogar soweit, die Polizei dafür zu kritisieren, dass es ihr nicht gelang, den Mörder zu fassen. Der Polizei fiel jedoch auf, dass Unterweger stets in der Nähe der Tatorte Lesungen abgehalten hatte. Im Sommer 1991 fuhr Unterweger nach Los Angeles, um dort für eine Wiener Illustrierte über Prostitution zu recherchieren. Dort wurden innerhalb kürzester Zeit 3 Prostituierte ermordet aufgefunden. Alle Opfer waren mit ihrer Unterwäsche erdrosselt worden. Zurück in Europa ermordete Unterweger eine weitere Prostituierte - Blanka Bockova - in Tschechien. Nachdem sich die Indizien gegen Jack Unterweger verdichtet hatten, floh dieser mit seiner 18jährigen Freundin Bianca Monk zuerst in die Schweiz, dann nach Paris und von dort nach Miami. Dort wurde er am 27.2.1992 vom FBI verhaftet und später dann nach Österreich ausgeliefert. Am 20.4.1994 wurde vor dem Grazer Landgericht der Prozess gegen Jack Unterweger wegen 11fachen Mordes(einschließlich der 3 Morde in Los Angeles) eröffnet. Die Indizien waren erdrückend: Im Kofferraum von Unterwegers Waagen wurde ein Kopfhaar der in Tschechien ermordeten Prostituierten Blanka Bockova gefunden. Des weiteren wurden Fusseln eines Schales von Unterweger an der Kleidung einer der erdrosselten Frauen gefunden. Auch konnte eine Expertin des FBI nachweisen, daß bei allen Verbrechen ein besonderer Knoten für die Wäsche, mit welchen alle Opfer erdrosselt worden waren, verwandt wurde. Unterweger wurde am 29.6.1994 wegen 9fachen Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Jack Unterweger, der die Morde vor Gericht bis zuletzt geleugnet hatte, erhängte sich einen Tag später in seiner Zelle.
9.9.3. Mary FLORA BELL
Mary Flora Bell wurde am 26.5.1957 als das Älteste von vier Kindern geboren. Sie wurde oft zu Verwandten abgeschoben, wenn sich ihre junge Mutter in psychiatrische Behandlung begab. Die Mutter arbeitete als Prostituierte und man nimmt an, dass Mary und ihr kleinerer Bruder bei S/M Praktiken mitmachen mussten. In der Schule war Mary Bell bei ihren Altersgenossen unbeliebt. Sie galt als notorische Lügnerin und versuchte ständig, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Am 25.5.1968 wurde der
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4jährige Martin George Brown, in einem verlassenen Haus in den Slums von Newcastle, ermordet aufgefunden. Am folgenden Tag erfolgte ein Einbruch in den örtlichen Kindergarten, bei dem eine von Kinderhand geschriebene Nachricht hinterlassen wurde, die, wie sich nachher herausstellte, von Mary Bell stammte: "WE did murder Martain brown Fuck of you bastard.". Zwei Monate später, am 31.7.1968, verschwand der 3jährige Brian Edward Howe. Mary Bell selbst nahm an der Suche des Jungen teil. Aufgrund ihres Hinweises wurde die Leiche des Jungen in einem unbebauten Gebiet nahe der Siedlung gefunden. Als Todesursache wurde Strangulation festgestellt. Neben der Leiche befand sich eine abgebrochene Schere, mit der Mary Bell dem Jungen Zeichen in die Beine sowie den Buchstaben M in die Bauchdecke geritzt hatte. 4 Tage nach dem Mord erschienen Mary und ihre Handlangerin Norma Bell (keine Verwandtschaft zu Mary Bell) bei der Mutter des Toten und fragten, ob sie seine Leiche im Sarg sehen durften. Die entsetzte Mutter verneinte natürlich. Einige Tage später gab Norma einen Ausspruch Marys preis: "I squeezed his neck and pushed up his lungs. That´s how I killed him." Nachdem noch andere Indizien den Tatverdacht bekräftigten, verhaftete man beide. Die Gerichtsverhandlung dauerte vom 3.12.1968 bis zum 17.12.1968. Mary Flora Bell wurde wegen 2fachen Mordes zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Norma Bell wurde als Mitläuferin freigesprochen. Im September 1977 schrieb Mary Bell erneut Schlagzeilen: Sie war mit einer anderen Insassin aus dem Gefängnis ausgebrochen, wurde jedoch 3 Tage später erneut verhaftet. In der Zwischenzeit hatten sie 2 Jungen kennen gelernt und dabei auch ihre Jungfräulichkeit verloren. Diese Geschichte füllte noch einmal die Gazetten der Zeitungen. Nach nur 11 Jahren Haft wurde die inzwischen 22jährige vorzeitig entlassen. Sie lebt heute in England und hat eine Tochter.
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10. LITERATURVERZEICHNIS
Nass, Gustav: Die Ursachen der Kriminalität. Berlin 1973
Dietrich, Gerhard: Jugend und Kriminalität. Bonn 1987
Paulus, Christoph: Serienmörder: Ursachen und Entwicklung extremer Gewalt. Wien 1997
Bourgoin, S.: Serienmörder. 1995
Strömer, Arnold: Einführung in die forensische Psychologie. Berlin 1994 - Universität Berlin - Hausarbeit
Braun, Kay: Serienmörder. Internet 2001
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Joham, Michael, 2001, Kriminalpsychologie - Der Blick hinter die Kulissen des Verbrechens, München, GRIN Verlag GmbH
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