Eine der augenfälligsten Veränderungen, die die Umbildung des deutschen Staatswesens in Richtung parlamentarischer Ordnung durch die Oktoberreformen 1918 und die Gründung der Republik brachte, war die gewachsene Bedeutung der Parteien als Träger der Politik, auch wenn ihnen hierfür die Verfassung keinen ausdrücklichen Auftrag gab. Dabei blieb das alte Parteienschema mit einigen, den Zeitverhältnissen entsprechenden Umbenennungen mit den Konservativen ( im wesentlichen repräsentiert durch die Deutschnationale Volkspartei ), dem politischen Katholizismus ( Zentrum und Bayerische Volkspartei ), dem Rechts- und Linksliberalismus ( Deutsche Volkspartei und Deutsche Demokratische Partei )sowie den Sozialisten, bestehen. Hinzu traten als Flügelparteien die Kommunisten und die Nationalsozialisten .
Das Zentrum deutsche katholische Partei (1870-1933)
Katholische Gruppierungen in deutschen Länderparlamenten formierten sich als politisch-parlamentarische Vertretung des Katholizismus und zogen 1871 mit 48 Abgeordneten in den Deutschen Reichstag ein. Wegen ihrer Plazierung in der Mitte des Sitzungssaales und wegen ihrer Zielsetzung, angesiedelt zwischen derjenigen der Konservativen und Liberalen, nannten sie sich Deutsche Zentrumspartei. Mit ihrer großen, stabilen Wählerschaft stellte die Zentrumspartei von 1881 bis 1912 und 1916 bis 1918 die stärkste Fraktion.
Maßgeblich gestaltete sie die Politik der Weimarer Republik mit. Obwohl die Zentrumspartei die Novemberrevolution ablehnte, verteidigte sie die republikanischdemokratische Verfassung und beteiligte sich von 1919 bis 1932 an den Regierungen. Zitat aus dem 4. Reichsparteitag in Kassel:
„Die Zentrumspartei ist in ihrem Wesen eine Verfassungspartei. Ihre grundsätzliche Einstellung zum Staats- und Autoritätsbegriff ermöglicht ihr die Bejahung jeder Staatsform, in welcher dieser Begriff seine Verwirklichung finden kann ... Darum bekennt sich die Zentrumspartei zur deutschen Republik, die in der Weimarer Verfassung festgelegt ist und deren Schutz und Durchdringlichkeit mit christlichem Geiste sie als ihre Aufgabe und Pflicht betrachtet.“
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Parteivorsitzende während der Weimarer Republik waren Karl Trimborn (1917-1920) und Wilhelm Marx (1920-1928).
In neun Kabinetten stellte sie insgesamt vier Reichskanzler (Konstantin Fehrenbach 1920/21;. Joseph Wirth 1921/22; Wilhelm Marx 1923-1925 und 1926-1928; Heinrich Brüning 1930-1932).
Brüning förderte mit seiner Zuflucht zu autoritärer Politik und mit Maßnahmen, die der schweren Wirtschaftskrise nicht Herr werden konnten, eher den Zerfall der Weimarer Republik, als dass er den Aufstieg der Nationalsozialisten behinderte. Am 27. März 1933 stimmten die Abgeordneten des Zentrums, das von Adolf Hitler unverbindliche Zusagen zur Einhaltung des verfassungsmäßigen Weges erhalten hatte, dem Ermächtigungsgesetz zu. Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung musste sich das Zentrum vier Monate später auflösen. Ehemalige Zentrumspolitiker gehörten nach dem Krieg zu den Begründern der CDU.
Für das Zentrum konnte es im Volksstaat keine Herrschaft einer besonderen Gruppe oder Klasse geben. Es forderte eine zentralistische Staatsstruktur bei Fortbestehen der Länder. Die Kirche hatte für diese Partei sowohl in der Kulturpolitik als auch in der Verfassung bewahrende Aufgaben und Rechte.
Wirtschaft und Gesellschaft wünschte das Zentrum ber ufsständisch gegliedert zu sehen. Außenpolitisch lag das Zentrum auf der Linie des Revisionismus.
Die Bayerische Volkspartei
Schon 1918 war der bayerische Parteiflügel des Zentrums unter dem Namen Bayerische Volkspartei aufgetreten. Unter dieser Bezeichnung löste er sich nun völlig von der Mutterpartei ab und entwickelte ein eigenes, auf katholischen Fundamenten beruhendes, Programm, das weitaus stärker als beim Zentrum zur Monarchie und zu einer Rückkehr zur Bismarckschen Reichsverfassung mit ihren ausgeprägt föderativen Strukturen tendierte. Es ist kein Zufall, dass die bayerische Volkspartei in den Tagen des Kapp-Lüttwitz-Putsches durch eine gegen das legale Ministerium unter sozialdemokratischer Führung gerichtete Aktion in die Verantwortung gelangte und
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seither im Bündnis mit dem bayerischen Ableger der Deutschnationalen, der Bayerischen Mittelpartei, und dem seit den Tagen der Münchener Rätezeit zum Konservatismus zurückgekehrten Bayerischen Bauernbund die Landesregierung bildete. Obgleich die BVP ebenfalls einen Arbeiterflügel besaß, gewann dieser für die Politik der Partei keine große Bedeutung, und so war sie weniger den Parteien der bürgerlichen Mitte als vielmehr den Rechtsparteien zuzurechnen. Zumindest gilt dies für die Jahre bis 1923, in denen die BVP eine prononcierte Politik bayerischer Eigenstaatlichkeit betrieb. Zwischen 1920 und 1928 waren immer etwa 16 - 18 Mitglieder in der Reichtagsfraktion, die wie die rechtsgerichteten Parteien oppositionell wirkten. Die 1925 einsetzende rechtsentwicklung des Zentrums, führte wieder zur Zusammenarbeit, nicht aber zur organisatorischen Verbindung. Doch diese Zusammenarbeit zerbrach, als die BVP den Ausschluß von Joseph Wirth und dem gesamten linken Flügel verlangte.
Die Bayerische Volkspartei verfocht mit Entschiedenheit das Prinzip der Bundesstaatlichkeit wie in der Bismarckschen Verfassung, stand sonst mit stark konservativer Akzentuierung den Auffassungen des Zentrums nahe.
Die Deutsche Demokratische Partei
Die linksliberale Partei der Weimarer Republik wurde am 20. November 1918 von Friedrich Naumann mitbegründet. Sie setzte sich aus ehemaligen Mitgliedern der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP), den Jungliberalen und dem linken Flügel der Nationalliberalen Partei zusammen und stützte sich vor allem auf den bürgerlichen Mittelstand. In der Weimarer Nationalversammlung verfügte die DDP über knapp 20 Prozent der Sitze und wirkte als drittstärkste Partei maßgeblich an der Ausarbeitung der Weimarer Verfassung mit.
Es sah so aus, als würde die DDP die republikanische Staatspartei werden, zu der sich jeder bekennt, der die aktuelle staatliche Ordnung gutheißt und diese so belassen will. Zitat aus dem Programm vom 15.12.1919:
Die Deutsche Demokratische Partei steht auf dem Boden der Weimarer Verfassung;
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zu ihrem Schutz und zu ihrer Durchführung ist sie berufen. Voraussetzung des Erfolges ist die Erziehung des Volkes zur staatsbürgerlichen Gesinnung. Das Verhältnis des einzelnen zur Gesamtheit bestimmt sich durch den Gedanken der staatsbürgerlichen Pflicht.
Die DDP war eine der Parteien der Weimarer Koalition und von 1919 bis 1932 mit einer kurzen Unterbrechung 1927/28 an der Regierung beteiligt. Der Stimmenanteil der DDP ging von 18,6 Prozent im Jahr 1919 auf knapp fünf Prozent im Jahr 1930 zurück. Die Partei war zu Stolz auf das was sie hatte und plante die Zukunft und die Veränderungen nicht mit ein, zu spät erst wurde der Versuch unternommen eine Massenpartei zu bilden.
Angesichts des Stimmenverlusts schloss sich die Mehrheit der DDP mit anderen Parteien, u. a. mit dem Jungdeutschen Orden, zur Deutschen Staatspartei zusammen. Im Juni 1933 löste sich die Partei selbst auf.
Die Deutsche Demokratische Partei sah in ihrem Programm den Volkswillen als oberstes Gesetz an. Sie lehnte aus Sorge vor einer Bürokratisierung der Wirtschaft die Sozialisierung der Produktionskräfte ab, bekämpfte aber Monopole und forderte Reformen im großagrarischen Bereich. Außenpolitisch verlangte die DDP eine Revision des Friedensvertrages und deutsche Gleichberechtigung. In der Kulturpolitik vertrat die Partei wie auch die DVP den liberalen Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche.
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Die Deutsche Volkspartei
Die Hoffnungen des rechtsliberalen Bürgertums waren von 1920 an auf die Deutsche Volkspartei gerichtet. Ohne einen vergleichbaren Parteiapparat, wie er in vielen Bezirken der DDP zur Verfügung stand, war die Wahl zur Nationalversammlung für die neue Partei des nationalen Liberalismus noch zu früh gekommen. Mit 4,4 Prozent der abgegebenen Stimmen lag sie an fünfter Stelle. Doch in den Beratungen der Nationalversammlung erwies sie sich als konsequente Vertreterin eines Bildungsbürgertums, das die Revolution ablehnte und der Neuentwicklung mit unverhohlener Kritik gegenüberstand. Das Bekenntnis zur Monarchie und zu den alten Reichsfarben rückte die DVP in die Nähe der Deutschnationalen, von denen sie sich im wesentlichen nur durch einen geringeren Verbalradikalismus und die Ablehnung des Antisemitismus unterschied. Immerhin gab es durchaus enge Kontakte und Erwägungen einer Fusion. Die Nagelprobe kam in den Tagen des Kapp - Lüttwitz - Putsches, als die DVP unter Stresemann zunächst den gegenrevolutionären Vorstoß zumindest nicht missbilligte, dann aber, als sein Scheitern offensichtlich wurde, um Vermittlung zwischen der legitimen Regierung un den Usurpatoren bemüht war. Die DVP war zu diesem Zeitpunkt ganz und gar opportunistisch eingestellt. Sie missbilligte den politischen Generalstreik gegen die Putschisten und kritisierte das Verhalten der Reichsregierung und der Länderregierungen in den nachfolgenden politischen Unruhen. Der DVP kam zugute, dass sie bald eine eigene Parteiorganisation entwickeln konnte, die - gestützt auf Zahlungen aus der Wirtschaft - in der Lage war, Propaganda zu treiben. Als Gegenleistung für die Unterstützung durch die Wirtschaft mussten führende Vertreter der Schwerindustrie als Kandidaten für den Reichstag akzeptiert werden. Geschadet hat dies der DVP nicht. Bei den Wahlen am 6. Juni gewann sie einen großen Teil der DDP - Wähler und wurde mit 13,9 Prozent der Stimmen die viertstärkste Partei. Die Deutsche Volkspartei setzte sich für eine starke, zentrale Staatsgewalt bei Erhaltung Preußens ein. Soziale und ökonomische Konflikte sollten gütlich ausgeglichen werden, das Unternehmertum erhalten bleiben. Außenpolitisch verfocht die Volkspartei sowohl deutsche Selbstbestimmung , d.h. Revision der Versailler Vertragsauflagen, als auch Vökerversöhnung.
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Die Deutschnationale Volkspartei
Die Deutschnationale Volkspartei wurde im November 1918 aus konservativen, antiparlamentarischen und antisemitischen Gruppierungen gebildet. Die rechtsgerichtete Partei in Deutschland, deren Wählerschaft sich vor allem aus ehemaligen Offizieren, Ärzten, Professoren, Bauern und Beamten zusammensetzte, strebte die Wiederherstellung der Monarchie und den Wiedererwerb von Kolonien an. Ebenfalls forderte sie eine Vormachtstellung Preußens bei föderalistischer Gliederung des Reiches. 1924 bis 1928 war die DNVP stärkste bürgerliche Reichstagsfraktion, 1926 war sie am Minderheitenkabinett der Mitte sowie 1927/28 an der Koalitionsregierung mit dem Zentrum beteiligt. Unter Alfred Hugenbergs Führung entwickelte sich die DNVP zu einer reaktionär - nationalistischen Partei. Im Oktober 1931 schloss sie sich mit den Nationalsozialisten zusammen (Harzburger Front). Im Januar 1933 trat sie dem Kabinett Adolf Hitlers bei. Im Juni 1933 folgte die Selbstauflösung. Oskar Hergt (1920-1926) und Kuno Graf von Westarp (1926-1928) waren die Parteivorsitzenden. Die Deutschnationalen gingen von der Monarchie als staatsbildendem und tragendem Element aus, das für Reich und Länder prinzipiell Geltung besitze. In den sozial- und wirtschaftspolitischen Aussagen ihrer Grundsätze von 1920 stand die DNVP auf dem Boden der Verständigung, wie sie in der Zentralarbeitsgemeinschaft formal praktiziert werden sollte, d.h. Arbeitsschutz, Koalitions- sowie Tarifrechte der Arbeitnehmer, Wahrung des Privateigentums, Abbau aller zwangswirtschaftlichen Maßnahmen. Hinzu kamen Maßnahmen zugunsten des Mittelstandes. Ähnlich dem Zentrum wünschte die DNVP die Verbindung die Verbindung von Christentum und Staat. In der Erwartung nationaler Erneuerung verlangten die Deutschnationalen einen starken Staat mit Wehrpflicht, die Beseitigung aller fremden Kontrollen und die Revision des Versailler Vertrages.
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Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, abgekürzt SPD, ist eine traditionsreiche Volkspartei, die in der Weimarer Republik sowie in der Bundesrepublik über längere Zeiträume die Regierung stellte (1919-1933 und 1966-1982), sich aber meistens in der Opposition befand. Die älteste der bestehenden deutschen Parteien gab sich ihren heutigen Namen 1890 als Nachfolgeorganisation der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), eines 1875 vollzogenen Zusammenschlusses aus dem 1863 von Ferdinand Lassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) und der 1869 von Wilhelm Liebknecht und August Bebel gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Sie wurde auf Anhieb stärkste Partei und zählte 1913 rund eine Million Mitglieder.
1917 spaltete sich die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) als linksgerichtete neue Partei von der SPD ab.
In der Zeit der Abspaltung, die bis 1922 andauerte, nannte sich die übrig gebliebene Mehrheit der SPD, Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands, kurz MSPD. 1918 bekannte sich die SPD zur parlamentarischen Demokratie. Am 9. November 1918 übertrug Prinz Max von Baden dem SPD-Parteivorsitzenden Friedrich Ebert das Amt des Reichskanzlers. Zwischen 1919 und 1930 war die SPD die stärkste Partei im Reichstag, und 1919 stellte sie mit Philipp Scheidemann den Ministerpräsidenten der ersten Regierung der Weimarer Republik. Nach dessen Rücktritt aus Protest gegen den Versailler Vertrag noch im selben Jahr folgten ihm mit Gustav Bauer (unter dessen Kanzlerschaft der Vertrag unterzeichnet wurde) und 1920 mit Hermann Müller (1928-1930 abermals Reichskanzler) weitere Sozialdemokraten im Amt des Regierungschefs nach. Von 1919 bis 1925 war Friedrich Ebert Reichspräsident. Die große Koalition von 1928 wurde in der folgenden Weltwirtschaftskrise von den Parteien des extremen linken und rechten Spektrums angegriffen, die Wählerunterstützung schwand rapide (zuletzt, 1933, auf 18 Prozent).
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die SPD, die im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hatte, aus allen Parlamenten ausgeschlossen; ihre Mitglieder wurden während der nun folgenden
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nationalsozialistischen Diktatur unerbittlich verfolgt; viele Sozialdemokraten starben in Konzentrationslagern, wurden ermordet oder flohen ins Exil. Zahlreiche Sozialdemokraten waren aktiv in der Widerstandsbewegung. Die Mehrheitssozialdemokraten setzten den vor dem Krieg bereits begonnenen Kurs einer sozialen Demokratie fort, während die Unabhängigen Sozialisten eine deutlich marxistisch - revolutionäre Linie verfolgten. Beide Parteien verstanden sich in erweitertem Sinn als Repräsentant der Arbeiterklasse, d.h. aller Arbeitnehmer. Nach der Wiedervereinigung in einer Partei gab das Heidelberger Programm von 1925 eine Rückkehr zu den Vorstellungen des Erfurter Programms zu erkennen, in dem ideologisch die gesellschaftlichen Verhältnisse der Weimarer Republik als Fortsetzung des Klassenkampfes erklärt wurden. Doch bestand kein Zweifel, dass die Sicherung der Republik nur ohne Verbalradikalismus und in Kooperation mit gemäßigtem bürgerlichen Parteien möglich sei.
Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands wurde 1917 als Abspaltung von der SPD gegründet, und von Hugo Haase und Wilhelm Dittmann geführt. Sie ging aus der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft von Reichstagsabgeordneten hervor, die 1916 als Gegner des Burgfriedens aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen worden waren. Als marxistische Klassenkampfpartei gab die neue Gruppierung der zunehmenden Radikalisierung unter den Arbeitern Ausdruck. Mit prominenten Mitgliedern (u. a. Eduard Bernstein, Karl Kautsky und den Spartakusbund-Gründern Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht) etablierte sie sich als linke Konkurrenzpartei zur SPD. In der Novemberrevolution 1918 spielte sie eine entscheidende Rolle, war im Rat der Volksbeauftragten (der Übergangsregierung von 1918/19) vertreten und nahm
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in der Rätebewegung (1918-1920) eine zeitweise führende Stellung ein (u. a. in der Münchner Räterepublik). Zwischen linksextremistischem Aktionismus und realpolitischer Mitwirkung verschliss sich die Partei jedoch: Ende 1918 verließ der Spartakusbund die USPD und konstituierte sich als KPD, 1920 spaltete sich die USPD erneut und ging schließlich 1922 wieder ganz in der SPD auf.
Der Spartakusbund war eine Vereinigung radikaldemokratischer Sozialisten, die am 1. Januar 1916 zunächst unter dem Namen „Gruppe Internationale“ von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Franz Mehring in Berlin gegründet wurde. Unter Bezugnahme auf ihr illegal erscheinendes Organ Spartakusbriefe (nach dem Führer des römischen Sklavenaufstandes Spartacus) nannte sich die Gruppe später um. Im Gegensatz zum Kaderparteikonzept Lenins vertrat der Spartakusbund einen demokratischen Kommunismus.
Die Spartakisten bildeten ursprünglich den äußersten linken Flügel der SPD; aus Opposition gegen die Burgfriedenspolitik, d.h. die Tolerierung der deutschen Kriegspolitik im 1. Weltkrieg durch die Mehrheit der SPD spaltete sich der Spartakusbund von der SPD ab. Am 1.Mai 1916 organisierte der Spartakusbund eine große Antikriegsdemonstration auf dem Potsdamer Platz in Berlin, während der Rosa Luxemburg zum Generalstreik aufrief. Im April 1917 schloss sich der Spartakusbund der USPD an, die sich ebenfalls aus Protest gegen die Burgfriedenspolitik von der SPD abgespalten hatte; er verfolgte aber weiterhin seinen radikaldemokratischen Kurs. Der Spartakusbund war in den Januarstreiks und in der Novemberrevolution 1918 aktiv; am 9.November 1918 proklamierte Liebknecht- allerdings erfolglos - in Berlin die „freie sozialistische Republik“. Der Spartakusbund forderte für Deutschland ein Rätesystem und lehnte eine Nationalversammlung strikt ab. Unter anderem über diese Fragen kam es im Dezember 1918 zum Bruch mit der USPD; auf einer Versammlung vom 30.Dezember 1918 bis zum 1.Januar 1919 vereinigten sich Spartakusbund und Bremer Linksradikale zur Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Am 5./6.Januar 1919 organisierten KPD, USPD und Metallarbeiter in Berlin eine Massendemonstration, den so genannten Spartakusaufstand, der von Freikorpstruppen blutig niedergeschlagen wurde. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wurden festgenommen und von rechtsradikalen Freikorpsoffizieren ermordet. LK Geschichte 13.1.: Die Parteien der Weimarer Republik von Deniz Balnak Seite 10
Die Kommunistische Partei Deutschlands
In Deutschland gründete sich 1919 (zur Zeit der Weimarer Republik) die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) aus einem Zusammenschluss des Spartakusbundes mit den Bremer Linksradikalen. Das von Rosa Luxemburg entworfene Parteiprogramm sah eine sozialistische Republik mit einer Räteverfassung vor. Wie die Sozialdemokraten haben sich auch die Kommunisten mit Abspaltungen und Fraktionsbildungen auseinandersetzen müssen, deren erste Anzeichen bereits während des Parteigründungsprozesses zu erkennen waren. Streitpunkte waren die Fragen nach der Beteiligung an den Wahlen zur Nationalversammlung und nach dem Vorbildcharakter der russischen Revolution. Dem Appell Rosa Luxemburgs, den Kampf auf der Straße zu meiden und die Parlamentstribünen zu nutzen, stellten sich der Moskauer Karl Radek sowie Karl Liebknecht erfolgreich entgegen. Rosa Luxemburgs Forderung, Freiheit müsse immer auch die Freiheit der Andersdenkenden sein, ging ebenso unter wie die Erwartung vieler Parteiangehöriger, künftig von der Parteizentrale weniger reglementiert zu werden. Nur wenige Wochen nach der Gründung der KPD an der Jahreswende 1918/19 erlitt sie den schwersten Verlust, als im Verlauf der Berliner Januarkämpfe Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet wurden. Die eigentliche geistige Führungsgruppe war damit ausgeschaltet. 1920 schloss sich die KPD mit dem linken Flügel der USPD zu einer politisch bedeutsamen Kraft zusammen. In den folgenden Jahren gewann der stalinistische Flügel die Oberhand und erklärte (vor dem Hintergrund des aufkommenden Nationalsozialismus) ausgerechnet die regierenden Sozialdemokraten zum politischen Hauptfeind. Die KPD verstärkte ihre Angriffe gegen die Sozialdemokraten bis hin zu dem Vorwurf sie seien „Sozialfaschisten“, Handlanger des Kapitals. Dennoch betrieben die Kommunisten eine Politik des Abwartens und nutzten z.B. aus der Sorge, bei Neuwahlen weitere Verluste hinnehmen zu müssen, nicht die Chancen zum Sturz des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun. Die KPD war im Verlauf der Radikalisierung des öffentlichen Lebens und der Weltwirtschaftskrise auf 100 Reichstagsmandate angewachsen (1932). Am 27. 02. 1933 wurde die KPD mit der Unterstellung der Reichstagsbrandstiftung verboten und aufgelöst, Kommunisten wurden von nun an verfolgt, verhaftet und deportiert.
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Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
Die Anfänge (1919-1925)
Die Partei wurde am 5. Januar 1919 von dem Eisenbahnschlosser Anton Drexler und dem Journalisten Karl Harrer in München als Deutsche Arbeiterpartei (DAP) gegründet und am 24. Februar 1920 in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannt. Adolf Hitler trat der Partei am
12. September 1919 bei und war zunächst ihr Propagandachef. Am 29. Juli 1921 wurde Hitler zum Parteivorsitzenden mit umfangreichen Vollmachten gewählt; es galt nun innerhalb der Partei das Führerprinzip, Mehrheitsbeschlüsse wurden abgeschafft. Das 25 Punkte umfassende Parteiprogramm vom 24. Februar 1920, das Drexler und Hitler zusammen verfassten, zeichnete sich durch stark antiliberale, antikapitalistische, imperialistische und besonders antisemitische Züge aus. Entscheidend für die Politik und die Ideologie der NSDAP waren vor allem die ersten vier Punkte des Parteiprogramms: 1. Die Schaffung eines Großdeutschlands, in dem alle Deutschen zusammengefasst wären; 2. die Revision des Versailler Vertrags; 3. Die Forderung nach Kolonien für Deutschland; und 4. die Entfernung aller Juden aus Deutschland. Anders als es ihr Name vermuten lässt, war die NSDAP antisozialistisch und antimarxistisch ausgerichtet, wenngleich sie ihr Programm in erster Linie auf den wirtschaftlich benachteiligten bzw. gefährdeten unteren Mittelstand ausrichtete. Seit 1920 war das Hakenkreuz Symbol der Partei und der Völkische Beobachter das zentrale Parteiorgan. 1923 übernahm Alfred Rosenberg, der führende Ideologe der Partei, die Chefredaktion der Zeitung. 1920 wurde die Sturmabteilung (SA) zunächst als Saalschutzgruppe gegründet; 1921 wurde sie unter der Leitung von Ernst Röhm in eine paramilitärische Kampfgruppe umgewandelt, die durch Straßenterror auf die Partei aufmerksam machte und eine wesentliche Rolle beim Aufstieg der Partei spielte. In Preußen sowie in einigen anderen nord- und mitteldeutschen Ländern wurde die NSDAP aufgrund ihrer Radikalität und des SA-Terrors 1922 verboten; die Partei war zunächst eine relativ kleine, dafür besonders lautstarke, auf Bayern begrenzte Splitterpartei, die sich der Unterstützung konservativer und antikommunistischer Kräfte aus Militär, Verwaltung und Wirtschaft erfreute.
LK Geschichte 13.1.: Die Parteien der Weimarer Republik von Deniz Balnak Seite 12
Im November 1923 glaubte Hitler die politische Situation in Bayern und im Reich für einen Putschversuch zunächst gegen die bayerische, anschließend gegen die Reichsregierung nutzen zu können. Der Hitler-Putsch vom 9. November 1923 scheiterte; er wurde später von der NSDAP propagandistisch als „Marsch auf die Feldherrnhalle“ verherrlicht, und der 9. November wurde zum Gedenktag der Partei erklärt. Nach dem gescheiterten Putsch wurden die NSDAP, die SA und auch der Völkische Beobachter verboten; die Partei, die zum Zeitpunkt ihres Verbotes etwa 55 000 Mitglieder hatte, erhielt sich aber bis zur ihrer Wiederzulassung im Februar 1925 in verschiedenen anderen völkisch-antisemitischen Organisationen. Die Konsolidierung der NSDAP (1925-1930)
Nach dem gescheiterten Putsch, während seiner kurzen Haftzeit 1924, änderte Hitler sein strategisches Konzept: „Statt die Macht durch Waffengewalt zu erringen, werden wir zum Ärger der katholischen und marxistischen Abgeordneten unsere Nasen in den Reichstag stecken. Wenn es auch länger dauert, sie zu überstimmen als sie zu erschießen, so wird uns schließlich ihre eigene Verfassung den Erfolg garantieren“ Hitler ging vom Putschgedanken ab und strebte eine legale Machtübernahme via Wahlen und Reichstag an. Bei der Neugründung der Partei am 27. Februar 1925 im Münchner Bürgerbräukeller verzichtete Hitler nochmals öffentlich auf alle Versuche, den Staat mit Gewalt zu stürzen, und versprach für seinen Kampf um die Macht die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Ebenfalls 1925 wurde die SA wieder aufgebaut und die Schutzstaffel (SS), zunächst als Unterorganisation der SA, zum persönlichen Schutz Hitlers gegründet.
Bei ihrer Neugründung organisierte sich die Partei sogleich reichsweit; die Reichsleitung der Partei, die sich zunächst in Gaue und Ortsgruppen untergliederte, saß in München. Ende 1925 hatte die NSDAP etwa 27 000 Mitglieder, 1926 knapp 50 000, 1927 etwa 72 000 und 1928 circa 100 000 Mitglieder. 1929, während der Weltwirtschaftskrise, stieg die Mitgliederzahl auf 150 000 und 1930 auf 400 000. In der Konsolidierungsphase setzte sich in der NSDAP das Führerprinzip vollkommen durch, die politische Willensbildung innerhalb der Partei geschah durch Befehl seitens der Parteiführung an das gläubige Parteivolk. In dieser Zeit entstand auch der ausgeprägte Führerkult, der propagandistisch sowohl verstärkt als auch genutzt wurde. Bereits ab 1923 wurde innerhalb der Partei allmählich der Gruß „Heil Hitler“ üblich. LK Geschichte 13.1.: Die Parteien der Weimarer Republik von Deniz Balnak Seite 13
Daneben entwickelte die Partei ihre Propagandamittel zu äußerst wirkungsvollen Instrumenten: Sie verstärkte ihre Agitation, organisierte massenwirksame Großveranstaltungen wie die Reichsparteitage in Weimar (1926) und Nürnberg (1927, 1929), steigerte ihre Attraktivität für bestimmte Kreise durch einen massiven Einsatz paramilitärischer Attribute und Verhaltensweisen wie Uniformen, Marschmusik und Aufmärsche, und sie demonstrierte permanent Gewaltbereitschaft gegenüber politischen Gegnern und wandte gegen ihre Gegner auch ohne zu zögern Gewalt an. Während ihrer Konsolidierungsphase war die aggressive, negativ geprägte, auf die Diffamierung ihrer Gegner ausgerichtete Propaganda die wesentliche Tätigkeit der Partei.
Aufstieg und Machtergreifung (1930-1933)
Im Zuge der Weltwirtschaftskrise begann der rasante Aufstieg der NSDAP. Bei den Reichstagswahlen vom 20. Mai 1928 hatte die NSDAP lediglich 2,6 Prozent (12 Abgeordnete) der Stimmen erhalten; bei den Reichstagswahlen vom 14. September 1930 erreichte sie 18,3 Prozent und war nun mit 107 Reichstagsabgeordneten zweitstärkste Fraktion nach der SPD. Am 31. Juli 1932 bekam die NSDAP 37,4 Prozent der Stimmen und wurde mit 230 Sitzen stärkste Partei im Reichstag. Die Mitgliederzahl der Partei verdoppelte sich zwischen 1930 und 1931 auf 800 000. Ende 1929 war die NSDAP auch in den meisten Länderparlamenten vertreten, und 1930 war sie in einigen der kleineren Länder an der Regierung beteiligt. Gefördert wurde diese Entwicklung durch Zweckbündnisse der NSDAP mit etablierten antirepublikanischen Kräften in allen Bereichen der Gesellschaft, wie z. B. durch die Harzburger Front der NSDAP u. a. mit der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) Alfred Hugenbergs. Die NSDAP erschien nun vielen als eine bessere Alternative zum Weimarer Staat, und mit ihrer aggressiven Propagandatechnik gelang es der Partei jetzt, in allen Bevölkerungsschichten Anhänger für sich zu gewinnen. Trotz des Wahlerfolges der NSDAP im Juli 1932 lehnte Hitler eine Regierungsbeteiligung ab; als Führer der stärksten Partei forderte er das Kanzleramt für sich selbst, das ihm Reichspräsident Paul von Hindenburg vorläufig noch verweigerte. Hitlers starre Haltung provozierte parteiinterne Auseinandersetzungen, u. a. mit Georg Strasser, und entfremdete viele Mitglieder und Wähler der Partei.
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Bei den Reichstagswahlen vom 6. November 1932 verlor die NSDAP über vier Prozent der Stimmen, blieb aber weiterhin stärkste Partei. Auf massiven Druck konservativer Kräfte wie Franz von Papen und Alfred Hugenberg ernannte Hindenburg schließlich am 30. Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler einer Koalitionsregierung aus NSDAP und DNVP.
Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 wurde die KPD zerschlagen, im Juni 1933 wurde die SDP verboten, und im Juni/Juli 1933 lösten sich alle übrigen Parteien auf bzw. wurden zur Auflösung gezwungen. Nach dem Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933 blieb die NSDAP die einzig zugelassene Partei und die einzige politische Kraft. Mit dem Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 1. Dezember 1933 wurde die NSDAP als „Trägerin des deutschen Staatsgedankens und mit dem Staate unlösbar verbunden“ definiert. Das Deutsche Reich war zum Einparteienstaat geworden. Anfang 1933 hatte die NSDAP 1,5 Millionen Mitglieder, am Ende des Dritten Reiches waren es etwa 8,5 Millionen.
Für alle politischen Gruppierungen lag ein wesentliches Problem darin, dass sie von der Revolution überrascht wurden und faktisch ohne Erfahrung hinsichtlich eigentlicher Kontrolltätigkeit im Parlament oder der Regierungsverantwortung waren. Problematisch war zudem die in Deutschland virulente Parlamentsfeindlichkeit, die auch nach 1918 nicht überwunden worden ist. Hinzukam, dass die Kontroversen um politische Inhalte und Parteibindungen zu Abspaltungen, Aufsplitterungen und innerparteilichen Fraktionierungen führten, vor denen in den vierzehn Jahren der ersten deutschen Republik keine politische Partei verschont geblieben zu sein scheint. Dies führte gerade bei den größeren Parteien früher oder später zu Verunsicherungen gegenüber Parteimitgliedern und Wählervolk. Obgleich Parteiprogramme erkennen lassen, dass es durchaus Verbindungsmöglichkeiten durch verwandte Aussagen hätte geben können, bestand ideologische Doktrinarismus fort, der bereits die zwischenparteilichen Diskussionen im Kaiserreich geprägt hatte. Insbesondere gab es Differenzen über die Staatsordnung, die sich seit der militärischen Niederlage 1918 herausgebildet hatte.
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Balnak Deniz, 2000, Die Parteien der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag GmbH
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