sich mehr mit der M essung der Intelligenz beschäftigt wurde, als mit der dahinter stehenden Theorie.
2. Suche nach Methoden zur Messung der Intelligenz
Anna Anastasia (1982) stellte fest, daß Unterschiede im menschlichen Verhalten, die vorher nicht Gegenstand der Untersuchung / des Experimentes waren, das Ergebnis lästiger Fehlereinflüsse darstellten.
Während Wundt und seine Schüler nach Gesetzmäßigkeiten im menschlichen Verhalten suchten, bemühen sich vor allem Ärzte und Biologen um die Entwicklung von Messungen, die es ermöglichen sollten das Seelenvermögen oder auch geistigen Funktionen zu erfassen. Alfred Binet setzte sich Ende des letzten Jahrhunderts mit den bis dahin vorliegenden Meßverfahren kritisch auseinander, wobei er für sich herausfilterte, welche Schwäche er bei seinem eigenen Prüfverfahren vermeiden mußte. Binet wurde mit seiner Binet - Skala so erfolgreich, daß sie in andere Sprachen übersetzt wurde. Jedoch galt das vorliegende Interesse der Skala Binet´s und nicht dem theoretischem Hintergrund. Es fehlten somit die theoretischen Grundlagen. 2.1. Vorläufer der Binet - Skala
Franz Gall ( 1758 - 1828) hatte großes Interesse an der Gehirnforschung. Er beobachtete beispielsweise, daß ein Freund, der ein gutes Gedächtnis besaß, auffallend hervortretende Augenpartien besaß. Aufgrund dieser Beobachtung entwickelte Gall seine Theorie der Phrenologie. Er ging davon aus, daß bestimmte Eigenschaften eines Menschen, siehe Beispiel gutes Gedächtnis, oder auch Persönlichkeitsmerkmal durch Wölbungen am äußeren Schädel ablesbar sind.
Solche Vorstellungen fanden schnell ihre Anhänger. Auch Hirnspezialist Paul Broca war der gleichen Überzeugung wie Franz Gall. Mit dieser Theorie der Phrenologie schien es möglich zu sein, mit derart einfachen Messungen, den Betrachtungen des Schädels, Menschen mit höheren und niedrigeren kognitiven Fähigkeiten voneinander zu unterscheiden. Diese Aussichten weckten das Interesse des britischen Biologen Sir Francis Galten, der sich mit den Unterschieden im Leistungsverhalten beschäftigte. Er stellte sich die Frage, ob es nicht möglich wäre, menschliche Fähigkeiten zu messen und auf Grundlage dieser Ergebnisse höhere Rassen zu entwickeln. Seinen Vorstellungen entsprechend, entwickelte er seinen Gedankengang dahin gehend weiter, daß man nur den begabtesten M ännern und Frauen Nachwuchs gestatten sollte, um die minderwertige Rasse auszurotten. Zur Auswahl dieser Personen suchte er ein geeignetes Meßverfahren. Jedoch mußte er nach über 9000 Schädelmessungen feststellen, daß zwischen der Schädelgröße und den geistigen Fähigkeiten kein Zusammenhang bestand. Aus dieser Misere fand er einen Ausweg. Weiterhin ging Galton davon aus, daß die Fähigkeiten der Sinnesorgane, die Grundlage für die Urteilsfähigkeit und Intelligenz bildete. Aufgrund dessen entschied er sich dafür, die geistigen
Fähigkeiten mit Hilfe von Aufgaben zu messen, die eine schnelle Reaktion auf einen dargebotenen Reiz, sowie Unterscheidungen im Sinnes - und Wahrnehmungsbereich
forderten. Die Schwierigkeit, die sich daraus jedoch ergab, bestand darin, daß die Meßwerte in keiner Beziehung zu dem standen, was unter geistigen Fähigkeiten verstanden wurde.
2.2. Binet - Skala zur Ermittlung von Schülern mit Lernschwierigkeiten
2
In Frankreich beschäftigten sich Ärzte mit der Frage, wo die Grenze zwischen normalen und geistig zurückgebliebenen Menschen liegt. Alfred Binet hatte sich bereits mit vielen psychologischen Problemen, beispielsweise mit Hypnose, abweichendem Verhalten und so weiter beschäftigt. Schließlich galt sein Interesse auch Kindern, die Lernschwierigkeiten aufwiesen. Binet entwickelte in Zusammenarbeit mit Theodore Simon ein aus 30 Aufgaben bestehendes Prüfsystem. Sein Leitgedanke bei der Entwicklung war, daß ein langsam lernendes Kind im Vergleich zu Gleichaltrigen über einen geringeren Kenntnisstand verfügt. Binet wollte somit herausfinden, wieviel Kinder der verschiedenen Altersstufen die Antworten auf seine Fragen wußten. Seine Aufgaben berücksichtigten viele Funktionen, unter anderem Urteilsfähigkeit, Verständnis und schlußfolgerndes Denken. Testaufgaben legte er dann Schülern zur Bearbeitung vor. Wurde eine Aufgabe von mehr als 70% Kinder gleichen Alters richtig beantwortet, wählte er diese für die betreffende Altersstufe aus. 1908 veröffentlichte Binet eine überarbeitete Fassung seines Intelligenztests. Erstmalig tauchte in diesem Bezug der Begriff "Intelligenzalter" (IA) auf.
Nachfolgend werde ich die dritte Fassung des Binet´s - Test, 1911 erschienen, darstellen: " 3. Jahr:
1. Zeigt die Augen, die Nase den Mund 2. Wiederholt zwei vorgesagt Ziffern 3. Benennt Einzelheiten auf Bildern 4. Nennt den eigenen Familiennamen 5. Spricht sechsilbige Sätze nach 5. Jahr: 1. Vergleicht zwei Gewichte 2. Zeichnet ein vorgegebenes Quadrat ab 3. Spricht zehnsilbige Sätze nach 4. Zählt vier Pfennige
5. Legt die Hälften eines zerschnittenen Rechtecks zusammen 7. Jahr:
1. Zeigt die rechte Hand und das linke Ohr 2. Erklärt ein Bild
3. Kommt drei in einem Atemzug genannten Aufforderungen nach 4. Zählt den Wert von sechs Münzen zusammen 5. Benennt vier Grundfarben 9. Jahr:
1. Gibt auf 20 Pfennig Wechselgeld heraus
2. Definiert bekannte Begriffe. Definitionen sollten über die Benennung des Verwendungszwecks hinausgehen
3. Erkennt sämtliche von insgesamt neun vorgelegten Geldstücken 4. Zählt die Monate des Jahres der Reihe nach auf 5. beantwortet und versteht » einfache Fragen « 12. Jahr :
1. Weist falsche Behauptungen bezüglich der Länge zweier Linien zurück 2. Bildet aus drei vorgegebenen Wörtern einen Satz 3. Zählt in drei Minuten 60 Wörter auf
4. Bringt die Wörter eines durcheinandergebrachten Satzes in eine sinnvolle Reihenfolge ( z.B. » verteidigt ein seinen Herrn Hund guter tapfer « 15 Jahr : 1. Wiederholt sieben Ziffern 2. Finder drei Reime für ein Wort in einer Minute 3. Wiederholt einen Satz mit 26 Silben
3
4. Erklärt Bilder
5. Erklärt Zusammenhänge" 4
Nach der Erscheinung dieses Tests kamen die ersten Kritiken auf. Binet´s Verfahren besitzt keinen echten Nullpunkt, wie er beispielsweise bei physikalischen Messungen auftaucht. Binet entgegnete daraufhin, daß es nicht die Intelligenz als absolute Menge erfassen will, sondern für ihn die Klassifizierung der intellektuellen Leistungsfähigkeiten im Vordergrund steht.
2.3. IQ als Meßwert eines Persönlichkeitsmerkmal
Lewis Terman brachte im Jahre 1916 eine amerikanische und von ihm überarbeitete Fassung der Binet - Simon - Skala heraus. Terman führte als erster Mensch den Intelligenz -Quotienten (IQ) ein, dessen Verwendung William Stern 1912 vorgeschlagen hatte. Der IQ bringt die Korrelation von Intelligenzalter (IA) und Lebensalter (LA) zum Ausdruck. Um Kommastellen zu vermeiden, wird das Ergebnis mit 100 multipliziert. Formel: IA x 100
Intelligenz - Quotient (IQ) =
LA
Sterns Absicht, im Gegensatz zu Binet, war es einen Wert zu finden, dessen Bedeutung sich nicht mit zunehmendem Alter verändert.
Unterschiede im Intelligenzalter finden im IQ ihren Niederschlag. Binet hoffte, daß Kinder, die als zurückgeblieben eingestuft wurden, durch zusätzliche Förderung beim nächsten Test besser eingestuft werden können. Für Binet stand fest, daß eine Übereinstimmung von IA und LA wiederhergestellt werden kann.
Insgesamt ist zu sagen, daß der IQ nur eine Auskunft über das Ergebnis eines Vergleiches ist und somit einen relativen und keinen absoluten Wert darstellt. Terman, jedoch war weiterhin davon überzeugt, daß die Höhe der Intelligenz durch die Vererbung festgelegt wurde. Diese Annahme wurde ohne Überprüfung zum Konstruktmerkmal erhoben. Nach dem Test - Retest - Verfahren wurden die Versuchspersonen wiederholt gebeten, den Test nochmal zu wiederholen. Bei den Wiederholungen wurden Aufgaben, die keinen Beitrag zur Wiederholungsübereinstimmung der Antworten leisteten, ausgetauscht. Eine hohe Übereinstimmung war dahingehend erforderlich, da die Autoren von IQ - Tests mehr Interesse daran hatten, zukünftiges Leistungsverhalten vorherzusagen.
Binet´s Grundsatz, nämlich zurückgebliebene Schüler ausfindig zu machen, um ihnen zu helfen, ist dabei völlig in Vergessenheit geraten. 2.3.1. Intellektuelles Verhalten als Ergebnis zugrundeliegender Fähigkeiten Der englische Psychologe Charles Spearman (1904) stellte fest, daß Menschen mit sehr guten Leistungen in einem Aufgabenbereich auch in anderen Bereichen gut abgeschnitten haben und umgekehrt. Spearman schloß resultierend aus dieser Beobachtung, daß es eine allgemeine intellektuelle Fähigkeit gibt, von der jede einzelne Leistung abhängt. Er nannte diese Fähigkeiten "g" (für general). Da Spearman auch bewußt war, daß es nie eine völlige Übereinstimmung geben wird, sondern Schüler beispielsweise in den Sprachen besser waren,
4 Wege in die Psychologie, S.227 / 228
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als in Mathematik, ging er davon aus, daß jede Bewältigung einer Aufgabe nicht nur von "g" abhängt, sondern auch von einer spezifischen Fähigkeit, die er "s" (für specific) nannte. Spearman hoffte mit seinem Beitrag die Vorhersage von zukünftigen Leistungsverhalten zu verbessern. Denn, wenn alle Leistungen in den verschiedenen Aufgabenbereichen auf "g" basieren, ist es die beste Voraussetzung für die Vorhersage von "g". "s" bestimmt das Leistungsverhalten lediglich in den einzelnen Aktivitäten. Zu einem anderen Ergebnis kam der Psychologe Louis Thurstone (1938), der ebenso Testergebnisse miteinander verglich. Er jedoch kam zu dem Schluß, daß die Leistungen in einem Intelligenz - Test von sieben grundlegenden Fähigkeiten abhängen (Primärfaktoren). Dazu zählt er, Sprachbeherrschung, Wortflüssigkeit, Rechengewandtheit, Raumvor- stellung, Auffassungsgeschwindigkeit, Gedächtnis und schlußfolgerndes Denken. Thurstone
entwickelte Tests, bei denen in jedem Untertest jeweils nur eine Fähigkeit gemessen werden sollte.
Howard Gardener hingegen bezeichnete die Fähigkeit als personale Intelligenz. Nach seiner Vorstellung besteht sie aus zwei Teile, aus einer interpersonalen und aus einer intrapersonalen Intelligenz.
Die intrapersonale Intelligenz befähigt einen Menschen dazu, seine eigenen Gefühle zu kontrollieren. Sie ermöglicht es zwischen verschiedenen Gefühlserlebnissen zu unterscheiden, diese wahrzunehmen und in Ausdruck und Gestik umzuwandeln.
Die interpersonale Intelligenz befähigt einen Menschen dazu, die Wünsche und Absichten anderer Menschen zu verstehen und deren Stimmungen und Gefühle zu erkennen, um vorhersagen zu können, wie diese sich verhalten werden.
Der Umgang mit Problemen im Alltagsleben wird als praktische Intelligenz bezeichnet. 3. Bewältigung alltäglicher Probleme durch praktische Intelligenz 1973 berichtete David McChelland über Erfolge in Bezug auf Intelligenztests und ihre Vorhersageleistungen. McChelland meinte, schulische Leistungen vorhersagen zu können. Gleichzeitig mußte er jedoch feststellen, daß die, auf diese Tests gestützten vorhersagen, auf die beruflichen Erfolge sehr dürftig waren.
Nach Befund von Richard Wagner und Robert Sternberg (1986), haben beruflich erfolgreiche Menschen ihr Wissen stillschweigend, also impliziert, erworben. Beim impliziten Wissen handelt es sich um "Wissen, d as normalerweise nicht offen zum Ausdruck kommt oder dargestellt wird und das auch von keinem Lehrplan berücksichtigt wird" 5 . Dieses Wissen erwirbt ein Mensch im Laufe der Zeit durch den Umgang mit Problemen, innerhalb eines bestimmten Tätigkeitsbereiches. Als Beispiel dafür, dienen die Trukesen, die mit ihren Booten ohne Kompaß oder Sextant Inseln ansteuerten. Fragt man sie, wie dies ohne technische Hilfe möglich sei, bekam man kaum eine Antwort. Sie wissen nicht, warum sie tun, was sie tun, sie handeln einfach. Sie beobachten den Sternenhimmel, hören auf die Geräusche der Wellen und achten darauf, wie diese die Seite des Bootes treffen. Jedoch können sie ihren jeweiligen Standort nicht angeben, wie gerade schon beschrieben, sie wissen nicht, was sie tun.
4. Die Umweltbedingtheit intelligenten Verhaltens
Die Intelligenzforscher haben sich lange Zeit von der Überzeugung leiten lassen, daß es vom Ausprägungsgrad eines allgemeinen Intelligenzmerkmals abhängt, wie gut einzelne Menschen Probleme verschiedenster Art lösen können. Jeder Mensch wird mit präzisen
5 Wege in die Psychologie, S. 236
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genetischen Voraussetzungen in eine Umwelt hineingeboren, in der bestimmte Probleme gehäufter auftreten als andere. Die Anpassung der Menschen besteht darin, die für sie günstigste Umwelt zu finden, für die er genetisch besonders empfänglich ist, um ihre spezifischen Probleme zu lösen. Eltern, die selber sehr musikalisch sind, werden ihren Kindern die Musik näher bringen, ebenso wie Eltern, die gerne lesen, ihren Kindern viel vorlesen, um sie für die Literatur empfänglicher zu machen. Menschen bringen dank ihrer genetischen Voraussetzungen somit die Intelligenz mit, um sich an verschiedene Umwelten ( Musik, Literatur und so weiter) anzupassen zu können. 5. Wege der Intelligenzforschung: Vom Produkt zum Prozeß
In der jüngeren Zeit der Psychologie setzten sich die Psychologen verstärkt mit der Frage auseinander "Warum erreichen einige Personen bei solchen Tests bessere Leistungen als andere?" 6
Robert Sternberg (1988) untersuchte beispielsweise, welche Schritte bei sogenannten Analogie - Aufgaben, die Bestandteil vieler Tests sind, zu durchlaufen sind. Dies werde ich im Folgenden an einem Beispiel erläutern. Aufgabe:
Rechtsanwalt verhält sich zu Klient wie Arzt zu ________ A) Patient B) Mediziner
Durchschnittlich benötigen Versuchspersonen 2,4 Sekunden um dieses Problem zu lösen. Die Problemlösung erfolgt in sechs Schritten:
1. Man entnimmt dem Gedächtnis, daß der Rechtsanwalt Klienten berät und ihnen vor
2. Die Art der Beziehung wird bestimmt, die zwischen den Begriffen besteht. Am Beispiel:
3. Bei den zusammengehörigen Begriffen müssen gemeinsame Merkmal entdeckt werden.
4. Dem Gedächtnis wird im Erfolgsfall entnommen, daß ein Patient die Dienstleistung eines Arztes in Anspruch nimmt.
5. Es werden beide Antwortmöglichkeiten ( Patient / Mediziner) miteinander verglichen. 6. Die Antwort wird mitgeteilt.
Sternberg verglich die einzelnen Schritte miteinander und kam zu dem Ergebnis, daß Menschen mit hoher Intelligenz für den ersten S chritt länger brauchten, als Menschen mit einer geringeren Intelligenz, dafür durchlaufen sie die folgenden Schritte schneller. So fand das Problemlösungsverhalten auch schon in der jüngsten Zeit Unterstützung durch die Intelligenzforscher
Literaturverzeichnis
Gerd Mietzel, Wege in die Psychologie; 1998 Schüler Duden, Die Psychologie; 1981
6 Wege in die Psychologie, S. 240
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Arbeit zitieren:
Tanja Mende, 2001, Problemlösungsverhalten als Ausdruck der Intelligenz, München, GRIN Verlag GmbH
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