Fachbereich Erziehungswissenschaften
Institut für Pädagogische Psychologie
der Humboldt-Universität zu Berlin
Psychologische Aggressionstheorien
Und aggressives Verhalten von Heimkindern im Alter von 6-12 Jahren
Am Beispiel einer Wohngruppe in Berlin-Kreuzberg
Magisterarbeit
von
Ramona Rieck
Berlin, den 15.07.2002
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 5
Erster Teil:
2. Zum Verständnis des Begriff „Aggression“ ... 7
2.1. Schwierigkeiten bei der genauen Definition von Aggression ... 7
2.2. Definitionen und Klassifikation von Aggression ... 7
2.3. Aggressionsmotivationen und Erscheinungsformen von Aggression ... 10
2.3.1. Ärger-Aggression ... 10
2.3.2. Instrumentelle-Aggression ... 10
2.3.3. Spontane Aggression ... 11
3. Theorien zur Entstehung von Aggression ... 12
3.1. Psychoanalyse: Aggression als Ausdruck eines Triebes ... 13
3.2. Verhaltensforschung: Aggression als Instinkt ... 14
3.3. Frustrations-Aggressions-Hypothesen ... 15
3.3.1. Die Frustrations-Antriebs-Hypothesen ... 16
3.4. Paradigma der lernpsychologischen Aggressionstheorien ... 17
3.4.1. Imitationslernen (Lernen am Modell) ... 17
3.4.1.1.Unterschiedliche Modelle ... 18
3.4.2. Lernen am Effekt (Erfolg und Misserfolg) ... 19
3.4.3. Klassisches Konditionieren bzw. Signallernen ... 20
3.4.4. Kognitives Lernen ... 21
3.5. Ausblick ... 22
Zweiter Teil:
4. Kinder (Nicht-Heimkinder) und Aggressionen ... 23
4.1. Voraussetzungen und Risikofaktoren für aggressives Verhalten bei
Kindern (Nicht-Heimkindern ... 23
4.1.1. Erbanlagen ... 23
4.1.2. Familiäre Einflüsse und nahe Umgebung ... 24
4.2. Modelle zur Entwicklung aggressiven Verhaltens von Kindern ... 26
4.3. Entwicklung von aggressiven Verhaltensweisen in den unterschiedlichen
Lebensjahren von Kindern ... 27
4.3.1. Phase der Aggressivitätsetablierung und –differenzierung ... 27
4.3.1.1. Aggressivitätsentwicklung bei Mädchen und Jungen zwischen etwa
sechs Jahren und der Pubertät ... 28
4.3.1.2. Beurteilung der Aggressivitätsentwicklung bei Kindern ... 30
5. Heimkinder und Aggression ... 31
5.1. Das Jugendaufbauwerk und das Angebot ... 32
5.2. Die „Familien aktivierende Wohngruppe“ des JAW ... 32
5.3. Kinderheim Adalbertstraße und die Heimbedingungen ... 33
5.4. Gründe für die Einweisung der Kinder in die „Familien aktivierende
Wohngruppe“ ... .....34
5.5. Besondere Verhaltenscharakteristika von Heimkindern (allgemein) in
Bezug zu auftretenden Aggressionen ... 36
5.6. Methodische Vorbemerkungen ... 39
5.7. Verhalten der Kinder nach der Aufnahme und nach der Eingewöhnungs-
zeit ... 40
5.8. Beobachtungen von Aggressionen bei den 6-12jährigen Heimkindern
in der Adalbertstraße ... 42
5.8.1. Aggressionen untereinander ... 43
5.8.2. Gruppengröße und aggressives Verhalten ... 46
5.8.3. Geschlechterverhältnisse und aggressives Verhalten ... 48
5.8.4. Alter und aggressives Verhalten ... 50
5.8.5. Geschwisterverhältnisse und aggressives Verhalten ... 51
5.8.6. Schulische Situation und aggressives Verhalten ... 52
5.8.7. Beziehung der Kinder zum Erziehungspersonal (Lehrern, Haus-
arbeitshilfe) und aggressives Verhalten ... 53
5.9. Zusammenfassung ... 56
5.10. Gründe für aggressive Verhaltensweisen bei den Heimkindern in
der Adalbertstraße ... 58
6. Der Vergleich aggressiver Verhaltensweisen bei Heimkindern
und bei Familienkindern ... 61
6.1. Erscheinungsweisen aggressiven Verhaltens ... 61
6.2. Motivationen aggressiven Verhaltens ... 64
6.3. Beurteilung der aufgestellten Hypothesen ... 67
6.3.1. Sind Heimkinder die aggressiveren Kinder? ... 67
6.3.2. Gibt es Unterschiede in den kindlichen Aggressionsmotivationen ... 68
7. Heimaufenthalt und aggressives Verhalten ... 70
8. Resümee ... 72
Literaturverzeichnis ... 75
1. Einleitung
Warum sind Kinder aggressiv? Woher kommt dieses Verhalten? Und sind Kinder, die nicht zu Hause aufwachsen auf eine andere Art aggressiv als diejenigen, die in einer wohlbehüteten Umgebung mit Mutter und Vater leben?
Man könnte die Liste der Fragen, welche um das Wort Aggression entstehen, vielfältig erweitern. Die Literatur gibt diesbezüglich ein großes Spektrum an Wissenswertem wieder, um diese Fragen zu beantworten. Dennoch ist es der Allgemeinheit wie Eltern, Erziehern und Lehrern, die sich täglich mit ähnlichen Fragen beschäftigen, nicht immer möglich, sich angemessen zu verhalten und Aggressionen aufzufangen, um sie in die richtigen Bahnen zu lenken.
Während eines sechsmonatigem Praktikums in einem Kreuzberger Kinderheim sammelte ich vielfältige Eindrücke bezüglich der Hilflosigkeit von Eltern, Erziehern, Lehrern sowie Kindern, die mit aggressivem Verhalten auffällig wurden. Die Kinder scheinen in diesem Gefüge die größten Probleme mit ihrem Verhalten zu haben, zudem werden sie mit Begriffen wie „verhaltensgestört“ oder „verhaltensauffällig“ von ihrer Umwelt betitelt, was ihnen die Auseinandersetzung mit ihrem Verhalten nicht einfacher macht.
Woran also liegt es, daß Kinder aggressiv verhaltensauffällig werden? Spielt es hierbei eine Rolle, ob es sich um Heimkinder oder Familienkinder handelt?
So könnte man meinen, daß gerade Heimkinder, die meist aus unvollständigen Familien kommen, eher aggressiv sind und andere mögliche soziale Verhaltenskompetenzen nicht besitzen bzw. nicht erlernt haben.
Schwerpunkt dieser Arbeit soll es sein zu untersuchen, ob Heimkinder die aggressiveren Kinder sind. Die Beobachtungen aus dem Kinderheim dienen hierbei als Grundlage zur Beurteilung dieser Frage.
Die Zielgruppe der Einrichtung sind Kinder und ihre Eltern bzw. Familien, deren derzeitige Situation und Problemlage eine ausreichende Erziehung und Versorgung der Kinder nicht gewährleistet. Das heißt u.a., daß die Kinder meist aus sogenannten zerrütteten Lebensverhältnissen kommen. Dies kann z.B. in dem Vorhandensein einer Suchtproblematik eines oder beider Elternteile bestehen, die zu Gewalttätigkeiten gegenüber dem Kind führt oder zur Gewaltausübung gegenüber dem Partner. In vielen Fällen sind die Kinder bereits selbst aggressiv und gewalttätig anderen oder sich selbst gegenüber geworden. Meist sind es alleinerziehende Mütter, die die Hilfe der „Familien aktivierende Wohngruppe“ in Anspruch nehmen, weil sie mit ihren Kindern „nicht mehr klar kommen“, sie verzweifelt sind oder keinen anderen Ausweg mehr sehen. Die Kinder sind überwiegend verhaltensauffällig, hyperaktiv, neurotisch, gewalttätig oder ähnliches (HANSEN, 1994). Sie sind definitiv aggressiv, aber es bleibt die Frage, ob sie aggressiver sind als Familienkinder. Und wenn sie das sind, in welcher Weise und ob der Heimaufenthalt hierzu einen Beitrag leistet.
Zunächst sollen zum Verständnis des Begriffs der Aggression Definitionen und Klassifikationen, sowie eine Anschauung zu den unterschiedlichen Erscheinungsformen und Aggressionsmotivationen folgen. Daraufhin werden die Theorien zur Entstehung von Aggression erläutert.
Der zweite Teil dieser Arbeit umfasst die speziellen Entstehungsbedingungen sowie die Entwicklung und den Verlauf von Aggression bei der Altersgruppe der 6-12 Jährigen. Es soll dabei ein Bezug zu den erörterten Theorien hergestellt werden.
Es wird dann aufgezeigt, welche Aggressionen im Kinderheim bei den Kindern beobachtet werden konnten. Des weiteren werden die speziellen Heimbedingungen hierzu erläutert. Im folgenden wird ein Vergleich zwischen den beobachteten Heimkindern und dem Verhalten der Familienkinder in bezug zu aggressiven Verhaltensweisen geführt.
Erster Teil:
2. Zum Verständnis des Begriffs „Aggression“
2.1. Schwierigkeiten bei der genauen Definition von Aggression
Grundsätzlich ist es nicht möglich festzuhalten, welche Verhaltensweisen aggressiv sind, sondern nur, welche wir aggressiv nennen. Dies gilt auch für Definitionen aus dem wissenschaftlichen Bereich. Die Unterschiede im individuellen Begriffsverständnis sind vielfältig. Es ist möglich ein massives, intensives Verhalten als körperlichen oder verbalen Angriff wahrzunehmen. Es ist ebenso möglich, subtile Formen wie z.B. die Missachtung oder die mangelnde Hilfeleistung als aggressiv einzustufen. Des weiteren kann man davon ausgehen, daß eine affektive Erregung, wie Wut oder Ärger oder ein Handeln aus kühler Berechnung als aggressiv gelten kann. Es wird aber auch die Meinung vertreten, daß schon ein ungerechtes Verhalten als eine Aggression aufzufassen ist.
Wie man nach dieser Aufzählung feststellen kann, ist die individuelle Vorstellung von dem, was aggressiv ist, vieldeutig. Demnach muss man sagen, daß sich aus den verschiedenen Vorgehensweisen, aus der jeweiligen psychologischen Fachrichtung, bei der Abstraktion von individuellen Handlungen fast zwangsläufig unterschiedliche Sichtweisen und Schwerpunkte desselben Gegenstandes ergeben. Wie auch immer man definiert, eine Grenze zwischen aggressiven und nichtaggressiven Erscheinungen lässt sich nicht ziehen.
Um jedoch die Begrifflichkeit von Aggression für diese Arbeit zu klären wird im nächsten Kapitel eine wissenschaftliche Klassifikation und Definition vorgenommen werden.
[...]
Quote paper:
Ramona Rieck, 2002, Psychologische Aggressionstheorien und aggressives Verhalten von Heimkindern im Alter von 6-12 Jahren am Beispiel einer Wohngruppe in Berlin Kreuzberg, Munich, GRIN Publishing GmbH
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