Auch hier werden viele Parallelen zu „Homo faber“ sichtbar. Walter Faber reist gleich zu Beginn des Buches von New York (USA) nach Caracas (Mexiko), New York ist ein Sitz der UNESCO. Walter Faber war also aus beruflichen Gründen dort, ebenso auch Max Frisch, der als Architekt an der Konferenz in Colorado teilgenommen hat. Frisch reist nach der Konferenz weiter nach Mittelamerika - ebenso die spätere Titelfigur in seinem eigenen Buch.
Ein weiterer wichtiger Charakterzug von Walter Faber wird später seine e xtreme Abneigung zur Natur sein. Hier liegt die Vermutung nahe, dass Max Frisch bei seinen Reisen durch Mittelamerika selber diese Abneigung entwickelt hat und sie seiner Titelfigur übergibt. Walter Faber beschreibt die Natur oft abwertend als „schleimig“ und „klebrig“ (S.33). Besonders die Sonne und den Sonnenuntergang bezeichnet er als „gedunsen, im Dunst wie eine Blase voll Blut, widerlich, wie eine Niere oder so etwas“ (S.53). Faber hebt auch die Fruchtbarkeit des Dschungels hervor („Wo man hinspuckt, keimt es!“ (S.51)). Er behauptet „es stinkt nach Fruchtbarkeit, nach blühender Verwesung“ (S.51).
Abgesehen von den großen Übereinstimmungen bei den Reisen nach Nordamerika, Mittelamerika und Griechenland ist die Reiselust allgemein eine Übereinstimmung der beiden Personen. Man könnte auch von einer Rastlosigkeit sprechen. Frischs Biografie ist bestückt mit einer Vielzahl von Reisen, so zum Beispiel nach Nord- und Mittelamerika, Ost- und Südosteuropa, die Sowjetunion, Deutschland und Italien. Auch hier gibt es Übereinstimmungen mit „Homo faber“: die Reise von Walter Faber und Sabeth durch Italien ist verkleidet mit vielen Eindrücken aus der Landschaft und Architektur (vergleiche S.107 bis 123).
Walter Faber reist, durch seinen Beruf bedingt, viel. Faber ist praktisch während des ganzen Buchs auf einer Reise. Zu Beginn fliegt er zum Beispiel von New York nach Caracas, wo er den Bruder eines früheren Freundes trifft. Später reist er mit einem Jeep durch den Dschungel, wo seine Haltung zur Natur deutlich zum Ausdruck kommt. Auch Sabeth, die Schlüsselperson des Buches, trifft er auf einer Reise: Er trifft sie auf dem Schiff von Amerika nach Europa. Große und auch entscheidende Teile der Handlung finden also auf Reisen statt.
Eine weitere deutliche Parallele zwischen der fiktiven Figur Walter Faber und seinem Autor Max Frisch ist deren Alter. Frisch ist zum Zeitpunkt des Erscheinens von „Homo faber“ 48 Jahre alt und Faber ist in dem Buch 50 Jahre alt. Auch die zeitliche Abfolge innerhalb des Romans deckt sich mit der Realität. Faber und Frisch haben so zum Beispiel beide etwa im gleichen Alter unmittelbaren Kontakt mit dem Nationalsozialismus, insbesondere dem Antisemitismus: Frisch 1935 auf einer Reise nach Deutschland und Faber in jungen Jahren mit seiner halbjüdischen Freundin Hanna Landsberg.
Frischs Familienstand und seine Beziehungen zu Frauen stellen eine weitere deutliche Parallele dar: Frisch heiratet 1942 Trudy von Meyenburg. Aus der Ehe gehen 2 Töchter hervor. 1954 trennt sich Frisch von seiner Familie und reist 1957, kurz vor dem Erscheinen von „Homo faber“, mit einer Freundin nach Griechenland. Die Titelfigur Walter Faber ist verheiratet gewesen. Er steht in jungen Jahren kurz davor seine deutsche Freundin, Hanna Landsberg, zu heiraten, um ihr als Halbjüdin den Aufenthalt in der Schweiz zu sichern. Es kommt jedoch nicht zu dieser Heirat, da sich Walter Faber und Hanna aufgrund deren Schwangerschaft zerstritten und Faber aus beruflichen Gründen Zürich verlassen muss. Faber hat Frauen gegenüber eine negative Einstellung. Sie gipfelt in der Aussage: „Ivy heißt Efeu, und so heißen für mich eigentlich alle Frauen“ (S.91). Frauen sind für ihn unverständlich und oft eher lästig. Oft benutzt er „weibisch“ als Adjektiv für die von ihm abgelehnte Weltsicht. Diese abgelehnte Weltsicht beinhaltet besonders den Glauben an Fügung oder Schicksal, den Ausdruck von Emotionen sowie alles Natürliche.
Diese Haltung könnte man in Verbindung mit der Trennung von Max Frisch von seiner Familie setzen. Faber verliebt sich später in seine eigene Tochter, von deren Existenz er nichts wusste und fährt mit ihr nach Griechenland. Dies ist auch der Zeitpunkt innerhalb des Buches, wo sich Fabers Weltsicht komplett ändert. Er drückt jetzt auch Gefühle und Erlebnisse aus. Auch Max Frisch fährt mit einer neuen Freundin nach Griechenland und lässt sich später von seiner Frau scheiden. Er hat später noch viele Freundinnen, heiratet erneut eine Studentin und lässt sich jedoch wieder scheiden. Die Reise nach Griechenland stellt also auch in dem Leben des Autors einen Umbruch dar.
Als letzte Parallele kann noch die gemeinsame Krankheit der beiden Personen aufgeführt werden. Sowohl Max Frisch, als auch dessen Figur Walter Faber haben an Krebs gelitten. Walter Faber stirbt vermutlich am Ende des Buches daran. Max Frisch stirbt 15 Jahre nach erscheinen von „Homo faber“ ebenfalls nach langem Krebsleiden.
Abschließend kann man sagen, dass allein durch das Vergleichen der Biografie von Max Frisch und seinem Buch „Homo faber“ viele Gemeinsamkeiten deutlich werden. Allein durch diesen Vergleich kann man aber nicht klären, inwiefern Frisch einfach nur Eindrücke aus seinem Leben in sein Buch eingebaut hat oder es wirklich autobiografisch schrieb.
Quellen:
• Max Frisch: „Homo faber - ein Bericht“. Suhrkamp 1957
• diverse Biografien aus dem Internet, u.a.: www.suhrkamp.de/autoren/frisch/frisch.htm
schulen.nordwest.net/Ulricianum_Aurich/50brd/kultur/theater/frisch.htm www.fh-lueneburg.de/u1/gym03/expo/jonatur/geistesw/homo/faber98/faberbio.htm www.limmatverlag.ch/frisch/mf_chron.htm www.wunderzeichen.de/Germanistik/Frisch1.html privat.schlund.de/m/mdbb/schule.htm#frisch
Arbeit zitieren:
Heiko Franz, 2001, Frisch, Max - Homo Faber - War "Homo Faber" autobiografisch?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Stevenson, Robert Louis - The strange case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde
Referat / Aufsatz (Schule), 6 Seiten
Henrik Ibsens: "Nora" (Ein Puppenheim) - Konzeption und Wand...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 26 Seiten
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Inhalt und formalem Aufbau in Geor...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 12 Seiten
Die Erscheinung des Grotesken in der Tragikomödie von Friedrich Dürren...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Familientragödie aus fürstlichem Hause
Bürgerliches Trauerspiel und H...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 20 Seiten
Frisch, Max - Homo Faber - Die Entwicklung des Motivs der Blindheit un...
Referat / Aufsatz (Schule), 4 Seiten
Mann, Thomas - Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Referat / Aufsatz (Schule), 6 Seiten
Nonverbale Verfahren in Anton Cechovs Dramen
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Warten - aber worauf? (Über Samuel Beckett - En attendant Godot )
Romanistik - Französisch - Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Frisch, Max - Homo Faber - Männer- und Frauenbilder
Referat / Aufsatz (Schule), 8 Seiten
Die Verfassungslehre Jean Bodins
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 17 Seiten
Groteske und ironische Elemente in Friedrich Dürrenmatts "Die Pan...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Jean Bodin - Das Verhältnis zwischen Souverän und Untertanen
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Rousseaus Gesellschaftsvertrag - ein Überblick
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 13 Seiten
Spiel oder Realität? - Samuel Becketts "Warten auf Godot"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 15 Seiten
Rousseaus "Contrat social" in Kurzform
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Wissenschaftlicher Aufsatz, 13 Seiten
Heiko Franz hat den Text Frisch, Max - Homo Faber - War "Homo Faber" autobiografisch? veröffentlicht
Heiko Franz hat einen neuen Text hochgeladen
Julia hat den Text Frisch, Max - Homo Faber - War "Homo Faber" autobiografisch? kommentiert
Frisch. Homo Faber. Analysen und Reflexionen
Untersuchungen zum Roman
Max Frisch, Sybille Heidenreich
Homo faber. Textanalyse und Interpretation
Alle erforderlichen Infos zum ...
Max Frisch, Bernd Matzkowski
Anonym
homo faber.
Schnell mal ne kurze Frage: wie kann jemand verheiratet sein (Mr. Faber), wenn er nie geheiratet hat?
am Wednesday, May 30, 2001-
Heiko Franz
Re: homo faber.
Hallo!
|Philipp schrieb:
||Schnell mal ne kurze Frage: wie kann jemand
||verheiratet sein (Mr. Faber), wenn er nie
||geheiratet hat?
Das ist ein Fehler, den ich leider nicht berichtigt habe, sorry. An der Stelle fehlt ein "nie". Mr. Faber war nie verheiratet.
CU
Heiko
am Monday, July 09, 2001-
Bodo Bach
homo faber.
wollte nur anmerken, dass caracas nicht in mexiko liegt, sondern in venezuela.danke.ansonsten prima arbeit.
am Thursday, January 03, 2002-
Julia
Homo faber-Danke!.
Hallo,
Vielen Dank für deine Hilfe.Deine Hausarbeit ist wirklich gelungen!Ich brauche sie für den Deutschunterricht, da wir das Buch lesen und ich mich etwas darüber informieren möchte.Ich bin immer froh, wenn es Leute gibt, die ihre Arbeiten auch anderen zur verfügung stellen!Lieben Gruss, Julia
am Thursday, November 14, 2002-