- trotzdem kann der Mensch sein Streben nicht aufgeben
- die Absurdität kann nicht Überwunden werden - nur durch die Bewusstwerdung kann man seine Autonomität wiedererlangen
[Wie wird Sisyphos mit seiner Strafe - einer ewigen, absurden Tätigkeit - fertig?]
- Sisyphos ist sich seines Schicksals bewusst · er ist Herr seiner selbst, autonom
- ,,Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden kann"
- er verachtet/verleugnet die Götter · er ist Herr seiner Welt - der Kampf gegen den Gipfel füllt ihn aus
_ ,,Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen"
Camus' Kritik am Christentum
Theodizeeansatz (siehe oben): Wie kann dem Menschen Leid zustoßen? [Wie kann ein Gott das zulassen?]
· Da es keinen Gott gibt, ist der Mensch voll verantwortlich.
· Ein Christ schiebt, wenn er an Grenzen stößt, seine Verantwortung auf Gott ab.
· Würde der Christ seine Verantwortung wahrnehmen, ließe sich viel im Sinne des Humanismus tun.
Somit könne das Leid gemildert werden. Der Mensch macht dann also den Versuch sich über das Absurde hinwegzusetzen. Das ist zwar vergeblich, denn eine absurde Welt wird immer stärker sein als ein Einzelner, aber dem Mensch bietet sich die Möglichkeit eine Art Selbstzweck zu entwickeln. _ Vergleiche Auszug aus ,,Die Pest": ,,Farbe bekennen S.128"
Die Pest Charaktere:
Dr. Rieux: 35, Arzt. Er ist Atheist und engagiert sich (beinahe) unermüdlich für das Wohl des Menschen.
Tarrou: Er sucht die Ruhe, den Frieden im Leben. Das Erlebnis, das ihn geweckt/erschüttert hat, war das Miterleben eines Prozesses seines Vaters: Im privaten ein liebevoller, fürsorglicher, ,,durchschnittlicher" Mensch, verurteilte dieser einen Menschen unbarmherzig zum Tode. Er etabliert Hilfsstationen und Hilfstrupps.
Rambert: Journalist, ein Fremder in der Stadt. Seine Freundin ist außerhalb der Stadt als die Pest ausbricht.
Er verliert beim Versuch zu entkommen das Ziel, nämlich seine Freundin, aus den Augen. Er bleibt schließlich und engagiert sich in den Hilfstrupps.
Paneloux: Standhafter Priester.
Cottard: Er kam mit dem Gesetz in Konflikt. Er unternahm einen Selbstmordversuch. Seine Widrigkeiten gegen das Gesetz bleiben während der Pest unwichtig, vergessen. Grand: Wortkarger Statistiker, der einer absurd scheinenden Tätigkeit nachgeht. Äußere Handlung:
Die Stadt Oran wird von der Pest heimgesucht und wird hermetisch abgeriegelt. Der Autor gibt das Verhalten und Handeln der Menschen während der Zeit der ,,Belagerung" wieder. Hauptinhalt (stark vereinfacht):
Die Pest bewirkt: aber auch:
· Intensiveres Empfinden · · Angst vor Tod · Vorsichtiger Kontakt, wenn nicht Gemeinschaftsgefühl Abschottung
· Erfahrung des Absurden · einen · Übermaß des Absurden · Hoffnungslosigkeit, Sinn suchen · Resignation Engagement/Hilfsbereitschaft · Vergessen, Abstraktion
· Erkenntnis der Gefühle, des Lebens
Kurzanalyse des Verhaltens:
Die Menschen erkennen die Pest nicht bis sie nicht mehr zu leugnen ist. Dann aber beginnen sie ihren Alltag zu verändern, sie versuchen ihr Leben auszukosten. Sie erkennen, falls sie getrennt von geliebten Menschen sind, wieviel diese ihnen wirklich bedeuten. Sie empfinden intensiver. Diese Empfindungen werden zwar immer abstrakter, aber nicht wirklich vergessen; sie brechen ab und zu durch. Im weiteren Verlauf scheinen die Menschen eine Leere zu fühlen. Sie suchen sich Beschäftigungen und engagieren sich in Hilfstrupps. Während dem Anfang und der Mitte der Pest begleitet die Menschen eine Hoffnung auf Zukunft. In der Endphase allerdings werden die Menschen ,,zerdrückt": Die Müdigkeit zermürbt sie, die Zukunft ist nur noch ein dunkler Schatten auf den kaum gehofft wird. Der Mensch lebt so in der Gegenwart vor sich hin. Als die Pest sich langsam zurückzieht keimt neue Hoffnung, die Stimmung ist schließlich auf dem Höhepunkt als die Tore geöffnet werden. Die Leute erkennen ihr endgültiges Glück und feiern ausgelassen und gemeinsam um es auszukosten. Doch es wird angedeutet, dass das Vergessen sicherlich folgt. Die Menschen werden vergessen, dass es die Pest gegeben hat. Sie war nur eine Pause im Alltag.
Kernaspekt:
Die Pest. Sie bringt den Menschen Leid und rafft ,,unschuldige" Menschen dahin. Deswegen scheint sie absurd. Aber sie lässt den Menschen auch sich selbst erkennen: Sie lässt ihn die Welt intensiver wahrnehmen und treibt ihn an, die Leere im Innern, die ihm bewusst wird, zu füllen. Er sucht jetzt einen Sinn. Im Leid also vermag der Mensch zu wachsen. Eine Möglichkeit einen Sinn zu finden bietet sich im Buch dadurch, dass er hilft. Dass am Ende aber trotzdem allzu oft der Tod steht, ist die Erfahrung des Absurden. Nimmt das Absurde Überhand, so stumpft sie den Mensch ab, zermürbt ihn bisweilen. Auch Paneloux wird durch das Miterleben des Sterbens eines unschuldigen Kindes mit dem Sinnlosen konfrontiert. Ihm stellt sich die Gottesfrage und er beantwortet sie für sich selbst, indem er sich ganz Gott hingibt, diesem sein Leben in die Hände legt. Für ihn ist Gottes Wille nicht fassbar und er fügt sich. So erkrankt der Priester ohne einen Arzt zu konsultieren. Er stirbt, unsicher ob es die Pest war.
Die Pest wird im Buch aber nicht nur im Zusammenhang mit der Krankheit erwähnt, welche eben mit diesem Begriff bezeichnet wird. Es wird behauptet, dass Cottard, dass Tarrou die Pest schon vorher gehabt hätten. Wie soll man das verstehen? Damit ist wohl gemeint, dass sie durch ein außergewöhnliches Ereignis, was die Pest jetzt auch für alle anderen darstellt, ,,aufgeweckt" wurden. Sie haben begonnen einen Sinn zu suchen, intensiver zu leben und mit ihrer Umwelt in Einklang zu kommen. Wegen der Schwierigkeit dieses Unterfangens ist auch der negative Beigeschmack, der dem Wort ,,Pest" beiwohnt, gerechtfertigt. Nicht umsonst hätte sich Cottard beinahe umgebracht.
Dr. Rieux hat übrigens auch diese Erkenntnis des Lebens, was allerdings nicht explizit gesagt wird, sondern dem Leser eher empirisch bewusst wird. Seine prägenden Erfahrungen macht er durch seinen Beruf. In dessen Ausübung hat er Sterben und Leid gesehen. Hierauf begründet sich sein Atheismus. Er möchte den Menschen helfen und kann sich nicht mit dem Bild eines Gottes abfinden, der ganz offensichtlich im Himmel thront und ansonsten schweigt. Rieux als Arzt stellt also das Gegenteil von Paneloux, dem Priester, dar. Dieser hat auch Sterben gesehen, hat aber trotzdem die Stärke seinen Glauben zu behalten. Der Mensch vergisst ,,gern". Für die Menschen in der Stadt ist die Phase der Pest abgeschlossen. Die Meisten werden nichts mit in den Alltag ,,retten", was ihr Leben in jenem Jahr bestimmt, ausgemacht, erhellt und verdunkelt hat. Sie werden sich dem Alltag beugen und ihre aufgedrängte, unbewusste Erkenntnis vergessen.
Arbeit zitieren:
Bernd Stark, 2001, Kernaspekte Camus - Sisyphos - Pest, München, GRIN Verlag GmbH
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