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Ganz anders der Mercedes-Fahrer. Er scheint ein eher rationaler Mensch zu sein. Der Autor lässt ihn weiße Handschuhe tragen. Weißdie Farbe der Unschuld und Handschuhe, die man sich überstreift. Man könnte meinen, dass der Mercedes-Fahrer sich seine Unschuld übergestreift hat.
Das Mutter- oder Brandmal an seiner rechten Schläfe erinnert an das biblische Kainsmal, dass zur Kennzeichnung eines Sünders dient. Seinen konzentrierten Blick könnte man als Zeichen für seine Stetigkeit interpretieren, mit der er seinen (Lebens-)Weg geht. Nachdem Michael Berg den Fahrer informiert, aus welchem Grund er zum Struthof will, schweigt der zunächst.
Dies lässt sich als Zeichen der schmerzhaften Erinnerung an seine Vergangenheit, sowie als Vorformulierung einer Rechtfertigung deuten. (Dies sehe ich durch die sich häufig wechselnden Landschaftsbeschreibungen bestätigt.)
Als der Mercedes-Fahrer das Schweigen bricht, fragt er, ob er verstehen wolle, warum solche schrecklichen Dinge überhaupt möglich gewesen seien. Er nennt als Beispiel den Henker, der denjenigen, den er richten soll, nicht hasst, sondern lediglich seine Arbeit macht. Auf das Argument von Befehl und Gehorsam verzichtet der Mercedes-Fahrer absichtlich. Selbst die Gegenargumente, dass der Menschlichkeit, der Würde des Menschen und der Ehrfurcht vor dem Leben, liefert der Mercedes-Fahrer gleich selber.
Michael ist sprachlos, ihm fällt auf soviel Dummheit (unschuldige Juden auf der einen Seite und rechtskräftig verurteilte [schuldige] Straftäter auf der anderen Seite, zwei völlig verschiedene Dinge in einen Topf zu werfen)auf soviel Dummheit fällt ihm kein geeigneter Satz ein, den er angemessen erwidern könnte. Er ist wütend.
Als der Mercedes-Fahrer von einem Foto erzählt, auf dem ein Erschie-ßungskommando Juden hinrichtet, der befehlende Offizier von einem Fenstersims zuschaut, „sogar Vergnügtes im Gesicht (hat), vielleicht weil immerhin das Tagwerk geschieht und bald Feierabend ist“ (S. 147), fragt ihn Michael, ob er das gewesen sei.
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Seine Reaktion auf diese Frage, das Leuchten des Males (Kainsmal) an seiner Schläfe, der Rauswurf aus dem Auto und die abrupte Wendung des Wagens legen nahe, dass Michael mit seiner Vermutung richtig und der Fahrer sich entdeckt fühlt.
Dem Protagonisten ist nach dieser Begebenheit wohler, er „atmet erlöst“, er hat dem Mercedes-Fahrer mit dieser Frage das gesagt, wonach er gesucht hatte, das diese widerwärtige Argumentation auslöschte und „ihm die Sprache verschlagen würde“. (S. 146) Für Michael Berg ist die Welt wieder in Ordnung und auch die ihn umgebende Natur hat etwas von ihrer alten Ordnung wieder, ist fast idyllisch.
Arbeit zitieren:
Henrik Schulte, 2001, Schlink, Bernhard - Der Vorleser - 14. Kapitel des 2. Teils, München, GRIN Verlag GmbH
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Jassi
Bemerkenswert.
Ich finde deine Interpretation sehr klar und logisch!! Zuerst hatte ich mit dem Abschnitt Probleme, aber jetzt!!!!
am Friday, May 10, 2002-