WS 00/01
Seminar: Außerschulische Jugendbildung - Institutionen und Tätigkeitsbereiche
Dozent: Dr. Birgit Schaufler
Referentin: Miriam Lauterbach
14.11.00
Konzeptionsentwicklung
Konzeptionen sind Texte, welche auf
Grundlage einer umfassenden
Sozialraumanalyse Zielformulierungen
erarbeiten, feststellen und anstreben. Des
weiteren beschreiben sie mittels konkreten
einzelnen Handlungsschritten, welche auf
die vorhandenen Ressourcen abgestimmt
sind, wie diese Teil- und Gesamtziele zu erreichen sind und wie im Nachhinein eine
Kontrolle der Qualität dieser erreichten Ziele stattzufinden hat.
1. Konzeptionsverständnis
Konzeptionen sind das Verbindungsglied zwischen Theorie und Praxis.
Theorie
Konzeption
Praxis
ist sehr allgemein
gefaßt
ist die kontextbezogene
Umwandlung
ist eine sehr
spezielle
Gegebenheit
ist eine
handlungsdistanzierte
Reflexion
ist der geplante Versuch,
kon-kretes Handeln zu
ermöglichen
verlangt konkrete
Handlungen
ist für wissenschaftl.
Kommu-nikation und
Praxisberatung
wird von Praktiker für
Praktiker gemacht,
professionelles Handeln
wird von
Praktikern
gestaltet
ist der Versuch von
stabilen Aussagen
ist von vornherein auf
Veränderung hin angelegt
unterliegt einer
ständigen
Veränderung
2. Inhalte von Konzeptionen
·
Bestimmung von Leitbildern bzw. Grundsatzerklärungen
·
Analyse der Lebensbedingungen, Probleme und Bedürfnisse
·
Bestimmung der daraus resultierenden Problem- oder Aufgabenstellung
·
Bestimmung der Zielgruppe
·
theoretische Grundlagen
·
Bestimmung von Global- und Teilzielen
·
Bestimmung von Handlungsformen (Operationalisierungen)
·
Bestimmung von Rahmenbedingungen (Organisationsstrukturen, Finanzen,
Personal, Methoden, Handlungsprinzipien...)
·
Festlegung der Reflexionsmethoden
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Dozent: Dr. Birgit Schaufler
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3. Die Sozialraumanalyse
,,Der erste Schritt sozialräumlicher Konzeptentwicklung besteht darin, sich unabhängig von
Vorgaben, Rahmenbedingungen und Zielen der Jugendarbeit ein Bild von den Orten und
Räumen der Kinder und Jugendlichen und deren Qualitäten, Einschränkungen und
Möglichkeiten zu machen. Erst auf Grundlage dieser Lebensweltanalyse kann es um die
Fragestellung gehen, welchen Stellenwert die [vorhandene oder entstehende] Einrichtung
der Jugendarbeit in der jeweils spezifischen Lebenswelt als Teil der sozialen Infrastruktur
aus der Sicht von den Kindern und den Jugendlichen einnimmt, und welche neue
Funktionen und Aufgaben der Jugendarbeit sich daraus ergeben."
Analyse der Lebenswelt u.a. durch folgende Methoden:
·
Interviews mit Jugendlichen
·
Stadterkundung mit Jugendlichen
·
Erstellen von subjektiven Landkarten, bei denen die Jugendlichen ihre eigene
Wahrnehmung des Umfeldes deutlich machen
·
Fremdbilderkundungen, durch Befragung von Anwohnern, Passanten usw.
·
die Cliquenbeobachtung
4. Funktionen von Konzeptionen
·
Erhöhung der Professionalität und Fachlichkeit (Qualifizierung);
·
Integration aller Beteiligten (Träger, Mitarbeiter, Klienten, Umfeld).
·
Förderung von Verständigungsprozessen durch die gemeinsame Erarbeitung;
·
Vergewisserung des eigenen Standortes mit all seinen Bereichen;
·
Festlegung der Problem- und Aufgabendefinition;
·
Orientierung für das praktische Handeln (durch Planungs- und
Entscheidungsrichtlinien) und des eigene Verhaltens nach außen (,,Corporate
Identity");
·
Schaffen von Planungs- und Verfahrensstrukturen;
·
Eingrenzung der Handlungsbereiche;
·
reflexionsfördernd;
·
Legitimationsmittel nach außen.
Supervision
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Referentin: Miriam Lauterbach
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Supervision ist ein Instrument zur Unterstützung und
Beratung von Berufstätigen. Als ,,Nachdenken
unter Anleitung" ist sie eine Beratungsform für
berufliche Probleme. Neben einer psychischen
Entlastung strebt Supervision die Erhöhung der
Professionalität der Beteiligten und eine Verbesserung
von institutionellen Rahmenbedingungen an.
1. Ziele von Supervision
·
Professionalisierung des beruflichen Handelns
·
Bewältigung von Belastungen
·
Vermittlung neuer Handlungsperspektiven
·
Persönlichkeitsentwicklung
·
Verbesserung von Arbeitsklima
2. Wirkungsweise von Supervision
·
Betrachtung und Reflexion von Problemen aus der Distanz
·
Einsicht in innere Gegebenheiten (Interpretations- und Bewertungsmuster)
·
Entlastung durch emotionale Annahme
·
Erweiterung der Reflexionskompetenz
·
Verbesserung der Fähigkeit zur Selbstexploration
·
Differenzierung der eigenen Wahrnehmung
konkrete Problembearbeitung:
·
tieferes Verstehen des Problems durch Darstellen, Verbalisieren und
Herausarbeiten
·
Perspektivenwechsel
·
Ideen zur Lösung der Schwierigkeiten
·
Ausprobieren und Reflexion von Lösungs- und Handlungsalternativen
·
Aufdeckung von tiefergehenden Problemursachen (z.B. Störungen im
Kollegenkreis, in der Familie)
Teamarbeit
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Referentin: Miriam Lauterbach
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Team = Arbeitsgemeinschaft
Teamarbeit = Arbeit eines gut aufeinander
abgestimmten Teams
Das Team hat die Funktion einer kollegialen
Gemeinschaft, die nicht nur fachlichen Halt bietet,
sondern zudem Qualitäten auf ganz persönlicher
Ebene aufweist
Was leistet das Team?
1. Team als Gewähr professioneller Sicherheit durch Emotionalität und fachlichen
Austausch (persönliche Identitätsfindung)
·
Rückkoppelung der Teammitglieder in seiner inhaltlichen Arbeitsform
·
Gefühl von Geborgenheit
·
Gefühl, als Person wichtig zu sein
·
,,Nest" und ,,Spiegel"
·
Pool von Fachwissen
·
Fallverstehen als kommunikativer Prozeß
·
Ort für fachliche Selbstreflexion und Konsensfindung
·
Korrektiv für inhaltliche Entscheidungen
·
social support
2. Team als Lernfeld für Kommunikation
·
Teammitglieder stellen gemeinsame Spielregeln der Kommunikation auf (z.B.
sich gegenseitig zuhören)
·
gemeinsamer Lernprozeß
3. Team als Modell oder Vorbild für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
·
Gleichberechtigung untereinander als Grundlage, um Jugendlichen unter den
gleichen Voraussetzungen zu begegnen
·
Umgang der Teammitglieder miteinander haben Vorbildfunktion für die
Jugendlichen
4. Team als fachliche Solidargemeinschaft und soziales Netzwerk
·
Team als ,,Gemeinschaft unter Gleichen"
·
Persönlichkeit des einzelnen wichtig
·
Sympathie entsteht im privaten Verhältnis der Teammitglieder
Fortbildung
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Referentin: Miriam Lauterbach
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1. Aufgaben der Fortbildung
·
Weiterentwicklung der pädagogischen und sozialwissenschaftlichen Fachlichkeit
·
Prozesse der Persönlichkeitsbildung, insbesondere der berufsbiographischen
Selbstreflexion
·
Verschränkung wissenschaftlicher und praktischer Erkenntnis- und
Handlungsperspektiven
2. Elemente der Fortbildung
·
Arbeit mit Gruppen aus konkreten lokalen Arbeitszusammenhängen
·
Fortbildner müssen konkrete Realitäten zunächst zur Kenntnis nehmen
·
Konfrontation der PraktikerInnen mit theoretischen Sichtweisen ihrer Praxis
·
kooperative Erarbeitung von Vorschlägen und Empfehlungen für die Gestaltung
von Handlungsbedingungen, die professionelles Arbeiten erst ermöglichen
·
Erarbeitung von Konzeptionen durch die PraktikerInnen
·
Diskussion der Konzeptionen mit beteiligten Theoretikern
3. Fortbildung als ,,beratende Rekonstruktion" (Dewe)
·
explizit knowledge: Informationen wie z.B. Fakten. Wissen, welches man
einfach beschreiben kann ; tacit knowledge: Wissen aufgrund von Erfahrung
(Verständnis, Instinkt, Ahnung oder Intuition)
·
Ziele der ,,beratenden Rekonstruktion": Reflexion, Rationalisierung und
Innovation des zur Verfügung stehenden Repertoires, vor allem Explikation des
,,tacit knowledge"
·
wissenschaftlicher Berater: Anfertigung von Beobachtungsprotokollen unter der
Maxime ,,Was irritiert mich"
·
gezieltes Nachfragen und argumentative Konfrontation > Professioneller unter
Rechtfertigungsdruck > was bisher implizit sein Handeln bestimmte, wird in den
Rechtfertigungen explizit
·
Reflexion des eigenen Wahrnehmens und Handelns
·
Wahrnehmung, Kommunikation und Selbstreflexion als Kompetenzen für
soziales Handeln werden gefördert
Literatur:
·
Deinet, Ulrich und Sturzenhecker, Benedikt: Handbuch Offene Jugendarbeit,
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Dozent: Dr. Birgit Schaufler
Referentin: Miriam Lauterbach
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Münster: Votum-Verlag, 3. Aufl. , 2000
·
Kolbe, F./Kiesel, D.: Professionalisierung durch Fortbildung in der Jugendarbeit.
Frankfurt: Haag & Hercken Verlag, 1997
·
Böhnisch et al. Jugendarbeit als Lebensort
·
Dewe, B. Et al. Erziehen als Profession.
·
Deinet, U./Sturzenhecker, B.: Konzepte entwickeln. Anregungen und Arbeitshilfen zur
Klärung und Legitimation. Weinheim/München 1996
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