Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Anlass und Problem der Arbeit 1
1.2. Fragestellung 2
1.3. Zur Materialabgrenzung 3
1.4. Zur Methode 3
1.5. Zum Aufbau 4
1.6. Angrenzende Problematiken, die hier nicht behandelt werden 5
2. Prüfungsängstlichkeit als Angststörung 7
2.1. Definition des Begriffs Angststörung 7
2.2. Klassifikation verschiedener Angststörungen 9
2.2.1. Agoraphobie 9
2.2.2. Soziale Phobien 11
2.2.3. Generalisierte Angststörung 12
2.2.4. Panikstörungen 13
2.2.5. Prüfungsängstlichkeit 15
2.3. Lerntheoretische Ansätze zur Entstehung von
Pr üfungsängstlichkeit 17
2.3.1. Die Psychoanalyse 17
2.3.2. Kognitions- und handlungstheoretische Ansätze 19
2.3.3. Reiz - Reaktionstheorien 24
2.3.4. Theorien zum Verhältnis von Prüfungsängstlichkeit und Leistung 29
2.4. Der neurobiologische Ansatz zur Entstehung von
Pr üfungsängstlichkeit 36
2.4.1. Die Stressreaktion des Körpers 36
2.5. Zusammenfassung 43
3. Angstbehandlungs- und Bewältigungsstrategien bei Prüfungsängstlichkeit 45
3.1. Therapeutenzentrierte Behandlungsmethoden 46 3.1.1 Verhaltenstherapie 46 3.1.1.1. Entstehungsgeschichte 46 3.1.1.2. Methodik 47 3.1.1.3. Indikation 53 3.1.1.4. Lerntheoretische Begründung für den Einsatz bei Prüfungsangst 54 3.1.1.5. Überprüfung der Wirksamkeit 54 3.1.2. Neurolinguistisches Programmieren 56 3.1.2.1. Entstehungsgeschichte 56 3.1.2.2. Methodik 57 3.1.2.3. Indikation 61 3.1.2.4. Lerntheoretische Begründung für den Einsatz bei Prüfungsangst 62 3.1.2.5. Überprüfung der Wirksamkeit 63 3.1.3. Lernstrategietraining 64 3.1.3.1. Entstehungsgeschichte 64 3.1.3.2. Methodik 65 3.1.3.3. Indikation 74 3.1.3.4. Lerntheoretische Begründung für den Einsatz bei Prüfungsangst 74 3.1.3.5. Überprüfung der Wirksamkeit 75
3.2. Behandlungsmethoden mit Verwendungsmöglichkeit in der Selbsttherapie 77 3.2.1 Progressive Muskelentspannung 77 3.2.1.1. Entstehungsgeschichte 77 3.2.1.2. Methodik 77 3.2.1.3. Indikation 78 3.2.1.4. Lerntheoretische Begründung für den Einsatz bei Prüfungsangst 79 3.2.1.5. Überprüfung der Wirksamkeit 80 3.2.2. Autogenes Training 81
3.2.2.1. Entstehungsgeschichte 81 3.2.2.2. Methodik 82 3.2.2.3. Indikation 84 3.2.2.4. Lerntheoretische Begründung für den Einsatz bei Prüfungsangst 86 3.2.2.5. Überprüfung der Wirksamkeit 86 3.2.3. Klinische Hypnose und Selbsthypnose 88 3.2.3.1. Entstehungsgeschichte 88 3.2.3.2. Methodik 90 3.2.3.3. Indikation 92 3.2.3.4. Lerntheoretische Begründung für den Einsatz bei Prüfungsangst 93 3.2.3.5. Überprüfung der Wirksamkeit 94 3.3 Zusammenfassung 95
4. Umsetzungsmöglichkeiten der Therapiemethoden in die pädagogische Praxis am Beispiel von Schulen 99
4.1. Verhaltenstherapie 99 4.2. Neurolinguistisches Programmieren 99 4.3. Lernstrategietraining 100 4.4. Progressive Muskelentspannung 101 4.5. Autogenes Training 102 4.6. Klinische Hypnose und Selbsthypnose 103
5. Schlussbemerkung 105
Anhang
A Einflussgrößen der retrospektiven Bewertung des Prüfungsprozesses aus der Sicht des Prüflings
B Determinanten der, vom Prüfling genannten, Häufigkeiten des Auftretens von Besorgniskognitionen
C Generelle Angsteinschätzung bei Kindern
D Fragebogen zur Messung von überdauernden stressbezogenen Kognitionen und einer Beeinträchtigung aufgabenbezogenen Denkens
E Fragebogen für die Entwicklung von Primär- und Stützstrategien des Lernstrategietrainings nach K. Küpfer 1) Fragebogen zur Messung von Primärstrategien 2) Fragebogen zur Messung von Stützstrategien
F Unterlagen für die Strategien zur Lösung emotionaler Probleme in Prüfungen (Arbeitsunterlagen für die Verhaltenstherapie)
G Fragebogen zur Messung von Prüfungsängstlichkeit und Prüfungsangstkognitionen
H Fallbeispiel Pantomime / Rollenspiel
1. Inhaltliche und methodische Einführung
1.1. Anlass für eine Arbeit zum Thema "Bewältigungsmöglichkeiten von Prüfungsängstlichkeit"
Angst vor einer bevorstehenden Prüfung, sei es im schulischen, im sportlichen oder in jedem anderen leistungsfordernden Bereich eines Menschen, kennt jeder - zumindest in Ansätzen. Der Grad der Ausprägung mag unterschiedlich sein, jedoch das Gefühl der Nervosität, die erhöhte Aktivität des Organismus und der spürbare Verlust der Konzentrationsfähigkeit kurz bevor die Prüfung beginnt, mag bei jedem Menschen gleich anmuten.
Versetzen Sie sich in die Lage eines Prüflings: stellen Sie sich vor, Sie stehen kurz, etwa 30 Minuten, vor einer wichtigen Prüfung, die darüber entscheiden wird, ob Sie ihre Ausbildung abschließen werden oder nicht. Sie haben gut gelernt, das ist keine Frage. Sie kennen die Prüfer, aber Sie wissen nicht, ob sie sich heute anders verhalten werden, ob sie gut gelaunt sind oder ob Sie sich nicht auf ihr Wohlwollen verlassen können.
Sie haben nur noch einen Gedanken: "Hoffentlich schaffe ich es!". Die Nervosität steigt - nur noch 10 Minuten. Die Gedanken beginnen zu fliegen - Sie stellen sich vor, was gleich geschehen könnte: Sie betreten den Raum, die Prüfer mustern Sie (alleine das steigert schon die Nervosität!), Sie setzen sich und dann - können Sie sich an nichts mehr erinnern.... Eine Panikwelle steigt in Ihnen auf. Der absolute Horror eines Prüflings könnte ausgerechnet Ihnen passieren - ein vollkommener Blackout! Die Angst kriecht Ihnen bei dieser V orstellung den Nacken hoch, Sie bekommen Bauchschmerzen, die Gedanken überschlagen sich, die Hände werden feucht, das Herz rast.
Die Tür geht auf, und Sie werden in den Prüfungsraum gerufen... In diesem Augenblick sollte dem Prüfling nur noch ein Gedanke durch den Kopf gehen: Ich entspanne mich, ich werde ganz ruhig.
Im Idealfall wird diese Suggestion sofortige Wirkung zeigen, aber wie man aus der alltäglichen Praxis an Schulen und Hochschulen weiß, ist diese Methode meist nicht von Erfolg gekrönt.
Da, wie in dem eben geschilderten Fall der Entwicklung von Prüfungsangst, oft keine konkrete Möglichkeit der Gegenregulierung beim einzelnen "Subjekt" vorhanden zu sein
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scheint, ist es Thema dieser Arbeit, dem Leser Möglichkeiten zur Bewältigung der Prüfungsangst in konkreten Situationen aufzuzeigen. Außerdem werden Ansätze zur therapeutischen Behandlung bei "chronischer" Prüfungsangst (Prüfungsängstlichkeit) vorgestellt, die sich im Hinblick auf die Einbindung in die pädagogische Praxis als relevant erweisen. Diese Behandlungsmöglichkeiten werden auch auf ihre Verwendbarkeit in der Selbsttherapie hin untersucht. Als wichtig stuft die Autorin dieser Arbeit das Aufzeigen und Erlernen von Bewältigungsstrategien gegen Angst schon in frühen, Leistungssituationen ein, da die gesamtgesellschaftlichen Veränderungen, speziell im Hinblick auf die Entwicklungen in der Arbeitsmarktpolitik (vgl. Wettbewerbskriterien der Wirtschaft, Arbeitslosenzahlen, die neuesten Untersuchungen bezüglich des deutschen Schulsystems, etc), eine Selektionsmöglichkeit bei "generell ängstlicheren Menschen" erkennen lässt. Um dem entgegenwirken zu können, hält die Autorin es für prinzipiell wichtig, über individuelle Stressregulierungsmöglichkeiten zu verfügen. Diese können sich nicht nur auf Leistungssituationen günstig auswirken, sondern ermöglichen insgesamt einen positiven Einfluss auf die Persönlichkeit des Individuums.
1.2. Fragestellung
Die Hauptfrage dieser Arbeit lautet: Welche Behandlungs-und
Bewältigungsstrategien existieren bei der Therapie von Prüfungsängstlichkeit ? Hieraus ergeben sich folgende differenzierende Fragestellungen:
Inwiefern lassen sich die vorgestellten Methoden in der Eigentherapie im konkreten Situationsfall anwenden? Welche Methoden sollen nur in Zusammenarbeit mit einem Therapeuten praktiziert werden? Lassen sich die vorgestellten Methoden anhand der lerntheoretischen und neurobiologischen Ansätze zur Entstehung von
Prüfungsängstlichkeit auf ihre Wirksamkeit überprüfen? Ist eine Kombination verschiedener Bewältigungsmethoden möglich? Und wenn ja, wann? Inwiefern lassen sich die vorgestellten Behandlungs- und Bewältigungsmethoden in der pädagogischen Praxis an Schulen integrieren? Diese Arbeit geht auf die obigen Fragestellungen auf der Basis des gewählten Untersuchungsschwerpunktes „prüfungsängstliche Kinder und junge Erwachsene im Schulalter (6-18 Jahre)“ein.
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1.3. Zur Materialabgrenzung
In dieser Literaturarbeit wurde zur Einführung in die jeweiligen Therapiemethoden neben einigen populärwissenschaftlichen Werken hauptsächlich Primär- und Sekundärliteratur von experimentellen Untersuchungen und den daraus entwickelten theoretischen Abhandlungen für eine Erklärung zur Entstehung von
Prüfungsängstlichkeit, sowie für die ausführliche Stud ie der Therapiemethoden, verwendet.
Beim Internetstudium entdeckte die Autorin regulär zugängliche Dissertationen zu den verschiedenen Therapiemethoden im Hinblick auf ihre Verwendung bei Prüfungsängstlichkeit, die erst in jüngster Zeit veröffentlicht wurden. Die Dissertationen sind meist experimenteller und empirischer Natur und geben interessante Hinweise für die Wirksamkeit der verwendeten Methode bei Prüfungsängstlichkeit. Aus diesem Grund sind einige Ergebnisse dieser Arbeiten auch in Kapitel 3 dieser Arbeit wiederzufinden.
1.4. Zur Methode
Da das Ziel dieser Arbeit die Darstellung und Untersuchung von wirksamen Bewältigungsmethoden für Prüfungsängstliche ist, wird zwangsläufig von einer selbstständigen empirischen Untersuchung abgesehen und stattdessen eine Untersuchung und Sortierung der bereits vorhandenen wissenschaftlichen Literatur vorgenommen. Es war der Autorin in der Kürze der Zeit nicht möglich, alle vorhandene Literatur zu sichten. Sie möchte sich an dieser Stelle entschuldigen, wenn dem Leser weitere Literaturquellen bekannt sind, diese aber nicht erwähnt werden. Die Autorin erhebt bei der von ihr erwähnten Literatur in dieser Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Ein mögliches Problem kann bei der Verwendung des Begriffs der Wirksamkeitsforschung entstehen. Die Frage, ab wann die Wirksamkeit einer Methode qualitativ und quantitativ bewiesen ist, ist in der gängigen Literatur nicht umfassend beantwortet (vgl, Grawe, 1994, und Revenstorf, 1983). Im Laufe der Arbeit stellte sich der Autorin unter anderem die Frage, ob eine Methode als wirksam gesichert ist, wenn hierzu „nur“ bis zu 5 Forschungsarbeiten existieren. Zu diesem Problem fand sich im deutschen Sprachraum lediglich eine Aussage. Der Wissenschaftliche Beirat für Psychotherapie äußert sich folgendermaßen: „Der Wirkungsnachweis für einen
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Anwendungsbereich kann in der Regel dann als gegeben gelten, wenn in mindestens drei unabhängigen, methodisch adäquaten Studien die Wirksamkeit für Störungen aus diesem Bereich nachgewiesen ist.“ (Anwendungsbereiche von Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen, Ergänzungsschreiben zu einem Artikel im deutschen Ärzteblatt 1 / 2000, S. 59).
Diese Aussage ähnelt den Bestimmungen der American Psychological Association zu diesem Thema.
In Kapitel 5 (in der Zusammenfassung) erfolgt unter anderem ein Exkurs zum Thema Therapieforschung (Effektivitätsforschung und Weiterentwicklung). Zum einen, um den Leser in das Themengebiet einzuführen und zum anderen, weil sich das Thema als sehr relevant für die Überprüfung der einzelnen Methoden zum Thema Prüfungsängstlichkeit erwiesen hat. Leider müssen viele Fragen unbeantwortet bleiben, da sonst der Rahmen der Arbeit gesprengt würde (siehe Kapitel 1.6.).
1.5. Zum Aufbau
Vor dem eigentlichen Hauptteil soll zunächst der Begriff Prüfungsängstlichkeit dem Leser vorgestellt werden. Hier wird gezeigt, wie er ihn einzuordnen hat, wie der Begriff im Allgemeinen definiert wird und, wie er aus der medizinisch-psychologischen Perspektive abzugrenzen und einzugliedern ist.
Des Weiteren sollen verschiedene lerntheoretische (z. B. die Psychoanalyse, Reiz-Reaktionstheorien, das klassische Konditionieren nach Pawlow) und neurobiologische (die Stressreaktion des Körpers, die Entstehung von Angstprozessen im Gehirn) Forschungsansätze dem Leser die Möglichkeit bieten, sich einen Einblick in die Entstehung der Prüfungsängstlichkeit zu verschaffen.
Wie bereits erwähnt, soll von der Vollständigkeit der hier vorgestellten Ansätze abgesehen werden. Es wurden nur diejenigen ausgewählt, welche zur Klärung der eingangs beschriebenen Fragestellungen dienen.
Im darauf folgenden Kapitel (Kapitel 3) werden zwei Kategorien der Bewältigungs- und Behandlungsmethoden vorgestellt: die erste beinhaltet vorwiegend Methoden, welche auch geeignet sind, selbständig und ohne Aufsicht des Therapeuten angewandt zu werden. Hierzu gehören das Autogene Training, die Progressive Muskelentspannung und die Selbsthypnose.
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Die zweite Kategorie beinhaltet Methoden, welche nicht ohne die Anwesenheit eines Therapeuten oder Kursleiters durchgeführt werden können oder durchgeführt werden sollten. Hierzu zählen die Verhaltenstherapie, Stütz- und Primärstrategien nach Küpfer und das Neurolinguistische Programmieren.
Die vorgestellten Methoden werden kritisch nach deren Entwicklung aus den in Kapitel 2 erläuterten lerntheoretischen Ansätzen hin untersucht. Dies dient nicht nur als Grundlage für die Beweisführung eines möglichen Erfolgs der Methode bei der Behandlung von Prüfungsängstlichkeit (siehe Wirksamkeitsforschung), sondern soll einen direkten Bezug zur pädagogischen Praxis ermöglichen.
Außerdem soll geklärt werden, ob aufgrund der medizinisch-psychologischen Indikation eine Kombination der Behandlungsmethoden sinnvoll sein kann.
Kapitel 2 und 3 werden zum besseren Verständnis des Lesers durch eine Zusammenfassung abgeschlossen.
Kapitel 4 versucht, die gewonnenen Erkenntnisse aus den Kapiteln 2 und 3 zusammenzufassen. Anhand der Erkenntnisse soll überprüft werden, wie sich die Therapiemethoden in die pädagogische Praxis von Schulen und anderen Institutionen integrieren lassen.
Eine allgemeine Zusammenfassung der gesamten Arbeit in Kapitel 5 soll dem Leser die Möglichkeit bieten, alle gewonnenen Erkenntnisse noch einmal zu reflektieren. Außerdem erfolgt ein Ausblick auf mögliche Anwendungsbereiche der vorgestellten Methoden aus der Sicht der Autorin, ein kurzer Einblick in weitere Behandlungsmethoden und ein Exkurs in das Gebiet der Wirksamkeitsforschung und in das Problem professioneller Behandlung und Laientherapie.
1.6. Angrenzende Problematiken, die hier nicht behandelt werden
Problematiken sind in diesem Fall Themengebiete, die mit dem Feld der Behandlungsmöglichkeiten von Prüfungsängstlichkeit in engem Kontakt stehen, aber deshalb nicht in dieser Arbeit behandelt werden, da sie die von der Autorin gesteckten Grenzen überschreiten würden. Zu diesen Themengebieten zählen
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1. die Prüfungsangstdisposition des Prüfers (Leidet der Prüfer unter Prüfungsängstlichkeit? Wie geht der Prüfer mit der Prüfungssituation und seiner eigenen Prüfungsangst um? Welche Wechselwirkung entsteht dadurch im Verhalten zum Prüfling? Prüfer können z.B. unter der Angst leiden, von Prüfungsbeisitzern als schlechte Prüfer beurteilt zu werden.) 2. die allgemeinen Unterschiede in der Ausprägung der unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen von Menschen (Welche Unterschiede existieren? Welche Untersuchungen sind in der Persönlichkeitspsychologie gemacht worden? Welche Konsequenzen haben diese Unterschiede auf die Entwicklung von Behandlungsme thoden und Bewältigungsstrategien?) 3. interkulturelle Unterschiede in der Ausprägung von Prüfungsängstlichkeit (Unterschiede in der Sozialisation von Kindern, unterschiedliche Wertecharakteristika in den verschiedenen Kulturen, etc.) 4. die Wirksamkeitsforschung (Entstehungsgeschichte, Problematik der Quantität von Wirksamkeitsuntersuchungen, etc.).
5. die ausführliche Beschreibung der Kombinierbarkeit der verschiedenen Methoden und deren unterschiedliche Wirksamkeit im Gegensatz zu der Verwendung der Methoden als eigenständige Therapie (Diesem Thema wird zwar ein kurzer Abschnitt in der Zusammenfassung von Kapitel 3 gewidmet, jedoch nur um die Kombinierbarkeit anhand der Entwicklung, Methodik und Entstehungsgeschichte zu beweisen. Eine Überprüfung der Studien zur Wirksamkeit von Kombitherapien würde den Rahmen der Arbeit sprengen.).
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2. Prüfungsängstlichkeit - eine Subkategorie der allgemeinen Angststörung
2.1. Definition des Begriffs Angststörung
Angst wird im Allgemeinen als beklemmender und quälender Gefühlszustand beschrieben, der als Reaktion auf eine vermeintliche oder tatsächliche Bedrohung folgt (Brockhaus-Enzyklopädie, 1995, S. 36)
Die Angst ist dabei von körperlichen Symptomen begleitet, die durch das vegetative Nervensystem beeinflusst werden. Hierzu zählen beispielsweise Unruhe, Erregung, Herzklopfen, Schweißausbrüche, Bewusstseinsstörungen und Schwindel.
Sigmund Freuds wissenschaftliche Abhandlungen über das Thema Angst gehören zu den ersten bekannten Veröffentlichungen in diesem noch relativ jungen Forschungsgebiet. Freud definiert Angst als „bestimmter situationsverändernder, intraindividuell variierender affektiver Zustand des Organismus“, welcher „durch erhöhte Aktivität des autonomen Nervensystems sowie durch die Selbstwahrnehmung von Erregung, das Gefühl von Angespanntsein, ein Erlebnis des Bedrohtwerdens und verstärkte Besorgnis gekennzeichnet ist“ (Krohne, H. W.; 1996, S. 8).
Freud erkannte erstmals den Unterschied zwischen einer „berechtigten“ und einer „unberechtigten“ Angst. Er unt erstellte der „unberechtigten“ Angst eine krankhafte Ausprägung (Unkontrollierbarkeit und Unvorhersehbarkeit in ihrem Auftreten) und ordnete sie der Kategorie der Neurosen zu (vgl. Freud, S.; 1923). In seinem 1895 veröffentlichen Artikel „Über die Berechtigung von der Neurasthenie einen bestimmten Symptomenkomplex als Angstneurose abzutrennen“ definiert Freud erstmals in der Geschichte der Wissenschaft die „Klinische Symptomatologie der Angstneurose“. Hierzu zählt er die oben genannten Symptome. Besonderes Gewicht legt Freud auf das Erscheinen des Schwindels, die erhöhte Darmtätigkeit inklusive kurzfristiger Darmerkrankungen (z.B. Diarrhöen, Erbrechen) und vor allem auf den Unterschied (bei Untersuchungen von Angsterscheinungen) zwischen einer aktuellen, vorübergehenden Angst- Emotion und der Angst als Persönlichkeitsmerkmal.
Die aktuelle Angstemotion wird in neueren Ansätzen der Angstforschung als „intraindividuell (innerhalb eines Individuums) variierender affektiver Zustand (state)
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des Organismus verstanden, der durch spezifische Ausprägungen auf physiologischen, verhaltensmäßig-expressiven und subjektiven Parametern gekennzeichnet ist“ (Krohne, H. W., 1996, S. 5)
Die Angst entsteht in diesem Fall durch spezifische Erregungsprozesse, die durch das autonome Nervensystem gesteuert werden und durch individuell verschiedene Regulationsprozesse wieder abgebaut werden können. Die kognitiven Reaktionen des Erregungsprozesses werden im Allgemeinen schneller ausgelöst als die physiologischen Reaktionen (vgl. Epstein, S., 1962 / Lacey, J. I., 1959). Anders formuliert bedeutet dies, dass - neben der erhöhten Aktivität des autonomen Nervensystems - die kognitiven Prozesse der Selbstbewertung und -wahrnehmung sowie der Situationsbewertung aktuelle Angstemotionen entstehen lassen.
Bei der Verwendung der Angst als Persönlichkeitsmerkmal spricht man in der Angstforschung von dem Begriff „Ängstlichkeit“. Nach Ansicht von Spielberger (1972) erleben prinzipiell ängstliche Menschen manche Situationen (Prüfungssituationen, etc.) als bedrohlicher und reagieren physiologisch stärker als generell „nichtängstliche“ Personen. Spielberger nennt das Persönlichkeitsmerkmal "Angst" in seinen Arbeiten "trait“.
Im ICD - 10 (Internationale statistische Klassifikation von Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) wird eine ängstliche Persönlichkeit folgendermaßen beschrieben: ängstliche Personen weisen ein ständiges Gefühl der Anspannung und Besorgtheit auf, sie sind überzeugt davon, unattraktiv, unbeholfen und minderwertig zu sein, sie fürchten sich fortwährend vor Kritik und Zurückweisung und vermeiden dadurch persönliche Kontakte, sie führen einen eingeschränkten Lebensstil, um ihr Bedürfnis nach Sicherheit befriedigen zu können (vgl. Dilling et al., 1993). Diese Definition des ICD - 10 entspricht den diagnostischen Kriterien des DSM-IV (Diagnostik and Statistical Manual of Mental Disorders) für eine „vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung“. Der Begriff Ängstlichkeit wird in dieser Arbeit nach den Definitionen von Spielbergers „State - Trait - Angstmodell“ (vgl. Spielberger, C. D., 1972) verwendet. Wie im Titelthema dieser Arbeit formuliert, richtet diese Untersuchung ihr Augenmerk nur auf Angst als Persönlichkeitsmerkmal, wobei im Besonderen die Prüfungsangst fokussiert wird.
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2.2 Klassifikation und Abgrenzung verschiedener Angststörungen gegenüber der Prüfungsängstlichkeit
In Zuge der Suche nach einer einheitlichen Klassifizierung unterschiedlicher Angstausprägungen kam es zu einer internationalen Kompromisslösung. 1990 wurde erstmals das neue Diagnoseschema ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO), an dem 140 Mitgliedsstaaten beteiligt waren, herausgegeben. Entwickelt nach den Schemata der US-amerikanischen Forschung und in Anlehnung an das in Amerika entwickelte D SM-IV, gelang jedoch nicht die empirisch- forschungsbezogene Fundierung der psychiatrischen Diagnostik, wie es dem amerikanischen Diagnoseschema zu entnehmen ist.
Das ICD-10 unterteilt Angststörungen in zwei Gruppen: die phobischen Störungen und „sonstige“ Angststörungen.
Phobische Störungen werden in drei große Gruppen untergliedert: die Agoraphobie (ohne und mit Panikstörung), soziale Phobien und spezifische (isolierte) Phobien. Unter „sonstige“ Phobien fallen die aus der Zeit von Sigmund Freud stammenden Differenzierungen in eine generalisierte Angststörung und eine Panikstörung. Anders als die Phobien sind Angststörungen nicht auf bestimmte Umgebungssituationen begrenzt. Phobien und „sonstige“ Angststörungen können, gemäß ICD-10, auch in mehrfacher Kombination miteinander diagnostiziert werden (z.B. Panikstörung mit Agoraphobie oder ohne, Agoraphobie ohne Panikstörung, soziale Phobie mit Agoraphobie, etc.).
An dieser Stelle werden einige phobische Störungen und sonstige Angststörungen näher vorgestellt, respektive ein- und voneinander abgegrenzt.
2.2.1. Agoraphobie
Der Begriff der Phobie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Furcht“. Phobien werden von der Wissenschaft in fünf Bereiche unterteilt. Sie entstehen aus Befürchtungen
1. bezüglich spezifischer Orte und Naturereignisse (Höhen, Abgründe, geschlossene Räume, Dunkelheit, Gewitter, etc.)
2. bezüglich spezifischer Situationen und Tätigkeiten (Angst vorm Auto fahren, vor Menschenmengen, Schlangen an Kaufhauskassen, Flugangst, auf Partys gehen, alleine aus dem Haus gehen, etc.)
3. bezüglich bestimmter Tiere (Mäuse, Ratten, Schlangen, Spinnen, Insekten, etc.)
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4. bezüglich spezifischer Krankheitserreger und Krankheiten (Bakterien, Viren, Schmutz, Herz-Kreislauf-Störungen, Krebs, Blut, Zahnarztbesuche, etc.) und 5. bezüglich bestimmter Körpersymptome, die auf Krankheiten hindeuten können. (erhöhter Puls, Atembeschwerden, Schwitzen, Schwindelgefühl, Magenschmerzen, etc.) (Lückert, H.-R./Lückert, I., 2000, S. 121).
Aus der Therapieforschung geht hervor, bei Phobikern sei immer wieder festzustellen, dass vorausgegangene Unsicherheiten und Minderwertigkeitsgefühle die Entstehung und Manifestierung von Phobien maßgeblich beeinflussen. Situationen, die das ohnehin lädierte Selbstwertgefühl verringern könnten, werden bedrohlicher eingestuft als von Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl (Mentzos, 1984).
Der Agoraphobiker hat, wie das griechische Wort „agora“ (Marktplatz) besagt, Angst, über Plätze zu gehen, Läden, Kaufhäuser und Bürogebäude zu betreten, sich an Orten mit geschlossenen Fenstern aufzuhalten, etc.. Demzufolge werden alle Örtlichkeiten gemieden, welche eine angstauslösende Situation forcieren könnten. Charakteristisch ist, dass die phobisch besetzten Orte alle außerhalb des eigenen Wohnbereichs liegen. Das Persönlichkeitsprofil zeichnet sich folgendermaßen ab: Agoraphobiker sind erhöht sensitiv und verfügen nicht über entsprechende intrapsychische Verarbeitungsmöglichkeiten, um mit belastenden Situationen (Stress, Prüfungssituationen, Anforderungen im Beruf) umgehen zu können. Sie reagieren intensiver als andere Menschen auf äußere und innere Reize, was die Stressanfälligkeit noch erhöht.
Agoraphobien können außerdem mit oder ohne Panikstörungen (den „sonstigen“ Angststörungen zugeordnet) auftreten. Die Häufigkeit von Panikattacken ist allerdings nicht linear zu den phobischen Angstzuständen zu sehen, sondern unterliegt dem allgemeinen Gesundheitszustand des Individuums und dessen Tagesfaςon. Die Schwankungen entstehen aufgrund v on Unsicherheit, Unvorhersagbarkeit und dem Hilflosigkeitsgefühl der Patienten.
Bei Agoraphobikern sind meist zwei Arten von Ängsten anzutreffen: Der Patient hat Angst vor Panikattacken oder einer panikartigen Symptomatik. Ausgelöst wird die Angst durch das Auftreten einer Panikattacke bei Beginn der Phobie. Die Angst vor Orten wird zusätzlich mit der Erfahrung der symptomatischen Reaktion des Körpers gekoppelt. Diese negative Erwartungshaltung führt zu wiederholten Attacken, welche die phobischen Ängste verstärken. Der Patient vermeidet zunehmend
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Örtlichkeiten, die ihm keinen, wie auch immer gearteten, Schutz bieten, wie z. B. eine Mauer, Vertrauenspersonen, das eigene Auto, etc..
Auf der anderen Seite verstärkt sich durch die Symptomatik der Panikattacke die Angst vor sozialer Auffälligkeit. Der Phobiker unterliegt dem Irrglauben, andere könnten seine Furcht, den Schweiß, das Zittern und Herzrasen erahnen und tendiert somit, als Vermeidungsverhalten, zur sozialen Isolation (vgl. Wlazo, 1995, S. 18).
Wichtig bei der Diagnostik ist das eindeutige Erkennen der Agoraphobie. Oftmals verbirgt sich hinter der Symptomatik eine soziale Phobie. Unterscheiden lassen sich diese zwei Arten folgendermaßen:
Die Angst vor Menschenansammlungen tritt bei beiden Arten gleichermaßen auf. Jedoch sind bei der sozialen Phobie die Menschen an sich der Auslöser der Angstreaktion., bei der Agoraphobie ist es die Angst, den Ort nicht rechtzeitig verlassen zu können. Anders als bei der sozialen Phobie kreisen die Befürchtungen des Agoraphobikers ständig um die eigene Sicherheit und Gesundheit. Der Agoraphobiker leidet unter der Vorstellung, die Kontrolle über das Bewusstsein und den eigenen Organismus verlieren zu können, ohne dass er sich um mögliche Reaktionen von anwesenden Menschen kümmert. Die Befürchtungen der sozialen Phobiker beziehen sich auf die möglichen negativen Bewertungen seiner Handlungen von Seiten der Umwelt. Das auslösende Moment für eine Angstreaktion ist bei beiden Arten unterschiedlicher Natur: während der Agoraphobiker eher darunter leidet, dass ihm keine Bezugspersonen rasch zu Hilfe eilen können, leidet der Sozialphobiker eher unter der „scheinbaren“ Beobachtung seiner sozialen Umwelt und meidet diese.
2.2.2. Die soziale Phobie
Eine soziale Phobie entsteht durch die Furcht vor der Beurteilung durch Menschen in verhältnismäßig kleinen Gruppen. Die Phobie tritt nicht bei der Begegnung mit Menschenmengen auf. Die soziale Phobie charakterisiert sich durch eine dauerhafte, unangemessene Furcht und Vermeidung von Situationen, in denen der Patient mit der möglichen Bewertung seiner Mitmenschen konfrontiert sein könnte. Die Patienten leiden unter der Angst, sich der Lächerlichkeit preisgeben zu müssen oder durch "nicht norm-konformes" Verhalten aufzufallen.
Zu den typischen Situationen, in denen soziale Ängste auftreten können, zählen das Halten einer Rede in der Öffentlichkeit, die Teilnahme an Tests und Wettbewerben, das
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Kennenlernen fremder Menschen, der Besuch öffentlicher Toiletten, die Teilnahme an Bewerbungsgesprächen oder die Teilnahme an Partys, Treffen oder Ähnlichem.
Marks unterscheidet zwei Arten von behandlungsrelevanten sozialen Ängsten:
a) die Sozialphobie im Sinne einer angstbedingten Hemmung und
b) die Sozialphobie als Folge eines sozialen Komp etenzdefizits (vgl. Margraf & Rudolf, 1995, S. 24).
Soziale Kompetenzdefizite äußern sich durch oft lebenslange Schwierigkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen, obwohl durchaus der Wunsch danach besteht. Als Folge des "Versagens" entstehen beim Patienten weitere Kontaktängste, die im sozialen Rückzug enden.
Eine andere Unterscheidung in der Behandlung macht das amerikanische Diagnoseschema DSM-IV; hier wird nach dem Ausmaß der Generalisierung in zwei Arten von sozialen Phobien gegliedert:
a) soziale Phobien bei Leistungstypen
(Es entsteht eine nicht-generalisierte Phobie, die im engeren Sinn der Einteilung von Marks entspricht. Ängste beziehen sich nur auf Leistungssituationen. Als Auslöser für die Erkrankung dient oft der Spott von Mitmenschen in Leistungssituationen, wie zum Beispiel bei einem Referat oder bei Turnübungen.)
b) soziale Phobien als generalisierte Angst
(Es besteht ein Sozialkompetenzdefizit. Daraus entstehen Angstsituationen in vielfältigsten Konfrontationen mit der sozialen Umwelt.) è auch ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (nach ICD-10) genannt.
2.2.3. Die generalisierte Angststörung
Die generalisierte Angststörung ist eine anhaltende Angst, welche nicht auf bestimmte Situationen oder Gegenstände beschränkt ist, sondern frei " flottierend" auftritt. Charakteristisch für diese Angststörung ist die andauernde, übertriebene und unrealistische Angst bezüglich vielfältiger Aspekte des Lebens. Zudem besteht ein andauerndes erhöhtes Angstniveau, welches nicht in Panikattacken mündet, sondern mit motorischer Anspannung und vegetativen Symptomen verbunden ist. Das ICD-10 katalogisiert diesbezüglich folgende Symptomatik für die generalisierte Angststörung:
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Als Befürchtungen werden die Sorge über zukünftiges Unglück, Nervosität und sich daraus ergebende Konzentrationsschwierigkeiten angeführt. Zu den motorischen Spannungen zählen körperliche Unruhe, Spannungskopfschmerzen, Zittern und eine ständige muskuläre Anspannung. Die vegetativen Symptome äußern sich in Schwindel, Atemnot, Herzrasen, S chwitzen, Hitzewallungen, Magen-Darm-Beschwerden, Harndrang, Mundtrockenheit sowie Ein- und Durchschlafstörungen (vgl. Dilling et al., 1993, S. 162).
Die Ängste einer generalisierten Angststörung weisen vielfältige Inhalte auf und sind somit nicht mit den begrenzten Ängsten der anderen Angststörungen gleichzusetzen. Im Vergleich mit Panikpatienten klagen Patienten mit einer generalisierten Angststörung "nur" über Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Gegenüber Sozialphobikern, welche sich "nur" vor Menschen und Kontakten scheuen, entwickelt der Patient im Fall der generalisierten Angststörung Ängste unabhängig von sozialen Situationen. Auch anders als bei Patienten mit Ängsten und depressiven Verstimmungen klagen die Patienten hier weniger über Selbstmordgedanken oder Interessenverlust. Dauert die Störung länger als ein Jahr an, können sich andere Angststörungen ebenfalls entwickeln. Insbesondere das Entstehen einer sozialen Phobie wurde festgestellt; hinzukommen ein Alkohol- und Medikamentenmissbrauc h sowie Persönlichkeitsstörungen (vgl. Morschintzky, 1998).
2.2.4. Die Panikstörung
Die Panikstörung gehört zu den Angststörungen, die am längsten bekannt sind. Freud beschreibt sie schon präzise in seinem bereits erwähnten Artikel über die Angstneurose (siehe Kapitel 2.1.).
Als Gegenstand eigenständiger Diagnose wurde die Panikstörung allerdings erst 1980 in das amerikanische Diagnoseschema DSM-IV aufgenommen. Morschitzky (1998) definiert eine Panikattacke folgendermaßen: „Eine Panikattacke ist eine abgrenzbare Periode intensiver Angst und starken Unbehagens und besteht aus mehreren, plötzlich und unerwartet (...),scheinbar ohne Ursachen in objektiv ungefährlichen Situationen auftretenden somatischen und kognitiven Symptomen von subjektiv oft lebensbedrohlichem Charakter.“ (Morschitzky, 1998, S. 39)
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Zu den Symptomen der Panikattacke gehören der beschleunigte Herzschlag, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Erstickungsgefühle, Schmerzen in der Brust, Übelkeit und Durchfall, Schwindel, Unsicherheit, Derealisation, Depersonalisation, Angst zu sterben, Kribbelgefühle in den äußeren Gliedmaßen und Hitzewallungen.
Unter einer Panikstörung versteht man das wiederholte, unerwartete Auftreten von Panikattacken.
Die Panikstörung entwickelt sich aus dem traumatischen Erlebnis der Hilflosigkeit und Unsicherheit bei der ersten Panikattacke heraus. Die entwickelte Symptomatik wird als lebensbedrohlich eingestuft und lässt die Neigung zur hypochondrischen Beobachtung des Organismus steigen. Selbst ein negativer Befund durch eingehende Untersuchungen bei Ärzten lässt die Angst vor einer lebensbedrohlichen Krankheit nicht verschwinden. Anders als bei phobischen oder agoraphobischen Angstreaktionen richtet sich die Aufmerksamkeit des Patienten nicht auf Ereignisse oder Situationen außerhalb, sondern auf Reaktionen innerhalb des eigenen Organismus. Bestimmte Symptome, wie Schwitzen und Schwindel, auch heißes oder schwüles Wetter, begünstigen das Entstehen einer Panikattacke.
Die Existenz einer Panikstörung führt beim Patienten zu einer Demoralisierung, da er nicht in der Lage ist, die Panikattacke selbstständig zu bewältigen. Außerdem entwickeln sich Ängste, „verrückt“ zu werden, d. h. die Kontrolle über Körper und Geist zu verlieren. Aufgrund der wiederkehrenden Symptomatik neigen die Patienten zu drastischen Veränderungen in der Lebensführung (Arbeitsunfähigkeit, Veränderungen im familiären Zusammenleben, etc.). Hieraus entstehen wiederum Erwartungsängste und ein Vermeidungsverhalten. Aus einer Panikattacke entwickelt sich eine Panikstörung mit sozialphobischen oder / und agoraphobischen Tendenzen.
Als Auslöser für die erste Panikattacke gilt im Allgemeinen ein erhöhtes Stressniveau. Erhöhte Stressbelastungen entwickeln sich aus familiären, beruflichen, finanziellen, körperlichen oder psychischen Konflikten. Die erste Attacke entsteht für gewöhnlich aus einer Kombination zweier Arten von Stressfaktoren: zum einen aus körperlichen Belastungen (z.B. niedriger Blutdruck, Allergien, Schwangerschaft, Koffein-Konsum, Alkohol- und Drogenmissbrauch, etc.) und zum anderen aus einer psychosozialen Belastung (z.B. durch Todesfälle, Trennungserlebnisse, Kündigungen im Beruf, etc.).
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Von anderen Arten der Angststörung unterscheidet sich die Panikstörung durch eine ausgeprägtere Symptomatik, einen akuteren Zeitverlauf der auftretenden Symptome, die Unmittelbarkeit der befürchteten Gefahren (z.B. die Todesangst), eine Unvorhersehbarkeit der Angstanfälle und durch eine höhere Bedeutung interner, angstauslösender Reize (vgl. Morschitzky, 1998, S. 56).
2.2.5. Prüfungsängstlichkeit
Bei der Eingrenzung und Definition der „Prüfungsangst“ unterscheidet die Forschung, wie bei der Definition des Oberbegriffs Angst, in latente und situationsabhängige Prüfungsängste. Man verwendet den Begriff Prüfungsangst für situationsabhängige Angsterscheinungen und den Begriff Prüfungsängstlichkeit für die latente Ausprägung in der Persönlichkeit des Individuums (vgl. Spielberger, 1972). Beide Formen der Angst stellen sich bei Leistungsanforderungen ein, die als selbstwertbedrohlich eingeschätzt werden. Küpfer definiert Prüfungsängstlichkeit als „die überdauernde Besorgtheit und Aufgeregtheit angesichts von
Leistungsanforderungen, die als selbstwertbedrohlich eingeschätzt werden“ (Küpfer, 1997, S. 18).
Als Persönlichkeit smerkmal betrachtet, wird bei Prüfungsängstlichkeit seit den Arbeiten von Liebert und Morris (1967) zwischen einer emotionalen und einer kognitiven Angstkomponente unterschieden. Die kognitive Komponente bezeichnet die Besorgtheit angesichts der Erwartung von Misserfolg in einer Prüfung. Die emotionale Komponente bezeichnet die Aufgeregtheit des Körpers (Anspannung der Muskulatur) und die Wahrnehmung autonomer Erregung (z. B. Magenschmerzen vor einer Prüfung). Wichtig ist bei Untersuchungen die Unterscheidung der wahrgenommenen und der tatsächlichen physiologischen Erregung. Deffenbachers (1986) Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die beiden Merkmale nicht gleichzusetzen sind. Seine Resultate belegen, dass die autonomen Erregungen für die Entwicklung von Prüfungsängstlichkeit von geringerer Bedeutung sind als die kognitiven Prozesse. Die Untersuchungen von Holroyd und Appel (1980) belegen dies ebenfalls und scheinen die handlungstheoretisch orientierte Forschungslinie der Autoren zu rechtfertigen. Ängste werden in der Forschung grundsätzlich in leistungsbezogene und nichtleistungsbezogene Ängste unterschieden.
Im Teilgebiet der leistungsbezogenen Angstforschung werden vorwiegend die Begriffe Prüfungsängstlichkeit, Prüfungsangst und auch die Begriffe Leistungsängstlichkeit, Schulängstlichkeit und Examensängstlichkeit untersucht. Den höchsten Generalitätsgrad
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dieser Angstdispositionen zeigt allerdings die Leistungsängstlichkeit, da sie auch leistungsthematisch divergierende Ängste, wie Sexualängstlichkeit oder
Berufsängstlichkeit (beide beinhalten auch die Prüfungsängstlichkeit), miteinbezieht. Allerdings wird dem Begriff Prüfungsängstlichkeit in der Forschung der Vorzug gegeben, wie die überwältigende Mehrzahl der diagnostischen Verfahren (vgl. Rost & Schermer, 1987, Hembree, 1988, Schwarzer, 1990) belegt.
Die strenge Unterteilung in leistungs- und nichtleistungsbezogene Ängste entspricht der Kategorisierung des DSM-IV für soziale Phobien. Bei genauerer Betrachtung der Symptomatik der Prüfungsängstlichkeit, l ässt sich feststellen, dass die einzelnen Angstformen ineinandergreifen. Als Beispiel hierfür dient die Betrachtung von Prüfungsängstlichkeit und sozialen Ängsten. Hier zeigt sich, was ihre Ausprägung angeht, eine deutliche Überlappung der beiden Angstformen. Buss (1980) fasst die Überschneidungscharakteristika folgendermaßen zusammen: Scham, Schüchternheit, Verlegenheit und Publikumsängstlichkeit äußern sich gleichermaßen stark bei Prüfungsängstlichkeit und Sozialphobie.
Auch aus den Erläuterungen bezüglich der Symptomatik von Panikattacken lassen sich Parallelen herstellen. Wie schon in Kapitel 2.2.1. erwähnt, können Panikattacken in Kombination mit andern Phobien auftreten, so auch mit der Sozialphobie, welche aufgrund ihrer Charakteristika wiederum eng mit Prüfungsängstlichkeit korreliert. Aus den gewonnenen Erkenntnissen lässt sich die Vermutung ableiten, dass Prüfungsängstlichkeit und andere Phobien sowie Angststörungen nicht als alleinige Dispositionen des Patienten zu erwarten sind, sondern dass sich aufgrund des Krankheitsverlaufes immer Kombinationen verschiedener Angstformen entwickeln.
Weitere Angsterkrankungen (wie Zwangsstörungen, posttraumatische
Belastungsstörungen oder substanzinduzierte Angststörungen) werden in dieser Arbeit nicht erwähnt und erläutert, da sie für die Eingrenzung und Definition von Prüfungsängstlichkeit nicht von Bedeutung sind und auch für deren Behandlungsmöglichkeiten keine Rolle spielen.
Wichtig für das Thema dieser Arbeit ist die Feststellung, dass einerseits Prüfungsängstlichkeit nicht nur aus leistungsbezogenen Ängsten resultiert, sondern andererseits ein großes Maß an generalisierten und sozialen Angstkognitionen das Leistungs- und Lernverhalten von Menschen mit beeinflusst.
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2.3. Lerntheoretische Erklärungsmodelle für die Entstehung von Angststörungen und Prüfungsängstlichkeit
2.3.1. Die Psychoanalyse
Sigmund Freud, als Begründer der Psychoanalyse, war maßgeblich an der Entwicklung von Theorien zur Entstehung der Angst beteiligt.
In der Literatur werden zwei Angsttheorien von Freud unterschieden, die auf einem "neurophysiologischen" und einem " psychologischen" Angstmodell basieren. Seine erste Angsttheorie zentriert Freud um den Begriff der Angstneurose. Damit ist eine Disposition des Individuums gemeint, welche in dieser Arbeit bereits als frei flottierende Angst (vgl. Krohne, 1996) bezeichnet wird. Inhaltlich ist die frei flottierende Angst mit dem Begriff der Angstneurose nach Freud gleichzusetzen. Als Ursache dieser Disposition sei die Blockierung von Sexualspannungen anzusehen. Freud geht davon aus, dass Sexualspannungen im Normalfall einen Weg finden, sich zu entladen (nämlich sexuell). Bestehe diese Möglichkeit nicht, versuche das Individuum die Spannung "umzuleiten". Freud gibt hiermit kognitiven Prozessen innerhalb des Spannungsaufbaus und der Reduktion durchaus eine Präsenz.
Durch diesen Umleitungsprozess bilde sich Angst, welche "sich auf Grund inadäquater sexueller Abfuhr oder traumatischer äußerer Stimulation akkumuliert hat" (Michels et al., 1985, S. 598).
Zu den wichtigsten Erscheinungen der entstandenen neurotischen Angst zählt Freud die allgemeine Reizbarkeit, eine grundlegende Ängstlichkeit und eine gesteigerte angstvolle Erwartungshaltung. Hinzu kommt eine Tendenz, häufig in akute Angstaffekte auszubrechen (Angstattacken). Das gesteigerte Angstniveau des Individuums ist gleichgesetzt mit seiner Triebhaftigkeit.
In seiner - mehr als dreißig Jahre später formulierten - zweiten Angsttheorie konkretisiert Freud seine Idee vom Ursprung und Sinn der Ängstlichkeit und wendet sich vom Hauptinhalt der sexuellen Triebhaftigkeit ab. Das zentrale Konzept stellt hier der psychische Konflikt dar, welcher auf "unbewussten" Phantasien des Kindes von Gefahren basieren soll. Über diese Konflikthaftigkeit setzt Freud sein Dreiinstanzenmodell des ES, ICH und ÜBER-ICH. Das Es präsentiert die Triebhaftigkeit, das Über-Ich die moralische Instanz des Individuums und das Ich die regulierende Instanz zwischen Es und Über-Ich.
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Auch in dieser Theorie unterscheidet Freud zwischen einer "normalen" Angst (Realangst) und einer Angst als Disposition (neurotische Angst). Allerdings arbeitet er in diesen Arbeiten die Gemeinsamkeiten beider Angstformen heraus: eine Beeinträchtigung des Organismus wird durch das Auftreten einer externen Gefahr ausgelöst, der man sich im Prinzip durch Flucht- oder Vermeidungsverhalten entziehen kann.
Bei der neurotischen Angst entsteht ein Ungleichgewicht im "normalen" Angstabwehrprozess, wenn das Ich nicht im Einklang mit den moralischen Vorgaben des Über-Ich steht und so Angst vor Schuldgefühlen und damit im praktischen Sinne die Furcht vor dem Verlust von sozialen Kontakten (Liebe der Eltern) entsteht. Um dem zu entgehen, wird das Es vom Ich gezügelt (durch Angstsignale), es aktiviert Unlustgefühle und beeinträchtigt die Realisierung von sexuellen Triebansprüchen. Dies bedeutet eine Verdrängung der inneren Triebregungen. Freud hat sein Modell der Definition von Verdrängung im Laufe der Zeit mehrfach verworfen und neu formuliert. Am präzisesten definierte er Verdrängung "als das Fernhalten oder die Entfernung unangenehmer Wünsche, Vorstellungen oder Erinnerungen aus dem Bewusstsein" in den Jahren 1892 / 1893 (Krohne, 1996, S.160).
Die Entstehungsbedingungen der Angststörung liegen, la ut Freud, in der " primären" Angst. Diese wird durch den Vorgang der Geburt, auch Geburtstrauma genannt, ausgelöst. Dieses erste Angstgefühl entsteht durch eine starke Reizüberflutung und damit verbunden aus dem Bedürfnis, dieser Überflutung, der Trennungsfurcht (das Losreißen aus der Geborgenheit des Uterus) und dem plötzlichen Erlebnis der Hilflosigkeit und Passivität zu entkommen.
Dieses Angstgefühl wird fortan reproduziert, sobald das Individuum sich in einer Situation befindet, welche ähnliche Gefühle i n ihm auslösen. "Angst ist also einerseits die Erwartung des Traumas, andererseits eine gemilderte Wiederholung desselben." (Freud, 1974, S. 303).
Mit seiner Definition von Angst nähert sich Freud den evolutionstheoretischen Ideen Darwins an, welcher beha uptet, dass "Verhaltensmuster und emotionale Reaktionen in gleicher Weise der Evolution und damit der natürlichen Auswahl unterworfen seien wie die physischen Merkmale von Organismen" (Krohne, 1996, S. 161). Die durch die Triebunterdrückung freigesetzte A ngst bedarf hierauf verschiedener Angstabwehrmechanismen, mit denen das Individuum versucht, sich zu schützen. Zu diesen Mechanismen gehören a) die Verdrängung, b) die Verleugnung (eine bedrohlich erlebte Realität wird als ungefährlich abgetan), c) die Reaktionsbildung (die Umkehrung
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einer negativ beurteilten Verhaltensweise ins Gegenteil), d) die Identifizierung (z.B. mit den moralischen Vorstellungen eines Elternteils), e) die Projektion (ungeliebte eigene Verhaltensmerkmale werden auf eine andere Person projiziert und gehasst) und f) die Rationalisierung (unannehmbare Merkmale des Verhaltens werden einfach verleugnet oder als positiv bewertet). Diese Auflistung der Abwehrmechanismen ist wissenschaftlich nicht exakt festgelegt.
Problematisch sind die aufgestellten Theoriemodelle aus der Perspektive der empirisch orientierten Wissenschaft: es existieren keine explizit formulierten Emotions- oder Affekttheorien von Freud, es liegen lediglich Ansätze einer Angsttheorie vor. Im Grunde kann man nur von Abstraktionen bei Freuds Gedankengängen sprechen. Die "Angsttheorien" wurden jeweils im Kontext anderer komplexerer Modellkonzepte ausgesprochen und sind niemals mittels Datenerhebung belegt worden. Untersuchungen, die aus diesem Gebiet stammen, wurden von anderen Autoren vorgenommen, und das auch erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt (z. B. siehe Bruner und Postman, 1947; Eriksen, 1966; Holmes und Houston, 1971).
2.3.2. Kognitions- und handlungstheoretische Ansätze
Kognitive Ansätze in der Angstforschung stellen eine heterogene Gruppe dar und beinhalten als Kernpunkte die Überprüfung kognitiver Strukturen und Aktivitäten, welche als Vermittler zwischen Umweltveränderungen und Verhalten fungieren. Innerhalb der Persönlichkeitsforschung hat Mischel (1981) die Vorstellung vermittelnder kognitiver Strukturen untersucht. Für kognitive Angsttheorien sind folgende Merkmale der Persönlichkeit elaboriert: Erwartungen (er unterscheidet in
Selbstwirksamkeitserwartungen und Ergebniserwartung), Motive und Werte sowie Merkmale der Selbststeuerung. Dabei unterscheidet Mischel drei Klassen: die Kompetenzen (sozusagen die Basis des menschlichen Verhaltens), die Codiermerkmale (die Art, in der Menschen Informationen über sich selbst, andere und Ereignisse organisieren) und die biologische Disposition (diese Forschungsrichtung wurde erst später hinzugefügt, siehe Kapitel 2.4.)
Neben den kognitiven Strukturen spielen auch Faktoren eine Rolle, die unter den Begriffen Selbstregulation und "sich selbst steuernde Systeme" zusammengefasst werden. So wird das Verhalten eines Menschen nicht nur durch seine
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Erwartungshaltung, sondern auch durch Selbstbeobachtung und Steuerung gelenkt (Bandura, 1977).
Als theoretische Grundlagen dienten Mischel und anderen Autoren die "Angstkontrolltheorie" Epsteins, die "Stressbewältigungstheorie" von Lazarus und die "Kontrollprozesstheorie" von Carver und Scheiers. Diese sollen im Folgenden kurz erläutert werden.
Epsteins Ansatz versucht, die reiz- reaktionstheoretischen Konzepte Millers (1944) und die Pawlowschen Untersuchungen zur Erregung und Hemmung von kognitiven Vorstellungen zu einer "Theorie der Entstehung und Kontrolle von Angst" zu integrieren. Die zentralen Begriffe bilden die Erregung, die Hemmung und Kontrolle. Angst wird als Spezialfall von Erregung angesehen. Es geht darum, herauszufinden, inwieweit das Erregungsniveau eines Menschen steigt, ist er mit einer Situation konfrontiert, die sein Verhaltensrepertoire strapaziert oder sprengt. Epstein versucht zu ermitteln, wie weit die Erregungsintensitäten und die darauf folgenden
Verhaltensweisen zur Erregungshemmung habituiert werden, damit sich das Erregungsniveau bei ähnlichen Situationen senkt.
Zur Erregungsmodulation stehen dem Organismus verhaltensmäßig- motorische, psychologische und physiologische Maßnahmen zur Verfügung. Wird eine Situation zum ersten Mal als agierungswürdig eingestuft, definiert Epstein diesen Zustand als "unmoduliert". Mit andauerndem Kontakt und der Ausbildung von Erwartungen setzen Mechanismen ein, die den Organismus vor Überreaktionen hemmen. Dies nennt Epstein eine "modulierte Erregungskontrolle".
Bei der Auslösung von Angst spielen folgende Faktoren eine Rolle: Zunächst wird der Organismus überstimuliert. Das Individuum sieht sich nicht in der Lage, angemessen zu reagieren (kognitive Inkongruität); demzufolge ist es auch nicht imstande, bei steigender Erregung entsprechende Reaktionen (verhaltensmäßig-motorischer Art) durchzuführen (Reaktionsblockierung). Da die Beziehung zwischen Reizintensität und Erregungshöhe nicht linear sein soll, hängt es jetzt davon ab, mit welcher Intensität ein Reiz auf das bestehende Erregungsniveau stößt.
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fern nah
Abb. 1 Epsteins Gradientenmodell der Angsterregung und Hemmung
Epstein stellte fest, dass Menschen in ihren Angstkontrollmechanismen unterschiedlich fortgeschritten sein können.
Er fand heraus, dass Personen, die nach wiederholten Konfrontationen mit angstauslösenden Situationen immer noch mit starker Erregung reagiert hatten (unmoduliert), fast nichts dazu gelernt hatten und somit über eine "abnorme" Angstkontrolle verfügten. Diese Personen sind laut Epstein durch mangelnde Flexibilität gekennzeichne t.
Die Stressbewältigungstheorie von Lazarus zentriert sich auf eine rein kognitive Erklärung emotionaler Reaktionen, welche besagt, dass kognitive Faktoren den Prozess der Emotionsauslösung und -regulierung steuern. Lazarus, Kaner und Folkman definieren Emotionen hier als "complex organized states consisting of cognitive appraisals, action impulses, and patterned somatic reactions" (Lazarus, Kaner & Folkman, 1980, S.198).
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Weiterhin definieren sie Stress nicht als Emotionsmuster, sondern als eine, durch reziproke Wirkrichtung gekennzeichnete Beziehung zwischen Mensch und Umwelt (Lazarus 1991).
Lazarus hat seine ursprünglichen Stresstheorien zu einer umfassenden Emotionstheorie weiterentwickelt. Angst stellt hier eine Emotion dar, die er unter dem Begriff "psychologischer Stress" zusammenfasst. Psychologischer Stress wiederum ist für Lazarus eine Form der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt, die im Hinblick auf das Wohlergehen der Person als relevant gewertet wird und zugleich Anforderungen an die Bewältigungsmechanismen von Konfliktsituationen darstellt. Eine Bewältigung findet durch kognitive Bewertung und durch Stressbewältigung statt. Eine kognitive Bewertung kann drei Formen annehmen:
a) die Primärbewertung, welche sich untergliedert in irrelevante, g ünstige und stressbezogene Auseinandersetzungen. Die letztere unterteilt sich wiederum in "Schaden-Verlust", Bedrohung und Herausforderung in der "stressigen" Situation. Angst ist hier in die Kategorie stressbezogen und bedrohlich einzuordnen.
b) die Sekundärbewertung. Hier schätzt das Individuum die Handlungsmöglichkeiten und seine Ressourcen im Hinblick auf einen erfolgreichen Abschluss der stressreichen Situation ab.
c) die Neubewertung. Im Verlauf der Auseinandersetzung kommt es zu einem neuen Abschätzen der Situation, welche aus den veränderten emotionalen Reaktionen resultiert.
Die Primär- und Sekundärbewältigung richtet sich in ihrer Ausführung jeweils nach der Zielrelevanz, der Zielkongruenz (die Übereinstimmung der persönlichen Ziele mit der Auseinandersetzung der Situation) und der Art der Ich-Involviertheit.
Lazarus geht von 15 Basisemotionen aus, die alle nach den Aspekten der Primär- und Sekundärbewertungen analysiert werden. Die Auslösung von Emotionen hängt von dem Vorhandensein eines Musters an Bewertungen ab.
Problematisch wird die allgemeingültige Aussage der Theorie durch die verschiedenen personenspezifischen Antezedenzien von Bewältigungsmaßnahmen sowie die unterschiedliche psychische Vulnerabilität (Stressanfälligkeit).
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Abb. 2: Schematische Darstellung des Stressbewältigungsprozesses nach Lazarus
Lazarus und Folkman entwickelten zu diesem Problem ein Konzept, in welchem spezifische Ausprägungen von Umwelt- und Personenmerkmalen den Grad der Vulnerabilität determinieren sollen. Unklar bleiben dabei allerdings der Bezug zur kognitiven Bewältigung und zum Einsatz von Bewältigungsmaßnahmen, welche in Stresssituationen angewandt werden.
Die für diese Arbeit wohl relevanteste Theorie dieser drei Kognitionstheorien ist die Kontrollprozesstheorie von Carver und Scheiers (1990). Sie orientieren sich an dem eingangs beschriebenem Ansatz von Mischel (1981). Es wird versucht, eine Analyse der Beziehungen zwischen Persönlichkeitspositionen, Merkmalen und Prozessen der Selbstkontrolle und von emotionalen Reaktionen (Angst) aufzustellen.
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Nach Ansicht von Carver und Scheier (1990) befindet sich das Individuum ständig in einem Zustand der erhöhten Selbstaufmerksamkeit, in dem es darum geht, jedes intentionale Verhalten mittels eines Kontrollsystems (der Beobachtung) auf Ziele, Standards und Intentionen zu untersuchen. Finden sich hier Diskrepanzen in Verhalten und Einstellungen, gerät das Individuum in einen Konflikt. Die Emotion Angst wird hier als eine Begleitemotion des Konfliktes betrachtet und gleichzeitig als Warnsignal, bei dem es darum geht, die gerade getätigte Handlung zu unterbrechen, um die Situation zu überdenken. Geprüft werden auch die Vorstellung und die Erwartungen bezüglich des angestrebten Ziels. Die erzeugten Ergebniserwartungen werden wiederum überprüft, ob sie den "moralischen" Selbstauflagen des Individuums Genüge tragen. Leider lassen die Ausführungen von Carver und Scheier offen, ob bei ängstlichen Personen generell die Wahrscheinlichkeit der Unterbrechung aufgabenbezogener Handlungen erhöht ist, da die Autoren sich eher dem dispositionellen Optimismus gewidmet haben. Allerdings wird bei genauerer Untersuchung deutlich, dass dieses Merkmal inhaltlich und empirisch von Dispositionen wie Selbstwirksamkeitserwartung und Kontrollüberzeugung zu trennen ist.
2.3.3. Reiz - Reaktionstheorien
Innerhalb des letzten Jahrhunderts wurden für die Erforschung des Angstphänomens mittels Erweiterung und Ableitung der behavioristischen Reiz - Reaktionstheorie des Lernens große Fortschritte erzielt. In dieser Arbeit werden nur diejenigen Ansätze vorgestellt, welche sich explizit auf die Angstforschung beziehen. Vorab soll eine kurze Erläuterung der wesentlichen Grundbegriffe der Ausgangstheorien vo n Pawlow und Skinner erfolgen:
Es wird davon ausgegangen, dass sich Lernen nach dem Modell des Konditionierens vollzieht. Konditionieren meint hier die Herstellung oder den Erwerb einer bedingten Reaktion. Man geht von zwei unterschiedlichen Formen der Konditionierung aus: der klassischen (Pawlow) und der operanten (Skinner) Konditionierung. Sowohl Skinner als auch Pawlow sind davon überzeugt, dass alles Lernen, auch das menschliche, einem Reiz -Reaktionsschema folgt.
Pawlow zeigt anhand von Versuchstieren (zumeist Hunden), dass unbedingte (UCS) Reize und darauffolgende unbedingte (UCR) Reaktionen durch Wiederholungen und Setzung eines Schlüsselreizes (unbedingter Reiz: z.B. das Tönen einer Glocke), zu bedingten (CS) Reizen und bedingten (CR) Reaktionen werden können. Unbedingter
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und bedingter Reiz müssen allerdings zeitlich nah beieinander liegen, ansonsten erfolgt keine Konditionierung.
Ähnlich wie Pawlow betont der amerikanische Lerntheoretiker und Behaviorist Skinner, dass das Lernen des Individuums eine Reaktion auf Reize ist. Lediglich in der Auffassung vom Zusammenhang von Reiz, Reaktion und Verstärkung unterscheidet er sich von Pawlow:
Nach Skinner löst nur das aktive Eingreifen des Organismus in das Verhalten eine Reaktion aus. Dieses Eingreifen stellt hier die Verstärkung dar. Nur die Verstärkung erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass in späteren Versuchen Reaktionen derselben "Klasse" wie in der Primärkonditionierung auftreten. Skinner bezeichnet dieses Verhalten deswegen als "operant". Zusammenfassend und zugleich kritisch ist festzustellen: Jedes Verhalten in den Versuchsreihen von Pawlow und Skinner wird mit dem Reiz -Reaktionsschema erklärt, und zudem wird menschliches Verhalten mit tierischem Verhalten gleichgesetzt.
Einstellungen, Motive und Moralvorstellungen werden bei den Analysen nicht berücksichtigt, der Mensch erscheint als willenlose, organische Maschine.
Die behavioristisch orientierte Angstforschung wird in drei Ansatzrichtungen unterschieden:
1. die Ansicht Watsons, dass Angst- und Panikreaktionen im Sinne Pawlows klassisch konditionierbar sind,
2. die verhaltensstärkende Funktion der konditionierten Angstreaktionen von Miller, Hulls und Mowrer (1956) (Zweiprozesstheorie) und 3. die Triebtheorie von Spence und Taylor (1951).
Für Watson existieren bei höheren Organismen verschiedene Grundemotionen, darunter auch Furcht, welche sich in Angst umwandeln kann. Furcht wird, in Anlehnung an die klassische Konditionierung (wie bereits beschrieben), durch zwei bestimmte Stimuli (US) ausgelöst: durch laute Geräusche und den Verlust von Halt. Ob die darauffolgenden Reaktionen auch zur Furcht gehören, lässt Watson den Leser allerdings nicht erkennen.
Die Zweiprozesstheorie von Miller und Mowrer (1956) stellt eine Erweiterung von Watsons Ansatz dar. Sie beinhaltet drei Kernaussagen: 1. Furcht ist eine gelernte
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Kerstin Dederichs, 2002, Behandlungs- und Bewältigungsmethoden bei Prüfungsängstlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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