ANALYSE ‘ DANTONS TOD’ (1835); G. BUECHNER
sie das Erbe des Aristokratismus (Aristokratie = Adelsherrschaft) angetreten habe ; sie seien zu lasterhaft und ihre Lasterhaftigkeit sei um so gefährlicher, je bereitwilliger sie der Freiheit diene. Dantons Anhänger, die ihn warnen wollen, finden ihn bei Marion, einer Dirne des Palais Royal. Was Robespierre in seinem totalitären, abstrakten Tugendutopismus Dantons „Lasterhaftigkeit“ nannte, ist im Gegenteil ein verfeinerter Sensualismus, eine eingestanden gegenrevolutionäre Genussbereitschaft. Danton weiss, dass sie ihm schaden wird; denn aus vorrevolutionärem Ressentiment hasst das Volk die Geniessenden. Mittelpunkt des ersten Akts ist der als politische Auseinandersetzung beginnende grosse Dialog zwischen Danton und Robespierre. Während dieser sich wiederum nur bemüht, in Danton den Vertreter einer parasitären Ideologie dadurch vernichtend zu treffen, dass er das Laster zum Hochverrat erklärt, entlarvt Danton die kleinbürgerliche Tugendrechtschaffenheit Robespierres als verbitterte Genussfeindschaft, die nur das elende Vergnügen kennt, andere schlechter zu finden als sich selbst. Robespierre zaudert zunächst, lässt sich aber von seinem entschlossenen Parteigänger Saint-Just bald umstimmen und billigt die schon vorbereiteten Massnahmen gegen Danton.
Der Beginn des zweiten Aktes macht deutlich, wie wenig Danton an Auflehnung und Kampf denkt. Auf die Frage, warum er sich zum „toten Heiligen“ der Revolution habe degradieren lassen, begnügt er sich mit der Antwort, sein „Naturell“ sei nun einmal so. Seine Langeweile schlägt um in Sehnsucht nach dem „Asyl im Nichts“, nach endgültiger Ruhe. Er bleibt untätig im Vertrauen auf sein unantastbares Ansehen im Volk: „Sie werden’s nicht wagen!“ Wir haben nicht die Revolution gemacht, sondern die Revolution hat uns gemacht! Danton und seine Freunde werden verhaftet. Vor dem Nationalkonvent weist Robespierre den Einspruch mehrerer Delegierter ab, und Saint-Just übertrifft ihn noch, indem er Dantons Satz, die Revolution fresse ihre eigenen Kinder, ironisch gutheisst: „Sie zerstückelt die Menschheit, um sie zu verjüngen.“
Die Hauptszenen des dritten und vierten Aktes spielen in der Conciergerie, dem Untersuchungsgefängnis, und vor dem Revolutionstribunal. Danton und seine Anhänger warten zusammen mit anderen Häftlingen auf ihre Hinrichtung. Obwohl die Entscheidung bereits gefallen ist, bäumt sich Danton noch einmal auf, als das „Mühlwerk“ des Scheinprozesses zu arbeiten beginnt. Seine energische Verteidigung wird jedoch endgültig zunichte gemacht, als es gelingt, ihm eine Verschwörung im Gefängnis zu unterstellen. Die Gespräche der Eingekerkerten kreisen um den Tod.
Danton, in leidenschaftlicher Todesbereitschaft, verzweifelt endlich sogar an der Möglichkeit des Sterbens selber. Sein Selbstverständnis zeigt in diesen letzten Szenen alle Merkmale eines radikalen Nihilismus = Ablehnung aller bestehenden Anschauungen wie z.B. die Leugnung eines Gottesbegriffs und die kategorische Ablehnung jedes „Sinns“. Danton stirbt als Opfer der Revolution, die er selbst mit ins Werk gesetzt hat und deren Rettung er in ihrer Beendigung sieht.
Man darf sagen, dass in Büchners Drama mehr Leben als Handlung herrscht...Büchner gibt statt eines Dramas, statt einer Handlung, die sich entwickelt, die anschwillt und fällt, das letzte Zucken und Röcheln, welches dem Tode vorausgeht. Aber die Fülle von Leben, die sich hier vor unseren Augen noch zusammendrängt, lässt den Mangel der Handlung weniger schmerzlich entbehren. Wir werden hingerissen von diesem Inhalt, welcher mehr Begebenheiten als Taten beinhaltet.
ANZAHL WOERTER: 1000
Arbeit zitieren:
Urs Müller, 1998, Büchner, Georg - Dantons Tod (Drama), München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das alte Rom - eine demokratische Republik?
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 10 Seiten
Comic effects in ´The importance of being earnest´ by Oscar Wilde
Hausarbeit, 14 Seiten
Frisch, Max - Biedermann und die Brandstifter
Referat / Aufsatz (Schule), 5 Seiten
Die weiblichen Figuren in Beziehung zu Danton und seinem Todesurteil i...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 14 Seiten
Der 'National Character' und die Idee vom 'American Dream&...
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Täter-Opferrolle von Hanna in Bernhard Schlinks "Der Vorleser...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Frisch, Max - Biedermann und die Brandstifter
Referat / Aufsatz (Schule), 7 Seiten
"Glengarry Glen Ross": Der Mythos der Frontier in der Kritik
Hausarbeit, 26 Seiten
Wer hat Angst vor´m schwarzen Mann? Und: Warum raubt King-Kong die wei...
Analyse des sexistisch-rassist...
Hausarbeit, 29 Seiten
Urs Müller hat den Text Büchner, Georg - Dantons Tod (Drama) veröffentlicht
Urs Müller hat einen neuen Text hochgeladen
Büchner. Dantons Tod / Lenz / Woyzeck. Analysen und Reflexionen
Perspektiven, Interpretationen...
Georg Büchner, Reiner Poppe
Dantons Tod. Lektüreschlüssel für Schüler
Lektüreschlüssel für Schüler
Georg Büchner, Wilhelm Große
0 Kommentare