Kaya Hellgardt
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 3
1. Die Wiedertäuferbewegung und ihre „Helden“ in der Kritik. 6
2. Die Theaterform der Komödie - das Komische, die Parodie und das Groteske 9
2.1 Die Komödie als Ausdrucksmittel des Dürrenmattschen Weltbilds. 9
2.2 Die Komödie als Theater der Nicht-Identifikation 10
2.3 Parodie, Paradoxie und das Komische in Es steht geschrieben. 12
3. Es steht geschrieben und Die Wiedertäufer - ein Vergleich. 15
Nachwort. 18
Bibliographie 20
2
Vorwort
In den Jahren 1945 und 1946 als erstes seiner Theaterstücke verfasst, erlebt das Drama Es steht geschrieben im Frühjahr 1947 seine Premiere im Zürcher Schauspielhaus. Ziemlich genau zwanzig Jahre später und am selben Ort folgt die Erstaufführung des Stückes Die Wiedertäufer . Eine Komödie, einer Neufassung des frühen Werkes.
Unter den frühen, weniger bekannten Werken Friedrich Dürrenmatts bietet das Drama in besonderem Maße eine Basis für die Analyse des Gesamtwerkes, gibt es doch im Vergleich zur überarbeiteten Fassung von 1967 einen Einblick in die dramaturgische Entwicklung des schweizerischen Autors. Bei einer Untersuchung des ersten Werkes liegt es also nahe, die überarbeitete Fassung in eine Betrachtung mit einzuschließen, und so die Gelegenheit eines a nschaulichen Vergleiches zwischen dem „genialen Wurf des Neulings“ und dem „reifen Werk des prominent gewordenen Dramatikers“ 1 zu ergreifen. Dürrenmatt selber schreibt im Nachwort zu der 1967 erschienenen Komödie Die Wiedertäufer, das Stück sei die „Wiederaufnahme eines Versuchs [...], den [er] im Jahre 1946 unternommen habe“, und bei dem „einzelne Teile des frühen Werks [...] übernommen werden [konnten]“. Er bezeichnet die Wiedertäufer als eine Begegnung „meiner heutigen Dramatik mit meiner ersten Dramatik“; es habe ihn verlockt, „noch einmal das alte Spiel, bewußter jetzt, durchzuspielen“ 2
In diesem Sinne soll in dieser Arbeit zuerst das Drama mit seinen bestimmten, kennzeichnenden Elementen besprochen werden und im letzten Teil eine Gegenüberstellung der beiden Stücke folgen, in der zum einen Gründe gesucht werden sollen, was Dürrenmatt zu einer Neuaufnahme veranlasste, zum anderen die
1 Josef Schmidt, Das Drama ‚Es steht geschrieben’ und die Komödie ‚Die Wiedertäufer’ in: Zu
Friedrich Dürrenmatt, Hrsg.: Armin Arnold. Stuttgart: Klett, 1982, 42
2 Friedrich Dürrenmatt, Dramaturgische Überlegungen zu den Wiedertäufern. Anhang zu: Die
Wiedertäufer. Eine Komödie in zwei Teilen. Werkausgabe Band 10. Zürich: Verlag der Arche, 1980,
137
3
Entwicklung vom Werk eines Nachkriegsautors zur Neubearbeitung nach 20 Jahren schriftstellerischer Erfahrung und vielzähligen erfolgreichen Werken betrachtet werden soll.
Es steht geschrieben, wie demnach auch Die Wiedertäufer, befasst sich mit der Geschichte des Wiedertäuferreiches, das Mitte des 16. Jahrhunderts in Münster, Westfalen errichtet wurde, ist aber n ach Dürrenmatts eigenen Angaben weder ausreichend historisch fundiert, noch als geschichtliches Drama anzusehen. „... es sei nicht [seine] Absicht gewesen, Geschichte zu schreiben, wie [er] denn auch Dokumenten nicht nachgegangen [sei], kaum dass [er] einige wenige Bücher gelesen habe über das, was sich in jener Stadt zugetragen“ 3 , heißt es im Vorwort zu Es steht geschrieben. Die Meinungen der Kritiker gehen auseinander, ob es sich um ein religiöses Problemstück handelt, ist Dürrenmatt als Sohn eines protestantischen Schweizer Pfarrers doch in einem Umfeld aufgewachsen, in dem die „Schrulligkeit gewisser Täufer“ 4 sich bis heute erhalten hat. Dürrenmatt selber hat keine Erklärungen über die Bedeutung des Stückes gegeben und so haben Kritiker bis zum heutigen Tage „vom Nihilismus bis zur gnadenhaften Erleuchtung so ziemlich alles in das Stück hineininterpretiert“ 5
Nachdem eine Besprechung dieser religiösen Grundthematik den Einstieg in eine weitere Arbeit geben soll, wird im Folgenden das bei einer Untersuchung des Dürrenmattschen Werkes nicht zu überschätzende Element des Komischen näher beleuchtet. Hier sollen die verschiedenen Stilformen der Groteske, des Komischen, des Paradoxen und der Parodie zusammenfassend besprochen werden, da eine ausführlichere Beschäftigung zwar dem Werk eher gerecht würde, den Rahmen dieser Arbeit allerdings sprengen würde. Im letzten Teil der Arbeit soll, wie schon erwähnt, der Vergleich der beiden ‚Fassungen’ gezogen werden.
Die vorliegende Untersuchung bezieht sich auf die Werkausgaben Band 1 ( Es steht geschrieben) und Band 10 (Die Wiedertäufer), die 1980 im Züricher Verlag der Arche erschienen sind. Zitate der Theaterprobleme habe ich der Kopie des Werkes
3 Friedrich Dürrenmatt, Vorwort zu: Es steht geschrieben. Ein Drama. Werkausgabe Band 1. Zürich:
Verlag der Arche, 1980.
4 Hans Bänzinger, Frisch und Dürrenmatt. Zit. in Schmidt 47
5 Schmidt 45
4
aus dem Seminarapparat entnommen, bei der mir leider die bibliographischen Angaben fehlen. Es handelt sich um die Ausgabe, mit der im Seminar gearbeitet wurde.
6 Friedrich Dürrenmatt, zit. in Wolfgang Böth, Vom religiösen Drama zur politischen Komödie. Friedrich
Dürrenmatt - „Die Wiedertäufer“ und „Es steht geschrieben“ - Ein Vergleich. Europäische
Hochschulschriften: Reihe 1, Dt. Literatur und Germanistik; Bd.276. Frankfurt a. M.: Verlag Peter
Lang, 1997
5
1. Die Wiedertäuferbewegung und ihre „Helden“ in der Kritik
Grundthema in Es steht geschrieben ist die Täuferbewegung, jene religiöse Widerstandsbewegung, deren Anhänger von 1533 bis 1536 in Münster, Westfalen, nach alttestamentarischem Vorbild ein eigenständiges Reich mit Gütergemeinschaft, Vielweiberei und biblischer Statthalterei errichteten. Obwohl ihrer Anlage nach eine religiös fundierte politische Bewegung, die sich gegen die vorherrschende (weltlichen wie geistlichen) Zustände stellt, erkennt der Leser bereits am Anfang, im Chor der drei Wiedertäufer in der Prolog ähnlichen Einleitung, die religiös-fanatische Bekämpfung der „Verdammten“ als Motor der Bewegung.
Eine Darstellung eben dieser Täuferbewegung findet sich hier auf zwei Ebenen: auf gesellschaftlicher E bene am Beispiel der Masse der münsteraner Täufer, auf individueller Ebene anhand einzelner Charaktere wie Bockelson, Knipperdolinck oder Matthison.
Auf gesellschaftspolitischer Ebene wird die Täuferbewegung von Dürrenmatt vor allem mit den Mitteln der Parodie während des gesamten Stückes kritisiert. So soll bereits in der Eröffnung von Es steht geschrieben das Orchester laut Regieanweisung dem Chor der Wiedertäufer „einige parodistische Töne“ (ESG,17 7 ) nachsenden, und auch der nachfolgende Monolog des Mönchs legt dem Publikum nahe, die „ungehobelte[n]“ Wiedertäufer, „deren Dummheit euch nur insofern in Verlegenheit bringen kann, als dass ihr nicht wisst, ob ihr lachen sollt oder weinen“(ebenda) nicht positiv zu betrachten. Äußerlich werden u.a. die Bekehrungsmittel der Täufer (die Wache tritt auf Grund der Weiber- und Gütergemeinschaft zum neuen Glauben über, ESG,27) parodiert; in verschiedenen Zusammenhängen wird der theologischen Rechtfertigung alle Glaubwürdigkeit genommen. Nach diesem Prinzip zeigen sowohl Johann Bockelsons abenteuerlicher Bericht seiner Reise in den Armen des schnäuzenden Erzengels Gabriel und seiner damit verbundenen Erhebung zum „Herrn der Erde“ (ESG,25) als auch die Worte des Münster verlassenden ‚Mannes’ im Gespräch mit Mollenhöck, der den
7 ESG steht für Es steht geschrieben.
6
Arbeit zitieren:
Kaya Hellgardt, 2002, Friedrich Dürrenmatts 'Es steht geschrieben' - eine Werkbetrachtung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Immanuel Kant: Der Streit der Fakultäten
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Referat (Ausarbeitung), 17 Seiten
Eine kurze Darstellung
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 15 Seiten
Kontinuität oder Neubeginn? Die Entwicklung der Presse in Deutschland ...
Eine vergleichende Betrachtung...
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Lizenzpresse (1945 - 1949) und Marktzutrittsphase (1949 - 1954)
Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Hausarbeit, 35 Seiten
Dürrenmatt, Friedrich - über seine Dramenauffassung von Komödie, die P...
Facharbeit (Schule), 10 Seiten
Die Erscheinung des Grotesken in der Tragikomödie von Friedrich Dürren...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Der Zufall - unter besonderer Berücksichtigung bei Friedrich Dürrenmat...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 14 Seiten
Dürrenmatt, Friedrich - Der hilflose Mensch - Eine Annäherung an das W...
Seminararbeit, 12 Seiten
Bibliographie zur Komödie im 18./19./20. Jahrhundert
Bibliothekswissenschaften, Information Science
Ausarbeitung, 8 Seiten
Kaya Hellgardt hat den Text Friedrich Dürrenmatts 'Es steht geschrieben' - eine Werkbetrachtung veröffentlicht
Kaya Hellgardt hat einen neuen Text hochgeladen
Dürrenmatt und die Weltliteratur - Dürrenmatt in der Weltliteratur
Véronique Liard, Marion George
Dürrenmatt, Friedrich - Der Verdacht - Die Panne
Interpretationen und Materiali...
Friedrich Dürrenmatt, Peter Pfützner
Friedrich Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker. Interpretationen
Friedrich Dürrenmatt, Walter Seifert, Klaus-Michael Bogdal, Therese Hirschenauer, Clemens Kammler, Albrecht Weber
Der Richter und sein Henker. Textanalyse und Interpretation zu Friedri...
Alle erforderlichen Infos für ...
Friedrich Dürrenmatt
Dürrenmatt. Die Physiker. Analysen und Reflexionen
Interpretationen und unterrich...
Friedrich Dürrenmatt, Peter Pfützner
Dürrenmatt. Der Besuch der alten Dame. Analysen und Reflexionen
Interpretationen und Materiali...
Friedrich Dürrenmatt, Peter Pfützner
Dürrenmatt. Der Richter und sein Henker. Analysen und Reflexionen
Der Kriminalroman im Unterrich...
Friedrich Dürrenmatt, Reiner Poppe
Lektürehilfen Dürrenmatt 'Die Physiker'
Inklusive Abitur-Fragen mit Lö...
Friedrich Dürrenmatt, Manfred Eisenbeis
0 Kommentare