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Einleitung
Im August des Jahres 1716 trat Lady Mary Wortley Montagu, Tochter des Herzogs von Kingston und Frau Edward Wortley Montagus, eine Reise an, die zunächst nach
Wien, durch Ungarn, den Balkan bis hin nach Konstantinopel führen sollte. Lady Mary begab sich jedoch nicht in eigener Initiative in die Türkei, sondern folgte ihrem Mann, der, im Auftrag der britischen Regierung, als Gesandter in Konstantinopel Österreich und d ie
Türkei zum Abschließen eines Friedensvertrages bewegen sollte, um den Krieg zwischen beiden Parteien zu einem Ende zu bringen. Da man in London offenbar nicht gänzlich mit Wortleys Tätigkeiten zufrieden war, wurde er bereits Ende 1717 abberufen. Die Abreise der Montagus erfolgte im Juni 1718.
Während des beinahe zwei Jahre währenden Aufenthaltes im Ausland verfaßte Lady Mary Briefe, die später unter dem Titel „Turkish Embassy Letters“ bekannt geworden
sind. Diese Briefe, im ganzen zweiundfünfzig, verschickte sie nicht, sondern bewahrte deren Manuskripte in zwei Alben auf. In den Jahren nach dem Aufenthalt in der Türkei überarbeitete sie die Briefe, indem sie u.a. Tagebuchnotizen mit einfließen ließ, die Themen dem Adressaten anpaßte etc. Daß die Briefe von Beginn an zur Veröffentlichung gedacht waren, zeigt der Um-
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stand, daß Lady Mary die b esagten Alben während des zweiundzwanzig Jahre dauernden selbstgewählten Exils auf dem Kontinent stets mit sich führte. Außerdem lieh Mary Montagu unmittelbar nach ihrer Rückkehr aus der Türkei Mary Astell die beiden Alben zur Durchsicht. Im Dezember 1761 übergab sie dem Geistlichen Benjamin Snowden die beiden Bände, mit der Bestimmung, er könne die Manuskripte nach ihrem Tode für Zwecke verwenden, die er als richtig erachtet. Bereits im Mai 1763 erschien dann eine dreibändige Ausgabe der Reisebriefe, herausgegeben von John Cleland.
Noch heute, weit über zweihundert Jahre später, gelten Lady Marys Briefe aus der Türkei als zuverlässige Quellen, beschäftigt man sich mit dem Leben der türkischen Oberschicht im 18. Jahrhundert. Obschon bereits vor ihr zahlreiche Europäer Kleinasien bereist hatten und darüber ausführlich berichteten, sind diese Reisenden, u.a. Paul Rycaut, Aaron Hill oder George Sandys, und ihre Berichte heutzutage weitestgehend vergessen. Es stellt sich daher die Frage, inwiefern sich Montagus Reisebericht von denen ihrer „Reisekollegen“ abgrenzt. Daß es scheinbar gravierende Unterschiede zu den Berichten männlicher Reisender gibt, ist dem Vor-wort Lady Astells zu entnehmen, in dem Astell
schreibt: “ [...] I am malicious enough to desire, that
the world should see to how much better purpose the LADIES travel than their LORDS; [...] a lady has the
skill to strike out a new path, and to embellish a worn-out subject with variety of fresh and elegant entertainment.“ 1 Die vorliegende Arbeit wird demnach die Frage verfolgen, wie Lady Marys Briefe im Umfeld der zum damalige Zeitpunkt bereits existierenden
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Kleinasienreiseliteratur zu bewerten sind. Es wird versucht aufzuzeigen, welche Merkmale den „new path“, den Lady Astell der Autorin u nterstellt, ausmachen. Wenn von bereits existierender Reiseliteratur die Rede ist, so ist es im Rahmen einer B elegarbeit nötig, starke Einschränkungen in der Auswahl vorzunehmen. Lady Mary selbst nennt in ihren Briefen einige männliche Autoren und deren Werke, von denen hier drei ausgesucht wurden, um zu einem Vergleich herangezogen zu werden:
Aaron Hill : A full and just account of the present state of the Ottoman Empire. London, 1709. Paul Rycaut: [The History of ] The Present state of the
Ottoman Empire. London, 1668.
George Sandys: A Relation of a Journey begun. London, 1615.
Neben den Beschreibungen aus der Türkei, enthalten Montagus Embassy Letters darüber hinaus Briefe, die sie während ihrer Aufenthalte an europäischen Höfen, insbesondere denen in Wien, Hannover und Paris, verfaßte. In ihnen ist ersichtlich, daß Lady Mary sich z.T. kritisch mit der Rolle der Aristokatie auseinandersetzt. Dennoch beinhaltet diese Auseinandersetzung eine Ambivalenz, die nicht zu leugnen ist. Sie ergibt sich aus der kritischen Hinterfragung des Adels einerseits und dem Schreiben aus deutlich aristokratischer Perspektive andererseits. Im letzten Kapitel geht es darum, diese Ambivalenz mittels Textbeispielen nachzuweisen und nach Begründungen für ihr Auftreten zu suchen.
1 in: Lord Wharncliffe (ed.): The Letters and Works of Lady Mary
Montagu. Vol. I, New York: Amy Press, 1861.
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Die Reiseliteratur und ihre Konventionen zu Beginn des 18. Jahrhunderts
Als 1763 die Turkish Embassy Letters von Lady Mary Wortley Montagu veröffentlicht wurden, waren sie bereits e inem größeren Publikum bekannt. Unmittelbar nach Lady Marys o.g. Übergabe der Manuskripte kursierten Abschriften dieser in Londoner Adels- und Intellektuellenkreisen. Ihr Erscheinen glich einer Sensation, wenn man Äußerungen der Zeitgenossen betrachtet. Persönlichkeiten wie Voltaire, Johnson, Smollett u.a. äußerten sich durchweg positiv. Smollett meint sogar, Lady Marys Briefe seien denen der Männer überlegen: „[the letters] were never excelled, we might venture to say, never equalled by any letter-writer of any sex, age or nation. They are, to say the truth, so bewitchingly entertaining, that we defy the most phlegmatic man upon earth to read one without going through with them.“ 2 Darüber hinaus erkennt Edward Gibbons, ebenso wie Lady Astell, die neue Qualität, die Montagus Reisebericht in sich birgt, wenn er
schreibt:„What fire, what ease, what knowledge of Europe and Asia! Her account of the manners of the Turkish women is indeed different from any thing we have yet seen.“ 3 Diese Worte lassen die Frage aufkommen, wie Reiseberichte bis dahin gestaltet waren. Um das innovative Element aufzuzeigen, das Lady Marys Zeitgenossen so sehr bewegt zu haben schien, ist es unumgänglich den Blick auf die damaligen Konventionen zu richten, nach denen Reiseberichte abgefaßt wurden.
2 Tobias Smollett: Critical Review 15 (1763)
3 Edward Gibbon: The Private Letters of Edward Gibbon, ed. R.E.
Prothero. London: John Murray, 1896.
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Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts dominierte innerhalb der Reiseliteratur der wissenschaftliche Reisebericht. Man reiste, um im Interesse des Gemeinwesens (Wissenschaft, Ökonomie und Politik) Fakten über die Fremde einzuholen. Aus dieser Motivation heraus e rklärt sich das Bemühen um objektive Aufzeichnungen des Erlebten. Der Autor versuchte, die bereisten Länder
so genau und treffend wie möglich zu beschreiben (nichts anderes erwartete der Leser von einer Schilderung fremder Länder), was stilistisch nicht ohne Konsequenzen blieb. So überwiegt ein sehr rationaler Schreibstil, der sachlich und verständlich ist, bisweilen aber auch recht prosaisch erscheint. Das tradierte Stilideal kritisierte das Herrschen von privaten Tönen, da man davon ausging, daß ichbezogenes Schreiben dem Ziel der rein faktologischen Erschließung der Fremde abträglich sein könnte. Der Reisende war, wollte er den Gattungskonventionen entsprechen, gezwungen, seine Erlebnisse in ein rigides Ordnungssystem zu zwängen. Dieses gab u.a. die zu schildernden Themenkreise vor. So wurde großer Wert gelegt auf Beschreibungen anthropologischer Eigenschaften und
ethnologischer Differenzen der Bevölkerung; der Regierung des bereisten Landes, einschließlich der Justiz; des Finanz- und Militärwesen; der Religion; der Kleidung und der Wohnung; der Sitten und Bräuche, v.a. Hofzeremonien, Hochzeits- und Trauerrituale; Künste ud Wissenschaften etc. 4 Um aber auch die unterhaltende Komponente zu berücksichtigen - die Reiseliteratur war schließlich auch ein Genre der Unterhaltungsliteratur - sollte der Autor über die bloße Faktensammlung und Beschreibung der Szenerie hinaus außergewöhnliche Be- 4 in:Der europäische Beobachter außereuropäischer Kulturen: Zur
Problematik der Wirklichkeitswahrnehmung./ hrsg. von Hans-Joachim
König... - Berlin: Duncker und Humblot, 1989 (Zeitschrift für Histo-
rische Forschung: Beiheft; 7) S. 25
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gebenheiten berichten sowie von persönlich erfahrenen Abenteuern erzählen. Letztere Forderung begründet das Auftreten recht wundersamer Geschichten innerhalb der Berichte, deren Inhalt nicht immer der Wahrheit entsprechen mußte.
All diese Vorgaben führten konsequenterweise dazu, daß sich Reiseberichte der damaligen Zeit stark ähnelten. Werden z. B. die Inhaltsverzeichnisse der in der Einleitung genannten Werke gegenüber gestellt, so ist ersichtlich, daß die Autoren thematisch kaum
Differenzen aufweisen. Sowohl bei Hill und Rycaut als auch bei Sandys finden sich nahezu identische
Einträge. Jedes der Bücher ist mehr oder minder deutlich in Bereiche aufgeteilt, die Sandys schon 1615 vorgab. Die Kapitel seines Buches sind überschrieben: The History of the Turks; The Turkish Policy; The Turkish forces; The Mahometan religion; Of the Turkish Clergie; Of the Turks, t heir manners etc. Während Rycaut sein Buch in drei Hauptteile gliedert, die sich der Politik, der Religion und dem Militär widmen, behandelt Hill dieselben Inhalte in zweiundfünfzig Kapiteln. Die Beschreibungen der Themen unterscheiden sich inhaltlich nur unwesentlich voneinander, so daß der Leser kaum neue Informationen erhält. Den Konventionen entsprechend, bieten die Autoren ein Konglomerat von Fakten an, das eigene Reflexionen ausschließt. So ver-wundert es auch nicht, bei allen dreien einheitliche Meinungen zur türkischen Politik und zur islamischen Religion zu finden. Die Politik der Türken gilt als barbarisch, was insbesondere auf die absolute Herrschaft des Sultans zurückgeführt wird. Bei Sandys
heißt es dazu: „But the barbarous policie whereby [...] tyrannie is sustained, doth differ from all other [...] the naturell Turke [...] are as it were of the Sultans
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creation, depending upon him onely for their
sustenance and preferments. Who disposeth, as well of their lives as their fortunes, by no other rule than that of his will.“ 5 Ähnlich bewertet wird auch die islamische Religion. Der Islam ist eine „religion,
being derived from a person [Mohammad] in life so
wicked, so worldly in his projects, in his
prosecutions of them so disloyall, trecherous, & cruell; being grounded upon f ables and false revelations, repugnant to sound reason, & that
wisedome which the Divine hand hath imprinted in his workes; alluring men with those inchantments of fleshly pleasures, permitted in this life and promised for the life ensuing; being also supported with tyranny and the sword (for it is death to speake there against it;) and lastly, where it is planted rooting out all vertue, all wisedome and science, and in summe all liberty and civility; and laying the earth so waste, dispeopled and uninhabited; that neither it came from God (save as a scourge by permission) neither can bring them to God that follow it.“ 6 Rycaut meint, die Türken seien Atheisten, da das Wort Muserin soviel bedeutet wie „the true secret is with us“, wobei er in dem Geheimnis nichts anderes sieht, als „the absolute denial of a Deity“. 7 Und auch Aaron Hill erscheinen einige Aspekte des Islams recht merkwürdig. So schreibt er u.a. vom „Error in their Faith“ 8 , da
die Türken der Kreuzigung Jesu keinen Glauben schenken.
5 George Sandys: A Relation of a Journey begun. London, 1615. p.47
6 George Sandys: A Relation of a Journey begun. London, 1615. p 60
7 Paul Rycaut: [The History of ] The Present state of the Ottoman Em-
pire. London, 1668. p 129-130
8 Aaron Hill:A full and just account of the present state of the
Ottoman Empire. London, 1709. p 38
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Anhand der wenigen Zitate ist bereits ersichtlich, wie die Wahrnehmung der Fremde durch die genannten Autoren erfolgte. Insbesondere bei der Bewertung der morgenländischen Religion wird deutlich, daß sich die Reisenden i mportierter Normen bedienten. Sie reisen in die Türkei mit dem Hintergrund einer klassischen, christlichen v.a. aber europäischen Ausbildung bzw. Erziehung. Im Falle der Religion wird nun das Christentum als Folie auf den Islam ‘gelegt’. Dabei werden Abweichungen festgestellt (bzgl. der Paradiesvorstellungen, der Kreuzigung etc.), was zur negativen Beurteilung des Islams führt. Wenn die Autoren und Leser Aspekte im islamischen Glauben entdecken, die sich u.a. moralisch von der abendländischen Religion a bgrenzen, so werden Autor und Publikum in ihrer christlichen Identität bestätigt. Darüber hinaus ist anzumerken, daß sich die Autoren, insbesondere aber Hill, auf Werke des Altertums (Vergil, Homer
u.a.)beziehen 9 . Diese Texte lieferten Raster für die Aneignung der Fremde. Als Herausforderung galt offenbar, im jeweils bereisten Land die Wirklichkeit der Texte (nicht die des Landes) zu entdecken und bestätigt zu finden.
Die Richtigkeit bestehender Ordnungssysteme - hier das europäische Kulturgut - wurde bewiesen, was zur Verstärkung der Identität des Eigenen führt. Auf derartige Weise verliert das Fremde seinen zunächst verunsichernden Charakter und wird vereinnahmbar.
Schreiben gegen das Herkömmliche
9 Das Einbeziehen antiker Schriften wurde wohl nicht von jedem Leser
geschätzt, so daß sich Hill rechtfertigen zu meinen glaubt. In
seinem Vorwort schreibt er: „As some may like my Book the better,
others will, I question not, complain, that my Quotations from the
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Nach den Ausführungen zur Schreibtradition bezüglich des Reiseberichtes zu Zeiten Montagus, geht es nun darum, ihre Turkish Letters näher zu betrachten. Schon in einem der ersten Briefe (an Lady Rich, Köln, 16.08.1716) findet sich eine Bemerkung, die ohne weiteres als Credo der Autorin gelten könnte: „ [...] I will not imitate the common stile of Travellers [...]“ (I:254) 10 . In den Briefen, die sie in der Türkei verfaßt, wird ihr Anliegen unmißverständlich formuliert. Es geht Lady Mary darum, „[...] out of a true female
spirit of Contradiction [...]„ (I:405) gegen ihre männ-
lichen Autorenkollegen zu schreiben. Wiederholt betont sie die „falsehood of a great part of what you find in [other] authors“ (I:405), die sich mit der Türkei aus-
einandersetzen. Ihr Ziel ist es, die Daheimgebliebenen über die wahren Zustände am Bosporus zu informieren. Neben dem Aufklären, ist ihr insbesondere daran gelegen, einzigartige Neuigkeiten zu beschreiben. Dank des Umstandes, Frau zu sein, noch dazu die des britischen Botschafters, kam Lady Mary in den Genuß von Privilegien, die männliche Reisende nicht wahrnehmen konnten. So war es ihr möglich, Augenzeugenberichte aus den Tabuszonen weiblichen Lebens - dem Harem und den türkischen Bädern - zu liefern, die in ihrer Detailtreue zur damaligen Zeit einmalig waren und u.a. die B eliebtheit der Turkish Letters begründen. Von der Einzigartigkeit ihrer Briefe überzeugt, schreibt sie denn auch nach Hause: „ [...] you will find the charm of
Novelty in my letters and no longer reproach me that I
Classic Authors are so frequently Applied; to this I need reply no
more, then that they struck my Memory, as I was Writing.“ p XV
10 Lady Mary Wortley Montagu, The Complete Letters of Lady Mary
Wortley Montagu, ed. Robert Halsband, 1st vol. (Oxford: Clarendon
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tell you nothing extrodinary [sic]„(I:312). An anderer
Stelle heißt es:“You will perhaps be surpriz’d at an account so different from what you have been
entertaind with by the common Voyage-writers who are very fond of speaking of what they don´t know.“ (I: ).
Daß Montagus Briefe eines Reizes des Neuen nicht entbehren, ist unumstritten, dennoch entsteht partiell der Eindruck, daß auch sie, trotz vielfacher Wahrheitsbeteuerungen, nicht durchgängig einen objektiven (und damit wahren?!) Blick auf türkische Zustände werfen.
In ihrem Bemühen, sich von männlichen Schreibern abzugrenzen, erscheint es beinahe, als wolle Montagu sämtliche Bereiche der türkischen Kultur aufwerten, die diese Autoren z.T. kritisch beurteilten. Um die Aufwertung oder auch Relativierung zu erreichen, sucht sie u.a. nach europäischen Äquivalenten zur türkischen Kultur. Daß dieses Vorgehen zur (unbewußten) Banalisierung des Anderen führen kann, zeigt sich am Beispiel Montagus Auseinandersetzung mit dem Islam. Montagu sieht im Islam lediglich die abendländische Version des westlichen Deismus: „ But the most
prevailing Opinion, if you search into the Secret of the Effendi, is plain Deism, but this is kept from the people, who are amus´d with a thousand Different notions according to the different interests of their Preachers„(I:317-318). Die zahlreichen Sekten des Islams erinnern Lady Mary daran, daß auch die
Christenheit in d iverse religiöse Gruppen gegliedert ist: „The Zeidi, Kadari, Jabari, etc. put me in mind
Press, 1965-67), I: 257. Alle folgenden Referenzen zu dieser Ausga-
be sind parenthetisch in den Text eingefügt.
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of the Catholic, L utheran, Calvinist, etc., and are equally zealous against one Another.“(I:317). Über die Strategie der Gleichmachung bewegt Lady Mary einerseits den Leser, den eigenen Glauben aus neuem Blickwinkel zu betrachten und ihn in seiner Superiorität zu hinterfragen. Andererseits führt dies aber auch zur Abflachung, wenn nicht gar zum Verkennen der Einzigartigkeit des Islams. Indem sie Islam und Christentum gleichstellt, wird das Andere getilgt - das Fremde wird jetzt über den Bezug zum Bekannten verständlich und erscheint weniger bedrohlich. In dieser Art der aufgeklärten Annäherung an fremde Kulturen unterscheidet sich Montagu von ihren Vorgängern, die die Differenz b etonten und darin die Überlegenheit westlicher Glaubens- und Bildungskonstrukte bewiesen sahen.
Ein anderes Thema, dessen sich Montagu intensiv widmet, ist die Darstellung des Lebens der türkischen Frau. Hierbei ist anzumerken, daß es sich ausschließlich um Frauen der Aristokratie handelt, in deren Umfeld sie sich bewegte. Auch hier ist sie mit missionarischem Eifer bemüht, das ‘falsche’ Bild zu korrigieren, das Autoren wie Hill a ufgebaut haben. Hill schrieb u.a. über die Türkinnen: „‘Tis a sense of awfull Fear and Duty, that obliges them contentedly to live at Home [...], shut up together in a long Appartment [...], where free from Envy, Pride or
Jealousy, they Eat, Drink, and Work together Guarded by the Watchful Observation of Industrious Eunuchs, and excluded from Society of Men [...] but all entirely
bent to please by turns the Wandering will of their Respected Husband.“ (p. 110) Wieder ist es die Methode des Vergleiches, derer sich Montagu bedient. In der Auseinandersetzung mit der
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Rolle der türkischen Frau, reflektiert sie die Rolle der englischen Frau und kommt zu dem erstaunlichen Resultat, daß türkische Aristokratinnen „freer than any Ladys in the universe [seien], and are the only Women
in the world that lead a life of unintterupted pleasure, exempt from cares, their whole time being spent in visiting, bathing, or the agreable Amusement of spending Money and inventing new fashions“ (I:406). Desweiteren basiert ihr Eindruck der größeren Freiheit auf dem Argument des ‘Vorteils’ der Verschleierung, der den Türkinnen Ehebruch erlaube, ohne daß sie bemerkt würden. Ein anderes Privileg sieht Montagu darin, daß türkische Frauen im Falle der Scheidung, im Gegensatz zu englischen Frauen, nur einen sehr geringen Prozentsatz ihres Vermögens verlieren. Es ist positiv zu bewerten, daß Lady Mary die Zustände der Frauen in der Heimat kritisch reflektiert. Dennoch sollte beachtet werden, daß sie die Freiheit der Türkinnen ausschließlich über das Geldausgeben, den Luxus, die Möglichkeit des Ehebruches und eine gewisse finanzielle Sicherheit definiert. So ist es nicht verwunderlich, daß sie sich in ihren Ausführungen in Widersprüche verwickelt. Wenn sie beschreibt, daß für die Türkinnen die Hochzeit unentbehrlich ist, weil sie erst dann, über das Gebären zahlreichen Nachwuchses, Achtung durch die Gesellschaft erfahren, so erkennt sie nicht diese andere Form von Versklavung. Ein anderes Beispiel für die Widersprüchlichkeiten ihrer Aussagen ist die Schilderung des Auffindens einer weiblichen Leiche in den Gassen Konstantinopels. Zu B eginn dieser ausführlichen
Beschreibung erklärt Montagu, daß „ the same Customs [wit, Civillity, Liberty] that give them so many
opportunitys of gratifying their evil Inclinations (if
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they have any) also puts it very fully in the power of their Husbands to revenge them if they are discover´d [...]„ (I:407). Mit dem geschilderten Tod der vermeint-
lichen Ehebrecherin, führt Lady Mary ihre Gedanken über die Freiheit der türkischen Frau ungewollt ad absurdum.
Dies letztgenannte Beispiel dient der Illustrierung Montagus Wahrnehmung der Türkei. Beinahe liegt die Vermutung nahe, daß sie, ‘geblendet’ vom Luxus der Gemächer, dem Reichtum der Kleidung und vor allem der Schönheit der Orientalinnen, dieses fremde Land durch den Schleier der Verklärung betrachtet. So sind ihre Beschreibungen der Türkei, wie auch die ihrer Vorgänger, maßgeblich an der westlichen Klischeebildung bezüglich dieses Landes beteiligt. Vorstellungen des luxuriösen, sinnlichen Orients, die Antoine Galland mit seinem Buch “Les mille et une n uits, contes arabes traduits en franςais 1704-1717“, in den europäischen Köpfen entstehen ließ, finden durch die detaillierten Schilderungen Montagus ihre Bestätigung.
Nur in der Anfangszeit ihres Aufenthaltes, genauer während der Anreise, äußert sich die Autorin zum Elend der Bevölkerung des Osmanischen Reiches, das nach all den aufzehrenden Kriegen u.a. mit den Habsburgern und dem Russischen Reich ein verheerendes Ausmaß angenommen hatte. Dann, angekommen in Adrianopel und im Kreise der türkischen Oberschicht, verlieren sich dererlei Ausführungen. Zweifelsohne ist dies auf mangelnde Konfrontation mit Menschen niederen Standes zurückzuführen. So entsteht eine gewisse Eindimensionalität - ein Phänomen, das sie indirekt anderen Autoren zum Vorwurf macht. Dort, wo Montagus Reisekollegen z.T. die türkische Kultur ausschließlich als minderwertig beurtei- len, relativiert sie oder stellt diese ausschließlich
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in ein positives Licht; ja sie betont sogar gelegentlich die Überlegenheit der Türken über die europäische Kultur. Ihre Art der Umkehrung der Werte führt dazu, daß sie herkömmliche Stereotype zwar beseitigt, sie aber durch andere ersetzt.
Der ‘new path’ der Mary Wortley Montagu
Trotz der beschriebenen Widersprüchlichkeiten, ist es Lady Mary dennoch gelungen, mit ihren Briefen einen neuen Weg zu beschreiten. Es ist richtig, daß sie gewisse Themen neu beschrieben hat. Obgleich nicht außer Acht gelassen werden darf, daß auch Autoren vor ihr erschöpfende Beschreibungen über die türkische Lebnsart (inklusive Ausführungen zu Moden, Kosmetik usf.) lieferten. Neu ist demnach nicht unbedingt die Themenwahl, sondern die Art und Weise, wie Montagu berichtet. Wie bereits erwähnt, war es ihr als Frau möglich, am Leben der orientalischen Frauen persönlich teilzunehmen. Das führt dazu, daß sie nicht über, sondernals Augenzeugin- aus dem Orient B ericht erstattet.
Montagu ist stets bemüht, die Wirklichkeit auf sich bezogen anzueignen, was ersichtlich wird im Hinzufügen ästhetisierender Komponenten 11 . Die emotionale Verarbeitung der fremden Realität ermöglicht sie durch das Vergleichen mit Bekanntem (z.B. bei Schilderung der Türkinnen - Vgl. mit Werken der europäischen Malerei). Sowohl bei ihr als auch beim Leser werden über diese Vergleiche affektive Wirkungen erzielt. Indem Montagu also Empfindungen thematisiert, hält das Subjektive
11 siehe dazu: Aesthetics an Orientalism in Mary Wortley Montagu´s
letters In: Elizabeth Bohls: Women Travel Writers and the Language
of Aesthetics. Cambridge University Press, 1995.
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Einzug in den Reisebericht. Die Wahl der, für damalige Reiseschilderungen unkonventionellen, Briefform wirkt dabei durchaus unterstützend. Darüber hinaus legitimiert die Briefform den ungezwungenen Ton und ermöglicht Lady Mary, die Wahl der Themen auf den jeweiligen Leser abzustimmen. In der subjektbezogenen Aneignung der Fremde kann Lady Mary als Vorreiterin des Prozesses angesehen werden, der sich Mitte des 18. Jh. in der englischen Literatur vollzog - nämlich Hinwendung, Erkundung und Beförderung zur bzw. von Individualität. Dieser Prozeß findet seinen Niederschlag auf dem Feld der Reiseliteratur im subjektiven/empfindsamen Reisebericht.
Lady Montagu als aristokratische Autorin ?!
In der Einleitung wurde bereits darauf hingewiesen, daß Montagus Briefe Ambivalenzen hinsichtlich der Bewertung der Aristokratie aufzeigen. Schon während ihrer Treffen mit Mitgliedern der europäischen höfischen Gesellschaft kommt es zu kritischen Äußerungen über Benehmen und Konventionen des Adels. Diese Kritik allerdings bezieht sich beinahe ausschließlich auf die äußere Erscheinung der Damen und deren Künstlichkeit. Über die wienerische Mode schreibt sie an ihre Schwester: „[...] the Fashions here are more monstrous and contrary to all common sense and reason than it is possible for you to imagine. [...] Their petticoats [...] cover some Acres of Ground. You may easily
suppose how much this extrodinary Dresse sets off and improves the natural Uglyness with which God Allmighty has been pleas´d to endow them all generally.“ (I:265). Auch von dem Erscheinen der sächsischen Damen weiß Montagu nicht allzu viel Schätzenswertes zu berichten: „They would think it a mortal sin against
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richten: „They would think it a mortal sin against good breeding if they either spoke or mov´d in a natural manner. They all affect a little soft Lisp and a pritty pitty pat step [...]„(I:282). In derartigen,
durchaus amüsanten, Ausführungen erschöpfen sich, während des Europaaufenthaltes, Lady Marys kritische Betrachtungen. Wie Bohls in o.g. Aufsatz richtig erkannte, mokiert sich Montagu zwar über das freiwillige Sich-als-Objekt-Inszenieren der adeligen Frauen, dennoch inszeniert sie sich auch als solches, wenn sie sich in ein „dress very inconvenient“ (I:265) zwängt, um dem Hof entsprechend gekleidet zu sein. Aus aufgeführten Zitaten ist ersichtlich, daß weniger eine kritische Haltung zum Adel als vielmehr britische Überheblichkeit ihren Blick lenkt. Daß sich Montagu als Engländerin bewußt von den Damen der wienerischen Gesellschaft abgrenzen wollte, ist folgendem Zitat aus einem Brief Stanyans an Lord Stair zu entnehmen: „Lady Mary is pretty much the subject of conversation here. She sticks to her English modes and manners, which exposes her a little to the railleries of the Vienna Ladies. She replies with a good deal of wit, and is engaged in a sort of petty war; but they all own she is a witty woman, if not a well-dressed one.“ 12 Als weiteres Beispiel britischer Überheblichkeit und britischen Patriotismus’ kann ihre Schilderung Frankreichs gelten. Der Brief an Lady Rich vom 10. Oktober 1718 betont fast in jeder Zeile das erstaunliche Elend dieses Landes; selbst das Pariser Opern- und Schauspielhaus kann dem Vergleich mit seinen Londoner Pendants nicht standhalten.
12 dieses Zitat findet sich in einer Fußnote auf S. 295 in Halsbands
erwähnter Kompilation M.s Briefe
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Eine tiefgründigere Hinterfragung der Aristokratie erfolgt bei Montagu erst über die Auseinandersetzung mit der türkischen Kultur und der Begegnung mit Türken und Türkinnen. So betont sie die zuvorkommende Art der türkischen Frauen, auf die sie im Bad von Adrianopel trifft und kritisiert dabei europäische Höfe: „I know no European Court where the Ladys would have behav´d them selves in so polite a manner to a stranger. [...] and yet [there were] none of those destainfull smiles
or satyric whispers that never fail in our assemblys when any body appears that is not dress´d exactly in fashion.“ (I:313). Auch der Tagesablauf, wie er sich für Lady Mary in der Türkei gestaltet, läßt sie sich fragen, worin der Sinn in heimischen Aktivitäten liegt: „I live in a more agreeable Variety than you do [es folgt eine Übersicht der Wochenaktivitäten M.s in
der Türkei] is a better way of disposing the Week than Monday at the Drawing room, Tuesday Lady Mohun´s, Wednesday the O pera, Thursday the Play, Friday Mrs. Chetwynd´s, etc.: a perpetual round of hearing the same Scandal and seeing the same follies acted over and over, which here affect me no more than they do other people.“ (I:366-367).
Und dennoch - so sehr Montagu auch negative Aspekte der aristokratischen Lebensweise aufzuzeigen versucht; so gibt es trotzdem in den Briefen unzählige Abschnitte, die erkennen lassen, daß sie an aristokratischen Denkmustern festhält. Bei ihrem Aufenthalt in Rotterdam bemerkt sie vor allem „Here is neither dirt nor Beggary to be seen. One is not shock´d with those loathsome Cripples so common in London, nor teiz´d with the Importunitys of idle Fellows and Wenches that
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chuse to be nasty and lazy.“ (I:249) Die Konfrontation mit Elend widerstrebt offenbar dem ästhetischen Empfinden einer Dame.
Auch wenn sie in Nürnberg die Kleiderverordnung, die den Ständen entsprechende Kleidung vorschreibt, kennenlernt, und deren Umsetzung gerne in anderen Ländern sehe, so kann sie das nur fordern, weil sie als Aristokratin nicht das degradierende Moment derartiger Gesetze zu spüren bekommen würde. Während der Besichtigungen einiger Appartments der Oberschicht in Wien, fällt Montagu, mit einiger Verwunderung auf, daß „The Apartments of the greatest Ladys and even of the Ministers of state are divided but by a Partition from that of a Tailor or a shoemaker [...]„(I:260).
In Anbetracht der Art und Weise wie Lady Mary über die Andersartigkeit der Türken schreibt, ist es erstaunlich in ihrem Bericht auch auf weniger tolerante Bemerkungen zu stoßen, z.B. wenn es um die Beschreibung vermeintlich Häßlichen geht. Im Brief vom 16. Januar 1717 schreibt Montagu ihrer Schwester von einer Kuriosität, die sie an deutschen Höfen beobachtete - die Beschäftigung von Kleinwüchsigen am Hofe. Sie spricht von den ‘Zwergen’ als: “ little monsters as ugly as Devils“ bzw. „pieces of deformity“ (I:294). Nahezu rassistische Züge nehmen ihre Beschreibungen der Bevölkerung von Tunis an: „They are not quite black, but all mullattos, and the most frightfull Creatures that can appear in a Human figure. [...] the women have
their Arms to their very shoulders and their Necks and faces adorn´d with flowers [...]; a considerable addition to their natural Deformity [...].“ (I:425).
Ein anderer Beweis für ihre aristokratische Sichtweise der Dinge, findet sich in ihren Äußerungen zur Sklave-
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rei in der Türkei. An Lady Bristol schreibt sie, „ I cannot forbear applauding the Humanity of the Turks to those Creatures. They are never ill us´d and their Slavery is in my Opinion no worse than Servitude all over the world.“ (I:401-402). Lady Mary läßt bei diesen Bemerkungen völlig außer Acht, welcher Methoden -Gefangennahme, Verschleppung - sich die Türken bedienten, um für genügend verfügbare Sklaven zu sorgen. Derartige Aussagen können nur zustande kommen, weil sie mit keinem der Versklavten gesprochen hat und über das Gespräch eventuell mit persönlichen Schicksalen konfrontiert worden wäre.
Ein letztes Beispiel soll zeigen, daß Lady Marys Kritik an b estimmten Inhalten der aristokratischen L ebensweise nur relativen Charakter hat. Sie grenzt sich zwar einerseits während des Türkeiaufenthaltes von ihr ab und trägt türkische Kleider und den Schleier. Andererseits aber zeigen ihre Briefe nach England große Befürchtungen, den Kontakt zur Heimat zu verlieren. Für sie besteht durch die Entfernung die Gefahr, nicht mehr ‘auf dem Laufenden’ zu sein, was zur Folge hätte, den Status als Mitglied der höfischen, englischen Gesellschaft (und natürlich die Zugehörigkeit zur Familie) zu verlieren. So fleht sie ihre Adressaten beständig an, doch Neuigkeiten aus England zu berichten, erscheinen diese denen auch noch so
unwichtig: u.a. „It may possibly be dull to you when every day does not present you with something new, but for me that am arrear at least 2 months news, all that seems very stale with you would be fresh and sweet here; pray let me into more particulars.“ (I:326).
Schlußbemerkung
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Die Turkish Embassy Letters zeigen in einzigartiger Weise den Versuch Lady Mary Wortley Montagus, fremde Länder - insbesondere die Türkei - und deren Andersartigkeit subjektiv wahrzunehmen und sich darauf einzulassen. Aus der subjektiven Aneignung heraus resultieren zwar Widersprüchlichkeiten, die aber illustrieren umso mehr, daß sich Lady Mary einem aktiven Auseinandersetzungsprozeß geöffnet hat. In dieser Hinsicht zeigt sie durchaus progressive Tendenzen, die sie von ihren männlichen Autorenkollegen abgrenzt. Durch ihr Prinzip der Gleichstellung von türkischer und europäischer Kultur erreicht sie die Auflösung damals vorherrschender negativer Urteile. Das Fremde gilt nun nicht mehr als unnahbare, nicht zu verstehende und daher inferiore Größe.
Montagu zeigt dem Leser, daß in dem Einlassen auf fremde Kulturen durchaus Potentiale stecken, die bereichernd für Erkenntnisprozesse des Reisenden sein können. In einem der letzten Briefe aus der Türkei (19.Mai 1718) schreibt sie an Abbé Conti: „I am allmost of opinion they have a right notion of Life; while they consume it in Music, Gardens, Wine, and delicate eating, while we are tormenting our brains with some Scheme of Politics or studying some Science to which we can never attain [...] ´Tis certain what we
feel and see is properly (if any thing is properly) our own; but the good of Fame, the Folly of praise, hardly purchas´d, and when obtain´d - poor Recompence for loss of time amd health! We dye, or grow old and decrepid, before we can reap the fruit of our labours. Considering what short liv´d, weak Animals Men are, is there any study so beneficial as the study of present pleasure? [...] I had rather be a rich Effendi with all
his ignorance, than Sir Isaac Newton with all his
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knowledge.“ (I:415). In derartigen Äußerungen wird die Bedeutung des zweijährigen Aufenthaltes für Lady Montagu e rsichtlich. Daß diese ‘Lehrreise’ nicht ohne Konsequenzen für ihr weiteres Leben blieb, zeigt der Umstand, daß sie kurz nach ihrer Rückkehr in die Heimat, ins 22 Jahre andauernde selbstgewählte Exil nach Italien ging.
Literatur
Primärtexte:
1. Aaron Hill : A full and just account of the present state of the Ottoman Empire. London, 1709.
2. Lady Mary Wortley Montagu: The Complete Letters of Lady Mary Wortley Montagu. Robert Halsband (Hrsg.) Oxford: Clarendon Press, 1965-67)
3. Paul Rycaut: [The History of] The Present State of
the Ottoman Empire. London, 1668.
4. George Sandys: A Relation of a Journey begun. London, 1615.
Sekundärtexte:
23
1. Elizabeth Bohls: Women Travel Writers and the Language of Aesthetics. Cambridge: UP, 1995.
2. Hans-Joachim König (Hrsg.): Der europäische Beobachter außereuropäischer Kulturen: zur Problematik der Wirklichkeitswahrnehmung. Berlin: Duncker und Humblot, 1989.
3. Stefanie Ohnesorg: Mit Kompass, Kutsche und Kamel: (Rück-) Einbindung der Frau in die Geschichte des Reisens und der Reiseliteratur. St. Ingbert: Röhrig, 1996
4. Ortfried Schäffter (Hrsg.): Das Fremde: Erfahrungsmöglichkeiten zwischen Faszination und Bedrohung. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1991.
Arbeit zitieren:
Anja Dietrich, 1998, "Der neue Weg der Lady Montagu" - Lady Mary Wortley Montagus "Turish Embassy Letters" im Umfeld der dominierenden Reiseliteratur der Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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