Grundgedanke: Um das Publikum zu belehren, müssen Wahrheiten in Fabeln (Handlungen) gekleidet werden, die sowohl logisch als auch wahrscheinlich waren zum Zwecke von Fürstenerziehung: In der TRAGÖDIE soll dem Herrscher aufgeklärte Staatskunst nahegebracht werden durch die Darstellung wichtiger Staatsbegebenheiten. Das Beispiel des tragischen Falles der Großen bewirkt bei den Herrschenden Betroffenheit und Einsicht in sittlich richtiges Handeln, bei der Masse des Publikums Zufriedenheit mit der eigenen Lage trotz aller Mühsal und Bedrängnis. Die Tragödie stelle folglich nur die Welt der Großen dar ("Ständeklausel"), nur in dieser Welt kann die "tragische Fallhöhe" erreicht werden.
Allgemeine Sittenkritik (KOMÖDIE): Ihr dienen die Satire und das Lustspiel, in denen die Fehler und Schwächen von einfachen Leuten (wie Du und Ich) dargestellt und dem Lachen preisgegeben werden.
Aus dieser Zielsetzung folgende praktische Maßnahmen:
- Schaffung von Stücken nach französischem Vorbild, Übersetzung von Corneille, Racine, Voltaire und anderen französischen `Klassikern´.
- Regelgerechte Stücke: Festgelegte Texte, kein Extemporieren, verbindlicher Vers (z.B.Alexandriner)
- Orientierung an den - dem Aristoteles zugeschriebenen - drei Einheiten von Ort, Zeit und Handlung (um nicht die Vorstellungskraft der Menschen hinauszuwirken)
- Beachtung der Ständeklausel und Verbannung des Harlekin von der Bühne
- Förderung von engagierten und anspruchsvollen Wandergruppen G.E.Lessing (1729-81): Erziehung des Menschengeschlechts. Lessings Vorschläge:
• Weg von den Franzosen, hin zu Shakespeare (Lessing bewunderte Shakespeare)
• weg vom steifen Alexandriner, hin zum freieren Blankvers;
• Säuberung der Darstellungskunst von übertreibenen, standardisierten Gesten, hin zum echten Gefühlsausdruck
• Schiller sieht in der Bühne mehr als in jeder anderen öffentlichen Anstalt des Staates, eine Schule der praktischen Weisheit, ein Wegweiser durch das bürgerliche Leben, einen unfehlbaren Schlüssel zu den geheimsten Zugängen der menschlichen Seele.
Die Stellung des Schriftstellers
Die Ablehnung der höfischen Dichtung führte nicht nur zu einem Strukturwandel der Öffentlichkeit, sondern veränderte auch die Situation des Schriftstellers. Das Zeitalter des Hofdichters mit festem Gehalt ging zu Ende. An dessen Stelle tritt nun der freie Schriftsteller, der von seiner dichterischen Arbeit leben muß. Der Vorteil dabei liegt auf der Hand, die geistige Unabhängigkeit von fürstlichen oder geistlichen Geldgeber. Der große Nachteil dabei war aber die Unsicherheit des Einkommens (manchmal auch gar keines). Kaum ein Schriftsteller im 18. Jahrhundert konnte wegen der geringen Auflagenhöhe und Honorare (pro Bogen nur 5 bis 7 Taler; Vergleich: ein Maßanzug kostete 20Taler) vom Produkt seiner Arbeit leben. Das galt ebenso für Zeitungen und Zeitschriften. Eine Auflagenhöhe von 1000 bis 3000 Stück war normal für einen renomierten Autor. Wirklich hohe Auflagen errichten populär geschriebene Ratgeber für die Bevölkerung, manche wurden von den Fürsten als antirevolutionäre Propaganda an ihre
Untertanen kostenlos verteilt. Die Schriftstellerhonorare hielten sich in Grenzen und selbst Spitzenverdiener wie Lessing und Wieland schrieben nicht pausenlos Bücher. Deswegen mussten sich die meisten Schriftsteller nach Nebeneinkünften umsehen und zum Beispiel als Hofmeister oder Beamter arbeiten, oder sie suchten sich wieder adelige Gönner, von denen sie sich materielle Unterstützung erhofften. Aus diesem Grund arbeiteten Wieland, Lessing und Herder Pläne aus, in denen die Förderung der Literatur und der Autoren von gemeinnützigen Anstalten, genannt Akademien übernehmen sollten. Diese sollten von Fürsten unterstützt werden. Kein Plan konnte, wegen dem Uninteresse der Fürsten realisiert werden. Daher mußten viele Schriftsteller arbeiten und konnten nur in ihrer Freizeit schreiben. Andere versuchten als Herausgeber von Zeitschriften und durch journalistische Arbeiten ihre finanzielle Lage zu verbessern.
Frauen und Theater
Im 18. Jahrhundert spielten Schauspielerinnen die verschiedensten Rollen, unter anderen spielten sie sogar Knabenrollen.
Häufig kamen diese Schauspielerinnen aus Schauspielerfamilien. Sie begannen ihre Karriere oft bereits schon mit vier Jahren und beendeten sie meistens im hohen Alter. Trotz verschiedener Festlegungen, die die Theaterlaufbahn der Frauen stark einschränkten, gab es berühmte Schauspielerinnen im 18. Jahrhundert. Sie konnten öffentliche Anerkennung finden und verdienten meistens genau so viel Geld wie ihre männlichen Kollegen. Die „Truppen“ spielten aus dem Stegreif, die Rollen standen aber fest. Der genaue Ablauf des Stückes wurde einfach improvisiert. Da die Schauspieler eine große Anzahl von Bürgern ansprechen wollten, zogen sie von Stadt zu Stadt, und so entstanden die Wanderbühnen. 1772 war die Blütezeit der Wanderbühnen. Dennoch mussten sich die Schauspielerinnen immer wieder wegen ihres Lebenswandels und ihre Darstellung verteidigen. Viele Personen, besonders die Männer im 17. Jahrhundert, hatten viele Vorurteile, insbesonders was die Frauen als Schauspielerinnen betraf.
Bekannte Schauspielerinnen: Wilhelmine, Markgräfin von Bayern, Friederike Caroline Neuber, Caroline Hempl
Musik im 18. Jahrhundert
Bevorzugt war die italienische Oper. Die Oper hatte eine schwerwiegende Bedeutung, so daß der residierende Kurfürst Karl Theodor seinen Regierungssitz nach München verlegte, da man im kurfürstlichen Opernhaus, das eines der prächtigsten in Deutschland war, die italienische Oper spielte.
Zwischen 1743 und 1778 ist Mannheim unter Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz das bedeutendste Musikzentrum Deutschlands. Die Mannheimer Komponisten entwickeln die musikalische Form der Sonate und schaffen die Konturen der klassischen Symphonie. Der Mannheimer Stil schöpft aus verschiedenen Quellen; die Musiker von denen ein jeder seinen Beitrag zur Entwicklung einer neuen Sprache der Musik leistet, kommen aus ganz Europas.
extemperieren: [ Ex tempore] (lat.), aus dem Stegreif, ohne Umschweife oder Vorbereitungen Extempore: Stegreifkomödie
Alexandriner: sechshebiger jambischer Reimvers (je nach männlichem oder weiblichem Ausgang) 12 oder 13 Silben nach folgendem (deutschem) Schema: ∪−∪−∪−/∪−∪−∪−(∪) Blankvers: [reimloser Vers] reimloser jambischer Vers, in der Regel mit fünf Hebungen und akatalektischem, auch hyperkatalektischem Versschluß ∪−′∪−′∪−′∪−′∪−′(∪) Pathos: {Leid, Leidenschaft] griech. in der neuzeitlichen Ästhetik eine Stilform, die die leidenschaftliche Darstellung ihrer Gegenstände mit dem Ausdruck hohen sittlichen Anspruchs verbindet. Kennzeichnend ist meist eine getragene, feierliche, emotionsgeladene Sprache, im Schauspiel meistz verbunden mit einem entsprechenden theatralischen Darstellungsstil. In der frz. Dichtung ist das Drama der Klassiker (J. Racine, P. Corneilles) von hohem Pathos getragen.
Arbeit zitieren:
Anna Voigt, 2001, Theater im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach
Referat / Aufsatz (Schule), 4 Seiten
Die Begriffe der Schuld und des schlechten Gewissens in der „Genealogi...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Friedrich Nietzsches Begriff der "Schuld" und des "schl...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Rene Descartes - Die Methode und der Wert des Zweifelns
Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350 - 1600)
Hausarbeit, 15 Seiten
Peter Singers Praktische Ethik, Kapitel 8: Arm und Reich
Rezension / Literaturbericht, 12 Seiten
Haben Bienen wirklich Empfindungen?
Zu Michael Tyes Repräsentation...
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Anna Voigt hat den Text Theater im 18. Jahrhundert veröffentlicht
Anna Voigt hat einen neuen Text hochgeladen
Simon Runte hat den Text Theater im 18. Jahrhundert kommentiert
Musik und Theater in Neapel im 18. Jahrhundert
Francesco Cotticelli, Paologiovanni Maione, Antonia Weber
Constitutions of the World from the late 18th Century to the Middle of...
South Carolina - Wisconsin
Horst Dippel
Marianische Gesänge des 18. bis 20. Jahrhunderts 2
Vertonungen für Singstimme und...
Peter Wagner
International Women Playwrights: Voices of Identity and Transformation...
Anna Kay France, P. J. Corso
Preußen - Deutschland und Rußland vom 18. bis zum 20. Jahrhundert
Winfried Baumgart, Uwe Liszkowski, Werner Markert
Simon Runte
Literaturverzeichniss???.
Wunderschönen guten,
Ich bin Schüler in der 12 einer Gesamtschule in Hattingen (Ruhrgebiet).
Ich würde mich freuen wenn Du mir Deine Literaturquellen, also Titel und Autor, zukommen lassen könntest, da ich im Deutsch Lk genau dieses Thema behandeln muß(Die Quellen Deiner Arbeit müssen gut gewesen sein).
Danke schon mal.
Simon
am Wednesday, February 27, 2002-