Inhaltsverzeichnis
1. Frankreich um die Jahrhundertwende. 3
2. Die Dritte Republik. 4
2.1. Die erste Krise Frankreichs im 19. Jahrhundert: der Panamáskandal. 5
2.2. Die zweite Krise Frankreichs im 19. Jahrhundert: die Dreyfus-Affäre. 5
3. Der Sachverhalt der Dreyfus-Affäre. S.6
3.1. Die Sektion für Statistik und das „Bordereau“ 6
3.2. Verurteilung und Beweis der Unschuld des Hauptmanns Dreyfus. 7
4. Èmile Zolas Anklage an das Militär und die Zivilbehörden. 8
4.1. Dreyfus-Anhänger, Dreyfusisten und Dreyfusiens. 10
4.1.1. Die Liga der Menschenrechte und die Intelektuellen. 11
4.2. Die Dreyfus-Gegner und das antisemitische Fundament. 12
5. Politische Bedeutung der Affäre Dreyfus. 13
6. Zum Antisemitismus. 13
6.1. Begriffsbildung des Antisemitismus. 13
6.2. Religiöser Judenhass. 14
6.3. Die „Alliance Israélite Universelle“ und der französische Antisemitismus. 14
6.4. Die Juden in der französischen Armee. 15
7. Resümee. 15
Literaturverzeichnis. S. 18
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In Frankreich brach 1898 eine allgemeine Krise aus, die erst 1900 endete. Sie ging zurück auf den 22. Dezember 1894, als das Oberste Kriegsgericht in Paris einen Hauptmann der Artillerie der ´Komplizenschaft mit einer ausländischen Macht` schuldig sprach. Damit nimmt die Dreyfus-Affäre, benannt nach dem jüdischen Offizier, der unschuldig an dem Landesverrat war, für den er angeklagt, verurteilt, degradiert und verbannt wurde, einen Platz in der zeitgenössischen französischen Geschichte ein.
Im folgenden soll geklärt werden, wie es dazu kam, daß Alfred Dreyfus des Landesverrats schuldig gesprochen wurde, welche Hintergründe bei der Verurteilung eine Rolle spielten und wer die eigentlichen Spione waren.
Des weiteren soll betrachtet werden, wer aus welchen Gründen sich für Dreyfus einsetzte und welche Gruppierungen sich in wie weit als Gegner von Dreyfus herausstellten. Weiterhin werden diese Strömungen der Anti-Dreyfusisten unter dem Gesichtspunkt des Antisemitismus betrachtet.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt allerdings in den Auswirkungen der Dreyfus-Affäre auf die politische und gesellschaftliche Situation des Frankreichs um die Jahrhundertwende. Aus diesem Grund wird vorerst die geschichtliche Lage Frankreichs um die Jahrhundertwende erläutert; die sogenannte Dritte Republik.
1. Frankreich um die Jahrhundertwende
Die innenpolitische Lage Frankreichs muss hier Erwähnung finden, da sich das Land um die Jahrhundertwende innenpolitisch formierte und somit eine Entwicklungsphase der Etablierung einer neuen Regierungsform entstand. Die Situation Frankreichs forderte einen vollständigen Umbruch, und das Volk begann Einfluss auf seine Regierung und deren Politik zu nehmen. Von der Öffentlichkeit war letztendlich abhängig, wie sich das Schicksal von Hauptmann Dreyfus entwickeln sollte.
Im Juli 1870 provozierte der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck eine Kriegserklärung vonseiten Frankreichs. Anlass war die Frage der spanischen Thronfolge. Die französischen Truppen waren den Truppen Preußens sowie den Truppen der anderen deutschen Staaten in Bezug auf Truppenstärke, Organisation und Kommando weit unterlegen. Sie wurden geschlagen und kapitulierten. Daraufhin riefen Gruppen von Bürgern in Paris eine Republik unter einer Regierung der nationalen Verteidigung zur Fortführung des Krieges aus. Nach vier Monaten kapitulierte die französische Regierung jedoch endgültig. Bismarck gewährte einen dreiwöchigen Waffenstillstand zur Wahl einer Nationalversammlung, die zum Abschluss eines Friedensvertrages befugt war. Die Regelung beinhaltete, daß das Elsass und ein Drittel Lothringens an Deutschland abzutreten war, weiterhin waren Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Francs zu leisten. Letztendlich sollte Frankreich bis zu der Begleichung der Reparationen militärisch von den Deutschen besetzt bleiben. Der doppelte Schock der Niederlage und der Wahl einer monarchistischen Nationalversammlung löste unter den radikal-demoktatisch-jakobinischen und sozialistischen Kräften der Hauptstadt erhebliche Unruhen aus. Infolge dessen bildeten Handwerker und Arbeiter, Intellektuelle und eine heterogene Mischung aus Jakobinern, Blanquisten, Anhängern der Internationale, Proudhonisten und Anarchisten die Abgeordneten der
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sogenannten ´Kommune`, die mit einer Arbeiterschutzgesetzgebung und mit der Reorganisierung der eigenen Betriebe in der Selbstverwaltung zum Aufstand aufriefen. Sie forderten die Gemeinden des Landes auf, sich ihrem Programm anzuschließen und so eine föderalistische Republik zu begründen. Die Ordnungskräfte der Nationalversammlung reagierten, indem sie militärische Truppen unter General Marie Edme Mac-Mahon gegen die Hauptstadt vorrücken ließen, um den Aufstand erfolgreich niederzuschlagen. Der Kampf zwischen Kommune und Nationalversammlung trennte die gemäßigten und radikalen Republikaner von den Revolutionären und gewann dabei einen Teil der Ordnungskräfte, wie z.B. die gemäßigten Orléanisten, für das Prinzip des allgemeinen Wahlrechts und der konservativen Republik.
Damit wurde die Basis geschaffen, auf der sich die Dritte Republik etablieren konnte.
2. Die Dritte Republik
Um 1870 wurde so die dritte Republik eingeleitet. Dabei dominierten zunächst noch die monarchistischen Kräfte. Der erste Präsident der dritten Republik versuchte mit einer vorsichtigen Politik, die traditionelle Notabeln-Elite wieder in ihre Rechte einzusetzten. Er sorgte für die vollständige Zahlung der Reparationen und den Abzug der deutschen Truppen. 1873 wurde der legitimistisch eingestellte General Mac-Mahon neuer Präsident. Die Legitimisten und die Orléanisten wollten zunächst, einen Thronprätendenten durchzusetzen. Da sich dieser jedoch weigerte, die Regierungsform und die Trikolore zu akzeptieren, fanden sich die Orléanisten mit dem Prinzip eines republikanischen Präsidenten ab. Der Vorschlag, einen ´Präsidenten der Republik` von Senat und Kammer wählen zu lassen, fand eine knappe Mehrheit. Als Kompromiss zwischen dem allgemeinen Wahlrechtsprinzip der Republikaner und dem Notabelnprinzip der Orléanisten wurde neben der Deputiertenkammer ein Senat geschaffen, der unter Mitwirkung der Kommunen und Departements gewählt wurde. Die Minister waren vor beiden Kammern verantwortlich, und der Präsident hatte das Recht die Kammer aufzulösen. Die Ambivalenz dieses Verfassungskompromisses zeigte sich nach den Wahlen 1876, in denen der legitimistische Präsident Mac-Mahon nun einer republikanischen Kammermehrheit gegenüberstand. Es folgte die Entlassung des gemäßigten republikanischen Kabinetts durch Mac-Mahon, der damit in die entscheidende Kraftprobe mit den Republikanern ging. Trotz der Berufung eines konservativen Kabinetts konnte sich Mac-Mahon nicht durchsetzen. Sein Rücktritt besiegelte den Sieg des Parlamentarismus in Frankreich. Übernommen wurde nun von den Opportunisten, den liberalen Republikanern, wie Leon Gametta sowie Jules Ferry, der als Innenminister den Einfluss der katholischen Kirche auf das Bildungswesen zu brechen begann. Die von ihm erlassenen Gesetze führten unentgeltliche Volksschulen sowie die Schulpflicht ein und verbannten den Religionsunterricht aus den staatlichen Schulen. Ferrys Kolonialpolitik stieß jedoch auf heftige Kritik nicht nur von seiten der Rechten, sondern auch der republikanischen Linken. Des weiteren war die Außenpolitik durch eine deutschlandfeindliche Grundstimmung beherrscht.
Nach dem Sturz Ferrys gingen Monarchisten und Radikale gestärkt hervor und eine dauerhafte Mehrheitsbildung wurde unmöglich. In den Jahren 1886 bis 1889 wuchs die Enttäuschung über mangelnden sozialen Fortschritt und die Instabilität der Regierungen. Die
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Ausgleichspolitik mit Deutschland ließ eine antiparlamentarisch-nationalistische Bewegung entstehen.
1893 zeigten die Wahlen, daß die Monarchisten sich auf einige fünfzig Abgeordnete reduzierten. Sie schafften eine gleich starke sozialistische Fraktion und stärkten die Republikaner durch den Zuzug der Katholiken.
Die Geschehnisse in der Dritten Republik um die Jahrhundertwende zeigen den wechselnden politischen Machtkampf zwischen monarchistischen und republikanischen Kräften. Weiterhin spiegelten die wiederkehrenden Aufstände der Kommune, im Kampf um das Recht der Mitbestimmung und die Gleichheit aller, die Unzufriedenheit im Volk wieder. Zusätzlich erschütterten zwei Krisen Frankreichs politisches Bild: Der Panamáskandal 1892 und die Dreyfus-Affäre 1894.
2.1. Die erste Krise Frankreichs im 19. Jahrhundert: Der Panamáskandal
Unter der Präsidentschaft von Marie Francois Sadi Carnot vollzog sich 1892 die erste innenpolitische Krise des 1900 Jahrhunderts; ein Bestechungsskandal, der in Zusammenhang mit dem Bau des Panamákanals stand. Eine 1879 gegründete französische Gesellschaft, die den Bau des Kanals durch Ferdinand Marie de Lesseps finanzieren sollte, musste auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten 1889 Konkurs anmelden. Die Folge des Zusammenbruchs war der Panamáskandal, in dessen Verlauf 1892/93 zahlreiche Politiker in Frankreich beschuldigt wurden, mit Kanalaktien bestochen worden zu sein. Die französische Regierung unter Ministerpräsident Émile Loubet musste daraufhin 1892 zurücktreten. Ein Prozess gegen Lesseps endete 1897 jedoch mit einem Freispruch.
2.2. Die zweite Krise Frankreichs im 19. Jahrhundert: Die Dreyfus-Affäre
1894 wurde der jüdische Offizier Alfred Dreyfus wegen Spionage zu lebenslänglicher Deportation verurteilt. Die Debatte um die Rehabilitation löste unter den kleinbürgerlichen Schichten eine Welle von Klerikalismus, Nationalismus und Antisemitismus aus. Sie gewann republikanische Intellektuelle für die Sache des Sozialismus und Sozialisation für die Republik. Das politische Ergebnis kennzeichnete sich durch die Formierung von Parteien und Aktionskomitees, wie z.B. den Freimaurerlogen oder der ´Liga für die Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte` etc.. Die Komitees gingen über das bisherige Honoratiorensystem hinaus und bildeten einen Block aus Radikalsozialisten und Sozialisten, der die bisherige, durch ihr Zögern in der Affäre diskreditierte, republikanische Mehrheit ablöste. Der Streit spaltete die Nation.
Die Anhänger von Dreyfus, vorwiegend Republikaner, waren der Ansicht, dass ein Unrecht geschehen sei und daß Gerechtigkeit für den Einzelnen über allen anderen Überlegungen stehen müsse. Gegner dieser Ansicht meinten, die Armee würde dadurch unglaubwürdig gemacht und die nationale Sicherheit gefährdet. Um sie versammelten sich die antirepublikanischen Kräfte: Monarchisten, Radikale und Anhänger der Kirche.
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Arbeit zitieren:
Ramona Rieck, 2001, Die Dreyfus-Affäre im geschichtlichen Kontext unter Berücksichtigung des Antisemitismus, München, GRIN Verlag GmbH
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