Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Was ist Synonymie? 4
3 Abgrenzung der Synonymie 5
3.1 Referenzidentität 5
3.2 Ambiguität 6
4 Synonymie als Teilungsprozess 6
5 Synonymie oder nicht Synonymie, das ist hier die Frage. 7
5.1 Konnotation und Denotation. 8
6 Gibt es überhaupt Synonymie? 9
6.1 Das Ökonomieprinzip 9
7 Andere Formen der Synonymie 10
7.1 Dialekte und Synonymie 10
7.2 Stil und Synonymie 11
7.3 Emotion/Bewertung und Synonymie. 11
7.4 Kollokation und Synonymie 12
7.5 Ähnlichkeit und Synonymie 12
7.6 Begriffliche Synonymie. 12
7.7 Syntaktische Synonymie 12
8 Synonymie in der deutschen Standartsprache 13
9 Das Problem der Bedeutungsgleichheit 13
10 Schlusswort 14
Bibliographie. 15
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1 Einleitung
Am Anfang stand die Frage, was Synonymie ist. Ich bin bei meiner Arbeit auf viele verschiedene Definitionen und Beschreibungen gestossen und trotzdem bleiben eine Reihe Fragen ungeklärt. Oft wird die Gleichheit der Bedeutung als Kriterium angegeben, aber wie kann man messen, ob sich die Bedeutung des Wortes oder des Satzes ändert? Und was ist damit gemeint, wenn der Wahrheitsgehalt eines Satzes bestehen bleiben soll? Was versteht man unter vollkommener Synonymie und welche andere Formen sind auch noch möglich? Auf welche Arten könnte diese Wortrelation beschrieben werden? Warum ist es so schwer absolute Synonyme zu finden? Und ist der Abendstern auch wirklich der Morgenstern? Im 2.Kapitel trage ich zusammen, wie die verschiedenen Autoren Synonymie beschreiben. Dann grenze ich den Begriff im nächsten Teil gegenüber leicht zu verwechselnden Formen ab (Kap.3). Das Kapitel 4 zeigt, dass Synonymie als ein Teilungsprozess verstanden werden kann. Des Weiteren gehe ich im Kapitel 5 auf die Begriffe der Konnotation und Denotation ein.
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MONIKA SCHWARZ/ JEANNETTE CHUR (1993:54)
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2 Was ist Synonymie?
Da ich in meiner Arbeit den Begriff der Synonymie nicht sprachphilosophisch untersuche, sondern mich aus linguistischer Sicht dem Begriff nähern möchte, habe ich mich als Erstes auf die Suche nach verschiedenen linguistischen Definitionen des Begriffs Synonymie gemacht. Das Studienbuch Linguistik bezeichnet Synonymie als eine paradigmatische Bedeutungsrelation und zwar die der Bedeutungsgleichheit.
Bei SCHWARZ (1993) wird der Begriff der Synonymie noch etwas differenzierter ausgeführt. Sie versteht darunter Bedeutungsgleichheit zwischen Wörtern, wobei verschiedene Wortformen dem gleichen Inhalt zugeordnet werden. Sie nennt zugleich ein Verfahren: „Wir können im Satz die Synonyme vertauschen, ohne dass sich am Sinn oder dem Wahrheitsgehalt des Satzes etwas ändert.“ (SCHWARZ 1993: 54) Dieser Test wird auch Substitution genannt, d.h. man ersetzt ein Wort durch ein anderes. Erst wenn die Wörter in all ihren Umgebungen austauschbar sind, herrscht vollkommene Synonymie. Bei GREWENDORF/HAMM/STERNFELD (1987) wird Synonymie folgendermassen definiert: „Zwei Ausdrücke sind synonym, falls sie sich nur in ihrer Laut- oder Schriftform, nicht dagegen in ihrer Bedeutung unterscheiden.“ GREWENDORF/HAMM/STERNEFELD(1987: 300) Bei PHILIPP (1998) finden wir Synonymie als Bedeutungsgleichheit bzw. bedeutungsähnliche Wörter beschrieben: „Wenn Synonyme in einer Aussage ausgetauscht werden, so ist das keine Kommutation, denn es entsteht dadurch keine Veränderung der Bedeutung. Signifiant (Signifié) und Referenz bleiben gleich, ausgetauscht wird nur der Signifikant (Signifiant). In ein und demselben Kontext werden beide Lexeme erwartet.“ PHILIPP (1998: 60) Und schliesslich habe ich bei ALLAN (1986) folgende Beschreibung entdeckt: „Synonymie is a special case of semantic implication, namely symmetrical implication.“ ALLAN (1986: 174) Unter symmetrischer Implikation versteht Allan, dass E1 E2 impliziert.
Durch Pfeile lässt sich das so darstellen: E1 → E2 und E1 ← E2. Allan zeigt diese Relation durch einen Doppelpfeil E1 ↔ E2. „Synonymie is a relation holding between propositions.“ Unter Propositionen versteht man der den Wahrheitswert bestimmende Kern der Bedeutung eines Satzes, wobei die spezifische syntaktische Form unberücksichtigt bleibt. ALLAN (1986: 176) Die Verneinung des Teils eines Synonympaares ist äquivalent zu der Verneinung des anderen Gliedes dieses Pärchens.
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Komponentialsemantisch ist Synonymie eine Sem-Identität, d. h. Gleichheit der semantischen Merkmale. Für die Wortfeldtheorie heisst das, die Wortbedeutungen im Wortfeld müssten sich völlig überdecken, oftmals gibt es aber nur eine partielle Überlappung. Um den Begriff genauer einzugrenzen müssen wir zuerst klären was nicht zur Synonymie gezählt werden kann.
3 Abgrenzung der Synonymie
Zwei leicht mit der Synonymie zu verwechselnde Bedeutungseigenschaften von Wörtern sind die Referenzidentität und die Ambiguität. Unterscheiden sich aber klar von der Synonymie.
3.1 Referenzidentität
Die Referenzidentität ist keinesfalls dasselbe wie Synonymie. Man muss hier klar unterscheiden. Synonymie ist als Bedeutungsrelation im mentalen Lexikon gespeichert, die Referenzidentität nicht. Z.B. Goethe und der Verfasser von Faust beziehen sich zwar auf die gleiche Person, haben aber verschiedene Bedeutungen. Ich kann auf ein und denselben Gegenstand oder Menschen mit ganz vielen verschiedenen Ausdrücken bezug nehmen. Z.B. kann ich Nachbars Hund, Waldi, Köter, Flohhaufen usw. sagen und ich beziehe mich immer auf das gleiche Tier. Die Wörter sind somit referenzidentisch nicht aber synonym. Frege hat mit seinem berühmten Beispiel Der Abendstern ist der Morgenstern auf diese Referenzidentität aufmerksam gemacht. Sowohl der Abendstern als auch der Morgenstern beziehen sich auf den gleichen Referenten nämlich die Venus. Trotzdem sind es keine Synonyme. Diese Propositionen sind genau aus diesem Grund keine Synonyme, da irgendein Objekt Morgenstern bzw. Abendstern heissen kann. Ich kann auch den Hund meiner Grossmutter Flohhaufen oder Köter nennen.
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3.2 Ambiguität
A: Was machst du wenn du im Dschungel eine Schlange siehst?
B: Ich stelle mich hinten an.
Dieser Witz hat nichts mit Synonymie, sondern mit Ambiguität (Mehrdeutigkeit) zu tun. Nach HURFORD/HEASLEY sind Token mehrdeutig, wenn sie zwei oder mehr Synonyme besitzen, die selbst nicht synonym zueinander sind. Während bei der Synonymie ein Inhalt an verschiedene Wortformen geknüpft ist, finden sich bei der Ambiguität mehrere Bedeutungen, die einer Wortform zugeordnet sind. Ambiguität äussert sich auf zwei Weisen, nämlich als lexikalische Mehrdeutigkeit und in struktureller Mehrdeutigkeit. Die lexikalische Ambiguität lässt sich noch in zwei weitere Formen unterteilen, in die Polysemie (Mehrfachbedeutung) und die Homonymie.
Jetzt wo diese Abgrenzung geschehen ist, wenden wir uns wieder dem Begriff Synonymie zu.
4 Synonymie als Teilungsprozess
signifiant Referent signifiant 2 Referent lexikalische Einheit Synonymie
PHILIPP (1998) arbeitet mit drei Begriffen, dem Signifié (Inhalt, Bedeutung) dem Signifiant (Lautform, Ausdruck, Bezeichnendes) und dem Referenten (aussersprachliches Objekt). Bei der Synonymie haben wir es mit Siamesischen Zwillingen zu tun. Es gibt zwei Signifiant, lexikalische Einträge, die miteinander verwachsen sind. Das kann ein Fremdwort oder Heteronym (Wort, das von einer anderen Wurzel gebildet ist, als das Wort mit dem es sachlich eng zusammengehört) sein oder es stammt aus einem anderen Sprachsystem, z.B. Bruder/frère. Mit derselben Bedeutung, also demselben Signifié und derselben Referenz ist das Wort in das lexikalische System des Deutschen aufgenommen worden. Das Synonym
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„knackt“ das Semantische Dreieck. Eine zusätzliche Bezeichnung verändert die Beziehung der Relation zwischen Signifié, Signifiant und Referent
PHILIPP (1998) betrachtet dazu die Wörter Aufzug, Fahrstuhl und Lift.
„Aufzug (DUW: `Vorrichtung zum Auf - bzw. Abwärtstransportieren von Personen oder Lasten`),
Fahrstuhl (DUW `Kabine eines Aufzugs bes. zur Beförderung von Personen`),
Lift (DUW `Aufzug`) Duden, Deutsches Universalwörterbuch,
Bibliografisches Institut, Mannheim, 1983, zitiert nach PHILLIPS (1998: 60)
Alle drei Wörter bezeichnen die gleiche Einrichtung, denselben Referenten. Innerhalb eines Sprachsystems kann es also drei Bezeichnungen für ein und dasselbe Objekt geben. Wenn in einem Sprachsystem viele Synonyme vorkommen wird das Zeichen und auch das Sprachsystem unscharf. (PALMER 1976)
5 Synonymie oder nicht Synonymie, das ist hier die Frage
Durch den Synonymie - Test, die Substitution, können wir die Frage klären, ob wir es hier mit Synonymie zu tun haben oder nicht. Ich kann somit testen, ob Streichholz und Zündholz Synonyme sind. Ich sollte beide Begriffe miteinander vertauschen können, ohne dass sich der Wahrheitsgehalt und die Bedeutung ändert. Bei dem Beispiel Zündholz/Streichholz funktioniert dieser Test ganz gut. Aber wie sieht es mit Wörtern wie Frau und Schlampe oder sterben und abkratzen aus? Sind das wirklich Synonyme? Irgendwie schon und irgendwie nicht. Die grosse Schwierigkeit bei dem Substitutionsverfahren ist die Ermessensfrage nach der Unveränderbarkeit der Bedeutung.
Eine andere Möglichkeit Synonyme herauszufinden sind Gegensatzpaare zu unterscheiden. Vielleicht könnte die Tatsache, dass zwei Wörter die gleichen Antonyme haben, ein Grund
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sein, sie als Synonyme zu betrachten. Aber Beispiele zeigen, dass wir wieder auf Wörter stossen, die in bestimmten Umgebungen austauschbar sind (PALMER 1976). Hier kommt ein weiterer Aspekt dazu, nämlich der der Umgebung auch Kollokation genannt. In mancher Kombination und Umgebung sind dick und gross Synonyme: das dicke Buch, das grosse Buch, *das dicke Haus, das grosse Haus. Der Unterschied zwischen diesen Wörtern scheint nicht in ihrer Bedeutung, sondern in ihren Kollokationsmöglichkeiten zu liegen. Sind sie nun echte Synonyme? Sie unterscheiden sich ja nur darin, dass sie in verschiedenen Wortumgebungen auftreten.
Bei GREWENDORF/HAMM /STERNEFELD (1987) findet man folgende Modifizierung. Kriterium für Synonymie: Zwei Wörter A und B sind synonym genau dann, wenn man in jedem
Kontext, in dem A vorkommt, an Stelle von A(B) B(A) setzen kann, ohne dass sich dadurch
inhaltlich etwas ändert. GREWENDORF/ HAMM / STERNFEFELD (1987: 300)
Somit sind Beerdingung und Bestattung nicht synonym, denn im Kontext Feuer lässt sich das Wort Bestattung nicht mit dem Wort Beerdigung vertauschen: Feuerbestattung, *Feuerbeerdigung. Dafür sind die beiden Kompositionen Beerdingungsunternehmen und Bestattungsunternehmen Synonyme. Wie sieht es nun aber mit Frau und Schlampe aus? Hier werden gerne die beiden Begriffe Konnotation und Denotation zur Erklärung herbeigezogen.
5.1 Konnotation und Denotation
Mit Denotation meint man den begrifflichen Kern der Sache und mit Konnotation eine meist negative Überlagerung des Kerns durch mehr Bedeutung. Frau und Schlampe haben mehr oder weniger die gleiche Bedeutung aber eine ganz verschiedene syntagmatische Verwendbarkeit. Somit kann ich sagen, Frau und Schlampe sind Synonyme, die sich nur durch ihre Konnotation unterscheiden, weil beim Wort Schlampe negative Bedeutungen dazukommen. Der Begriff der Konnotation bezieht sich auf emotive oder bewertende Bedeutung, die nicht auf sinnvolle Weise von der kognitiven Bedeutung unterschieden werden kann (PALMER 1976). Gemäss Palmer sind konnotative Unterschiede nichts anderes als stilistische oder dialektische Unterschiede. Das Problem der Bewertung oder der Wortänderung ist somit schwer zu fassen.
Von der Bedeutung und dem Sinn eines Zeichens ist die mit ihm verknüpfte Vorstellung zu
unterscheiden. Wenn die Bedeutung eines Zeichens ein sinnlich wahrnehmbarer Gegenstand ist, so
ist meine Vorstellung davon eine aus Erinnerung von Sinneseindrücken, die ich gehabt habe und
von Tätigkeiten, inneren sowohl wie äusseren, die ich ausgeübt habe, entstandenes inneres Bild.
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Dieses ist oft mit Gefühlen getränkt; die Deutlichkeit seiner einzelnen Teile ist verschieden und
schwach. GOTTLIEB FREGE (1892: INTERNET)
Sinn (Intension) wird hier als Aspekt des Zeicheninhalts verstanden, der sich aus der Relation der Wörter, Sätze usw. einer Sprache ergibt.
Die Bedeutung (Extension) meint die Aspekte des Zeicheninhalts, die sich aus der Relation zwischen den Zeichen und der Welt ergeben. Von Werten von Wortinhalten kann man nur sprechen, sobald man der Sprache eine konstitutive Rolle für das Denken zugesteht. Der Stellenwert eines Elements in einem Paradigma bedeutungsähnlicher Ausdrücke wird auch dadurch bestimmt, mit welchem Allgemeinheitsgrad das betreffende Element, die für das Paradigma gemeinsame Bedeutung ausdrückt, d.h. eigentlich von seiner Extension und Intension (PALMER 1976).
Es stellt sich nun die Frage: Gibt es eine Bedeutungsrelation, die wir als Synonymie bezeichnen können?
6. Gibt es überhaupt Synonymie?
Gibt es Synonymie? Bei dieser Frage ist die Definition des Begriffs Synonym entscheidend. Die meisten Autoren bezweifeln, dass es absolute, vollständige Synonymie gebe, oder zumindest höchst selten. Verantwortlich dafür ist das Ökonomieprinzip. Ich werde zuerst kurz dieses Prinzip der Ökonomie erläutern und dann genau untersuchen was für andere Formen der Synonymie möglich sind.
6.1 Das Ökonomieprinzip
Das Ökonomieprinzip besagt, dass Sprache tendenziell ihren kommunikativen Zweck so einfach wie möglich erfüllt. Wenn im mentalen Lexikon zwei völlig gleich bedeutende Zeichen gespeichert sind, ist das eine unnötige Belastung. Somit entsteht ein regelrechtes Synonymieverbot. Damit ist gemeint, dass dort, wo zum Ausdruck einer bestimmten Bedeutung ein Lexem in einer Sprache fest geworden ist, meistens sämtliche mögliche
Neubildungen, die auf dasselbe semantische Resultat führen, blockiert sind. Gut → *Gutheit → Güte
Trotzdem verfügen wir über einen reichen Wortschatz und das ermöglicht das Prinzip der grösstmöglichen Differenziertheit, das als Korrektur zum Ökonomieprinzip agiert. Dieses
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Prinzip besagt, dass eine Sprache zum Erfüllen ihres kommunikativen Zwecks eine maximale Fähigkeit der Realisierung verschiedener Bedeutungen anstrebt. Wo sich deshalb zwei Ausdrücke für die Bedeutung anbieten, wird dieser Luxus gewöhnlich nach dem Prinzip der Differenziertheit zur Differenzierung verwendet, d. h. Ausdrücke werden mit unterschiedlichen Bedeutungen oder Bedeutungsnuancen aufgeladen und damit verschieden verwendet.
7 Andere Formen der Synonymie
7.1 Dialekte und Synonymie
Einige Synonyme gehören zu verschiedenen Dialekten einer Sprache. Somit haben wir es eher mit Übersetzungsäquivalenten als mit Synonymen zu tun. Menschen, die verschiedene Formen von Sprachen sprechen, benützen auch ein unterschiedliches Vokabular. Wenn zwei Sprachsysteme aus irgendeinem Grund miteinander interferieren, können daraus Synonyme hervorgehen. Streichholz und Zündholz bezeichnen den gleichen Gegenstand und werden im deutschen Wörterbuch als Synonyme behandelt. Trotzdem benützen wir als Sprecher immer nur die eine Form, obwohl wir die zweite natürlich ebenso gut kennen. Es stellt sich nun heraus, dass es sich bei Streichholz/Zündholz um Raumsynonyme handelt. Es gibt geographische und regionale Unterschiede. Im süddeutschen Raum und der Schweiz wird ausschliesslich der Begriff Zündholz verwendet, im restlichen deutschsprachigen Raum spricht man von Streichholz. Sprachgeographisch unterscheidet man Synonymie von Heteronymie. Synonyme sind zwei Signifikanten für ein und denselben Begriff in ein und demselben Sprachsystem bzw. Idiom. Somit sind die Begriffe Streichholz und Zündholz Übersetzungsäquivalent, also Heteronyme und keine Synonyme. Da sie in zwei verschiedenen Sprachräumen gebraucht werden, gehören sie demnach zwei verschiedenen Sprachstrukturen an. 2 Es gibt noch mehr solche Synonyme wie Zündholz und Streichholz im heutigen Deutsch; z. B. Schreiner/Tischler, Sahne/Rahm, Brötchen/Semmel, Scheuerlappen/Putzlappen.
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„In einem Übergansgebiet im Donauraum werden Streichholz und Zündholz gleich häufig gebraucht, da sind es tatsächliche Synonyme“
(MARTHE PHILIPP 1998: 62).
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7.2 Stil und Synonymie
Probleme machen auch Wörter die in verschiedenen Stilen benutzt werden können, z. B. dahinscheiden, sterben, abkratzen. PALMER (1976) schlägt zwei Betrachtungsweisen vor. Entweder wir behandeln Stile wie Dialekte und sehen den Wechsel vom Stil als ein Wechsel von Sprache an. Somit zählt man stilistische Synonyme zu den dialektischen also zu den übersetzungsäquivalenten Wörter. Wenn man für die stilistischen Synonyme nun aber nicht einfach einen Sprachwechsel als Erklärung gelten lassen will, wird es schwierig. Der Stilwechsel sollte dann als semantischer Prozess angeschaut werden. Wenn ich den Stil wechsle, ändert vielleicht auch die Phonologie und die Syntax. Somit müsste der Stil als Ganzes untersucht werden. Es ist also einfacher stilistische Synonyme wie Dialekte zu behandeln.
Durch stilistische Synonyme wird eine besondere Färbung hervorgerufen (LÜHR 1986). Haupt Kopf Schädel Buch Schmöker Wälzer (gehoben) (neutral) (derb) (neutral) (salopp) (salopp)
7.3 Emotion/Bewertung und Synonymie
Manche Wörter unterscheiden sich nur in ihrer emotiven oder bewertenden Bedeutung. Ihre restliche kognitive Bedeutung bleibt gleich. Man kann emotive oder bewertende Bedeutung von der grundlegenden kognitiven Bedeutung trennen. Die Schwierigkeit liegt aber darin anzugeben, was genau die kognitive Bedeutung ist. Sie als Referenz, die sich auf physische Eigenschaften bezieht, zu definieren bringt wenig, weil in diesem Fall sehr viele Verben und Adjektive nur wenig oder gar keine kognitive Bedeutung hätten. Auch gibt es Wörter die nur zur Bewertung eingesetzt werden, so z. B. gut /schlecht, und trotzdem vermutet man nicht, dass sie keine kognitive Bedeutung haben. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass wir ja eigentlich ständig alle möglichen Urteile und Beurteilungen von uns geben. Wir reden von gut oder schlecht. Wir bewerten Grösse und sprechen von Riese, Zwerg, usw. und wir drücken mit diesen Wörtern eine Beurteilung aus. Die Bedeutung der Wörter bezieht sich nicht einfach auf objektive Tatsachen, ein grosser Teil der Bedeutung ist subjektiv und wir können kaum klar zwischen objektiver und subjektiver Bedeutung unterscheiden.
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7.4 Kollokation und Synonymie
Manche Wörter sind in ihrer Kollokation festgelegt, d. h. sie erscheinen nur in Verbindung
mit bestimmten anderen Wörtern, z. B. ranzig − Speck, Butter. Der Unterschied zwischen diesen Wörtern scheint nicht in ihrer Bedeutung zu liegen, sondern in ihren Kollokationsmöglichkeiten.
7.5 Ähnlichkeit und Synonymie
Manche Wörter haben eindeutig eine sehr ähnliche Bedeutung, oder ihre Bedeutungen überschneiden sich. Zwischen ihnen besteht also Synonymie im weiteren Sinne. Diese Art von Synonymie wird weitgehend von Wörterbuchautoren angewandt. Synonyme sind vor allem durch Wortentlehnungen (Übernahme von Wörtern aus anderen Sprachen) in unseren Wortschatz gelangt (SCHWARZ 1993). Es sind oft Fremdwörter oder Fremdsprachen die aufs Deutsche einwirkten, das heisst aber nicht, dass sämtliche Fremdwörter Synonyme eines deutschen Signifikanten sind. Neue, bisher unbekannte Begriffe oder Objekte werden mit der Bezeichnung entlehnt, z. B. Antenne, Tomate, Tabak, Tee. Hingegen Abordnung und Delegation, Gang und Korridor, Mohrrübe und Karotte, Fahrkarte und Billett, Fernsprecher und Telefon, Adresse und Anschrift sind solche Begriffe.
7.6 Begriffliche Synonymie
LÜHR (1986) differenziert noch einen weiteren Begriff der Synonymie. Wenn wir die Wörter Buch, Band, Foliant und Werk miteinander vergleichen, so bezeichnen sie alle den Begriff Buch. Die Gleichheit der Bedeutung bezieht sich aber nur auf den gemeinsamen begrifflichen Kern der Bedeutung, nicht auf den Gesamtumfang der Bedeutung. Ein Beispiel für begriffliche Synonymie sind Zoo und Tiergarten. Unter Zoo versteht man ein grosses Gelände, in dem viele exotische Tiere präsentiert werden. Bei Tiergarten ist zumeist ein kleiner Zoo gemeint.
7.7 Syntaktische Synonymie
Das meint, ein Sachverhalt wird auf zwei unterschiedliche Weisen ausgedrückt. Oft geschieht dies bei Aktiv−Passivkonstruktionen. Z.B. der Hund beisst den Mann. Der Mann wird vom
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Hund gebissen. Nun stellt sich natürlich auch hier wieder die Frage, ob beide Sätze genau das gleiche aussagen. Hat die Verschiebung der Perspektive nichts mit der Bedeutung zu tun? Wo treffen wir nun auf Synonyme und wie werden sie eingesetzt?
8 Synonymie in der deutschen Standartsprache
PHILIPP (1998) schreibt, dass in der Standartsprache die meisten Synonyme auftauchen, also nicht im Sprachsystem der einzelnen Sprecher. Er erklärt diese Häufigkeit in der Schriftsprache damit, dass auf dieser Ebene Synonyme eine wichtige stilistische Funktion erfüllen. Im guten Deutsch soll häufige und rasche Wortwiederholung im Satz bzw. im Text vermieden werden, anstatt dasselbe Wort zu wiederholen verwendet man Synonyme. Viele Fremdwörter gehören auch zu sogenannten Gelehrtensprachen oder Fachsprachen. Somit sind sie gar nicht in der lexikalischen Struktur der Alltagssprache eingegliedert, z. B. Exitus/Tod. Es zeigt wieder das Problem der Synonymie. Einerseits duldet das Ökonomieprinzip nicht die Doppelbesetzung eines Signifiés durch zwei Signifianten, anderseits scheuen wir im Text zu viele Wiederholungen.
9 Das Problem der Bedeutungsgleichheit
Für eine vollständige Synonymie müssen die Wörter nicht nur mit dem gleiche begrifflichen Kern ausgestattet sein, sondern auch die Nebenvorstellungen und die Gefühlswerte müssen übereinstimmen. So können wir davon ausgehen, dass reine Synonymie nicht existiert. Man findet sie höchstens bei Fachtermini in der Medizin.
Wie eng soll nun der Begriff der Synonymie gefasst werden? Synonymie bezieht sich nicht auf die Wortbedeutung per se, sondern auf die Bedeutung von Wörtern in Abhängigkeit von einer bestimmten Verwendung. So kann je nach Verwendung ein und dasselbe Wort völlig verschiedene Bedeutungen haben. Es kann sogar vorkommen, dass es in einem Kontext einen bestimmten Gegenstand bezeichnet und in einem anderen nichts, z. B: Sie feuerten die
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Strandhaubitze ab. Und er war voll wie eine Strandhaubitze.
Wie sieht das aber mit Eigennamen aus? Bedeutungen von Eigennamen sind durch eindeutige Beschreibung (Kennzeichnung) fixiert. So erscheint es schlüssig, dass Namen mit den
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DREWENDORF/HAMM/STERNEFELD (1989: 300)
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betreffenden Kennzeichnungen synonym sind. Aber sind Goethe und der Verfasser von Faust wirklich dasselbe? Denn selbst wenn man versucht Namen als Synonyme für Ansammlungen von Kennzeichnungen aufzufassen, gerät man immer wieder in Schwierigkeiten. Die Definition von Synonymie kann nach verschiedenen Massstäben geschehen. Je enger man den Begriff fasst, desto kleiner wird die Gruppe der möglichen Kandidaten. Wie auch immer man den Begriff definiert, ein paar bestimmte Eigenschaften sollte er haben. Es sollte gelten, dass wenn A synonym mit B ist, dann auch B synonym mit A ist; d. h. Synonymie sollte eine symmetrische Relation sein.
Es sollte weiter gelten, falls A synonym mit B und B synonym mit C ist, so sollte A synonym mit C sein; d. h. Synonymie soll transitiv sein.
Man könnte auch versuchen mit Hilfe der Hyponymie eine Definition zu finden. A ist synonym mit B genau dann, wenn A ein Hyponym von b und b ein Hyponym von A ist (GREWENDORF/HAMM/STERNEFELD 1989).
10 Schlusswort
Therefore you clown, abandon − which is in the vulgar „leave“ − the society − which in the boorish is „company“ − of this female − which in the common is „woman“. Which together is: abandon the society of this female, or, clown, thou perishest! Or, to thy better understanding, diest!
O, to wit, I kill thee! Make thee away! Translate thy life into death! 4 Diese Arbeit gibt einen kleinen Überblick über die Relation, die von vielen Autoren als schwierigste und zugleich wichtigste semantische bezeichnet wird: die Synonymie. Es gibt im Deutschen wie auch in anderen Sprachen viele Ausdrücke, die mehr oder weniger gleich sind, wir verwenden sie aber in verschiedenen Dialekten, Variationen oder Stilen der Sprache. Ob wir sie synonym nennen, hängt von der Definition des Begriffs ab. Weiterführend zu untersuchen wäre sicherlich noch das Zusammenspiel des Ökonomie- und Differenzierungsprinzips, und wie sinnvoll es ist mit dem Begriffspaar Denotation und Konnotation zu arbeiten.
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William Shakespeare nach KEITH ALLAN (1986: 178)
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Bibliographie
Allan, Keith: Linguistic Meaning. Routledge & Kegan Paul: London 1986.
Gottlieb, Frege: Über Sinn und Bedeutung. 1892: Internet.
Grewendorf, Günther / Hamm, Fritz / Sternefeld, Wolfgang: Sprachliches Wissen. Suhrkamp: Frankfurt am Main 1995.
Harro, Gross: Einführung in die germanistische Linguistik. Iudicum - Verlag: München 1988. Hasler, Gerda: Der semantische Wertbegriff. Akad - Verlag: Berlin 1991. Linke, Angelika / Nussbaumer, Markus / Portmann, Paul R.: Studienbuch Linguistik. Max Niemeyer: Tübingen 1996.
Lühr, Rosemarie: Neuhochdeutsch: Eine Einführung in die Sprachwissenschaft. Willhelm
Fink Verlag: München 1986 5
Palmer, Frank: Semantik: Eine Einführung. Beck: München 1977 (1.Aufl.). Philipp, Marthe: Semantik des Deutschen. Weidler Buchverlag: Berlin 1998. Schwarz, Monika / Chur, Jeanette: Semantik: Ein Arbeitsbuch. Narr: Tübingen 1993. Teuwsen, Rudolf: Familienähnlichkeit und Analogie. Alber: München 1988.
Arbeit zitieren:
Sibylle Jüttner, 2001, Synonymie, München, GRIN Verlag GmbH
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