INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG. 3
1. GRUNDLAGEN DER KERNENERGIE 3
1.1. Die Äquivalenz von Masse und Energie 3
1.2. Radioaktivität und Atomtheorie. 4
1.3. Radioaktive Prozesse im Atomkern 5
1.4. Massendefekt und Bindungsenergie. 5
2. PRAKTISCHE UMSETZUNG 7
3. RISIKEN BEIM EINSATZ. 9
3.1. Biologische Risiken 9
3.2. Gesellschaftliche Risiken 11
3.3. Endlagerung 11
4. ALTERNATIVEN. 11
4.1. Systemimmanente Alternativen 12
4.1.1. Kernfusion 12
4.2. Systemtranszendente Alternativen. 13
5. FAZIT 14
6. LITERATURVERZEICHNIS 15
- 3 - Einleitung
Mit der Erfindung der elektrischen Glühlampe 1879 durch Thomas Alva Edison begann der Siegeszug der Elektrizität. Heute findet Strom in praktisch jedem Bereich des täglichen Lebens Einsatz, unsere Gesellschaft ist von Strom abhängig. Daher gehört die Versorgung mit Elektrizität notwendigerweise zu den zentralen technischen, aber auch politischen Problemen der modernen Gesellschaft. Im Rahmen dieser Facharbeit stelle ich einen Lösungsansatz für die Problematik der Energieversorgung, die Kernenergie, vor. Der erste Teil der Facharbeit beschreibt die theoretischen Voraussetzungen, die zur industriellen Nutzung der Kernspaltung geführt haben, im zweiten Teil werden die praktischen Verfahren zur Umsetzung beschrieben. Anschließend werden die Risiken, die mit der Technologie der Kernspaltung verbunden sind beleuchtet und schließlich wird ein Überblick über mögliche Alternativen gegeben.
1. Grundlagen der Kernenergie
1.1. Die Äquivalenz von Masse und Energie
Die wohl berühmteste Formel des 20. Jahrhunderts wurde Gleichung 1. ⋅ = ⋅ = 2 2 (1) c m E , modern c m W
Sie folgt aus der speziellen Relativitätstheorie, die Albert Einstein 1905 veröffentlichte. (1) sagt aus, dass Energie der Masse und zugleich dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit proportional ist. Masse ist also eine weitere Erscheinungsform von Energie, genau wie Wärme oder kinetische Energie. Die Lichtgeschwindigkeit beträgt 299792458 m/s, stellt also einen ungeheuer großen Wert dar. Somit müsste selbst in einer kleinen Masse eine ungeheure Energie ‚eingefroren’ sein. Einstein vertraute dieser Aussage jedoch zunächst nicht, wie man aus einem Brief an seinen Freund Habicht ersehen kann:
„Eine Konsequenz der elektrodynamischen Arbeit ist mir noch in den Sinn gekommen. Das Relativitätsprinzip im Zusammenhang mit der Maxwellschen Grundgleichung verlangt nämlich, dass die Masse direkt ein Maß für die im Körper enthaltene Energie ist, das Licht überträgt Masse. Eine merkliche Abnahme der Masse müsste beim Radium erfolgen. Die Überlegung ist lustig und bestechend; aber ob der Herrgott nicht darüber lacht und mich an der Nase herumgeführt hat, das kann ich nicht wissen.“ 1
1 Zitiert nach: Stratis Karamonolis: Albert Einstein für Anfänger. München 1 1992, S. 60
- 4 -Nun stellte sich die Frage, wo eine Umwandlung von Masse in Energie zu beobachten ist. Diese Vorstellung widersprach damals jeglichen Erfahrungswerten der makroskopischen Welt. Die Erfahrung lehrt, dass sich Stein nicht in Wärme verwandelt oder aus Wärme Holz wird. In der Welt des Makrokosmos jedenfalls war eine solche, von der speziellen Relativitätstheorie postulierte Umwandlung nicht zu beobachten.
1.2. Radioaktivität und Atomtheorie
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die physikalische Erforschung im Bereich der Elementarteilchen. 1896 entdeckte der französische Physiker Antoine Henri Becquerel, dass das Element Uran selbst durch Glas oder dickes schwarzes Papier hindurch eine photographische Platte schwärzen kann. Wenige Jahre später beobachteten Marie und Pierre Curie, dass 1g Radium etwa eine Energie von 420 J pro Stunde in Form von Wärme freisetzt. Diese Beobachtungen riefen ein weltweites Echo in der Fachwelt hervor. Ernest Rutherford stellte anhand von Strahlungsuntersuchungen seine Atomtheorie auf, die von Niels Bohr erweitert wurde. Da die Welt der Elementarteilchen der direkten Wahrnehmung verschlossen ist, entwickelten sie Modelle. Diese funktionieren meist aber nur für bestimmte Zwecke, in anderen Bereichen können sie zu falschen Aussagen führen. Dieses Atommodell liefert auch nach heutigem Erkenntnisstand für viele Bereiche richtige Aussagen. Nach ihm kann man ein Atom mit dem Sonnensystem vergleichen. Um den Atomkern, bestehend aus Neutronen und Protonen, kreisen die Elektronen. Das Atom besteht zum größten Teil aus Leere, die Masse ist auf winzige Bereiche verteilt. Die Elektronen haben, verglichen mit dem Atomkern eine vernachlässigbare Masse − − ⋅ = ⋅ = ) 2 , nahezu die gesamte Masse des Atoms ist 27 31 ( kg m kg m 10 673 , 1 ; 10 109 , 9
p e
also im Kern konzentriert. Die Größenverhältnisse lassen sich durch folgende Vorstellung sehr gut verdeutlichen: Wäre der Atomkern so groß wie eine Kirsche und läge er auf dem Anstoßpunkt eines Fußballfeldes, würden die Elektronen in den äußersten Zuschauerreihen um ihn kreisen.
Das oben beschriebene Atommodell hat seine Gültigkeit bis heute behalten. Neue Erkenntnisse wurden eingebaut und das Modell entsprechend erweitert.
2 Tabellenwerte aus: Schüler Duden Die Physik, Mannheim 3 1995
- 5 - 1.3.Radioaktive Prozesse im Atomkern
Atomkerne bestehen aus elektrisch positiv geladenen Teilchen, den Protonen, sowie elektrisch neutralen Neutronen. Bei einem elektrisch neutralen Atom kreist die gleiche Anzahl Elektronen um den Kern, wie Protonen im Kern vorhanden sind.
Zwischen den elektrisch positiv geladenen Protonen wirkt die abstoßende elektrostatische Kraft F el , die eigentlich dazu führen müsste, dass ein Atomkern sofort zerplatzt. Der elektrischen Kraft wirkt jedoch auf die kurze Entfernung die starke Kernkraft F K , die die Elementarteilchen, vergleichbar mit klebrigen Bonbons 3 , zusammenhält, entgegen. Sie wirkt unabhängig von der Art der Nukleonen (ist also gleich stark zwischen p↔p, n↔p, n↔n), ihre Reichweite ist jedoch so kurz, dass sie nur bei unmittelbar benachbarten Teilchen Auswirkung zeigt. Bei einer geringen Nukleonenzahl (Anzahl von Protonen und Neutronen im Kern) ist jedes Teilchen mit jedem in Kontakt, so dass die Kernkräfte zwischen allen Elementarteilchen des Atomkerns wirksam werden (nach dem ‚Bonbon-Modell’: Jedes Bonbon berührt alle anderen Bonbons). Ist die Teilchenzahl jedoch größer wirkt F K nur noch zwischen den sich unmittelbar berührenden Teilchen. Die elektrostatische Abstoßung wirkt in jedem Fall auf alle Teilchen, nahezu unabhängig von deren Entfernung (sie nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab, aber für die Größe des Atomkerns kann diese Abnahme vernachlässigt werden).
1.4. Massendefekt und Bindungsenergie
Theoretisch müsste die Masse eines Atomkerns einfach zu berechnen sein: Ein Helium4 4
Kern ( He ) besteht aus 2 Protonen und 2 Neutronen. Somit müsste seine Masse
2 ⋅ 27 m He =m 2p+2n = kg 10 69520 , 6 betragen. Sehr genaue Massenbestimmungen des − ⋅ 27 Heliumkerns haben jedoch eine Masse m He = kg 10 6448 , 6 ergeben. Der Heliumkern
ist also um ca. 0,8% leichter als die Summe seiner Nukleonen! Diesen Verlust bezeichnet man als Massendefekt. Er kommt dadurch zu Stande, dass ein Teil der
3 nach M. Volkmer: „Basiswissen zum Thema Kernenergie“ 1 2000, S. 6
- 6 -Masse der Elementarteilchen in Energie umgewandelt wird (vgl. 1.1). Diese Energie tritt entweder als Gammaquant oder als kinetische Energie auf und ist exakt so groß wie von Einstein vorhergesagt. Um den Kern wieder zu trennen müsste man ihm exakt diese Energie wieder zuführen. Je größer also die Energieabgabe bei einer Kernentstehung ist, umso stabiler ist das Reaktionsprodukt, desto fester sind die Elementarteilchen aneinander gebunden. Daher nennt man diese Energie auch Kernbindungsenergie E B . Sie berechnet sich nach Gl. 2. ( ) 2
= (2) c M m N m Z E
n p B
Abb. 2: Die Kernbindungsenergie
Z steht für die Protonenzahl, N für die Neutronenzahl, m p für die Masse des freien Protons, m n für die Masse des freien Neutrons und M für die tatsächliche Kernmasse. Die Einheit E B ist nach Definition negativ, da beim Zerlegen eines Kerns diese Energie aufzuwenden ist.
In Abb. 3 sind die Bindungsenergien pro Nukleon in Abhängigkeit zu den Nukleonenzahlen aufgetragen.
4 Volkmer, Martin: Basiswissen zum Thema Kernenergie. Die wichtigsten Erkenntnisse aus Kernphysik und Kerntechnik, PDF Version 2000, S. 10
- 7 -Wie man sieht nimmt die Bindungsenergie pro Nukleon bis zur Nukleonenzahl 60 (Eisen) zu und danach ab. Dies lässt sich einfach begründen: Da die Kernkräfte auf kurze Entfernungen sehr stark wirken dominieren sie bis zu einer bestimmten Entfernung zwischen den Nukleonen, die beim Eisen erreicht ist. Bei ansteigender Nukleonenzahl wirken die Coulombkräfte wieder stärker (vgl 1.3. Bonbonmodell). Man kann also auf zwei Arten Energie freisetzen: Ø Durch Verschmelzung von leichten Kernen zu schweren bis zu einer Nukleonenzahl von A=60.
Ø Durch die Spaltung von schweren Kernen in mittelschwere Kerne.
Das Verschmelzen leichter Kerne bezeichnet man als Kernfusion. Sie findet in Sternen statt (in der Sonne wird Wasserstoff zu Helium verschmolzen). Die Menschheit konnte bisher nur bei der unkontrollierten Kernfusion in der Wasserstoffbombe Energie aus der Fusion gewinnen (vgl. 4.1.1. Kernfusion).
Auf dem Prinzip der kontrollierten Kernspaltung basiert die Energiegewinnung in Kernkraftwerken, bei der schwere Kerne in leichtere gespalten werden.
2. Praktische Umsetzung
Die meisten kommerziellen, herkömmlichen Kraftwerke, die Energie in elektrische Energie umwandeln, funktionieren nach dem gleichen Schema: Eine Energiequelle (z.B. fossile Energieträger wie Öl) werden dazu gebracht, Energie in Form von Wärme freizusetzen. Mit der Wärme wird Wasser erhitzt, welches verdampft und Turbinen antreibt. Die Turbinen wandeln mittels eines elektrischen Generators die mechanische Energie in elektrische Energie um.
Kernkraftwerken liegt das gleiche Prinzip zu Grunde. Die Wärme wird jedoch nicht durch Verbrennung, sondern durch kontrollierte Spaltung erzeugt. Uran eignet sich aufgrund seiner hohen Nukleonenzahl sehr gut zur Energiegewinnung, da es exotherm zerfällt (beim Zerfall Energie freisetzt). Entscheidend ist auch, dass Uran von einem Neutron gespalten werden kann und dabei wieder drei Neutronen freisetzt. Somit kann man relativ einfach eine Kettenreaktion auslösen, die sich selber am Laufen erhält.
+ n U
0 92
Abb. 4: Exemplarisches Reaktionsschema von U235
- 8 -Trifft ein langsames (thermisches) Neutron einen Uran-235 Kern wird es in den Kern aufgenommen. Dadurch wird der Kern instabil und er zerfällt, wobei er Energie abgibt. Die Spaltprodukte können verschieden ausfallen; die Massenzahl der Trümmerkerne und der frei gewordenen Neutronen beträgt aber stets 236. In natürlichen Uran kann sich allerdings keine Kettenreaktion ereignen, da es zu über 99% aus U-238 besteht. Die Neutronen, die bei einer Spaltung freigesetzt werden, sind zu schnell um das Uran 235 zu spalten, aber zu langsam um das Uran 283 spalten zu können. Daher wird das Uran für den Reaktor angereichert, d.h. der Gehalt von U-235 wird auf bis zu 3% erhöht. Als zweite Maßnahme werden die Neutronen über einen Moderator, in deutschen Atomkraftwerken meist Wasser oder Graphit, abgebremst, damit sie langsam genug sind, um die U-235 Kerne zu spalten. Die Moderatoren werden auch zur Steuerung der Spaltung genutzt. Bei der kontrollierten Kernspaltung ist es das Ziel, dass die Zahl der gespaltenen Atomkerne immer konstant bleibt. Nimmt die Zahl der Spaltungen ab, bezeichnet man dies als unterkritisch, da der Reaktor so zum Stillstand kommt. Den angestrebten Fall, wenn nach erfolgter Kernspaltung ebenso viele Spaltneutronen zur Verfügung stehen wie vorher, bezeichnet man als stationären Zustand. Stehen nach einer Spaltung mehr Spaltneutronen als angestrebt zur Verfügung, bezeichnet man dies als überkritisch, da die Kernspaltungen unkontrolliert zunehmen. Um die Spaltabläufe zu kontrollieren benutzt man sog. Regel oder Steuerstäbe, die die Neutronen abfangen können. Somit kann man die Anzahl der Spaltneutronen regeln.
Abb. 5: Schema eines Kernreaktors 5
3. Risiken beim Einsatz
3.1. Biologische Risiken
Jeder Mensch besitzt in jedem Gramm seiner Körpermasse ca. 109 Körperzellen, in 3 − ⋅ 10 denen der jeweilige Zellkern etwa eine Masse von g 10 einnimmt, wovon
wiederum nur 2% den Anteil der Chromosomen bilden. Sie stellen also winzige, aber dennoch sehr empfindliche Ziele für radioaktive Strahlung dar, nicht zuletzt, da sie die Erbanlagen tragen. Wenn Zellen bestrahlt werden können sich verschiedene Reaktionen ereignen.
Im günstigsten Fall passiert es, dass die Bestrahlung völlig ohne Auswirkung bleibt. Es kann allerdings auch passieren, dass die Bestrahlung sehr drastische Auswirkungen hervorruft. Dazu gehören die Induktion von Mutationen, die Beschädigung der Chromosomen, biochemische Änderungen, Strukturänderungen, Membranstörungen
5 Volkmer, Martin: Basiswissen zum Thema Kernenergie. Die wichtigsten Erkenntnisse aus Kernphysik und Kerntechnik, PDF Version 2000, S. 25
- 10 -und auch der sofortige Zelltod. Die energiereiche Strahlung tritt mit der durchstrahlten Materie in Wechselwirkung. Sie überträgt ihre Energie auf die Atome und Moleküle und aufgrund dieser außerplanmäßigen Energiezufuhr
Abb. 6: Wie wir in Kontakt mit Strahlung kommen können. 6
von außen kommt es in den biologischen Systemen zu Desorganisationen. Der Mensch hat sich im Zuge der Evolution an eine gewisse natürliche Bestrahlung angepasst und ist in der Lage, sich zu regenerieren. Wird dieses Vermögen jedoch aufgrund einer zu großen Strahlenbelastung überstrapaziert, kommt es zu dauerhaften Schäden, meistens sogar zum Tod oder zu schwerwiegenden Schäden des Erbmaterials. Mutationen stellen Sonderfälle dar, die sich unter Umständen erst nach Hunderten von Jahren offenbaren. Aufgrund der langen Zeiträume, die Erbschäden brauchen, um sichtbar zu werden, gibt es bis heute keine eindeutigen gesicherten Erkenntnisse, wie gefährlich Strahlung
6 Abbildungsnachweis: Deutsches Atomforum e.V. (Hrsg.), Kernthema Kernenergie und Umwelt Rheinbach 5 1998, S. 3
- 11 -eigentlich ist. Allerdings ist es eine weit verbreitete Tendenz in der Wissenschaft, Strahlung mit jeder neuen Erkenntnis ein höheres Gefährdungspotential zuzusprechen.
3.2. Gesellschaftliche Risiken
Über die direkte Gefährdung durch Unfälle hinaus gibt es auch das gesellschaftliche Risiko, dass die Kernenergie gezielt zum Schaden von Menschen eingesetzt wird. So gab es bereits Versuche Anschläge auf Reaktoren zu verüben. Auch im Kriegsfall stellen Kernreaktoren potentielle Ziele dar, die zum Schaden des Gegners angegriffen werden könnten. Aber auch ein gezielter Missbrauch der Kernenergie zur Produktion von Nuklearwaffen besteht. So erzeugen Brutreaktoren waffenfähiges Plutonium. „Anders als im Falle von Uran ist aber fast jede Mischung von Plutoniumisotopen -
zumindest aber jede, die üblicherweise in Reaktoren entsteht - waffentauglich.“ 7
3.3. Endlagerung
Das größte Risiko beim Einsatz der Kernenergie besteht in der Endlagerung der Spaltungsabfälle. Es gibt bis heute keinen richtigen Lösungsvorschlag zu diesem Problem. Obwohl die sehr aktiven und somit besonders gefährlichen Substanzen eine kurze Halbwertszeit haben und dadurch relativ schnell ‚verschwinden’ werden, gibt es auch Substanzen, die hochgradig toxisch sind oder im Falle von hochradioaktiven Stoffen über Jahrtausende von Menschen ferngehalten werden müssen. Eine Lösung für diese Problematik ist bisher nicht in Sicht.
4. Alternativen
Leider ist die Energiegewinnung aus Kernenergie nicht risikofrei. Dies wurde der Öffentlichkeit vor allem bei den drei größten Katastrophen der zivilen Nutzung der Kernenergie (Three Miles Island, 1956; Tschernobyl 1985, Tokaimura 1999) vor Augen geführt.
Kurz nach dem Unfall im japanischen Tokaimura urteilte Bundesumweltminister Jürgen Trittin: „Egal welche Sicherheitsstandards auch zu Grunde gelegt werden, es gibt keine 100-prozentige Sicherheit.“ Aufgrund der Risiken der Kernkraft gibt es schon seit ihrem Bestehen verschiedene Ansätze, wie man eine gefahrlosere Versorgung mit Energie
7 Zitiert nach: W. Liebert, F. Schmithals (Hrsg.): Tschernobyl und kein Ende? Argumtene für den Ausstieg, Szenarien für Alternativen, Münster 1 1997, S. 151
- 12 -gewährleisten kann. Es bietet sich hier eine Unterscheidung von zwei Arten von Vorschlägen an:
Vorschläge, die eine grundlegende Umstrukturierung unserer Energieversorgung zur Folge haben (systemtranszendente Vorschläge), sowie Vorschläge, die an der zentralisierten Energieversorgung durch Kraftwerke festhalten und Veränderungen an Kraftwerken vorschlagen (systemimmanente Alternativen).
4.1. Systemimmanente Alternativen
4.1.1. Kernfusion
Im Gegensatz von den Spaltungsreaktionen schwerer Atomkerne in einem heutigen Kernkraftwerk ist es das Ziel eines theoretischen Fusionskraftwerkes leichte Kerne miteinander zu verschmelzen. Die Umsetzung dieses Zieles hat sich als deutlich schwieriger herausgestellt als es die Spaltung von Kernen ist. Das Hauptproblem liegt darin, dass man die starke Coulomb-Kraft überwinden muss, da man positiv geladene Atomkerne nah genug aneinander bringen muss, damit sie verschmelzen können. Am einfachsten ist eine Kernfusion zwischen schwerem und überschwerem Wasserstoff (Deuterium und Tritium) zu erzielen. Dabei wird der Wasserstoff unter Energiegewinn zu Helium verschmolzen.
+ 1a) D
1 1
+ 1b) D
1 1
Abb. 7: Mögliche Fusionsarten
Um dies zu erreichen gibt es verschiedene Verfahren, die alle aber (noch) nicht die gewünschten Resultate liefern:
Ø Tokamak Reaktoren: Dieses Konzept für einen Fusionsreaktor wurde in der UdSSR 1950 entwickelt. „tokamak ist ein russisches Akronym, dass die Begriffe
magnetisches Feld und Eindämmungskammer miteinander kombiniert.“ 8 Die Fusion findet in einer torusförmigen Vakuumkammer statt, in der ein Plasma erhitzt wird, bis die Fusion stattfindet. Dieser Ansatz gilt als sehr aussichtsreich und liegt dem ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor)
8 Zitiert nach: K. Fowler: „The Fusion Quest“, 1994, S. 16, Übersetzung des Verfassers
- 13 -zugrunde. Das Hauptproblem ist es, Verunreinigungen des Plasmas zu vermeiden sowie den nötigen Druck aufzubauen, damit die Fusion stattfinden kann.
Ø Laserfusion (Trägheitseinschluß): Dieses Konzept basiert darauf, eine Art ‚Mini-Wasserstoffbombe’ zu zünden, in der eine Kernfusion stattfindet. Hierzu wird ein kleines Kügelchen mit Deuteriumeis (das sog. „Pellet“) von vielen Seiten mit einem kurzen Laserpuls beschossen. Der Laserpuls muss in ca. 1ns die benötigte Energie zufügen, damit die Fusionstemperatur erreicht wird, bevor das heiße Deuterium explodiert. Problematisch bei diesem Konzept ist vor allem, dass das Pellet exakt gleich von allen Seiten bestrahlt werden muss. Auch ist die Lasertechnik noch nicht in der Lage, die erforderlichen Energien aufzubringen. Ø Neben diesen zwei Hauptansätzen gibt es noch Versuche, Kernfusion mittels Muonen-Katalyse herbeizuführen, aber auch diese Versuche waren bisher noch nicht von Erfolg gekrönt.
Die Kernfusion bietet ausgezeichnete Perspektiven für die Versorgung der Menschheit mit Energie. Im Gegensatz zur Kernspaltung entstehen als Abfallprodukte keine hochgefährlichen toxischen und radioaktiven Elemente, sondern das vollkommen harmlose Edelgas Helium. Leider steht diese Form der Energiegewinnung aber noch nicht zur Verfügung.
4.2. Systemtranszendente Alternativen
Sehr aussichtsreich, wenn auch nur mit erheblichen Aufwand zu bewältigen, sind die Alternativen, die in eine andere Richtung weisen. Statt eine weitere Erhöhung des Energiebedarfs herbeizuführen, versuchen die systemtranszendenten Lösungen den Energiebedarf zu verringern. Klassische Beispiele sind die bessere Isolierung von Häusern, der Einsatz von Fernwärme oder die Umstellung von Produktionsweisen auf modernere und weniger energiebedürftige Verfahren. Leider ist dies nicht zum Nulltarif zu haben, aber die volkswirtschaftlichen Kosten, die der Treibhauseffekt verursachen wird, sind wohl heute kaum abzuschätzen.
Allerdings können diese Alternativen die Problematik der Energieversorgung nicht prinzipiell lösen, sondern nur den Bedarf an Energie generell verringern.
- 14 - 5.Fazit
In Anbetracht einer Thematik, die mit einem großen Gefährdungspotential verbunden ist, erwies es sich als schwierig, sachliche Beiträge von emotional motivierten Beiträgen zu trennen. Dies galt sowohl für die Seite der Gegner, die teilweise aus eine unrationalen Angst heraus haltlose und teilweise schlicht sachlich falsche Aussagen machten, als auch für die Seite der Befürworter der Kernenergie, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Interessen und aus einer blinden Technikgläubigkeit heraus ebenfalls jegliche Rationalität über Bord warfen.
Insgesamt wurde jedoch meine Ansicht bestätigt, dass die Kernenergie ein zu großes Risiko gemessen am Erfolg darstellt.
Die Tatsache, dass es nach Aussage der Betreiber von AKWs „Im Hinblick auf genetische Strahlenrisiken [...] keine gesicherten, am Menschen gewonnene Erkenntnisse“ 9 gibt finde ich das stärkste Argument gegen den Einsatz von Atomkraft. Die Bereitschaft, eine Technologie, deren Risiken noch unbekannt sind, wirtschaftlich im globalen Maßstab zu nutzen, und ohne Konzepte für zwangsläufige Fragen wie Endlagerung etc. bereit zu haben ist aus meiner Sicht unverantwortlich. Der Umfang der Facharbeit erwies sich als ein Problem. So mussten teilweise drastische Verkürzungen der Darstellung hingenommen werden (z.B. konnte ich nicht auf verschiedene Reaktortypen eingehen), um den vorgegebenen Umfang nicht zu sprengen. Das gleiche galt leider auch für die Betrachtung von „regenerativen“ Energien (Solarstrom, Wind- und Gezeitenkraft).
Dennoch hat die Facharbeit zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der Thematik geführt und mir neue Einblicke in ein sehr spannendes Gebiet der Physik gegeben.
9 Dr. Henrichs, Klaus KERNTHEMA Strahlung und Risiko, Deutsches Atomforum Bonn, Rheinbach 3 1998
- 15 - 6.Literaturverzeichnis
Albert Einstein für Anfänger. München 1 1992 Karamanolis, Stratis
The Fusion Quest. Baltimore 9 1997 Fowler, T. Kenneth
Microsoft Encarta, 1997
Schüler Duden Die Physik, Mannheim 3 1995
Liebert, Wolfgang, Schmithals, Friedemann (Hrsg.):
Kernthema Strahlung und Risiko, Rheinbach 3 1998 Henrichs, Dr. Klaus
Deutsches Atomforum e.V. (Hrsg.) Kernthema Kernenergie und Umwelt Rheinbach
5 1998
- 16 -Ich erkläre, dass ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.
_________________________________
Köln, 02.05.01
Arbeit zitieren:
Niels Gierse, 2001, Chancen und Risiken der Kernenergie, München, GRIN Verlag GmbH
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