Angiolieri mit seiner Willenskraft derart in seinen Bann zieht, dass sie völlig taub wird für die
Stimme ihres Mannes, taub für die Stimme von Tugend, Liebe und Vernunft, die Macht der
Verführung des Zauberers ist stärker, die Signora Angiolieri hätte in diesem Moment wohl
jeden Befehl des Zauberes ausgeführt.
Zu erwähnen ist noch, dass der Zauberer seine Macht zunächst ausschließlich an Menschen
aus den unteren Gesellschaftsschichten Torre di Veneres demonstriert. Als Cipolla aber
merkt, dass er jeglichen Widerstand dieser Menschen gebrochen hat, sie wie Marionetten auf
der Bühne ihre Gliedmaßen in wildem Tanz von sich werfen, sich völlig dem Willen Cipollas
untergeordnet haben, macht er sich daran, eine wahre „Willensfeste“ im Publikum zu brechen,
die sich ihm in Gestalt eines Mannes aus Rom entgegenstellt, der wohl aus gesellschaftlich
höheren Kreisen stammt, der sich mit aller Gewalt der Manipulation durch den Zauberer
widersetzen will. Doch nach einiger Zeit einer zu bewundernden Hartnäckigkeit des Herrn aus
Rom, war auch dessen Willen gebrochen und Cipollas Triumph auf dem Höhepunkt
angelangt.
Der dämonische Zauberer scheint nun völlige Macht über sein Publikum zu besitzen, dies
gelang ihm unter Zuhilfenahme der Machtinstrumente des Diktators, einem Erscheinungsbild,
das doch recht deutliche Parallelen zu der Person des Zauberers Cipolla aufweist.
Als ein eloquenter Redner weiß Cipolla die Menschen für sich einzunehmen, die Masse zu
begeistern, mit psychischer Manipulation zwingt er den Menschen seinen Willen auf, macht
sie sich mit seelischer Gewalt gefügig, wobei hier wohl auch als Symbol der Gewaltausübung
seiner Reitpeitsche mit Klauengriff eine entscheidende Bedeutung zukommt, mit deren Knall
die Menschen in den Zustand der Willenlosigkeit versetzt werden. Auch der für Cipolla
charakteristische Nationalstolz, der sich immer wieder in seinen Äußerungen widerspiegelt,
komplettiert das Bild des diktatorähnlichen Menschen, den uns Thomas Mann präsentiert.
Zum Schluss möchte ich nun noch einmal auf den zeitlichen und politischen Bezug der
Novelle Thomas Manns zurückkommen.
Wie schon am Anfang erwähnt, schrieb Mann „Mario und der Zauberer“ im Jahr 1930, also
zu einem Zeitpunkt, als in Italien die Faschisten unter Führung des Diktators Mussolini die
Macht inne hatten und ein Herrschaftssystem bestand, das auf Terror und Gewalt basierte,
welches aber eben auch von der Person Mussolinis lebte, der es verstand, Menschen in seinen
Bann zu ziehen, sie sozusagen zu hypnotisieren.
Diese innenpolitischen Verhältnisse in Italien dürften Thomas Mann mit größter
Wahrscheinlichkeit in literarischer Hinsicht beeinflusst haben. Dies zeigt sich, wie ich meine,
auch in der Novelle selbst, wobei natürlich die Darstellung Cipollas als ein diktatorähnlicher,
machtbesessener und manipulierender Mensch ein recht deutliches Anzeichen dafür ist, das
Mann Parallelen zur politischen Situation Italiens zieht.
Auf das Terrain der Spekulation begibt man sich allerdings, wenn man sich fragt, inwieweit
Thomas Manns Novelle sich auf mögliche politische Entwicklungen in Deutschland bezieht,
inwieweit der Autor das bevorstehende Unheil erahnen konnte, das in Gestalt einer Person
hereinbrach, die eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem dämonischen Hypnotiseur Cipolla
aufweist.
Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass Thomas Mann die Gefährlichkeit und die Macht von
Verführung und Massenhypnose darlegt, die erschreckende Erkenntnis aufzeigt, dass ein
Einzelner eine Vielzahl von Menschen zu nicht mehr selbstständig denkenden Sklaven seines
Willens machen kann und dass die Menschen nur in dem Moment die Freiheit ihres Geistes
wiedererlangen können, in dem sie selber den Tod des Hypnotiseurs herbeiführen.
Arbeit zitieren:
Dirk Petter, 2001, Mann, Thomas - Mario und der Zauberer - Inhalt und Deutung, München, GRIN Verlag GmbH
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Constanze
sprachlich und inhaltlich in ordnung.
meiner Meinung nach ist dieser Text für eine erste Zusamenfassung des Buches, sehr gut geeignet, zum Beispiel auch für die erste Deutschstunde zu Beginn der Behandlung des Buches. Auch sprachlich könnte ich kaum Mängel entdecken - insgesamt wirklich sehr gelungen.
am Saturday, November 24, 2001-
*DieMuhKuh*
nich schlecht, aber....
guter überblick, aber könnte etwas ausführlicher sein...
eine frage: in welchem monat kam die novelle raus(vor oder nach september?????)
wär doch interresant zu wissen
am Thursday, December 13, 2001-
Martin
sehr gelungen.
ich muss mich Constanze anschließen, man könnte jetzt noch einzelne Aspekte (wie das meiner Meinung nicht genug zum Ausdruck gekommene Instrument der Entwürdigung [- Reitpeitsche]), aber ansonsten sehr gelungen! Das Buch ist meiner Meinung nach auch ein sehr guter Denkansatz über den Faschismus und seine Funktionsweise
am Wednesday, December 17, 2003-
huhn
naja.
meinermeinung nach sehr unausführlich, eine überarbeitung wäre durchaus von nöten...auch sprachlich gesehn
am Thursday, October 11, 2007-