und walten im Land. Das ist meine Stube. [...], aber den ungehobelten Gast werf ich zur Tür hinaus -Halten zu Gnaden.“ (S. 37, Z. 25 ff). Durch diese Äußerung Millers verliert der Präsident die Fassung. In seinem Wutausbruch, den Frau Miller bereits befürchtete, droht er, Miller den Kerker, Frau und Kind den Pranger an. Diese Wut wird durch viele kurze, negative Ausrufe und teilweise unvollständige Sätze gekennzeichnet, die diesem Zorn des aufgebrachten Präsidenten Nachdruck geben sollen: „Ha, Spitzbube! [...] - Fort! [...] Vater ins Zuchthaus - an den Pranger Mutter und Metze von Tochter! [...] Ha, Verfluchte! ...“ (S. 37, Z. 33 ff). Hier wird wieder die Macht des Präsidenten deutlich, der in dieser Szene die dominierende Gesprächsrolle einnimmt. Aufgrund dessen kommen die Anderen im Raum kaum richtig zu Wort, wenn, dann nur kurz und unterwürfig dem Präsidenten gegenüber. Ferdinand hat nach ihm auch einen gewissen Anteil an der Auseinandersetzung, da er fast zu allem, was sein Vater sagt, etwas hinzu setzt bzw. ihm widerspricht. Außerdem versucht er, Familie Miller zu beruhigen: „O nicht doch! Seid außer Furcht! Ich bin zugegen. Keine Übereilung mein Vater! Wenn Sie sich selbst lieben, keine Gewalttaten - Es gibt eine Gegend in meinem Herzen, worin das Wort Vater noch nie gehört worden ist - ...“ (S. 38, Z. 1 -6). Das zeigt auch, daß Ferdinand offen und ungezwungen auf seinen Vater einredet, um ihn von seiner geplanten Rache umzustimmen. Er bleibt dabei standhaft und auch gelassen, ebenfalls ohne Furcht vor den Drohungen seines Vaters, gegen den er versucht, sich aufzulehnen. Schiller baute auch rhetorische Fragen ein, die nicht beantwortet werden: „Hölle! was war das?“ (S. 36, Z. 36), „Was? - Was ist das?“ (S. 37, Z. 39). Sie drücken Verwirrung aus.
Der Dialog endet in der VI. Szene damit, daß der Präsident Miller in den Kerker sperren lassen will. Erst in der nächsten Szene kommen Gerichtsdiener, um Frau und Herr Miller zu verhaften. Ein endgültiges Ergebnis ist hier in bezug auf Luise und Ferdinand nicht zu erkennen. Der Präsident unternimmt alles, die beiden auseinanderzubringen, um sein Interesse, Ferdinand mit der Adligen Lady Milford zu verheiraten, durchzusetzen. Als Luises Eltern festgenommen wurden, erscheint Wurm beim Präsidenten, um ihn den Vorschlag für einen Brief an den Hofmarschall zu unterbreiten, den Luise gezwungen wird zu schreiben. Das ist die erste Intrige gegen Ferdinand und Luise. „Kabale und Liebe“ gehört in die literarische Epoche des Sturm und Drang. Dieses Werk übt eine starke Gesellschaftskritik aus. Schiller beschreibt und kritisiert den Absolutismus der Zeit des 18. Jahrhunderts, die Verschwendungssucht und den Machtmißbrauch des Adels. Er stellt die Konflikte zwischen Bürgertum und Adel an dem Liebesschicksal des adligen Sohnes eines Präsidenten, Ferdinand, sowie der Tochter der bürgerlichen Familie Miller, Luise, dar. Dabei wird vergeblich versucht, die hindernden Standesschranken zu durchbrechen. Es herrschen jedoch auch
unterschiedliche Denkweisen der Stände. Am Beispiel Millers durch seine Behauptung vor dem Präsidenten wird deutlich, daß sich das Bürgertum zunehmend versucht, sich vor dem Adel zu behaupten und ihm mit Mut entgegen- bzw. gegenüberzutreten. Miller erreicht damit aber nur das Gegenteil.
Eigenschaften der Personen in diesem Drama sind sehr anschaulich dargestellt und dadurch gut vorstellbar. Ferdinand hatte jedoch leicht naive Vorstellungen von dem Halt der Liebe zu Luise. So einfach, wie er sich das mit dem Durchbrechen der Standesschranken vorgestellt hat, war es bei weitem nicht. Es war schwer für ihn, die Konsequenzen daraus zu tragen, was zum Selbstmord führte. Hätte er verstanden bzw. akzeptiert, daß die Liebe zwischen beiden für längere Zeit unter gegebenen Umständen der Stände nicht halten würde, wäre es nicht zu diesem tragischen Ende gekommen. Heute ist es in vielen Ländern nicht mehr üblich, daß die Eltern bestimmen, wen ihr Sohn oder ihre Tochter zu heiraten habe. Standesschranken sind nicht mehr vorhanden. Es gibt höchstens ärmere und reichere „sinnbildliche Schichten“, wo es heute normal ist, untereinander zu heiraten. Daß Ämter unrechtmäßig erworben werden, wie hier das Amt des Präsidenten, kommt heute durchaus auch noch vor, wenn auch sehr selten.
© by Tobias Helm
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Tobias Helm, 2001, Schiller, Friedrich - Kabale und Liebe - Interpretation II/6, München, GRIN Verlag GmbH
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Dana
Halten zu Gnaden.
Hallo!
Deine Interpretation ist soweit ganz gut. Jedoch habe ich nichts darüber gefunden, warum Miller ständig "Halten zu Gnaden" sagt. Sollte ich es überlesen haben, dann tut es mir leid. Wenn nicht ist das ein ganz wichtiger Punkt den du vergessen hast.
Dana
am Wednesday, October 24, 2001-
Maria
DANKE.
Danke, ich habs mir zwar noch nicht durchgelesen, aber auf jeden Fall hat mich das Vorhandensein dieser Arbeit wieder ein wenig hoffnungsvoller gemacht, da ich die Szene jetzt nicht ganz allein interpretieren muss.
am Tuesday, January 29, 2002-
Phill
- - - - - -.
Danke!!!! und nen großes Lob
am Monday, April 15, 2002-
Nazan
Ein Traum.
Also ich muss ein ganz grosses lob an dich aussprechen tobias. Ich finde es super wie du diese szene interpretiert hast. Ehrlich gesagt habe ich morgen eine klausur darüber und habe mir gedacht vielleicht finde ich etwas wo ich mir klar machen kann wie eine Interpretation einer szene aufgebaut ist (an einem konkreten beispiel). Und ich habe es wirklich von deiner arbeit erst erfahren wie das schema so läuft.
Ich danke ganz ganz herzlich dafür das du diese arbeit hier veröffentlicht hast.
Ich wollte dir damit eigentlich nur sagen das du mit dieser arbeit bestimmt nicht nur mir geholfen hast, einen etwas besseren einblick in die interpretation zu bekommen, sondern auch anderen.
Halten zu Gnaden!
CIAO
am Tuesday, October 01, 2002-
Hannes
"Halten zu Gnaden.
Muss ich auch sagen, ich habe mir die Interpretation mehrmals durchgelesen aber was über die Wörter "Halten zu Gnaden" habe ich nicht gefunden. Im großen und ganzen klang es für mich ehr wie eine zusammenfassung. Aber trotzdem eine schöne ausdrucksweise und gut rübergebracht. =))
am Thursday, September 21, 2006-
sabse
Halten zu Gnaden.
Jo thy für das rausstellen!
ich schreibe bald eine interpretation als aufsatzt vlt kommt ja diese szene auch ran...*hoff*
DANKESCHÖÖÖÖÖÖÖÖN!!!!
am Monday, March 05, 2007-